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Die
Welt der Düfte
Dr.
Yair Schiftan
Eine
Stellvertretung bei einem Grosstierarzt führte mich in die liebreizende
Gegend des Zürcher Weinlandes. Einen Monat lang sollte ich hier arbeiten.
Wohnen dürfte ich in dieser Zeit in einem alten Riegelhaus.Ein Bach
rauschte daran vorbei. Romantik allerorten.
Die
Impfungen gegen die Maul-und Klauenseuche bei Rindern konnten an einem
Tag nicht erledigt werden. So war auch der nächste Tag dort oben in
den Bergen mit Impfungen und Hausbesuchen sehr ausgefüllt. Abends
gegen acht Uhr kam ich erschöpft heim.
Im
Wartezimmer der Praxis brannte noch Licht. Ich ging hinein und begrüsste
eine sehr elegant gekleidete Dame mit einem winzigen Yorkshire-Terrier
auf dem Schoss.
Mein
Kleintierarzt-Herz schlug höher: endlich ein vertrautes Tier ohne
Hörner und Hufe.
Beim
Händewaschen erzählte die Damit mir über die Beschwerden
ihres Hündchens:"Er ermüdet auffallend rasch, und schon bei der
geringsten Anstrengung läuft seine Zunge blau an."
Mit
dem Stethoskop um den Hals trat ich auf die Dame und den Hund zu, um das
Herz des Tierchens abzuhören.
Sie
aber machte mitsamt ihrem Hund einen Schritt zurück. Das wiederholte
sich ein paar mal ich trat auf die Beiden zu sie traten zurück.
Ein bizarrer Tanz trieb uns hin und her. Wie sollte ich so das Herz des
Hündchens abhören? Schliesslich fragte ich die Dame: "Stört
sie etwas an mir?" Ein vorwurfsvoller Blick traf mich, als sie auf meine
Kleider zeigte.
An
mir herunter blickend traf mich fast der Schlag und Schamesröte stieg
mir ins Gesicht.
Von
Kopf bis Fuss war ich doch tatsächlich gezeichnet von der Tagesarbeit:
überall Kuhdreck!
Den
Geruch, der an mir in vollem Reichtum vorhanden sein musste, nahm ich selber
schon gar nicht mehr wahr. Aber er musste umwerfend sein.
Was
blieb mir also anderes in dem Moment übrig, als umständehalber
eine «Ferndiagnose» auf Herzinsuffizienz zu stellen und Tabletten
für den Hund zu verschreiben.
Sehr
schnell verliess die Dame die Praxis. Zurück blieb ein sehr angenehme
Duftwolke ihres Parfüms.

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