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Füchse erobern die Städte zurück
Wenn der Fuchs im Gartenhäuschen einzieht, ist Vorsicht geboten
Nadia Bächi

Ob mitten auf dem Riedner Dorfplatz oder auf dem Rapperswiler Schlosshügel, der Fuchs fühlt sich in Wohngebieten immer heimischer und macht sich in den Gärten tierliebender Bürger breit. Wildhüter Mario Zanoli aus Schmerikon warnt jedoch vor allzu herzlicher Fuchsliebe, denn der schlaue Fuchs bringt nicht nur Spass in die Nachbarschaft, sondern auch übel riechende Beutereste, Ärger, Lärm und Krankheiten.

Schon lange hat der gewiefte Fuchs die Vorteile des Dorf- oder Stadtlebens für sich entdeckt: keine Jäger, und Nahrung in Hülle und Fülle. Und darüber hinaus scheint der kleine Bursche von den dortigen Bewohner auch noch mit offenen Armen empfangen zu werden, denn immer mehr Städter halten sich einen "eigenen" Fuchs im Garten beziehungsweise im Garten des Nachbarn. «Die Leute haben Freude an den vorwitzigen Vierbeinern. Sie wissen, dass der Fuchs für den Menschen nicht gefährlich ist, und füttern ihn», meint Mario Zanoli, Wildhüter der Bezirke See und Gaster. Einige «Linthgebietler» hätten sogar richtige Fuchsbauten mit jungen Füchslein im Garten.

Aber genau da fangen die Probleme an: «Junge Füchse wollen spielen, und sie sind nicht wählerisch: ob Socken oder Schuhe, was herumliegt wird zerrissen, verschleppt oder in den Bau transportiert ­ und kommt oft erst nach Monaten wieder zum Vorschein». Als Raubtier bringt der Fuchs zudem Überraschungen wie Knochen, Kadaver und in Rapperswil auch oft tote Fische mit nach Hause. «An diesem Punkt haben die Leute dann plötzlich genug von den herzigen Füchsen und rufen den Jäger», meint Zanoli.

Füchse sind keine Haustiere

Der Wildhüter spricht aus Erfahrung: «Vor wenigen Jahren hat sich ein Fuchspaar beim Spielplatz der Heilpädagogischen Schule in Rapperswil breit gemacht. Zuerst hatte man Freude an den Tieren. Doch mit der Zeit getraute man sich nicht mehr, die Kinder auf dem Spielplatz spielen zu lassen, und rief den Jäger». Zanoli tat seine Pflicht als Wildhüter und löste damit eine Welle der Empörung aus. Denn viele Rapperswiler hatten Freude an dem Fuchspärchen auf dem Spielplatz gehabt. «So geht es leider oft. Man will den Fuchs, solange er keinen Ärger macht, aber sobald etwas passiert, muss er weg. Diejenigen, die sich aber nicht über den Fuchs ärgerten, verstehen nicht, warum er nicht da bleiben kann».

Früher galten Füchse noch als gefährlich. Genau wie anderes Wild, das Gärten und Gemüsebeeten zertrampelte, war der Fuchs, sobald er in Wohngebiete vordrang, zum Abschuss freigegeben. Heute aber wollen die Leute nicht den Fuchs, sondern den Jäger aus dem Wohngebiet fern haben. Den Fuchs hingegen lockt man sogar noch mit feinen Häppchen aus der Küche in den Garten. Zanoli meint dazu: «Als Wildhüter glaube ich, dass der Mensch sowenig in die Natur eingreifen sollte als möglich. Wer jedoch anfängt einen Fuchs zu füttern, der soll ihn auch behalten».

Tollwutfrei

Dem stimmt auch Kantonsveterinär Dr. Thomas Giger aus St. Gallen zu: «Füchse sind Wildtiere und das bleiben sie, auch wenn sie gefüttert werden. Sie gewöhnen sich nur an die bequeme Futterbeschaffung, werden frech und unter Umständen sogar aggressiv».
Dr. Giger warnt zudem, dass der Fuchs auch ein bekannter Verbreiter von Seuchen ist. Denn bei seinen Jagdgängen legt er bis zu 30 Kilometer zurück. So war es auch der Fuchs, der hauptsächlich zur Verbreitung von Tollwut beitrug. «Tollwut gibt es aber heute in der Schweiz nicht mehr», so Dr. Giger. Die Seuche wurde durch Impfungen bei Füchsen und Haustieren intensiv und erfolgreich bekämpft. Seit rund einem Jahr ist es in der Schweiz auch nicht mehr Pflicht, Hunde gegen Tollwut zu impfen. 
Trotzdem sind Füchse gerade für Haustiere nicht ungefährlich. Unter anderem übertragen sie die Fuchsrüde, einen Parasitenbefall des Felles. Infizierte Tiere - auch Hunde und Katzen - verlieren dadurch ihre Haare.

Kein ungefährlicher Nachbar

Am berüchtigsten ist der Fuchs derzeit aber wohl wegen des sogenannten Fuchsbandwurms. Diese Parasiten im Dünndarm des Fuchses können auch für den Menschen gefährlich werden. Sie befallen Leber und Niere und können, wenn sie nicht frühzeitig bekämpft werden, zum Tod führen. 
Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung äusserst gering. Dr. Hugo Gmür, Arzt in Kaltbrunn, kann sich selbst an keinen Patienten erinnern, der wegen Fuchsbandwurm bei ihm in Behandlung gewesen wäre, und auch in der Rapperswiler Arztpraxis von Dr. Hanspeter Keller ist kein solcher Fall bekannt.

Laut Professor Peter Deplazes vom Institut für Parasitologie der Universität Zürich erkrankten in der Schweiz jährlich höchstens sieben bis zehn Menschen an Fuchsbandwurm, und die Heilchancen seien heute bei frühzeitigem Erkennen gut. «Noch vor 30 Jahren starben 90 bis 100 Prozent der Fuchsbandwurmpatienten. Heute sind es weniger als 10 Prozent».

Einer Ansteckung kann man zudem vorbeugen. Der Bandwurm wird vom Fuchs über den Kot ausgeschieden und gelangt so an weitere Wirte. Für den Menschen heisst das also vor allem Vorsicht beim Genuss von Gemüse oder Beeren. Wer einen eigenen Garten besitzt, sollte das Gemüse vor Verzehr unbedingt gründlich waschen. Von den rund 800 Füchsen, die im Linthgebiet leben, sind übrigens nur rund 30 Prozent mit dem Fuchsbandwurm infiziert.

Vielen Tieren gefällt es im Garten

Nicht nur Füchse finden an den schön angelegten Gärten im Linthgebiet Gefallen. Immer mehr Wildtiere zieht es aus dem Wald in die Wohngebiete. «Häufige Gartenbesucher sind Steinmarder, Dachse, Wiesel, Eichhörnchen und sogar Rehe», zählt Mario Zanloli auf.
Es gäbe nur noch wenige Wildtiere, die sich bisher noch nicht in die Nähe des Menschen wagten. Eines dieser zivilisationsscheuen Tiere sei das Wildschwein. «In und ums Linthgebiet ziehen zur Zeit etwa 10 bis 20 Wildschweine durch die Gegend», so der Wildhüter. «Wildschweine sind aber sehr scheu und mit allen Wassern gewaschen, wenn es darum geht, den Mensch zu meiden. Die Tiere kommen nur nachts zum Vorschein, aber auch dann sieht man sie praktisch nie».

Wer seinen Garten jedoch lieber nicht mit Wildtieren teilen möchte, sollte ihn entsprechend gut einzäunen. Der Wildhüter Mario Zanoli hingegen meint dazu: «Von einem schönen, reichhaltigen Garten Tiere fernzuhalten, ist fast unmöglich. Und wenn man die Tiere einmal im Garten hat, sollte man sie eben da lassen und sich an ihnen freuen».

Mit frdl. Genehmigung der Autorin und der Zeitung «Linth»
 

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