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Krankheiten auf Millimetern, Zecken
Zecken sind wieder aktiv ?
Als Beispiel: Ärzte empfehlen Impfung für alle im Linthgebiet Kanton SG, Schweiz 
Nadia Bächi

Sie gelten als gefährliche Krankheitsüberträger, sind gerade einmal 0.5 Millimeter gross und werden jetzt, im Frühjahr, wieder aktiv: Zecken. In diesem Jahr empfehlen Ärzte die Impfung gegen die von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME, Hirnhautentzündung) erstmals nicht nur für Risikogruppen, sondern grosszügig für die ganze Bevölkerung.

Der Wald um Rapperswil SG, Jona SG und Rüti ZH gilt bereits seit Jahren als möglicher FSME-Naturherd. Die Parole der Ärzte lautete aber bisher, nur so genannte Risikogruppen zu impfen ­ also Leute, die sich regelmässig in Wäldern aufhalten wie Jogger, Hundehalter oder Forstarbeiter. Aufgrund neusten Erkenntnissen in der Zeckenforschung wird die Impfung jetzt aber grosszügiger bei der gesamten Bevölkerung empfohlen.

Noch kein Zeckengebiet

«Das Problem ist, dass sich ein FSME-Gebiet gar nicht genau festlegen lässt», erklärt Dr. Michael Grob, Arzt in Rapperswil. «Zecken gibt es überall. Daher ist es bei Infiszierungen praktisch unmöglich zu sagen, wo sie stattfand.» Als Beispiel nennt Grob den Wald um Rapperswil: «Seit Jahren gilt unser Gebiet in der Statistik als FSME-Naturherd. Tatsache ist aber, dass es hier in den vergangenen fünf Jahren gerade einen einzigen Fall einer FSME-Infiszierung gegeben hat ­ und bei einem Fall kann man unmöglich schon von einer Epidemie sprechen.» Trotzdem empfiehlt der Rapperswiler Arzt auch im Linthgebiet die FSME-Impfung. «Das Linthgebiet ist im Moment noch kein Zeckengebiet. Wer sich aber nicht sicher fühlt, der sollte sich lieber impfen lassen.»

Impfstoff in Amerika

An FSME erkranken in der gesamten Schweiz jährlich 20 bis 30 Menschen. Dem gegenüber stehen 3000 bis 5000 Lyme-Borreliose-Erkrankte. Diese bakterielle Erkrankung wird ­ im Gegensatz zu FSME ­ von praktisch allen Zecken übertragen. Nach dem Zeckenstich verbreiten sich die Erreger im ganzen Körper und greifen Gelenke, Muskeln, Sehnen, Hirn, Hirnhäute, Rückenmark, Nerven, Hautstellen oder das Herz an. Gegen Lyme-Borreliose gibt es zur Zeit noch keinen Impfstoff. Sie kann jedoch bei rechtzeitigem Erkennen mit Antibiotika behandelt werden. «Wird Lyme-Borreliose aber nicht frühzeitig erkannt, kann es zu schweren Hirnhautentzündungen und sogar zur Invalidisierung kommen», meint Norbert Satz. 
In den USA und in Kanada gibt es seit kurzem einen Impfstoff gegen diese von Zecken übertragene Krankheit. «Hier in der Schweiz wird es allerdings noch mindestens fünf Jahre dauern, bis wir ein ähnliches Produkt auf dem Markt haben», erklärt Satz. «Das Problem ist, dass wir in Europa andere Erregertypen haben als in Amerika. Hier bräuchten wir praktisch für jede Region einen eigenen Impfstoff.»

Am besten einen Sombrero

«Gegen die Lyme-Borreliose schützt eigentlich nur gute Kleidung», meint Michael Grob. Aus Angst vor Austrocknung halten sich Zecken vor allem im Sommer am feuchten Boden auf. Trotzdem reichen hohe Schuhe oder lange Hosen nicht aus, um 100prozentigen Schutz zu bieten. «Wer einmal im Wald ins Gegenlicht sieht, entdeckt, wieviel da von den Bäumen herunterfällt, auch Zecken», so Grob. "Auch bei meinen Patienten sind Zeckenstiche oft an der oberen Körperhälfte.Man müsste also fast einen Sombrero tragen, um rundum geschützt zu sein. Wer sich also vor Zecken schützen will, tut dies am Besten gleich doppelt: mit der Impfung gegen FSME und mit guter Kleidung gegen die Lyme-Borrelios

Wenn die Zecke zusticht...
Was tun bei einem Zeckenstich?

Wegen eines Zeckenstiches muss der Arzt noch nicht aufgesucht werden. Um die Zecke zu entfernen, fasst man sie hautnah mit einer Pinzette oder dem Fingernagel und zieht sie gerade (nicht drehen) hinaus. Entgegen früherer Meinung darf die Zecke vor dem Ziehen nicht mit Öl, Feuer oder Druck vorbehandelt werden. Treten in den Wochen nach einem Zeckenstich grippeartige Beschwerden, Kopfweh, Hautrötungen oder Gelenkbeschwerden auf, könnte eine Zeckenerkrankung (FSME oder Lyme-Borreliose) vorliegen ­ in diesem Fall sollte man seinen Hausarzt aufsuchen. (nb)

Mit frdl. Genehmigung der Autorin und der Zeitung «Linth»

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