DIE ZERSTÖRUNG DES STÄDTCHENS MEIENBERG

Trotz einem Waffenstillstand zwischen Österreich und den Eidgenossen kam es nach Morgarten (1315) nicht zu einem Frieden. Die Spannung und die Zwistigkeiten dauerten an und immer wieder kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen, meistens wegen lokalen Grenzschwierigkeiten oder Zollabgaben. Unter diesen Verhältnissen hatte auch Luzern besonders zu leiden, seit es am 7. November 1332 mit den Waldstätten den eidgenössischen Bund besiegelte. Die Habsburger fühlten durch den Freiheitsdrang der Eidgenossen ihr Besitztum bedroht und wehrten sich mit allen Mitteln um ihre Eigentumsrechte. So auch in der Stadt Luzern, in der sich freiheitliche Bürger mit den Eidgenossen verbündet hatten, um errungene Freiheiten und Rechte in Selbstverwaltung und Selbstbestimmung zu wahren und gerne auf eine Bevormundung durch habsburgische Herrschaft verzichten wollten. Die Vögte von Rotenburg sorgten nicht gerade für ein gutes Verhältnis. So vor allem Hartmann von Ruoda, ein Ritter aus dem Aargau, der seit 1315 seines Amtes waltete und Stadtrat und Bürger von Luzern rigoros beherrschen wollte und schikanierte. Auch Vogt Ulrich von Ramswag war kaum anders, wie auch Berchtold ab dem Hus, der als einstiger Luzerner Ratsherr sich in Zug in habsburgische Beamtungen emporgeschafft hatte, 1343 als Vogt von Rotenburg sich nicht besonders beliebt machte, wenn er auch die Zustände mit Luzern kannte.

Es war vor allem auch die Zollwarte auf dem Stollberg an der Grenze der Stadt Luzern, wo die Bürger von Luzern schikaniert wurden, wenn sie Wein und Waren vorwiegend aus Basel und dem Elsass einführten. Die mit hohen Zollabgaben belästigten Bürger machten ihrem Ärger Luft und konnten ihren Hass auf die Rotenburger Vögte und Zöllner nicht mehr unterdrücken. Dieser Unwille führte dazu, dass sich das Entlebuch und das Städtchen Sempach mit Luzern verbündeten, mit den Eidgenossen die Burgen von Baldegg, Lieli und Reinach brachen und das Städtchen Richensee und Meienberg besetzten.

Der damalige Vogt von Rotenburg, Hermann von Grünenberg trieb mit seinem Gebaren die Bürger zur Weissglut an, so dass die Luzerner am Kleinkindlis-Tag (28. Dezember 1385) Rotenburg bestürmten und die Burg und Ringmauern zerstörten. Der Vogt musste Urfehde schwören und das Gebiet verlassen und soll nach Meienberg geflüchtet sein.

Da ein schönes Holzhaus in Rotenburg eben erst in der Nähe der Burg erstellt worden war, wurde es von den Luzernern Balken für Balken abgetragen und bei der Hofkirche in Luzern wieder aufgebaut. Es wurde später Wohnsitz des Klerikers Diebold Schilling, der seine wertvolle Bilderchronik der Schweizer Geschichte anno 1500 dem Stadtrat von Luzern überreichte. Diese befindet sich heute in der Zentralbibliothek Luzern. Das einzige Holzhaus in der Stadt Luzern ist vor wenigen Jahren im Innern umgebaut worden und ist jetzt Pfarreiheim zu St. Leodegar.

Der erfolgreiche Überfall auf Rotenburg animierte die Luzerner dazu, auch das befestigte Wolhusen zu stürmen, weil der dortige Vogt Peter von Torberg die Leute des Entlebuchs besonders bedrückte und diese bei den Luzernern Hilfe suchten. Der ehemalige Schultheiss Petermann von Gundoldingen wurde mit seinen Befreiern von der Bevölkerung von Wolhusen mit Jubel begrüsst. Die Luzerner stürmten die Feste und zerstörten sie. Der verhasste Torberg wurde mitsamt seinem grausamen Untervogt des Landes verwiesen und die Leute des Tales der Kleinen Emme ins Burgrecht von Luzern aufgenommen.


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