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Wenn Geniesser Tiere leiden lassen
Christine Krättli

«Tierschutz geht auch durch den Magen». Mit diesen Schlagzeilen erschien eben das neue offizielle Organ des Schweizer Tierschutz STS, «Tierreport». Diese erste Ausgabe öffnet manch einem nicht nur den Blick in die kulinarische Folterkammer, sondern auch für andere Tierquälereien.

Weihnachten, das Fest der Freude, ist auch ein Fest der Genüsse. Man gönnt sich etwas Besonderes auch auf dem Festtagstisch. Was darf es denn sein? Foie gras, Kaviar, feines weisses Kalbfleisch, Lachs? Wissen Sie, wie die Tiere leben und leiden mussten, damit Sie geniessen können oder es bereits getan haben? Haben Sie gesehen, wie Gänse und Enten gestopft werden, damit die Leber rasch heranwächst? Sehen Sie die Kälbchen, die in Boxen gemästet werden, damit ihr Kalbsbraten besonders fein schmeckt und das Fleisch schön weiss bleibt? Kennen Sie den langen Weg der «Zutaten» zu ihrer Festtagssalami? Haben Sie Bilder gesehen vom Transport der Esel, Rinder, Pferde, Schweine, Schafe und Hühner durch ganz Europa, damit sie als Wurst oder Schinken auf dem Teller landen? Wussten Sie, dass letztes Jahr 84 Tonnen Froschschenkel alleine aus Indonesien importiert wurden?

Ich will die Liste dieser grausamen Genüsse nicht noch verlängern, um Ihnen den Appetit ganz zu verderben. Doch sei die Frage erlaubt: Müssen Tiere wirklich so entsetzlich leiden, nur damit wir Menschen unsere Genüsse befriedigen können? Müssen Tiere leiden oder gar aussterben, nur weil es schick ist, ihren Pelz zu tragen? Haben wir ganz vergessen, dass Tiere beseelte Wesen sind, die Schmerz, Kälte, Hunger, Durst, Angst und Einsamkeit fühlen?
Im Jahre 2000 wurde die Initiative «Tiere keine Sache» innert kürzester Zeit verwirklicht und beim Bund eingereicht. Diese Initiative war eine klare Antwort auf die Abstimmung im Nationalrat Ende 1999, die sich gegen das Interesse der Tiere gerichtet hatte.

Diesen Fingerzeig des Volkes müssen unsere Parlamentarier ernst nehmen. Wir können in unserem eigenen Interesse nicht weiter so mit den Tieren umgehen. Es genügt nicht, dass uns bloss wegen BSE  und den möglichen Folgen der Appetit auf Rindfleisch vergeht. Es sind alle Tiere betroffen, die gegen die Natur gehalten und gefüttert werden.
Schliesslich danke ich namens aller Tierfreunde all denjenigen Landwirten ­ und es werden Gott sei Dank immer mehr ­ die Tierquälereien nicht mehr länger ertragen können und denen das Wohl der Tiere am Herzen liegt. Sie haben begriffen, dass es sich bei den Tieren nicht einfach bloss um Lieferanten von so genannten Produkten handelt.

Fragen Sie, liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie tierische Produkte kaufen, nach deren Ursprung und beachten Sie die Labels für tiergerechte Haltung. Seien Sie kritisch und unterstützen Sie Landwirte, Geschäfte und Gastbetriebe, die auf die Tiere und deren Bedürfnisse Rücksicht nehmen.

Mit frdl. Genehmigung der Autorin und der Zeitung «Obersee Nachrichten»
 

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