Verloren,
ausgesetzt oder entsorgt?
Christine
Krättli
Warum
lassen ungezählte Hundehalter ihre Vierbeiner immer wieder ohne Hundemarke
frei herumlaufen? Bei mir wurde innert kurzer Zeit ein Hund viermal abgegeben,
weil er offensichtlich einen grösseren Ausflug unternommen hatte,
besorgte Tierfreunde aber glaubten, er sei ausgesetzt worden.
Könnte
man Katzenfreunde nicht überzeugen, ihre Stubentiger mit einem Chip
zu versehen, damit sie problemlos identifiziert werden können; denn
bei uns werden oft die dieselben Katzen mehrmals als so genannte Findlinge
abgegeben. Dabei stellt sich meistens heraus, dass die gefundenen Stubentiger
sehr wohl ein Heim besitzen.
Felizian
Kuster, Bezirkstierarzt, Eschenbach
Aus
eigener Erfahrung weiss ich, dass etliche Hundebesitzer wohl die Marke
bei der Gemeindeverwaltung abholen, aber nicht am Hundehalsband befestigen,
sondern im Portemonnaie versorgen. Denn sie sind sicher, dass ihre Lieblinge
nicht davonlaufen. Dennoch werden oft Hunde aufgefunden, die einem «interessanten»
Artgenossen nachgelaufen sind oder sich sympathischen Wanderern angeschlossen
haben. Wenn dann die Marke fehlt, wird es schwierig und aufwändig
Herrchen oder Frauchen ausfindig zu machen. So begleitete beispielsweise
vor nicht allzu langer Zeit ein junger Hund eine Wandergruppe von Wald
ZH bis nach Schmerikon und war zu keiner Zeit zu überzeugen, den Rückweg
anzutreten. Da Herrchen sofort die Polizei, seinen Tierarzt und den Tierschutz
eingeschaltet hatte, konnte der Ausreisser gleichentags wieder nach Hause
fahren.
Zurzeit
sucht eine Hundehalterin aus Reichenburg ihren braunen Pudel, der sich
während des Gassigehens einem netten Herrn angeschlossen hat - und
der glaubte wohl, das «arme» Tier sei ausgesetzt worden. Aufgetaucht
ist der Hund noch nicht.
Allen
Hundebesitzern empfehle ich, entweder die Marke am Hundehalsband zu befestigen
oder ihren vierbeinigen Freund mit einer elektronischen Hundemarke,
d. h. mit einem Chip, zu versehen. Jeder Tierarzt kann den Hundebesitzer
beraten und den Eingriff vornehmen.
Auch
bei Katzen wäre eine Markierung sinnvoll. Freilaufende Büsis,
besonders Kater, beanspruchen oft ein ziemlich grosses Revier. Da kann
es vorkommen, dass ein Kater, dem es im Quartier zu eng, zu unruhig oder
bloss zu langweilig ist, auf Wanderschaft geht und es sich an einem anderen
Ort bei Katzenfreunden gemütlich macht. Es liegt nicht immer an schlechter
Haltung und fehlendem Futter, wenn Miezen «auswandern». Darum
werden sie - was in jüngster Zeit öfters vorgekommen ist - hin
und wieder mehrmals gefunden.
Allerdings,
der Tierschutz muss sich öfters mit tatsächlich ausgesetzten
Tieren befassen. So versuchen Tierfreunde seit Tagen, ein im Schmerkner
Wald ausgesetztes Zwergkaninchen einzufangen.
Schildkröten,
Meerschweinchen, Hamster, Vögel und vor allem Katzen werden oft ihrem
Schicksal überlassen, weil die Pflege bei Abwesenheit oft teurer zu
stehen kommt als die Anschaffung eines neuen Tieres.
Mit
frdl. Genehmigung der Autorin und der Zeitung «Obersee Nachrichten»

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