Tierinformationen Hunde Tierschutz News Tierberichte

Der Hund - Freund oder Bestie?
RENATE AMMANN

Plädoyer von Eugen Aeschlimann aus Benken zugunsten des Rottweilers.

Das Image des Rottweilers hat seit dem kürzlichen traurigen Zwischenfall noch mehr Schrammen bekommen. Für die Medien ein gefundenes Fressen, wird doch der negative Touch unwillkürlich auf alle Hunde dieser Rasse übertragen. Dass dies in keiner Weise zutrifft, weiss Rottweilerbesitzer Eugen Aeschlimann aus Benken.

Herr Aeschlimann, Sie sind im Besitz eines Rottweilers, einer Rasse, die seit dem tragischen Zwischenfall im Zürcher Oberland - einem vierjährigen Mädchen wurde das Gesicht zerbissen - noch mehr unter «Beschuss» steht. Wie gehen Sie mit einer solchen Situation um?
Eugen Aeschlimann:
Ich fühle mich durch diesen schrecklichen Unfall sehr betroffen. Wir werden aber unseren Hund deshalb nicht verstecken. Es erscheint mir wichtig, dass ich dazu beitragen kann, ein besseres Bild über den Rottweiler zu vermitteln. Dieses Ziel erreiche ich, indem mein Hund auf unseren täglichen Spaziergängen nicht unangenehm auffällt.

Haben Sie Ihren Hund vom Welpenalter an?
Eugen Aeschlimann:
Ja, im Alter von zehn Wochen kam Arco zu uns, jetzt ist er drei Jahre alt.

Spielt es eine bedeutende Rolle, aus welcher Zucht der Hund stammt?
Eugen Aeschlimann:
Dies ist ein wesentlicher Faktor für die spätere Entwicklung des Hundes. Um die Charaktere der Welpen zu prägen, ist es wichtig, dass sie regen Menschenkontakt geniessen. Die körperliche Zuwendung des Züchters verleiht den heranwachsenden Hunden Sicherheit und Geborgenheit mit der Gattung Mensch. Züchter sollten sich vor allem ihrer Verantwortung bewusst sein und bereits bei der Paarung der Elterntiere wie bei der Aufzucht der Welpen dem Wesen grössere Beachtung schenken als der Schärfe.

Sind Sie ein Hundehalter mit «Erfahrung»?
Eugen Aeschlimann:
In unserer Familie haben wir seit meiner frühesten Kindheit Hunde gehalten. Mit 16 Jahren habe ich mir den Wunsch nach einem eigenen Schäferhund erfüllt. Der Stärke dieses Tieres bewusst, lernte ich den Umgang mit meinem Hund in einer Hundeschule, die ich mehrere Jahre besuchte. 

Halten Sie Arco in der Wohnung oder in einem Zwinger?
Eugen Aeschlimann:
Arco lebt in unserem Haus und teilt, bis auf das Schlafzimmer und Bad, alle unsere Räumlichkeiten mit uns. Es ist sehr wichtig für die Rasse, in der Familie integriert zu sein.

Rottweiler, Dobermann, Bullterrier und auch Schäferhunde sind Rassen mit einer tiefen Reizschwelle, das heisst, sie reagieren relativ rasch auf ungewohnte Situationen. Worauf sollte der Halter achten, dass diese Schwelle nicht ständig erreicht oder gar überschritten
wird?
Eugen Aeschlimann:
Diese Hunderassen besitzen einen natürlichen Schutztrieb, der eigentlich nicht besonders gefördert werden muss. Nimmt man sich täglich genügend Zeit für Spaziergänge, auf denen der Hund das Bedürfnis, sich in der freien Natur zu bewegen, stillen kann, sollten eigentlich keine Probleme dieser Art auftreten. Auch die täglichen Schmuseeinheiten sollten auf jeden Fall einem Tier nicht vorenthalten werden. Mit Schlägen dagegen erreicht man gar nichts. Es ist dann nur eine Frage der Zeit, bis sich die aufgestaute Aggression entlädt und dann meist am falschen Ort.

Was halten Sie vom Maulkorb für unberechenbare Hunde?
Eugen Aeschlimann:
Die Lebensqualität des Hundes mag vielleicht ein wenig eingeschränkt sein, trotzdem befürworte ich die Massnahme. Ein Hundehalter, der ständig in der Angst lebt, der Vierbeiner könnte ausscheren, sendet unbewusst, aber für das Tier spürbare Signale der Unsicherheit.

Nehmen Sie Ihren Hund bei der Begegnung mit anderen Hunden an die Leine?
Eugen Aeschlimann:
Treffe ich auf Artgenossen von Arco, die weder ich noch der Hund nicht kennt, führe ich ihn vorsichtshalber an der Leine. Unter Rüden kann es schon einmal zu Rammeleien kommen, und die möchte ich lieber vermeiden.

Was kann der Hundehalter Ihrer Meinung nach dazu beitragen, dass bei den genannten Hunderassen nicht mehr von Bestien und Kampfhunden die Rede ist?
Eugen Aeschlimann:
Kein Hund wird als Kampfhund geboren, sondern er wird, wie ein Boxer oder Karatekämpfer, über längere Zeit dazu ausgebildet. Den Faktor «Tier» sollte jeder Hundehalter dabei aber nie vergessen. Ein Hundebesitzer muss sich ausserdem darüber im Klaren sein, dass es Mitmenschen gibt, die sich gegenüber Hunden zurückhalten und jede Annäherung als Angriff betrachten. Einen gut erzogenen Hund kann ich in einer solchen Situation zu mir rufen. Und schliesslich liegt die Verantwortung bereits beim Züchter, der gewissenhaft den zukünftigen Hundehalter unter die Lupe nehmen sollte.
 
 

Renate Ammann in der Zeitung «Südostschweiz»
Fragen, Bemerkungen an Renate Ammann: TEL 055 282 039 00,  FAX 055 282 46 01

Besucher