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Im Namen eines verkannten Tieres - Ein Interview mit einem Meerschweinchen
Anja Zünd

Haben sie gestutzt, als sie den Titel gelesen haben? Sie haben natürlich Recht: Ein Meerschweinchen kann nicht sprechen! Oder vielleicht doch...? Lassen sie mich erklären:
Es war an einem Abend, Jana, mein ältestes Tier streckte alle 4 Füsse von sich, wohlig ausgestreckt. «Bist du glücklich hier bei mir?» habe ich sie gefragt. 2 dunkle Augen schauten mich an, ihr Mäulchen öffnete sich zu einem herzhaften Gähnen. Dann kuschelte sie sich ins Heu. Und ich verstand. Sehen sie? Ich verstand sie tatsächlich, es braucht dazu gar keine Worte. 

Seit 14 Jahren halte, pflege und liebe ich diese putzigen Tierchen. Ich habe viel mit ihnen erlebt und sie verstehen gelernt. Darum erlaube ich mir, im Namen des Meerschweinchens zu antworten. 
Beginnen wir also:

Herr Meier:
Herr Meerschweinchen, stellen sie sich doch kurz vor:

Im Namen des Meerschweinchens :
Ich heisse Nico, bin bald 3 Jahre alt, gehöre zu den sogenannten Glatthaartieren. Mein Fell ist schwarz und hellbraun, auf der Nase habe ich ein bisschen weiss. Ich lebe mit 3 Weibchen in einem grossen Vivarium.

Herr Meier:
Ah ja. Da sind sie ja ein richtiger "Hahn im Korb".

Nico:
Ja, wissen sie, bei uns Meeschweinchen ist das ganz normal, sogar sehr wichtig, dass viele Tiere zusammenleben. Wir sind sehr gesellig! In der Natur leben 5 - 20 Tiere in einer sogenannten Sippe. Alleine würden wir verkümmern und vereinsamen.
Auch wenn die Menschen noch so lieb zu uns sind, ersetzen können sie ein anderes Meerschweinchen nie! Darum bin ich glücklich, mit «meinen» 3 Weibchen zusammenleben zu können.

Herr Meier:
Und kommen sie dann mit 3 Weibchen ihren Vaterpflichten nach?

Nico:
Nein, ich bin kastriert. Das würde sonst ja massenhaft Junge geben!

Herr Meier:
Vermissen sie nicht einen andern Mann als Kollegen?

Nico:
Nein. In der Natur lebt immer 1 Männchen mit vielen Weibchen zusammen. 2 unkastrierte Männchen bekämpfen sich nur. Da ich kastriert bin, würde ich ein anderes kastriertes Männchen vielleicht akzeptieren.

Herr Meier:
Sie leben in einem Vivarium in einem Wohnzimmer. Würden sie nicht lieber draussen wohnen?

Nico:
Ja, sie haben Recht, wir fühlen uns im Freien wirklich wohler als in einer Wohnung. Bis -15 Grad halten wir es ganz gut aus. Voraussetzung ist natürlich ein gut geschütztes und isoliertes Haus, damit wir bei Regen und Kälte einen trockenen Ort finden. Und wichtig ist, dass wir ein rundum geschlossenes Gitter haben. Denn Raubvögel mögen uns besonders als Nachtessen!
Aber eben, manchmal ist es nicht möglich, im Freien zu leben. Da fühlen wir uns in einem grossen Vivarium im Wohnzimmer auch ganz wohl.

Herr Meier:
Was brauchen sie unbedingt in ihrem Gehege?

Nico:
Wichtig ist einen sicheren Unterschlupf für jedes Tier, zum Beispiel ein Häuschen! Wir sind ziemlich scheue Tiere, das müssen wir auch sein, denn sonst würden uns die Raubvögel viel zu schnell erwischen. Und wir sind Nagetiere. Unsere Zähne wachsen ständig, so müssen wir Gelegenheit haben, sie abzunützen. Ein Ast von einem Obstbaum zum Beispiel ist ideal. Wir mögen sowieso viel Abwechslung in unserem Gehege. Holz, Wurzeln, ... sind uns immer sehr willkommen.
Und wir brauchen immer frisches Wasser in einer Schale oder Trinkflasche. Ein Salzstein liefert uns die nötigen Mineralstoffe, sowie sollte uns immer genügend frisches Heu zur Verfügung stehen, am besten in einer Heuraufe, damit es nicht schmutzig wird. Heu ist unser Grundnahrungsmittel.

Herr Meier:
Jawohl. Was mögen sie denn ausserdem noch zum Fressen?

Nico:
Salat, Apfel, Karotten, Gurken, Fenchel, .. einfach Obst und Gemüse. Ausser Kohl, da bekommen wir Blähungen davon.

Herr Meier:
Ah, sie sind also Vegetarier.

Im Namen des Meerschweinchen:
Ja, wir tun wirklich keiner Fliege etwas zuleide.

Herr Meier:
Das ist allgemein bekannt. Sie sind sehr friedliche Wesen.

Nico:
Ja, leider verwechseln uns die Menschen darum oft mit Kuscheltieren! Aber das sind wir nicht! Wir mögen es, wenn wir gesteichelt werden, aber auch nur, wenn wir nicht gerade schlafen. Auf keinen Fall möchten wir in unserem Häuschen gestört werden. Wir finden es toll, wenn wir ab und zu bei Kindern auf dem Schoss gestreichelt werden, aber eben, danach brauchen wir unbedingt wieder unsere Ruhe!
Das ist mir ein ganz wichtiges Anliegen an die Menschen! Wir sind keine Teddybären, wir sind lebendige Tiere, die nicht ständig herumgetragen werden möchten.

Herr Meier:
Vielen Dank für dieses interessante Gespräch, Herr Nico. Würden sie für weitere Fragen zur Verfügung stehen?

Nico: Auf jeden Fall! Ich lebe bei Anja Zünd in Jona, und man kann mich auf der Homepage sogar besuchen. 

 Mee(h)r zum Schweinchen, Meerschweinchen von Anja Zünd mit Nico 
 

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