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Dingo oder Wolf als Hundeersatz?
Maja Hulicka-Letsch

Kann man Dingos (oder Wölfe) domestizieren und als Haustier halten? S.D

Es ist noch gar nicht so lange her, da galt es als besonders schick, einen Wolfswelpen oder einen Hybriden aus Wolf-Hund sein Eigen zu nennen. Welche fatalen Folgen diese Modeerscheinung hat, will ich mal kurz und knapp beleuchten. Das Gleiche gilt für Haltungsversuche aller anderen Caniden.

Wolfswelpen exclusiv zu verkaufen! Lockt Sie nicht das Besondere? Haben sie nicht einfach einen Hund sondern einen echten Wolf! So und so ähnlich wurden den Leuten die Tiere engedreht, meist kamen die Tiere aus den östeuropäischen Ländern und sollten hier nun eine neue Heimat finden. Ob die Menschen die sich so ein Tier kauften geeignet waren und die notwendigen Bedingungen erfüllen konnten, interressierte niemanden. Hauptsache das Geld stimmte und die Kasse klimperte munter weiter.

Nun muss man wissen, dass die Fähigkeit individuell zu lernen und sich in einem gemischten Rudel anpassen zu können, auch von der Grösse des Kleinhirnes abhängt. Das Stammhirn "regelt" alles das, was zB. als Instinkt angeboren ist. Das Kleinhirn des Hundes ist nach langer Domestikation deutlich grösser, als das eines anderen Caniden wie beispielsweise Wolf oder Dingo, der irgendwanneinmal angeblich von domestizierten Hunden abstammte.
Unsere Hunde haben auch ein ausgeprägtes Rudelverhalten, das aber immer als «welpenhaft» eingestuft werden muss. Denn der Schritt in das Erwachsenenalter in dem sie wirklich mit allen Konsequenzen austesten wo ihre Stellung im Rudel ist, oder das Töten erlernt haben, fehlt bei unseren Hunden. Sie sind sozusagen so gezüchtet, niemals vollkommen erwachsen zu werden. In den ersten zwei bis drei Jahren ist in der Erziehung Hund und zB.Wolf auch kaum ein Unterschied erkennbar. 

Erst wenn dann das Erwachsenenalter erreicht wird und das Stammhirn die Oberhand gewinnt, denn alles was wichtig ist sollte ein Wolf bis dahin gelernt haben, werden die Unterschiede so deutlich, dass die meisten Menschen ihre Wölfe oder Hybriden schnell wieder loswerden wollten. Wohnungseinrichtungen wurden innerhalb kürzester Zeit total demoliert, Gärten und Häuser als Revier so penetrant verteidigt, dass zum grossen Teil nichtmal mehr die eigenen Besitzer auf ihr Anwesen trauten bis hin zu massiven tätlichen Angriffen seitens der Caniden.Denn sie dulden keinerlei Schwächen! Die Stellenverteilung im Rudel ist nicht statisch sondern wechselt, und jede noch so kleine Schwäche wird zum eigenen Vorteil ausgenutzt, auch im Kampf, auch wenn der Kleine als Welpe noch so lieb und anhänglich war, wird ihn nichts daran hindern, seine Stellung im Rudel zu verbessern, das sichert das Überleben!

Was passiert mit solchen Kreaturen, die dann letztendlich von ihren puren Instinkten geleitet werden, weil genau diese zum Überleben in der Natur wichtig sind, sie aber nie gelernt haben, wie man erfolgreich jagt? Auswildern kann man sie nicht. In der Wohnung oder im Haus sind sie nicht mehr zu halten. In einem Gehege (sofern man eins hat) vegetiert ein einsames Rudeltier dahin, das zum Überleben dringend seine Artgenossen braucht. Ein solches Tier steht permanent unter wahnsinnigem Stress, denn es sieht sein Leben in Gefahr! 

Bitte unterlasst es daher andere Caniden als Haustiere halten zu wollen. ...seinerzeit schlossen sich die Caniden dem Menschen freiwillig an, denn es war eine Nutzpartnerschaft ohne jegliche Zwänge, aber das was heute passiert hat damit nichts mehr zu tun und endet für die meisten mit Zwinger oder Tod.
 

In der Schweiz ist die Haltung von Wildtieren bewilligungspflichtig. Eine strenge, auf die artgerchte Haltung ausgerichtete Ueberprüfung des Halters und der Haltungsbedingungen erfolgt. Dies macht es heute praktisch unmöglich Dingos oder Wölfe privat zu halten.
Dazu kommt, dass Australien die Ausfuhr von Dingos verbietet und der Schweizer Zoll die Tiere nicht ins Land liesse (Anmerkungen TSL).

Fragen, Bemerkungen an die Autorin Maya Hulika-Letsch

Mit frdl. Genehmigung der Autorin