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Übungen zu Abschnitt 3.
4. Meldungen über neue Ölfunde
Immer wieder finden wir in den Zeitungen Nachrichten über grosse Ölfunde, die das Problem in weite Ferne schieben sollen. So berichtete etwa die Frankfurter Allgemeine Zeitung 03.10.2009:
"Riesige neue Ölfunde im Meer dämpfen die Angst vor einem baldigen Engpass. Mit 200 neuen Funden könnte 2009 zum erfolgreichsten Jahr seit der Jahrtausendwende werden. Doch die Förderung ist aufwendig und teuer. ...
Ein neuer Optimismus hat die Branche erfasst. Schon werden Stimmen laut, die die Ölversorgung in den kommenden Jahrzehnten dank der neuen Funde als gesichert sehen. Denn nicht nur die Größe, sondern auch die hohe Zahl der Neuentdeckungen ist überraschend. Innerhalb der ersten Jahreshälfte summierten sich die Funde auf 10 Milliarden Barrel Öl, rechnet das renommierte Energie-Beratungsunternehmen IHS Cera vor."
Solche Nachrichten beruhigen. Solange, bis Sie nachrechnen. Wir verbrauchen heute weltweit pro Tag 86 Mio. Barrel Öl. 10 Mrd. Barrel reichen also gerade mal für
10'000'000'000 / 86'000'000 = ca. 116 Tage!
Die riesigen Funde dieses halben Jahres decken noch nicht einmal den täglichen Bedarf in derselben Zeit! Trotzdem werden Stimmen laut, die die Ölversorgung in den kommenden Jahrzehnten dank der neuen Funde als gesichert sehen!
Dieser Bericht ist keineswegs ein Einzelfall. 2011 brachen die Zeitungen in Euphorie aus über einen gigantischen Ölfund in Norwegen. Dort wurden 500 Mio. bis 1,2 Mrd. Barrel Öl gefunden, der grösste Fund in der Nordsee seit Mitte der 80er Jahre! 1,2 Mrd. Barrel ist eine enorme Zahl. Aber rechnen wir nach:
1'200'000'000 / 86'000'000 = ca. 14 Tage!
500'000'000 / 86'000'000 = ca. 6 Tage!
Der begeistert verkündete Ölfund des Jahrzehnts deckt den weltweiten Energiebedarf gerade mal 6-14 Tage!
Was passiert da? - Ganz einfach: Wenn ein Ölkonzern grosse Funde meldet, steigt der Aktienkurs und damit der Bonus der Manager! Die Ölkonzerne haben nur ein Ziel: Das gesamte verfügbare Öl so rasch wie möglich aus dem Boden zu pumpen und zu verkaufen. Die Reserven unter dem Boden bringen keine Rendite. Wer aber Geld hat, kann dieses auf den Kapitalmärkten anlegen und so einen Zins erwirtschaften. Solange Geldvermögen eine Rendite abwerfen, können wir die Ressourcen nicht schonen. Solange Geldvermögen exponentiell wachsen, wird auch unser Ressourcenverbrauch exponentiell wachsen.
Übungen zu Abschnitt 4.
5. Was bedeutet das Ende des Ölzeitalters?
Zunächst einmal müssen wir uns bewusst sein, dass die Menschheit seit Urzeiten ein Energieproblem hat. Vieles deutet darauf hin, dass bereits Steinzeitmenschen bei der Suche nach Brennholz und auf der Jagd ganze Landstriche rodeten und Landschaften veränderten. In Australien z. B. bildeten sich genau in der Zeit Wüsten, in der die ersten Menschen dort eintrafen. Die Sahara entstand in der Zeit, als die Menschen dort zum ersten Mal so tiefe Brunnen bauten, dass sie auch in Trockenzeiten sesshaft bleiben konnten. Auch die Moai scheinen ihre Umwelt massiv geschädigt zu haben.
Spätestens die antiken Hochkulturen sind eindeutig nicht mehr nachhaltig. Verschiedene Berichterstatter des Altertums dokumentierten die Abholzung und die darauf folgende Verkarstung. Externer Link: Referat über die Umweltzerstörung im Altertum.
Der Forstwirtschafter Christian Küchli beschreibt die Abholzung im Mittelalter eindrücklich (Küc 1): "Auf der königlichen Tafel seien das Wasser und sogar der Wein in den Gläsern gefroren, schreibt 1695 Liselotte von der Pfalz, die Schwägerin Ludwigs des XIV, aus Paris nah Hause. Wenn Die Temperaturen selbst am französischen Königshof so tief sinken, müssen die Winter vergangener Jahrhunderte auch für gewöhnliche Stadtbewohner empfindlich kalt gewesen sein. Die Beschaffung von Brennholz ist in den dichter besiedelten Gebieten Mitteleuropas denn auch eines der vordringlichsten Probleme seit Ende des 14. Jahrhunderts." "Der Schweizerische Forstverein schreibt 1856 an den Bundesrat: Die den Touristen so wohl bekannte Gegend von Grindelwald ist so holzarm, dass die Bewohner dieses Ortes ihr Holz 5 Stunden weit holen und auf dem eigenen Rücken tragen müssen." "Um 1800 erwachte dann fast plötzlich die Furcht vor der Holznot, die sich, so der Forsthistoriker Karl Alfons Meyer, mit der Angst vor dem im Jahr 1000 erwarteten Weltuntergang fast vergleichen lässt."
Was ich mit diesen Textstellen zeigen will: Wir werden nicht zur Lebensweise vor 200 Jahren zurück kehren können. Denn diese Lebensweise hat damals schon nicht nachhaltig funktioniert. Selbst eine bescheidene und naturverbundene Lebensweise, wie sie die Steinzeitmenschen pflegten, ist heute nicht mehr möglich.
Was vor 200 Jahren nicht funktioniert hat, würde heute noch viel weniger funktionieren. Wir sind heute fünf bis sechsmal mehr Menschen auf der Erde als vor 200 Jahren. Wir sind hundert- bis tausendmal mehr Menschen als in der Steinzeit. Dass wir Öl gefunden haben, hat uns eine Verschnaufpause gegeben. Wir haben sie schlecht genutzt. Denn nach dem Ölzeitalter wird die Situation schwieriger sein als je zuvor. Nicht nur, weil wir mehr Menschen sind, sondern auch, weil unsere Lebensweise auf schier unerschöpflichen Energiequellen basiert. Und damit meine ich nicht, dass wir gewohnt sind, täglich warm zu duschen und unsere Zimmer so zu heizen, dass der Wein nicht auf dem Tisch gefriert. Solchen Luxus könnten wir uns rasch wieder abgewöhnen.
Das Problem ist: Wir haben unsere Städte und Fabriken ohne Rücksicht auf Transportwege in die Landschaft gestellt. Wie soll eine Millionenstadt überleben, wenn wir keine billige Energie mehr haben? Sollen wir das Gemüse mit Pferdekutschen von Spanien nach Berlin oder nach Wien holen?
Schlimmer noch: Unsere Landwirtschaft basiert empfindlich auf billigem Erdöl. Seit 1940 haben sich die landwirtschaftlichen Erträge in den USA verdreifacht, in erster Linie dank Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln, die wir mit Erdgas gewinnen (externer Link “Das globale Ernährungssystem basiert auf fossiler Energie”). Dazu kommen Traktoren, Mähmaschinen und Transportfahrzeuge. Hinter jeder Kalorie, die wir zu uns nehmen, steckt ein Mehrfaches an fossiler Energie. Damit ich eine Literflasche Mineralwasser auf meinen Esstisch stellen kann, verbrauche ich mehr als einen Liter Öl. Nur dank billigem Erdöl konnte die Weltbevölkerung so stark zunehmen.
Moderne Landwirtschaft ist die Umwandlung von Erdöl in Nahrungsmittel.
Wie sieht es mit alternativen Energiequellen aus? - Das Öl lässt sich hier nicht so einfach z. B. durch Solarenergie ersetzen. Ein Solarmobil fährt vor allem deshalb so schnell, weil bei ihm die Reibung auf ein Minimum reduziert wird. Ein Physiker würde sagen: “Ein Solarmobil leistet keine Arbeit. Im Idealfall muss man es nur am Anfang beschleunigen. Dann gleitet es ohne Energieverbrauch zum Ziel. Beim Abbremsen gewinnt es die Energie zurück, die wir zum Anfahren hinein gesteckt haben.” Ein Traktor, ein Mähdrescher oder eine Baumaschine müssen aber Arbeit leisten. Dazu braucht es eine konzentrierte Energie.
Um einen Europäer ein Jahr lang zu ernähren, verbrauchen wir etwa 650 l Öl. Das sind pro Tag etwa 1.75 Liter Öl, was dem Energiewert von etwa 2 Litern Benzin entspricht. Hätten wir diese fossile Energie nicht, so müsste ein Mensch 2-3 Wochen arbeiten, um die gleiche Nahrung zu produzieren. Mit 2 Litern Benzin pro Tag können wir einen Menschen wie einen Europäer ernähren.
Mit der gleichen Energie fährt ein Auto 50 km weit. Wir können also entweder täglich 50 km Auto fahren oder einen Menschen ernähren. Damit ich einen 25 km weiten Weg zur Arbeit mit dem Auto fahren kann, muss eine siebenköpfige Familie einen Tag pro Woche ohne Nahrung auskommen. Wenn ein Kölner mit dem Auto nach Napoli in die Ferien fährt und zurück, verbrennt er Nahrungsmittel, von denen ein Mensch zwei Monate lang hätte leben können. Nicht eingerechnet ist hier, dass es etwa einen Drittel so viel Energie braucht, um ein Auto herzustellen, wie um es zu fahren. Statt einen Flug von Berlin nach San Francisco anzutreten (und zurück), könnten wir für jeden Passagier einen Menschen ein ganzes Jahr lang wie einen Europäer ernähren.
Energiekonzerne rechnen uns vor, dass das Öl noch während über Hundert Jahren reichen wird, selbst zum Autofahren. Vielleicht stimmt dies. Sicher wird das Öl immer reichen, um Medikamente herzustellen. Für das Bisschen Öl in einem Medikament können wir sehr viel zahlen. Andere Bestandteile in Medikamenten sind viel teurer. Als Rohstoff für Luxusgüter wird das Öl nie zu teuer werden.
Aber Öl wird teurer. Daran führt kein Weg vorbei. Und das ist gut so, wenn es ums Autofahren geht. Das wird unsere Exzesse beim Verkehr bremsen, was dringend nötig ist. Für viele Menschen geht es aber um das tägliche Brot. Viele Menschen brauchen mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Nahrungsmittel.
Wenn das Öl teurer wird, werden auch die Nahrungsmittel teurer. Wir in Europa werden das fast nicht merken. Denn bei uns bestehen die Lebensmittelpreise in viel höherem Mass aus den Lohnkosten der Produzenten, Händler und Verkäufer. Wenn aber ein Familienvater plötzlich 85% statt 70% seines Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben muss, dann merkt er dies. Dies ist die Situation für Millionen von Familienvätern. In den letzten 10 Jahren hat sich der Ölpreis vervierfacht. Dadurch haben sich von Januar 2005 bis Januar 2012 die Nahrungsmittelpreise verdoppelt! Wer damals mehr als 50 % seines Einkommens für Lebensmittel ausgegeben hat, hat heute ein Problem.
Das ist die tiefere Ursache für die Aufstände in Nordafrika, die wir selbstgefällig als “Demokratisierungsprozess” und “Befreiung von den arabischen Diktatoren” bezeichnen. Das Problem der jungen Araber waren nicht die Diktatoren, so scheusslich diese auch waren. Ihr Problem ist, dass wir mit ihrem Essen unsere Autos füttern. Dies übrigens z. T. ganz konkret: Wir machen aus Getreide und aus anderen Pflanzen Ethanol und brauchen dieses als Treibstoff für unsere Autos. Das ist grober Unfug! Denn diese Biotreibstoffe, die in manchen Ländern sogar subventioniert werden, kosten oft sogar mehr fossile Brennstoffe, als sie ersetzen.
Wir werden einen Übergang von billiger zu teurer Energie erleben. Dies werden auch alternative Energiequellen nicht verhindern können. Denn auch sie basieren zu einem beachtlichen Teil auf billigem Erdöl. Um Solarkraftwerke, um Betonpfeiler für Windräder zu bauen, braucht es konzentrierte Energie. Wenn das Öl teurer wird, wird die Energie allgemein teurer.
Übungen zu Abschnitt 5.
6. Die Besiedlung ferner Planeten
Offensichtlich gehen uns auf der Erde die Ressourcen aus. Immerhin scheint es als hätten wir das Bevölkerungswachstum im Griff. Vor allem China hat es dank seiner radikalen Ein-Kind-Politik geschafft, das Wachstum auf 0.7% pro Jahr zu beschränken. Das Wachstum der Menschheit beträgt 1.5% pro Jahr. Wenn alle Länder ihr Wachstum so gut im Griff hätten wie China, wäre das doch schon recht gut?
Nein, 0.7% reicht bei weitem nicht! 0.7% Wachstum pro Jahr bedeutet eine Verdoppelungszeit in 100 Jahren, also eine Vertausendfachung in 1’000 Jahren.
Die USA haben 1% Wachstum, was einer Verdoppelungszeit von 70 Jahren entspricht! Wenn die gesamte Menschheit so weiter wächst wie die US-Bevölkerung heute, gäbe es in 700 Jahren tausendmal so viele Menschen auf der Erde wie jetzt. In 1400 Jahren wären es über eine Million mal mehr. Es braucht nicht viel Phantasie um zu sehen, dass dies nicht geht. Es wird Nullwachstum geben auf der Erde. Wenn wir es nicht selbst gezielt herbei führen, wird uns die Natur dazu zwingen.
Nun gibt es viele Naturwissenschafter, die im Detail beschreiben, wie wir andere Planeten finden und dort Kolonien bilden könnten. Es sind sogar schon einzelne sehr ferne Planeten gefunden worden, auf denen möglicherweise Leben möglich wäre. Diese Planeten sind zwar Hunderte oder Tausende von Lichtjahren von der Erde entfernt. Aber weshalb sollte es in 200 Jahren nicht möglich sein, Menschen auf diese Planeten zu transportieren?
Selbst wenn ich mich einmal in die Haut eines Science-fiction Autors versetze und annehme, dies sei möglich: Dies löst das Bevölkerungsproblem nicht. Es reicht nicht, zwanzig oder hundert Menschen auf einen fernen Planeten zu transportieren! Damit könnte allenfalls der Fortbestand der Menschheit gesichert werden. Aber um die Bevölkerungsexplosion auf der Erde zu entschärfen, müssten wir in 200 Jahren 14 Milliarden Menschen auf diese Planeten in Hunderten von Lichtjahren Entfernung transportieren können. Das Doppelte der heutigen Weltbevölkerung müssten während einigen Hundert Jahren in Raumschiffen durch die absolut lebensfeindliche Leere des Alls reisen. Sie würden ihre Zahl auf dieser Reise wieder mehrmals verdoppeln, so dass nach drei Verdoppelungen während einer 300 Jahre dauernden Reise über 100 Milliarden Menschen auf dem unbekannten Planeten eintreffen würden. Diesen würden sie dann frohen Mutes bewohnbar machen, weil der ja so viel lebensfreundlicher ist als unsere Erde? Ist dies eine realistische Hoffnung für den Fall, dass wir es nicht schaffen sollten, hier zu überleben, auf unserem lieblichen Planeten Erde, für den wir geschaffen sind?
Nichts gegen Visionen. Aber unsere Vision sollte sein, auf der Erde zu überleben. Wenn wir es hier nicht schaffen, schaffen wir es nirgends. Dass Naturwissenschafter solche Gedanken äussern, zeigt nur, wie weit wir von einer ernsthaften Lösung entfernt sind.
Übungen zu Abschnitt 6.
7. Die Sicht der Ökonomen
Ich habe aus der Sicht des Naturwissenschafters aufgezeigt, weshalb exponentielles Wachstum nicht ewig möglich ist. Ökonomen haben einen völlig anderen Blickwinkel auf das Problem als Naturwissenschafter. Ökonomen sehen, dass Wirtschaftswachstum notwendig ist. Also sagen sie: “Irgendwie müssen wir das einfach hinkriegen.” Naturwissenschafter sehen, dass unbegrenztes Wachstum nicht möglich ist. Also sagen sie: “Wir müssen unsere Lebensweise so anpassen, dass wir ohne Wachstum auskommen.”
Der Wirtschaftswissenschafter Kenneth Ewart Boulding kommentierte dies so: "Jeder der glaubt, dass exponentielles Wachstum in einer endlichen Welt für immer weitergehen kann ist entweder verrückt oder ein Wirtschaftswissenschaftler."
Ein System, das nur funktionieren kann, solange es wächst, heisst Schneeballsystem oder Ponzi-Spiel. Unsere Wirtschaft ist ein Schneeballsystem. Eigentlich sind Schneeballsysteme in den meisten Ländern verboten, weil sie über kurz oder lang zusammenbrechen müssen und dann enorme Verluste verursachen. Leider kann man damit Anfangs auch grosse Gewinne machen, so dass oft grosszügig über das Verbot hinweggesehen wird. So konnte beispielsweise der European Kings Club 1994 eine Unterdeckung von 1.6 Milliarden Franken anhäufen. 2009 kollabierte das System von Bernard Madoff, das einen Schaden von mindestens 65 Milliarden Dollar anrichtete, wobei weltweit rund drei Millionen Menschen direkt oder indirekt betroffen waren. Wie gross der Schaden ist, den das Schneeballsystem Weltwirtschaft anrichtet, ist nicht absehbar. Es besteht aber kein Zweifel, dass unsere Wirtschaft auf Wachstum angewiesen ist und somit als Schneeballsystem bezeichnet werden muss.
Wenn die Wirtschaft während zwei Quartalen nicht wächst, nennen wir dies Rezession. Eine Rezession ist unter anderem gekennzeichnet durch sinkende Löhne und vermehrte Kurzarbeit oder steigende Arbeitslosigkeit. Die Wirtschaft muss wachsen, damit wir unseren Wohlstand halten können. Das ist nicht nur Theorie, sondern das ist eine beobachtete Tatsache. Der Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman nennt die konkreten Zahlen (Kru 1): "Sobald das Wirtschaftswachstum die Marke von 2,5 Prozent überschreitet, beginnt die Arbeitslosenquote zu fallen (etwa einen halben Prozentpunkt für jeden zusätzlichen Prozentpunkt beim Wachstum). Und umgekehrt gilt: Fällt das Wirtschaftswachstum unter die Marke von 2,5 Prozent, beginnt die Arbeitslosigkeit zu steigen."
Die Wirtschaft muss wachsen, damit es uns gleich gut geht wie bisher! Dies ist, was Ökonomen täglich erleben. Es ist nicht irgendein theoretischer Furz. Für Ökonomen ist das Wachstum kein Problem. Es ist die Lösung eines Problems, nämlich des Zinsproblems. Sie lassen sich diese Lösung nicht so einfach nehmen, nur weil irgend jemand von der Endlichkeit der Ressourcen erzählt. Das ist der Grund, weshalb Ökonomen und Wirtschaftsvertreter nichts gegen das Wachstum tun. Und wenn Politiker doch Massnahmen durchsetzen können, zeigt sich, dass die Wirtschaftsvertreter recht haben: Wenn wir das Wachstum einschränken, bricht die Wirtschaft zusammen und die Arbeitslosigkeit nimmt zu. Kein noch so umweltbewusster Politiker kann unter diesen Umständen seinen Kurs halten.
Es ist offensichtlich, dass das Bevölkerungswachstum gestoppt werden muss. China spielt dabei die Vorreiterrolle -scharf kritisiert vom Westen. Seit Jüngstem hören wir aber auch von der chinesischen Regierung Bedenken, dass ein so tiefes Bevölkerungswachstum das Wirtschaftswachstum gefährde. Ziel solle ein Bevölkerungswachstum von etwa 1% sein, was demjenigen der USA entspricht. Die Wirtschaft zwingt uns zu einem Wachstum, das in der Natur gar nicht möglich ist. Darauf angesprochen sagte mir ein Ökonom Schultern zuckend: "Mit dem Wachstum ist es ja lange Zeit ganz gut gegangen!"
Aber natürlich! Das haben exponentiell wachsende Funktionen so an sich. Sie gehen lange gut. Für die Bakterien in der Flasche sieht es lange Zeit so aus, als wäre da kein Problem. Aber dann geht es sehr plötzlich, und die Flasche ist voll. Ein anderer Ökonom meinte: “Wachstum ist doch natürlich. Alles wächst in der Natur! Alle Lebewesen wachsen!”
Richtig! Aber seit die Lebewesen wachsen, sterben sie. Einzeller sind potentiell unsterblich. Wenn ein Baum lange leben soll, müssen wir ihn zu einem Bonsai schneiden und sein Wachstum stoppen. Wenn in der Natur etwas ungehindert wächst, nennen wir dies Krebs. Das funktioniert nicht auf Dauer!
Der Präsident der Deutschen Bank, Joseph Ackermann fordert eine Eigenkapitalrendite von 25%. Die Verdoppelungszeit wäre etwa 3 Jahre (hier führt die obige Faustregel auf ein etwas zu kleines Resultat). In 60 Jahren würde das Vermögen auf das eine Millionenfache ansteigen. Ackermann wurde dafür von allen Seiten gescholten. Aber Ackermann hat recht! Er hat die ökonomische Seite des Problems vollkommen verstanden und erledigt seine Arbeit meisterhaft. Aber die Lösung der Ökonomen funktioniert auf unserer Erde nicht unbeschränkt. Wir müssen unser Wirtschaftssystem so umgestalten, dass Wachstum nicht mehr nötig ist. Solange wir dies nicht schaffen, ist unsere Lebensweise nicht nachhaltig.
8. Was können wir tun?
Im Grunde genommen wissen wir ganz genau, was getan werden müsste. Wir müssten die Ressourcen schonen, wenigstens überall dort, wo wir es ohne Einschränkung unseres Lebensstandards tun könnten. Wir müssten nachhaltig leben, also so, dass die Menschheit wenigstens über mehrere Jahrhunderte, besser noch über Jahrtausende in diesem Stil weiter machen könnte. Ich habe oben aufgezeigt, weshalb wir es nicht tun: Unser Wirtschaftssystem verlangt Wachstum. Wachstum ist nicht vereinbar mit Nachhaltigkeit. Auch nicht ein bisschen Wachstum. Ich habe Ihnen vorgerechnet, was ein Prozent Wachstum anrichtet. Solange dies nicht tief in unser Bewusstsein eingedrungen ist, werden wir nicht nachhaltig leben können.
Das erste, was geschehen muss, ist ganz einfach: Die Mehrheit der Entscheidungsträger muss erkennen, dass Wachstum ein Widerspruch ist zu Nachhaltigkeit. Wenn Ihnen irgendwo ein Ökonom oder ein Politiker begegnet, der sagt: ”Unsere Wirtschaft braucht Wachstum!”, antworten Sie: “Dann müssen wir unsere Wirtschaft so ändern, dass sie kein Wachstum mehr braucht.”
Sie müssen dazu nicht viel von Ökonomie verstehen. Denn ökonomisch betrachtet stimmt es ja, dass unsere Wirtschaft Wachstum braucht. Selbst wenn ein Wirtschaftsprofessor sagt, Sie verstehen nichts von Wirtschaft, braucht Sie das nicht zu verunsichern. Denn Sie müssen gar nichts von Ökonomie verstehen. Sie müssen auch kein besseres Wirtschaftssystem präsentieren können. Sie müssen nur verstehen, dass Wachstum ein Widerspruch ist zu Nachhaltigkeit. Und das ist einfach zu verstehen, denn das folgt aus der Definition von Nachhaltigkeit. Wenn ein nachhaltiges Wirtschaftssystem möglich ist, dann wird der Wirtschaftswissenschafter dieses eher entdecken als Sie. Aber wenn er glaubt, Wachstum könne nachhaltig sein, dann taugen seine Vorschläge nichts. Und das können Sie beurteilen.
Vielleicht sagt er: “Es geht hier um qualitatives Wachstum. Qualitatives Wachstum ist kein Widerspruch zur Nachhaltigkeit.” - Das klingt zumindest ganz gut. Niemand weiss genau, was qualitatives Wachstum sein soll, aber es klingt gut. Die Frage ist: “Wie wollen Sie verhindern, dass unsere Wirtschaft auch quantitativ wächst?” - Wenn er das erklären kann, dann taugt seine Idee etwas.
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