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Leseprobe aus dem Kapitel
„Deshalb braucht es Wochentagväter“
Väter verpassen oft wichtige Entwicklungsschritte ihres Kindes. Gerade in den ersten beiden Lebensjahren geschieht im Leben des Kindes sehr viel Unausgesprochenes und Faszinierendes. Aus dem Neugeborenen wird immer mehr der Sprössling einer jungen Familie. Da gibt es das erste Drehen auf den Bauch, das erste Lachen, das erste Krabbeln, die ersten Worte und die ersten Gehversuche. Indem Sie mit ihrem Kind viel Zeit verbringen, haben Sie Anteil an dieser Entwicklung.
Mit der Geburt des ersten Kindes wird aus einem Paar eine Familie. Es sind nun drei Personen da, die eine Gemeinschaft bilden. Kümmert sich nur die Mutter um das Kind, ist der Vater von der nun entstehenden neuen Beziehung und der Gestaltung des Familienalltages weitgehend ausgeschlossen. Da stellt sich zunächst die berechtigte Frage: Wie beeinflusst man die Beziehung zu einem Neugeborenen? Natürlich gibt es da zunächst nur wenig an Gestaltungsmöglichkeiten, denn der Säugling bestimmt den Betreuungsalltag weitgehend durch seine klar geäusserten Bedürfnisse. Trotzdem werden bereits in den ersten Lebensmonaten des Kindes wichtige Weichen gestellt, die Einfluss auf die folgenden Jahre haben. Soll das Kind um 19:00 Uhr oder erst um 22:30 Uhr schlafen? Wann sind die Zeiten für die Nahrungsaufnahme? Schläft das Kind im eigenen Zimmer oder im Elternbett? Wie kommunizieren Sie mit dem Kind (in normaler oder in «Babysprache»)?
Nur wenn Sie als Vater regelmässig viel Zeit mit ihrem Nachwuchs allein verbringen, können Sie ihre eigene Persönlichkeit in die Gestaltung der Familienbeziehung mit einbringen. Nur so finden Sie heraus, was für Sie und ihr Kind das Richtige ist. Für Sie ist dann klar, wann das Kind am Abend gefüttert und schlafen gelegt werden soll. Sie entwickeln eine eigene Wickeltechnik, eine eigene Art des Redens, spezielle Spiele und vielleicht auch eine Vorstellung davon, wie das Kind gekleidet werden sollte (Achtung: ein heikles Thema mit viel Konfliktpotential!). Sie wissen Bescheid über Kinderkleidergrössen, kennen alle geeigneten Babytragarten und haben ein eigenes Verfahren entwickelt, wie Sie den schreienden Säugling beruhigen. Sie gehen mit ihrem Kind zu einer bestimmten Zeit spazieren und haben eine «eigene» Strecke. Sie verstehen das kleine Geschöpf, ohne dass es sich verbal äussert.
Es lohnt sich, mit seinen Kleinen viel Zeit zu verbringen und daran teilzuhaben, wenn sie die Welt entdecken. So können wir Väter unsere eigene Kindheit nochmals erleben und unseren Spieltrieb ausleben. Wir Väter können unserem Nachwuchs viele Orte zeigen, wo Mütter kaum hingehen. Unsere Kinder sind dabei, wenn wir Autobahnbaustellen, Güterbahnhöfe, Lastwagenreparaturwerkstätten, Containerhäfen, Kieswerke, Helikopterlandeplätze, Lokomotivdepots oder Kleinflughäfen besichtigen. Sie haben Spass, wenn wir sie zum Autoreparieren, zur Besichtigung der Ortsfeuerwehr, zur lokalen Polizeistation oder zur Einsatzzentrale der Krankenwagen mitnehmen. Besondere Freude haben die Kleinen an Sprengungen, Häuserabbrüchen und Aushubarbeiten mit grossen Baumaschinen. Sie beobachten uns aber auch gern bei Reparaturarbeiten in Haus und Garten oder beim Zusammensetzen von Möbeln.
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