Torfgewinnung und Torfverwertung im Sihlseegebiet
Geschichte der Torfgewinnung im Sihlseegebiet | Das Handwerk des Turpnens
gallery: Torfstich im Sihlseegebiet

Das Handwerk des Turpnens
Wenn ein Gebiet zur Torfausbeute vorgesehen ist, werden zuerst mehrere tiefe Hauptgräben angelegt. Dann wird das Gebiet in quadratische Plätze von ca. 20 m Seitenlänge eingeteilt. Nachdem ein Abzuggraben in den Hauptwassergraben angelegt worden ist, wird das Gras und die oberste, ungefähr 20 bis 30 cm dicke Schicht Erde, bestehend aus Graswurzeln und Torf von sehr schlechter Qualität, abgestochen und entfernt.
Nun kann mit dem Torfstechen begonnen werden. Der Torf wird in Portionen von 36 cm Länge, 9 cm Breite und 9 cm Höhe, den sogenannten Turben oder Soden, gestochen. Der Torfstecher wirft die gestochene Turbe seinem Gehilfen zu, der sie mit den Händen fängt und auf den bereit stehenden Torfkarren legt, bis der Karren vollgeladen ist. Der Karren wird mit der Ladung an den für die Trocknung der Turben vorgesehenen Ort geschoben.
Dort werden die Turben entweder nebeneinander auf den Boden gelegt oder kreuzweise zu 6er- oder 8er-Böcken aufgeschichtet, damit der Luftstrom die Turben bestreichen kann. Hat die Sonne die Turbenoberfläche getrocknet, werden sie gekehrt, damit auch die untere Seite getrocknet wird. In nassen Jahren muss dieser Vorgang mehrmals wiederholt werden.
Danach werden die Turben „kanöndled“: Auf eine Turbe werden zwei andere schief daraufgelegt. Nach einiger Zeit werden sogenannte „Infanteristen“ errichtet: Man steckt Pfähle in den Boden und schichtet um diese herum kreuzweise die Turben auf.
Die getrockneten Turben werden eingesammelt, dann in den Turbenhütten gelagert und von dort den Besitzern nach Bedarf nach Hause zum Heizen gebracht.

Die Farbfotos stammen aus dem 2002 erschienenen Dokumentarfilm „Turpäland“ von Franz Kälin.

Text nach: Hensler/Kälin. Torfgewinnung und Torfverwertung. Erschienen in: Saurer, Karl (Hrsg.). Der Sihlsee, Eine Landschaft ändert ihr Gesicht. Zürich: Offizin (2002).

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