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Lieben Tierschützer auch Menschen?
Christine Krättli

Beim Unterschriften sammeln für die Petition «Tieranwalt» und die Initiative «Tiere sind keine Sachen» wurden wir Tierschützer immer wieder gefragt, ob es nicht viel wichtiger wäre, sich für die Menschen einzusetzen. Es gebe doch so viele arme Kinder, Kranke, Betagte und Behinderte, die unsere Hilfe weit mehr bräuchten als Tiere. Soll man das Geld besser für Menschenhilfe verwenden?

Sicher ist es für viele schwer nachvollziehbar, wenn ihnen Menschen begegnen, die den Eindruck erwecken, Tiere würden ihnen mehr bedeuten als Menschen. Diese Leute wenden für Tiere erkleckliche Geldsummen auf und verzichten auf Ferien im Ausland sowie auf manche Freizeitvergnügen.  Die gleichen Zweifler wollen auch nicht begreifen, dass sich Tierschützer für das Wohl der Tiere engagiert einsetzen.

Aus der Sicht des Tierschutzes müssen Tiere artgerecht gehalten werden. Dabei dürfen wir keine Kosten scheuen. Leider hapert es da und dort bei der Haltung von Heim-, Nutz- und Zootieren.
Wenn wir daran denken, was die Tiere für uns Menschen leisten, dann haben sie sehr wohl das Recht auf Schutz und Sorge. Wir essen Fleisch, Fisch und Geflügel; wir vertilgen Eier und Milchprodukte; wir lassen uns von Hunden beschützen, reiten auf Pferden und vergnügen uns in Zoos beim Anblick von Tieren. Wir tragen Kleider aus Leder und Wolle und verwenden Medikamente, die nur dank Tieren entwickelt werden konnten. Auch vergesse ich nie mehr die ältere Dame, die mir erklärte, dass sie nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes von ihrem Hund mehr Trost erfahren habe als von ihren Mitmenschen.

Tiere, besonders Hunde und Katzen, leisten uns Gesellschaft, vermitteln Kontakte zu anderen Menschen und helfen bei Therapien, bei physischen wie bei psychischen Problemen. Zu den bekanntesten Helfern auf diesem Gebiet zählen die Blinden- und Therapiehunde.
Nobelpreisträger Konrad Lorenz, ein berühmter Verhaltensforscher, sagte: «Die Natur und die Tiere brauchen uns nicht, aber wir Menschen brauchen die Natur und die Tiere.» Er setzte sich zeitlebens engagiert für die Tiere und ihre Umwelt.

Während des Zweiten Weltkrieges half der St. Galler Polizeihauptmann Paul Grüninger tausenden von Menschen über die Grenze und bewahrte sie so vor dem sicheren Tod. Deswegen verlor er seine Stelle und erhielt später keine Pension. Was viele nicht wissen: Er stand jahrelang als Präsident dem Kantonalverband St. Gallischer Tierschutzvereine vor.


Nicht nur diese beiden prominenten Persönlichkeiten liebten die Menschen, auch die meisten weniger bekannten Tierfreunde tun es: Nur wer Tiere richtig liebt, kann auch Menschen richtig lieben und umgekehrt.

Mit frdl. Genehmigung des Autoren und der Zeitung «Obersee Nachrichten», September 2000
 

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