|
Schweizer Tierschutz STS Die Mode setzt vermehrt auf kleinteilige Pelz-Dekorationen. Denn Kragen, Bordüren und Accessoires aus Pelzteilen sind einfacher zu beschaffen und billiger zu produzieren als ganze, intakte Felle, weil es keine Rolle spielt, wenn die Käfige überbelegt sind und die Qualität der Felle mangelhaft ist. Der Schweizer Tierschutz STS veröffentlichte an einer Medienkonferenz eine aktuelle Dokumentation über die grausamen und artwidrigen Bedingungen in den sogenannten Pelztierfarmen. Die Lügen der Pelzlobby kosten Millionen von Pelztieren das Leben, erklärte Heinz Lienhard, Präsident Schweizer Tierschutz STS, an der heutigen Pressekonferenz. Mit Aussagen wie "Pelz aus artgerechter Haltung" und "echter Pelz ohne schlechtes Gewissen" wollen uns die Modeschöpfer und die Pelzlobby vorgaukeln, dass Pelzmode heute kein Problem mehr sei. Fast alle Nerz- und Fuchsfelle stammen jedoch aus sogenannten Pelztierfarmen, in denen die Tiere zu Tausenden in engen Drahtgitterkäfigen gehalten werden. Heinz Lienhard betonte, eine artgerechte Pelztierhaltung sei in den industriellen Massentierhaltungen nicht umsetzbar. Aktuell in Skandinavien gedrehte Aufnahmen zeigen, wie brutal die kleinen Pelztiere gehalten und getötet werden. Entgegen den beschwichtigenden Versicherungen der Pelzindustrie seien die Zustände nach wie vor schockierend, berichtete der Dokumentarfilmer Mark Rissi. Die Pelztiere werden unter grausamen und total artwidrigen Bedingungen in regelrechten Zuchtfabriken gehalten, Füchse auf einer Gitterfläche von 0.60 m2, Nerze ? flinke, wendige Jäger, die gerne schwimmen und klettern ? in international genormten Käfigen von knapp drei A4-Blättern. Die Zoologin Sandra Gloor berichtete über eine soeben abgeschlossene Studie des Waldamtes der Stadt Zürich und des Zürcher Tierschutzes. Im Auftrag des Wildparks Langenberg klärte eine Arbeitsgruppe die Ansprüche der Rotfüchse für eine artgerechte Haltung ab. Ein reich ausgestattetes Gehege mit vielen Versteckmöglichkeiten, Stellen zum Graben und Scharren, Schlafplätzen und Klettergelegenheiten seien wichtige Voraussetzungen für eine artgerechte Fuchshaltung in Gefangenschaft, hielt Sandra Gloor fest. Die Arbeitsgruppe empfiehlt eine Gehegegrösse von mindestens 100 m2 pro Fuchs. Die gesetzlichen Mindestanforderungen in der Schweiz betragen 60 m2 für zwei Rotfüchse mit Grabgelegenheit. Die drangvolle Enge und das Fehlen von Beschäftigungsmöglichkeiten führe in der intensiven Käfigbatteriehaltung bei Wildtieren zu repetitiven, abnormalen Verhaltensmustern, berichtete die Zoologin Eva Waiblinger, Fachreferentin beim Schweizer Tierschutz STS. Die Tiere tigern hin und her, schlagen Salto, scharren stundenlang am Käfigboden oder beissen in die Gitterwände. Stereotypien und Hirnschäden von Tieren, die in Käfigen gehalten werden, seien grundsätzlich vergleichbar mit jenen bei menschlichem Autismus und Schizophrenie, sagte Eva Waiblinger. ***
Für eine informierte Konsumentin sei Pelz schlicht untragbar. Mit ihrer Teilnahme an der Medienkonferenz wolle sie beitragen, dass die unhaltbaren Zustände in den Pelztierfarmen publik werden. Der Slogan "Pelztragen ist Gewissensfrage" sei heute so aktuell wie nie. Es gäbe unzählige Möglichkeiten, um modische Akzente zu setzen und damit Geld zu verdienen, ohne dass Millionen von Pelztieren dafür gequält und getötet werden müssen. Homepage Schweizer Tierschutz STS
Medienmitteilung des Schweizer Tierschutzes vom 3.10.2003
|