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Das Segel gerefft unter voller Fahrt
Das
Dschunkenrigg im Vergleich zum Bermudarigg
Normale
Bermudariggs, die heute auf 99% aller Segelboote stehen,
brauchen um optimal zu funktionieren, eine Auswahl
verschiedener Vorsegel oder teure Rollsegel. Ihre Masten
werden von Wanten und Stagen gehalten, die immer unter
starker Spannung stehen. Der große Vorteil dieses
Segeltyps ist, dass es gegen den Wind effektiv und
schnell ist. Daher ist es vor allem auf Regattayachten
sehr populär und zu diesem Zweck wurde es erfunden.
Fährt man mit
einem normalen Bermudarigg vor dem Wind, verlieren die
Segel viel von ihrer Effektivität, weil sie nicht für
diesen Wind konstruiert wurden. Das hintere Großsegel
steht an den seitlichen Wanten an und deckt das Vorsegel
ab, so wird dann mit einem Blister oder Spinnaker
versucht, bessere Segeleigenschaften zu erreichen.
Solche Segel bergen aber auch Gefahren um sie zu
handhaben, Spinnackerbäume müssen am Mast und am
Segelende befestigt werden, bei einer Fahrtencrew von
Mann und Frau eine nicht einfache Aufgabe. Auch das
Segeln mit diesen meist großen geblähten Segeln verlangt
Konzentration und gute Wind- und Steuerkenntnisse.
Wir sprechen hier schon von mindestens vier teuren
Segeln die ein solches Boot braucht.
Wir sind als
Fahrtenschiff und nicht als Rennyacht unterwegs, so
haben wir normalerweise auch etwas Zeit und tendieren
dazu, die Großwindsysteme auszunutzen wie z. B. den
Passatwind für die Atlantiküberquerung. Es werden lange
Strecken vor oder mit dem Wind gesegelt, was das Segeln
auch angenehmer macht, als wenn das Boot „auf der Kreuz“
ständig schräg auf einer Seite steht und hart in die
Wellen schlägt.
Eigenschaften
des Dschunkenriggs
Beim
Dschunkenrigg brauchen wir nur ein Segel (47m²) das mit
Latten versehen ist, welches bei starkem Wind einfach
von Latte zu Latte verkleinert (gerefft) werden kann.
Dazu muss auch niemand aufs Vordeck, alle
Segeleinstellungen können bequem ohne großen
Kraftaufwand aus dem Cockpit eingestellt werden. Vor dem
Wind kann dieses Segel nicht nur maximal gefiert
(geöffnet), sondern es kann auch in die Schiffsmitte
geschwenkt werden, der Segelschwerpunkt liegt nun
innerhalb der Schiffslängsachse, was das Rollen des
Bootes stark vermindert.
Dschunkensegel
hatten in früheren Zeiten den Nachteil, dass die Latten
bei wenig Wind steiff und bei viel Wind gebogen waren.
Eigentlich muss ein Segel bei wenig Wind einen Bauch
haben und bei viel Wind sollte es straff gespannt sein.
Mit so genannten „Cones“ das sind schräg abgedrehte
Zwischenstücke aus Delrin (Hartplastik) die zwischen
den geteilten Latten eingefügt sind, wurden die
Leichtwindeigenschaften erheblich verbessert. Das Segel
hat nun mit dem gewünschten Bauch einen besseren
Vortrieb. Auch die Kreuz- und Amwind Eigenschaften haben
sich mit diesem System stark verbessert.
Wenden, Halsen,
Reffen und Beidrehen
Das Wenden und
Beidrehen ist sehr einfach und ohne große Anstrengung
möglich, die Segelstellung verändert sich nicht, es wird
einfach auf den neuen Kurs gesteuert. Halsen erfordert
anfangs etwas mehr Übung, meistens reffen wir zuerst ein
bis zwei Panel und werfen dann das ganze Segel auf die
neue Seite.
Das
Dschunkenrigg ist sehr leise, es entsteht kein lautes
Schlagen in der Wende oder beim aufdrehen in den Wind,
die Latten sorgen für Ruhe. Schlagende Segel und deren
Stressfaktor kennen wir nicht.
Ein
Dschunkensegel bietet auch für eine kleine Crew
Sicherheit, kann es doch jederzeit sofort mit einem
Handgriff gerefft werden, ohne das Boot zuerst in den
Wind gedreht werden muss. Ein kurzer Zug am Fall und das
Segel fällt in die Lazy Jacks, dann kann mit
verkleinerter Fläche weiter gesegelt werden.
Der Mast
Unser
Dschunkenrigg hat einen runden freistehenden Alumast mit
einem Durchmesser von 180mm und einer Wandstärke von
6mm. Der 10,65m lange Mast steht an Deck in einer
Masthalterung aus 10mm dickem Stahl, dieses U- Eisen
wurde durchs Deck bis zum Rumpf fest eingeschweißt.
Gemäß dem Fachbuch: Practical Junk Rig können aber auch
Vollholzmasten, geleimte Holzmasten, Stahlmasten etc.
verwendet werden, Straßenlampenpfähle nicht
ausgeschlossen! Auf kleineren Booten werden neuerdings
gerne die leichten Carbonmasten verwendet. Weil unser
Mast rund ist, kann das Segel fast rundherum geschwenkt
werden und steht nicht an seitlichen Wanten an. Wir
verwenden ein Vorstag, ein 8mm Edelstahl Drahtseil, das
als SSB Antenne (für den Weltempfänger) und für die
Mastlegevorrichtung dient, die meisten Dschunken haben
aber kein Vorstag, sodass der Mast frei steht.
Finanzielle
Vorteile des Dschunkenriggs
Es ist ein
Low-Tech-Rigg, günstig zu bauen, günstig zu unterhalten
und einfach in der Wartung. Unser Segel braucht nur eine
Winsch, wenn überhaupt, meistens kann das Segel einfach
von Hand aufgezogen werden. Die Leinen, Blöcke und die
Leinenstopper haben kleine Durchmesser, außer dem Fall
(10mm) sind alle Leinen 8 oder 6mm dick, das macht sich
in Gewicht und Kosten bemerkbar(siehe unten; oft
gestellte Fragen).
Bei nur einem
Segel kann der vorhandene Stauraum unter Deck für andere
wichtigere Dinge genutzt werden, das Segel bleibt am
Mast angeschlagen und wird mit einer Persenning
abgedeckt.
Unsere
Erfahrungen mit unserem Dschunkenrigg
Nach guten 1000
gesegelten Seemeilen sind wir mit unserem Rigg mehr als
zufrieden, anfänglich betrachteten wir das Topgewicht
mit der Spiere und den Latten und dem sich nicht
verjüngtem Mast nach oben als einen Nachteil. Prüveda
ist ein Motorsegler, hat weniger Kielballast als ein
„reines“ Segelschiff, deshalb krängt sie etwas früher.
Wir haben meistens zuwenig Segel gesetzt, doch sie
braucht etwas an Fläche um die eigenen 10 Tonnen
vorwärts zu bewegen. Wir benötigten auch einige
Seemeilen an Erfahrung um alle Einstellungen am Segel
richtig zu handhaben. Wir sind überzeugt, würde das
Dschunkenrigg heute neu erfunden, hätten sicher mehr
Segelschiffe diese Besegelung. Leider geriet das
Dschunkenrigg und dessen genialen Eigenschaften in
Vergessenheit, doch sind wir bemüht das Altbewährte
wieder aufleben zu lassen. Wir freuen uns den
interessierten, vielleicht zuerst skeptischen Segler,
mit unseren Berichten und Erfahrungen vom Dschunkenrigg
zu überzeugen.
Oft gestellte
Fragen:
Woher
habt ihr euere Dschunken Rigg Kenntnisse?
Bücher:
Annie Hill: Voyaging on a small
income (in englisch ISBN 1-85310-425-6)
Annie Hill:
Mit kleinem Geld auf große Fahrt
(in deutsch ISBN 3-89365-663-4)
Hasler und
McLeod: Practical Junk Rig Fachbuch
(in englisch ISBN1-888671-01-7)
Junk Rig Association in England:
Dschunkenrigg
Verein, mit eigener Fachzeitschrift (4 Ausgaben im Jahr)
mit Reportagen, Fachberichten und Erfahrungen rund ums
Dschunkenrigg.
Ansprechperson: Robin Blain (Sunbird Marine
Service)
373
Hunts Pond Road Titchfield Common
Fareham Hants
PO14 4PB
E-Mail: rblain@sunbirdmarine.com
Homepage:
junkrig association
Woher habt ihr
euer Design, Segel und Mastberechnungen?
Robin Blain,
Sunbird Marine Service, mit Absprache eines
Navalarchitekten
Segel:
Christopher Scanes, hat sich spezialisiert auf Dschunken
Segel, arbeitet mit Robin Blain zusammen.
Woher habt ihr
euren runden Mast?
Mastbau: Franz
Kerber (Jährlich an der Interboot in Friedrichshafen)
FK-Mastbau,
Rigg- und Bootszubehör
Affaltracher
Strasse 30/1
D-74182
Obersulm-Willsbach
Was kostet in
etwa ein Dschunkenrigg?
Segel und
Mastberechnung (1999)
CHF 1200.-
Segel 47m ² vom
Segelmacher ausgeführt (2001): CHF
4000.-
Mast, Spiere,
Baum und Latten Alu, vom Mastbauer (2004): CHF
5400.-
Zusätzlich
Blöcke, Leinen und eine Winsch ca.
CHF 2000.-
Braucht ein
Dschunkenrigg keine Wanten und Stagen?
Ein
Dschunkenrigg kann ohne Wanten und Stagen gesegelt
werden, weil die Latten den Winddruck auffangen. Wir
haben ein Vorstag für die SSB Antenne und für das Legen
und Stellen unseres Mastes.
Wie hoch segelt
ein Dschunkenrigg am Wind?
Wir können so
hoch am Wind segeln wie ein Bermudarigg, sind jedoch
nicht gleich schnell, dafür segeln wir sanfter. Das
Gewicht des Bootes, Rumpftyp sowie die Segelfläche
spielen natürlich eine erhebliche Rolle.
Kann mit einem
Dschunkenrigg beigedreht werden?
Nichts leichter
als das, immer wieder kursiert die Meinung, dass mit
einem Dschunkenrigg nicht beigedreht werden kann.
Wo konntet ihr
ein Dschunkenrigg Probesegeln?
Wir sind dafür
nach England gefahren, und konnten dort mit Robin Blain
auf seinem Dschunkensegelboot Probesegeln. Dadurch
erhielten wir einen guten Eindruck und Fachmännische
Anweisungen und Erklärungen.

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Mast stellen ohne fremde Hilfe
Der
Motor
Der
von der Werft ursprünglich eingebaute 25 jährige
Volvo Penta MD 2B wies Risse im Block auf. Eine
Reparatur wäre zu kostenaufwendig gewesen, Teile
waren nur noch aus Schweden erhältlich und
zudem hatte er nur 25 PS und eine
Einkreiskühlung. Wir haben uns dann für einen
neuen Vetus P 4-17 Marinemotor auf Peugeotbasis
entschieden. Der "Gelbe" hat 42 PS und
Zweikreiskühlung, zwischen dem Hurth Getriebe
und der Propellerwelle sitzt eine Bullflex
weil zuwenig Platz für ein Drucklager war. Der
Motor steht auf neu eingeschweissten
Fundamenten, die mit einer Digitalwasserwaage
ausgerichtet wurden. Die Propellerwelle (mit
Stopfbuchse) liegt genau im gleichen Winkel wie
die Motorlängsachse. Vorne am Pulley wurde noch
ein weiteres 3-fach Pulley (Keilriemenrad)
befestigt um eine Hochdruckpumpe für die
Entsalzungsanlage anzutreiben. Ebenso wird
damit eine mechanische 1" Impellerpumpe
angetrieben, welche verschiedene Aufgaben
erfüllt: Sie bringt die Wasserzufuhr für die
Entsalzungsanlage, kann jedoch auch umgestellt
werden auf die Ankerdusche, oder im Notfall bei
Wassereinbruch wird sie als Lenzpumpe
eingesetzt. Der Motor war konserviert, stand
aber noch sechs Jahre neben und im Schiff, bis
wir ihn das erste Mal starteten. Nachdem wir
alles sorgfältig angehängt und vorbereitet
hatten, drehten wir nur einmal den Schlüssel und
unser Jockel arbeitete, das war ein tolles
Gefühl.

Der Motor alt und
neu
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Das
Cockpit alt und neu

Der
Innenausbau alt und neu

Die
Kombüse alt und neu
Navigationsecke alt und neu

WC
alt und neu
Alte Koje
im Heck

Neue Schlafkoje
im Heck
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