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Wichtig ist, dass man trauern darf
Pr. Dr. med. vet. Yair Schiftan

Mein Rottweiler-Rüde war seit einem Jahr an Krebs erkrankt, er hatte ein bösartiges Geschwür in seiner Schnauze. Der Tumor hatte ein Loch in seinen Oberkiefer gefressen, was zum ständigen Nasenlaufen führte. Von unten kam der eine Tumor und von oben der andere. Laut Tierarzt hatte er keine Schmerzen, was ich aber nicht glauben kann. Um meinem Jungen all das Leid zu ersparen, sagte mir mein Tierarzt, es sei nun der richtige Moment, um seinem Leben ein Ende zu setzen. Ich war bis zur letzten Sekunde bei ihm. Habe ihn in den Tod begleitet. Nun mache ich mir grosse Vorwürfe. Ich komme mir vor wie eine Mörderin. Ich frage mich, was hätte ich tun können, um sein Leben noch etwas zu verlängern? Vor allem fühle ich mich so unendlich schuldig, dass ich zwischen Leben und Tod entschied.
Frau N. aus Pfäffikon

Die Beschreibung der Krankheit, des Leidens und Ihrer Gefühle ist sehr beeindruckend und lebhaft. Die Entscheidung, ob ein Tier leben soll oder nicht, ist schwer. Aber nicht zu entscheiden ist auch eine Entscheidung, und in diesem Falle würden Sie Ihren geliebten Hund zusätzlichen unnötigen Qualen aussetzen. Ich glaube, Ihre Entscheidung war richtig. Ich hätte als Tierarzt und Hundebesitzer das Gleiche getan.

Schöpfen Sie Ihre Kraft aus den schönen Zeiten, die Sie mit Ihrem Hund erlebt haben. Sie sind ein Geschenk, das man nicht in Jahren messen kann. Die Trauer nach dem Verlust eines Tieres unterscheidet sich nicht wesentlich von der Trauer nach dem Verlust eines nahe stehenden Menschen.

Man muss verschiedene Stadien durchgehen, um Trauer zu verarbeiten. Von Nicht-wahr-haben-wollen über das Mobilisieren aller Kräfte, um sie abzuwenden. Dann die Frage nach der Schuld, die nicht selten auch gegen sich gerichtet wird und zu einer Depression führen kann. Wichtig ist, dass man trauern darf, dass man vielleicht ein Ritual durchführt, das vom Tier Abschied nehmen lässt.

Eine Trauer ist auch ein Zeichen einer emotionalen Tiefe, im Sinne einer Fähigkeit, Gefühle zu äussern. Es zeigt, dass Gefühle da sind und man fähig ist, zu lieben – die beste Voraussetzung, die Liebe einmal einem anderen Lebewesen weiterzugeben..

Ich wünsche Ihnen bald den Moment erreicht zu haben, in dem Sie an einen Hund denken, der verzweifelt ein Zuhause und ein gutes Herz sucht.

Fragen, Bemerkungen an den Autoren Prof. Dr. Yair Schiftan Rapperswil SG

Mit frdl. Genehmigung des Autoren