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Bemerkungen
Einen Luchs bekommt man nicht so einfach zu Gesicht. Die
Raubkatze ist vor allem in der Abend- und Morgendämmerung aktiv,
grössere Wanderungen unternimmt er nachts. Selbst das Bundesamt für
Umwelt (Bafu) kann nur schätzen, wie viele Luchse in der Schweiz
umherstreifen: die Alpenpopulation soll 70 bis 90 Tiere zählen (ohne
Junge), die Jurapopulation 30 bis 40 und die Ostschweizer Population 6
bis 8.
SEIT MEHREREN JAHREN
lässt das Bafu ein Luchs-Monitoring erstellen. Dabei stellen Forscher
auf einer Fläche von rund 800 Quadratkilometern Kameras auf, die
vorbeiwandernde Tiere automatisch fotografieren. Aufgrund des
individuellen Fellmusters der Luchse und der Häufigkeit, mit der ein
bestimmtes Individuum fotografiert wird, lässt sich der Bestand gemäss
Bafu relativ zuverlässig hochrechnen.
Kürzlich stellte das Bafu die Zahlen der Erhebung vom letzten Winter
vor. Mit überraschenden Ergebnissen: Im nordöstlichen Jura weist die
Studie auf eine wachsende und sich ausbreitende Population hin. Zwischen
dem Brienzersee und dem Vierwaldstättersee dagegen ist die Dichte
gegenüber den letzten Jahren rückläufig, im östlichen Berner Oberland
ist sie regelrecht eingebrochen. «Der Umstand, dass so viele Luchse
innert kurzer Zeit verschwinden, spricht klar für die illegale Tötung
als wichtigste Ursache», sagt Urs Tester, Artenschutzexperte von Pro
Natura. Denn das Nahrungsangebot habe in dieser Zeit nicht abgenommen,
auch seien keine Epidemien festgestellt worden: «Kranke Tiere haben die
Tendenz, sich eher an leichte Beute zu machen. Bei einer steigenden Zahl
Krankheitsfälle würde man mehr getötete Haustiere feststellen und mehr
Luchse in Siedlungsnähe. Dafür gibt es keine Hinweise.»
Auch Reinhard Schnidrig, Chef Sektion Jagd, Wildtiere und
Waldbiodiversität beim Bafu, glaubt nicht, dass allein die Abwanderung
oder der natürliche Tod für den Einbruch des Luchsbestandes im östlichen
Berner Oberland angeführt werden können: «Die Erfahrungen aus anderen
Regionen und die Einschätzung der Berner Wildhut lassen vermuten, dass
hier Wilderer am Werk waren.»
Tatsächlich liess Peter Juesy, bernischer Jagdinspektor, dem Berner
Untersuchungsrichteramt am 9. Juli einen entsprechenden Bericht
zukommen. Der zuständige Untersuchungsrichter beauftragte die
Kantonspolizei, zu ermitteln, ob strafbare Handlungen begangen worden
sind.
DEM LUCHS HAFTET
ein alter Fluch an. Seit der Wiederansiedlung in den Siebzigerjahren
wurden nebst 20 offiziellen auch «illegale Luchse» ausgesetzt. Wie
viele, weiss niemand genau, das Bafu schätzt zwischen 5 und 10. Diese
illegalen Aktionen wurden immer wieder als Rechtfertigung für illegale
Abschüsse ins Feld geführt, selbst von kantonalen Instanzen. Pro Natura
fordert deshalb «mit Nachdruck, dass bei geringstem Verdacht auf
Wilderei unverzüglich eine Untersuchung eingeleitet wird und fehlbare
Handlungen endlich konsequent aufgedeckt werden». Luchswilderei dürfe
nicht länger als Kavaliersdelikt behandelt werden, die Täter seien hart
zu bestrafen. «Die häufigste Todesursache für Luchse in der Schweiz sind
illegale Tötungen. Die zweithäufigste Todesursache sind
Verkehrsunfälle.»
Hat der Luchs überhaupt eine Chance, in der Schweiz Fuss zu fassen? Der
Luchsbestand in der Schweiz weise «verschiedene Tendenzen» auf, sagt
Reinhard Schnidrig. Im Nordosten des Juras stelle man eine Ausweitung
der Besiedlung fest, während es im Südwesten des Juras «ein Loch» gebe.
Auch hier habe man in den letzten Jahren Indizien gefunden, dass Luchse
illegal getötet, sprich vergiftet wurden. Erfreulich sei die Entwicklung
in den Nordwestalpen, hier sei eine «ansteigende Tendenz» zu verfolgen.
Insgesamt sei der Bestand aber nach wie vor fragil und die Entwicklung
genau zu verfolgen.
«Noch ist der Luchs nicht über den Berg», meint auch Urs Tester von Pro
Natura. Die lokalen Bestände, vor allem jener in der Ostschweiz, seien
sehr schwankend, der Brückenschlag über Zürich und die Ostschweiz noch
nicht gelungen. Vor zwei Wochen erst haben die Kantone St. Gallen,
Zürich, die beiden Appenzell und Thurgau sowie das Bafu beschlossen, im
kommenden Frühjahr erneut einen oder zwei Luchse in die Nordostschweiz
umzusiedeln. |
Um die Anzahl Luchse in der Schweiz zu errechnen, lässt das Bafu
regelmässig ein Monitoring erstellen. Dabei werden an Orten mit
bekannten oder vermuteten Wechseln von Luchsen Fotofallen
aufgestellt. Einen Luchs zu identifizieren, ist nur aufgrund des
Fellmusters möglich. Also muss das Tier von zwei Seiten abgelichtet
werden. Der Hauptapparat ist mit Bewegungssensoren ausgerüstet, die
beim Vorbeigehen eines Tieres ein Bild auslösen. Der zweite
Fotoapparat reagiert auf den Blitz des ersten Apparats. (NIG)
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