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Allergien bei Tieren
Dr. Stephan Braun

Heuschnupfen-Patienten wissen es schon lange: Jahr für Jahr beginnt im März die grosse Leidenszeit mit brennenden Augen, tropfender, juckender Nase und in gravierenden Fällen auch mit Husten und Asthma. Dies sind beim Menschen die häufigsten Symptome von allergischen Reaktionen auf eingeatmete Substanzen. Dass unsere Hunde immer häufiger an dieser Krankheit leiden, ist weniger bekannt.

Allergien sind Erkrankungen des Abwehrsystems. Es sind Zeichen einer überschiessenden Reaktion des Immunsystems, die sehr unterschiedlich verlaufen können. Das wichtigste Symptom ist - im Gegensatz zum Menschen-Juckreiz der Haut. Dieser kann unstillbar und so ausgeprägt sein, dass es zu einer massiven Beeinträchtigung der Lebensqualität führen kann, sowohl des Hundes als auch des Besitzers.
Allergien entwickeln sich meistens erst nach dem Welpenalter. Junge, aber ausgewachsene Tiere sind am häufigsten betroffen, jedoch auch noch bei älteren Tieren können Allergien auftreten. Das erste auffällige Symptom ist in der Regel Juckreiz. Fellveränderungen mit Hautrötungen werden oft im Gesicht, an den Zehen, an den Ohren und in der Gegend der Achselhöhlen beobachtet. Oftmals können solche Stellen blutende Kratzspuren zeigen und sich zu nässenden, sehr schmerzhaften Ekzemen entwickeln, was auf die Heftigkeit des Juckreizes hinweist. Da die Anfälligkeit für Allergien vererbt wird, gibt es Rassen, die stärker betroffen sind.
Erste Hinweise für die Ursache, oder die auslösende Substanz, können Zeitpunkt und Ort des Auftretens sein. Sind die Symptome im Frühling und Sommer beim Spazierengehen am stärksten, können Pflanzenpollen der Grund sein. Im Haus können Hausstaub- oder Vorratsmilben sowie Einrichtungsmaterialien die Ursache sein. Treten Hautveränderungen besonders am Rücken auf, sollten Flohbisse als Allergieauslöser abgeklärt werden. Dabei ist nicht eine grosse Zahl von Flohbissen für das Auftreten einer Allergie entscheidend, sondern die hohe, genetisch bedingte Empfindlichkeit auf Flohspeichel.

Eine gründliche Analyse der Lebensumstände und des Auftretens der Symptome ist der Einstieg in die Allergiediagnostik.

Aber auch andere Hauterkrankungen können zu Juckreiz führen. Mit einigen verschiedenen Untersuchungen können diese Krankheiten eingegrenzt werden. Welche Untersuchungen für den jeweiligen Patienten sinnvoll sind, wird der Tierarzt anhand unterschiedlicher Kriterien entscheiden. Es können z.B. Tupferproben hinsichtlich der Besiedelung mit Bakterien oder Pilzen untersucht werden, mit Hautgeschabseln kann nach Parasiten gesucht werden, eventuell können Blut-Untersuchungen gewisse Veränderungen erklären. Eine der wichtigsten Methoden ist die mikroskopische Untersuchung von Stanzproben der Haut. Mit dieser Technik lassen sich sehr viele Erkrankungen erkennen. Wenn alle anderen in Frage kommenden Erkrankungen abgeklärt und ausgeschlossen wurden, wird die Diagnose einer Allergie gestellt.

Weiterführende Allergie-Untersuchungen helfen anschliessend, den tatsächlichen Auslöser der allergischen Reaktion zu eruieren. Hierzu dienen entweder Blut-Tests oder der in der Human-Medizin angewandte Haut-Test (Intracutan-Test). Welcher Test am ehesten zum Ziel führt, wird der Kleintierspezialist entscheiden..

Einen Sonderfall stellt die Futtermittel-Allergie dar. Sie ist deshalb schwierig zu diagnostizieren, weil das Immunsystem des Magen Darm Traktes auf sehr viele Arten reagieren kann. Wirklich sicher kann man nur mit der sogenannten Ausschluss-Fütterung oder Eliminationsdiät sein. Sie ist schwierig durchzuhalten, weil sie absolute Konsequenz erfordert. Dennoch ist die Vermeidung einer anderen als der verordneten Futteraufnahme unerlässlich für eine zuverlässige Diagnose. Dem Patienten sollten dabei während einer vom Tierarzt zu bestimmenden Dauer zwei Nahrungsquellen angeboten werden, die er in seinem bisherigen Leben noch nie erhielt. Als Möglichkeit empfehlen sich Kartoffeln oder Reis und dazu z.B. eine einzige Geflügelart wie Truthahn oder Ente, oder Pferdefleisch. Verschwinden die Symptome, so war wahrscheinlich ein Bestandteil der früheren Nahrung die Ursache des Problems. Das Auftreten der Symptome bei Fütterung der alten Nahrung wäre ein Beweis dafür. Auch wenn diese Ausschluss-Fütterung einfach scheint, so sollte sie doch dringend unter der Anleitung und Kontrolle eines erfahrenen Kleintierarztes durchgeführt werden. 

Oberstes Gebot für Allergiker ist das Vermeiden des Kontaktes mit der allergieauslösenden Substanz, dem sogenannten Allergen. Bei einer Futtermittel- oder Flohspeichelallergie ist dies auch relativ einfach. Bei Allergien gegen Pollen, Gräser oder Hausmilben hingegen, ist dies extrem schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Bei milden Symptomen über kurze Zeiträume gelingt es bei einem Teil der Patienten, die kritische Zeit mit Hilfe von Medikamenten zu überbrücken. Schwierig sind Fälle mit hochgradigem Juckreiz, schweren Entzündungen, Reaktionen gegen mehrere Substanzen und Symptomen über längere Zeiträume oder während dem ganzen Jahr. Bei diesen Patienten sollte dringend eine Hypo-Sensibilisierung in Betracht gezogen werden.
Dabei werden dem Tier über Wochen und sogar Monate die verantwortlichen Allergene in steigenden Konzentrationen injiziert. Auf diese Weise wird das Immunsystem an die Substanz "gewöhnt", welche zur allergischen Reaktion führte. Die überschiessende Abwehr-Reaktion wird dabei abgeschwächt. Diese Hyposensibilisierung wird die Allergie nicht heilen können. Aber sie wird in über 70 % der Fälle die Heftigkeit der allergischen Reaktion so weit herabsetzen, dass die Lebensqualität verbessert wird.

Besitzer von allergischen Haustieren müssen sich vergegenwärtigen, dass ihre Schützlinge an einer schweren Krankheit leiden. Meist ist es eine lebenslange Erkrankung, die aber dennoch eine gute Lebensqualität erlaubt, wenn ein verantwortungsvoller Besitzer und ein versierter Kleintierspezialist sich gezielt dafür einsetzen.

Mit frdl. Genehmigung des Autoren

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