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Dr.
Yair Schiftan
Eine
Stellvertretung bei einem Grosstierarzt führte mich in die liebreizende
Gegend des Zürcher Weinlandes. Einen Monat lang sollte ich hier arbeiten.
Wohnen dürfte ich in dieser Zeit in einem alten Riegelhaus.Ein Bach
rauschte daran vorbei. Romantik allerorten.
Zu
meiner neuen Lebensgemeinschaft gehörten die beiden Haushunde, Bulli,
eine 12 jährige Bull-Terrier-Dame und der einjährige Maxi ein
Mischling.
Wenn
Bulli stand, war sie einem Fass auf vier Beinen nicht unähnlich. Sie
schlief aber meistens und begleitete diesen Ruheakt mit deftigem Schnarchen.
Sie hatte ein Leiden, das man als Inkontinenz bezeichnet: sie pinkelte
überall hin und hinterliess eine Unzahl kleiner Seen.
Maxi
war eine freche Promenadenmischung mit weissem Fell und zwei schwarzen
Flecken darauf. Er war ein pfiffiges Kerlchen und konnte jede Tür
öffnen.
Lästig
war er, weil er jeden Besucher von hinten anschlich, um ihn dann respektlos
in den Allerwertesten zu zwacken. Läutete es an der Haustüre,
so war er blitzschnell als erster dort, aber durch die Hintertür.
Ich musste mich dann jedesmal auf erschreckte Gesichter gefasst machen,
weil Maxi schon wieder einen Hintern ?Angriff erfolgreich unternommen hatte.
Mit
mir aber ging Maxi freundlich schwanzwedelnd um. Ja, er kam mir sogar jeweils
weite Strecken entgegen gelaufen, bevor ich mit dem Auto auf dem Hofplatz
einfuhr. Ich fühlte mich sehr geschmeichelt ob dieser vermeintlichen
Sympathie. Schliesslich hatte ich Maxi ja auch gern.
Es
dauerte wohl eine Woche, bis ich herausfand, warum Maxi ausgerechnet mich
derart bevorzugt behandelte. Als Vertreter eines Grosstierarztes musste
ich auch viele Bauernhöfe besuchen. Dabei beobachtete ich, die
sich ständig wiederholende Begrüssungsrituale der Hofhunde mir
gegenüber, wenn ich mit dem Auto auf den Hofplatz rollte. Diese Verhaltensweisen
nahm ich seitdem genauer unter die Lupe.
Welche
Rasseschattierungen liefen da meistens zwischen Haus und Stall frei umher?
Berner und Appenzeller Sennenhunde, Bernhardiner und Schäferhunde
fielen mir am meisten auf. Rollte ich mit dem Auto auf den Hofplatz, bellte
der Hofhund erst einmal kräftig den Wagen an. Beim Bellen sehen alle
Hunde furchterregend aus. Und ich musste mir selber immer wieder vor dem
Aussteigen gut zureden:"Die machen Dir doch nichts Böses."
Nachdem
ich dann aus dem Auto gestiegen war, getraute sich der Hund, immer noch
bellend, auf ca. zwei Meter Distanz an mich heran. Von dieser Geräuschkulisse
begleitet rief ich dem herangetretenen Bauern meine ersten Fragen zu und
wählte mein Instrumentarium aus. Sobald ich dann in den Stall entschwand,
fühlte sich der Hund dazu berechtigt, mein Auto ausgiebig zu umkreisen.
Er beschnupperte die Räder und ? jetzt folgt das Wichtigste ? er markierte
jedes der Räder mit seinem Urin.
Dieses
Ritual wiederholte sich auf jedem Hof, wenn ein Hund dort frei herumlief.
Bis zu zwanzig verschiedene Urinergüsse (Markierungen) fuhr ich so
täglich spazieren. War es da nicht verwunderlich, dass ich jeden Abend,
von meiner Tour heimkehrend, vom Maxi herbeigesehnt und schwanzwedelnd
begrüsst wurde? Es musste für ihn jeweils der Höhepunkt
des Tages gewesen sein, wenn die "Lokalzeitung" mit dem letzten "Klatsch"
der Höfe vor dem Haus deponiert wurde. Mir war es eigentlich gleichgültig,
von Maxi als "Lokalzeitung" oder als Freund begrüsst zu werden, wen
er nur mein Hinterteil schonte.

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