Soul/Blues und Gospel News - Archiv 2008 

23. Dezember 2008

Hasan Green - ein bemerkenswertes Gospel-Nachwuchstalent mit goldener Kehle

Vor rund acht Jahren begeisterte der damals 11-jährige, aus Alabama stammende Youngster bei einem Auftritt im weltberühmten Apollo-Theater in New York zum ersten mal ein grösseres Gospel-Fanpublikum. Heute präsentiert der Sänger seine beseelten Gospelsongs unter dem Namen "Aulegend" auf YouTube, Rollin.Com und auf seiner Seite von MySpace. Ein Reinschauen und Anhören seiner tollen Stimme dort lohnt sich alleweil. Hier noch eine Aufnahme vom 11-jährigen Hasan aus dem Jahr 2001 (leider in gewohnt schlechter YouTube-Qualität).

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Allen treuen Lesern meiner Website möchte ich an dieser Stelle noch besinnliche und schöne Festtage und ein gefreutes neues Jahr mit viel guter Musik wünschen!

16. Dezember 2008

"Who Do You Love" und "Cadillac Records" - Die Geschichte von Chess Records zweimal verfilmt

Für einen im tiefsten Provinzmief der Fünfzigerjahre in der Schweiz aufwachsenden jungen Teenager wie mich gab es damals wohl kaum etwas Aufregenderes wie die plötzliche Entdeckung der Welt des Grossstadt-Blues mit all ihren schillernden schwarzen Stars wie Muddy Waters, Little Walter, Howlin' Wolf, Bo Diddley, Chuck Berry etc. Das britische Blues-Urgestein Alexis Korner machte es durch seinen unermüdlichen Einsatz im Schallplattenbusiness möglich, dass diese Musik über den Umweg der Plattenmarke "London" bald auch einmal in unseren heimischen Provinzläden auftauchte. Ganz kleingedruckt konnte man auf den Etiketten dieser Vinylscheiben jeweils die Erwähnung "recorded by Chess, Chicago" oder "recorded by Checker, Chicago" lesen. Es dauerte dann noch ein paar Jahre, bis ich mitbekam, dass dieses geheimnisvolle Plattenlabel in Chicago in Tat und Wahrheit eine der wichtigsten Blues-Schallplattenmarken jener Zeit war und dass die Firma von zwei jüdischen Emigranten namens Lejzor und Fiszel Czyz (Leonard und Phil Chess) gegründet wurde, die aus dem polnischen Dorf Motol stammten. Chess Records hat dann in der Folge bekanntlich Geschichte geschrieben und die Populärmusik revolutioniert. Die beiden Filme "Who Do You Love" und "Cadillac Records" portraitieren diese Erfolgsstory. Man muss abwarten, bis diese Movies hier zu sehen sind, um urteilen zu können, ob sie auch halten, was sie versprechen (eine kritische Stimme dazu äussert sich hier auf dieser Website). Einen Trailer von "Cadillac Records" ist hier abrufbar (siehe auch MySpace und die Website des Films).

14. Dezember 2008

Tipps für Gospelfreunde

Die Blind Boys of Alabama treten übermorgen (am 16. Dezember) hier in Zürich im Kaufleuten auf. Es scheint auf ihrer aktuellen Europa-Tournee ihr einziges Konzert hier in der Schweiz zu sein.

Doc McKenzie & The Hi-Lites nehmen am 27. Dezember in der Lake City High School in Lake City, North Carolina bei einem Livekonzert ein neues DVD-Album auf. Wer zu jener Zeit gerade in den USA und dort in der Nähe verweilt, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, bei dem Event dabei zu sein.

Jerry "Boogie" Mason hat auf seiner Website www.theboogiereport.com das Soul-Blues Internetradio-Programm www.boogieradio.com durch zwei Gospelkanäle ergänzt: www.gloryradio.net und www.allsermonsradio.com 

Southern Soul Blues-Produzent und Radio-DJ Senator Jones verstorben

Die  behäbige und gemütliche Stimme von Senator Jones ist sicher noch manchem Soul/Blues-interessierten Musik-Freund in bester Erinnerung, nachdem der vor 14 Tagen (am 30. November) verstorbene Musikproduzent, Schallplattenlabel-Besitzer, Radio-DJ und Lebenskünstler unter seinem DJ-Pseudonym "Uncle Bobo" beim Blues-Sender WMPR in Jackson/Mississippi während mehrerer Jahre mit seinen nächtlichen Sendestunden seinen Hörern jeweils die Nächte versüsst hatte. Sein Label "Hep' Me Records" gründete der Mann in den frühen 70er Jahren mit einem Künstler-Angebot, unter dem so legendäre Namen der New Orleans-R&B-Szene wie Chris Kenner, Tommy Ridgley, Charles Brimmer, Johnny Adams, Walter 'Wolfman' Washington und Barbara George zu finden waren. Aller Widrigkeiten im harten Musikbusiness zum Trotz gelang es Jones, sein Label bis an sein Lebensende erfolgreich am Leben zu erhalten und etlichen Newcomern der Soul-Blues-Welt einen Start zu ermöglichen. Southern Soul-Star Sir Charles Jones ist vielleicht der Bekannteste darunter, aber auch Sänger und Sängerinnen wie The Love Doctor, Little Kim Stewart, Terry Wright, Monique Ford, Tonya Youngblood, Stevie Jay und viele andere profitierten von Jones' Diensten und sind heute geläufige Namen in der Soul/Blues-Szene. Produziert hatte Jones die CDs dieser Künstler alle in seinem kleinen Homestudio auf seinem Landsitz in Bolton, in der Nähe von Jackson/Mississippi, umgeben von seinen Tieren wie Hühnern, Hunden, Ziegen etc. Das Album "2 Sides of a Man" von Stevie Jay war eine der letzten Produktionen, die Jones Mitte dieses Jahres auf seinem Label veröffentlicht hatte. Man kann vier Titel auf Stevies MySpace-Seite anhören. Als Mensch muss Senator Jones ein echtes Original gewesen sein. Schade ist nur, dass niemand auf die Idee gekommen ist, seine Lebensgeschichte ausführlich aufzuzeichnen, als er noch unter uns weilte. Es hätte sicher eine tolle Blues-Story ergeben. Kleine Eindrücke vermitteln vielleicht die wenigen Schilderungen im "Southern Soul Forum" von Leuten, die einst kurz Kontakt zu ihm hatten. Senator Jones war 74 Jahre alt, als er starb.

4. November 2008

Legendary Soul Stirrers Reunite Interview

Auf der Website von NPR Radio gibt es momentan ein nettes Interview von Farai Chideya zu hören mit den Soul Stirrers-Legenden Leroy Crume, Arthur Crume, Willie Rogers und Soul/Blues-Star und Johnnie Taylor-Sohn Floyd Taylor (welcher hier als Guest mitwirkt). Die vier Vokalisten erzählen über ihr aktuelles CD-Projekt "A Soul Stirring Reunion" und über die guten alten Zeiten, als der legendäre Sam Cooke noch ihr Frontmann war. Ein kurzer Video-Mitschnitt ist auf diesem Link zu sehen.

exzellentes SBR Radio

Eines der besten Internet-Radioprogramme mit Southern Soul Blues Musik bietet seit einiger Zeit die Website Soul & Blues Report von Funky Larry Jones an. Man gehe zur genannten Webseite und klicke dort den Radio-Button an.

7. Oktober 2008

Aktuelles aus der Southern Soul Blues-Konzert-Szene im Bundesstaat Mississippi

Die diesjährige "WDIA Juke Joint Tour" Show gastiert heuer am 8., 15., 22. und 29. Oktober in Sam's Town Casino & Hotel in Tunica/MS mit Willie Hill, Archie Love, Latimore, Ricky White, Betty Padgett, J. Blackfoot, Marvin Sease, Jerry L, Queen Ann Hines, Theodis Ealey und Shirley Brown. Betty Padgett und Willie Hill treten zudem am 10. Oktober auch in Jackson /MS live auf.

Eine Show genannt "The Blues Players Showdown" kündigt der Sender WJZD aus Gulfport/MS auf seiner Website am 10. Oktober an mit Sir Charles Jones, Reggie P und Rhonda "Roni" McCullum.

Der 3rd Annual Soul Blues Friday präsentiert am 17. Oktober im City Auditorium in Vicksburg/MS die Künstler Sir Charles Jones, Steve Perry (den Soul/Blues-Musiker selbstverständlich und nicht den Rockstar des gleichen Namens!), Reggie P und Ms Jody.

Einen "Evening of Southern Soul" mit T.K. Soul und Stevie J findet am 19. Oktober in Kosciusko/MS statt.

Latimore, J.T. Watkins und Bobby Jonz treten am 18. Oktober am 3rd Annual Tommy Johnson Celebration Blues Festival in Terry, Mississippi auf. Tommy Johnson war nebst Son House und Charlie Patton einer der einflussreichsten Bluesmusiker im Mississippi-Delta in den späten 20er und frühen 30er Jahre des 20. Jahrhunderts.

10. September 2008

Die Schicksalsschläge von Southern Soul Legende Sir Lattimore Brown

In Red Kellys Blogspot "The 'B' Side" kann man im Moment die berührende Lebensgeschichte von Sir Lattimore Brown mitverfolgen, von einer der von den Musikindustrie-Mächtigen längst vergessenen Grössen des Southern Soul und R&B der Sechziger- und Siebzigerjahre. Dem New Yorker Soul- und Gospelspezialisten Kelly gelang es, den Sänger, der bis anhin als für verstorben galt, als lebende Legende aufzuspüren und mit ihm in Kontakt zu treten. In der Geschichte wird geschildert, wie der Sänger kürzlich bei den Ueberschwemmungen von Hurricane Gustav an seinem Wohnort in Gulfport/Mississippi sein gesamtes Hab und Gut verlor, nachdem er vor drei Jahren bei der Hurricane Katrina-Katastrophe schon einmal dasselbe erdulden musste und damals gerade knapp sein pures Leben retten konnte. Die Geschichte zeigt auch anschaulich, wie hart das Leben für einen Grossteil der schwarzen Bevölkerung im Süden der USA, d.h. für jene, die eh nichts besitzen, sein kann. Die Story ist bis jetzt in acht Folgen aufgeteilt, bei denen man im Hintergrund beim Anklicken des "G-Cast"-Players eine Auswahl von Browns alten Plattenaufnahmen mithören kann. Lattimore Brown ist übrigens in mehreren Mitschnitten aus alten Fernsehauftritten aus dem Jahre 1966 auch live zu sehen in der exzellenten sechsteiligen DVD-Serie "The !!!! Beat", veröffentlicht von Bear Family Records.

18. August 2008

Musik Industrie-Legende Jerry Wexler letzte Woche im Alter von 91 Jahren verstorben

Eine gute Kurzbiographie über die wichtigsten Stationen im Leben und in der Karriere dieser für den R&B und Southern Soul so relevanten Musiklegende gibt es als Nachruf auf der Website des Musikfachblatts "Rolling Stone" zu lesen.

11. August 2008

Isaac Hayes gestern verstorben

Da in den Medien momentan schon eifrig und ausführlich über den Tod und das Lebenswerk von Isaac Hayes berichtet wird, erübrigt es sich wohl, hier auch noch detailliert auf die musikalische Karriere dieser bedeutenden Soul- und R&B-Legende einzugehen. Einen netten Einblick in sein Wirken vermittelt vielleicht seine eigene Website, auf welcher man auch einiges über Hayes nicht-musikalische Aktivitäten erfahren kann. Der verstorbene Musiker wäre am kommenden 20. August 66 Jahre alt geworden.

8. August 2008

Robert BigK9 Brown hat auf seiner Website wiederum einen sehr schönen und begeisterten Konzertbericht veröffentlicht über die unten am 23. Juli erwähnte "Double CD Release Party" der beiden Soul/Blues Stars Sir Charles Jones und Reggie P., die am vergangenen Samstag, am 2. August in Jackson/Ms stattfand. Empfehlenswert ist auch ein gelegentlicher Blick in Browns Bildergallerie (anklicken dort bei "Gallery"), die immer wieder einen netten bebilderten Eindruck von den neusten Aktivitäten in der Soul/Blues-Szene resp. im Chitlin' Circuit vermittelt.

31. Juli 2008

Margaret Allison im Alter von 86 Jahren verstorben

Mit dem Hinschied von Margaret Allison ist in diesem vergangenen Monat eine weitere grosse Stimme des "Golden Age of Gospel" für immer verstummt.. Die verstorbene Sängerin war mit ihrer Gruppe, den Angelic Gospel Singers, die sie 1944 gründete, noch bis vor kurzem aktiv und nahm kürzlich auch noch ein neues CD-Album ("Touch Me Again") auf, das anfangs dieses Jahres bei Malaco-Records erschien. Die Sängerin kam in Philadelphia/Pa zur Welt und landete Ende der 40er-Jahre mit den Angelics und dem Song "Touch Me Lord Jesus" (ihr Schallplattendebut beim Philadelphia-Label Gotham-Records) gleich einen grossen Gospel-Hit, der heute zu den bekannten Klassikern der Gospelmusik zählt. Um das Todes-Datum der Sängerin herrscht wieder einmal Verwirrung: Während Linwood Heath im "Quartet Central" der 9. Juli als Todestag angibt, soll es nach der Angabe im Black Gospel Collector Forum der 29. Juli und laut Bob Marovichs Black Gospel Blog der gestrige 30. Juli gewesen sein. Wie auch immer: Rest In Peace Margaret Allison.

30. Juli 2008

Neues CD-Album von Marvin Sease

Das neuste Album "Who's Got The Power" des Malaco-Records Soul/Blues-Stars wird ab dem 12. August in den (US-)Plattenläden erwartet. Die Vorab-Single "I'm Coming Home" ist schon in "heavy-rotation" bei den einschlägigen Southern Soul/Blues-Radiostationen in den USA.

Swamp Dogg und das Erdbeben in Los Angeles

Soul/Blues-Veteran Jerry "Swamp Dogg" Williams schreibt im Yahoo Southern Soul Forum über das gestrige Erdbeben in Los Angeles: "I'm fine...it was a little scary. My house was rolling like it was on different size logs. We love that type of thing out here, it keeps us alert. So far we had twenty four after shocks. Thank God for God.
Swamp"

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Tutu & The Truthettes

Das aus Oklahoma stammende weibliche Gospelquartett nahm in den Achzigerjahren als Teenagergruppe unter den Fittichen des verstorbenen Produzenten und Sängers Frank Williams eine ganze Reihe von beachtenswerten LPs für Malaco Records auf. Seit ihrem 1989er Album "Flowing" ist mir zwar keine neuere Album-Produktion bekannt geworden, doch scheint die unterdessen im Erwachsenenalter angekommene Formation unter der Leitung ihrer Leadsängerin Tutu Morgan weiterhin aktiv zu sein. "Quartet Central" kündigt immer wieder Konzertauftritte der Truthettes an, und auf YouTube gibt es auch (neuere) Amateur-Videoaufnahmen der Gruppe zu sehen.

R.I.P. Michael Cook

"Quartet Central" meldet auch den Hinschied von Michael Cook. Der bei den Mighty Clouds of Joy mitwirkende Sänger verstarb am vergangenen 18. Juli.

23. Juli 2008

Steve Ladd verstorben

Steve Ladd, der beliebte Blues-DJ, der zuletzt beim legendären Memphis Sender WDIA arbeitete, soll laut einer Mittteilung des Senders am 20. Juli 63-jährig verstorben sein. Ausführlicheres über den Radiomann und seine Karriere gibt es auf der Chittlin Circuit-Website zu lesen.

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Pastor Tim & The Fellas

Viel Lob ist zur Zeit in der US-Quartettgospel-Szene zu hören über das Debutalbum "We Need To Pray" der Gospelgruppe "Pastor Tim & The Fellas" aus Blytheville, Arkansas. Auch Quartett-Experte Donnie Addison hat sich im "Quartet Central Message Board" schon begeistert geäussert über das Erst-Projekt der aufstrebenden Formation, die vor drei Jahren vom 1980 geborenen Timothy James Rogers gegründet wurde. Ein Reinhören in die präsentierten Songs auf deren MySpace-Seite empfiehlt sich sehr und bestätigt es auch: Das Werk ist technisch gut produziert, geschmackvoll arrangiert und sehr "soulful" gesungen mit Stimmen, die den etablierten grossen Stars der Szene durchaus Paroli bieten können. Der Leadsänger Timothy Rogers unterhält auch eine eigene Website, und das Album wird von CD Baby vertrieben. Ein Videoclip von Timothy Rogers im Duett mit Doug Williams der Williams Brothers gibt es auf YouTube   zu sehen.

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Zwei wichtige Southern Soul/Blues-Events gibt es auch noch zu erwähnen:
1.: das alljährliche Tri-State Blues Festival in Memphis, das am kommenden 9. August stattfindet; und
2.: (am 2. August 2008 vom Blues-Sender WMPR in Jackson/MS mitveranstaltet) "Double CD-Release Party and Live Video Taping & Concert" mit Sir Charles Jones und Reggie P. Darf man da eventuell hoffen, demnächst bald einmal ein DVD-Live-Projekt vom "King of Southern Soul" auf dem Soul-Blues-Markt zu sehen?

9. Juli 2008

Bad Luck auch für Bishop Paul S. Morton

Die Greater St. Stephen Full Gospel Baptist Church des Gospel Preachers und Sängers Paul S. Morton in New Orleans wurde kürzlich Opfer eines Brandes, kaum drei Jahre nachdem die Kirche schon einmal massiv beschädigt wurde durch die Ueberflutung der Katrina-Katastrophe. Auf der Website Nola.Com kann man Näheres über den Brand erfahren und auch die hitzige Forums-Diskussion in Sachen Pro und Contra zur Person Paul Morton mitverfolgen. Ueber Mortons DVD "Let It Rain" habe ich auf der Reviews-Seite eine Besprechung geschrieben.

7. Juli 2008

Traurige Nachrichten aus der Gospelszene

Der bekannte Gospelsänger Timothy Wright von Malaco/Savoy/AIR-Records soll am vergangenen Freitag einen (durch einen Geisterfahrer auf der Autobahn verursachten) schweren Autounfall erlitten haben und schwer verletzt im Krankenhaus liegen, während seine Ehefrau als Mitfahrerin bei dem Unglück ihr Leben verlor. Nähere Infos gibt es bei Bob Marovichs Black Gospel Blog

Ebenfalls in Marovichs Black Gospel Blog vermeldet wird der Hinschied einer anderen Gospelpersönlichkeit, Detroits Bishop Charles Craig. Der Sänger starb am vergangenen Samstag an den Folgen einer Herzattacke.

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Jackson Music Awards 2008

Das alljährliche Event der Jackson/Mississippi Music Awards-Verleihung findet dieses Jahr am kommenden Sonntag, 13.Juli 2008 (Gospel) und am Montag, 14. Juli 2008 (Blues und Soul) statt. Das Management hat auf seiner Website bis heute noch keine Namen der nominierten Künstler veröffentlicht.

27. Juni 2008

REST IN PEACE IRA TUCKER

Die Quartettgospelwelt trauert seit drei Tagen um den am 17. Mai 1925 in Spartanburg/SC geborenen und am vergangenen 24. Juni in Philadelphia/PA verstorbenen Sänger Ira Tucker. Tucker war eine der ganz grossen Leadstimmen des Golden Age of Gospel der Forties, Fifties und frühen Sixties und wirkte jahrzehntelang als Frontmann der berühmten Dixie Hummingbirds, denen er 1938, demzufolge also schon als 13-jähriger Junge beitrat. Die grössten Erfolge verbuchte der Sänger mit den Hummingbirds in den fünfziger Jahren, als die Gruppe bei Don Robey's Duke/Peacock-Label in Houston/TX unter Vertrag war, derselben Plattenmarke übrigens, wo zur gleichen Zeit auch die Sensational Nightingales, die Five Blind Boys of Mississippi und die Spirit of Memphis, aber auch der unten erwähnte Bluesmann Bobby 'Blue' Bland ihre ganz grossen früheren Erfolge feiern konnten. Laut Gospelexperte und Buchauthor Tony Heilbut soll Tucker damals für den Erfolg des Bluessängers wesentlich mitverantwortlich gewesen sein, indem er Bland Gesangsstunden erteilte und ihm dabei vorallem Phrasierungskunst beibrachte. Aber auch viele andere Grössen des R&B wie beispielsweise die Temptations, James Brown, Stevie Wonder, Jackie Wilson, Al Green oder Brook Benton behaupteten immer wieder, von Tuckers Gesangskunst beeinflusst worden zu sein.

Viele weisse Pop-Fans werden wohl 1973 zum erstenmal die Stimme von Ira Tucker vernommen haben, als er mit seinen "Dixies" den Background zu Paul Simons Pop-Hit "Loves Me Like a Rock" lieferte (ein Stück, mit dem den Hummingbirds in der Eigenversion kurz darauf selbst ein kleiner Hit-Erfolg in den weltlichen R&B-Charts gelang).

Ira Tuckers Sohn Ira Tucker Jr. ist übrigens Stevie Wonders Publizist, und seine Töchter Linda und Sundray sollen spätere Mitglieder von Motown Records' berühmten Supremes gewesen sein.

Auf YouTube gibt es diverse Videos mit Ira Tucker und den Dixie Hummingbirds zu sehen.

Siehe auch den Artikel und Nachruf in der New York Times und jenen von Musicianguide

25. Juni 2008

Soul/Blues-König Bobby 'Blue' Bland und die "Bobby 'Blue' Band".

Als Ergänzung zum Hinweis unten vom 20. Juni betr. Mick Hucknall und seinem Album Tribute To Bobby sei noch ein schmunzelnder Blickwurf empfohlen auf den Text der Internetseite vom diesjährigen Montreux Jazz Festival zum Auftritt des britischen Rotschopfs, in welchem Southern Soul/Blues-König Bobby Bland einmal mehr zu (einer?) Bobby Band umfunktioniert wird. Der Suchbegriff "Bobby 'Blue' Band" (in Anführungszeichen!) bei Google eingegeben, ergibt weltweit mehr wie sagenhafte 6000 und in deutscher Sprache immer noch über 100 Ergebnisse - und dies, obwohl Bland mitnichten ein obskurer Nobody, sondern ein im schwarzen Amerika seit Jahrzehnten höchst populärer Bluesstar war mit über 60(!) Hiterfolgen in den schwarzen R&B-Charts. Ein jeder scheint den Bland/Band-Fehler vermutlich dem anderen abzuschreiben, keiner korrigiert es - oder noch schlimmer: Keiner dieser Schreiberlinge wird den grossen Bluesmann Bobby 'Blue' Bland wohl kennen und seine Musik in Wirklichkeit je gehört haben. Deshalb scheinen sie es wohl auch nicht zu checken, dass der Sänger "Bobby Bland" und nicht "Bobby Band" heisst und es sich hier um eine Bluespersönlichkeit und nicht um einen Bandnamen handelt. Das Ganze erinnert mich ein wenig an gewisse Zeitungsartikel in den 60er und 70er Jahren, in welchen Auftritte des legendären, aber damals hierzulande noch nicht so bekannten Muddy Waters oft als Konzerte von "die Muddy Waters" angekündigt wurden (wohl ebenfalls in der Meinung, "Muddy Waters" sei ein Bandname). Dies sind typische Beispiele eben, wie fehlinformiert unsere Möchtegerne-Musikjournies der Pop/Rock-Branche in Sachen "Blues" oft so ticken und Falschinformationen verbreiten...

20. Juni 2008

Popstar Mick Hucknall verneigt sich mit einem Tribut-Album vor der Southern Soul/Blues-Legende Bobby 'Blue' Bland.

Erneut hat ein Rockstar (diesesmal Mick Hucknall der britischen Pop-Gruppe Simply Red) mit seinem neusten Album Tribute To Bobby einem seiner musikalischen Vorbilder (dem Chitlin' Circuit-Veteranen und -Giganten Bobby 'Blue' Bland) die Ehre erwiesen. Auch wenn Hucknalls Gesang auf den Bland-Covernummern seines neusten Projekts im Vergleich zu den Originalen ziemlich leichtgewichtig und "flachbrüstig" klingt, ist dies doch eine sehr nette Geste des Briten gegenüber einer der ganz grossen (noch lebenden!) Stimmen der schwarzen Soul/Blues-Welt.

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R.I.P. Bill Coday

Leider ist an dieser Stelle auch der Hinschied des Southern Soul/Blues-Sängers Bill Coday zu vermelden. Der am 10. Mai 1942 in Coldwater, Mississippi geborene Coday wurde in den Sixties von der Soul-Blues-Diva Denise LaSalle und ihrem damaligen Ehepartner Bill Jones entdeckt und für ihr damaliges Plattenlabel Crajon-Records verpflichtet. Die beiden von Willie Mitchell in Memphis produzierten Coday-Songs "Get Your Lie Straight" und "When You Find A Fool, Bump His Head" waren 1971 zwei kleinere R&B-Charts-Erfolge. In den 90er-Jahren war Coday beim Memphis-Label Ecko-Records unter Vertrag, bevor er vor kurzem noch sein eigenes Label B&J-Records gründen und darauf sein letztes Album "Jump Start" veröffentlichen konnte. Der Sänger verstarb 66-jährig am vergangenen 8. Juni in Memphis an den Folgen einer Herzkrise. Ein Interview mit Bill Coday kann auf der Website von Blues Critic nachgelesen werden.

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Zwei neue CD-Alben berühmter "Deep Soul"-Acts der Sixties und Seventies.

Eine der besten "Deep Soul"-Vokalgruppen des bekannten Stax-Labels in Memphis waren in den Sechziger- und frühen Siebzigerjahren die Soul Children, bei denen damals auch der heute noch als Soloact aktive Soul/Blues-Sänger J. Blackfoot ein Mitglied war. Jetzt hat sich die Formation zu einer Reunion zusammengefunden und das Come Back-Album Still Standing auf den Markt gebracht.

Garnet Mimms war einst Gospelsänger und Mitglied der berühmten Quartettgruppe The Harmonizing Four, bevor er später als Leader der R&B-Vokalgruppe "The Enchanters" Furore machen und 1963 mit der Soulballade "Cry Baby" die R&B- und Pop-Charts erstürmen konnte. Nun ist der unterdessen 75-jährige Mimms wieder zu seinen Gospelroots zurückgekehrt. Sein neustes Gospelalbum ist eben erschienen und trägt den Titel Is Anybody Out There.

4. Juni 2008

Zum Tod von Bo Diddley, der am vergangenen Montag 79-jährig verstarb

Ueber den immensen Einfluss, den der legendäre schwarze Bluesrocker auf die Entwicklung der Rock- und Popmusik hatte, wie auch auf seine Karriere ganz allgemein, wurden gestern und heute in der Tagespresse ja genügend Artikel und Nachrufe veröffentlicht, sodass es sich erübrigt, dieses hier alles nochmals zu wiederholen. Wer Infos darüber sucht, findet die zuhauf im Internet. Auf einen nicht uninteressanten Aspekt in Bo Diddley's Musikerleben, der nicht so sehr bekannt ist, möchte ich hier aber doch noch hinweisen, nämlich darauf, dass der Sänger während seiner Jugendzeit mit seinem Geigenspiel ganz der klassischen Musik und den sogenannt "leisen Tönen" zugewandt gewesen sein und auch Kompositionen im klassischen Stil verfasst haben soll - ein eher unüblicher Background für einen schwarzen Bluesmusiker. John Lee Hooker und sein urchiger Bluesstil, den Diddley eines Tages am Radio hörte, soll ihm dann den Kick versetzt haben, ebenfalls Bluesmann zu werden. Seine allererste Plattensession für Chess/Checker Records, welche die Titel "I'm A Man", "You Don't Love Me (You Don't Care)", "Little Girl" und den Klassiker "Bo Diddley" hervorbrachte, fand am 2. März 1955 in Chicago statt. Begleitet wurde er im Studio damals von den bekannten Chicago-Bluesmusikern Otis Spann am Klavier und Billy Boy Arnold an der Harmonica. Clifton James am Schlagzeug, James Bradford am Bass und Jerome Green mit seinen Maracas waren zusammen mit Diddley's auf den offenen E-Dur Akkord gestimmten Gitarre für den zündenden Jungle-Rhythmus verantwortlich.

27. Mai 2008

Der Webstream  von Montgomery/AL's Gospel-, Soul- und Blues-Radiostation WKXN ist seit kurzem wieder aufgeschaltet worden und nach fast 6-jähriger Funkstille erneut weltweit empfangbar. Wie es scheint, sind dort noch immer die altbekannten DJs wie Herb Sanders, Clemmon Barlow, "Iceman" Jerry Jackson und Killer Diller Roscoe Miller zu hören (nebst einigen jüngeren Stimmen, die eher für die moderneren R&B-Sounds zuständig sind). Hörenswert für uns "ältere Semester" sind vorallem die Sendungen "Sunrise Gospel" mit traditionellem Gospel (bei uns über Mittag zwischen 11 und 13 Uhr zu hören) und natürlich auch der ausschliesslich dem Southern Soul/Blues gewidmete All Blues Saturday (ganztäglich jeden Samstag). Super! Und vielen Dank an den Sendermanager Killer Diller Roscoe Miller für diesen tollen Service!!

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Auf der Reviews-Seite gibt es wieder ein paar neue CD- und DVD-Reviews zu lesen:
Stan Mosley: "Man Up"
Charles Wilson: "The After Party"
Dicky Williams & The Ken Massey Group: "I'm Back Again"
Shirley Brown & Denise LaSalle: "Divas In The Delta - Live In Greenwood,MS"
Bobby Blue Bland: "Live From Beale Street"
Various Artists: "Blues Views"
Bishop Paul S. Morton: "Let It Rain"
Quita Lumzy: "Live In Charlotte"
The True Believers: "In This Place"
Lee, Melvin and Doug Williams: "Cooling Water"
Lee Williams & The Spiritual QC's. "Good Time"
Lee Williams & The Spiritual QC's: "Love Will Go All The Way"

18. Mai 2008

Robert "BigK9" Brown hat auf seiner Website wieder eine neue Konzertkritik veröffentlicht: "TOO SWEET'S PRE-MOTHERS DAY BLUES FEST", das am 9. Mai 2008 in Vicksburg, Mississippi stattfand (mit Ricky White, Ecko-Records-Künstlerin Ms. Jody, Nellie "Tiger" Travis, J. Blackfoot und Sir Charles Jones). Wehmütig und auch ein wenig eifersüchtig auf unsere lieben Bluesfreunde down in Mississippi müssen wir armen Mitteleuropäer wieder einmal zur Kenntnis nehmen, auf welch tolle musikalische High Lights wir hier ständig verzichten müssen...

4. Mai 2008

Kenne Wayne, Louisiana's Southern Soul/Bluessänger Nummer 1, veröffentlicht dieser Tage ein neues CD-Album unter dem Titel "You're The Best".

Das bei Soul/Blues-Fans sehr beliebte alljährliche "North Alabama Down Home Blues Festival" in Huntsville/AL findet dieses Jahr in seiner unterdessen neunzehnten Ausgabe am 24. Mai statt. Eine vollständige Liste der auftretenden Künstler konnte ich bis jetzt auf dem Internet noch nicht auffinden. Betty Padgett und die weisse Rhythm & Blues-Sängerin Carla Russell haben dort jedoch schon ihre Präsenz angekündigt.

27. April 2008

Frühlingserwachen der Quartettgospel-Szene in den USA

In der Zeit vor und während "Mother's Day" feiern in den USA die Events in Sachen Southern Soul/Blues und (vorallem Quartett-)Gospel alljährlich wieder Hochkonjunktur. Hier ein paar ausgewählte Gospelkonzert-Tipps, falls jemand im nächsten Monat "drüben" sein sollte (Infos ab den Websites von "Gloryland Gospel" und "Quartet Central"):

"A Special Pre-Mother's Day Block Buster" am 3. Mai in Fayettville,NC mit den Canton Spirituals, den Pilgrim Jubilees, Alvin Darling & Celebration, Lil' Blair & The Violinaires, The McDonald Sisters, Tommy Ellison & The Singing Stars, The Racy Brothers, Darrell McFadden & The Disciples, dem Swanee Quintet etc etc.
"Doc McKenzie and The Hi-Lites Celebrates Mother's Day At Home With A Tribute to All Mothers" am 11. Mai in Sumter,SC mit den Mighty Clouds of Joy, Maggie Ingram & The Ingramettes, Lil' Blair & The Violinaires, The Gospel Keynotes feat. Jeffrey Newberry, The Singing Angels of Sumter SC und natürlich Doc McKenzie und seine Hi-Lites (nebst weiteren Lokalformationen).
"Mother's Day Celebration" am 11. Mai in Pontotoc, MS mit diversen Regionalgruppen aus Mississippi (Harmony Bells, Holy Aires, Turner Singers, Crowns of Harmony etc).
"A Live CD Release for the Perly Gates of Suffolk, VA" am 2. Mai in Washington, NC, featuring George Dean & The Gospel Four, Darrell McFadden & The Disciples, The Brothers of Unity etc.
"10th Annual Gospel Extravaganza" am 4. Mai in Indianola, MS mit verschiedenen Mississippi Quartetten plus Luther Barnes & The Sunset Jubilaires aus Rocky Mount, NC.
"World's Greatest Mother's Day Gospel Bowl" am 11. Mai in Chicago,IL mit Lee Williams & The Spiritual QC's, The Jackson Southernaires, Spencer Taylor & The Highway QC's, Darrell McFadden & The Disciples, George Dean & The Gospel Four, The True Believers plus div. Lokalgruppen aus Chicago.
"Mother's Mayday Gospel Musical" am 9. Mai in Drummonds, TN (45 Miles ausserhalb von Memphis,TN) mit Doc McKenzie & The Hi-Lites, Spencer Taylor & The Highway QC's, George Dean's Gospel Four, Rev. Roney Strong & The Strong Family, The Bell Singers, The Pilgrim Jubilettes.
"Mississippi Burning" am 25. Mai in Byhalia, MS mit Rev. Andrew Cheairs & The Songbirds, The Canton Spirituals, Rev. Roney Strong & The Strong Family.

Ueber die vielen weiteren Aktivitäten der Quartettszene in Sachen Konzerte erhält man wie immer ausführliche Infos auf der Website von "Quartet Central".

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Leider sind auch zwei traurige Gospelnews zu vermelden:
Elmo Franklin
, ehemaliges Mitglied der Mighty Clouds of Joy, verstarb am vergangenen Freitag, den 25. April.
Margaret Allison der Angelic Gospel Singers soll laut "Quartet Central" schwer erkrankt sein. Die legendäre Sängerin ist 86 Jahre alt und hat noch bis vor kurzem mit den Angelics Platten für Malaco Records aufgenommen.

6. April 2008

Soul Blues Festival in Texas
Das unten in den News vom 5. März erwähnte "Crosby Soul & Blues Festival" findet am 3. Mai 2008 unter dem neuen Namen "Solo Soul & Blues Festival" statt. Headliners dieses Events sind: Bobby Womack, Lenny Williams, Rue Davis, Floyd Taylor, Shirley Brown und Bobby 'Blue' Bland.

2. April 2008

R.I.P. Chalmers "Spanky" Alford
Nach Dillard Crume ist leider auch noch der Hinschied einer anderen Grösse aus der Quartettgospel-Welt zu vermelden: Am 24. März verstarb der Gitarrist Chalmers "Spanky" Alford im Alter von nicht ganz 53 Jahren. Alford kam am 22. Mai 1955 in Alabama zur Welt und stieg in den Seventies als Begleitgitarrist bei Clarence Fountains Five Blind Boys of Alabama ein. Einige spätere Stationen in seiner Karriere als Quartettgitarrist waren die Mighty Clouds of Joy, die Canton Spirituals, Evelyn Turrentine-Agee, Melvin Williams (der Williams Brothers) etc. Alfords spezieller Gitarrenstil, in dem er den Soul des Quartettgospel mit Jazzelementen aus den Schulen von Wes Montgomery und George Benson zu verbinden wusste, brachten ihm im Laufe seiner Karriere drei Grammies als Jazzgitarrist ein. Vor einigen Jahren wurde auch die Pop-, R&B- und Soul-Blues-Welt auf den talentierten Musiker aufmerksam. Ins Studio geholt wurde er beispielsweise von D'Angelo, Angie Stone, Vick Allen (Album "Simply Soul"),  Tony! Toni! Tone!, Eric Benet oder Joss Stone (Album "Introducing Joss Stone"). Auf dem neuen Al Green-Album "Lay It Down", das im nächsten Monat erscheinen wird, ist Chalmers als Gitarrist ebenfalls mit von der Partie. Zwei nette YouTube-Videos vom Funk-Jazz-Musiker D'Angelo mit Chalmers "Spanky" Alford an der Gitarre gibt es bei http://www.youtube.com/watch?v=MgkUBChUzuE   und http://www.youtube.com/watch?v=ygCeBoYD9ps&feature=related zu sehen.

25. März 2008

Dillard Crume verstorben
Gospelsänger, Gitarrist und Bassist Dillard Crume verstarb laut einer Meldung von D.A. Johnson (von Malaco-Records) am Karfreitag, den 21. März 2008. Dillard Crume stammte aus Missouri, wuchs aber in Chicago auf, da seine Eltern mit ihren 10 Kindern dort ein besseres Auskommen fanden. In seinen Jugendjahren trat Dillard der "Crume Brothers" (der Gospelgruppe seiner Brüder Arthur und Leroy Crume) bei und fand in der Folge bald auch je einen Job als Gitarrist und Backgroundsänger, zuerst bei den legendären Blind Boys of Mississippi und später bei den Highway QC's. Von Sam Cookes damaligem Erfolg als Popstar angeregt, nahm Dillard 1958 eine R&B-Single für VeeJay-Records auf (die Sam Cooke-inspirierte Ballade "It's You I Love" und ein DooWop-Knaller namens "Rock'n' Roll Boogie"). Dies war der Anfang eines mehr wie 10 Jahre dauernden Karriereabschnitts im weltlichen Blues, R&B und Soul, dem bald auch seine Brüder, die Crume Brothers eine Weile lang nachfolgten. Die Singles der nun von Dillard angeführten Crume Brothers für Chess und Atco Records wie auch Dillards Solo-Single "Save Your Love For Me", die er mit seiner damaligen Band "The Soul Rockers" für Grit-Records einspielte, bieten alle erstklassigen, typischen Sixties-Southern Soul. Blues-Bass-Legende Willie Dixon holte Dillard zu jener Zeit gelegentlich auch ins Studio von Chess-Records als Sessionmusiker und schickte ihn 1967 als Ansager und Begleitbassisten mit dem "American Folk Blues Festival" auf Tournee nach Europa. In den späten Sixties nahm Dillard noch das Album "Dillard Crume and The Soul Rockers - Singing The Hits of Today" für Alshire-Records auf, das 1969 erschien und vier Eigenkompositionen und sechs Covers bekannter Soulhits enthielt. Diese LP war mehr oder weniger das Ende von Dillards Karriere im weltlichen Blues und Soul. Seine Brüder waren schon seit einigen Jahren bei den legendären Soul Stirrers eingestiegen, und Dillard folgte ihnen 1976 und wurde ebenfalls Mitglied dieses berühmten Gospel-Quartetts. Den Soul Stirrers blieb Dillard bis heute treu, obwohl er daneben auch mit einer eigenen Formation "Dillard Crume and The Soul Crusaders" (die er 1998 gründete) aktiv war.
Siehe auch: http://dillardcrume.tripod.com/  sowie unser CD-Review auf der Indie Gospel-Seite

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Big K9 hat auf seiner Website ein neuer Konzertbericht veröffentlicht: "2008 Millenium Blues Show" in Greenwood, Mississippi mit Vick Allen, Omar Cunningham, J. Blackfoot, Clarence Carter und Denise LaSalle.

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Das Videoclip-Portal YouTube bietet bekannterweise regelmässig viele sehenswerte Clips auch für uns Gospel-, Soul- und Blues-Fans. Schade ist nur, dass YouTube die Videos auf maximal 10 Minuten Dauer beschränkt. In dieser Hinsicht besser bedient wird man bei Google's Videoportal, wo auch Videos längerer Dauer zu sehen sind. Ein besonderes "Schmankerl" und sehr empfohlen für Quartettfreunde ist beispielweise ein knapp 24-minütiges Video eines Live-Konzerts von Tommy Ellison & The Singing Stars.

5. März 2008

Festival Time in Texas
"Solo Zydeco Productions & Budweiser" kündigt für das nächste Wochenende vom 7. bis 9. März ihr alljährlich in Crosby/TX stattfindendes "Solo Zydeco Festival" (früher "Crosby Zydeco Festival") an. Für das im Mai geplante "Crosby Soul & Blues Festival" sind noch keine Details bekannt. Amerikareisende Zydeco-Fans sollten sich auch die drei Tage vom 30. Mai bis 1. Juni 2008 vormerken: In Baytown/TX findet an jenem Wochenende das "Creole Heritage Zydeco & Crawfish Festival" statt.

Italien-Tournee der "Selvy Singers" im kommenden November - Dezember
Die Selvys sind eine sehr gute weibliche Quartettgospelgruppe aus Earle/Arkansas. Ihre geplante Vorweihnachts-Tour durch unser südliches Nachbarland soll laut einer Meldung auf dem "Quartet Central Message Board" drei Wochen dauern. Ob sich wohl einer unserer heimatlichen Konzertveranstalter die Mühe machen wird, diese hörenswerte Formation auch für ein paar Auftritte in die Schweiz zu holen??? Die Musik der Selvy Singers kann auf der American Gospel Quartet Convention-MySpace-Seite sowie auch auf ihrer eigenen  MySpace-Seite angehört werden.

2. März 2008

Seit vor einigen Jahren die englische Sängerin Joss Stone mit Covers alter Soulklassiker einige unerwartete Erfolge verbuchen konnte, haben unterdessen auch andere Ikonen der Rock- und Pop-Welt den Wink erkannt und am Southern Soul/Blues-Sound Gefallen gefunden. Jüngstes Beispiel ist Chan Marshall alias "Cat Power". Ueber die gesanglichen (Soul-)Qualitäten dieser "Diva" möchte ich mich hier zwar lieber nicht äussern. Dass die aus den Südstaaten stammende Sängerin auf ihrem letzten Album "Jukebox" den Song "Aretha, Sing One For Me" gecovert hat, ist aber ein schöner Zug und dürfte sicher den Originalinterpreten dieses Liedes George Jackson sehr gefreut haben. Jackson's Version war 1972 ein kleiner Southern Soul-Hit (Nummer 38 in den schwarzen R&B-Charts), veröffentlicht vom Memphis Label "Hi-Records". Um ihren Produktionen den gewissen "Memphis Soul-Touch" zu verleihen, hat Chan für ihre letzten beiden Alben unter anderen auch die originalen Hi-Records Studiomusiker Mabon "Teenie" Hodges (Gitarre), Leroy Hodges (Bass) sowie Drummer Steve Potts ins Studio geholt, die teilweise schon bei George Jacksons Originalaufnahme mit von der Partie waren. George Jackson ist in der Soul- und Blues-Szene weniger als Sänger, sondern hauptsächlich als Songschreiber bekannt geworden und seit über zwanzig Jahren vorallem als "Staff Writer" bei Malaco-Records tätig. Hören kann man Jackson's Original von "Aretha, Sing One For Me" auf Jacksons MySpace-Seite.

18. Februar 2008

Southern Soul/Blues und Gospel Tipps auf "MySpace.Com"
Das bekannte Künstlerportal "MySpace.Com" wird seit einiger Zeit zunehmend auch von "unsern" Vertretern der Soul/Blues- und Gospelwelt als Promotionplattform genutzt. Deshalb möchte ich auf dieser Infoseite gelegentlich einige entsprechende interessante Künstler-Links auflisten. Hier eine erste kleine Auswahl davon:

Pat Brown
Roni
Monique Ford

Vick Allen
LJ Echols (mit neuster Single "From The Back")
Paul Beasley and The Gospel Keynotes
Hermon Hitson

Tim Woodson
The Violinaires

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Als zusätzliche Info zur kürzlich auf der Review-Seite besprochenen DVD des Lee Williams Projekts "So Much To Be Thankful For" sei noch die entsprechende Live-Konzert-Besprechung empfohlen, die seinerzeit auf der Website von "Gloyland Gospel" veröffentlicht wurde. Siehe hier.

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"JTR-Productions" kündigt für den kommenden 11. Mai das diesjährige (das einundzwanzigste) "Mother's Day Blues Festival" in Laurel, Mississippi an mit Shirley Brown, J. Blackfoot, O. B. Buchana, Omar Cunningham, Vick Allen und Jennifer Watts.

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Das diesjährige New Orleans Jazz & Heritage Festival in New Orleans findet an den beiden Wochenenden vom 25. bis 27. April und vom 1. bis 4. Mai 2008 statt. Interessant dürften dort wie immer die Auftritte lokaler und regionaler Formationen im "Gospel Tent" sein. Ansonsten scheint das Festival (wie meistens in den letzten Jahren) eher auf den gängigen Geschmack des Rock- und Pop-Publikums zugeschnitten zu sein und in Sachen "Southern Soul/Blues" wenig Interessantes zu bieten. Schade! Die Auftrittsdaten der diversen Acts findet man hier.

9. Januar 2008

Die diesjährige "THE BLUES IS ALRIGHT TOUR", veranstaltet von Heritage Entertainment aus Memphis, startet ihre Konzertreihe demnächst am 19. Januar in New Orleans und beendet sie nach 27 Konzerten durch den amerikanischen Süden, den mittleren Westen und durch einige Oststaaten am 30. März in Baltimore/Maryland. Die angekündigte involvierte Künstlertruppe setzt sich zusammen aus: Bobby 'Blue' Bland, Floyd Taylor, J. Blackfoot, Willie Clayton, Mel Waiters, Shirley Brown, Bobby Rush, Marvin Sease, Theodis Ealey, Sir Charles Jones, Jeff Floyd, Roy C, Denise LaSalle, Latimore, Clarence Carter, The Soul Children, Billy Soul Bonds und O.B. Buchana. Nimmt mich nur Wunder, wieviel zeitlicher Raum den einzelnen Sängern für ihre Sets bei einem solch gewaltigen Massenaufgebot an Stars da noch bleibt....

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Die Website BLUESCRITIC.COM hat eben die Auflistung der Gewinner der letzten Southern Soul/Blues Awards-Leserabstimmung veröffentlicht. Das Ergebnis kann auf der entsprechenden Seite angesehen werden.

4. Januar 2008

Dylann DeAnna von der Soul/Blues-Website "Blues Critic.com" betreibt seit einigen Monaten ein eigenes neues Southern Soul/Blues-Label genannt  CDS RECORDS. Erschienen sind dort schon CD-Alben von Charles Wilson ("The After Party") und Dicky Williams & The Ken Massey Group ("I'm Back Again"). Demnächst erscheinen werden dort auch neue Projekte von Stan Mosley ("Man Up") und von Clarence Dobbins ("The Uprising"). Chicago's Soul/Blues-Lady Nellie Tiger Travis und Bobby Stringer sollen bei CDS ebenfalls einen Vertrag unterzeichnet haben.

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Angekündigt wird in Dallas/TX (von der "Greg Buckner Foundation" präsentiert) für den 10. Februar 2008 in der Friendship-West Baptist Church: "The Gospel Heritage Concert" mit einem Superaufgebot an Quartett-Starformationen wie Lee Williams & The Spiritual QC's, The Jackson Southernaires, Rance Allen Group, The Canton Spirituals, Darrell McFadden & The Disciples, The Gospel Legends of Columbia/SC und The Golden Wings of Tupelo/MS

 

© by Chris Lange *** Update July 5, 2009