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Die Reaktion der Tiere auf Musik
Dr. Yair Schiftan

Wenn man die Musik von der neurophysiologischen Seite anschaut, d.h. aus der Sicht unserer Nerven und Körperfunktionen, dann ist sie ein akustisch hörbarer Spiegel unserer Körperrhythmen, denn um diese Musik zu erzeugen müssen wir unsere Nerven und Körperfunktionen aktivieren. Als Zuhörer übernimmt man diese Rhythmen und die bewirken, dass der hörende Organismus in diesen Rhythmen mit schwingt. 

Genauso passiert es auch mit unseren Tieren. Die Tiere übernehmen die stimulierenden Signale der Musik als fühlende und agierende Wesen und ihr Körper reagiert entsprechend. Es bedeutet aber nicht, dass den Tieren alle Musikstücke gefallen. Letztens ist ein Fall aus Kopenhagener Zoo bekannt geworden, neben dem ein lautes Rockkonzert veranstaltet worden ist und als Folge davon eine Antilope am nächsten Morgen an Stress starb. Oder die Nachricht aus der Presse, dass man in England bei der British Airways, um die Vögel vom Flughafen zu verscheuchen die Lieder von Tina Turner einsetzt. Beide Fälle sind nicht als Wertung zu verstehen sondern als gutes Beispiel dafür, dass auch Tiere ihren eigenen Musikgeschmack haben. 

Bei mir in der Praxis lasse ich Mozart mit Katzenschnurren häufig laufen, was anscheinend den Katzen sehr gut gefällt, da sie schon im Wartezimmer zu schnurren beginnen und auf dem Untersuchungstisch ruhiger sind.  Die Methode Musica Medica, die ich entwickelt habe, beruht auf der Tatsache, dass wenn wir Musik hören und gleichzeitig ihre Vibrationen auf dem Körper spüren, sich ihre Wirkung um ein Vielfaches verstärkt. Somit lege ich die Tiere auf eine vibrierende Musik-Box, mit oder ohne Käfig. 

Die Versuche, die ein Tierarzt durchgeführt hat, zeigen, dass sich Katzen schon nach ca. 3-4 Minuten so weit entspannt haben, wie sie ohne Musica Medica-Behandlung nach 30 Minuten wären. Damit steht uns eine Möglichkeit offen, mit deren Hilfe man Katzen und Hunde z.B. vor chirurgischen Eingriffen beruhigen kann und sie so die Narkose besser überstehen.

Der erste Fall vom Einsatz der Musica Medica in der Tiermedizin ist mir bis heute in guter Erinnerung geblieben. Die vibrierende Musik-Box für behinderte Kinder wurde gerade von mir in der Praxis getestet, als man mir eine Katze im Schockzustand (flache Atmung, keine Reaktionen) nach einem Autounfall gebracht hat. Intuitiv legte ich sie auf die Musik-Box, die Mozarts Violinkonzert spielte. Dazu bekam die Katze Infusionen und die üblichen Medikamente. Nach ein paar Minuten, sozusagen auf Musik gebettet, begann sie mit den Ohren zu spielen und das Köpfchen zu heben. Alles Anzeichen dafür, dass sie den Schockzustand überwunden hatte. Die Katze erholte sich schneller als üblich und dieses Erlebnis ermutigte mich die Sache weiter zu verfolgen.

Es gibt nicht sehr viele wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse darüber, ob tatsächlich Mozart im Stall die Milchleistung steigert ­ aber ich glaube, dass die Milchleistung auch nicht als Kriterium dienen sollte. Es geht um mehr als das, es geht um das Wohlbefinden der Tiere, die in unserer Obhut sind. Und wenn man sie schon ihrer natürlichen Umgebung und Anregungen beraubt hat, dann kann man sie mindestens akkustisch einstimmen, ihnen ein besseres Gefühl vermitteln.

Bei uns Menschen machen das die Einkaufszentren mit der Hintergrundmusik mit grossem Erfolg. Wir sind dann so gut eingestimmt, dass wir bis zu 20% mehr Geld dadurch ausgeben. Bei den Legehennen verbessert sich die Legeleistung mit klassischer Musik bis um 6%, was natürlich für die Hühnerhalter ein wesentlicher finanzieller Faktor ist. 

Die Musik lässt sich bei Tieren somit gezielt positiv einsetzten um sie zu beruhigen:
a) vor der Narkose, beim Aufwachen oder zur Stabilisierung während der Narkose.
b) bei langen Wartezeiten in fremder Umgebung (Tierarztpraxis)
c) bei langen Autofahrten
d) bei alleine zu Hause gelassen sein

Letztens habe ich einen sehr schönen Fall erlebt. Eine Dame, die bei mir ihre Musik-Therapie hatte (da ich auch Menschen therapiere), wählte die «Vier Jahreszeiten» von Vivaldi als therapeutische Musik. Da sie die Therapie zu Hause machte, kam ihr Kater und legte sich auf ihren Schoss, worauf sie ihm die musikübertragenden Vibratörchen am Körper auflegte. Das ist mit der Zeit zum täglichen Ritual geworden. Als die Katze letztens erkrankte und in die Praxis gebracht worden ist, brachte die Dame ihre Lieblings-CD von Vivaldi mit und forderte mich auf, sie während der Untersuchung abzuspielen, da die Katze sonst schwer anzufassen sei. Was ich dann auch machte und so zu den Takten von den «Vier Jahreszeiten» die Katze störungs- und kratzfrei behandeln konnte. 
Das nächste Mal als sie kam, war es ein wenig hektisch und ich übersprang das CD-einlegen vor der Untersuchung, was mir entsprechende Kratzer, eine verstimmte Katze und eine aufgeregte Besitzerin bescherte.

Sehen Sie, auch bei Katzen sollte man die Macht der Musik nicht unterschätzen. Übrigens, wenn Sie Musik bezogene Erlebnisse oder Photos haben, bin ich ein dankbarer Empfänger für jede Information ­ schicken Sie es mir zu. Danke!

Bitte melden Sie Ihre eigenen Erfahrungen an Dr. Yair Schiftan

Fragen, Bemerkungen an den Autoren Dr. Yair Schiftan Rapperswil SG

Mit frdl. Genehmigung des Autoren und der Zeitung «Obersee Nachrichten»