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FAHRWERK: "CODE"

Hier die alten Bezeichnungen für die Achsfolge von Lokomotiven:

Der Buchstabe A stand in den Urzeiten der Bahngeschichte für eine Triebachse, das B für zwei Triebachsen und das C für drei Triebachsen. Die Zahlen in der Typenbezeichnung entsprechen der jeweiligen Anzahl Laufachsen. Ihre Position an der Lokomotive wird durch die Stellung vor oder hinter dem Buchstaben angegeben.

 

Lokomotiven im Massstab 1:16 stehen im Mittelpunkt

Text: Max Weyermann aus der Rundschau 27.Sept.2002  

 

Kurt Frei

"ist ein Holz-Künstler der Extraklasse"

Schlepptender-Lok 2A "Limmat

 

 

 

  

Ein prächtiges Modell:

die Schlepptenderlok "Reuss" der einstigen Spanischbrötli-Bahn

 

Kurt Frei aus Holderbank ist ein begeisterter Hobby-Handwerker. Aus Holz baut er vor allem Lokomotiven aus der "guten alten Eisenbahnzeit" im Massstab 1:16 nach. Der General Anzeiger stellt in der zweiten Folge der Sommerserie -Menschen mit ungewöhnlichen Hobbys" den pensionierten Versicherungsmitarbeiter vor, welcher ursprünglich den Beruf des Möbelschreiners erlernt hatte.

In seiner beruflichen Laufbahn stand bei Kurt Frei der Sport im Zentrum. Kurz nach der Lehre als Möbelschreiner wurde er Sportartikelverkäufer mit den Spezialgebieten Tauch- und Skisport. 1962 wurde er Aussendienstmitarbeiter einer Sportgrosshandelsfirma, und 1975 wechselte er ins Versicherungswesen, wo er den Bereich Reise und Skiversicherung betreute. 1998 liess er sich vorzeitig pensionieren. Nach dem Wechsel in den dritten Lebensabschnitt intensivierte er sein liebstes Hobby, das Basteln von Lokmodellen und von Gebrauchsgegenständen aus Holz - nicht zuletzt aus therapeutischen Gründen, litt er doch an Polyarthritis der Hand- und Fingergelenke. Die kunsthandwerkliche Betätigung und die medikamentöse Behandlung haben Kurt Frei offensichtlich viel gebracht, sieht man seinen Händen doch heute kaum mehr etwas an.

Es begann 1992

In seiner gut eingerichteten Werkstatt im Keller stellte Kurt Frei 1992 eine erste Spielzeugbahn her, welcher wegen grosser Nachfrage seitens Verwandter und Bekannter weitere Exemplare folgten. Zu Spezialitäten wurden auch dekorative Weinflaschen-Halter und ulkige Schnupfmaschinen. Die grosse Passion aber gilt heute dem originalgetreuen Nachbau von einstigen Lokomotiven. " Meine Modelle im Massstab 1: 16 fertige ich zu 100 Prozent aus Holz, und zwar markiere ich die Farben der Loks mit verschiedenen Holzarten", verrät Kurt Frei, der sich durch Literatur zunehmend für die Eisenbahngeschichte zu interessieren begann und heute sozusagen als "Freak" bezeichnet werden kann.

Pro Modell-Lokomotive im Massstab 1:16 benötigt der Hobby-Handwerker einen Zeitaufwand von rund 400 Stunden. Darin eingeschlossen sind Museumsbesuche (zum Beispiel im Verkehrshaus Luzern), in deren Rahmen er die Originale oder Replikas fotografiert oder abzeichnet, sowie das Studium von Fachliteratur mit genauen Massangaben. "Die alten Dampfloks sind attraktiv fürs Auge und lassen sich mit Holz gut auch im Detail nachbauen, weil ihr Gestänge noch nicht so kompliziert war wie bei späteren Lokomotiven", weiss Kurt Frei zu berichten.

Funktionsgetreue Modelle

Bis heute hat er mehrere Lokomotiven original- und funktionsgetreu (beim Drehen der Räder bewegen sich die Gestänge mit!) von A bis Z nachgebaut.' Es handelt sich um Modelle der folgenden Typen:

 

Schlepptender-Lok 2A "Limmat (Klick zu weiteren Details)

der Schweizerischen Nord-Bahn (SNB), die zwischen Zürich und Baden verkehrte. Das leider nicht mehr vorhandene Original dieser Lokomotive mit zwei Laufachsen und einer "nachgelagerten" Triebachse datierte von 1847 - dem Eröffnungsjahr der sogenannten "Spanischbrötli-Bahn" zwischen Zürich und Baden. Eine Replika der "Limmat" befindet sich im Verkehrshaus Luzern. Die Bezeichnung "Schlepptender" bedeutet, dass der Kohlewagen angekuppelt war und nachgezogen wurde. Wegen des einachsigen Antriebs hüpfte diese Maschine bei höheren Geschwindigkeiten gefährlich. Die Gesamtlänge betrug 11,63 Meter, das Dienstgewicht lag bei 35,5 Tonnen. Die Leistung am Rad ist mit 125 kW angegeben, die Höchstgeschwindigkeit mit 40 km/h. Die Schwesterlok der "Limmat" hiess "Aare".

 


Schlepptender-Lok 2B "Reuss

das optimierte Nachfolgemodell mit zwei Triebachsen hinter den beiden Laufachsen. Diese Konstruktion brachte die Kraft besser auf die Schienen, was einen ruhigeren Lauf zur Folge hatte. Auch diese Lokomotive existiert nicht mehr; im Verkehrshaus Luzern ist ein Modell im Massstab 1: 30 zu sehen. Die Schwesterlok trug den Namen "Rhein".

 


Stütztender-Lok B3 "Genf

der Schweizerischen Central-Bahn, Baujahr 1858. Der Typ B3 (mit zwei Triebachsen vor drei Laufachsen) war eigentlich die erste Schweizer Einheitslokomotive. Von 1854 bis 1895 wurden insgesamt 110 Exemplare geliefert, davon allein 60 für die SCB. Die Lok wurde ständig weiter entwickelt und modernisiert, denn es war immer mehr Leistung gefragt. So wies zum Beispiel die 1858 eröffnete Hauenstein-Linie mit ihrem Tunnel eine Steigung von bis 26 Promille (!) auf. Das Original dieser Lokomotive steht im Verkehrshaus Luzern. Ihr Überleben dürfte sie der Tatsache verdanken, dass sie nach der Ausrangierung im Jahr 1898 , als stationäre Dampferzeugungsanlage in der neuen SBB Werkstätte Olten gebraucht wurde. Die Bezeichnung "Stütztender" bedeutet, dass der hintere Teil der Lokomotive als Auflieger auf dem Kohlewagen abgestützt war.

 


 

 

Schlepptender-Lok 1A1 "L`Aigle

von 1846, mit einer Triebachse zwischen zwei Laufachsen. Die Maschine wurde zwischen Avignon und Marseille eingesetzt. Der Langrohr-Kessel sorgte für einen höheren Druck. Das wunderschöne Original ist im Eisenbahn-Museum in Mühlhausen zu bewundern.


 

Schlepptender-Lok 1A1 "Saint Pierre

von 1844, die auf der Strecke Paris-Rouen verkehrte. Eine Lok dieses eher kleinen Typs war bis 1912 im Güterverkehr im Einsatz und ist als betriebsfähiges Original erhalten geblieben. Auch diese Maschine ist im Eisenbahnmuseum in Mühlhausen ausgestellt.


 

Schlepptender-Lok 2B General American Standard

ab 1858. Diese Lokomotive wurde in vielen Varianten gebaut, so für Schmalspur, Normalspur und Breitspur. Jede US-Bahngesellschaft wollte etwas Eigenes, denn die Konkurrenz war gross. Ein Original der 2 B war vor Jahren als "Gast" im Verkehrshaus Luzern ausgestellt. Diese Lok gehört der MGM-Filmgesellschaft und ist in vielen Westernfilmen zu sehen. Kurt Freis Nachbau dieser Lok ist sein erstes perfektes Holzmodell, allerdings noch im Massstab 1:20.


Bild und Text: Max Weyermannaus der Rundschau 27.Sept.2002

 

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