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Aggressionen nicht nur im Tierreich?
Prof. Dr. Yair Schiftan

Mein tägliches Brot als Tierarzt, Bisswunden desinfizieren, Hautrisse nähen, kleine Knochenbrüchen versorgen als Folge von Katzen- oder Hunde -streitereien liessen mich über den Platz, den die Aggressionen im Tierverhalten einnehmen, nachdenken. 

Die Aggression ist notwendig um zu überleben, besonders wenn die Nahrung, die Fortpflanzung und der Lebensraum beschränkt und gefährdet ist. Daraus entwickelte jede Tierart ihre eigenen Rituale und Strategien bei Rangordnungskonflikten. Der daraus resultierende Gewinner hat nicht nur eine bessere Stellung, sondern muss auch für die Sicherheit der Gruppe gegen Aussen sorgen. So verteidigen die Kater ihre Reviere und die Hunde ihre Sippe (zu der sie ihre Besitzer häufig zählen).

Die schrecklichen Folgen der menschlichen Aggressionen in Form von Kriegen und Gewaltakten brachten viele Menschen dazu zu glauben, dass die Tiere in ihrer Umwelt nur das nötigste Mass an Aggressionen anwenden. Dieser Glaube an die heile Welt im Tierreich ist bei mir stark ins Wanken gekommen als ich die Forschungsberichte von der berühmten Schimpansenforscherin Jane Goodall die Jahrzehnte ihre Affengruppe im Dschungel von Tansania begleitete, gelesen habe.

Sie beobachtete, dass Menschenaffen unter anderem auch Jagd machten und junge Affen verspeisten, aber auch andere Affengruppen verfolgten und töteten.

Ihre genauen Aufzeichnungen des Verhaltens der Schimpansen spiegeln erstaunlich präzise unsere menschliche Verhaltensweise im Bereich wie Kindererziehung, soziale Stellung und Diplomatie in der "zwischenmenschlichen -äffischen" Beziehung. 

Als die genetischen Befunde bekannt wurden, dass wir mit den Schimpansen 98,5% der Gene gemeinsam haben sank meine Hoffnung, dass wir Menschen diese biologisch angeborene Aggression jemals in den Griff bekommen.

Es ist nicht ein blindes Schicksal, aber es ist ein schweres Erbe und ich hoffe dass wir diesem Bereich mindestens so viel Aufmerksamkeit für Lösungen schenken wie den schwankenden Börsenkursen.

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    Fragen, Bemerkungen an den Autoren Prof. Dr. Yair Schiftan Rapperswil SG

    Mit frdl. Genehmigung des Autoren und der Zeitung «Obersee Nachrichten»