Stimmen zum Sihlsee
Goethe | Düggeli | Lienert



„Das Sihltal präsentiert sich uns heute als langgestreckte, braungelbe, düstere Ebene, als tote Tiefe, die stellenweise von weithin sichtbaren Schuttfluren unterbrochen ist.
Einen ganz andern Anblick wird die Gegend gewähren, wenn einmal der Stausee vorhanden ist. Während jetzt dieses hochgelegene, sumpfige Tal in keiner Jahreszeit das menschliche Gemüt zu erfreuen vermag, werden dann die so schönen, teils mit Weiden, Häusern und Hütten besäten Bergabhänge die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich ziehen und sie werden einen wundervollen Rahmen bilden zu dem an ihrem Fusse sich ausdehnenden See. Niemand wird sich die Moore zurückwünschen, wenn beim Aufgang der Sonne das Frühgold auf des Sees sanft gekräuselter Fläche erzittert und das klare Spiegelbild der benachbarten Bergriesen dem sinkenden Tagesgestirn das letzte Lebewohl zuwinkt.“

Max Düggeli, Geograph, 1903

Foto: Franz Kälin