Ordnung Raubtiere (Haarraubwild)
Familie Hundeartige Marderatige Katzenartige
Unterfamilie   Bären Klein-bären  echte Marder Stinkmarder  
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Luchs

 

Beschreibung

Ihr Aussehen ist geprägt durch ihre Haarbüschel auf den Ohren, die Hochbeinigkeit und die scharfen, geborgenen Krallen. Die Farbe des Fells variiert von rötlichbraun mit schwarzen Flecken bis grau und schwach gefleckt.

Der Luchs ist ein Anschleichjäger. Schlägt ein Überraschungsangriff fehl, wird die Beute nicht verfolgt. Der Luchs greift das Opfer mit den Krallen der Vorderpranken und tötet es mit einem gezielten Biss in die Kehle. Hat er ein Reh oder eine Gämse gerissen und bleibt er ungestört, kehrt der Luchs mehrere Nächte zur Beute zurück, bis diese vollständig verzehrt ist. Nur die groben Knochen, der Kopf, das Fell sowie der Verdauungstrakt bleiben übrig.

Ein Luchs braucht pro Woche ungefähr ein Reh oder eine Gämse, das heisst rund 60 Tiere pro Jahr.

Merkmale

Ausgewachsene Weibchen des Eurasischen Luchses wiegen bei uns 17 bis 20 kg, Männchen bis 25 kg. Damit ist der eurasische Luchs gut doppelt so schwer wie die übrigen Luchsarten.

Verhalten

Luchse leben einzelgängerisch in Revieren, in denen sie keine anderen erwachsenen Tiere des gleichen Geschlechts dulden. Das Revier eines Männchens umfasst ein bis zwei weibliche.

Die Reviergrösse schwankt stark in Abhängigkeit vom Nahrungsangebot und vom Zustand der Population. Bei radiotelemetrisch überwachten Männchen in der Schweiz wurden bei Männchen durchschnittliche Werte von 150 km² gemessen, bei Weibchen von 90 km². Junge Tiere, die kein festes Revier etabliert hatten, bewegten sich in Gebieten bis 760 km² beziehungsweise 480 km² Grösse.

Nach dem Verlassen der Mutter suchen sich die Jungtiere ein eigenes Revier. In dieser Zeit sind sie manchen Gefahren ausgesetzt. Viele überleben das erste Jahr in Unabhängigkeit nicht. Nur wenn es ihm gelingt, ein freies Revier zu besetzen, kann ein junger Luchs sich langfristig etablieren und fortpflanzen.

Luchse sind zu allen Tageszeiten aktiv, am häufigsten jedoch in der Abend- und Morgendämmerung. Die Jagd erfolgt meistens am Abend, wenn auch die Beutetiere aktiv sind. Mit frischer Beute ruht der Luchs im Tageslager, frisst am Abend und streift in der Nacht umher, bevor er am Morgen ins Tageslager zurückkehrt. Grössere Distanzen legt er aber vorwiegend nachts zurück.

Während der Ranzzeit (Paarungszeit) von Februar bis April sind Luchse öfter auch tagsüber aktiv. In dieser Zeit kann man gelegentlich ihre Rufe hören - ein melodisches, weittragendes 'ma-uu’. Sonst sind Luchse eher stille Tiere, nur Mutter und Jungtiere verständigen sich ebenfalls durch Kontaktrufe.
 

 

Lebensraum und Nahrung

Der Luchs ist ein Waldbewohner: Seine Jagdweise setzt einen deckungsreichen Lebensraum voraus. Lediglich in Zentralasien, am Westrand der Wüste Gobi, tritt er auch ausserhalb der Zone geschlossener Wälder auf. In Europa besiedelte er von den mediterranen Hartlaubwäldern bis zu den borealen Nadelwäldern alle Klimazonen von der Meereshöhe bis zur Waldgrenze im Gebirge.

Dabei ist die Art keineswegs an Gebirge gebunden. Im Schweizer Mittelland fehlt sie nicht, weil ihr Flachland nicht behagt, sondern weil dieser Teil des Landes zu stark entwaldet und zu dicht besiedelt ist.

Der eurasische Luchs ist ein Jäger von kleinen Paarhufern wie Reh, Gämse, Ren und Moschustier. Von den rund tausend Beutetieren, welche in der Schweiz im Rahmen radiotelemetrischer Untersuchungen bisher gefundenen wurden, sind 88 % Rehe und Gämsen. An dritter Stelle folgt der Fuchs mit einem Anteil von lediglich 4,3 %. Andere Wildtierarten bilden bloss eine Gelegenheitsbeute.

Haustiere - vor allem Schafe - spielen lokal, zeitlich beschränkt und nur für die Ernährung bestimmter Luchse eine Rolle.

Fortpflanzung

Die Luchsin wirft Ende Mai oder Anfang Juni ein bis vier - am häufigsten zwei - blinde Junge. Diese kommen an einem geschützten Ort zur Welt, in einer Höhle oder unter einem umgestürzten Baum. Sie verlassen den Geburtsort in den ersten Wochen nicht.

Die Luchsin sorgt allein für die Aufzucht der Jungen. Sie trägt ihnen keine Nahrung zu: Jungluchse leben von Milch, bis sie der Mutter an den Riss - ein gerissenes Beutetier - folgen können. Während rund zehn Monaten bleiben die Jungen bei der Luchsin. Danach lösen sie sich von ihr und verlassen das mütterliche Revier.
 

Familie und Gattung

 

 

Raubwild

 

Als Raubwild bezeichnen wir die dem Jagdrecht unterliegenden einheimischen Raubtiere, gelegentlich auch als "Haarraubwild" vom "Federraubwild" (Greifvögel) unterschieden.

 

 

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Verkürzte Schonzeit UVEK

 

 

 

in Kürze...
 

Schulterhöhe 65- 73 cm Reh
Kopf-Rumpflänge 100-130 cm
Gewicht (lebend) 15-25 kg; je nach Klima, Nahrung und Bestandesdichte
Geweih («Gehörn») 1-3 Enden pro Stange; Abwurf: Nov./Dez., erneuert: März/April
Höchstalter bis 20 Jahre; Durchschnitt 2-3 Jahre
Paarungszeit Juli-August
Tragzeit 40 Wochen (inkl. Eiruhe bis ca. Dez.)
Setzzeit Mai-Juni
Anzahl Junge 1-3, meist 2
Geburtsgewicht 500-2000 g
Säugezeit ca. 3 Monate
Geschlechtsreife mit ca. 1 Jahr; aktive Fortpflanzung: M ab 3 Jahren, W mit 1-2 Jahren

 

Spuren

 


 

 

Jagd

 

 

Jagdgesetzgebung
 

    

 

 

Jägersprache


 

 

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Bemerkungen

Einen Luchs bekommt man nicht so einfach zu Gesicht. Die Raubkatze ist vor allem in der Abend- und Morgendämmerung aktiv, grössere Wanderungen unternimmt er nachts. Selbst das Bundesamt für Umwelt (Bafu) kann nur schätzen, wie viele Luchse in der Schweiz umherstreifen: die Alpenpopulation soll 70 bis 90 Tiere zählen (ohne Junge), die Jurapopulation 30 bis 40 und die Ostschweizer Population 6 bis 8.

SEIT MEHREREN JAHREN lässt das Bafu ein Luchs-Monitoring erstellen. Dabei stellen Forscher auf einer Fläche von rund 800 Quadratkilometern Kameras auf, die vorbeiwandernde Tiere automatisch fotografieren. Aufgrund des individuellen Fellmusters der Luchse und der Häufigkeit, mit der ein bestimmtes Individuum fotografiert wird, lässt sich der Bestand gemäss Bafu relativ zuverlässig hochrechnen.

Kürzlich stellte das Bafu die Zahlen der Erhebung vom letzten Winter vor. Mit überraschenden Ergebnissen: Im nordöstlichen Jura weist die Studie auf eine wachsende und sich ausbreitende Population hin. Zwischen dem Brienzersee und dem Vierwaldstättersee dagegen ist die Dichte gegenüber den letzten Jahren rückläufig, im östlichen Berner Oberland ist sie regelrecht eingebrochen. «Der Umstand, dass so viele Luchse innert kurzer Zeit verschwinden, spricht klar für die illegale Tötung als wichtigste Ursache», sagt Urs Tester, Artenschutzexperte von Pro Natura. Denn das Nahrungsangebot habe in dieser Zeit nicht abgenommen, auch seien keine Epidemien festgestellt worden: «Kranke Tiere haben die Tendenz, sich eher an leichte Beute zu machen. Bei einer steigenden Zahl Krankheitsfälle würde man mehr getötete Haustiere feststellen und mehr Luchse in Siedlungsnähe. Dafür gibt es keine Hinweise.»

Auch Reinhard Schnidrig, Chef Sektion Jagd, Wildtiere und Waldbiodiversität beim Bafu, glaubt nicht, dass allein die Abwanderung oder der natürliche Tod für den Einbruch des Luchsbestandes im östlichen Berner Oberland angeführt werden können: «Die Erfahrungen aus anderen Regionen und die Einschätzung der Berner Wildhut lassen vermuten, dass hier Wilderer am Werk waren.»

Tatsächlich liess Peter Juesy, bernischer Jagdinspektor, dem Berner Untersuchungsrichteramt am 9. Juli einen entsprechenden Bericht zukommen. Der zuständige Untersuchungsrichter beauftragte die Kantonspolizei, zu ermitteln, ob strafbare Handlungen begangen worden sind.

DEM LUCHS HAFTET ein alter Fluch an. Seit der Wiederansiedlung in den Siebzigerjahren wurden nebst 20 offiziellen auch «illegale Luchse» ausgesetzt. Wie viele, weiss niemand genau, das Bafu schätzt zwischen 5 und 10. Diese illegalen Aktionen wurden immer wieder als Rechtfertigung für illegale Abschüsse ins Feld geführt, selbst von kantonalen Instanzen. Pro Natura fordert deshalb «mit Nachdruck, dass bei geringstem Verdacht auf Wilderei unverzüglich eine Untersuchung eingeleitet wird und fehlbare Handlungen endlich konsequent aufgedeckt werden». Luchswilderei dürfe nicht länger als Kavaliersdelikt behandelt werden, die Täter seien hart zu bestrafen. «Die häufigste Todesursache für Luchse in der Schweiz sind illegale Tötungen. Die zweithäufigste Todesursache sind Verkehrsunfälle.»

Hat der Luchs überhaupt eine Chance, in der Schweiz Fuss zu fassen? Der Luchsbestand in der Schweiz weise «verschiedene Tendenzen» auf, sagt Reinhard Schnidrig. Im Nordosten des Juras stelle man eine Ausweitung der Besiedlung fest, während es im Südwesten des Juras «ein Loch» gebe. Auch hier habe man in den letzten Jahren Indizien gefunden, dass Luchse illegal getötet, sprich vergiftet wurden. Erfreulich sei die Entwicklung in den Nordwestalpen, hier sei eine «ansteigende Tendenz» zu verfolgen. Insgesamt sei der Bestand aber nach wie vor fragil und die Entwicklung genau zu verfolgen.

«Noch ist der Luchs nicht über den Berg», meint auch Urs Tester von Pro Natura. Die lokalen Bestände, vor allem jener in der Ostschweiz, seien sehr schwankend, der Brückenschlag über Zürich und die Ostschweiz noch nicht gelungen. Vor zwei Wochen erst haben die Kantone St. Gallen, Zürich, die beiden Appenzell und Thurgau sowie das Bafu beschlossen, im kommenden Frühjahr erneut einen oder zwei Luchse in die Nordostschweiz umzusiedeln.

 

Um die Anzahl Luchse in der Schweiz zu errechnen, lässt das Bafu regelmässig ein Monitoring erstellen. Dabei werden an Orten mit bekannten oder vermuteten Wechseln von Luchsen Fotofallen aufgestellt. Einen Luchs zu identifizieren, ist nur aufgrund des Fellmusters möglich. Also muss das Tier von zwei Seiten abgelichtet werden. Der Hauptapparat ist mit Bewegungssensoren ausgerüstet, die beim Vorbeigehen eines Tieres ein Bild auslösen. Der zweite Fotoapparat reagiert auf den Blitz des ersten Apparats. (NIG)

 

Kalender

Jan. Febr. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez.
Ranzzeit                        
Tragzeit    

70 Tage

               
Setzzeit         2-3              
Säugezeit                        
Schonzeit                        
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    Copyright ©          E. Schmid, Turgi

 update © ES   11. April 2009