Übersicht / Text zum Videofilm    Fluviatile Prozesse und Talformen      Fluviatile Kräfte in Ober-, Mittel- und Unterlauf       Das Delta    Gebirgsgletscher      Inlandgletscher     Wind und Wüsten - Dünen      Küstenformen     Mäander     Geographie     Home

 

Exogene Prozesse

Hier sind die wichtigsten exogenen Prozesse zusammengestellt: die Gestaltung der Landschaft durch Schwerkraft, fliessendes Wasser; Eis, Gletscher; Wind und Meer verstehen und die durch die verschiedenen Formungsprozesse entstandenen Landschaftstypen unterscheiden lernen.

1.           Die exogenen Kräfte und ihre Wirkung

2.           Die Arbeit der Flüsse - Fluviatile Prozesse

              Fluviatile Prozesse prägen und gestalten die Erdoberfläche weltweit am stärksten. Sie sind eine Kombination aus Abtragung, Transport und Ablagerung

              Stichworte: Abtragung, Transport und Ablagerung; Seitenerosion, Tiefenerosion, Klamm, Canyon, Kerbtal, Muldental, Sohlental, Terrassental, Mäander, Schwemmkegel, Delta

3            Die Arbeit der Gletscher - Glaziale Prozesse

              Die Formung der Landschaft durch glaziale Prozesse finden wir heute in den Hochgebirgen (Alpen) und als aktuelle Inlandvereisung in Island und Grönland.

              Stichworte: Trogtal, Nährgebiet, Zehrgebiet, Trogschulter, Moränen, Zungenbecken, Findlinge, Urstromtäler

4            Die Arbeit des Windes - Äolische Prozesse

              Die Arbeit des Windes finden wir in  ariden und polaren Regionen. Auch bei den äolischen Prozessen laufen Abtragung, Transport und Ablagerung nebeneinander ab.

              Stichworte: Deflation, Fels- und Geröllwüsten, Windschliff, Dünen

5            Die Arbeit der Brandung - Prozesse an der Küste

              Der Formenschatz an den Küsten ist sehr vielfältigen Am wichtigsten sind die abtragenden Prozesse an einer Steilküste, die Vorgänge an Flachküsten sowie die Entstehung von Ausgleichsküste und Wattküste.

              Stichworte: Steilküste, Kliff, Abrasion, Zackenküste, Ausgleichsküste, Haff, Nehrung (Lido, Lagune)

1.    Die exogenen Kräfte

Grossräumig wirkende endogene (von innen wirkende) Prozesse bauen die Grossformen der Landschaft auf (z. B. Gebirge), die beständig der Verwitterung und Abtragung durch die exogenen Prozesse unterliegen. Dies sind jene Vorgänge, die durch von aussen (exogen) wirkende Kräfte und Faktoren bestimmt werden.

Der Abtragung voraus geht die Verwitterung; die Schwerkraft bringt zunächst die Verwitterungsprodukte an geneigten Flächen in Bewegung (Hangrutschung, Bergsturz, Steinschlag usw.). Der Wind, das Gletschereis und vor allem das fliessende Wasser sowie im Grenzbereich Land/Wasser die Brandung und die Meeresströmung transportieren diese Abtragungsmassen weiter, bis sie schliesslich zur Ablagerung kommen.

2.    Die Arbeit der Flüsse -Fluviatile Prozesse

Die Arbeitsleistung des fliessenden Wassers besteht aus Abtragung (Erosion), Transport und Ablagerung (Akkumulation, Sedimentation). Alle drei Vorgänge sind von der Wassermenge und der Fliessgeschwindigkeit abhängig. Die Wassermenge wird von klimatischen Faktoren (Niederschlagsmenge und -verteilung) bestimmt. Die Fliessgeschwindigkeit hängt vom Gefälle (Verhältnis von der Höhendifferenz zur Lauflänge eines Flusslaufes) ab.

Jeder Fluss hat das Bestreben, ein möglichst ausgeglichenes Gefälle zu erreichen, was durch unterschiedlichen Gesteinsuntergrund und tektonische Strukturen meist nicht gegeben ist. Durch Abtragung und Ablagerung wird im Laufe der Zeit ein Ausgleich geschaffen.

Die Hauptarbeitsleistung des fliessenden Wassers ist der Abtransport des durch Verwitterung, Erosion und Hangabtragung anfallenden Materials. Die Erosionswirkung eines Flusses äussert sich als Tiefen- und als Seitenerosion.

Die Tiefenerosion ist von der Wasserführung, der Fliessgeschwindigkeit und von der Art und der Menge des transportierten Materials-abhängig. Aber auch die Härte des Gesteins im Flussbett spielt eine wesentliche Rolle. In weiches Gestein gräbt sich fliessendes Wasser leichter ein als in hartes. In letzterem können Verwitterung und Hangabtrag der Seitenhänge oft mit der Tiefenerosion nicht Schritt halten.

Die Seitenerosion bewirkt eine Unterschneidung und Verstellung der Uferhänge. Die Seitenerosion überwiegt gegenüber der Tiefenerosion überall dort, wo der Fluss den Abtransport des anfallenden Materials nicht bewerkstelligt.

Ist ein Fluss mit Transportgut ausgelastet, ist keine Abtragung mehr möglich. Andererseits kann ein Fluss im festen Gestein ohne Schleifmaterial (d. h. Transportgut) keine Erosionsarbeit leisten.

Auch wenn die Fliessgeschwindigkeit zu gering wird, ist keine Erosion möglich und das Transportmaterial wird abgelagert: Zuerst wird das gröbere Material, bei abnehmender Fliessgeschwindigkeit das feinere Material akkumuliert.

Die verschiedenen Talformen sind eine Folge des Zusammenwirkens von Tiefenerosion, Seitenerosion und Hangabtragung. Eine Klamm ist das Ergebnis der Tiefenerosion. Diese ist hier so stark, dass Verwitterung und Hangabtragung nicht folgen können. Voraussetzungen sind eine hohe Fliessgeschwindigkeit (starkes Gefälle), starke Geröllführung und ein hartes, standfestes Gestein. Typisch für eine Klamm sind senkrechte oder überhängende Wände. Der Fluss füllt den ganzen Klammboden. Schluchten bilden sich ebenfalls bei vor-herrschender Tiefenerosion; doch ist das begrenzende Gestein nicht so widerstandsfähig, sodass Verwitterung und Hangabtragung die Talwände anschrägen. Kerb- oder V-Täler entstehen, wenn Hangabtragung, Erosion und Materialtransport gleichermassen wirksam sind.

Der Canyon ist eine strukturbedingte Sonderform des Kerbtals. Er entsteht, wenn ein Kerbtal in waagrecht lagernde Gesteinsschichten unterschiedlicher Härte eingetieft ist.

Muldentäler bilden sich, wenn ein Fluss nicht in der Lage ist, das von den Hängen zugeführte Abtragungsmaterial abzuführen. Tiefenerosion findet nur in geringem Masse statt. Seitenerosion fehlt. Die Hangabtragung ist die entscheidende formende Kraft. Je stärker sie wirkt und je geringer die Transportkraft des Flusses ist, desto breiter wird das Tal.

Sohlentäler können sowohl durch Aufschüttung eines früheren Kerb- oder Muldentals als auch durch Erweiterung solcher Täler durch Seitenerosion an den Talwänden (ohne Tiefenerosion) entstehen. Terrassen sind Reste früherer Talsohlen. Sie entstehen, wenn ein Fluss nach einer Zeit der Akkumulation (keine Tiefenerosion) sich erneut eintieft und in die Talsohle einschneidet. Teile der alten Talsohle bleiben als Terrassen erhalten.

Mäander entstehen durch Seitenerosion, wenn ein Gleichgewicht zwischen Erosion und Transport erreicht ist. Dann beginnt der Fluss in der Talebene zu pendeln: Er bildet Schwingungsbögen . An der Aussenseite der Bögen ist die Fliessgeschwindigkeit grösser. Durch Seitenerosion entsteht hier ein Prallhang. An der Innenseite der Biegung - wo die Fliessgeschwindigkeit geringer ist - bildet sich der wesentlich flachere Gleithang Hier wird Transportmaterial abgelagert. Durch die Seitenerosion verlagern sich die Mäander ständig. Dabei kann es schliesslich an extrem ausschwingenden Flussbögen zu einem Durchbruch kommen. Der abgeschnittene Flussabschnitt wird zu einem Totarm oder Altwasser. Die Weite der Schwingungen hängt von der Wassermenge ab. Grössere Flüsse ziehen grössere Bögen als kleine. Schwemmkegel entstehen, wenn ein Bach oder Fluss aus einem steilen Gebirgstal in eine Ebene mündet. Die Fliessgeschwindigkeit lässt hier nach und der Fluss lagert einen grossen Teil seiner Materialfracht ab. Dadurch verbaut er sich selbst seinen Weg, muss seitwärts ausweichen und verändert so ständig seinen Lauf. Dabei wird ein gleichmässiger Schwemmkegel ,,aufgeschottert".

Sehr flache Schwemmkegel, die aus überwiegend feinem Material bestehen, nennt man Schwemmfächer. Bilden grosse Flüsse weiträumige Schwemmfächer, spricht man von einer Schwemmlandebene.

An der Mündung eines Flusses ins Meer oder in einen See verringert sich die Fliessgeschwindigkeit noch mehr. Der Fluss lagert das gröbere Material zuerst ab, während das feinere Material oft erst weit vor der Mündung sedimentiert wird. Auch hier muss der Fluss seine eigenen Ablagerungen immer wieder umfliessen; es kommt zu Flussgabelungen und Verzweigungen. So bauen sich flache Schwemmfächer auf, die wegen ihres oft dreieckigen Grundrisses nach dem griechischen Buchstaben ,,Delta“ genannt werden.

 

3.    Die Arbeit der Gletscher -Glaziale Prozesse

Gletscher überprägen und überformen das Relief einer Landschaft auf eine ganz spezifische Art und Weise. Sie schürfen den Gesteinsuntergrund ab, transportieren den Gesteinsschutt fort und lagern ihn beim Abschmelzen wieder ab.

Feste Gesteine, die vom Gletscher überfahren werden, tragen oft glatte Gletscherschliffe mit Gletscherschrammen. Die manchmal Hunderte von Metern mächtigen Eisströme von Talgletschern schürfen ehemalige Kerbtäler (V-Täler) zu Trogtälern mit einem U-förmigen Querschnitt aus (U-Tal). Die Zungenenden der Gletscher schaffen breite und tiefe Zungenbecken, die nach dem Abschmelzen des Eises oft von grossen Zungenbeckenseen ausgefüllt werden. Vom Gletscher mitgeführter Gesteinsschutt häuft sich beim Abschmelzen des Eises zu Moränen (Geschiebelehm). Auch sehr grosse Gesteinsblöcke werden manchmal mehrere Kilometer weit vom Gletscher transportiert und dann abgelagert (Findlinge). Durch das Auftauen verschütteter Gletscherteile (Toteis) entstehen Toteislöcher oder Sölle. Die Schmelzwässer, die an den Eisrändern zutage treten, schütten im Vorfeld der Gletscher weite Sandebenen - die Sander - auf. Die gleiche Entstehung haben die Schotterflächen der eiszeitlichen Alpenvergletscherung. Nur war hier der Transportweg kürzer und das Material wurde deshalb nur wenig zerkleinert. Die Schmelzwässer sammelten sich in breiten Urstromtälern, die parallel zum Eisrand verliefen.

4.    Die Arbeit des Windes -Äolische Prozesse

Alle Vorgänge, bei denen der Wind entscheidend beteiligt ist, werden als äolische Vorgänge bezeichnet, benannt nach Aiolos, dem griechischen Gott des Windes. In Gebieten der Erde, die kaum oder gar nicht mit Vegetation bedeckt sind - in ariden und polaren Regionen - ist die formende Kraft des Windes besonders wirksam. Je nach Windgeschwindigkeit kann Material unterschiedlicher Korngrössen aufgenom­men, transportiert und schliesslich wieder abgelagert werden.

Typisch für die flächenhafte Abtragung (Deflation) sind Deflationswannen. Das sind durch Ausblasung des feinen Lockermaterials entstandene Hohlformen. Durch den Abtransport des Feinmaterials entstehen aus stark verwitterten Felslandschaften Fels- (Hammadas) und Geröllwüsten (Seris).

Gleichzeitig kann der Wind auch in kleinem Massstab Formen bildend tätig werden, indem er das mitgeführte Material als ,,Schleifwerkzeug" benützt (Korrosion). Typische Beispiele für diese Formenbildung sind Windkanter (durch Sandschliff flächig bearbeitete Steine und Gerölle) und Pilzfelsen (an ihrer Basis unterschnittene bzw. abgeschliffene Einzelfelsen) und Windschliffkehlen (Hohlkehlen an Felswänden). Das Material kann über weite Strecken transportiert werden und wird erst bei nachlassender Transportkraft des Windes abgelagert. Die daraus entstehenden Akkumulationsformen reichen von kleineren Sandrippeln bis zu markanten Dünenformen.

Typische Erscheinungsformen der Dünen sind die Wall-, Parabel-, Stern- und Strichdünen sowie die Barchane. Da der Wind den Dünensand ständig umlagert, bewegen sich freie (d.h. nicht an Hindernisse gebundene) Dünen häufig in Windrichtung vorwärts (Wanderdünen). Diese können für menschliche Siedlungen durchaus eine Bedrohung darstellen. Daher versucht man, sie vielerorts durch ,,künstliche" Vegetationsbedeckung zu stabilisieren.

5.    Die Arbeit der Brandung -Prozesse an der Küste

Die Küste, also der Grenzbereich zwischen Land und Meer, ist ständigen Veränderungen unterworfen. Gezeiten, Meeresströmungen, Sturmfluten und vor allem die Bran­dung arbeiten unaufhörlich an der Formung der Küste.

An Steilküsten (Kliffs) ist die abtragende Tätigkeit der Brandung (Abrasion) vorherrschend. Die aus der Steilwand herausgebrochenen und von der Wucht der Wellen immer wieder gegen das anstehende Gestein geschleuderten Felsstücke tragen dazu bei, dass sich auf der Höhe der Wasserlinie eine Brandungshohlkehle im Kliff bildet. Wenn sich die Brandungshohlkehle vertieft, kann das überhängende Kliff nachstürzen. Auf diese Weise wird das Kliff langsam zurück verlegt. Vor ihm entsteht eine zum Meer hin leicht abfallende Verebnung -die Abrasions- oder Brandungsplattform. Unterschiede im Gestein (Klüfte, Schwächzonen usw.) führen an Steilküsten zur Herausbildung spezieller Formen wie Brandungshöhlen und -nischen, Brandungstoren, Pfeilern usw.

Mit der Verbreiterung der Abrasionsplattform wird die Brandung immer stärker gebremst. Die Abtragung und vor allem der Abtransport der Gesteinstrümmer wird vermindert. Am Ende unterliegt das Kliff allein der Verwitterung und der mit ihr zusammenhängenden Massenbewegung (Steinschlag usw.). Es ist zu einem ,,toten" Kliff geworden.

Flachküsten können primär durch das Vordringen des Meeres auf flach ansteigendes Land, sekundär durch Abtragung (Abrasion) in Lockergestein entstanden sein. Eine Strandversetzung tritt ein, wenn die Wellen gemäss der vorherrschenden Windrichtung schräg auf die Küste treffen. Die Wellen laufen dann ebenfalls schräg auf den Strandwall auf, aber dem Gefälle folgend senkrecht zurück. Das heisst, ein Sandkorn wird im Zickzack (in der Hauptwindrichtung bzw. der Strömungsrichtung) am Strand entlang transportiert.

Springt die Küstenlinie, z.B. an einer Bucht, zurück, wächst der Strandwall vom Rand der Bucht aus ins Meer hinaus. Es bilden sich Haken oder Nehrungen, die ganze Buchten abschnüren können. Ist die Abschnürung durch eine Nehrung vollständig, entsteht ein Strandsee. Wird der völlige Abschluss durch eine Lücke in der Nehrung verhindert (z. B. eine Flussmündung), nennt man den abgeschnürten Meeresteil Haff oder Lagune.

Ist der Küstenverlauf aufgrund dieser Vorgänge (und durch Abtragung ins Meer hinausragender Küstenteile) nahezu geradlinig, heisst diese Küste Ausgleichsküste (z. B. die Ostseeküste in Hinterpommern).

Ein Watt ist ein Meeresbereich, dessen Bodenoberfläche zwischen den ,,Gezeitenwasserspiegeln" liegt, d.h. im regelmässigen Wechsel überspült wird oder trocken fällt. Entwässert wird das Watt bei Ebbe durch Priele. Das Watt besteht aus Sand (Sandwatt) oder Schlick (Schlickwatt) (z.B. Nordseeküste Friesland).

Übersicht / Text zum Videofilm    Fluviatile Prozesse und Talformen      Fluviatile Kräfte in Ober-, Mittel- und Unterlauf       Das Delta    Gebirgsgletscher      Inlandgletscher     Wind und Wüsten - Dünen      Küstenformen     Mäander     Geographie     Home