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Hund
kläfft immer öfter Menschen an
Prof.
Dr. Yair Schiftan
Ich
habe eine fast zweijährige Spitzmischlingshündin, wobei niemand
weiß,
welche
Rassen in ihr vereint sind. Der Spitz ist jedoch äußerlich,
sowie
auch
im Verhalten ziemlich dominant.
Ich
habe Sie schon mit 6 Wochen geholt. Ich weiß, daß das eigentlich
zu
früh
ist, aber die Familie hätte sie sonst an jemand anderen abgegeben.
Die
Jungen
haben schon gefressen und die Mutter hat sie nicht mehr gesäugt. Sie
ist
frei auf einem Bauernhof in einer Scheune ganz unbedarft aufgewachsen,
es
war auch ihr älterer Bruder anwesend, aus zwei Würfen davor,
der rührend
die
Vaterrolle übernommen hatte. Er ging ganz schön rauh mit den
Welpen um
und
hat sie dazu gebracht, sich zu unterwerfen. Auch waren viele Kinder auf
dem
Hof, die mit den Welpen gespielt haben.
Mein
Problem ist nun, daß meine Hündin furchtbar mißtrauisch
gegenüber
Menschen
ist, besonders gegen Männer. Dabei stört mich am meisten, daß
sie
dann
jeden anblökt. Sobald jemand sich auffallend verhält, ist es
für sie
gleich
ein Grund loszukläffen. Ich habe ihr das jetzt strickt verboten und
es
klappt auch schon ganz gut. Sie bellt jetzt nur noch, wenn sie
angesprochen
wird. Sie ist ein sehr hübscher Hund und viele Menschen haben
gefallen
an ihr, doch sobald jemand die Hand nach ihr ausstreckt um Kontakt
mit
ihr aufzunehmen, fängt sie an zu bellen. Das Verhalten legt sie
wirklich
schon seit der sechsten Woche an den Tag. Ich muß dazu sagen, daß
sie
ansonsten eine wirklich selbstbewußte Hündin mit einem einwandfreien
Sozialverhalten
unter Artgenossen ist. Ich selbst bin auch eine erfahrene
Hundehalterin
und habe auch schon damals die Prägephase ausgenutzt, um sie
an
alles heranzuführen, was sie später leisten soll. Habe
ein
Marktgeschäft
mit Silberschmuck und nehme sie immer zu allen Veranstaltungen
mit.
Der ganze Rummel dort macht ihr gar nichts, selbst ein Feuerwerk stört
sie
kaum. Jedoch verteidigt sie unseren Stand mit Eifer, sobald jemand
anstatt
von vorne, von der Seite an die Sachen möchte. Auch wenn Fremde
nach
Hause kommen, macht sie solch ein Theater, daß ich sie schon mal
wegsperren
mußte, weil man kein Wort reden konnte. Mir kommt das Verhalten
sehr
wölfisch vor. Was mir auch noch aufgefallen ist, ist daß sie
Spaziergänger
unter Umständen auch nicht links liegen lässt, sonder
linkisch
hinter ihnen hergeht, um den Geruch aufzunehmen. Sie würde das
jedoch
niemals offen von vorne tun.
Meine
Frage ist nun, wo kommt dieses Verhalten her? Hat sie einfach nur
einen
ausgeprägten Schutz und Wachinstinkt, oder noch besonders viele
Urgene?
Und wie verhalte ich mich am besten, ist es richtig, daß ich ihr
das
Ankläffen strickt verbiete? Manchmal geht sie auch knurrend an Leute
vorbei.
Ich möchte sie auch nicht brechen, da sie wirklich ein lieber
selbstbewußter
Hund ist. Ich hab sie früher in der Prägephase wirklich
bewußt
von allen Leuten und insbesondere von Kindern streicheln lassen, da
ich
dieses Verhalten da schon an ihr festgestellt hatte, jedoch wie Sie
sehen
ohne Erfolg. Sie mag es einfach nicht, wenn ihr oder mir jemand zu
Nahe
kommt. Jedoch bei Menschenansammlungen, z. B. in der Stadt oder bei
Festen,
verhält sie sich desinteressiert, auch im Kaufhaus legt sie sich
z.
B. in der Bücherabteilung einfach irgendwo hin und bleibt dann da
liegen
und
beobachtet mich nur die ganze Zeit. Wenn sei dann angesprochen wird
reagiert
sie gar nicht. Das hat sie sich übrigens selbst beigebracht. Das
kläffende
Verhalten legt sie mehr an Plätzen an den Tag, wo die Menschen
vereinzelt
rumlaufen, z. B. Spaziergänger im Wald, die keinen Hund dabei
haben
und dann vielleicht noch laut sind.
Im
großen und ganzen ist sie wirklich ein toller, folgsamer und gelehriger
Hund.
Nur, daß sie die Leute oft so strammstehen lässt!
I.S.
Ihr
Bericht ist sehr detailreich und beinhaltet viele wichtige Informationen.
-
Ihr
Hund benimmt sich sehr selbstbewusst und für einen Hund sehr normal
-
Er
verteidigt sein Revier, seine Gruppenmitglieder und anscheinend hat er
Erfolg, weil alle darauf reagieren und «stramm» stehen.
Da
wir als Menschen die Aggressionen gegenüber den Mitmenschen im Zaum
halten müssen oder wollen, haben wir viele Verhaltensweisen entwickelt,
wie lächeln, einladende Gäste, beschwichtigende Begrüssungsworte,
die die ersten Spannungen bei der Begegnung soweit wie möglich reduzieren.
Dieses
Verhalten hat Ihr Hund noch nicht gelernt.
Die
beste Methode um eine schon ziemlich weit reichende etablierte natürliche
Verhaltensweise zu ändern ist die positive Verstärkung. Positive
Verstärkung bedeutet die gewünschte Verhaltensweise in Ihrem
Fall, das «Nicht Ankläffen», das «Nicht Angreifen»
zu belohnen.
Das
heisst ein Hundebiskuitsäckchen mit sich tragen, die Situationen im
voraus erahnen und den Hund belohnen bevor er auf die Fremden reagiert
und ihn just vorher ablenken durch ein Biskuit und Streicheleinheiten.
Anschreien
oder bestrafen, nach der Tat, kann als Verstärkung von dem Hund verstanden
werden, das heisst sie verstärken das unerwünschte Verhalten.
Sollten
Sie in dieser Do it yourself Methode nicht vorwärts kommen wenden
Sie sich an einen Tierverhaltenstrainer in Ihrer Umgebung.
Fragen,
Bemerkungen an den Autoren Prof. Dr. Yair Schiftan Rapperswil SG
Mit
frdl. Genehmigung des Autoren

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