Rundbriefe aus 2002

 

Rundbrief April 2002     Rundbrief Mai 2002     Rundbrief August 2002

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Kinshasa - Limete, 21. avril 2002

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gruppenbild mit Dame

L'Eglise Vierge de la sagesse, UNI-Campus, Kinshasa


Mes chers,

 

herzliche Grüsse aus dem Herzen Afrikas - mit ein paar Bildern vom Universitätscampus in Kinshasa. Auf den Fotos sind Studenten der medizinischen Fakultät zu sehen, die aus der Gesundheitszone, bzw. der Pastoralzone Ikela meines Einsatzbistums stammen, und die mich in den Osterferien eingeladen hatten, sie auf dem Campus zu besuchen, um ihre Lebenswirk-lichkeit kennenzulernen.

Sie studieren mit dem Ziel, Ärzte zu werden, bzw. Medizintechniker wie Laborant, Pflege-experten ("infirmier A0") oder Krankenhausmanager ("gestionnaire"). Ein Teil wohnt in den "homes" auf dem Universitätsgelände. Das sind Studentenwohnheime, in denen sich die "Kleinen" ein Zimmer zu sechst teilen, und die fortgeschritteneren Semester ein Zimmer und damit auch ein Bett zu dritt (auf ca. 12qm, allerdings inklusive Dusche - wenn die Wasser-versorgung funktioniert). Die homes für Studentinnen sind übrigens "bien gardé": Tradition aus der Zeit, als hier noch "religieuses" wohnten (vereinzelt auch heute noch; die garçons müssen ohne auskommen...) . Für die Unterkunft in einem Home zahlt jeder Student 20 Dollar im Jahr.

Verpflegung gibt es seit der Verstaatlichung der ehemals katholischen Universität ("Nouvelle Louvain", Neu-Löwen) unter Mobutu keine mehr. Darum muss sich jeder Student selber kümmern. Eine halbe Fahrstunde vom Zentrum entfernt, gelegen auf einem Hügel und umgeben von Grasland, ist das gar nicht so einfach - zumal der öffentliche Verkehr so gut wie nicht existiert und die Leute z.T. stundenlang auf eine Fahrgelegenheit warten müssen. Diese besteht aus privaten Fahrzeugen, z.T. Lastwagen, z.T. Kleinbusse, in der Regel in Europa ausrangierte wahre "Schrottkoffer", in die die Menschen wie Vieh gepfercht werden, bei über 30 Grad im Schatten und tropischer Luftfeuchtigkeit: jeder Millimeter wird ausgenutzt, und das ganze zum Preis von 50 Francs Congolais.

Bis zum Centre braucht man 2 Taxis (sie fahren festgelegte Streckenabschnitte), d.h. hin- und zurück 200 FC, das entspricht etwa 0,7 Euro. Das Monatssalär eines Professors beträgt übrigens 20 Dollar, was ungefähr 22 Euro ausmacht, ein kleines Weissbrot (ca. 150 gr., ähnlich einem französischen Minibaguette) kostet im Durchschnitt 30 FC / 0,1 EUR; ein Sucré macht in der Regel 100 FC / 0,35 EUR, ein Bier 240 FC / 0,8 EUR. Mit einer "Carte Celtel" (Prepaid) für 3400 FC / 12 EUR kann man 30 Minuten Ortsgespräche führen oder 10 Minuten ins Ausland - allerdings beschränkt auf 1 Monat; danach verfallen die Einheiten und man kann auch nicht mehr angerufen werden.

Ein Foto (s.o.), gemacht von einem der vielen Fotografen, oft Studenten, die versuchen, sich die Studiengebühr und den Lebensunterhalt zu verdienen,, z.T. mit Einfachstkamera oder mit im Ausland ausrangierten, kostet 200 FC. Die Studiengebühr heisst hier "minerval" und beträgt pro Jahr im Durchschnitt 150 Dollar; die kleinen zahlen mehr, die grossen weniger - auch ein Mittel der Selektion, denn wer innerhalb einer bestimmten Frist nicht zahlen kann, der wird "geschasst" ("chassé"). Dazu kommen noch die üblichen Studienauslagen: gezahlt werden muss fürs Schreibmaterial (2-4 mal so teuer wie in Europa), fürs Internet (1 Stunde 300 FC / 1 EUR), fürs Kopieren, für die Bücher (wenn sie aus dem Ausland kommen: 20 Dollar aufwärts, und die Fachbücher kommen in der Regel aus Europa, bzw. Amerika), für Passbilder (die in x - facher Ausfertigung für alle möglichen und unmöglichen Dokumente gebraucht werden), fürs Anfertigen der Facharbeiten, und vieles mehr.

Und dann soll man ja auch noch gut angezogen im Hörsaal erscheinen... . Nicht wenige Pro-fessoren verkaufen den Studenten ihre Vorlesungsskripten: die Abnahme ist oft obligatorisch, will man die Prüfung bestehen, bzw. ein brauchbares Resultat erzielen. (Auch der Professor muss sehen, wo er bleibt mit Frau und Kindern; neben seinem Dozentenleben ist er in der Regel auch "Agriculteur" und beackert zumindest seinen "jardin").

Die Uni ist übrigens für 6000 Studenten gebaut worden, beherbergt aber weit über 25000... .

Kein Wunder, dass auch die ehemalige Mensa und die Restauration in Hörsaale umgewidmet wurden; fürs Mobiliar fehlt allerdings das Geld. Seit den Studentenprotesten vom letzten Dezember ist im übrigen das Schwimmbecken der Sportfakultät (s. Foto ->) im wahrsten Sinne des Wortes trockengelegt:

"Schwimmen: "te!"" ("nicht!")".

Da die Uni nicht genug Wohnraum für alle bieten kann, wohnt ein Teil beim Cousin oder dem "grand-frère" oder der "grande-soeur" in einem der Stadtquatiere; da werden neben dem Mietanteil auch täglich Fahrtkosten fällig. Nebenbei: es gibt im Congo keine Krankenversicherung (auch keine anderen); wird jemand krank und braucht Behandlung und/oder Medikamente, so muss er, wenn er gesund werden will, das Geld irgendwo irgendwie auftreiben. Wird gar ein Krankenhausaufenthalt notwendig, kann das schnell einige hundert Dollar kosten. So, das war ein Ausschnitt nicht nur des studentischen Lebens in Zahlen und Währungen.

Rechnet man zusammen, was ein Student zum Leben braucht, kann man sich vorstellen, dass der Magen nicht selten leer bleibt, bzw. dass die Kosten kaum mit rechtschaffener Arbeit zu erwirtschaften sind. Und so sind viele auf der Suche nach einer "bourse" und / oder anderen Möglichkeiten. Anlaufstellen sind vor allem auch die vielen Kongregationen, die sich wie so viele und vieles angesichts der Kriegssituation in der Hauptstadt Kinshasa konzentrieren (hier leben 15% der Gesamtbevölkerung und täglich kommen mehr). Auch bei den Missionarinnen Christi und damit automatisch an meiner Tür, vergeht kein Tag ohne das teilweise permanente und auch penetrante Klingeln von Hilfesuchenden und Bittstellern. Mein Ordner füllt sich mit "demande" um "demande"... (auch dafür, und vor allem für in Deutsch verfasste Anfragen kann man bezahlte Dienste in Anspruch nehmen...).

Aber, wie man auch auf den Fotos sehen kann: die Menschen wissen hier zu leben und zu überleben. Nicht zuletzt die starke Religiösität in all ihren vielfältigen Formen ist ihnen dabei eine starke Stütze. Und die Improvisationskunst beherrschen die meisten bis zur Perfektion...

Soviel zu den Studenten und dem Leben, bzw. seinen Kosten hier in Kinshasa.

Auf dem Bild neben mir ist übrigens Jean-Paul Matela; er kommt aus Ikela und hat erzählt, wie er als kleines krankes Kind von Sr. Irene MC gepflegt worden ist. Er ist im letzten Jahr seines Medizinstudiums; anschliessend muss er für ein Jahr ins Unispital zur praktischen Ausbildung mit einer Abschlussprüfung für die Zulassung als Arzt. Danach will er in seiner Heimatregion arbeiten.

Wir können seine Mitarbeit gut brauchen: z. Zt. gibt es in der ganzen Diözese bloss einen einzigen Arzt in Bokungu; das Krankenhaus, wie auch die Häuser von Ikela, der zweiten Stadt im Bistum (ehemaliger Bischofssitz) sind durch den Krieg vollkommen zerstört worden. Da gibt es viel zu tun. Krankenpfleger (infirmiers und assistantes médicales) hielten und halten die Gesundheitsversorgung aufrecht, bei allem Mangel an allen Ecken und Enden, manchmal unter unmöglichen Bedingungen, wie Operationen auf freiem Feld und mit bewun-dernswerter Courage.

An vielen Stellen ist eine wachsende Aufbruchstimmung spürbar. Das zeigt sich u.a. auch im Stadtbild: Strassen werden repariert; eine Kampagne zur Entmüllung (Müllabfuhr, Feuerwehr: Fehlanzeige) zeigt erste Erfolge; Vodacom, der grosse internationale Telefonkonzern will im Land investieren und beginnt in den Städten Kinshasa, Mbuji-May und Lubumbashi; die Regierung und eine grosse Rebellengruppe, die den Norden besetzt hält, haben sich in den Gesprächen des "dialogue intercongolais" auf eine gemeinsame Verantwortungsübernahme geeinigt (70% des Landes)... .

Soweit die nouveautés aus dem heissen Kontinent. Ansonsten nutze ich die neben der "Formation" verbleibende Zeit zum "Klinkenputzen" und Kontakten von Hilfswerken hier vor Ort und auch ausserlandes. Aktueller Stand: Die Finanzierung meiner Personalkosten ist von Misereor zugesagt, der Antrag für die Projektkosten des ersten Jahres (Aufbau und Betrieb des BDOM) liegt bei CORDAID (Kinshasa/Niederlande); die Zusage einer 50%-Fianzierung für ein geländegängiges Fahrzeug für das BDOM und den Personen-, bzw. Krankentransport ist von MIVA Österreich in Aussicht gestellt, ebenso eine Zusammenarbeit mit der Caritas international im Nothilfebereich... . Ich bleibe dran!

Alors, ich hoffe es geht Euch einigermassen gut (die Leute sagen hier auf die Frage "ca va?" meistens "ca va un peu" oder "bien un peu"). Ich freue mich auf Nachricht von Euch,

 

 

PS: die kleine Reportage aus dem StudentInnennleben in Kinshasa könnt Ihr gerne an interessierte Leute weitergeben.

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Mbote, liebe FreundInnen, Verwandte und Bekannte,                       Kinshasa, im Mai 2002

herzliche Grüsse aus dem immer noch heissen Kongo. Hier in Kinshasa hat die Trockenzeit begonnen: der Regen macht sich rar, das Schwitzen geht zurück und frühmorgentlich gibt es Nebel wie in London...

Meine Vorbereitungszeit geht zu Ende, Lingala macht sich in meinem Denken breit, noch etwas ungewohnter als das Französisch, die stage beim BDOM-Kinshasa hat mir einen Einblick in das Gesundheitswerk der Kirche und des Congo allgemein verschafft, Kontakte mit diversen Organisationen sind geknüpft, unzählige Briefe geschrieben, die meisten beantwortet, darunter einige Absagen (man wolle sich nicht neu engagieren, man ziehe sich zurück, man wolle sich mit einer 50%-Unterstützung beteiligen - ich müsse verstehen, die Zeiten seien eben so...).

Zeit für einen Rundbrief...

Im Hafen liegt die Eneyello II, das Schiff der Diözese Bokungu-Ikela, einst ein Geschenk österreichischer Pfadpfinder für die Mission, jetzt ein ambivalentes Erbe für die Ortskirche und wartet auf Ladung. Bis jetzt sind 200 Tonnen zusammen: Material für die Instandsetzung der diözesanen Gebäude; Medikamente, medizinische Instrumente und Fahrräder für diverse Gesundheitseinrichtungen; Versorgungsgüter, Benzin und Diesel für die Pfarreien; ein Petrolkühlschrank für die MC in Yemo; Funkmasten für Celtel, die in Mbandaka der neuen Konkurenz von Vodacom trotzen wollen; und einiges mehr. 300 Tonnen fehlen noch, damit die Fahrt sich rechnet; das Angebot eines Commercanten liegt vor: 60 % des Erlöses will er allerdings für sich behalten. Da heisst es, scharf kalkulieren. Denn die abgeschiedene Urwalddiözese kann sich Defizite nicht leisten: nach über 4 Jahren Krieg mit all den Plünderungen und Zerstörungen fehlt das Geld an allen Ecken und Enden. Zumal Rom immer noch keinen Bischof ernannt hat, der auf "Europatournee" gehen könnte.

Die Eneyello II will in der ersten Juniwoche ablegen, um dann Ende Monat Bokungu zu erreichen. Für mich heisst das "packen", und zwar ein "fût" und einen "malle"; es wird ernst(er). Zur Zeit bin ich dabei, das nötige Material zum Wohnen und Arbeiten zu organisieren, besonders auch die Finanzierung desselben. Das Büro des BDOM, in dem ab Juli wieder 3 Menschen arbeiten sollen (1 Sekretär, 1 Supervisor und 1 Directeur), besteht nur noch aus einem Büroraum mit einem geliehenen Tisch. Der Rest ist den diversen Plünderungen zum Opfer gefallen. Nicht viel besser sieht es mit den übrigen Einrichtungen aus, u.a. auch den Konventen von MSC (Herz-Jesu-Missionare) und MC.  Die Angestellte der Diözesanpharmacie, die vor Ort ausgeharrt hat, wusste dafür auch von einer schönen Begebenheit zu berichten: ein Mann hat einen Medikamentenstock, der während der Kriegshandlungen im Wald vergraben war, wieder zurückgebracht - bis auf die letzte Schachtel.  Ein anderer hat ein Fahrrad der Schwestern retourniert; er musste es den Soldaten, die es "eingezogen" hatten, für ein Schwein abkaufen (im übrigen haben diese den gesamten Viehbestand des Gebietes aufgegessen; von den Kühen sind nur noch die Erinnerungen übriggeblieben...).

Mit solchen Leuten wollen wir den Wiederaufbau wagen.

Neben meiner "Formation" versuche ich, über die hier in der Capitale zahlreich vertretenen internationalen Hilfswerke, eine Startfinanzierung für das BDOM-Bokungu zu bekommen. Es hat jedoch den Anschein, dass gerade die "Nothilfe" (s. Vulcano in Goma) sehr "en vogue" ist; im Gebiet der Diözese sind seit April Caritas International Belge und die italienische Coopi dabei, den Centres Médicales unter die Arme zu greifen; letztere mit Geldern des EU-ECHO-Programms, immerhin für 6 Monate. So läuft die medizinische Versorgung wenigstens langsam wieder an schon bevor das BDOM seine Aktiviäten wieder aufnehmen kann. Wir können uns dann um die kümmern, die nichts vom "Kuchen" abkriegen, und das sind alle "Postes de santé", die in der Regel weit ab in kleinen und kleinsten Dörfern liegen und schwierig zu erreichen (umständlich für Evalutationsreisende...). On verra.

Für nachhaltige und strukturfördernde Arbeit sind die "Grossen" trotz vollmundigen Leitbildern z.Zt. kaum zu haben, d.h. also auch für die Wiederinbetriebnahme des BDOM-Büros und seiner Arbeit. Leider fallen auch im Regenwald weder Schreibmaschinen noch Stühle noch Papier vom Himmel (auch wenn es sich um eine kirchliche Einrichtung handelt) und leider regnet es auch kein Benzin (oder: Gott-sei-Dank...).

Immerhin haben sich Partner für die Finanzierung der Verkehrsmittel gefunden: 2 Motorräder (viele Gegenden sind nur damit zu erreichen) können mit Geldern eines auslaufenden Projektes noch gekauft werden; Fahrräder gibt’s ebenfalls, um die Mobilität der Krankenpfleger zu unterstützen, die von ihren Posten aus weite Gebiete zu versorgen haben. Und für ein geländegängiges Fahrzeug gibt es zumindest mündlich eine 50%-Finanzierungszusage eines österreichischen Hilfswerkes. Damit lässt sich schon was machen, und nicht zuletzt ist mein Dienstvertrag jetzt auf dem Weg zu mir von Köln über München per Missions(kurier)post (mal sehen, was drin steht...).

Neben der unverzichtbaren Unterstützung der Missionarinnen Christi sind es die vielen kleinen und grösseren Gaben von Euch, sei es finanzieller oder ideeler Art, die mir Mut und Zuversicht für meine drei Jahre mit und für die Kranken im tropischen Regenwald des Kongo geben (das "Visa d'Etablissement" geht bis 2007...). Ein eher spektakulärer Beitrag war der Kongo-London-Marathon-Lauf von Michael in der guten alten Tradition der Hungermärsche. Michael ist gesund und wohlbehalten im Ziel angekommen - mit neuer persönlicher Bestzeit: herzlichen Glückwunsch zu Idee und Erfolg und "melesi mingi"/herzlichen Dank ihm und Euch allen für Eure Verbundenheit mit einem, der (aus der Schweiz) auszog, um einem Ruf in das Herz Afrikas zu folgen (in Anlehnung an J. Conrads Reiseroman).

Alle, die mich kontakten wollen, können dies noch bis Juli sicher per email oder Telefon tun. Vom "Interieur" aus wird es dann etwas langwieriger. Per Missionspost wird es weiter möglich sein, allerdings muss man zwischen Absendung und Antwort sicher mit einigen Wochen bis Monaten rechnen. Z.Zt. versuche ich auch noch, eine Kommunikationsmöglichkeit per Ferntelegramm aufzubauen (Kurzwellenfunk). Das Satellitentelefon scheidet zur Zeit als Möglichkeit aus, u.a. da das Gebiet von Militär durchsetzt ist. Aventure...

Das Leben in Sand und Armut (bei Regen regelmässig auch im Wasser) ist stark von Religiösität geprägt. Zum einen sicher "Spiele statt Brot" (oder mit den Worten eines der Söhne meiner Wahlheimatstadt "Opium für das Volk"), was einige Sekten weidlich für das Wohlleben ihrer Pastoren auszunutzen wissen. Zum anderen leben die Armen in ihrer Not und Bedürftigkeit aus dem Glauben an einen gerechten, erlösenden, beschützenden Gott.

Deshalb möchte ich für heute mit dem Gebet schliessen, das alle Menschen verbinden kann:

Tata wa biso

(Vater unser)

 

Tata wa biso ozali o likolo.

Bato bakumisa nkombo ya Yo,

bandima bokonzi bwa Yo,

mpo elingi Yo basala yango o nse,

lokola bakosaloka o likolo.

Pesa biso lelo bilei bya mokolo na mokolo. Limbisa mabe ma biso

lokola biso tokolimbisaka baninga.

Salisa biso tondima masenginya te,

mpe bikisa biso o mabe.

 

 

Es grüsst Euch herzlich,

avec les amitiés,

Nzambe azala na yo,

 

Wolfgang Leinen                                                                                                       Bilder: Sanru III      

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Liebe Freunde und Bekannte,                                                           Kinshasa, im August 2002


herzliche Grüsse aus dem trockenzeitlichen Kinshasa. Der Count-Down läuft: noch 10 Tage bis zum "Deplacement" in den Urwald. Die Projektpartnersuche zieht sich immer noch hin. Für die "projets d'urgence" haben wir internationale Partner gefunden: bis Januar 2003 werden die italienische Coopi (mit Geldern des ECHO- Programms der EU) und Caritas secours belge (mit Unizef) ausgewählte für die Gesundheitsversorgung der mehrheitlich mittellosen Bevölkerung strategisch wichtige Gesundheitszentren in der vom Krieg schwer geschädigten Urwalddiözese Bokungu-Ikela mit Medikamenten und medizinischem Material beliefern, Supervision und Formation des durchwegs unterqualifizierten Personals (Hilfskrankenpfleger) durchführen, den Zugang der Bevölkerung zur medizinischen Versorgung sicherstellen. An ihrer Seite ist das Internationale Rote Kreuz dabei, das Referenzkrankenhaus in Bokungu mit Medikamenten zu versorgen und die Zuleitung von trinkbarem Wasser wiederherzustellen. Das Gleiche ist für das überwiegend zerstörte HGR Ikela vorgesehen. Coopi plant zudem, die staatlichen Gesundheitseinrichtungen der beiden Gesundheitszonen bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben zu unterstützen (der Staat selber ist weder in der Lage, die regelmässige Zahlung der Gehälter zu garantieren, noch die Zentralbüros mit Arbeitsmitteln auszustatten, geschweige denn Transportmittel zur Verfügung zu stellen, um die 42000km2 zu supervisionieren).
Für das "Fonctionnement" des BDOM der nach dem Krieg ruinierten Diözese hingegen hat sich immer noch kein Partner gefunden. Immerhin hat die Deutsche Botschaft in Kinshasa die Finanzierung eines Solarkühlschranks zur Lagerung der Medikamente und Ermöglichung einer Kühlkette in Aussicht gestellt. Immerhin hat die österreichische MIVA 50% der Anschaffungskosten eines Toyota-Geländewagens für den Personal- und Krankentransport übernommen und Dank Drittmitteln konnte der Kauf in die Wege geleitet werden (aus früheren Projektmitteln von Misereor werden Fahrräder für die Krankenpfleger und 2 Motorräder für die Supervisoren zur Verfügung stehen). Eine Hilfe der Missionarinnen Christi ermöglicht dem BDOM, fürs erste die Gehälter der drei lokalen Mitarbeiter zu bezahlen (und was noch schwerer wiegt: die obligatorischen Kosten für die "soins medicaux" der Angestellten und ihrer Familienangehörigen, was bei einer Grösse von bis zu 8 Personen je Familie ein nicht unerhebliches Risiko darstellt).

Und Dank Eurer Hilfe können wir an die "Zeit danach" denken: wir haben ermutigt durch Eure Mitsorge für 2003 und die folgenden Jahre ein Projekt für die nachhaltige Gesundheitsversorgung ausgearbeitet, die auch in Krisenzeiten Bestand haben kann und sowohl kriegs- als auch plünderungssicher ist: mit lokalen Mittel hergestellte Seife wird wohl keiner "mitgehen" lassen und wegen einer Handvoll Samen wird kein Soldat oder Bewaffneter sein Leben riskieren. Und das Wissen in den Köpfen der Menschen kann erst recht niemand stehlen. Vielleicht werden so die nächste Katastrophe weniger Menschen mit dem Leben bezahlen müssen (das so etwas wiederkommt, da sei Gott vor) und sicher werden wir mit einer "Medizin (auch) mit lokalen Mitteln" den Gesundheitsstand von mehr Menschen verbessern und die Motalität senken können.
Übrigens, was die finanzielle Lage der Menschen im "Interieur" angeht: ein Chauffeur verdient etwa 1200 FC (3-4 EUR), ein Soldat 2900 FC (8-9 EUR) im Monat und im Vergleich dazu: ein "biki", der billigste Kugelschreiber, kostet in Kinshasa 40 FC; bis er in Bokungu angekommen ist (nach 1700 km Flussweg und 3 -4 Wochen), hat sein Preis sich wesentlich erhöht. Aus der Medizin: 1 Kocherklemme kostet 1260 FC, eine Nierenschale 2500 FC, ein HIV-Test (20iger Pack) 90$, ein Schwangerschaftstest (100) 21$, ein Haemoglukosetest (25 bands) 25$, für ein Mikroskop ("binoculaire electrique/solaire", z.B. für die Malariabestimmung) verlangt der Händler "Qualimed-plus" stolze 1450$ (bei einem anderen ist ein Monoculaire für 240 EUR zu haben), 50 Paar sterile chriurgische Handschuhe 10,38 EUR, 1Packung Artesunate (60 tabs) kostet 26,94 EUR, 1000 ces Quinin (= Tabletten à 500mg, ebenfalls gegen Malaria) 71,1 EUR, 10ml Insulin 2,75 EUR, alles Kinshasapreise.
Eure Grossherzigkeit, das signalisierte Interesse von Partnern wie missio Aachen und, für die wissenschaftliche Projektbegleitung, von Anamed-Koordination (Stuttgart) haben uns mit den Vorbereitungen für eine "Medizin mit lokalen Ressourcen" beginnen lassen, so dass Kontakte geknüpft sind und das Konzept jetzt vorliegt. Anamed hat uebrigens seit kurzem die staatliche Anerkennung des kongolesischen Gesundheitsministeriums. Herzlichen Glueckwunsch!
Ich hänge an die Datei eine Projektbeschreibung an, in der Hoffnung, dass Ihr "etwas" damit anfangen könnt, oder jemanden wisst, der jemanden weiss, der jemanden kennt, der....
Aus technischen Gründen kann ich den Prospekt nur seitenweise verschicken. Wundert Euch also nicht, wenn Ihr gleich 4 mal mail von mir bekommt. (Der Congo liegt halt doch nicht um die Ecke...).
Also, nochmal "melesi mingi" für Euer Mittragen, auch im Namen des Volkes Gottes in Bokungu-Ikela. Ich werde versuchen, mich gegen Ende Monat noch einmal bei Euch zu melden, bevor mich der Wald dann endgültig verschluckt (bin aber schon dabei, ihm zumindest kommunikationstechnisch eine Bresche zu schlagen...). Bis dahin: Tikala malamu ("Bleibe gut") und Nzambe azala na yo,

Wolfgang Leinen

PS: Falls noch jemand Mikroskope hat (am besten optische, stromlos) oder anderes medizinisches Gerät entbehren kann: die Krankenpfleger von Bokungu-Ikela und die Kranken sind dankbare Abnehmer (ein Transport wird in wenigen Wochen von Österreich nach Kinshasa gehen). Infos über/an:

Michael.Jochem@ksb.ch oder

Rosi.Weissl@missionarinnen-christi.de.
 

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Liebe Freunde, Verwandte und Bekannte,                        Kinshasa im September 2002

eigentlich hatte ich vor, mich mit einem ausführlichen Rundbrief nochmals bei Euch zu melden vor meiner Abenteuerreise in den äquatorialen Regenwald. Aber erstens kommt es anders, als man denkt...-vor allem im Kongo.

Anders war vor allem in den letzten Wochen das tägliche Abfliegen, das die jeden Tag auch in Kinshasa zu erledigenden Arbeiten zumindest spannend macht: ständig ergeben sich neue Kontakte - mit vielen Überraschungsmomenten, so zum Beispiel die Entdeckung der Vertretung der Konrad-Adenauer-Stiftung, nur wenige Häuser weiter, nachdem ich per Zufall einen ehemaligen Professor aus dem Missionskurs im Stadtviertel angetroffen hatte. Oder: ein Freund aus der Schweiz bietet Testgeräte zur Blutzuckerkontrolle an, was hier in Kinshasa viele Aktivitäten auslöst um das zwar in der Hauptstadt bekannte, aber im Interieur noch dem Zufall überlassene Arbeitsfeld zu prüfen und abzustecken. Dann gilt es, einem Hinweis nachzugehen auf eine Spezialausbildung für Ophtalmologie (in der Diözese finden sich höchstens Generalisten - nichts für die "Augen", niemand für die "Zähne") und ich entdecke ein wohlorganisiertes Institut, das von der Christophel-Blindenmission unterstützt wird. Da ergeben sich Kontakte zu der "natürlichen Medizin" - mit den lokalen Ressourcen; eine Forscherin des Max-Plank-Institutes taucht auf, die eben gerade in der Nachbarprovinz örtliche Heilpflanzenvorkommen erforscht, und... und... und... .

"Networking" scheint mir hier eines der Zauberwörter: auf der einen Seite eine Notwendigkeit, auf der anderen Seite zufälligerweise oder natürlicherweise schon vorhanden - oft braucht man nur die Verbindungslinien zu entdecken. Da es im Kongo keine Telefonbücher gibt und auch keine anderen Kataloge, wo man nachschlagen könnte, ist man ständig unterwegs, hangelt man sich von Kontakt zu Kontakt, schreibt sich Nummern auf, sucht auf (das Telefonieren ist extrem teuer und somit als Arbeitsmittel praktisch inexistent und nicht gebräuchlich), läuft hinterher, knüpft die Fäden, um nach vielen Wiederholungen ein Etappenziel zu erreichen.

Daneben der alltägliche Alltag: die "Abwicklung" eines Projektes (Idee, Tipp, Kontakt, Ausarbeitung, Antrag, Verhandlungen, Revisionen, Materialsuche, Kostenvoranschläge, Prüfungen, Geld, definitive Materialsuche, Transport, Verpackung, Verschiffung, Abrechnung, ... nicht zuletzt: Danke sagen, z.B. der Deutschen Botschaft für das Mikroprojekt "Bereitstellung einer Kühlkette für wärmeempfindliche Medikamente und Materialien" - das erste in "trockenen Tüchern"; allerdings steht die Flussfahrt noch bevor: 30 Tage bis Bokungu - wenn alles gut geht, d.h. der Kapitän genügend Treibstoff geladen hat, die Sandbänke dort sind, wo sie vermutet werden, das Militär seinen Sold erhalten hat,...). Daneben gilt es "geerbte" Projekte abzuschliessen, gar nicht so einfach, wenn die Kosten explodieren; neue Projekte auszuhecken; mit den Studenten aus dem Formationsprojekt über ihre Zukunft reden; unerfüllbare Wünsche mit der harten Realität zu konfrontieren und gemeinsam Wege zu suchen; Kooperationen zu pflegen und Synergien zu suchen; Briefe zu lesen, viele Briefe und Ablehnungs-antworten zu schreiben, da das BDOM auch mit einem weissen Direktor weder über die Mittel verfügt, Ausbildungen zu finanzieren (die Kongolesen auch nicht), und schon gar nicht Hilfen zum alltäglichen Überleben; den Bilanzen hinterherzulaufen und zu warten, um endlich eine verantwortbare Planung machen zu können (heute kann ich zumindest eine Schätzung vornehmen); dem "laissez-passer" hinterherzuorganisieren (es braucht zwei: einen von der Regierung, einen von den Rebellen der RCD-Goma: ein grosser Teil der Diözese ist immer noch besetzt; es ist immer noch Krieg, bzw. die "Zeit danach"); jeden Tag Publikumsverkehr: manchmal habe ich den Eindruck, ganz Bokungu ist in Kinshasa;... .

Dann fehlt der Diözese nicht nur der Bischof (der hat wenige Wochen nach meiner Dienstzusage in die Nachbardiözese gewechselt...); die Caritas-national hat auch den Direktor meiner vorgesetzten Stelle in Kinshasa ausgetauscht - einige Wochen nach dem Beginn einer vielversprechenden Zusammenarbeit; die Missionarinnen Christi haben definitiv entschieden, niemanden nach Bokungu zu entsenden - die schönen Planungen mit den noch schöneren Synergien, die schon greifbar waren, zerplatzen und ich werde für lange Zeit (und seit langem) der einzige nicht-kongolesische Diözesanmitarbeiter und Einwohner in Bokungu sein, ein "mondele", wie die Kinder hier rufen (und manche Erwachsene auch...). Aber wie immer im Leben eröffnen sich auch dadurch neue Chancen: so wird es mir möglich, noch tiefer in die afrikanische Realität "einzutauchen", das Leben mit den kongolesischen "Geschwistern" zu teilen.

Das Leben in einem Frauencouvent ist - über längere Zeit und unter den hiesigen Bedingungen auch recht komplex - auch wenn die Eremitage ein Gartenzimmer ist.

Und von allen Seiten zu hören "ja, ja, warten Sie ab, wenn Sie mit Ihren europäischen Ideen die afrikanische Realität kennenlernen", sei es in Deutsch, Französisch oder Lingala, zeigt, dass die Unterschiede gar nicht so gross sind - und neben der Orientierungshilfe kann man diese Sprüche auch als Härtetraining nutzen....(Halt: "von allen Seiten" ist doch etwas übertrieben, zugegebenermassen).

"Komplex", das ist das Stichwort, das mein Leben hier beschreibt und komplex ist das Leben der meisten Kongolesen - und sehr dramatisch und auch sehr chaotisch und sehr abhängig und angewiesen. Einen kleinen Teil von dem spüre ich jeden Tag: und vieles, gerade diese Abhängigkeit ist anders als in meinem "alten" europäischen Leben. Ich versuche es, als Solidarität zu und mit den kongolesischen Freunden und Mitarbeitern zu nehmen. Mein Glaube, Jesus, sagt mir, dass das der Weg zum Leben ist - und er geht, das zeigt nicht nur die Geschichte des Christentums, meistens zu und über die Armen.

Ein Beispiel aus dem Leben: einige Kilometer vor Kinshasa, in der Nähe des Flughafens von N'Djili, befindet sich seit den letzten Kriegswellen ein Camp der "deplacés de guerre", der Kriegsvertriebenen. Unter ihnen auch Frauen, Kinder und Männer aus Ikela, der ehemaligen Bischofsstadt der Diözese Bokungu-Ikela, die 1998/99 dem Erdboden gleich gemacht wurde. Im Camp bestimmt der Hunger und der Mangel den Alltag, die Lebensumstände dort sind katastrophal, und nicht selten ist der Tod "zu Gast". Um diesem Schicksal zu entfliehen, haben sich Frauen in die Stadt aufgemacht, in der Hoffnung, dort überleben zu können. Gelandet sind sie im "Bidonville", einer Elendssiedlung im Herzen Kinshasas, wo sie nichts anderes verkaufen, als sich und ihre Körper. Den Hungertod haben sie eingetauscht gegen die neue Geissel der Menschheit, AIDS/SIDA. "Freund Hein" lauert hier an jeder Ecke... Kehren diese Frauen zurück in ihre Dörfer rund um Ikela, nehmen sie den Tod mit in eine Region, wo durch die Soldaten- und Flüchtlingsströme sowiesoschon dem Tod der Boden bereitet ist...

Mein Kollege Roger, der Direktor der Diözesanbueros für Developpement, selber aus dem Bistum stammend, hat den Kontakt zu diesen Frauen gesucht und gefunden. Gemeinsam haben sie nach Alternativen für den Lebenserwerb gesucht. Unter der Leitung einer mutigen und faszinierenden Frau, die übrigens davon träumt, eines Tages, wenn es ihre Mittel und der Brustkrebs zulassen, Informatik und/oder Medizin zu studieren, hat eine Gruppe von 18 Mongo-Frauen begonnen, einen traditionellen Stärkungstrunk herzustellen und in den Büros der Umgebung, sowie auf den lokalen Märkten zu verkaufen. Basis dieses Getränkes ist der Saft frisch gestampften und gepressten Ingwers, angereichert mit den Pfefferkörnern von Lianen, aromatisiert mit dem Saft von Orangen und /oder Zitronen und verflüssigt mit abgekochtem Wasser. Der Geschmack ist erfrischend und sehr aromatisch. Gegen Rückenbeschwerden, Hämorrhoiden und andere Gebresten, wird der Saft traditionellerweise mit Rinden und zerstossenen Wurzeln verschiedener Pflanzen angereichert. Der Ingwersaft wird auch benutzt, um das Fleisch einzulegen, bzw. zur Anreicherung der Bassisnahrung, die aus Fufu besteht, einem Teig aus Maniokmehl, mit Mais ergänzt; die Würze und Schärfe liefert der Pilipili, eine Paste aus scharfem Paprika...Gegessen haben wir übrigens mit der Hand - nachdem unsere Gastgeberin sich entschuldigt hat, dass sie sich (noch) keine Besteck und Teller leisten kann, und da es bisher auch nur für 3 Stühle gereicht hat (Plastik, das Stück nicht unter 10 Dollar - das gleiche in Europa zu haben bei Ikea für 3 EUR), sitzt sie auf dem blanken Estrich (für den "Salon", der auch Treffpunkt für die Frauengruppe ist und das "Chambre", zusammen keine 10 m2 muss sie jeden Monat 30 $ aufbringen - zum Vergleich: das Salär eines Universitätsprofessors beträgt 20$; Haus und Hof teilt sie mit gut 40 anderen Personen, letzterer ist zugleich Küche, Aufenthaltsort, Spielplatz, Werkstatt, Hühnerhof, Depot, Müllplatz, ... ). Das Begegnung mit dieser Frau, die unter unmöglichen Umständen versucht, ihr Leben in Würde zu organisieren, hat mich sehr bereichert.

Mittlerweile ist es fast sicher, dass der "Vol de commercants" der blueairline am Freitag abhebt - wenn bis dahin genügend Fracht geladen ist (die Diözese hat man um 1000 kg angefragt...). Flug bis Boende, dann weiter mit dem (horsbord-) Einbaum bis in die Nähe von Bokungu. Zeit, zum Adieu sagen, bzw. "Tikala malamu".

Danke Euch allen, dass Ihr bereit seit, diese Erfahrungen mit mir zu teilen und zu tragen. Danke für die vielen Ermutigungen und auch das Mitgehen in extremere Bedingungen. Der Kontakt mit und zu Euch, der mir so wichtig ist, wird sich (für mich) etwas "verkomplizieren": in Bokungu steht als Kommunikationsmittel nur eine Phonie zur Verfügung (Funkgerät), die finanzielle Lage des BDOM und der Zeitaufwand erlauben (fast) keine Dienstreisen nach Kinshasa. Ein Freund in der Schweiz wird wolfgangleinen@email.com weiter betreuen und die Verbindung zum "alten Kontinent" herstellen, er ist sogar dabei eine "Homepage" ins "worldwideweb" zu stellen (http://www.leinen-kongo.de ) - meine Antworten werden allerdings (z.T. viel) länger auf sich warten lassen. Danke, dass Ihr Verständnis und Geduld aufbringt; ich danke Euch von Herzen für Eure treue Mitsorge.

Nzambe azala na yo,

Wolfgang Leinen 

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Bokungu, Mission Catholique, 20.10.02

Bandeko,

nachdem ich eine ausreichende Energiequelle gefunden und zusammengebastelt habe und auch die Sonne wieder scheint (in der Regenzeit nicht so selbstverständlich), arbeiten meine Kommunikations-mittel wieder ("Hightech im Forêt") und der Austausch mit der Aussenwelt kann beginnen. Ich freue mich, den Kontakt mit Euch wieder aufnehmen zu können.

Diesen Rundbrief schreibe ich mal wieder auf "den letzten Drücker": am Dienstag begleite ich unseren Apostolischen Administrator, Erzbischof Josef Kumuondala von Mbandaka, auf dem letzten Teil seiner Pastoralreise: es geht nach Yemo, der einzigen Niederlassung im Interieur, die die Missionarinnen Christi (Sitz in München) nach dem Krieg wieder aufgebaut haben - von ursprünglich sechsen. Dort ist eine Sekundarschule der Richtung "Coupe-couture" am Entstehen mit Internat. 14 Mädchen sind in letzterem schon angekommen und 50 haben sich für die Schule eingeschrieben. Der Prefet "hängt" derweil in Kinshasa, Sr. Angele, die künftige Internatsleiterin (originär aus Lisala, Nord-Equateur) macht noch eine stage in einem Internat der Schwestern von Kisantu (Bas-Kongo). Sr. Marie-Therese von Ikela wird das Team komplettieren (im August hat sie gemeinsam mit Sr. Pascaline vor der "mère generale" Sr. Barbara Kiener und Kardinal Frédéric Etsou, sowie dem Volk Gottes in St. Pière in Kinshasa als erste afrikanische MC die ewigen Gelübde abgelegt). Derweil schaffen die beiden Expatries Sr. Theresia und Sr. Franziska mit ihren einheimischen Mitarbeitern "was das Zeug hält". Yemo ist zur Zeit die erste und einzige "Baustelle" in der Diözese, wo wieder etwas neues entsteht: man kann sich vorstellen, was das für eine Bevölkerung bedeutet, die 4 lange Jahre fast durchgehend alleine dem Krieg und seinen Folgen ausgeliefert war... .Kein Wunder, dass die "population" noch sehr zurückhaltend reagiert und viele dem Frieden nicht trauen...

Von Yemo geht es nach Bolukutu, der Pfarrei des "Vicaire episcopal" Pater Franz Fürnrohr MSC, der, gerade 75 geworden, die Leitung der Diözese "sur place" wahrnimmt - für die Zeit der Vakanz, bis Rom sich für einen neuen Bischof entschieden hat (den letzten haben wir Anfang Jahr an die Nachbardiözese Basankusu "verloren", 75 000 km2 gross).

Ich möchte die Gelegenheit der Mitreise nutzen, um die Centres de Santé zu besuchen; und diese Gelegenheit ist günstig, da es in Bokungu selbst zur Zeit nur einen altersschwachen Lastwagen gibt, der alles Mögliche und Unmögliche transportiert, dafür mit seinem Mazout-Verbrauch der Diözese den letzten Fufu (Maniokteig, die Hauptmahlzeit) vom Teller frisst und ansonsten "en panne" ist. Daher bin ich mit der Unterstützung von Abbé Simon dabei, mich mit dem MOTO (Yamaha 100 AG - aus einem früheren Misereorprojekt) anzufreunden - auf der Rasen-"plaine" des aeroport, sehr zur Belustigung der Soldaten, die dort Wache schieben und ansonsten in der obscurité anderes treiben, TV-Ersatz sozusagen. Vor drei Tagen kam der Sentinelle des Flugplatzes aufgeregt zur Eveché: man hatte die Tür des "Petit-porteur", der ehemaligen Diözesanchesna, ausgehebelt, die dort ein trauriges Dasein fristet und geschändet, geplündert dem endgültig letzten Tag entgegenwartet. Auch so ein starkes Symbol für die Menschen hier - heute als Erinnerungsmal an bessere Zeiten.

Ich merke, dass ich "redundant" werde, wie es mein letzter Chef auszudrücken pflegen täten würde: es gäbe so vieles und (fast) alles zu berichten; das Leben ist wie die Natur hier: ausufernd, überbordend und überwältigend. Für mich überwältigend schön, wahrlich ein Paradies, mit all diesen neuen Eindrücken. Ich fühle mich reich beschenkt, wohlwissend, dass das Leben für die überwiegende Mehrheit der Menschen alles andere als paradiesisch ist. Hier ist das Leiden zu Gast und der Tod und der Mangel. Nirgendwo habe ich eine grössere Armut gesehen und die Natur macht dazu das Kontrastprogramm; und auch die Musik und der Tanz - Antanzen gegen alles, was die Luft zum Atmen nimmt, damit das Leben weitergeht, mit einem Hauch von Wehmut in Erinnerung an das goldene Zeitalter der "Ancètres".

Ich bin schon wieder dabei "auszuufern". Daher will ich Euch im folgenden mit ein paar Bildern mein Leben hier beschreiben - so dass ich dem Erzbischof noch diese Post mitgeben kann, wenn er am Freitag am Beach Isampo seine Piroge besteigt, um über Boende wieder nach Mbandaka heimzukehren (7 Tage und Nächte auf dem Fluss...).

1 table                                    geliehen vom Centre Paroisiale

1 armoire metalique                 geliehen von der Procure

1 etagère metalique                  geliehen von der Procure

1 table für den secretaire           geliehen vom Bureau fürs Developement      (derzeit ausser Funktion)

2 chaises                                  aus dem Haus des Coordinateurs

1 machine à ecrire moke            von der Pharmacie Diocésaine

1 perforateur                            der Reichtum des Secretaire

1 beginnende Termitenburg       Geschenk der Natur

1 bic (chin. Billigkugelschreiber)  auf dem letzten Tropfen das Tischtuch - feuchter Filz, schon lange durchlöchert

etagère petit                              aus der Evêché

3 manuels de santé                    Eigentum des BDOM: kürzlich abgekauft dem BDOM in Kinshasa

c'est tout

Bandeko, es gäbe noch viele solcher Blitzlichter - Stoff genug für viele Rundbriefe. Aber ich will es nicht riskieren, Euch unlustig zu machen. Vielleicht ein ander Mal, vielleicht unter dem riesigen Himmelszelt mit den funkelnden Sternen, das hier so greifbar nah ist, angefüllt mit dem Tamtam der Ukulele und dem vielfältigen Chor von Mensch und Tier (Manchmal spinnen wir uns hier ein wenig die Zukunft zusammen: mit der einmaligen Schönheit der Landschaft und den einzigartigen Lebewesen, die nur hier vorkommen, der Buntheit und der Lebendigkeit der Mongokultur... - da sollte sich doch was machen lassen -odr? Und die regelmässige wöchentliche Anbindung an Kinshasa, die kriegen wir auch noch hin. Bienvenu!).

Nzambe azala na bino,

 

Wolfgang.

PS:

Wer noch Armbanduhren entbehren kann, möglichst mechanische, oder solche, die gängige Batterien besitzen: Michael.Jochem@bluemail.ch, mein "Mann in der Schweiz", weiss, wie sie zu uns gelangen können. Es ist nämlich nicht leicht, sich am Sonnenstand orientierend um 8 Uhr zur Reunion zu treffen - zumal in der Regenzeit...). Und für alle, denen die Zeit zum nächsten Rundbrief zu lang wird. schaut doch mal auf der Homepage vorbei: da gibt’s auch die entsprechenden Bilder zum Text.

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Bokungu, M.C. (Mission Catholique),

im Advent 2002

Liebe FreundInnen, Verwandte und Bekannte,

es weihnachtet, Gott will Mensch werden, das Leben mit seiner Schöpfung teilen; mit-teilen, wie er sich das vostellt mit seinem Ebenbild, dass und wie Leben gelingen kann, in Fülle und nicht nur am Rand. Sagen, wo's langgeht und zeigen wo die Sackgassen sind.

 

Leben in Fülle hier in Bokungu, mitten im aequatorialen Regenwald der Demokratischen Republik Congo, mit seiner verschwenderischen Fülle, seinem überbordenden Wachsen und Wuchern und - in einer Situation zwischen Bürgerkrieg und noch nicht Frieden, Militärdiktatur mit schlecht oder gar nicht bezahlten Soldaten überall, mit extremer Armut - nicht genug zum Leben nicht zum Sterben, mit einer Moral nach Sklaverei und Kolonialismus geprägt vom Mobutismus und verschlimmert durch die Dekadenz der Kriegsjahre, mit einer Justiz, deren Agenten ebenfalls nicht genug zum Leben haben, und die nicht in der Lage sind, Sicherheit zu schaffen, geschweige denn Gerechtigkeit - gar nicht so einfach, das mit dem Leben in Fülle in einer Situation, wo es sich nicht lohnt, anzupflanzen, weil die Ernte von anderen eingefahren wird - von den Dieben, gedungenen Jugendlichen; wo es sich nicht lohnt, "ngulu"/Schweine aufzuziehen oder "ntaba"/Ziegen, weil wenn einer es auf drei Exemplare geschafft hat, wird das Militär kommen und das dritte verlangen als Contribution "pour la paix". Das zweite wird entweder von Dieben auf die Seite geschafft oder von irgendwelchen Staatsagenten versilbert. Das letzte verbliebene wird geschlachtet, damit kann der Besitzer seiner Familie wenigstens einmal den Magen füllen. Neubeginnen wird er nicht ... . Für Konservierung und Vorratshaltung reichen die Mittel nicht (bei über 30 Grad Hitze und 80 % Luftfeuchte müssen selbst die Toten spätestens am nächsten Tag begraben sein...).

Schmalhans ist hier Küchenmeister und Freund Hein zu Gast - oft zu oft. Da stirbt der Chef du secteur an einer "Crise malaria", noch nicht mal 40, zurücklassend Frauen und die vielen Kinder, die ohne Schutz ihres Familienoberhauptes der Verwandschaft gnadenlos ausgeliefert sind - der cadet der Familie, der in Kinshasa Developement studiert hat, versucht zu retten, was zu retten ist; die 105 km bis zum Dorf bei Routen, die eher Schlammlöchern ("potopot") gleichen und Rinnsalen, die muss er erstmal hinter sich bringen - und mit "quel moyen"?

Und Angst überall und Missgunst und Neid und Denunziation und "methode traditionel": Gift. Ein paar Minuten nach dem Exitus war der Infirmier responsable du centre "sur place", den Chef tot in seinem Sessel sitzend angetroffen. Berührt hat er ihn nicht: "empoisoné". Reanimation: Fehlanzeige, also "exitus for ever". Da kann der mondele-Directeur noch so toben, die Litanei von der Deontologie herunterbeten, der wir verpflichtet sind

- Hypokrates kann man vergessen, da wo die Angst regiert, da herrscht der Tod.

Inkarnation?

 

Da stirbt die Frau des Mokambi (Gemeindeleiters) im Nachbardorf - nach 1 Woche Ausnahmezustand ohne essen und trinken. Geheiratet haben sie "religieusement" vor noch nicht einmal einem Jahr. Eine Frau im besten Alter, in den 30igern. Letzten Monat hat sie einem kleinen Jungen das Leben geschenkt. Wenig später hat sich ihr Wesen verändert: sie hat aufgehört zu essen und zu trinken, ist Tag und Nacht ziel- und ruhelos umherrgegeistert, hat geredet, geredet, geredet und niemand hat sie verstanden. An den Rand ihrer Kräfte gekommen, hat die Familie Hilfe gesucht im Haus des Katechisten.

 

Da der Infirmier des Centre medicale abwesend war bei einem Seminar des internationalen Partners für die Responsables, hat der Pfarrer versucht, der Frau Nahrung einzugeben. Sie hat sich verbissen gewehrt. Am Abend war sie tot, erzählen die Leute. Die Nacht über hat man gewacht und die Totenklage angestimmt, "deuil/matanga". Am Morgen ist das Leben wiedergekommen - für kurze Zeit, dann hat sie sich verabschiedet für immer. Die Infusion aus dem Nachbardorf, die hier hätte Leben retten können - sie kam, Stunden entfernt, zu spät.

Inkarnation?

Da wird der Sohn des Chef von den Soldaten gezwungen, 30 km lang Lasten zu schleppen - die Spuren sieht man heute noch, eingetragen auf seinem Rücken; 55 kg bei einsfünfundsiebzig. Angekommen wird er "befragt" wo die Rebellen wären und ihre Alliierten, gebunden, die Hände auf dem Rücken, Lianenfesseln an den Füssen, Schläge auf die Knöchel, bis die Gelenke entzündet sind und aufquellen wie Hefeteig, weich wie Foufou, der Maniokteig. "Wenn du nichts sagst, wirst Du sterben" - gerade mal 20 Jahre alt. Zur Unterstreichung ihrer Absichten halten sie ihm das Gewehr an die Schläfen und gegen das Genick. Nach drei Tagen hat er abgeschlossen mit seinem Leben. Dass sie ihn lebendig begraben - in den Sand bis zum Hals, weitere endlos scheinenden 2 Tage und eine lange Nacht, das lässt ihn schon kalt. Heute ist er überzeugt, dass der Körper den Geist behindert, dass das Leben nur Leiden bedeutet, Souffrance und dass der Tod Erlösung ist und Freiheit und Leben in Fülle. Manchmal sieht er keinen Ausweg, nur noch das Dunkel im "Herzen der Finsternis". Dann denkt er daran, diese Befreiung zu suchen - ein für allemal.

Inkarnation?

Da rettet die Familie des selben jungen Mannes und er selber unter Einsatz ihres Leben das des Bischofs und seines Priesters - im Wald, ständig auf der Flucht, ständig den Plagen des tropischen Regenwaldes ausgesetzt.

Der Kirchenführer gibt seinemVater, dem Dorfchef, das Versprechen, einem seiner Kinder das Studium und damit der ganzen Familie eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Der Vater wählt José, der mit dem Bischof damals ausgeharrt hat im Wald. José ist heute 25 und immer noch in Bokungu, der Bischof hat längst die Diözese gewechselt, und von Zeit zu Zeit machen sich die Dämonen breit im Leben des jungen Mannes...

Inkarnation?

Und auch später, als man ihm zum Sekretär des BDOM (Diözesanbüro für die medizinischen Werke) gemacht hat, eines BDOM ausser Funktion und ohne Mittel, als er hunderte Kilometer zu Fuss gegangen ist, an den Füssen nichts anderes als die "Babuches" um im letzten Jahr die Medikamente aus der ersten langersehnten Hilfslieferung zu verteilen, haben andere die 600 Dollar abgesahnt, die die Caritas für die Helfer zur Verfügung gestellt hatte...

Er wünscht sich nichts sehnlicheres, als Medizin zu studieren...

Jetzt ist er der Sekretär des Mondele und sein Vermittler und Interpret. Die Leute sagen, die Weissen sind mit der Magie im Bunde. Und die Schwarzen, die in ihrer Nähe sind, sind es auch. Wenn jetzt einer krank wird oder einer stirbt ... oder die ganz alltäglichen Eifersucht, Neid, Missgunst...

Inkarnation? Gerechtigkeit? Leben? "Hold on"?

Leicht gesagt, zu leicht und versprochen.

Der Wald ist überbordend - da wird gestorben aber auch gelebt. Da geschieht Begegnung zwischen Welten - dass das möglich ist !?! Da tauchen Geistesverwandschaften auf, da entsteht Nähe und Begegnung, da beginnt Verstehen Stück für Stück. Da sind Gesichter, Charaktere, der Typ von neben an - nur etwas dunkler. Immer öfter "deja vue" -ich sehe Bekannte, Freunde im Gegenüber; schwarz verliert seine Kompaktheit - es wird braun, viele Brauntöne und auf einmal ist sie da - die ganze Vielfalt der Schöpfung. Das Wunder des einen Vaters (même père, même mère), der uns in die Welt, ins Leben gerufen hat, der jeden einzelnen kennt und beim Namen nennt, der uns als Schwestern und Brüder will ("bandeko") und so und nicht anders.

Inkarnation.

"Singen können sie" sagt der Missionar. Und er hat recht. Wenn aus dem Stand die mehrstimmigen Gesänge ertönen, der Rhythmus der Tam-tam und des Tanzes, dann wird in der Messe der Schöpfer gegenwärtig, zum Spüren nahe. Trommeln für das Leben, Ansingen gegen den Tod und das Leid - eine der Quellen, die dem Heute und der Zukunft die Wege bahnen. Und es gibt auch Menschen, die in dieser Extremsituation anständig geblieben sind, die hoffen wider alle Hoffnung, die anderen ein Beispiel geben können, die zupacken und sich engagieren, ohne zuvor ihre Eigeninteressen abzusichern. Hie und da wird das Evangelium spürbar.

Inkarnation!

 

Mit viel Freude sind wir zur Zeit dabei, mit den Kizitu-Anuarite, benannt nach ugandischen Märtyrern, ein Feld anzulegen. Es wird gerodet, gehackt, geackert - das alles bei über 30 Grad im Schatten und einer Schwüle, die das Wasser aus allen Poren treibt. Die Kleinen, bis 16 Jahre alt, sind mit grossem Eifer dabei. Die Citronelle an der Front des Centre pastorale ist schon gepflanzt. Der erste Tee gegen Fieber und Malaria getrunken (- der Zucker ist das nötige Zugeständnis). Hinter dem BDOM haben wir Süsskatoffeln gepflanzt: als Bereicherung der sonst sehr einseitigen Ernährung aus Maniokknollen und -blättern; ausserdem hat es den Vorteil, dass sie in der Erde wachsen, was den Dieben die leichte Arbeit verwehrt. Übermorgen werden wir die Papayer setzen: ein Baum mit Wirkstoffen gegen vieles (z.B. Amöben) und zudem noch äusserst vitaminreich, und zwar so zahlreich, dass auch für unsere Ernte noch etwas übrig bleibt. Für jeden Baum wird eine Gruppe Kinder die Patenschaft und Pflege übernehmen. Mit Hilfe unserer europäischen Partner wollen wir einen Garten mit Heilpflanzen anfügen und das Ganze mit einem Bambuszaun absichern. Und dann sollen noch didaktisches Material entstehen, die Kräuter weiterverarbeitet werden, und.... und... und...

"Vous avez des reves" sagen die wenigen verbliebenen Missionare und es stimmt: wir haben (noch) Träume,

denn "wer keine Träume hat, hat keine Kraft zum Kämpfen" (D. Helder Camara). Und wir, meine afrikanischen Mitarbeiter, Freunde und ich, wir wollen der Inkarnation etwas Beine machen und die Hände geben...gemeinsam mit unseren FreunInnen in "old Europe".

Der Rest ist in dürren Worten schnell erzählt: Die Solar/Kühlausstattung, gestiftet von der Deutschen Botschaft in Kinshasa, ist auf dem Tshuapa unterwegs zu uns. Das Gap-Schiff wird in wenigen Tagen Bokungu anlaufen. Die Bitten an andere Projektpartner sind bislang ohne Bescheid geblieben - das oeuvre médicale lebt von und arbeitet mit ausgeliehenen und zusammengebettelten Mitteln; die Arbeit ist in vielerlei Hinsicht blockiert. 3000 EUR müssen wir allein für den Transport des gespendeten Autos aufbringen, weitere 4000 EUR für Ersatzteile und Werkzeug auch für die 30 Fahrräder eines Vorgängerprojektes, ohne die die Verteilung gar keinen Sinn macht, weil bei das Fahrzeug bei der ersten Panne liegen bleibt. Vor Ort fehlt selbst die einfachste Ausstattung (z.B. der passende Schlüssel, um den Sattel einzustellen). Von der internationalen ONG COOPI wird ein Teil der Centres mit Medikamenten versorgt; die mittellose Bevölkerung hat Zugang zur Gesundheitsversorgung gegen einen symbolischen Beitrag von 50 FC (15 Cents) für die "episode maladie". Bei einem anderen Teil unserer 38 Einrichtungen, unterstützt von der Caritas secours internationl belge, haben wir ernsthafte Probleme: die Medikamentenspenden vom Juli sind vielerorts längst aufgebraucht. Der Partner hat die Fortsetzung versprochen, jedoch logistische Probleme - bis heute keine Lieferung; das Warten wird immer schwieriger und immer weniger zu verantworten. In einem Dorf sind bei einer Grippeepidemie bereits drei Menschen gestorben, auch für die Diarrhoewelle fehlen die Mittel zur Behandlung. Mit den durch die urgence - Projekte drastisch geschrumpften Einnahmen kann der Medikamentenvorrat weder auf dem lokalen Markt noch über die Diözesanapotheke erneuert werden... Der Druck der Bevölkerung und der Kranken wächst...

Da in Bokungu nur ein Funkgerät zur Verfügung steht, versuche ich nach Kinshasa zu kommen, wo alle und alles sitzen und ich auch Verbindung mit "der Welt" aufnehmen kann. Da es keine regulären Flugverbindungen gibt, das BDOM und die Diözese zudem nicht über die nötigen Mittel verfügen, weiss ich noch nicht, ob ich das wie geplant noch vor Jahresende schaffen werde...Und die Zeit läuft....(vielleicht erbarmt sich Misereor - bis 2005 ist unser Projekt kaum zu realisieren, soviel zeichnet sich jetzt schon ab...).

Dank der vielen kleinen Spender aus meinem Freundeskreis haben wir eine Perspektive für das Neue Jahr. Wenn

die grossen Partner auch noch etwas "die Beine in die Hand nehmen" könnten, werden wir in der Lage sein, unsere Vorhaben zu realisieren "comme il faut" - zum Nutzen für alle, damit Gott hüben und drüben wirklich Mensch werden kann.

Liebe FreundInnen und UnterstützerInnen,

 

wir wünschen Euch gesegnete Weihnachten und einen guten Start ins Neue Jahr.

 

Nzambe azala na bino,

Herzlichst

Euer

 

Wolfgang Leinen

und MitarbeiterInnen

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