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Allgemeine Informationen über Chinchillas
Gaby Neidhart, ChinchillaInformation Deutschland
Informationen über
Wesen, Allergien, Alter, Haltung, Vergesellschaftung, Käfig, Pflege,
Fütterung, Geschlechtsreife und Zucht, Krankheiten,Sozial-und
Gruppenverhalten
Das Wesen
Chinchillas sind Nacht- und Dämmerungsaktiv und daher gut für
Berufstätige geeignet. Chinchillas können sehr zutraulich werden,
das hängt von der Herkunft, des Charakters und des Menschen, der
mit ihnen umgeht, ab.
Für Kinder sind sie allerdings nur bedingt geeignet, denn sie
werden nur selten so zahm wie Meerschweinchen und sind vom seidigen
Fell her sehr empfindlich im Umgang. Auch verstehen Kinder oft
nicht, dass Chinchillas tagsüber Ruhe benötigen und stören ihre
Ruhe darum oft.
Chinchillas kommen zum Menschen hin, lassen sich gern mal am Hals
oder am Bauch kraulen und manche hüpfen auch gern auf Arm, Schulter
oder beim Auslauf über Beine Rücken und Kopf. Chinchillas sind
sehr intelligent und ein NEIN wird oft als "jetzt erst recht"
ausgelegt. Man kann sie nicht erziehen und ihr Nagetrieb macht
vor nichts halt. Nicht nur dass sie unsere Möbel gern zerlegen
- es sind ja nun mal Nagetiere - Lacke, Glasuren und Kunststoffe
sind auch für sie sehr gefährlich und können zu Vergiftungen oder
Verdauungsproblemen führen. Also Vorsicht!
Chinchillas sind keine «billigen» Tiere - ein robustes, qualitativ
hochwertiges und gesundes Chinchilla bekommt man am besten bei
Namenhaften (Hobby)-Züchtern mit Abstammungsnachweis. Vom Kauf
in Zoohandlungen rate ich ab, denn oft sind die Tiere dort schon
psychisch sehr belastet und haben mehrere Wege hinter sich. Die
Beratung in solchen Läden ist zu oft leider mangelhaft.
Chinchillas machen überwiegend leise Laute - im Käfig können sie
jedoch durch Nagen und springen einigen Lärm erzeugen. Darum sind
sie für das Kinderzimmer oder Schlafzimmer ebenfalls nicht geeignet.
Sollte man ein Chinchilla mal greifen müssen, um es zu untersuchen,
sollte man folgendes beachten:
Nie von oben - das Tier wirft bei Gefahr sein Fell ab und was
man dann in den Händen hält ist viel Fell und ein halbnacktes
Chinchilla rennt weiterhin herum.
Richtig ist: Eine Hand unter den Bauch bzw. unter die Füße, die
andere Hält das Tier an der Schwanzwurzel - nicht in der Mitte
oder am Ende des Schwanzes, da sonst der Schwanz brechen oder
reißen kann.
Allergien
Das Chinchilla produziert keinen Talg oder Hautöle/Fette nur Lanoline,
die die Haut geschmeidig halten und säubert sich selten mit Speichel,
so wie Katzen und verursachen daher kaum allergische Reaktionen
beim Menschen. Nur durch rumfliegende Haare kann selten Asthma
ausgelöst werden. Wer allerdings gegen Streu, Heu oder speziellen
Sand (Attapulgus + Blue Cloud) allergisch ist, sollte sich keinen
Chinchilla halten, da diese Dinge für ein Chin lebensnotwendig
sind.
Alter
Chinchillas können im Idealfall bis zu 20 Jahre alt werden. Das
hängt aber stark von der Haltung und vom Futter ab. Viel wird
beim Futter falsch gemacht. Mischfutter mit vielen bunten Zutaten
und viele Leckereien verkürzen das Leben unserer Moppels sehr
schnell.
Haltung
Chinchillas sind Herdentiere. Mindestens 2 Tiere zusammen. Gemischte
Gruppen nur mit einem Bock! Gleichgeschlechtliche Gruppen, je
nachdem, wie sie sich vertragen, das hängt vom Charakter der einzelnen
Tieren ab. Eine Kastration beim Chinchilla ist risikoreicher als
bei anderen Tierarten. Wenn es unbedingt sein soll, dann vorher
erkundigen, welcher Tierarzt schon mehrfach erfolgreich Chinchillas
kastriert hat und eine Inhalationsnarkose verwendet.
Vergesellschaftung
Kann kompliziert sein - Chinchillas sind sehr Charakterstark.
Hier hilft ebenfalls die Erfahrung von langjährigen Haltern und
Züchtern weiter. Niemals sollte man jedoch ausgewachsene Chinchillas
einfach zusammen setzen. Blutige und manchmal auch tödliche Kämpfe
können die Folge sein. Das beste Alter zur Vergesellschaftung
ist vor der Geschlechtsreife. Möchte man sich den "Akt" mit der
Vergesellschaftung ersparen, empfiehlt es sich gleichgeschlechtliche
Geschwister zu nehmen.
Käfig, Gehege
Vorzugsweise in großen Volieren mit Zwischenböden ab 1 m höhe.
Mindestmaße sind jedoch 100 cm x 50 cm x 100 cm für 2 Tiere. Bei
Höhen über 100 cm sollten unbedingt Zwischenböden oder Bretter
so eingezogen werden, dass die Chins nicht auf den Boden stürzen
können. Ebenfalls sollten Futternapf und Sandwanne unter Brettern
stehen, damit das Chinchilla dort nicht darauf stürzen kann.
Frische Äste von Weide, Apfel, Haselnuss und Birne als Klettermöglichkeit,
ein Schlafhaus oder eine Korkröhre, Sitzbretter (alles aus Kiefer
unbehandelt), Heuraufe, Futternapf (von außen befestigt), Nippeltränke.
Beliebt als Versteck: Tonröhren. Korkröhren sollten wegen ihrer
Neigung zur Pilzbildung häufig mit heißem Wasser und Essigessenz
gereinigt werden.
Der Standort des Käfigs nicht in starker Zugluft oder wo tagsüber
Lärmbelästigung das Tier beim Schlaf stören. Kellerräume sind
ungeeignet, da sie zu dunkel sind und das Chins keinen Tagesrhythmus
finden kann. Auch sollte die Luft im Chinchilla-Zimmer möglichst
trocken (um 60 % Luftfeuchte) und nicht zu warm (max. 25 Grad)
sein.
Sollte es doch mal wärmer werden, kann man mit Fliesen oder Tongefäßen,
die zuvor im Kühlschrank standen, Abhilfe schaffen.
Grundsätzlich gilt, dass man tagaktive Tiere nicht mit nachtaktiven
Chinchillas in einem Raum halten sollte! Erst recht nicht, wenn
man Chin- Nachwuchs erwartet.
Chinchilla lieben ihren abendlichen Auslauf. Vieles in ihrer Umgebung
wird mit einem sog. "Probebiss" auf Essbarkeit hin überprüft -
hier liegt aber auch eine große Gefahr durch Vergiftungen oder
Stromschläge von umherliegenden Gegenständen/Kabeln.
Pflege
Das wichtigste für die Fellpflege ist das Sandbad (Attapulgus),
ohne dieses würde das Fell verkleben und verfilzen - täglich etwa
30 Minuten ein Sandbad in den Käfig stellen. Dieses kann mit einem
Sieb gereinigt werden und sollte je nach Verschmutzung auch zur
Käfigreinigung gewechselt werden.
Der Käfig sollte 1 mal Wöchentlich gereinigt werden, um Keimbildung
vorzubeugen. Alternativ kann man auch alle 3 Tage die Pipiecke
entfernen und dann alle 14 Tage komplett säubern. Das Trink-Wasser
sollte täglich gewechselt werden und das Futter und Heu jeden
Abend aufgefüllt werden. Im Käfig liegende Futter und Heureste
sollten auch täglich entfernt werden, da sich auch dort schnell
Keime bilden.
Fütterung
Spezielle Chinchilla- Pellets gibt es bei Züchtern - diese sind
besser als die aus Zoohandlungen. Auch gibt es mittlerweile speziell
für Chinchilla Online-Shops, die spezielles Chinchillafutter vertreiben.
Heu ist sehr wichtig - möglichst Rohfaser (mehr lange Halme) und
es muss Knacken, wenn man es bricht.
Leckereien sind Apfel und Löwenzahn - beides in sehr geringen
Mengen und frisch. Langsam damit anfangen. Andere Leckereien enthalten
zu viel Fruchtzucker oder Fette, die dem Chinchilla langfristig
schaden.
Chinchillas brauchen einen Nagestein. Hierfür eignet sich das
im Bauhaus erhältliche Y-Tong in kleine Würfel gesägt. Auch sehr
wichtig für den Mineralstoffhaushalt der Tiere sind frische Nagehölzer
von Apfel, Haselnuss, Weide oder Birne. Diese in 10 cm lange Stöckchen
dem Chinchilla gegeben und es hat großen Spaß damit.
Geschlechtsreife und Zucht
Chinchillas werden zwischen 4 und 8 Monaten Geschlechtsreif. Den
Unterschied des Geschlechts erkennt man am Abstand zwischen After
und Harnzapfen - beim Männchen beträgt er zwischen 1 und 2 cm.
Die Brunft dauert 4 - 5 Tage und kommt alle 28 - 35 Tage (kann
auch ausfallen, wenn Haltung, Futter oder Partner nicht optimal).
Chinchillas tragen 111 Tage und bekommen zwischen 1 und 4 Junge
(selten mal 6). Die Weibchen sind am Tage der Geburt durch ihre
Anatomie gleich wieder aufnahmefähig. Gesäugt wird 8 - 12 Wochen.
Absatz der Junge um 10 Wochen mit einem Mindestgewicht von 200
g, damit die Mutter nicht zu sehr belastet wird, sollte sie wieder
tragend sein.
Die Abgabe vom Nachwuchs kann problematisch werden - gefragt sind
vorwiegend Farbmutationen wie Ebony, Weiß, Schoko, Violett, Saphir
...(www.chinchillafarben.de).
Achtung: Bei den Farbmischungen mit Weiß und Velvet-Charakter
tritt bei der jeweiligen Verpaarung untereinander ein Letalfaktor
bei 25 % der Nachkommen auf - diese 25 % sind nicht lebensfähig!
Von solchen Verpaarungen wird dringend abgeraten. Mehr Infos zu
Genetik und Zucht unter: ( www.chinchillazucht.info )!
Weibchen, Zippe - Männchen. Bock
Krankheiten
Am häufigsten treten Darmerkrankungen und Hautpilze auf. Hierbei
hilft der erfahrene Züchter oder kompetente Tierarzt (letzteres
ist leider schwer zu finden). Andere schwere Erkrankungen kommen
häufig nur bei Unsauberkeit der Käfige und hoher Luftfeuchtigkeit
im Haltungsraum vor. Darum ist die Optimale Fütterung und Haltung
das A und O.
Sozial -und Gruppenverhalten
Chinchillas brauchen die Nähe ihrer Artgenossen. Sie beknabbern
und kuscheln sehr viel miteinander. Sehr viel beobachten kann
man dies am Tage, wenn sie auf- und übereinandergekuschelt schlafen.
Dies kann ihm der Mensch nicht ersetzen.
In Gruppen bilden sie wie Hunderudel ein Rangordnung, die beim
Ausscheiden eines Mitgliedes neu geregelt wird. Dabei bespringen
sich die Chinchillas ähnlich wie bei einem Paarungsakt und der
Überlegene ist der Ranghöhere. Ist ein Gruppenmitglied neu hinzugekommen
oder wird nicht akzeptiert, können die Kämpfe bis zum Tode führen.
Darum sollte man einer bestehenden friedlichen kein weiteren Partner
integrieren und Partnerwechsel vermeiden. Mehrere Weibchen mit
einem Bock zu halten, kann bei Brunft und wenn Nachwuchs da ist
zu Eifersüchteleien unter den Weibchen oder zu Streit zwischen
jüngeren und älteren Jungtieren führen. Dies sollte gut beobachtet
werden, denn notfalls muss man solche Gruppen grundsätzlich trennen.
Niemals mehrere Böckchen mit mehreren Weibchen in einem Käfig
und wenn man eine Böckchengruppe hält, sollte man darauf achten,
dass keine brünftigen Weibchen in der Nähe sind, dessen Geruch
die Böcke "heiß" macht.
Es ist unbedingt erforderlich, sich vor der Anschaffung von Chinchillas
mit guter Literatur einzudecken.
Das Chinchilla in Wort und Bild
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