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Kastration des Rüden wegen Streunens?
Prof.
Dr. Yair Schiftan
Unser
Rüde 5 Jahre Gordon Setter, ist nach 2 verschiedenen Plätzen
und
nach
einem fast 2 jährigen Aufenthalt im Tierheim, nun seit etwas mehr
als
einem Jahr bei uns.
Eigentlich
haben wir keine grossen Probleme mit dem Hund, besuchen auch
eine
Hundeschule und arbeiten täglich mit ihm. Nur, wenn die Weibchen in
der
Umgebung läufig werden, kennt er keine Mauern, Türen und haut
ab. Er
kehrt
nach mehr oder weniger kurzer Zeit wieder zurück (max.1 Std.), dies
wiederholt
sich, wann immer er Gelegenheit dazu findet, bis die Zeit der
Weibchen
vorbei ist. Es gibt auch Zeiten, wo er sich mit Rüden gerne
balgt,
jedoch durch die konsequente Erziehung haben wir dies schon viel
besser
im Griff. Nun haben wir uns «fast» entschieden den Rüden
doch zu
kastrieren,
damit die Streunerei endlich ein Ende findet.
Nur
bin vor allem noch am zweifeln.
Nebst
dem wirklich wunderschönen, glanzvollen Fell, welches durch
die
Kastration vermutlich zu einem etwas stumpfen Fell kommen kann?
Wie
ist die Wahrscheinlichkeit, dass unser Rüde das Streunen lässt?
Frau N.N.
***
Die
Kastration eines Tieres ist häufig mit emotionalen Zweifeln des Besitzers
verbunden. Das häufigste Argument, das zu hören ist: «Dürfen
wir dem Tier das antun, was wir uns nicht antun würden?» Es
ist nicht nur eine tierschützerische Frage sondern auch eine philosophische
Frage mit welchem Recht wir das Schicksal der uns anvertrauten Tieren bestimmen
und verändern. Eine extreme und konsequente Antwort darauf wäre
ein Leben in vollständiger Askese ohne Interaktionen mit der lebendigen
Umwelt. Da wir aber ein Teil der Evolution und biologischen Bestimmung
sind, leben wir in einer Koexistenz mit anderen Lebewesen. Die Koexistenz
bedeutet auch «Fressen und Gefressen werden», aber auch in
einer friedlichen Nutzung der Eigenschaften anderer Lebewesen, unter anderem
auch des Hundes. Damit diese Koexistenz für beide Teile erfolgreich
verläuft braucht es Eingriffe, zum Beispiel, wie die Kastration, dass
der Hund um das Haus bleibt und nicht durch sein Streunen verunfallt oder
eingeschläfert werden muss.
***
Zum
praktischen Teil: Ja, eine
Kastration empfiehlt sich.
-
Ein
Gordon Setter riskiert nach der Kastration ein Babyfell zu bekommen (sehr
starke Unterwolle).
-
Auch
eine gewisse Zunahme an Gewicht mit Veränderung des Aussehens (Rumpf
wird rundlicher) ist zu erwarten, da die Fettverteilung bei kastrierten
Tieren anders funktioniert. Die übertriebene Gewichtzunahme kann man
mit konsequenter Fütterung aber beeinflussen.
-
Das
Verhalten des Tieres verändert sich in Richtung weniger Aggressionen
und schwächeren Geschlechtstrieb, da das Hormon Testosteron, das mehrheitlich
in den Hoden produziert wird, durch die Kastration sich wesentlich
vermindert.
-
Eine
nicht chirurgische, das heisst eine Kastration ohne Eingriff, nur mittels
hormoneller Spritze, wäre auch möglich. Bitte beraten Sie sich
darüber mit Ihrem Tierarzt.
***
Fragen,
Bemerkungen an den Autoren Prof. Dr. Yair Schiftan Rapperswil SG
Mit
frdl. Genehmigung des Autoren und der Zeitung «Obersee Nachrichten»

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