Wildtiere als
Haustiere?
Christine Krättli
Ein kleiner Marder
aus Gommiswald hat die Diskussion angeheizt, ob Wildtiere problemlos gezähmt
und als Haustiere gehalten werden können. Das Veterinäramt in
St. Gallen (die Bewilligungsinstanz für die Haltung von Wildtieren,
Anmerkung SOS Tiere) meint, Wildtiere, vor allem Jungtiere, sollte man
dem Lauf der Natur überlassen. Tierfreunde hingegen möchten verlassene
Jungtiere oft nicht ihrem Schicksal überlassen und sie aufpäppeln
eine sinnvolle Handlung?
Die Verfügung
des Veterinäramtes gegen die Haltung eines jungen Marders in einem
Gehege ist meines Erachtens übertrieben; denn es drohte mit einer
Busse bis 20 000 Franken oder Haft und gar mit der Tötung des Tieres.
Grundsätzlich
gehe ich mit dem Kantonsveterinär einig, dass sich Wildtiere in ihrer
natürlichen Umgebung am wohlsten fühlen. Es ist allerdings eine
Illusion, zu glauben, in Gefangenschaft geborene Wildtiere fühlten
sich stets wohl. Dies stimmt höchstens für Tiere, die durch Zuchtauswahl
sowohl in ihrem Äusseren als auch in ihrem Verhalten an die Vorstellungen
und Wünsche der Menschen angepasst worden sind. Wir sehen dies deutlich
bei den verschiedenen Hunderassen, bei Zuchtkatzen und auch bei verschiedenen
Vögeln. Aber auch bei diesen Tieren orientiert sich das Verhalten
immer am ursprünglichen Wildtier.
So sollte man Tiere,
die in Freiheit in Gruppen leben, nicht einzeln halten. Auch bei Hunden
und Katzen, den beliebtesten Heimtieren, dürfen wir den Urahn nicht
vergessen. Beide stammen von Jägern ab und sind es auch als Heimtiere
geblieben.
In einem Zeitungsartikel
unter dem Titel «Wenns Haustier kriecht und Hasen frisst» war
zu lesen, dass allein in der Region Rorschach Waschbären, Riesenspinnen,
Riesenschlangen und sogar ein Gepard gehalten werden. Es ist schwer nachvollziehbar,
dass für Exoten relativ leicht eine Haltungsbewilligung zu erhalten
ist, bei einheimischen Wildtieren jedoch dermassen restriktiv gehandelt
wird.
Exoten können
bei uns nur in einem künstlich hergestellten Klima überleben.
Was geschieht mit Exoten, wenn sie nicht mehr erwünscht sind? Wir
Tierschützer wissen, dass Schildkröten, Schlangen und zwar
auch giftige exotische Fische und Vögel oft verantwortungslos
entsorgt werden. Was dies für die Tiere, für unsere heimische
Tierwelt und die Natur und für die gefährdeten Menschen bedeutet,
kann man erahnen.
Für einheimische
Wildtiere wird sich der Tierschutz weiterhin einsetzen und verletzten Vögeln,
Igeln, Rehen, Mardern usw. helfen. Auch verlassene Jungtiere überlassen
wir nicht einfach ihrem Schicksal, wenn die Eltern nicht mehr auffindbar
sind. Vergessen wir nicht: An ungezählten Tierschicksalen ist der
Mensch schuld.
Mit frdl. Genehmigung
der Autorin und der Zeitung «Obersee Nachrichten»

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