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aktuelle CD- und DVD
Reviews von 2008

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STAN MOSLEY: "MAN UP"
CDS RECORDS (erschienen 2008)
Der 1952 in Chicago geborene Southern Soul/Blues-Mann Stan Mosley amtete einst als
Driver für den Chitlin' Circuit-Veteranen Cicero Blake, in dessen Shows er im Vorprogramm
auch als Sänger auftreten konnte. Dieser Job führte ihn eines Tages zu Malaco Records,
bei denen er einen Vertrag abschliessen konnte, dessen Ergebnis die drei vielbeachteten
CD-Alben "The Soul Singer" (1998), "Souled Out" (2000) und "Do
Right" (2002) waren. Zwei weitere CD-Projekte ("Good Stuff" auf Mardi Gras
Records und "Steppin' Out" auf dem Double Duo Label) waren weitere
Zwischenstationen auf dem Weg zu Mosley's heutigem Labeldeal bei CDS-Records, bei dem er
sein neustes CD-Albumprojekt "Man Up" realisieren konnte.
Tonangebend bei diesem Projekt ist einmal mehr der Sound des
Produzenten Floyd Hamberlin Jr. Wir kennen die minimalistische und
keyboardlastige Produktionsmethode Hamberlins ja schon seit längerem
von Projekten mit Tyrone Davis, Lee Morris, Cicero Blake, Charles
Wilson oder Nellie Tiger Travis. Bluespuristen neigen oft dazu, diese
Produktionsweise als "Billigsound" zu kritisieren. Tatsache ist aber,
dass diese Klänge im Chitlin' Circuit mit den entsprechenden
Radiostationen und ihren Zuhörern, vorab im Süden der USA, sehr
beliebt sind und Erfolg haben.
Die CD startet mit "I Came To Party" in flotter Midtempo-"Party
Blues"-Manier. Aehnlich mittelschnell "wacker", aber auf den Mollakkorden
ausgerichtet soulig-bluesig klingt der Titelsong "Man Up". Hier könnte man sich
vorstellen, dass eine etwas aufwändigere Produktion mit bläserdominierter Band und
breiterem Sound der Nummer einiges mehr an Leben und Power einhauchen und fast so ähnlich
wie ein Johnnie Taylor Song aus den Seventies klingen könnte. In der folgenden Nummer
"Mr DJ" wird das Tempo etwas bedächtiger, um bei "Backbone" und
"Startin' 2 Stop" wieder in gewohntem Midtempo "Party Blues"-Rhythmus
weiterzufahren. Einen Wechsel im Sound bringt "You & Me", eine Ballade mit
akustischen Gitarreakkorden, die auch Al Green gut anstehen würde. Auch das Stück
"Crazy 4 U" könnte fast massgeschneidert für Al Green sein. Real slow und tief
soulig ist auf der ganzen Produktion einzig die Nummer "Bitter With The Sweet",
was eigentlich ein wenig schade ist, singt Mosley hier doch besonders beeindruckend mit
sehr viel Emotion.
"Man Up" gehört sicher zu den besseren Projekten Stan Mosley's und kann (wie
auch die zwei anderen unten besprochenen Alben von Charles Wilson und Dicky Williams auf
dem CDS-Label) direkt beim Blues Critic CD-Store bestellt werden. |
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CHARLES WILSON: "THE AFTER PARTY"
CDS RECORDS (erschienen 2007)
Charles Wilson, Neffe des verstorbenen Little Milton Campbell, ist kein
"unbeschriebenes Blatt" bei uns in der Schweiz. Immer wieder zieht es den Mann
in unser kleines Alpenländchen zurück, seit er im Winter/Frühling 1994 für zweieinhalb
Monate als Entertainer in den Clubs der bündnerischen Bergkurorte Laax, Davos und Arosa
die Wintersport-Touristen mit seiner Soul/Blues-Musik beglückte. Weitere Gastspiele des
Künstlers gab es später am "Blues To Bop"-Festival in Lugano (2005) und am
"Piazza Blues Festival" von Bellinzona (2007). Nach diversen Labelwechseln (von
Ichiban über Ecko, Traction, Delmark bis zu seiner eigenen Marke Wilson Records) hat der
Sänger nun ein neues Heim gefunden beim frisch gegründeten kalifornischen
Soul/Blues-Label CDS-Records von Blues Critic's Dylann DeAnna. Wir hoffen natürlich sehr,
dass er mit seiner Musik hier endlich seinen längst verdienten grösseren Erfolg findet.
Seine dort erschienene aktuelle Scheibe "The After Party" trägt deutlich die
Handschrift des hier involvierten Produzenten Simeo (richtiger Name Simuel Overall, der
früher einst Mitglied der R&B-Formationen Cameo und Cashflow war). So neigt sich denn
stilistisch die Musik dieses Projekts zum Teil ziemlich in Richtung modernem R&B-Sound
, wie beispielsweise im (für die Clubtanzfläche konzipierten) Einstiegssong "That
Boom". Die romantischen, eher sanft-weichen Schmuse-Balladen "Broke Into My
Heart", "I'll Follow That Thang" und "Candlelight" (wo Marvin
Gaye ein bisschen grüssen lässt) passen auch ein wenig in diese Kategorie, während in
den "Party"-Songs "The After Party", "Watch It Shake" (ganz
auf der Linie von Knüllern wie "Stand Up In It" oder "Sit Down On
It") und "That's The Way We Want It" der eher bluesorientierte Southern
Soul-Geist doch noch genügend zum Zug kommt. Ebenfalls dazu gehört auch das Tyrone
Davis-inspirierte "Plumber Man". Zum Abschluss singt Charles als "Bonus
Track" noch den Titel "Mississippi Boy" - ein auf dem Riff vom Song
"Wang Wang Doodle" aufgebautes Bluesstück, das Wilson früher schon mal für
sein eigenes Wilson-Label aufgenommen hatte. |
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DICKY WILLIAMS AND THE KEN MASSEY
GROUP: "I'M BACK AGAIN"
CDS RECORDS (erschienen 2007)
Es muss wohl schon mehrere Jahrzehnte zurück liegen, seit Soul/Blues-Veteran Dicky
Williams zum erstenmal mit zwei seiner Singles auf Bad Records ("In The Same
Motel" und "I Truly Love You") und einer weiteren auf dem Ace-Label
("Two Women"), meine Aufmerksamkeit erregt hatte. Von diesen drei mit sehr viel
Emotion gesungenen wunderbaren Herz/Schmerz-Bluesballaden war ich damals sehr beeindruckt.
Ace und Bad waren zwei Südstaatenlabels, beheimatet in Mississippi und in Georgia. Ich
hatte zu jener Zeit aber noch nicht die geringste Ahnung, wer dieser Dicky Williams war
und dass der Mann in einer ganz anderen Ecke der USA hauste, nämlich an der Ostküste in
Washington/DC, einer Stadt, die sonst eher für ihre "Go Go"-Szene bekannt war
als für irgendwelche Aktivitäten im tief souligen Blues-Bereich. Im Laufe der Jahre
erschienen von Williams noch weitere Singles und auch zwei oder drei LPs (die meisten auf
ziemlich obskuren Labels), bis Dicky's Name Ende der 80er-Jahre plötzlich auf dem
bekannten Atlanta-Label "Ichiban Records" auftauchte. Mit diesem Labeldeal wurde
der Sänger endlich auch bei einem breiteren Blues-Publikum bekannt. Beinahe hätte es
Dicky damals zu Auftritten hier in Europa geschafft, wäre kurz darauf Ichiban-Records
nicht dummerweise pleite gegangen.
Dreizehn Jahre später will es der Sänger nun mit einem Debut bei CDS-Records erneut
wissen. Er verlässt sich dabei bei diesem Karriere-Neustart ganz auf den Einsatz und auf
die Unterstützung des Gitarristen Ken Massey und seiner Band. "I'm back again with a
few of my friends, and this time I'm gonna win" singt Dicky voller Enthusiasmus und
guter Zuversicht im Titelsong "I'm Back Again", wobei Massey als Antwort auf
Dicky's Ausflüge ins positive Denken gleich bejahend kraftvoll in die Saiten greift und
ein fulminantes Gitarrensolo hinlegt. Ein nettes Stück - und auch schön zu hören, dass
der Sänger nun für immer "back again to stay" sei und seine Fans diesesmal
nicht wieder 13 Jahre lang im Stich lassen will, wie er im Lied aufrichtig verspricht!
"Dog Kinda Love", eine Nummer in funkigem Rhythmus mit rockigen
Gitarreneinwürfen Ken Massey's, wird uns hier gleich in zwei Versionen serviert, einer
"normalen" und einem "Remix" für die tanzbegeisterten Clubgänger.
"Lovin' One Woman At A Time" erinnert als schöne Blues-Ballade an die famosen
deep-souligen High Lights aus Dicky's früherer Karriereepoche. In der Bluesballade
"Treat Me Like A Dog" entpuppt sich der Sänger als witziger und origineller
Textschreiber: Hunde haben seiner Meinung nach doch das schönste Luxusleben. Sie werden
(er bezieht sich hier auf einen TV-Spot) von Chauffeuren per Limousine in der Gegend
rumkutschiert, bekommen Ice Cream, Kuchen und Steak serviert - und dürfen nach alldem
auch noch bei Frauchen im Bett schlafen. Da lohnt's sich doch alleweil, seine Liebste mal
zu bitten, bei ihr auch Hund sein zu dürfen... Dicky scheint überhaupt Hunde gut zu
mögen. Auf den zwei Versionen von "Dog Kinda Love" ist "Hund" ein
Thema, und auf der Nummer "Did The Dog Get It All?" bellt gleich nochmals eine
solcher. Weitere Songs, die mir gut gefallen, sind das robust und raffiniert arrangierte
Bluesstück "Pain In The Gas Lane" und der langsame 12-Takter "Makin' Love
And Makin' A Mess", in welchem sich Williams über die Probleme und Schwierigkeiten
äussert, die ein Leben als "Cheatin' Man" mit zwei Ladies so mit sich
bringen...
Mir persönlich gefällt die CD mit ihren clever geschriebenen Songs sehr gut, obwohl
Ken Massey's Gitarrespiel dem Projekt einen leicht "bluesrockigen" Unterton
verleiht (was unter Soul/Blues-Liebhabern vielleicht nicht so ganz jedermanns Geschmack
trifft). |
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SHIRLEY BROWN & DENISE LASALLE:
"DIVAS IN THE DELTA - LIVE IN GREENWOOD, MS" (DVD)
MALACO RECORDS MDVD-9050 (erschienen 2005)
Malaco Records präsentiert auf diesem DVD-Album ihre beiden weiblichen
Soul/Blues-Aushängeschilder Shirley Brown und Denise LaSalle - hier "Divas"
benannt - gleich im Doppelpack. Das hier gezeigte Konzertevent fand am 9. Mai
1998 (vermutlich eine "Mother's Day Show") im Leflore County Civic Center in
Greenwood, Mississippi statt. Ob bei diesem Gig noch andere Stars auftraten, entgeht
meiner Kenntnis, könnte aber möglich gewesen sein, da Denise LaSalle an einer Stelle
während ihrem Set im Publikum die ebenfalls anwesenden Sängerinnen Vicky Baker und
Dorothy Moore begrüsst. Shirley Brown startet auf der DVD die Show mit dem Sixties
Soul-Oldie "Respect", mit ziemlich viel Pathos angekündigt vom anwesenden MC,
der die Sängerin als "Diva of Soul" vorstellt. Es folgen dann einige Versionen
von Songs, die Shirley in den Jahren aufgenommen hatte, als sie schon bei Malaco Records
unter Vertrag stand: "Joy And Pain" beispielsweise, oder "You Ain't Got To
Hide Your Man", stammend ab den Alben "Joy And Pain (1993) respektive "Diva
of Soul" (1995). "Time", eine nette langsame Deep-Soul-Ballade aus den
Federn des Ex-Stax Records Komponistenteams Homer Banks - Lester Snell, nahm die Sängerin
das erstemal 1991 für ihr damaliges Album "Timeless" auf. "Why You Want To
Love Me Like That" und "Don't Go Looking For My Man" sind Rückblenden ins
Jahr 1997 und ins Album "The Soul Of A Woman". Zu allerletzt darf natürlich
auch ihr ganz grosser 1974er Stax Records-Hit "Woman To Woman" nicht fehlen, der
Shirley's Set hier bravourös abschliesst.
Dass Shirley Brown eine Vokalistin der ganz grossen Extraklasse ist, hat sie ja
kürzlich wieder einmal bewiesen auf Willie Claytons Song "Trust" (ab dem
Clayton Album "Gifted" von 2006), auf dem Shirley als
Duettpartnerin mitwirkte. Auf dem vorliegenden DVD-Projekt singt Shirley auch
fabelhaft und tadellos. Wenn es hier vielleicht etwas zu bemängeln gibt und nicht so toll
rüberkommt, so ist es die anwesende Begleitcombo mit ihrem ziemlich dürftig-dünnen
Sound. Die vier involvierten Herren am Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagzeug geben sich
zwar sichtbar alle erdenkliche Mühe, um den Anforderungen ihrer Chefin gerecht zu werden
(und wirken dementsprechend auch leicht gestresst...). Shirley Browns Stimme schreit aber
buchstäblich nach etwas mehr "Breitenwirkung", d.h. vorallem nach einer
grösseren Band mit "Saft und Kraft", bei der die Fetzen fliegen und die Funken
sprühen - nach fettem Sound und Groove, nach Horns, Hammondorgel und Backing Vocals.
Horns und Hammondorgeln sind in dem von Denise LaSalle bestrittenen zweiten Set zwar
auch keine auszumachen, ihre Band wirkt aber relaxter, sicherer und selbstbewusster.
Vielleicht sind es auch die zusätzlichen zwei Background-Vokalistinnen, die dem Sound
mehr Tiefenwirkung verleihen. Ein besonderes Kränzchen winden muss man vorallem dem
Leadgitarristen, dessen gospelbluesiges Girlandenspiel die Stimme von Denise famos zu
umschmeicheln weiss. LaSalles Repertoir ist eindeutig mehr 12bar-blueslastig als jenes von
Shirley Brown. Die Künstlerin setzt (im Vergleich zu Shirley) auch mehr auf die
gesprochene Kommunikation mit dem Publikum, was in der Soul/Blues-Welt bekanntlich ja
immer sehr gut ankommt. Meistens kommen bei Denise die Zwölftaktnummern in flottem,
"lüpfigem" Rhythmus daher wie beispielsweise bei den Titeln "Juke Joint
Woman", "Blues Party Tonight" oder im Medley "Give Me Yo' Most
Strongest Whisky/The Blues Is Alright". Eher getragen langsam ist das Stück
"Don't Mess With My Man" und soulful und gefühlvoll die Balladen "Paper
Thin", "Goin' Through Changes", "Why Am I Missing You" und
"Trapped By A Thing Called Love" (LaSalles erster grosser Hit, mit dem ihre
Karriere 1971 so richtig in Schwung kam). Für die tanzbeinschwingenden Fans wird am
Schluss der Show noch "My Tu-Tu" nachgeliefert. Mit dieser banalen
Zydeco-Disco-Nummer habe ich mich nie so recht anfreunden können, dem anwesenden Publikum
scheints jedoch gefallen zu haben... |
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BOBBY BLUE BLAND: "LIVE FROM BEALE STREET" (DVD)
MALACO RECORDS MDVD-9036 (als DVD erschienen 2004)
Im August 1951 sass der zu jener Zeit erst 21-jährige, in Rosemont,Tennessee geborene
Robert "Bobby Blue" Bland zum erstenmal in einem Aufnahmestudio. Der
Schallplattenproduzent Sam Phillips von "Sun Records" war es, der dem jungen
Bluestalent damals den Karrierestart ermöglichte. Bis zum grossen Durchbruch zum
nationalen R&B-Star mit dem Hit "Farther Up The Road" vergingen dann zwar
noch rund 6 Jahre, doch war der junge Bluesmann bald eine der Schlüsselfiguren der
aktuellen Bluesszene in Memphis rund um Musiker wie B.B. King, Johnny Ace, Roscoe Gordon
oder Ike Turner. Seither ist der Sänger, obwohl nun schon in seinem neunundziebzigsten
Lebensjahr angelangt, ständig aktiv geblieben und als lebende Legende der
Soul/Blues-Szene auch heute noch fleissig auf Konzert-Tour unterwegs. Die kreativsten
Jahre waren für Bobby 'Blue' Bland sicher jene, als er Ende der Fifties und anfangs der
Sixties beim texanischen Duke/Peacock-Label unter Vertrag stand. Seine damals
aufgenommenen, stark von der Gospelmusik inspirierten Klassiker wie "Little Boy
Blue", "I'm Not Ashamed", "Cry Cry Cry", "Turn On Your Love
Light", "Call On Me" oder "That's The Way Love Is" sind aus
heutiger Sicht ganz wichtige Grundpfeiler für den Musikstil, der später als
"Southern Soul" Furore machte.
Die hier vorgestellte Malaco-DVD "Live From Beale Street" (Bland ist seit
1985 ein "Malaco Records Artist") beinhaltet eine Konzertaufzeichnung von 1996,
die damals im "New Daisy Theater" an der Beale Street von Memphis getätigt
wurde. Nach einem kurzen Intro der soliden und routinierten Begleitband tritt, vom
Bandleader präsentiert, Bland auf die Bühne, berüsst seine Fans mit ein paar Takten
12bar Slow-Blues im Titel "When You're Love Is Not Around" und geht dann
gleich über zu einer zügigen Version des Klassikers "That's The Way Love Is".
Es folgen dann weitere altbekannte Bland-Nummern wie "I Pity The Fool",
"St. James Infirmary" oder "I'll Take Care Of You" etc im Wechsel mit
einigen neueren Songs aus Blands Malaco-Epoche, inklusive einer Version seines
allerletzten R&B-Single-Hits "Members Only" (von 1985). In den beiden 12bar
Bluesnummern "Stormy Monday" und "24 Hours of The Day" machen zudem
noch die beiden Guest-Stars Bobby Rush und Johnnie Taylor ihre Aufwartung und bringen
etwas Abwechslung und Farbe in den Programmablauf.
Es ist sehr schade, dass es (meines Wissens jedenfalls) keine gefilmten Live-Auftritte
von Bland aus seinen allerbesten Jahren bei Duke-Records in den Fifties und Sixties auf
dem Video/DVD-Markt gibt. Was damals sträflich versäumt wurde, kann mit diesem hier
präsentierten Konzertauftritt wohl kaum ganz wiedergutgemacht werden. Man spürt hier
halt doch ein bisschen, dass der Star (trotz der erstklassigen Begleitband) den Zenit
seiner Karriere längst hinter sich hat. Nichtsdestotrotz ist der Sänger trotz seines
fortgeschrittenen Alters aber immer noch eine beliebte Live-Attraktion im schwarzen
Chitlin' Circuit, sodass eine Empfehlung, dieses DVD-Projekt zu kaufen, insbesondere auch
für jene, die diesen legendären Soul/Blues-Veteranen noch nie live selbst erlebt haben,
durchaus berechtigt ist. |
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VARIOUS ARTISTS: "BLUES VIEWS" (DVD)
MALACO RECORDS MDVD-9043(erschienen 2001)
"Blues Views" aus dem Hause Malaco ist ein ganz brauchbarer
DVD-Videozusammenschnitt zum "schmökern" für Bluesfreunde, welche das eher
soulige Spektrum des Blues (noch) nicht so gut kennen und davon fürs erste mal ein paar
diverse audio/visuelle Eindrücke gewinnen möchten. Mehrere Tracks des Projekts sind den
zwei oben vorgestellten DVDs von Shirley Brown und Bobby 'Blue' Bland entnommen. Von
Shirley z.B. die beiden Titel "Why You Want To Love Me Like That" und
"Woman To Woman" - und von Bobby Bland "That's The Way Love Is" plus
das Medley "Stormy Monday"/"She's Putting Something In My Food", bei
dem die beiden Gäste Bobby Rush und Johnnie Taylor mitwirken. Die drei medleymässig
zusammengefassten Titel "Make Me Yours","Precious Precious" und
"Trapped By A Thing Called Love" von Denise LaSalle haben genau die
Ingredienzen, die man auf der oben besprochenen DVD "Divas In The Delta" ein
wenig vermisst, nämlich eine satte und solide Begleitband mit Hammond B-3, Bläsergruppe
und Backgroundvokalistinnen. Es sieht so aus, als wäre dies die offizielle Studioband des
Malaco Labels. Exzellent! So sollten Southern Soul-Live-Projekte auf DVD/Video immer
präsentiert werden! Bei dem Konzert scheint es sich um einen Gig im Rahmen der
Malaco-Artists-Tour zu handeln, welche im Sommer 1989 in Europa 'rumtourte. Wo genau der
Mitschnitt gemacht wurde, ist mir nicht ganz klar. Die gleiche Entourage machte damals
auch am Jazzfestival Montreux in der Schweiz Station (am 13. Juli 1989). Von den zwei hier
gezeigten Songs "When Something Is Wrong With My Baby" und "Let's Fall In
Love" vom Sänger- und Songwriterduo "Mosley & Johnson" stammt die
Aufnahme des zweiten jedenfalls ziemlich sicher von jenem Montreux-Abend. Ebenfalls je
zwei Songs liefern auch die beiden Soul/Blues-Grössen Benny Latimore und Little Milton.
Milton, der seine Gitarre anscheinend zu Hause gelassen hat und hier nur als Sänger in
Aktion tritt, brilliert in "beseelter" Manier vorallem in der langsamen
Blues-Ballade "His Old Lady". Seine Interpretation des abgedroschenen Standards
"Everyday I Have The Blues" lässt mich hingegen eher kalt.
Für Latimore und seine Musik hatte ich schon immer eine ganz grosse Schwäche. Der Mann
singt halt einfach super toll und spielt auch ein schönes, inspiriertes Elektropiano! Mit
"Sunshine Lady", einer Homer Banks/Lester Snell-Komposition, gelang ihm 1986
(als Malaco-Single) nochmals ein kleiner R&B-Hit. Latimore's Interpretation des
Stücks hier ist echt Klasse, und dasselbe gilt natürlich auch für die kleine
"Bluespredigt", die er als Einstieg in seine legendäre Erfolgsnummer
"Let's Straighten It Out" hält. Fans von Latimore ist übrigens auch ein
kleiner hübscher YouTube-Videoclip
empfohlen, der während der diesjährigen "The Blues Is Alright Tour"
mitgeschnitten wurde.
Ebenfalls vorgestellt wird auf "Blues Views" (mit einem Song) auch der leider
viel zu wenig bekannte Dallas/Texas-Soulblues-Mann Ernie Johnson. Begleitet von einer
starken, bläserdominierten Band und aufgenommen im renommierten "Longhorn
Ballroom" in Dallas,TX croont der Sänger knallig feuerrot eingekleidet auf
einschmeichelnd sanfte Art die von George Jackson mitgeschriebene Schmelz-Ballade
"Share You With Someone Else", ein Stück, das Johnson original 1995 für sein
Waldoxy/Malaco-CD-Debut "In The Mood" aufgenommen hatte.
Die beiden Tracks von Joe Poonanny ("Brand New Cadillac") und Johnnie Taylor
("Good Love") sind nichts anderes als zwei nicht ganz ernst zu nehmende
kommerzielle Pop-Videoclips. Poonanny ist ein typischer Chitlin' Circuit Club-Entertainer,
halb Clown, halb Bluessänger (seine Waldoxy/Malaco CD-Alben sind durchaus hörenswert!).
Poonanny's Beitrag hier ergäbe sicher einen lustigen Reklameclip für eine Automarke,
während Taylor's Clip (abgesehen von der attraktiven Lady) 'ne ziemlich dürftige
Schmachtschnulze ist. Na ja, wenn schon Johnnie Taylor, dann wäre ein Titel aus einer
seiner beiden Malaco-Live DVDs sicher die bessere Wahl gewesen. |
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BISHOP PAUL S. MORTON & THE
FGBCF MASS CHOIR: "LET IT RAIN" (DVD)
LIGHT RECORDS 5497 (erschienen 2003)
Bekanntlich sind weisse Bluesfans, wenn sie sich ab und zu mal in die heiligen Gefilde
der Gospelmusik verirren, meistens eher von den einfachen Klängen der alten
Kleinformationen und Quartettgruppen angetan als von jenen der grossen, heute im schwarzen
Amerika so populären Mass Choirs, deren Stil ihnen häufig zu "jazzig", zu
"contemporary" oder zu "kompliziert" vorkommt. Leider führt dieses
Vorurteil dann aber oft dazu, dass von ihnen immer wieder echte Perlen in Sachen
Soulgesang übersehen und unbeachtet bleiben, wie beispielsweise der Titelsong "Let
It Rain" dieser 2003 erschienenen DVD. Diese brilliante und vom New Orleans
Gospelmann Bishop Morton selbst gesungene tiefsoulige Prachtsnummer hat es in sich und
wirkt aus heutiger Sicht auf ihren Titel bezogen schon fast unheimlich prophetisch in
Anbetracht der zwei Jahre später geschehenen Katastrophe der Katrina-Ueberschwemmung.
Bishop Paul S. Morton ist heute wohl (obwohl ursprünglich in Kanada geboren) die
populärste Gospelpersönlichkeit in New Orleans und sein Chor "Full Gospel Baptist
Church Fellowship Mass Choir" (abgekürzt FGBCF Mass Choir) der grösste und
massivste der Stadt. Abgesehen vom Titelstück bietet das Werk zum grossen Teil durchaus
angenehm zu hörenden traditionellen Chorgospel mit viel New Orleans Flair und Swing, wie
etwa in den Titeln "God Is A Good God" (von Gerald Thompson geschrieben und hier
von Bishop Edward Stevens gesungen), "The Just Shall Live" (eine Rudolph
Stanfield Nummer - hier in ultraschnellem Rhythmus vorgetragen von Peggy James),
"Blessed Jesus" (Vocals von Lisa Carr) oder in dem vom R&B Star Lauryn Hill
geschriebenen und von Morton selbst gesungenen Song "On That Day", der ein wenig
an eine Marvin Gaye-Ballade erinnert. Das ganze Werk ist musikalisch von sehr hohem Niveau
und reiht sich ein in andere gute Mass Choir-Projekte wie etwa jene vom Mississippi Mass
Choir, Florida Mass Choir, Dallas Fort Worth Mass Choir etc. |
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QUITA LUMZY: "LIVE IN CHARLOTTE" (DVD)
MARXAN (MALACO) RECORDS MXDVD-2014 (erschienen 2005)
Gospelvokalistin Quita (oder Chequita) Lumzy hat eine längere Karriere hinter sich als
Leadsängerin und Chefin der "Lumzy Sisters", eine Quartettstilformation, die
ihren Ursprung im Familienumfeld ihrer Heimatstadt Columbia/Mississippi hat. Auf der
Malaco Webseite kann man die Wundergeschichte
lesen von Robert Lumzy, Quita's Vater, eines Gitarristen, der unfallbedingt zwei für das
Gitarrenspiel wichtige Finger verlor. Durch Zuwendung zu Gott durch inniges Beten sollen
ihm diese wieder komplett nachgewachsen sein!
Mit dem DVD-Album "Live In Charlotte" tritt die zierliche Sängerin nun
erstmals mit einem Soloprojekt in Aktion. Begleitet wird sie hier von einer robusten
Rhythm Section aus Drums, Bass, Gitarre, Hammondorgel und Elektropiano wie auch von einem
10-köpfigen Chor, bestehend aus neun Damen und einem Herr. Und dies setzt auch schon
ziemlich die stilistische Richtung fest, die uns auf diesem Projekt erwartet: Es ist
"Chorgospel" ganz traditioneller Prägung, in welchem die Quartettwurzeln der
Sängerin aber immer wieder durchzuscheinen vermögen. Wenn ich mich nicht irre, war es
Willie Neal Johnson der Gospel Keynotes, der für diese Art Fusion einst den Begriff
"Choirtett" erfand.
Nach dem in Worten geschriebenen Leitmotto "When you're lost always go back to the
basics ... back to where you started ... back to God" startet das Programm in
funkig-flottem Rhythmus mit dem Song "Another Day", der daraufhin in den
langsamen und sehr seelenvoll gesungenen Standard "How I Love Jesus" (dargeboten
im Dreivierteltakt) überführt. "Lean On Him" ist stilistisch eine typische
Quartettnummer, hier einfach auf den Chor umarrangiert. Bei "Be Not Dismayed"
"walzert" es anfänglich wieder gemütlich im Dreivierteltakt mit sehr schönen
Harmoniearrangements, bevor das Stück gegen sein Ende hin noch in ein bluesiges und
fulminantes Power-Finale mündet. "When God Loves A Woman" ist - der Titel
verräts - eine Gospelversion des Percy Sledge Welthits "When A Man Loves A
Woman" - und auch in dieser Gospelform natürlich Southern Soul Music in Reinkultur.
Die Hymne "Precious Lord", rhythmusfrei gesungen, dient in der Folge als kurzes
Intro zum Traditional "Walk With Me", ein Lied, das wieder quartettbetont und
mit bluesiger Leadgitarre dargeboten wird. Auf "Momma" erzählt uns die
Sängerin ihre persönliche Geschichte der Schwangerschaft, die sie abtreiben wollte und
es dann dank Gottes Stimme, sprich schlechtem Gewissen doch nicht getan hat. Ihre Tochter
Chenae, Folge dieser Schwangerschaft, darf hier auf dem Stück ein paar Takte mitsingen.
"Holy Holy" ist eine schöne, tief gefühlvolle langsame Ballade, komponiert von
Lovell Bradford, dem Musical Director und Pianisten der Begleitband. Das Lied ist sehr
"soulful" und ganz toll gesungen und sicher eines der High Lights dieses
Projekts. Nach "Near The Cross", einer weiteren langsamen Dreivierteltaktnummer
endet das Programm uptempo mit dem Traditional "I'll Fly Away", in welchem gegen
das Ende hin unsere Quita noch ganz schön vom heiligen Feuer gepackt in Fahrt kommt.
"Quita Lumzy Live In Charlotte" ist ein sehr beeindruckendes, schönes und
gelungenes Projekt und jedem Gospelliebhaber wie auch jedem Blues- oder Soulfreund
wärmstens zu empfehlen! |
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THE TRUE BELIEVERS: "IN THIS PLACE - HOME WITH FAMILY AND FRIENDS" (DVD)
MALACO RECORDS MDVD-9040 (erschienen 2006)
Die 1995 gegründeten True Believers of McComb/MS gehören zu den besten unter den
jüngeren, aufstrebenden Formationen der Quartettgospel-Szene in den Südstaaten. Ihr
Sound ist, obwohl zum Teil modern und "jugendlich" arrangiert, trotzdem auch
stark beeinflusst von den etablierteren Gruppen der Quartettwelt in Mississippi wie
beispielsweise der Williams Brothers, der Christianaires oder der Jackson Southernaires.
Ihr Auftreten ist elegant und hat Stil, und sie verstehen es, den Fans Musik der
Spitzenklasse zu bieten. Angeführt werden die "Echten Gläubigen" vom
Gitarristen und Leadsänger Castro Coleman (der unterdessen die Gruppe verlassen haben und
bei den Williams Brothers eingestiegen sein soll). Zwei weitere Leadvokalisten der Gruppe
sind das Brüderpaar Terry und Patrick Varnado.
Das vorliegende Album wurde live am 14. Juni 2003 im Southwest Mississippi Community
College in Summit, Mississippi aufgenommen und startet mit der Nummer
"Stranger", ein bluesiges Stück, das ziemlich raffiniert und clever arrangiert
ist. "In This Place" ist rhythmisch eher langsam vorgetragen und klingt ein
bisschen wie eine Soulballade der Temptations. Hier kommen die drei Leadsänger Castro
Coleman, Terry Varnado und Patrick Varnado abwechselnd zum Zug. "Don't Worry, Be
Happy" ist nicht identisch mit dem Bobby McFerrin Hit, kommt aber ähnlich
"leichtfüssig" daher. "Don't Count Me Out" fungierte im Jahr 2000 als
Titelstück für ihr damaliges CD-Album, das von den Williams Brothers produziert wurde
und als langsamer, tief souliger Song stilistisch etwas an die Musik der Jackson
Southernaires erinnert. Die swingende "Drive"-Nummer "I Don't Need No
Rock" bietet den drei Leadvokalisten viel Raum für ihre Soloparts, wobei das
fingerschnappende, händeklatschende und tanzbeinschwingende Publikum zeigt, dass der
Sound gut ankommt und den Leuten echt Spass bereitet. Im instrumentalen Soloteil des
Stücks greift Gruppenchef Castro Coleman zudem noch zur Gitarre und tänzelt damit Chuck
Berry-like auf der Bühne 'rum - ein toller Moment! Von hier weg wird für die nächsten
drei Songs der Sound stark "Southern Soul"-gefärbt. Der erste davon,
"Lord I Thank You", ist von Castro gesungen - er erzählt uns hier von seinem
Autounfall, bei dem er dank seines starken Gottesglauben von Verletzungen verschont blieb.
Auf den beiden anderen Stücken "Another Blessing" und "Just Look At The
Blessing" fungiert Terry Varnado als Leadvokalist. Ueber die zündende und
swingende mittelschnelle Drive-Nummer "Right Now Lord" (hier lassen die Canton
Spirituals stilistisch nett grüssen) endet die Konzertaufzeichnung eher nachdenklich und
in langsam balladeskem Sound in der Nummer "Rescue". Ein tolles
Video/DVD-Projekt, das Freude macht! |
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LEE WILLIAMS, MELVIN WILLIAMS &
DOUG WILLIAMS: "COOLING WATER" (DVD)
BLACKBERRY (MALACO) RECORDS BDVD-3013 (erschienen
2003)
Der Song "Cooling Water" der Williams Brothers (plus Gastsänger Lee
Williams aus Tupelo/MS, der familiär nicht mit den Williams Brothers aus Smithdale/MS
verwandt ist), war vor einigen Jahren bekanntlich ein recht grosser Gospelhit. Blackberry
Records (das Label der Williams Brothers, das den Hit produzierte und veröffentlichte)
fühlte sich deshalb gedrängt, aus dem Stück auch einen kommerziellen Videoclip zu
drehen und diesen zusammen mit einer Live-Version des Hits plus einem zusätzlichen Song
auf einer Mini-DVD zu veröffentlichen.
Die DVD beinhaltet vier Tracks. Beim ersten handelt es sich um die offizielle
Studioversion von "Cooling Water" mit dem dazugehörenden Filmchen des Clips.
Wer solche Produkte mag, wird daran vielleicht Spass haben. Die eher linkischen Bilder
dieses Clips mit den ziemlich schlecht synchronisierten Pseudo-"Live"-Gesängen
wirken auf mich hier jedoch eher störend als inspirierend. Track zwei ist dann die echte
Live-Version von "Cooling Water" und als Konzertaufzeichnung aus der Gospel
Tabernacle Church in Atlanta/GA natürlich viel sehenswerter. Doug Williams bleibt hier im
Hintergrund - es ist Brother Melvin, der sich hier das tolle Gesangsduell mit seinem
Namensvetter aus Tupelo/MS liefert. Es ist eine echte Freude, hier die beiden
Quartettgrössen gemeinsam in Aktion zu sehen. In Track drei verlässt Lee die Bühne und
überlässt Doug den Platz zur Seite seines Bruders Melvin für eine Interpretation des
Stücks "Just To Say Thank You". Dieses beseelte "Dankeschön" an den
Herrgott klingt instrumentell zwar leicht "contemporary" arrangiert, ist vom
Gesang her aber ein sehr schöner Song. Es bleibt nun noch Track vier: Hier erhält man
einen kleinen Blick hinter die Kulissen auf die Dreharbeiten zum Videoclip und hört, was
die drei Herren Doug, Melvin und Lee Williams zu diesem Projekt zu sagen haben. Mein
Gesamteindruck davon: Eine DVD-Produktion, die zwar interessant, mit nur zwei guten
Live-Nummern inhaltlich aber eher dürftig ist. Zudem ist der Sound (zumindest auf meiner
Kopie) ziemlich schlecht und mulmig. |
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LEE WILLIAMS & THE SPIRITUAL
QC'S: "GOOD TIME" (DVD)
MCG RECORDS MCG7018 (erschienen 2000)
Obwohl ich in einem kleinen CD-Review auf der ersten Review-Seite schon einmal auf
dieses exzellente, vor nunmehr acht Jahren erschienene Lee Williams Projekt hingewiesen
habe, möchte ich an dieser Stelle zur Freude all jener, die stimmungsvolle Down
Home-Quartettgospelmusik aus den Südstaaten mögen, diesem Album hier nochmals ein
Ehrenplätzchen zuweisen. Das Werk kam ursprünglich als CD wie auch als Videotape-Produkt
auf den Markt, wurde später aber ebenfalls noch in DVD-Form veröffentlicht. Es würde
mich schon sehr wundern, wenn dieses famose Werk der Gruppe aus Tupelo/Mississippi im
Laufe der Zeit nicht irgendwann mal als zeitloser "Klassiker" des Quartettgenres
in die Gospelgeschichte eingehen würde. Ohne inhaltlich gross auf Einzelheiten
einzugehen, möchte ich an dieser Stelle einfach einige Songs dieses Projekts
herauspicken, die mich sehr beeindruckt haben: Von den langsamen und balladesken Stücken
sind es die zwei Titel "No Fault" und "Jesus Is Waiting", die es mir
angetan haben. Besonders das zweiterwähnte Stück "Waiting" ist unglaublich
seelenvoll vorgetragen und dem Remake des Titels auf der unten besprochenen Williams-DVD
"So Much To Be Thankful For" um Längen und Breiten überlegen. Sehr
beeindruckend ist auch der tief gefühlvolle ultralangsame Gospelblues in Moll
"You've Been Good", bei dem als Vokalgast für einige Takte auch Co-Produzent
George Dean (der Gospel Four) mitsingt. "Good Time" ist eine kraftvolle und
bluesige Uptempo-Nummer mit viel Swing und Drive, während die zwei mittelschnellen
Stücke "Can't Run" und "Personally" Southern Soul Music in purster
Form sind.
Das Album ist nun schon seit einigen Jahren auf dem Markt, sodass daran interessierten
Gospel- und auch Soulblues-Fans wohl gut geraten ist, sich das Werk (in DVD-Form) noch
zuzulegen, solange es noch nicht als vergriffen von der Bildfläche verschwunden ist. |
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LEE WILLIAMS & THE SPIRITUAL
QC'S: "LOVE WILL GO ALL THE WAY" (DVD)
MCG RECORDS MCG7004 (erschienen 1998, als DVD 2002)
Zwar hatten Lee Williams und seine Spiritual QC' schon ein Jahr vor dem hier
präsentierten Album ein CD-Projekt veröffentlicht (das Album "Jesus Is Alive And
Well"), doch erst mit dieser Live-Produktion "Love Will Go All The Way",
die am 25. Oktober 1997 in der East Birmingham Church of God In Christ in
Birmingham/Alabama mitgeschnitten wurde, gelang der Formation den Sprung bis ganz zur
vordersten Front der Quartettgospelwelt. American Quartet Gospel Convention-Gründer
George W. Stewart kündigt die Stargruppe zu Beginn des Konzerts kurz an, wonach das
Quartett in zügigem Uptempo-Rhythmus mit dem Song"I've Learned To Lean" gleich
frisch loslegt. Nach dem darauf folgende "Running For My Life" (ein eher ruhiges
und besinnliches Stück) hält Williams im nächsten Titel sowas wie eine Bibelstunde ab,
indem er Stories aus dem AT wie auch dem NT erzählt (darunter die Geschichte des Apostels
Paulus, der mit seinem Begleiter Silas in Gefangenschaft geratenen war). Da die erzählten
Geschichten alle einen Bezug zum Thema "Midnight" haben, lässt Lee das Stück
am Schluss folgerichtig in eine Gospelversion von Wilson Pickett's Soul-Hit "In The
Midnight Hour" münden. Dies ist die einzige, nicht von Lee Williams selbst
geschriebene Nummer auf diesem Projekt. Weitere erwähnenswerte und schöne Lieder auf
diesem stilistisch wiederum stark Blues- und Southern Soul-orientiertem DVD-Album sind:
"I Do" - ein tolles Vokalduett mit Gastsänger George Dean (der als Leader der
"Gospel Four" ja selbst ein bekannter Quartettstar ist), dann die beiden
ultralangsam und sehr beseelt im Dreivierteltakt gesungenen Stücke "Don't Wait"
und "I Can't Give Up" wie auch die kraftvolle schnelle Drive-Nummer "Hold
On". Das Projekt beinhaltet auch noch eine Live-Version des früheren QC's Hits
"Jesus Is Alive And Well" und natürlich das Titelstück "Love Will Go
Away", das ein relaxt melodisches Lied mit leichten Country-Anklängen ist. |
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LEE WILLIAMS & THE SPIRITUAL
QC'S: "SO MUCH TO BE THANKFUL FOR" (DVD)
MCG RECORDS MCG7056-9 (erschienen 2007)
Der im vergangenen März verstorbene Gospelsänger und Prediger Gilbert Earl Patterson
war in der schwarzen Kirchenwelt von Memphis/TN eine hochangesehene Persönlichkeit (siehe
auch seine MySpace-Seite mit den dort anklickbaren YouTube-Videos). Patterson's
Wirkfeld war in erster Linie das grosse, vor einigen Jahren in Memphis neu erbaute
Gotteshaus "Temple of Delieverance COGIC". Der dazugehörende Saal mit der
geräumigen Konzertbühne ist wie geschaffen für Gospelkonzerte bekannter Gruppen, die
auch ein entsprechend zahlreiches Publikum anzusprechen vermögen, um diese grosse Halle
genügend füllen zu können. So realisierte kürzlich Quartettgospel-Star Lee Williams
und seine Gruppe "The Spiritual QC's" ein Video/Livekonzert-Projekt an diesem
Ort. Veröffentlicht wurde es unter dem Titel "So Much To Be Thankful For" - es
ist unterdessen die vierte Live/DVD der Gruppe, die dort produziert wurde. Stilistisch
immer ganz sein eigener Meister, ist Williams auch diesesmal seinen Down Home-Roots aus
dem ländlichen Mississippi treu geblieben. Williams's Musik ist kraftvoll und
gleichzeitig gefühlvoll - und sehr, sehr soulig und stark bluesbezogen. Sie übt nicht
nur auf die anwesenden Konzertbesucher sicht- und hörbar eine grosse Faszination aus;
diese Attribute spürt man auch selbst im trauten Heim beim Betrachten und Geniessen
dieser ganz tollen Videoaufnahme. Mit anderen Worten: Lee Williams und seine Spiritual
QC's berühren mit ihren Klängen stark die Seele! Im Gegensatz zum letzten
Williams-Projekt "Tell The Angels" von 2005 fallen gleich zu Beginn ein paar
kleine Aenderungen in der Besetzung der Gruppe auf: Patrick Hollis (Sohn des Gitarristen
Al Hollis) sitzt jetzt nicht mehr wie gewohnt hinter dem Schlagzeug, sondern hat einen
festen Platz als zweiter Leadvokalist gleich neben Lee Williams an vorderster Front.
Patricks ehemaliges Wirkfeld hinter den Fellen hat Dawayne Welch eingenommen, der früher
die Keyboardtasten bedient hatte und nun durch sein kraftvolles und rhythmisch sehr
exaktes Schlagzeugspiel gleich von Beginn weg positiv auffällt. Neben ihm steht ein neues
QC's Mitglied: Alton Hollis (ein weiterer Sohn von Al Hollis?), der nun an Stelle von Mark
Blair die zweite Gitarre spielt. Eigentlich müsste man schon eher sagen "erste
Gitarre", denn die wunderbar beseelten Töne, die der neue QC's-Begleitmusiker hier
vorallem gegen das Ende des Konzerts aus seinem Instrument hervorzaubert, sind schlicht
ausgedrückt ganz einfach himmlisch!
Das Video beginnt mit einem kurzen Blick von aussen auf den Ort des Geschehens, auf den
"Temple of Delieverance" in Memphis. Dann startet Williams nach einer kurzen
Ankündigung das Konzert mit dem Song "So Much Trouble". Das nachfolgende Stück
"Have Your Way" wurde von der Gruppe schon einmal gesungen (und veröffentlicht
auf dem DVD/Video-Album "Right On Time" von 2003). Die neue Version finde ich
aber um einiges besser wie die alte. Sie zeigt die QC's und ihr Leader in echter
Höchstform. Das Stück erinnert mich mit seinem hypnotischen Rhythmus und der sich stetig
steigernden emotionalen Spannung fast ein wenig an einen alten Blues, den der
Louisiana-Bluesmann Lightnin' Slim im Jahr 1956 unter demselben Titel "Have Your
Way" aufgenommen hatte. Auf dem nachfolgenden Stück übergibt Williams dem dritten
Leadvokalisten, Leonard Shumpert das Mike für ein leicht "Country"angehauchtes
Lied namens "Oh I Want To See Him". Auf "In My New Home" tritt
Ex-Drummer Patrick Hollis vor's Mike und in Aktion. Der Mann hat seit seinen ersten
schüchternen Versuchen als Leadsänger vor einigen Jahren nun beträchtlich an Charisma
und Selbstvertrauen zugelegt. Seine Solobeiträge auf diesem Projekt, beispielsweise in
dieser Nummer und vorallem in dem Power-Song "Come See About Me" und der
nachfolgenden Ballade "For Me" sind ziemlich beeindruckend! "Jesus Is
Waiting", von Lee Williams gesungen, ist eine weitere Neuinterpretation einer
älteren QC's-Nummer. Das Original findet sich auf dem Album "Good Time - Live In
Memphis" aus dem Jahr 2000. Ich denke, dass die damalige Aufnahme in ihrer viel
schlichteren Ausführung vielleicht doch die bessere Version ist. Der eigentliche
Höhepunkt der ganzen Produktion ist aber der Titel "So Much To Be Thankful For"
(das Titelstück der DVD/CD). Dies ist ein sehr stimmungsvoller, ultra-langsamer
Gospelblues in Moll, bei dem sich die heiligen Emotionen am Ende des Songs ganz schön
hochschaukeln. "Thank You For Blessing Me" ist eine ebenfalls getragen langsame,
von Leonard Shumpert gesungene Ballade mit wunderschöner Gitarrenbegleitung von Alton
Hollis und einer kleinen Predigt-Einlage von Papa Al Hollis. Gewidmet hat Lee Williams
dieses DVD-Projekt dem Andenken an den verstorbenen und oben erwähnten G.E. Patterson und
an die ebenfalls verstorbene Quartettgospel-Legende Howard "Slim" Hunt.
Die neue DVD von Lee Williams & The Spiritual QC's ist ein sehr schönes
Quartettgospel-Werk und jedem Gospelfreund ohne Einschränkung zu empfehlen. |
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© by Chris Lange *** Update May 27, 2008 |