Jakob Lorber empfängt das ewige Evangelium

 

In seinem 40. Lebensjahr erhielt Jakob Lorber das Angebot, die zweite Kapellmeisterstelle an einer Oper in Triest zu übernehmen. Er ging darauf ein, weil das eine gesicherte Stellung für ihn bedeutete und bereitete seine Abreise vor. Aber es sollte anders kommen. Am 15. März 1840 um 6 Uhr morgens, da hörte er, nachdem er sein Morgengebet verrichtet hatte und er gerade das Bett verlassen wollte, links in seiner Brust, an der Stelle des Herzens, deutlich eine Stimme ertönen, die ihm zurief: „Steh’ auf, nimm deinen Griffel und schreibe!“ - Jakob Lorber gehorchte diesem Rufe sogleich und schrieb das, was er innerlich hörte, Wort für Wort nieder. Es war dies der Anfang des drei Bände umfassenden Werkes „Die Haushaltung Gottes“, das die Geschichte der Urmenschheit wiedergibt, von der Erschaffung Adams angefangen, bis Noah und die Sintflut.

 

Die ersten Sätze lauteten: „So sprach der Herr zu und in mir für jedermann, und das ist wahr, getreu und gewiß:

Wer mit Mir reden will, der komme zu Mir, und Ich werde ihm die Antwort in sein Herz legen; jedoch die Reinen nur, deren Herz voll Demut ist, sollen den Ton Meiner Stimme vernehmen.

Und wer Mich aller Welt vorzieht, Mich liebt wie eine zarte Braut ihren Bräutigam, mit dem will Ich Arm in Arm wandeln. Er wird Mich allezeit schauen wie ein Bruder den andern Bruder, und wie Ich ihn schaute schon von Ewigkeit her, ehe er noch war.“

 

Lorber lehnte die ihm angebotene Anstellung sofort ab und diente von nun an dem lebendigen, inneren Wort und schrieb es 24 Jahre lang, bis zu seinem Tode, getreu auf. Demütig nannte er sich einen Knecht des Herrn.

 

Über das innere Wort, das er als die Stimme Jesu Christi, als das lebendige Wort Gottes erkannte, schrieb er einem Freund: „Bezüglich des inneren Wortes, wie man dasselbe vernimmt, kann ich, von mir selbst sprechend, nur sagen, daß ich des Herrn heiligstes Wort stets in der Gegend des Herzens wie einen höchst klaren Gedanken, licht und rein, wie ausgesprochene Wort, vernehme. Niemand, mir noch so nahe stehend, kann etwas von irgendeiner Stimme hören. Für mich erklingt diese Gnadenstimme aber dennoch heller als jeder noch so laute materielle Ton.“ (Briefe Jakob Lorbers, Seite 15)

 

Jesus sagte einmal auf eine Anfrage hin über das innere Wort: „Das, was nun Mein irdisch sehr armseliger Knecht tut, sollten eigentlich alle Meine wahren Bekenner tun können. Denn allen gilt das Evangeliumswort: ‘Ihr müsset alle von Gott gelehrt sein! Wen nicht der Vater ziehet, der kommt nicht zum Sohne!’ Das aber besagt soviel als: Ihr müsset von eurer werktätigen, lebendigen Liebe zu Mir und daraus zu jedem bedürftigen Nächsten - zur inneren Weisheit aus Gott gelangen! Denn eines jeden wahre, werktätige Liebe bin ja eben Ich Selbst gleich also in seinem Herzen, wie der Sonne lebendiger Strahl wirkend ist in jedem Tautropfen, in jeder Pflanze und in allem, was die Erde trägt. Wer Mich sonach wahrhaft über alles aus allen seinen Kräften liebt, dessen Herz ist auch voll von Meiner Lebensflamme und deren hellstem Lichte! Daß dadurch zwischen Mir und dem Mich über alles liebenden Menschen ein steter und hellster Verkehr entstehen muß, ist ebenso klar, wie daß ein gesundes Weizenkorn in fruchtbarer Erde unter dem warmen Sonnenstrahl zur segensreichsten Frucht emporwachsen muß. - Daß dieses aber mit den Menschen durch Erfüllung der im Evangelium gestellten Bedingungen wirklich möglich ist, dafür steht dieser Mein Knecht als ein Zeuge vor dir! - Aber das sage Ich dir auch: Mit einer bloßen Verehrung und noch so tief andächtigen Bewunderung Meiner göttlichen Vollkommenheit ist’s da nichts! - Alles aber liegt an dem, daß jemand, der zu Meinem lebendigen Worte in sich gelangen will, vollkommen ein Täter Meines Wortes ist. - Dies zur Darnachachtung für dich und jedermann!“ (Briefe Jakob Lorbers, Seite 16)

 

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