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Deborah Millett Sie möchten Ratten als Heimtiere halten? Wie bei jedem anderen Tier, ist es auch bei Ratten sehr wichtig, sich umfassend über diese Tiere zu informieren, um sie auch wirklich art- und tiergerecht halten, und bei allfälligen Problemen richtig reagieren zu können. Ratten sind keineswegs die«einfach zu haltenden, anpassungsfähigen» oder «idealen» Heimtiere, als die sie leider oft angepriesen werden. Im Gegenteil sind Ratten sehr sensibleTiere, für die man täglich viel Zeit aufwenden und häufig auch persönliche Opfer bringen muss. Leider sind es auch ausgesprochen krankheitsanfällige Tiere im Krankheitsfall muss neben intensiver, umfassender Betreuung mit relativ hohen Tierarztkosten gerechnet werden, was fürTierfreunde jedoch eine Selbstverständlichkeit ist. Im Folgenden möchten wir Sie schrittweise durch Überlegungen begleiten, die für eine allfällige Aufnahme von Ratten aus unserer Rattenvermittlungwichtig sind. 1. Schritt: Infomaterial Bitte lesen Sie zuerst unser Infomaterial auf unserer Homepage www.rattenclub.ch (Link unten) oder zu bestellen unter Tel. 01 491 88 64 (international 00 41 01 491 88 64 ), genau durch und fragen Sie sie sich aufrichtig, ob sie bereit sind, Ratten während ihres gesamten Lebens nach diesen Anforderungen zu halten, damit sie sich wirklich wohlfühlen können. Ratten, ein ideales Tier für Kinder? In sehr vielen Fällen wünschen sich Kinder und Jugendliche Ratten als Heimtiere. Mittlerweile ist daraus ein Rattenboom entstanden, der den Tierenneben Beliebtheit auch sehr viel Leid gebracht hat. In fast allen Fällen sind Kinder mit der Betreuung von Ratten überfordert. Deshalb ist es unabdingbar, dass Erwachsene mit der Wahl dieses Heimtiers einverstanden sind und bereit sind, Kinder dabei zu unterstützen. Der Behauptung, Ratten seien ideale Heimtiere für Kinder, können wir uns infolge unserer Erfahrungen nicht anschliessen. Die sensiblen Tiere reagieren sehr empfindlich auf Lärm, Schlafstörungen und Stress. Ratten müssen sehr behutsam berührt und gehandhabt werden und sie ziehen sich auch sehr bald zurück, wenn sie merken, dass man sich weniger um sie kümmert damit sie zahm bleiben, brauchen sie tägliche,umfassende Pflege. Um die Erwachsenen zu diesem Heimtier zu überreden, wenden Kinder oft richtige Überredungskünste an, untermauert natürlich mit Versprechungen. Wir erwähnen dies natürlich deshalb, weil sie meist nicht gehalten werden. Eltern wünschen sich, dass Kinder durch Heimtiere lernen, Verantwortung zu tragen. Dieser Lernprozess darf aber nicht zu Lasten des Tieres gehen, denn das Tier hat Rechte, auch wenn die Kinder das Interesse an ihnen verlieren sollten. Wenn Tiere dann aber weggegeben werden müssen, weil sich die Kinder nicht mehr um sie kümmern, ist diesaus pädagogischer Sicht ein noch viel schlechteres Statement zum Thema «Verantwortung tragen». Natürlich empfiehlt es sich auch nicht Tiere auf«Gedeih und Verderb» (wörtlich!) zu behalten, da es im Interesse der Tiere sein muss, dass sich jemand um sie kümmert, der sie wirklich gern hat. Gespräche
mit Eltern haben uns auch gezeigt, dass Eltern oft ahnten, dass der Heimtierwunsch
der Kinder Probleme mit sich bringen würde, aber ein«schlechtes
Gewissen» hatten, ihren Kindern den Wunsch nicht zu erfüllen.
Im Nachhinein wünschten sie sich, sie hätten sich mit den Kindern
vor der Anschaffung ausführlicher besprochen und wären im Zweifelsfall
im Interesse der Kinder und der Tiere «hart geblieben».
2. Schritt: Tierrecht und tierschützerische Einsicht Artgerechte Heimtierhaltung erfordert ein hohes Mass an Disziplin und Verantwortungsgefühl. Dabei müssen wir uns auch bewusst machen, dass jede Art der Tierhaltung in erster Linie Egoismus ist: Wir stellen Erwartungen an das Tier, die es erfüllen soll und verlangen, dass es sich unseren Lebensgewohnheiten anpasst. Die Frage ist aber vielmehr die, ob wir bereit sind, uns den Lebens-ge-wohnheiten des Tieres anzupassen, ihre Bedürfnisse zu erkennen, sie zu akzeptieren, auf sie einzugehen und sie zu erfüllen. Dabei stellt sich unweigerlich die Frage, mit welchem Recht wir Tiere einsperren und von uns abhängig machen. Tiere können uns nicht sagen, ob sie überhaupt von uns gehalten werden wollen. Unsere wenn auch gutgemeinte Mühe ist letztlich Bevormundung eines Lebe-wesens, dass ein Recht auf Autonomie und uneingeschränkte Bewegungsfreiheit hätte. Was werden Sie tun, wenn sich Ihre Erwartungen und Wünsche hinsichtlich Rattenhaltung nicht erfüllen sollten? Beispielsweise, wenn die Tiere nicht so zahm werden, wie Sie sich vorgestellt haben oder sie mehr Zeit für sie brauchen, als Sie eigentlich geplant hatten? . . . Manchmal ist es die grössere Tierliebe, kein Tier zu halten. 3. Schritt: Soll man überhaupt Ratten als Heimtiere halten? Wilde Wanderratten, die Vorfahren der Tierversuchsratten und damit auch unser Heimtierratten, sind starke, anpassungs-fähige und widerstandsfähige Überlebenskünstler. Wir haben sie eingefangen, aus ihrem Lebensraum gerissen, eingesperrt und domestiziert. Wir haben sie nach unseren Vorstellungen, Wünschen und Bedürfnissen ge-züchtet. Und wir haben Zuchtratten dadurch so stark degeneriert, dass sie in freier Wildbahn kaum mehr- überlebensfähig sind. Seit Jahrzehnten züchten wir ihnen im Tierversuch Krankheiten an und schädigen ihren Organismus durch verantwortungslose Überzüchtung, was zu gravierenden Verhaltensstörungen und körperlichen Schäden führte. Wir sperren sie in Käfige ein und entscheiden, wieviel Lebensqualität ihnen zustehen soll. Wir massen uns die Entscheidung über ihr Wohlbefinden an. Wir entscheiden, was sie dürfen, können, brauchen und müssen. . . Aber wir haben uns nicht überlegt, mit welchem Recht wir dies tun. Als
Rattenfreunde können wir aber entscheiden, ob wir all das gutheissen
und unterstützen wollen und dürfen.
4. Schritt: Unterstützen Sie nicht Handel und Zucht! Fast ausnahmslos alle Ratten, die Tierhandlungen als Heimtiere anbieten, werden von Züchtern verkauft, die sich weder um die Gesundheit, noch um die Lebenserwartung dieser Tiere kümmern. Sie halten die Tiere in winzigen Plastikboxen, in denen sich die Tiere nicht aufrichten können, Rückzugs- oder Klettermöglichkeiten fehlen. Hobelspäne sind meist das einzige Einrichtungsmaterial. Selten sind auch Tageslicht und Frischluft. Die Tiere werden von den Züchtern kaum kontrolliert und betreut und schon gar nicht an die Hand gewöhnt. In fast ausnahmslos allen Fällen sind die hygienischen Zustände katastrophal: die Boxen werden nur alle paar Wochen gereinigt, die Tiere liegen in ihrem Urin und Kot. Die Ammoniakbelastung schädigt nicht nur die Atemwege der Tiere in schwerem Ausmass, oft sind die Tiere auch von Parasiten befallen. Die Tiere erhalten kein Frischfutter, sondern nur Pellets, die in die Gitterwanne gestreut werden und das Trinkwasser ist selten frisch. Die Rattenweibchen gebären alle 3 Wochendurchschnittlich 12 Junge, ohne dass ihnen Pausen gegönnt werden. Diese Jungen entstammen meist direkter Inzucht und werden viel zu früh von der Mutter getrennt. Durch diesen Mangel an Muttermilch und Nestwärme haben sie oft gesundheitliche Probleme (Erkältungen, Atemprobleme, Parasiten etc.) und auch seelische Störungen: sie sind häufig unausgeglichen, scheu und können schwer mit Stressituationen umgehen. Diese Beschreibungen sind nicht übertrieben, sondern ganz alltägliche Realität bei Züchtern, die Tierhandlungen beliefern. Auch bei Tiergeschäften, die äusserlich einen einigermassen sauberen Eindruck machen und relative grosse Käfige in der Auslage haben, sieht es im Hinterraum und Keller selten anders aus. Vorsicht ist auch bei privaten Züchtern geboten, welche die Tiere kaum anders halten, Interessenten jedoch häufig auch noch mit falschen Versprechungen hinsichtlich Lebenserwartung locken. Ein gravierendes Problem ist auch, dass viele Tierhandlungen geschlechtsreife Tiere (meist Geschwister) nicht trennen und stillschweigend aber wohlwissend trächtige Tiere verkaufen. Das Geschäft läuft: Denn nach einigen Wochen bringt der Käufer handzahme, wohlgenährte Rattenkinder gratis zurück ins Geschäft, die dann wieder (trächtig) verkauft werden . . . Es ist stossend, dass Züchter und Tiergeschäfte so mit Lebewesen umgehen und dieses Geschäft durch den Kauf solcher Tiere gutgeheissen wird. Noch immer unterstützen viele Menschen die sich für Tierfreunde halten! diese Zustände, indem sie Tiere in Tierhandlungen oder direkt bei Züchtern kaufen. Dabei wissen sie sehr wohl, dass Haltung und Handhabung ungenügend, die Beratung mangelhaft und lediglich auf den schnellen Verkauf ausgerichtet ist und ihnen, falls später Probleme auftauchen, von seiten des Geschäfts nicht geholfen wird. Auch mit einem Kauf aus Mitleid ist dem Tierschutz kein wirkungsvoller Dienst erwiesen, da das Tier lediglich durch ein anderes ersetzt wird, welches dasselbe Leid des Vorgängers erfahren wird. Indem man Handel und Zucht von Tieren unterstützt, heisst man diese Zustände nicht nur gut, sondern bietet die Grundlage für dieses Leid. Wenn keine Tiere gekauft werden, würden sie auch nicht für den Handel gezüchtet. 5. Schritt: Nehmen Sie Tiere von Tierschutzorganisationen auf Indem Sie Tiere von Tierschutzorganisationen und Tierheimen aufnehmen, können Sie einen tierschützerischen Beitrag gegen dieses Tierleid leisten. Berücksichtigen Sie unter Umständen auch Inserate von Privaten, die einen guten Platz für ihre Tiere suchen, weil sie sie nicht mehr halten möchten oder können. Stellen Sie dabei jedoch sicher, dass es sich nicht um Züchter handelt. Leider bestehen noch immer meist unbegründete Vorurteile gegenüber Tierheim-Tieren. Entgegen der weitläufigen Meinung können gerade halterlose oder nicht mehr erwünschte Tiere sehr dankbar für einen guten Platz sein und die Aufnahme eines etwas älteren Tieres, das schon an den Mensch gewöhnt ist, einige Vorteile mit sich bringen. Fragen Sie doch bei einem Tierheim in ihrer Umgebung (meist kantonaler Tierschutzverein) nach und besuchen Sie unverbindlich entsprechende Tiere. Als überregionale Tierheime sei hier inbesondere erwähnt: Tierrettungsdienst Tel. 01 211 22 22 (international 00 41 01 211 22 22) und natürlich die Rattenvermittlung des Rattenclubs. 6. Schritt: Rattenvermittlung «Club der Rattenfreunde» Als Tierschutzorganisation lehnen wir jede Art der Zucht ab die Aufnahme und Vermittlung von «heimatlosen» Ratten ist hingegen eines unserer wichtigsten Anliegen. Die Gründe, weshalb Ratten bei uns abgegeben werden, sind so zahlreich, wie die Tiere selbst: «Interesse verloren», «keine Zeit mehr», «wurden nicht zahm», «bissig», «wir gehen in die Ferien, dann müssen sie weg sein», «sie hat einen Tumor bekommen», «plötzliche Allergie», «Ratte trächtig gekauft», «es gab einen Unfall mit Männchen und Weibchen» etc. sind nur einige Beispiele aus einer langen Liste. Oft müssen wir auch Tiere aufnehmen, die in Wohnungen zurückgelassen oder ausgesetzt wurden, die grundlos bei Tierärzten zum Einschläfern abgegeben wurden oder die von anderen Tierschutzorganisationen nicht vermittelt werden können. Der grösste Teil dieser Ratten, oft auch junge Tiere, sind jedoch sehr lieb und zutraulich. Natürlich freuen wir uns sehr darüber, wenn Rattenfreunde den Tieren in unserer Vermittlung einen guten Platz bieten möchten. Immer häufiger haben wir auch Anfragen von Interessenten, die bereits Ratten hatten und schlechte Erfahrungen mit Ratten aus Tierhandlungen gemacht haben, und unsere Tierschutzarbeit unterstützen möchten. Sehr erfreulich ist auch, dass wir von jenen, die bereits Tiere aus unserer Rattenvermittlung aufgenomen haben, weiterempfohlen werden. Am
Ende unserer schrittweisen Überlegungen danken wir Ihnen ganz herzlich
für Ihr Interesse. Falls Sie Fragen haben
oder mehr Informationen
möchten, freuen wir uns über Ihren
Anruf unter Tel. 078 622 80 86 (international 00 41 78 622 80 86)
Fragen, Bemerkungen an die Autorin Deborah Millett, Präsidentin «Club der Rattenfreunde» Schweiz
Was hat Tierschutz mit wilden Wanderratten zu tun?
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über Ratten, Homepage «Club der Rattenfreunde» Schweiz
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