PAF-Fluggruppe
LSZF Birrfeld CH

Flugreisebericht
England (Southampton)
9.- 14. Okt. 2001
Pilot: Daniel Keller PAX 1 Julia Keller (10 Jahre) PAX 2 Isabelle Keller (8
Jahre)
Vortag Flugvorbereitung 1. Tag: Dienstag
09.10.2001 Flug 1. Etappe: BIRRFELD (11:45 UHR) - HOC -
PORRENTRUY - LUL - RLP - BAR-SUR-SEINE - CTL - SOISSONS
COURMELLES - ALBERT - ABB - LE TOUQUET (15:05
UHR) Flug 2. Etappe: LE TOUQUET (17:08 UHR) -
BOULOGNE-SUR-MER - SFD - GWC - SOUTHAMPTON (17:30
UHR 2. Tag: Mittwoch
10.10.2001 AUFENTHALT IN EASTLEIGH - KEINE
FLIEGERISCHEN AKTIVITÄTEN 3. Tag: Donnerstag
11.10.2001 AUFENTHALT IN EASTLEIGH - KEINE
FLIEGERISCHEN AKTIVITÄTEN 4. Tag: Freitag
12.10.2001 Flug 3. Etappe: SOUTHAMPTON (11:08 UHR) - CPT - BPK -
NORTH WEALD (11:56 UHR) 5. Tag: Samstag
13.10.2001 Flug 4. Etappe: NORTH WEALD (13:15 UHR) - DET - LYD -
LYDD (13:50 UHR Flug 5. Etappe: LYDD (15:20 UHR) - BNE - CMB -
CHARLEVILLE - MMD - THIONVILLE - TRIER (17:58
UHR) 6. Tag: Sonntag
14.10.2001 Flug 6. Etappe: TRIER (13:34 UHR) - ZWN - HAGENAU -
LAHR - FRICKTAL-SCHUPFART - BIRRFELD (15:09
UHR)
Flugvorbereitung
In den offiziellen Herbstferien der Stadt Zürich wollte ich
mit meinen beiden älteren Töchter Julia und Isabelle
verschiedene Bekannte in England (Southampton und Ware) besuchen.
Für die ganze Reise wollte ich mir fünf bis sechs Tage Zeit
nehmen. Damit waren wir nicht gezwungen schon am ersten Ferientag los
fliegen zu müssen.
Natürlich habe ich mich schon zwei bis drei Tage vor dem Beginn
der Schulferien im Internet die verschiedenen Wettervorhersagen zu
Gemüte geführt. Ein stationäres kräftiges Tief
vor Irland sorgte dafür, dass vorderhand eine Störung nach
der anderen über Südengland und Nordfrankreich zu uns
vorstiessen. Vorderhand war also noch nicht an das Unternehmen
England zu denken. Am Wochenende zeichnete sich dann allerdings eine
Wetterberuhigung für Dienstag und Mittwoch ab, die einen Flug
bis Southampton zulassen sollte. Am Montagabend beschlossen wir dann,
dass wir am Dienstag den 9. Oktober die Reise starten wollten, obwohl
die Prognosen von Meteo France eher für den Mittwoch sprachen.
Dafür zeigte sich der britische Wetterbericht für den
Dienstag optimistischer.
Da ich seit kurzem zu hause ebenfalls über einen
Internetanschluss verfüge, wollte ich jedoch meinen definitiven
Entscheid erst am frühen Dienstagmorgen treffen. Trotzdem hiess
es natürlich die notwendigen Sachen einzupacken. Die Flugplanung
hatte ich bereits seit Tagen schon fertig, da ich diesmal ja genau
wusste wohin die Reise geht. Da ich zum ersten Mal eine solche Reise
alleine, d.h. ohne einen Co-Pilot, unternahm, wählte ich als
Tankstop einen französischen Flugplatz aus, den ich von einer
früheren Reise schon kannte -> Le Touquet Paris-Plage an der
Atlantikküste.
1. Tag: Dienstag 09.10.2001
Flug: Birrfeld (11:45 Uhr) - HOC - Porrentruy - LUL - RLP - Bar-Sur-Seine - CTL - Soissons Courmelles - Albert - ABB - Le Touquet (15:05 Uhr)
Flugzeit: 3:20 Std.
Vor dem Flug:
Am Morgen um 6:10 Uhr habe ich mich an den Computer gesetzt, um
mir die aktuellsten Wetterprognosen reinziehen zu können. Ganz
so wundervoll, wie man sie als VFR-Pilot schätzt, waren sie zwar
nicht, doch sprach eigentlich nichts konkretes dagegen, die Reise
heute zu beginnen. Einzig meine Absicht, nicht zu spät vom
Birrfeld loszufliegen, schien sich nicht ganz zu erfüllen, da
sich die kleine Störung noch nicht restlos vom Jura lösen
konnte. Dieses Bild bestätigte sich dann auch, als wir um 9:30
Uhr im Birrfeld eintrafen. Wobei es z.T. schwierig war, ob es sich
bei der tiefliegenden Bewölkung um Nebelschwaden oder um Wolken
handelte. Das Gafor für die Strecke 51 sah änderte sich
allerdings erst ab 12 Uhr LT von X-Ray auf Mike. Also Eile war nicht
angesagt. Das TAF für die Strecke nach Southampton war auch
nicht gerade dazu angetan Hochstimmung aufkommen zu lassen. V.a. die
30 %-ige Wahrscheinlichkeit von SHRA, einer Sicht von 5000 und
BKN010TCU in Le Touquet, lagen mir ein bisschen auf dem Magen. Da
aber in Reims CAVOK angesagt war, beschloss ich endgültig die
Reise anzutreten, evtl. halt mit einer nicht geplanten
Übernachtung in Nordfrankreich.
Nachdem der Papierkram erledigt war, die HB-PAF für die Reise
gerüstet war und die Kinder auf Drängen des Piloten das WC
aufgesucht hatten, konnte die Reise beginnen.
Flug:
Nach dem Start auf der Piste 08 und dem erreichen des Downwind
sahen wir tiefeliegende Wolkenfetzen in Richtung Habsburg. Ich
beschloss den Steigflug erst nach dem Passieren dieser Wolken
fortzusetzen. Als wir dann doch die geplante Reisehöhe von 3500
Fuss über Whiskey erreicht hatten, war ich sehr überrascht
vom guten Wetter über dem Jura. Eine tadellose Sicht und eine
recht hohe Wolkendecke beseitigten auch noch meine letzten Zweifel.
Gemäss Gafor sollte eigentlich noch ein X-Ray vorherrschen, doch
nun befand ich mich in Oscar Bedingungen. So konnten wir den einzig
erwähnenswerten Höhenzug auf unserer ganzen Reise
problemlos überfliegen und auch das Crossing bei Basel verlief
wie geplant.
Nachdem wir meinen Geburtsort Porrentruy überflogen hatten,
nahmen wir Abschied von der Schweiz und nahmen Kontakt mit Reims
Information auf. Als wir Luxeuil VOR auf einer Höhe von 2'500
Fuss passiert hatten, verschlechterte sich das Wetter zusehends,
leichter Regen setzte ein und vor uns tauchte eine tiefliegende
Wolkenschicht auf, so dass ich beim Controller beantragte auf 4'500
Fuss steigen zu dürfen. In Frankreich fliegt man Flight-Level
(FL) kam es als Antwort zurück. Also beantragte ich auf FL 45
steigen zu dürfen, worauf er mir sogar noch das Standard-QNH
durchgab. Nach weiteren 15 Minuten war der Schlechtwetterspuk zum
Glück vorbei, denn so gemütlich ist ein Flug zwischen zwei
Wolkenschichten auch wieder nicht, auch wenn die Sicht sehr gut
war.
Als nächste Kontrollstelle war Seine Information an der Reihe.
Hier klappte anfänglich der Radarkontakt nicht optimal, weshalb
ich einen neuen Transpondercode zugeteilt bekam. Überhaupt war
ich von der Art dieses Controllers sehr angetan, da er so ganz anders
war, als der etwas unfreundliche Kollege von Reims Info. Später
als wir Troyes östlich passiert hatten, meldete mir der
Controller Military Aircrafts at my 12 o'clock position. Es dauerte
dann auch nicht lange bis eine Doppelpatrouille Rafale oder Jaguar
(so genau konnte ich den Typ nicht ausmachen) uns in hohem Tempo
passierten.
Das Wetter besserte sich auch zusehends und die Sonne war wieder
öfters Gast in unserem Cockpit. Allerdings konnte ich auch schon
erste TCUs ausmachen. Julia und Isabelle konnten sich natürlich
unter dem Ausdruck nicht viel vorstellen. Nun, ihr werdet die
Auswirkungen dieser Wolkentürme sicher noch zu spüren
bekommen, da die Thermik unter diesen Türmen für einen eher
unruhigen Flug verantwortlich zeigt. Der Ausdruck ihrer Gesichter
verriet dann auch, dass sie das Geschüttel nicht so sehr
genossen und sich wohl eher wieder das eintönige aber ruhige
grau vor einer Stunde herbeisehnten.
Der Flug Richtung Meer war dann wieder ruhiger und alles schien sich
in Wohlgefallen aufzulösen. Im Fussball sagt man, dass ein Spiel
erst dann vorbei ist, wenn der Schiedsrichter abpfeifft und das
gleiche gilt auch für einen VFR-Flug. Denn die 30 %-ige
Wahrscheinlichkeit aus der TAF-Vorhersage, wurde ausgerechnet bei
unserem Landeanflug Wirklichkeit. Als wir den Einflugpunkt Sierra
passiert hatten fing es leicht an zu Regnen, zudem verschlechterte
sich die Sicht und der Wind frischte böig auf. Wir bekamen dann
auch nicht die übliche RWY 32 zugeteilt, sondern wurden auf die
RWY 24 geschickt. Beim Landeanflug musste ich mich voll
konzentrieren, um die Maschine auf der Pistenachse zu haltend. Kurz
vor dem Touch-Down drang das Geräusch einer sich
übergebenden Person an mein Ohr. Für meine Tochter Isabelle
war dieser Anflug doch des Guten zu viel. Die Landung klappte allen
widrigen Umständen zum Trotz sehr gut. Leider war die
Leidensgeschichte von Isabelle damit aber noch nicht abgeschlossen,
sie musste sich beim Ausrollen nochmals übergeben. Diesmal war
sie allerdings nicht mehr darauf vorbereitet, und so war die
"Kotztüte" beim zweiten Mal nicht mehr vor ihrem Mund.
Zwischen den Flügen:
So war ich nach dem Abstellen der PAF auf einem fast leeren Tarmac mit Putzen beschäftigt, um das Flugzeug für den Weiterflug wieder sauber zu kriegen. Danach besuchten wir als erste Stelle die Meteo, um uns über das Wetter nach Southampton schlau zu machen. V.a. das aktuelle Wetter über unserem Standort stimmte mich nicht gerade positiv. Nun METAR und TAF sahen nicht schlecht aus, so dass ich alles weitere für den Weiterflug einleitete. Tanken, Landetaxe und Tanken bezahlen, Flugplan nach Southampton ausfüllen und per Fax weiterleiten. Auch eine kleine Verpflegung durfte nicht fehlen und es blieb uns sogar noch Zeit, für einen kurzen Bummel in der näheren Umgebung. Ich dachte, speziell Isabelle könnte sicher etwas frische Luft gebrauchen, um danach für das nächste Teilstück gerüstet zu sein. Als wir dann von unserem Bummel zurückkamen, erwartete uns eine kleine, aber unangenehme Überraschung in Form eines Faxes aus Lille, mit folgender Message:
REF FPL-HBPAF-LFAT-EGHI.
AD STRICTLY PPR. LANDING MAY BE REFUSED. (NOTAM E0942/01 REFERS)
PLEASE CONTACT AD OPS +44 (0)23 80627102.
RGDS
SOU OPS
Also, fragte ich den Diensthabenden, ob er mir eine Verbindung herstellen könnte, da ich keine Telefonkarte noch Kreditkarte hätte. Nun, das Gespräch mit dem OPS in Southampton verlief dann sehr angenehm und ich erhielt auch problemlos eine Landing Permission mit Übernachtungsmöglichkeit. Ich durfte dann vom gleichen Telefonapparat noch meine Bekannten in Eastleigh anrufen, um ihnen Bescheid zu geben, wann wir in Southampton landen würden.
1. Tag: Dienstag 09.10.2001 (Fortsetzung)
Flug: Le Touquet (17:08 Uhr) - Boulogne-sur-Mer - SFD - GWC - Southampton (17:30 Uhr)
Flugzeit: 1:22 Std.
Flug:
Nachdem wir auch den Mann im Tower von Le Touquet über die Korrektheit unseres Fluges nach Southampton überzeugen konnten, erteilte er uns schliesslich die Rollerlaubnis zur RWY 24. Nun, es ist schon etwas ungewohnt eine Runway (RWY 14) als Taxiway benützen zu müssen, aber da bei diesen Windverhältnissen eh kein Verkehr auf dieser Start- und Landebahn zu erwarten war, ist dies hier in Le Touquet wohl so üblich. Um 17:08 Uhr hob die HB-PAF in Le Touquet ab, um kurz darauf dem französischen Festland seinen Rückenansicht zu zeigen. Die Wolken über dem französischen Festland liessen vorerst keinen grösseren Steigflug zu. Erst als wir über dem Meer waren, konnte ich auf 2'500 Fuss steigen. Gemäss TAF war dies auch die Untergrenze der Wolken über Southampton. Der Flug über den Ärmelkanal war für die Kinder natürlich sehr spannend, v.a. weil wir viele Schiffe ausmachen konnten. Westlich von Eastbourne erreichten wir dann die Südküste Englands, um dieser dann ein ganzes Stück zu folgen.
Abbildung 1: Südküste Englands mit den charakteristischen Kreidefelsen
Dabei kamen bei mir wieder alte Erinnerungen auf, v.a. als wir Brighton passierten, wo ich im Sommer 1977 drei Wochen verbrachte. Aber auch das Castle von Arundel war gut auszumachen, welches ich ebenfalls in dieser Zeit besucht und die Grösse mich damals sehr beeindruckt hatte.
Einmal mehr wunderte ich mich heute über das Wetter. Die
Vorhersagen waren heute alles andere als zutreffend. Statt SCT025
erwartete uns ein wolkenloser Himmel über Südengland. Als
ich mich bei Solent Approach meldete, schien dieser bereits bestens
über mich informiert gewesen zu sein. Er fragte mich
nämlich nicht viel, sondern gab mir die Anweisung direkt auf das
VOR SAM zuzufliegen. Das machte die Sache natürlich sehr einfach
für mich, musste ich doch so nicht den Checkpunkt Bishops
Waltham (ein kleines Dorf) suchen. Der nächste Aufruf versetzte
mich dann allerdings in Erstaunen, denn ich wurde gefragt, um welche
Uhrzeit ich am Donnerstag Southampton verlassen wolle, damit er mir
einen Slot zuteilen kann.
Als ich den Flughafen in Sicht hatte, durfte ich auf die Frequenz von
Southampton Tower wechseln. Auch dieser gab mir gleich die Erlaubnis
in den Final der RWY 20 einzudrehen. Diesmal war kein böiger
Wind, kein Regenschauer, der uns die Landung erschwerte, so dass wir
Anflug und Landung vollauf geniessen konnten (dies trifft diesmal
nicht nur auf den Piloten zu).
Nach dem Flug:
Nachdem wir die Piste verlassen hatten, bekamen wir Standplatz 10
zugewiesen, ohne jedoch genauere Angaben über die konkrete Lage
diese Standplatzes zu erhalten. So rollte ich sehr langsam Richtung
Tarmac, in der Hoffnung, es würde ein gelbes Follow Me Fahrzeug
auftauchen. Es tauchte zwar ein Servicefahrzeug auf, dessen Fahrer
aber keine Anstalten machte, mich irgendwie einweisen zu wollen. In
der Zwischenzeit erhielt ich dann vom Tower den endgültigen
Hinweis.
Nachdem wir unsere Position gefunden hatten, musste ich leider
feststellen, dass keinerlei Verankerungspunkte am Boden zu erkennen
waren. Auch die Flugzeuge nebenan waren nicht festgezurrt.
Unterdessen positionierte sich das Servicefahrzeug an unsere rechte
Seite und so nutzte ich gleich die Gelegenheit, den Fahrer zu fragen,
ob es irgend eine Möglichkeit gäbe, das Flugzeug
anzubinden. Es würde vollauf genügend die Parkbremse zu
ziehen, da in den nächsten Tagen keine starken Winde angesagt
wären. Ganz wohl war mir bei der Antwort nicht, da die HB-PAF
für mindestens zwei Nächte an dieser Stelle ausharren
musste. Auf dem Weg zum Abfertigungsgebäude musste ich noch
Namen und Adresse von mir und meinen Passagieren niederschreiben,
sowie den Besitzer des Flugzeuges. Danach war der Papierkram
fürs erste erledigt.
Gepäck- und Passkontrolle fand keine statt, da man hier wohl die
Schalter für ankommende Privatmaschinen mit nur drei Insassen
nicht extra eröffnet. In der Haupthalle wurden wir dann von
meinen Bekannten freudestrahlend in Empfang genommen. Nun, immerhin
habe ich sie seit 18 Jahren nicht mehr gesehen.
2. Tag: Mittwoch 10.10.2001
Aufenthalt in Eastleigh - keine fliegerischen Aktivitäten
Der heutige Tag war einerseits mit Besuchen von verschiedenen
Bekannten gespickt, andererseits auch einem ausgedehnten Spaziergang
am Meer, konkreter am Southampton Water. Ein sehr berühmtes
Gewässer wird es doch von vielen Schiffen befahren, die in
Southampton ihre Fracht löschen kommen. Während die
Aufmerksamkeit meiner beiden Töchter mehr den Muscheln und
Krebsen galt, wanderten meine Augen des öfteren über den
Horizont, um evtl. einen grossen Pott ausmachen zu können. Neben
einigen Containerschiffen lief an diesem Tag auch die QE2 (Queen
Elisabeth 2) aus.
Die Sicherheitsvorkehrungen am Dock waren weit stärker
spürbar, als auf meiner ganzen Flugreise. Denn ein Besuch der
QE2 an ihrem Ankerplatz blieb uns wegen der Ereignissen vom 11.
September in New York verwehrt.
3. Tag: Donnerstag 11.10.2001
Aufenthalt in Eastleigh - keine fliegerischen Aktivitäten
Am heutigen Tag stand eigentlich der Weiterflug nach North Weald
auf dem Programm. Gemäss Volkswetterbericht vom Vortag sollte
diesem Unterfangen nicht viel im Weg stehen. Doch die Realität
bestätigte in keiner Weise die zu optimistische Prognose. Da die
Entwicklung ohne genaue Angaben schwer voraussehbar war und ich zudem
noch die genaueren Details betreffend des Slots haben wollte,
beschlossen wir dennoch dem Flugplatz unsere Aufwartung zu machen.
Vorsorglicherweise nahmen wir auch sämtliches Gepäck mit,
denn aus meiner Zeit in England wusste ich, dass sich das Wetter hier
sehr schnell ändern kann.
Das METAR zeigt ein sehr eindeutiges Bild und auch das TAF sah keine
Besserung vor. So beschlossen wir, das Gepäck wieder ins Auto
zurückzutragen und nach hause zu fahren. Die andere Story mit
dem Slot löste sich dann auch in Wohlgefallen, da nur der
IFR-Verkehr diesen Bestimmungen unterworfen ist.
Auf dem Heimweg kam mir die Idee, ob es nicht möglich wäre,
bei ihren Verwandten im Interenet nach den neuesten Wetterprognosen
zu surfen. Gesagt, getan und so surfte ich in gewohnter Birrfelder
Umgebung nach den Trends für die kommenden Tagen. Dabei machten
wir natürlich auch einen Besuch auf unserer Homepage HB-PAF.
Mit den neuesten, sehr positiven Wetterdaten ausgerüstet, konnte
ich nun den restlichen Tag geniessen. Die anfängliche
Enttäuschung bei den beiden Mädchen legte sich dann auch
wieder und sie blühten zu neuer Form auf. Margareth fragte mich
beiläufig (zum Spass), wo den die braven, ruhigen Mädchen
geblieben wären, die vor zwei Tagen zu Besuch kamen.
4. Tag: Freitag 12.10.2001
Flug: Southampton (10:08 Uhr) - CPT - BPK - North Weald (10:56 Uhr)
Flugzeit: 0:48 Std.
Vor dem Flug:
Am Morgen stand ich zeitig auf, um nachzuschauen, ob der
Wetterbericht heute etwas zutreffender ausgefallen ist. Draussen
waren noch die Sterne sichtbar, also beste Bedingungen für den
Weiterflug. Doch hiess es jetzt noch abwarten, was passieren
würde, wenn sich dann die Sonne zeigte. Mit der Sonne bildete
sich dann auch der Nebel, wenn er auch nicht sonderlich dick
ausfiel.
Die nächste Frage stellte sich nach dem Zeitpunkt der Abfahrt
zum Flughafen, da nach 8:00 Uhr die Rush Hour anfängt und sich
bis etwa 9:30 Uhr hinzieht. Da ich gemäss Wettervorhersage die
Insel am Samstag verlassen sollte, wollte ich nicht zu spät bei
unseren Freunden auftauchen, um wenigsten einige Stunden bei ihnen
verbringen zu können.
Am Flughafen angekommen, spielte sich das gleiche Programm wie am
Vortag ab. Mit dem kleinen Unterschied, dass wir diesmal unser
Gepäck ins Flugzeug brachten und nicht zurück zum Auto.
Eile war dennoch nicht angesagt, da wir - wie zu hause im Birrfeld -
die Nebelauflösung abwarten mussten. Der Service hier am
Flughafen war sehr gut, wurden doch die meisten Arbeiten auf meine
Anweisung hin erledigt (nur die Toilette mussten wir noch selber
aufsuchen!). Auf dem Tarmac hatte ich dann noch einen interessanten
Schwatz mit einem ortsansässigen Piper-Piloten. Als sich nur
noch vereinzelte Nebelfetzen über dem Platz tummelten, rollten
wir an den Start.
Flug:
Kurz nach 11 Uhr waren wir dann endlich wieder in der Luft.
Anfänglich wurde unser Flugweg noch durch den Tower bestimmt, da
er zu Recht davon ausging, dass ich nicht unbedingt ortskundig bin.
Nachdem ich mich genügend weit weg vom Flughafengelände
entfernt hatte, übergab er mir wieder die Kontrolle über
meine Flugroute. Da die Sicht doch noch etwas eingeschränkt war,
wusste ich diese Hilfe natürlich sehr zu schätzen.
Manchmal finde ich zwar die englische Höflichkeit als leicht
übertrieben. Als ich meine Reiseflughöhe von 3'500 Fuss
erreichte und dies dem Controller von Solent APP meldete, fragte er
mich doch, ob ich mit meiner Reiseflughöhe zufrieden sei!!! Ich
war im ersten Moment etwas sprachlos und gab ihm dann zur Antwort
"Yes, it looks fine up here - HBPAF". Eine weitere Besonderheit, die
mir auch schon beim Flug nach Southampton aufgefallen ist, ist die,
dass in England viel öfters die Funkfrequenz zu ändern ist
und die Koordination weniger von der Information vorgenommen wird. So
bin ich auf dem kurzen Flug bei nicht weniger als 7
Verkehrsleitstellen vorstellig geworden (Southampton TWR, Solent APP,
Farnborough APP, Benson RDR, Wycombe TWR, Luton APP und North Weald
Radio). Eine weitere Besonderheit ist die Flut von
Verkehrsinformationen, die auf einem niederprasseln. Dies hat mich
schon ziemlich gestört und ich sehnte mich geradezu nach der
französischen Trägheit diesbezüglich. Natürlich
muss man objektiv zugeben, dass der Verkehr im englischen Luftraum
viel dichter ist, als dies bei den französischen Nachbarn der
Fall ist. So musste ich des öfteren meine Töchter anweisen
still zu sein, damit ich am Funk mithören oder selber sprechen
konnte. Was ich allerdings vermisst hatte, war ein Hinweis der
Leitstelle, dass ich nördlich von Reading meine Flughöhe
von 3'500 Fuss hätte verlassen und auf 2'500 Fuss absinken
müssen. Bei der Planung hatte ich nämlich übersehen,
dass der Luftraum zwischen den beiden Flughäfen Heathrow und
Luton oberhalb 2'500 Fuss bereits zum Luftraum A zählt. Auf
meinen Fehler wurde ich somit erst von Luton APP hingewiesen, indem
mir diensttuende Controller befahl sofort auf 2'500 Fuss abzusinken,
da ich mich aktuell im Luftraum A aufhalten würde. Bei einem
späteren Aufruf wurde ich dann gebeten, nach meiner Landung in
North Weald London Traffic Information unter der Nummer 01895426760
anzurufen. Hoffentlich bekomme ich keinen Ärger, ging es mir
dabei durch den Kopf.
Kurze Zeit später rückte bereits der ehem. Militärflugplatz von North Weald ins Blickfeld und ich konnte auf einer breiten, bunt geflickten Piste aufsetzen. Der Tarnanstrich der alten Flugplatzgebäude lässt auch heute noch die Bedeutung diese Platzes v.a. im 2. Weltkrieg erahnen.
Nach dem Flug:
Nachdem ich die HB-PAF im Gras parkiert hatten, gingen wir ins C-Büro, um uns nach einem Telefonanschluss zu erkundigen.
Abbildung 4: HB-PAF mit PAX vor dem Flughafengebäude von North Weald
Die Hilfsbereitschaft war auch hier wieder sehr gross und man
stellte mir die Verbindung mit London Traffic Information her. Der
Controller bedankte sich zuerst für meinen Anruf (!), um mich
danach auf meinen Fehler hinzuweisen. Da mir diese Beschränkung
bei der Planung nicht aufgefallen war, entschuldigte ich mich
vorsorglicherweise für dieses Versehen. Mein Versehen hätte
zu keinerlei Problemen geführt, doch ich soll daran denken, dass
sich in dieser Area drei grosse Flughäfen (Heathrow, Luton und
Stansted) befinden und deshalb der VFR-Luftraum stark
eingeschränkt sei. Indem er mir einen angenehmen Aufenthalt in
England und eine gurte Heimreise wünschte, beendeten wir unser
"angenehmes" Telefongespräch.
Jetzt noch schnell meinen Freund anrufen, damit er uns vom Flugplatz
abholen konnte, danach das Flugzeug für die Übernachtung
herrüsten und einen kleinen Lunch einnehmen, um den Magen zu
beschäftigen.
5. Tag: Samstag 13.10.2001
Flug: North Weald (12:15 Uhr) - DET - LYD - Lydd (12:50 Uhr)
Flugzeit: 0:35 Std.
Vor dem Flug:
Da wieder mit Morgennebel zu rechnen war, hatte es keine Eile mit
dem Aufstehen. Nach dem Frühstück und einem kurzen Blick
ins Internet betreffend den aktuellen METAR- und TAF-Meldungen
beschlossen wir, auf dem Weg zum Flugplatz noch schnell bei dem All
Nation College vorbeizuschauen, wo unsere Freunde zur Schule gingen.
Da ich die Flugplanung bereits vor dem Schlafengehen erledigt hatte,
konnte ich ziemlich genau ausrechnen, wann wir spätestens North
Weald verlassen sollten, um nicht zu spät in Trier
einzutreffen.
Etwas überrascht waren wir von dem Verkehrstau auf den Strassen
rund um das Flugplatzgelände. Des Rätsels Lösung war
dann aber schnell gefunden, als wir eine Hinweistafel am Strassenrand
entdeckten, mit der Aufschrift "biggest Saturday market Britains -
Airfield North Weald". Auf dem Flugplatz angekommen, musste ich nur
das Flugzeug startklar machen, da ich die Landetaxe (keine
Übernachtungsgebühr) bereits bei der Ankunft entrichtet
hatte. Mit dem Auftanken wollte ich auch bis Lydd zuwarten, da der
Tank fast noch voll war.
Flug:
Obwohl schönes Wetter vorherrschte, war die Sicht alles andere als berauschend. Mehr als 7-8 Kilometer dürfte es nicht gewesen sein. Da es sich jedoch um eine sehr kurze Etappe handelte, mit zwei VOR-Stationen bestückt, war die Navigation trotzdem keine Hexerei. Auf dieser Etappe wurde ich auch nicht mit etwas Ungewöhnlichem konfrontiert. Auch stand ich bis kurz vor der Landung immer mit London Information in Funkkontakt. Fast schon ein bisschen monoton. Zum Glück hatte ich Lydd bereits schon einmal angeflogen, wenn auch damals vom Meer herkommend, denn er ist nicht so leicht erkennbar, da er sich kaum von seiner Umgebung abhebt. Da ich via Overhead Airfield in den Downwind beordert wurde, war der Landeanflug besser einzuteilen, als wenn ich einen straight in Approach erhalten hätte.
Zwischen den Flügen:
Noch beim Rollen wurde ich gefragt, ob ich Fuel benötige, was ich bejahte. Wir waren noch nicht alle ausgestiegen, als der Tankwagen bereits vor unserem Flugzeug anhielt. Nach dem Tanken begaben wir uns in das Abfertigungsgebäude, welches gegenüber dem Vorjahr wieder ein Jahr älter geworden ist, ansonsten scheint die Zeit hier stillzustehen. Am Counter stand ein typischer Engländer, dicke schwarze Hornbrille, Hemd, Kravatte, Gilet, Hosenträger und halbseitiger Kopfhöhrer. Ausserdem war er sehr geschäftstüchtig, denn nach jeder Landung eines Flugzeuges leuchteten seine Augen und bei genauerem Hinschauen, sah man in seinen Pupillen kleine Pfundzeichen aufleuchten. Nun, er war aber sehr hilfsbereit und teilte mir auch gleich mit, dass nach Aufgabe des Flugplanes, eine Stunde Wartezeit vorgeschrieben sei. Somit galt meine ganze Aufmerksamkeit dem Erstellen und der Abgabe des Flugplans. Danach Abrechnen und auf die Terasse sitzen und die restlichen Pfund und Pence durchlassen.
5. Tag: Samstag 13.10.2001 (Fortsetzung)
Flug: Lydd (14:20 Uhr) - BNE - CMB - Charleville - MMD - Thionville - Trier (17:58 Uhr)
Flugzeit: 2:38 Std.
Flug:
Mit genügend Zeitreserven starteten wir zu unserer zweitlängsten Etappe.
Ausser des Zeitaufwandes ereignete sich jedoch nichts Spannendes, wenn man einmal davon absieht, dass ich für einmal einen äusserst geschwätzigen Controller auf Reims Info hatte. Das glatte Gegenteil von seinem Kollegen bei Paris North Info, welcher nicht einmal meine Message quittierte. Erst als es galt auf Reims Info zu switchen, rief er mich auf, um mir dies mitzuteilen. Es ist schon bezeichnend, dass der Service bei Paris North Info miserabel ist. Julia und Isabelle hingen auch eher teilnahmlos in ihren Sitzen, da auch kein tolles Fotomotiv zu erblicken war, das sie hätten knipsen können. Als wir Thionville passierten, wurden wieder alte Erinnerungen wach. Das Wetter war diesmal aber um einiges besser, als dies letztes Jahr im Mai der Fall war, wo wir von Koblenz herkommend bei tiefer Wolkendecke via Thionville nach Reims flogen. Trier Info erteilte mir dann einen Direktanflug auf die Piste 05. Es herrschte erstaunlich viel Betrieb, doch schien mein Timing optimal ausgefallen zu sein, dass es mit dem Direktanflug so problemlos geklappt hatte.
Nach dem Flug:
Nachdem ich die HB-PAF für die Übernachtung bettfertig
gemacht hatte, erklommen wir die Stufen zum Tower. Flugplan
schliessen lassen und uns nach einer
Übernachtungsmöglichkeit erkunden, waren die Aufgaben, die
es noch zu erledigen gab. Wir fanden einen nette kleine Pension in
Föhren. Der Sohn hat uns sogar mit seinem Auto vom Flugplatz
abgeholt und uns dann auch am Morgen wieder hingebracht. Wir bekamen
ein grosses Doppelzimmer unter dem Dach. Die anderen beiden
Doppelzimmer waren nicht belegt, so dass wir das grosse
Gemeinschaftsbad nicht mit anderen Personen teilen mussten. Und als
Goody für die Kinder stand sogar ein Fernseher im Zimmer. Doch
zuerst wollten wir etwas gegen unseren Hunger unternehmen. Die
Auswahl in Föhren an Wirtshäusern ist nicht sehr gross,
dafür war das Essen reichlich, gut und für unsere
Verhältnisse günstig.
Nachdem Essen und einem kleinen Verdauungsspaziergang setzten sich
Julia und Isabelle vor das Fernsehen, während ich mich der
Planung der letzten Etappe widmete. Um 11 Uhr war dann
Lichterlöschen.
6. Tag: Sonntag 14.10.2001
Flug: Trier (13:34 Uhr) - ZWN - Hagenau - Lahr - Fricktal/Schupfart - Birrfeld (15:09 Uhr)
Flugzeit: 1:35 Std.
Vor dem Flug:
Nach einem währschaften Frühstück packten wir unsere Sachen zusammen, damit wir zum vereinbarten Zeitpunkt reisefertig waren, denn die Familie wollte natürlich auch an der jährlich durchgeführten Herbstwanderung der Einwohner von Föhren teilnehmen. Für uns war zwar die Ankunft um 09:30 Uhr am Flugplatz viel zu früh, da der Nebel noch dicht über dem Gelände lag. Zudem war der Flugplatz um diese Zeit noch geschlossen. Nach einigem Suchen haben wir ein offenes Gartentor, damit wir wenigstens unser Gepäck im Flugzeug verstauen konnten.
Um 10 Uhr erwachte dann langsam das Leben auf dem Flugplatz und
wir stiegen zum Tower hoch, um uns die aktuellen Wetterdaten
durchgeben zu lassen. Frau Knack, die heute Dienst auf dem Tower
hatte, versuchte vergeblich die Wettervorhersagen am Internet
einzuholen. Zum Glück gibt es ja auch heute noch Telefon den Fax
uns so kam ich auf diesem Wege zu den benötigten METAR- und
TAF-Meldungen. Nach dem wir, Frau Knack ist auch Pilotin, die
Meldungen ausgewertet hatten, konnten wir uns auf einen
gemütlichen Morgen einstellen, da ein Wegflug vor 13 Uhr eher
unwahrscheinlich schien. Also konnte ich mich in aller Ruhe dem
Tanken widmen. Als Frau Knack mir ihre Benzinpreisliste zeigte, blieb
mir für einen kurzen Augenblick die Spucke weg. 3,085 DM der
Liter AVGAS 100LL (MOGAS war natürlich nicht erhältlich).
Da musste ich zuerst meine Barschaft in DM prüfen und danach
eine kleinere Berechnung anstellen, um die Anzahl Liter zu bestimmen,
die ich, nach Abzug der übrigen Gebühren und eines kleinen
Lunch im ortsansässigen Restaurant, noch tanken durfte. 70 Liter
resultierten aus der Berechnung. Mehr als genug für den
Rückflug ins Birrfeld, v.a. wenn ich in Betracht zog, dass der
rechte Tank noch etwa zu ¾ voll war. Also zurück zum
Flugzeug, Motor anlassen und zur Tankstelle rollen. Obwohl ich auch
versuchte die Funkeinrichtung in Betrieb zu nehmen, gelang es mir
nicht diese dazu zu bewegen. Dies liess meinen Adrenalinspiegel
mächtig ansteigen, denn bei dem Gedanken, ohne Funk nach hause
zu fliegen, wurde mir schon ein wenig mulmig. Nun, für die
Rollstrecke zur Tankstelle brauchte ich den Funk natürlich nicht
zu betätigen, da bei dem Nebel noch sehr wenig Aktivitäten
auf dem Flugplatz auszumachen waren. Einzig die Besatzung der beiden
Cessna aus Magdeburg mit ihrer speziellem Ausrüstung waren schon
an den Flugvorbereitungen. Natürlich nutzte ich die Gelegenheit
mich etwas ausführlicher mit ihnen zu unterhalten, v.a.
natürlich über den Zweck dieser eigenartigen Apparatur im
Innern der Cockpits. Das sei eine Abwurfvorrichtung für
Fuchsköder, welche mit Impfstoffen gegen den Fuchsbandwurm und
Tollwut versehen sind. Es sei eine sehr interessante Arbeit, die
neben vielen Flugstunden auch gut bezahlt sei. Dafür war der
Gestank, der von diesen Ködern ausging, auch nicht von
schlechten Eltern. Einer der beiden Piloten meinte zwar, dass dieser
Geruch im Vergleich zum Vorgängermodell noch direkt human
sei.
An der Tankstelle musste ich mich erst einmal mit der Messskala
vertraut machen, damit ich nicht irrtümlicherweise zu viel
tankte. Danach rollte ich wieder zu meinem Standplatz zurück und
zu meiner grossen Erleichterung leuchteten auch die Funkfrequenzen
wieder auf. Da fiel mir ein grosser Stein vom Herzen und um mich
herum schien wieder die Sonne, obwohl sie zwar noch nicht sichtbar
war.
Zurück auf dem Tower bezahlte ich meinen Obolus und wollte auch
gleich meinen Flugplan aufgeben. Doch welche Ernüchterung kam
über uns, kein einziges unbenutztes Flugplanformular war mehr
aufzutreiben. So nahmen wir ein altes und überschrieben es mit
meinen Daten. Frau Knack meinte nur, dass sie werde den Flugplan dann
telefonisch durchgeben werde. Wir legten die Abflugzeit auf 13:30 Uhr
fest, so dass uns noch fast 1 ½ Stunden für die Einnahme
eines kleinen Lunches übrigblieb.
Während unseres Lunches löste sich der Nebel auch zum
grössten Teil auf und die Sonne sorgte für eine rasche
Erwärmung.
Flug:
Als wir gegen halb zwei Uhr bereit zum Rollen waren, mussten wir
noch zwei einfliegende Maschinen abwarten, damit es auf dem Rollweg
nicht zu unangenehmen Kreuzungen kam. Das Wetter war anfänglich
von Dunst und einigen Restnebelfetzen gekennzeichnet. Vom Passagier
auf dem Rücksitz war schon bald nichts mehr zu hören. Das
monotone Motorengeräusch und die Wärme im Cockpit sorgten
dafür, dass Isabelle die Zeit mit einem Mittagsschläfchen
überbrückte. Julia hielt sich noch eine Weile mit
Fotografieren wach, doch nachdem wir Strassburg passiert hatten,
schlossen sich auch ihre Augen. Nun, ausser dem ständigen
Wechsel von einer Funkfrequenz auf die nächste war auch nichts
von Bedeutung zu vermerken. Die Arbeitsauffassung gewisser
Informationsstellen (z.B. Stuttgart Information) ist zum Teil schon
bedenklich, denn, wieso soll ich auf der Höhe von Lahr mit Basel
Information Funkkontakt aufnehmen, dessen Gebiet ich auf meiner
Flugroute nicht einmal streifte! Vielleicht war die Controllerin auch
nur sauer, weil sie an einem so schönen Sonntag Dienst hatte.
Der Tonfall in ihrer Stimme liess diese Vermutung auf jeden Fall
nicht ganz abwegig erscheinen.
Wegen des tollen Wetters schlug ich den direkten Weg über den
Hochschwarzwald ein. Als ich mich dann auch auf die Frequenz von
Zürich Information einwählte, musste ich feststellen, dass
sehr viel Ausflugsverkehr die Alpen bevölkerte. Aus diesem Grund
verabschiedete ich mich auch bald wieder von dieser Frequenz, da die
Informationen für mich nicht von belang waren und ich mich
lieber rechtzeitig mit dem Geschehen auf der Birrfelder Frequenz
vertraut machen wollte.
Wie, meistens bei unseren Auslandflügen kommt das Dessert in
Form der kürzesten Runway ganz am Schluss, obwohl man ja die
Runway des Birrfelds nicht zwangsläufig als kurz bezeichnen
kann. Doch selbst im Vergleich mit der zweitkürzesten Piste
unserer Reise, derjenigen von Trier-Föhren mit einer Länge
von 1200 Meter wirkt diejenige unserer Homebase schon recht kurz.
Dafür ist das ganze Anflugverfahren hundertfach geübt und
daher auch keine spezielle Herausforderung mehr.
Bei schönstem Wetter ging ein faszinierendes und unvergessliches
Erlebnis zu Ende. Die beiden Mädchen waren sicher froh, dass die
Fliegerei jetzt ein Ende hatte, da sie meine Begeisterung für
das Fliegen (noch) nicht teilen können.
Zusammenstellung der Flugzeiten, Benzinpreise und Landetaxen:
Datum Ort ICAO Code Startzeit Landezeit Flugzeit Benzin-preis (Lt) Landetaxe Übernachtungsgebür 09.10.2001 Birrfeld (Schweiz) LSZF 11:45 1.66 Le Touquet (Frankreich) LFAT 15:05 03:20 23.20 Le Touquet (Frankreich) LFAT 17:08 2.01 Southampton (England) EGHI 17:30 01:22 59.50 12.10.2001 Southampton (England) EGHI 10:08 1.69 - 42.10 North Weald (England) EGSX 10:56 00:48 11.90 13.10.2001 North Weald (England) EGSX 12:15 - 0.00 Lydd (England) EGMD 12:50 00:35 41.90 Lydd (England) EGMD 14:20 2.13 Trier (Deutschland) EDRT 17:58 02:38 9.80 14.10.2001 Trier (Deutschland) EDRT 13:34 2.33 3.80 Birrfeld LSZF 15:09 01:35
Legende:
- alle Zeiten sind in Local Time
- alle Preise sind in sFr. umgerechnet
Fazit:
Wie üblich möchte ich das Erlebte in einem kurzen
Schlussplädoyer zusammenfassen. Es war meine erste grössere
Reise, auf der mir die Rolle des Piloten und Co-Piloten gleichzeitig
zukam. So war ich sehr froh darüber, dass die letzte
längere Reise nur ein Monat zurücklag und damit noch einige
Routineaktivitäten sehr präsent vorlagen. Sehr wichtig beim
Alleinfliegen ist eine gute, umfassende und stressfreie Planung im
Vorfeld der Flüge. V.a. sollte man bei dem Aufschreiben der
Funk-Frequenzen nicht sparen, so dass man während des Fluges
schnell und einfach darauf zugreifen kann. Speziell ist mir dies in
England aufgefallen, wo London Information scheinbar nicht die
gleiche Rolle spielt, wie etwa Zürich Information. So stand ich
während meines kurzen 48-minütigen Fluges von Southampton
nach North Weald nicht ein einziges Mal mit London Information in
Kontakt.
Ein weiteres Merkmal ist die häufige Übermittlung von
Traffic Information. Natürlich hatte ich auch feststellen
müssen, das die Verkehrsdichte im englischen Luftraum viel
höher war, als vergleichsweise in Nordfrankreich.
Als weiser Entscheid stellte sich auch der Abstecher nach Trier
heraus, da ich ursprünglich einen direkten Heimflug von Lydd
(England) nach Birrfeld geplant hatte. Zwar wäre die Distanz
für die HB-PAF problemlos zu schaffen gewesen, doch die
zögerliche Auflösung des Nebels während dieser
Jahreszeit, setzen solche Vorhaben unter einen verstärkten
Zeitdruck. Zudem sollte man bei der Planung die Passagiere nicht
ausser Acht lassen, denn für sie ist nicht der Weg das Ziel, wie
dies für einen Piloten der Fall ist.
Im direkten Vergleich mit der Reise einen Monat zuvor nach Frankreich
und Spanien, wo wir zu dritt waren, musste ich bei mir feststellen,
dass die geistige und körperliche Anspannung sehr viel
grösser war. Dies äusserte sich in einer Art
Erschöpfungszustand, so dass ich während einiger Tage
danach einige Stunden mehr Schlaf benötigte als normal. Auf der
anderen Seite ist das Glücksgefühl nach getaner Arbeit auch
sehr viel intensiver, weil der Verantwortung stand gehalten werden
konnte.
An der Stelle möchte ich auch meinen beiden Töchter Julia
und Isabelle recht herzlich danken, dass sie meinen Anweisungen
während der Flüge so gut nachgekommen sind. Dabei muss ich
mich auch bei meiner jüngeren Tochter Isabelle entschuldigen,
dass ich sie nach der stürmischen Landung in Le Touquet so
angeschnauzt hatte, als sie sich zwei Mal übergeben musste und
dabei den Kotzbeutel nicht wunschgemäss traf.
mit kameradschaftlichen Gruss
Daniel Keller, Mitinhaber der Piper Archer HB-PAF
