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Ente gut, alles gut 
Dr. Yair Schiftan
Pooping Lessons

Eines Tages kommt eine ältere Dame mit einer Kiste in die Sprechstunden. Nach dem Aufmachen der Kiste kommt eine weisse Ente zum Vorschein. Ich glaube, es war die erste Ente, die ich auf meinem Behandlungstisch gesehen habe. Es sind schon Gänse, Hühner, Papageien da gewesen, aber eine weisse Ente noch nie.

Die Geschichte der Ente war von ganz besonderer Art. Sie war mit einer besonderen Missbildung geboren, eine Missbildung der Flügel, deren Spitzen nach vorne zeigten, sodass die Ente auch in einem ruhigen Zustand aussah, als ob sie ihre Flügel nach vorne ausgebreitet hätte. Die Besitzerin der Ente erzählte mir aufgeregt, dass alle anderen Enten, die auf dem Hof waren, diese arme Ente verfolgt hätten. Sie hatten sie attackiert und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Mit grosser Geduld hörte ich mir diese Geschichte an, schaute mir die Missbildung der Entenflügel an und suchte im Gedächtnis verzweifelt nach irgendeinem Präzedenzfall, um hier etwas Kluges und Nützliches zu sagen.

Die Entenmama schien entschlossen, von mir ein Wunder zu erwarten. Sie war familiär vorbelastet, da ihr Grossvater Tierarzt war und sie hatte sowohl von dem Grossvater sowie von dem Beruf Grosses erwartet.

Im Stillen dachte ich mir - damals ass ich noch Fleisch -, dass sich der Patient als ein Hauptmenue mit Orangen eher gut machen würde. "Gnädige Frau", sagte ich. "diese Missbildung ist eine Tatsache und so wie ich es sehe müsste man, wenn man es lösen wollte, operativ vorgehen und das würde sehr viel Geld kosten und den Wert dieser Ente bei weitem übersteigen. "Ich habe Geld," sagte die Frau und holte einen Glasbehälter heraus, der voll mit Münzen und Noten war. "Heute ist mein Geburtstag und ich beschloss, von meiner ganzen Familie das Geburtstagsgeld einzusetzen, um diese Ente operieren zu lassen." Diese Argumente hatten mich überzeugt und ich liess mich auf das Abenteuer ein. Ich machte Röntgenaufnahmen von den Flügeln und stellte fest, dass im vorderen Teil der Flügel auf beiden Seiten tatsächlich der Knochen missgebildet war und wenn ich diesen Teil operativ entfernen könnte, die Ente danach optisch normal aussehen würde, aber sicher nicht fliegen könnte.

Die Entenmama war begeistert und wir vereinbarten den Operationstermin. Am Operationstag kam sie mit der Ente und einem besonderen Geschenk für mich, eine alte Metallspritze für Kühe, die sie im Nachlass ihres Grossvaters fand. Ich setzte der Ente eine Narkosespritze in die Brustmuskulatur ein, die schnell wirkte und durch einen chirurgischen Eingriff entfernte ich an beiden Flügeln die missgebildeten Knochenstücke, nähte die Wunde. Da ich zur Blutstillung einen Thermokauter brauchte, d.h. ein Gerät, dass die Gefässe durch die Hitze versengt, roch es in der Praxis durchgehend nach einem Entenbraten, und die wartende Besitzerin hatte mich schon in Verdacht, dass ich im Operationszimmer heimlich eine Party feiere.

Tatsächlich sah die Ente danach optisch sehr gut aus. Nach zehn Tagen kam die Entenmama überglücklich in die Praxis mit einer Serie von Bildern, die zeigten, wie die Ente wieder ihren Platz von der Entengemeinschaft gefunden hatte. Sie wurde nicht mehr von den andern attackiert oder weggejagt und führte ein ganz normales Entenleben. Es gab sogar ein Photo, wie sie mit den anderen Enten im Teich schwamm. 

Autor Prof. Dr. Yair Schiftan Rapperswil SG