SOUTHERN-SOUL/BLUES UND GOSPEL
Eine kleine Einführung in den "neuen" schwarzen Blues-Sound

Für Kurzportraits können hier die Bilder angeklickt werden.

The Love Doctor
The Love Doctor
Mel Waiters
Mel Waiters
Bobby Rush
Bobby Rush
Omar Cunningham
Omar Cunningham
Sie produzieren weder Rap, Hip Hop, noch jenen schmalzigen Soul-Pop, der heutzutage als sogenannter "R’n’B" jeweils die Charts erobert; und trotzdem haben sie beträchtlichen Erfolg! Es geht hier um die schwarzen Gesangs-Stars des sogenannten "Chitlin Circuit" (wie die Szene der afro-amerikanischen Musik-Clubs im Süden der USA häufig genannt wird). "Soul/Blues" oder "Southern Soul" heisst die Musik dieser Künstler, deren Fan-Gemeinde treu ergeben ist und sich zur Hauptsache aus erwachsenen Menschen schwarzer Hautfarbe, von denen wiederum die Mehrheit weiblichen Geschlechts zu sein scheint, zusammensetzt. Schwarze Frauen im US-Süden stellen also den Hauptharst des Soul/Blues- oder des Southern-Soul-Fan-Publikums, was vielleicht damit zu tun hat, dass unter den Interpreten dieser Szene wiederum vorallem die Männer in der Überzahl sind...

Diese "neuen" Blues-Stars leben normalerweise ganz bequem von ihrer Musik mit ihren Plattenverkäufen, die oft 5-, manchmal auch 6-stellige Zahlengrössen erreichen. Das sind zwar keine Michael Jackson-Dimensionen, aber immerhin... So ist es kaum erstaunlich, dass das einst so weit verbreitete Vorurteil, "Black-America" würde ausschliesslich nur noch dem "Rap" frönen und Blues, Soul und Gospel als "bewältigte Vergangenheit" zum Teufel schicken, nun langsam, aber sicher ins Wanken gerät. Dem alten Vorurteil huldigen heute höchstens noch ein paar unbelehrsame Vertreter der grossen Schallplatten-Firmen, weil ihrer Ansicht nach die Soul/Blues-Musik kein "Crossover"-Potential besitzt, d.h. eine rein "schwarze" Angelegenheit zu sein scheint und nicht wie beim HipHop oder Rock-Pop weltweit den Leuten untergejubelt und in Multimillionen von Dollars umgesetzt werden kann. Das "Underground"-Mäntelchen der Soul/Blues-Szene hat aber, wo in unserer Zeit doch alles an den Durchschnitts-Geschmack angepasst sein muss, durchaus auch seine positiven Seiten! So bieten eine ganze Reihe von unabhängigen Radiostationen quer durch den Süden der USA Minoritäten-Programme an, die sich an die "African Americans" richten und mit viel Southern-Soul, Blues und Gospel-Musik noch eine echte Alternative darstellen zu den gewöhnlichen Pop-Radios, welche im Besitz und unter dem Diktat grosser kommerzieller Multi-Firmen stehen und nur den gängigen HipHop, Countrymusic oder Allerwelthits senden dürfen.
Lee Shot Williams
Lee Shot Williams
Denise LaSalle
Denise LaSalle
Marvin Sease
Marvin Sease
Willie Clayton
Willie Clayton
Beim Wort "Blues" darf man jedoch folgendes nicht vergessen: Wer damit den mit diesem Begriff heute häufig assoziierten weissen Blues-Rock meint und dazu hier Information sucht, wird auf dieser Web-Site eher am falschen Ort gelandet sein. Ganz nach schwarzem Blues-Verständnis geht es beim "Soul/Blues" oder "Southern Soul" weniger "rockig", sondern viel eher "soulig" zu und her. Der Ursprung dieser "neuen" Blues-Musik liegt einerseits im Soul der Sechziger-Jahre, bei den Stimmen von Ray Charles, Sam Cooke, Otis Redding, Marvin Gaye oder Aretha Franklin - und andererseits bei den berühmten Rhythm&Blues-Legenden der 50er-Jahre wie Jimmy McCracklin, Ruth Brown, LaVern Baker, Little Junior Parker, Bobby 'Blue' Bland etc. So sind denn hier in dieser Szene in erster Linie gute Sänger mit Gospel-Stimmen und Gospel-Erfahrung gefragt und weniger die schnelle Fingertechnik auf dem Griffbrett der Gitarre. Auch sind schwarze Bluesfans normalerweise keine Puristen, wenigstens nicht in dem Sinne, wie es bei uns häufig der Fall ist. In der schwarzen Soul/Blues-Szene schert sich wohl kaum einer gross darum, ob diese Musik nun als "Kunst" oder "authentisch" oder sonstwas Spezielles zu gelten hat oder nicht. Hier steht ganz einfach der "Unterhaltungswert" im Vordergrund. Die Fans wollen bei ihren Sängern in erster Linie Gefühle und "Soul" spüren. Wenn diese Dinge stimmen und rüberkommen, ist die Art der Produktion, ob die instrumentale Begleitung dazu nun von herkömmlichen Instrumenten gespielt oder durch moderne Keyboards oder Synthesizers geliefert wird, kaum mehr von grosser Bedeutung. Das Home-Keyboard ist doch heutzutage sowieso längst zum bei jung und alt beliebten "Volksinstrument" geworden wie es früher einmal die Gitarre oder die Mundharmonika war. Der moderne "elektrische" Soul/Blues ist demzufolge also genauso "authentisch" und "echt" wie beispielsweise vor einem halben Jahrhundert der Blues eines B.B. King, Muddy Waters, Lightnin' Hopkins oder John Lee Hooker. Und vergessen wir nicht: Diese erwähnten alten Blues-Legenden hatten mit ihrer während der "fifties" noch als "Rock'n'Roll-Instrument" verschrienen elektrifizierten Gitarre anfänglich ja auch ihre liebe Mühe, von den damaligen weissen Musik- und Jazz-Kritikern als "authentisch" akzeptiert und geschätzt zu werden! Missinterpretationen solchen Stils gab es sogar noch anfangs der 70er Jahre, beispielsweise als damals am schweizerischen Montreux-Jazz-Festival die legendären "Meters" aus New Orleans ihrer funkigen Spielweise wegen von sturen Blues-Fundamentalisten als "Rock'n'Rollers" ausgebuht und ausgepfiffen wurden. Fazit: Wer die elektronischen Vorurteile erst einmal etwas hinter sich gelassen und sich an den neuen Sound gewöhnt hat, kann im modernen Soul/Blues eine ganz andere, faszinierende Welt der "Blackmusic" jenseits der üblichen Mainstream-HipHop/Rap-Schiene entdecken. Die heutigen ganz grossen Blues-Helden im "Schwarzen Amerika" heissen Marvin Sease, Peggy Scott-Adams, Bobby Rush, Tyrone Davis, Jeff Floyd, Willie Clayton, Mel Waiters, Sir Charles Jones etc. Und ist schwarze Gospelmusik nicht ganz einfach auch eine Form von Soul und Blues, nur mit religiösem Text?
Tommy Ellison and The Singing Stars
Tommy Ellison
Lee Williams & The Spiritual QCs
Lee Williams
LaShun Pace
La Shun Pace
Rev. Andrew Cheairs & The Songbirds
Rev. Andrew Cheairs
Leider ist es bei uns in Europa mit dem Vertrieb guten CD-Materials im Soul/Blues- und Gospel-Bereich eher schlecht bestellt (im Gegensatz zum gitarrenlastigen "normalen" Blues!). Um diesen leidigen Missstand umgehen und die aktuelle Soul/Blues- und Gospel-Szene trotzdem besser kennenlernen zu können, bietet das Radiohören amerikanischer schwarzer Radiostationen, die ihre Programme auch über's Internet verbreiten, eine elegante Alternative. Freunde von grossartigen schwarzen Sängerinnen und Sängern, ob weltlich oder spirituell orientiert, sollten sich deshalb auf den Radiostationen der auf Seite 2 angeführten Sender-Links unbedingt mal umhören. Nötig ist dafür nur die Installation der gängigen "Players" wie "Real Player", "Media Player", "Quicktime", "WinAmp", "Streamer" etc. Dabei ist eine gute Internetverbindung von Vorteil, wenn möglich ADSL oder über Kabel wie "Hi-Speed" etc (die Telefonkosten fallen so weg) . Man muss auf den entsprechenden Sender-Webseiten dann nur noch die Buttons wie "Live", "Listen Live", "Live Stream", Listen To",  "Listen Now", "On Air" etc suchen und anklicken. Den Audio-Ausgang beim Computer kann man zusätzlich mit einem entsprechenden Kabel mit der Stereo-Anlage verbinden, und das Soul/Blues-Hörvergnügen ist perfekt! Die in der Tabelle auf Seite 2 angegebenen Zeiten beziehen sich auf unsere mitteleuropäische Zeit (im allgemeinen 6 bis 7 Std Unterschied zu den lokalen Sendezeiten in den Südstaaten der USA). Wegen der Zeitverschiebung starten die meisten Programme bei uns deshalb etwa um die Mittagszeit (oft beginnend mit einem Gospel-Set). Einige Sender senden jedoch auch während der Nachtstunden nette Soul/Blues-Shows (z.B. WMPR in Jackson, Mississippi; siehe nächste Seite).
Lynn White
Lynn White
Sir Charles Jones
Sir Charles Jones
Cicero Blake
Cicero Blake
Peggy Scott-Adams
Peggy Scott-Adams
 

SouthernSoulRnB.com - Chitlin' Circuit Southern Soul Music Guide

 

Bobby Rush Revue live
Piazza Blues Festival - Bellinzona/CH

am 26. Juni 2004


Zwei Jahre nach dem Gig von Tyrone Davis gelang es den Veranstaltern des "Piazza Blues Festivals" im süd-schweizerischen Bellinzona einmal mehr, mit Bobby Rush einen der populärsten Stars der amerikanischen schwarzen Southern-Soul/Blues-Szene zu engagieren und auftreten zu lassen. Angesagt auf ein Uhr nachts, eröffnete die mit einem Gitarristen, Keyboarder, Bassisten und Drummer besetzte "Bobby Rush-Blues-Band" mit einigen Minuten Verspätung den Set mit zwei vom Drummer gesungenen 12bar-Blues-Nummern. Und schon war es soweit, dass der Star des "Folk-Funk", begleitet von seinen zwei kurvenreichen Tänzerinnen, in bester Stimmung die Bühne betrat, um sogleich mit seiner energiegeladenen Show loszulegen. Erstaunlich, wie "sportlich" sich der drahtig und wendig wirkende Entertainer trotz seiner 64 Altersjahre zu präsentieren verstand. Als Einstieg in seine Show liess Rush eine erste Aneinanderreihung einiger seiner Funk-Blues-Hits vom Stapel: "What's Good for the Goose is Good for the Gander", "A Man Can Give It", "Wearing It Out" und "Lovin' a Big Fat Woman" waren einige davon, alle solide begleitet von seiner Band und durch attraktives Hüft-Wackeln der beiden Dance-Ladies unterstützt. Dann griff Rush zu seiner chromatischen Harp und wechselte vom Blues-Funk zum eher traditionellen 12bar-Chicago-Blues. Wir nehmen an, dass dies eine kleine Konzession ist an sein neugewonnenes, weisses Bluespublikum. Mit seiner Behauptung, 1951 (!) die erste Platte für Chess-Records aufgenommen und von Willie Dixon Songs erhalten zu haben, die er dann grosszügig an Muddy Waters weitergegeben haben will, driftete der Star ein wenig ins Fabulieren und Geschichtenerzählen ab. Als "Beweis" für's Gesagte folgten sogleich einige Muddy Waters-Klassiker wie "Hoochie Coochie Man"; "Forty Days, Forty Nights"; "Mojo Working" und Howlin' Wolfs "Smokestack Lightnin" in kurzer Abfolge, bevor die Show wieder eher in funkigere Gefilde wechselte mit weiteren Hits und Stücken aus Rushs eigenem Songbook. Beachtlich, wie Rush trotz der vorgerückten Stunde (es war mittlerweile schon etwa halb drei Uhr früh) das zahlreich anwesende Publikum bei Top-Laune und am Ort halten konnte. Das spricht für Bobby Rushs Qualitäten als erstklassigen Entertainer! Der begeisterte Applaus am Ende der "offiziellen" Show wurde dann promt mit einer 20minütigen Extra-Zugabe honoriert, wobei das Ensemble nochmals voll aufdrehte und die beiden Tanz-Damen wacker ihre "butts and hips" shaken liessen in einem zündenden Rhythm & Blues-Medley, angefangen bei Little Walters "My Babe" bis hin zum Rock'n'Roll-Klassiker "Shake, Rattle & Roll" gegen das endgültige Ende des Konzerts kurz vor drei Uhr morgens.

 

Die aktuellen Top 10 Soul/Blues-Hits in den USA am 20. April 2014:

Quelle: SOUL AND BLUES REPORT.COM


Ms Jody Narhaniel Kinble Billy Soul Bonds
I'm Gonna Keep My Love At Home Ms Jody feat. Donnie Ray Ecko
2 Bad Mama Jamma Nathaniel Kimble CDS
3 Cat Daddy Billy Soul Bonds Waldoxy
4 I Got This Record J'Wonn Team Airplay
5 Do You Feel Like Partying Sir Charles Jones feat. W. Clayton Endzone
6 Let Me See You Cha Cha Cha Mel Waiters Brittney
7 Looking For A Lady T. K. Soul CDS
8 Tighten Up Wilson Meadows Brimstone
9 Shake That Belly Pat Cooley L&L
10 Sexy Ricky White CDS
J-Wonn Sir Charles Jones & Willie Clayton Mel Waiters


Theodis Ealey war mit dem Song "STAND UP IN IT" in der ersten Hälfte des Jahres 2004 während längerer Zeit die Nummer eins in der Sparte "Southern-Soul/Blues". Ursprünglich eine Version vom Titel "I'M THE MAN YOU NEED" aus Ealeys 1992er CD-Album "Headed Back To Hurtsville", wurde der Song durch einen neuen Text zu einer der erfolgreichsten "Party-Blues"-Nummern der letzten Jahre, ganz in der Tradition von Clarence Carters "Strokin" oder Marvin Seases "Candy Licker";

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Theodis Ealey

Theodis Ealey war in den vergangenen Neunziger-Jahren beim renommierten Blues-Label "Ichiban-Records" unter Vertrag und war "live" damals auch in unseren schweizerischen Jazz- und Blues-Clubs ein häufig und gern gesehener Gast. Mit seinem aktuellen "Comeback"-Höhenflug erlebt er momentan zu Hause sowas wie seinen zweiten (musikalischen) Frühling!

LONG LIVE BLACK SOUTHERN SOUL/BLUES-MUSIC!

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© Chris Lange *** update May 4, 2014