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Dr. Yair Schiftan Die Frage, ob Katzen eigentlich Nutztiere sind, ist natürlich leicht provokativ gestellt, aber sie hat mich schon viele Jahre beschäftigt und meine berufliche Laufbahn beeinflusst. Als Student der Veterinärmedizin
in Zürich Ende der 70er-Jahre verfolgte mich ständig ein Gefühl
der «Unnützlichkeit», da ich mich innerlich auf die Kleintiermedizin
(Hunde, Katzen, Nager, Vögel) eingestellt hatte ? im Gegensatz zu
den «echten Kollegen», die sich für Kühe, Pferde,
Schafe, also die «echten Nutztiere» interessierten. Damals
war es auch so, dass man sehr viel über die Anatomie und Physiologie
der Grosstiere gelernt hat und sich die Informationen über Hunde und
Katzen zusätzlich erfragen musste. Katzen und Hunde waren zwar ein
bisschen besser gestellt, umso mehr aber wurden Kanarienvögel, Kaninchen,
Meerschweinchen usw. als Luxus, im besten Fall belächelnd betrachtet.
Wir brauchen Liebe, und das vermitteln uns unter anderem die Tiere. Heutige Forschungsmethoden sind imstande, diese Feinheiten der Mensch-Tier-Beziehung zu messen. Dabei fand man heraus, dass beim Lösen einer Mathematikaufgabe in Anwesenheit eines Hundes oder einer Katze der Blutdruck viel tiefer ist. Ein Ehekonflikt ist bei Anwesenheit eines Tieres leichter zu überstehen, weniger stressig. Seit kurzem habe ich eine sehr freundliche und anschmiegsame Hündin in meiner Praxis, die jeden Menschen und Patienten ganz individuell begrüsst, womit sich die zwischenmenschliche Situation sofort gelassener und freundlicher gestaltet. Sie bekam deshalb von mir den Spitznamen die «Animierdame», da ihr Entspannungseffekt sicher einem Cüpli gleicht. Ja, die Tierchen tun uns
Gutes. Sie entspannen, erlauben uns unser tiefsitzendes Pflegeverhalten
(Streicheln, Füttern, Säubern) durchzuspielen, und dadurch machen
sie uns menschlicher. Wir sind offener für zwischenmenschliche Kontakte.
Apropos Nutztiere: Ein Kollege, der Schweinemedizin-Spezialist ist, hat sich bei mir beklagt, dass ganz langsam eine verdächtige Leere um ihn entstehe, wenn er an einer Party spontan gefragt werde, was er beruflich mache und er mitteilt, dass er Schweinemedizin betreibe. Ich meinerseits kann mich bei Parties nicht über Gesprächsstoff beklagen, denn es hat sicher der eine oder andere eine Katze, was als «Eisbrecher» sehr nützlich ist. Fragen, Bemerkungen an den Autoren Dr. Yair Schiftan Rapperswil SG Mit
frdl. Genehmigung des Autoren und der Zeitung «Obersee Nachrichten»
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