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Ruhebedürftiger Nachwuchs im Wald, Frühlingszeit - Nachwuchszeit
Fabienne Würth

Ruhebedürftiger Nachwuchs im Wald

Wildtiere sind zurzeit besonders auf Rücksichtnahme angewiesen 
Es kreucht und fleucht wieder im Wald. Vom Mai bis Juli werfen (gebären) die meisten Wildtiere ihre Jungen. Dass sie dabei möglichst wenig vom Menschen und dessen Begleiterscheinungen wie Hunde oder Velos gestört werden wollen, ist nachvollziehbar - aber leider nicht immer selbstverständlich.

Die ersten sonnigen Frühlingstage locken die Menschen hinaus ins Freie. Nach der langen Regenzeit scheint endlich die Sonne wieder und lädt ein, das Leben draussen zu geniessen - hinaus aus den dunklen Wohnungen und hinein in die farbenprächtige Natur. Doch zieht es einen in den Wald, betritt man die Lebensräume der Wildtiere. Die freilebenden Tiere sind das ganze Jahr über auf  Rücksicht angewiesen, ganz besonders aber jetzt im Frühjahr. Denn zurzeit wird der Nachwuchs geboren und aufgezogen.

Fair Play für die Waldbewohner

Damit sich die Tiere nicht gestört oder gar bedroht fühlen, ist es wichtig, bei einem Aufenthalt im Wald einige Verhaltensregeln zu beachten. «Die Wege und markierten Plätze sollten nicht verlassen und Lärm so gut als möglich vermieden werden. Hunde gehören im Wald oder an Waldrändern an die Leine», appelliert Christine Krättli, Präsidentin des Tierschutzvereins Linth, an die Waldbesucher. Robert Walser, Obmann der Jagdgesellschaft Jona und Wildhüter, weist speziell auf die Problematik zwischen Hund und Rehkitz hin. «Wenn ein Hund ein Rehkitz aufstöbert, kann es sein, dass er mit ihm nur spielen will.» Das Rehkitz aber fühlt sich vom Hund bedroht. Zuerst versucht das Reh sich klein zu machen und kauert sich in den Waldboden hinein. Beschnuppert der Hund das Jungtier intensiv, hinterlässt er neue Duftspuren, und das Muttertier nimmt das Junge nicht mehr an. Lässt der Hund nicht von dem Kitz ab, rennt dieses instinktiv davon. Da der Körper des Kitzes noch nicht ausgewachsen ist, strengt ihn dieser Fluchtversuch derart an, dass es an einem Herzschlag sterben kann.

Jagdtrieb in jedem Hund

«Zum Leidwesen der Wildtiere ist vielen Hundehaltern nicht bewusst, dass auch ihr Hund eine Gefahr darstellt», weiss der Wildhüter. «Man geht immer davon aus, dass der liebe und treue Freund niemandem ein Haar krümmen würde. Meistens sind es immer die anderen Hunde, die man fähig für solches hält.» Der eigene Hund sei aber für die Wildtiere genauso eine Gefahr wie der Hund des Nachbarn.
 

Frühlingszeit - Nachwuchszeit

Die Wildtiere sind zurzeit besonders auf Ruhe und Sicherheit angewiesen
Jetzt im Frühjahr wird in den Wäldern der Nachwuchs geboren, auch in unserer Region. Die Wildtiere und ihre Jungen sind in dieser schwierigen Phase besonders auf die Rücksichtnahme der Menschen angewiesen.

«Mittlerweile habe ich manchmal den Eindruck, der Wald gehöre den Bikern, Joggern, Hündelern, ja sogar den Kindergartenausflügen - nur den Wildtieren nicht mehr», meint Christine Krättli, Präsidentin des Tierschutzvereines Linth und Gaster. Womit sie aber nicht sagen will, dass der Wald alleine für die Tiere reserviert sein soll. Vielmehr appelliert sie an die Rücksicht der Menschen, die den Wald besuchen. «Besonders jetzt müssen wir Menschen vermehrt an die Tiere im Wald denken, wenn wir uns in ihrem Gebiet aufhalten», erklärt sie.

Lebensraum Wald

Wie in jedem Jahr werfen die Wildtiere im Frühling ihren Nachwuchs. Darum brauchen sie zurzeit besonders viel zu fressen und vor allem viel Ruhe. Der Mensch aber, der gerne einen Ausflug in die Natur unternimmt, dringt oft in die Lebensräume der Tiere ein - und das tut er, sobald er die Waldwege oder markierten Plätze verlässt. Meistens sind die Auswirkungen des Schaltens und Waltens im Wald nicht sofort sichtbar. Deshalb geht man oft davon aus, dass dem Wald und seinen Bewohnern nicht geschadet worden ist. Aber nur, weil (noch) keine sichtbaren Veränderungen festgestellt werden, bedeutet das nicht, dass kein Tier gestört worden ist.  Die Tiere fliehen zumeist, bevor der Mensch sie entdeckt. «Der Lebensraum der Tiere wurde durch den Menschen bereits genug eingeschränkt - lassen wir ihnen jene Plätze, die sie noch haben», sagt Christine Krättli. 

Nicht nur, dass den Tieren durch das Eindringen des Menschen in ihre Lebensräume immer weniger Fluchtwege offen stehen, sie werden dadurch auch empfindlich gestört. Christine Krättli erläutert das an einem Beispiel: Wenn ein Reh und ein Kitz auf einer Wiese am Fressen sind und ein Mensch auftaucht, geraten die Tiere in eine doppelte Stress-Situation. Erstens können sie nicht weiterfressen, da sie sich bedroht fühlen. Zweitens bedeutet eine Flucht stets grosse, mit Angst verbundene Anstrengung.

Nicht nur den Menschen als Feind

Heute gibt es unzählige Mittel, den Flöhen zu Leibe zu rücken. Sie unterscheiden sich in der Anwendung und «Natürlich ist es nicht nur der Mensch, der den Jungtieren in den ersten Lebenswochen ein risikoreiches Leben beschert», erklärt Christine Krättli. Die Fuchsjungen zum Beispiel fressen das Rehkitz, das ihnen die Fuchsfähe mitbringe. Der Mensch ist in diesem natürlichen Kreislauf aber nicht eingeplant und zerstört diesen durch sein ungeschicktes Verhalten. «Genau darum ist es sehr wichtig, dass wir Menschen uns im Frühjahr in den Wäldern besonders rücksichtsvoll verhalten», so Christine Krättli. Das heisst: die Wege und Grillierstellen nicht verlassen, unnötigen Lärm vermeiden - und  ganz speziell wichtig ist, Jungtiere nicht anzufassen.

Nicht anfassen!

«Jungtiere dürfen unter keinen Umständen berührt werden», sagt auch Robert Walser, Obmann der Jagdgesellschaft Jona und Wildhüter. 

Fasst man eines dieser Tiere an, bedeutet das seinen sicheren Tod. Es komme zum Beispiel vor, das eine Rehgeiss mit ihrem Jungen an einem Waldweg auf Spaziergänger treffe. Die Mutter fliehe sofort und lasse ihr Junges am Wegrand zurück. Das Muttertier bleibt jedoch in der Nähe und holt das Kitz wieder ab, sobald sich die Menschen entfernt haben. Wenn das Kitz nun aber von  Menschen angefasst wird, nimmt die Rehgeiss das Jungtier nicht mehr an. Durch den neuen Geruch erkennt sie ihr Junges nicht wieder. Und auf gar keinen Fall darf das Kitz mitgenommen werden. Damit schadet man dem Tier viel mehr, als man ihm hilft. «Wenn man ein scheinbar mutterloses Kitz findet, ruft man am besten den zuständigen Jäger oder Wildhüter herbei. Wir haben besondere Tricks, um das Muttertier anzulocken», sagt Rober Walser. Tierarzt oder Kinderzoo könnten wenig helfen und seien für solche Fälle die falsche Adresse. 

Jungtiere auf keine Fall anzufassen gilt für jedes Tier im Wald. Ob es ein aus dem Nest gefallenes Amseljunges oder vermeintlich verwaiste Igelkinder sind. Meistens sind sie nicht von ihren Eltern verlassen worden. «Am besten beobachtet man die Tierkinder eine längere Zeit. Wenn wirklich keine Eltern mehr auftauchen, ruft man den zuständigen Wildhüter oder, im Falle von verwaisten Igeln, eine Igelstation an», sagte Christine Krättli. Aber im Wald gebe es eigentlich fast nie verwaiste Junge. Höchstens bei Igeln könne es vorkommen, dass die Eltern auf einer Autobahn überfahren worden seien. Dringlich warnt sie aber auch in diesem Fall davor, die Tiere anzufassen, und weist nochmals ausdrücklich darauf hin, dies einem Spezialisten zu überlassen.

Ergäzende Artikel über Hund und Wald
Der Hund im Wald unser Freund - ihr Feind, F.W.
Hunde im Wald an die Leine, SOS Tiere

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Mit frdl. Genehmigung der Autorin und der Zeitung «Linth»

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