Torfgewinnung und Torfverwertung im Sihlseegebiet
Geschichte der Torfgewinnung im Sihlseegebiet | Das Handwerk des Turpnens
gallery: Torfstich im Sihlseegebiet


Torffelder im Totmeer gegen den Etzel im heutigen Sihlseegebiet
Kohlezeichnung von Josef Kälin-Küpfer, 1934


Verwendung des Torfs
Der Torf wurde früher vor allem als Heizmaterial verwendet. Dass sich Torf zur Energiegewinnung eignet, erkannte man bereits vor mehr als zweitausend Jahren. So schreibt Plinius der Ältere (ca. 24 bis 79 n. Chr.) in seiner «Naturalis historia» folgende Sentenz vom Volk der Chauken, das an der Nordseeküste, dem heutigen Friesland, siedelte: «Indem sie mit den Händen aufgegriffene Erdschollen mehr an der Luft als an der Sonne trocknen, kochen sie mit dieser Erde ihre Speisen und wärmen damit auch ihre vom Nordwind erstarrten Glieder.» Der Heizwert des Torfes war je nach Qualität sehr unterschiedlich und betrug nur etwa ein Drittel desjenigen der Kohle.
Torf war und ist jedoch nicht nur Brennmaterial. Der Torf wurde beim Hausbau in der Sihlseegegend als Füll- und Isoliermaterial verwendet. Dadurch konnte das Faulen des Holzes verhindert werden und man erreichte eine gute Wärmeisolation.
Der Torf fand zudem Verwendung als Einstreu in Viehställen. Heute dient der Fasertorf als Torfmull zur Verbesserung sandiger und lehmiger Böden.

Torfgewinnung im Sihlseegebiet
In der Schweiz entdeckte man den Torf im späten Mittelalter. Die vormals grossräumig von Wäldern überzogenen Gebiete wurden im 13. bis 15. Jahrhundert so stark entwaldet, dass die Hänge und Bachufer im Jahre 1440 durch gesetzliche Verordnung geschützt werden mussten. Die Praxis der Wiederaufforstung war noch unbekannt, und so blieben die enormen Kahlschläge während Generationen nicht ohne Folgen. Mit der einhergehenden Verknappung des Holzes musste man sich also nach alternativen Brennstoffen umsehen. So begann im 16. Jahrhundert in grösserem Masse der Abbau der Torflager.
Im Sihlseegebiet kam man jedoch erst später auf den Gedanken, den bisher unbenutzten Torf als Heizmaterial zu verwenden. Jahrhundertelang hatten die vielen Torfmoore im Sihlhochtal als "faule, unnütze Möser" gegolten, und erst etwa anfangs des 17. Jahrhunderts begann man mit der Kultivierung dieser Ländereien. Im Jahre 1748 wurde dann auch hier zum ersten Mal Torf gestochen.
Von nun an wurde jedes Jahr eine beträchtliche Menge für den eigenen Heiz- und Kochbedarf und für die Ausfuhr in Nachbargebiete gestochen. Um 1800 beutete die Einsiedler Bevölkerung für den Eigengebrauch jährlich 6000 Klafter und für den Export 3000 Klafter aus (1 Klafter entspricht ungefähr 3 Kubikmetern). Der Torf wurde zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor Einsiedelns. Während der Zeit der grössten Blüte der Torfausbeutung im Sihlseegebiet sollen bis zu 300 Arbeitskräfte eingesetzt worden sein. Die Handarbeit in der Sommerglut der Hochmoore war sehr anstrengend und verlangte grosse Ausdauer (vgl. "Das Handwerk des Turpnens").
Gemäss einer Turbenverordnung aus dem Jahre 1835 hatte jede Familie Anrecht auf einen Turbenplatz für 18-20 Jahre. Jeder vollberechtigte Bürger durfte auf seinem Platz selber Torf stechen.
Die enorme Beliebtheit des Torfes führte dazu, dass die Ausbeute etwas gedrosselt werden musste. Durch verschiedene Verordnungen wurde die zum Abstich erlaubte Menge immer mehr reduziert, zunächst auf 12, später auf 8 Klafter pro Jahr und Familie.
Torf war immer wieder ein sogenannter Krisenbrennstoff und gewann während der beiden Weltkriege in der gesamten Schweiz lebenswichtige Bedeutung, als der Kohleimport aus dem Ausland versiegte. Auch die Torffelder des Sihlseegebiets wurden ausgebeutet; den Sommer über waren mehr als tausend Personen, auch Frauen und Kinder, mit dem Torfabbau beschäftigt. Sogar namhafte Firmen begannen, selbst Torf abzubauen, um ihre Produktion aufrechterhalten zu können.


Galerie
Diese Originalaufnahmen aus dem Sihlseegebiet wurden dem Buch "Der Sihlsee - Eine Landschaft ändert ihr Gesicht", herausgegeben von Karl Saurer, entnommen.
torf.jpg kanoeneln.jpg
Torfstich Kanönlen
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Infanteristen gewerbliche Torfgewinnung

Text nach: Hensler/Kälin. Torfgewinnung und Torfverwertung. Erschienen in: Saurer, Karl (Hrsg.). Der Sihlsee, Eine Landschaft ändert ihr Gesicht. Zürich: Offizin (2002).

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