Das Schiff

07.12.09

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Die Prüveda  ist ein Motorsegler, Typ Gouwzee III, der Entwurf stammt vom holländischen Konstrukteur Pieter Beltsnyder. Sie wurde 1972 in einer Kleinserie in der holländischen  Werft Petersen in Stahl gebaut. Länge über alles 10m, Breite 3.25, Tiefgang 1.30m, Gewicht ca.10 Tonnen. Wir haben das Schiff 1998 erworben und somit vor dem Zerfall gerettet. Für den Ausbau benötigten wir  6 1/2 Jahre. Dabei haben wir das ganze Schiff innen wie aussen im Selbstbau, gründlich überholt, erneuert, erweitert und ergänzt.

 

Das Dschunkensegel

Da auch der verrottete Mast und die alten Segel nicht mehr zu gebrauchen waren, haben wir uns für die Umänderung auf ein Dschunkenrigg entschieden, eine Besegelung wie sie die Chinesen schon vor 2000 Jahren gesegelt haben, lange vor Kolumbus Zeiten.

 

                

 

 

Das Segel gerefft unter voller Fahrt

 

 Das Dschunkenrigg im Vergleich zum Bermudarigg

Normale Bermudariggs, die heute auf 99% aller Segelboote stehen, brauchen um optimal zu funktionieren, eine Auswahl verschiedener Vorsegel oder teure Rollsegel. Ihre Masten werden von Wanten und Stagen gehalten, die immer unter starker Spannung stehen. Der große Vorteil dieses Segeltyps ist, dass es gegen den Wind effektiv und schnell ist. Daher ist es vor allem auf Regattayachten sehr populär und zu diesem Zweck wurde es erfunden. 

Fährt man mit einem normalen Bermudarigg vor dem Wind, verlieren die Segel viel von ihrer Effektivität, weil sie nicht für diesen Wind konstruiert wurden. Das hintere Großsegel steht an den seitlichen Wanten an und deckt das Vorsegel ab, so wird dann mit einem Blister oder Spinnaker versucht, bessere Segeleigenschaften zu erreichen. Solche Segel bergen aber auch Gefahren um sie zu handhaben, Spinnackerbäume müssen am Mast und am Segelende befestigt werden, bei einer Fahrtencrew von Mann und Frau eine nicht einfache Aufgabe. Auch das Segeln mit diesen meist großen geblähten Segeln verlangt Konzentration und gute Wind- und Steuerkenntnisse.          Wir sprechen hier schon von mindestens vier teuren Segeln die ein solches Boot braucht.  

Wir sind als Fahrtenschiff und nicht als Rennyacht unterwegs, so haben wir normalerweise auch etwas Zeit und tendieren dazu, die Großwindsysteme auszunutzen wie z. B. den Passatwind für die Atlantiküberquerung. Es werden lange Strecken vor oder mit dem Wind gesegelt, was das Segeln auch angenehmer macht, als wenn das Boot „auf der Kreuz“ ständig schräg auf einer Seite steht und hart in die Wellen schlägt.  

Eigenschaften des Dschunkenriggs

Beim Dschunkenrigg brauchen wir nur ein Segel (47m²) das mit Latten versehen ist, welches bei starkem Wind einfach von Latte zu Latte verkleinert (gerefft) werden kann. Dazu muss auch niemand aufs Vordeck, alle Segeleinstellungen können bequem ohne großen Kraftaufwand aus dem Cockpit eingestellt werden. Vor dem Wind kann dieses Segel nicht nur maximal gefiert (geöffnet), sondern es kann auch in die Schiffsmitte geschwenkt werden, der Segelschwerpunkt liegt nun innerhalb der Schiffslängsachse, was das Rollen des Bootes stark vermindert.

Dschunkensegel hatten in früheren Zeiten den Nachteil, dass die Latten bei wenig Wind steiff und bei viel Wind gebogen waren. Eigentlich muss ein Segel bei wenig Wind einen Bauch haben und bei viel Wind sollte es straff gespannt sein. Mit so genannten „Cones“ das sind schräg abgedrehte  Zwischenstücke aus Delrin (Hartplastik) die zwischen den geteilten Latten eingefügt sind, wurden die Leichtwindeigenschaften erheblich verbessert. Das Segel hat nun mit dem gewünschten Bauch einen besseren Vortrieb. Auch die Kreuz- und Amwind Eigenschaften haben sich mit diesem System stark verbessert.   

 Wenden, Halsen, Reffen und Beidrehen

Das Wenden und Beidrehen ist sehr einfach und ohne große Anstrengung möglich, die Segelstellung verändert sich nicht, es wird einfach auf den neuen Kurs gesteuert. Halsen erfordert anfangs etwas mehr Übung, meistens reffen wir zuerst ein bis zwei Panel und werfen dann das ganze Segel auf die neue Seite.

Das Dschunkenrigg ist sehr leise, es entsteht kein lautes Schlagen in der Wende oder beim aufdrehen in den Wind, die Latten sorgen für Ruhe. Schlagende Segel und deren Stressfaktor kennen wir nicht.

Ein Dschunkensegel bietet auch für eine kleine Crew Sicherheit, kann es doch jederzeit sofort mit einem Handgriff gerefft werden, ohne das Boot zuerst in den Wind gedreht werden muss. Ein kurzer Zug am Fall und das Segel fällt in die Lazy Jacks, dann kann mit verkleinerter Fläche weiter gesegelt werden.  

 Der Mast

Unser Dschunkenrigg hat einen runden freistehenden Alumast mit einem Durchmesser von 180mm und einer Wandstärke von 6mm. Der 10,65m lange Mast steht an Deck in einer Masthalterung aus 10mm dickem Stahl, dieses U- Eisen wurde durchs Deck bis zum Rumpf fest eingeschweißt. Gemäß dem Fachbuch: Practical Junk Rig können aber auch Vollholzmasten, geleimte Holzmasten, Stahlmasten etc. verwendet werden, Straßenlampenpfähle nicht ausgeschlossen! Auf kleineren Booten werden neuerdings gerne die leichten Carbonmasten verwendet. Weil unser Mast rund ist, kann das Segel fast rundherum geschwenkt werden und steht nicht an seitlichen Wanten an. Wir verwenden ein Vorstag, ein 8mm Edelstahl Drahtseil, das als SSB Antenne (für den Weltempfänger) und für die Mastlegevorrichtung dient, die meisten Dschunken haben aber kein Vorstag, sodass der Mast frei steht.

 Finanzielle Vorteile des Dschunkenriggs

Es ist ein Low-Tech-Rigg, günstig zu bauen, günstig zu unterhalten und einfach in der Wartung. Unser Segel braucht nur eine Winsch, wenn überhaupt, meistens kann das Segel einfach von Hand aufgezogen werden. Die Leinen, Blöcke und die Leinenstopper haben kleine Durchmesser, außer dem Fall (10mm) sind alle Leinen 8 oder 6mm dick, das macht sich in Gewicht und Kosten bemerkbar(siehe unten; oft gestellte Fragen).  

Bei nur einem Segel kann der vorhandene Stauraum unter Deck für andere wichtigere Dinge genutzt werden, das Segel bleibt am Mast angeschlagen und wird mit einer Persenning abgedeckt.

 Unsere Erfahrungen mit unserem Dschunkenrigg

Nach guten 1000 gesegelten Seemeilen sind wir mit unserem Rigg mehr als zufrieden, anfänglich betrachteten wir das Topgewicht mit der Spiere und den Latten und dem sich nicht verjüngtem Mast nach oben als einen Nachteil. Prüveda ist ein Motorsegler, hat weniger Kielballast als ein „reines“ Segelschiff, deshalb krängt sie etwas früher. Wir haben meistens zuwenig Segel gesetzt, doch sie braucht etwas an Fläche um die eigenen 10 Tonnen vorwärts zu bewegen. Wir benötigten auch einige Seemeilen an Erfahrung um alle Einstellungen am Segel richtig zu handhaben. Wir sind überzeugt, würde das Dschunkenrigg heute neu erfunden, hätten sicher mehr Segelschiffe diese Besegelung. Leider geriet das Dschunkenrigg und dessen genialen Eigenschaften in Vergessenheit, doch sind wir bemüht das Altbewährte wieder aufleben zu lassen. Wir freuen uns den interessierten, vielleicht zuerst skeptischen Segler, mit unseren Berichten und Erfahrungen vom Dschunkenrigg zu überzeugen. 

   

 Oft gestellte Fragen:

 

 Woher habt ihr euere Dschunken Rigg Kenntnisse?

Bücher:

Annie Hill:                     Voyaging on a small income                (in englisch ISBN 1-85310-425-6)

Annie Hill:                     Mit kleinem Geld auf große Fahrt          (in deutsch ISBN 3-89365-663-4)

Hasler und McLeod:     Practical Junk Rig Fachbuch                 (in englisch ISBN1-888671-01-7)

 

Junk Rig Association in England:

Dschunkenrigg Verein, mit eigener Fachzeitschrift (4 Ausgaben im Jahr) mit Reportagen, Fachberichten und Erfahrungen rund ums Dschunkenrigg.

 

Ansprechperson:          Robin Blain (Sunbird Marine Service)

373 Hunts Pond Road Titchfield Common

Fareham Hants PO14 4PB

E-Mail: rblain@sunbirdmarine.com 

Homepage: junkrig association

 

Woher habt ihr euer Design, Segel und Mastberechnungen?

Robin Blain, Sunbird Marine Service, mit Absprache eines Navalarchitekten

Segel: Christopher Scanes, hat sich spezialisiert auf Dschunken Segel, arbeitet mit Robin Blain zusammen.

 

Woher habt ihr euren runden Mast?

Mastbau: Franz Kerber (Jährlich an der Interboot in Friedrichshafen)

FK-Mastbau, Rigg- und Bootszubehör

Affaltracher Strasse 30/1

D-74182 Obersulm-Willsbach

 

Was kostet in etwa ein Dschunkenrigg?

Segel und Mastberechnung (1999)                                           CHF 1200.-

Segel 47m ² vom Segelmacher ausgeführt (2001):                    CHF 4000.-

Mast, Spiere, Baum und Latten Alu, vom Mastbauer (2004):       CHF 5400.-

Zusätzlich Blöcke, Leinen und eine Winsch ca.                         CHF 2000.-

 

Braucht ein Dschunkenrigg keine Wanten und Stagen?

Ein Dschunkenrigg kann ohne Wanten und Stagen gesegelt werden, weil die Latten den Winddruck auffangen. Wir haben ein Vorstag für die SSB Antenne und für das Legen und Stellen unseres Mastes.

 

Wie hoch segelt ein Dschunkenrigg am Wind?

Wir können so hoch am Wind segeln wie ein Bermudarigg, sind jedoch nicht gleich schnell, dafür segeln wir sanfter. Das Gewicht des Bootes, Rumpftyp sowie die Segelfläche spielen natürlich eine erhebliche Rolle.

 

Kann mit einem Dschunkenrigg beigedreht werden?

Nichts leichter als das, immer wieder kursiert die Meinung, dass mit einem Dschunkenrigg nicht beigedreht werden kann.

 

Wo konntet ihr ein Dschunkenrigg Probesegeln?

Wir sind dafür nach England gefahren, und konnten dort mit Robin Blain auf seinem Dschunkensegelboot Probesegeln. Dadurch erhielten wir einen guten Eindruck und Fachmännische Anweisungen und Erklärungen.    

 

Mast stellen ohne fremde Hilfe

 

Der Motor

Der von der Werft ursprünglich eingebaute 25 jährige Volvo Penta MD 2B wies Risse im Block auf. Eine Reparatur wäre zu kostenaufwendig gewesen, Teile waren nur noch aus Schweden erhältlich und zudem hatte er nur 25 PS und eine Einkreiskühlung. Wir haben uns dann für einen neuen Vetus P 4-17 Marinemotor auf Peugeotbasis entschieden. Der "Gelbe" hat 42 PS und Zweikreiskühlung, zwischen dem Hurth Getriebe und der Propellerwelle sitzt eine Bullflex weil zuwenig Platz für ein Drucklager war. Der Motor steht auf neu eingeschweissten Fundamenten, die mit einer Digitalwasserwaage ausgerichtet wurden. Die Propellerwelle (mit Stopfbuchse) liegt genau im gleichen Winkel wie die Motorlängsachse. Vorne am Pulley wurde noch ein weiteres 3-fach Pulley (Keilriemenrad) befestigt um eine Hochdruckpumpe für die Entsalzungsanlage anzutreiben. Ebenso wird damit eine mechanische 1" Impellerpumpe angetrieben, welche verschiedene Aufgaben erfüllt: Sie bringt die Wasserzufuhr für die Entsalzungsanlage, kann jedoch auch umgestellt werden auf die Ankerdusche, oder im Notfall bei Wassereinbruch wird sie als Lenzpumpe eingesetzt. Der Motor war konserviert, stand aber noch sechs Jahre neben und im Schiff, bis wir ihn das erste Mal starteten. Nachdem wir alles sorgfältig angehängt und vorbereitet hatten, drehten wir nur einmal den Schlüssel und unser Jockel arbeitete, das war ein tolles Gefühl.

 

  

 

 

 Der Motor alt und neu

 

                  

        

 Das Cockpit  alt und neu 

                                              

        

 Der Innenausbau  alt und neu

                                           

      

 Die Kombüse  alt und neu 

                                                         

     

  Navigationsecke alt und neu

 

   

WC  alt und neu

 

  

 

 

    Alte Koje im Heck

 

   

 Neue Schlafkoje im Heck

                                                 

 
 

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Stand: 12.08.08