Bison
Beschreibung
Der Wisent oder Europäische Bison (Bison bonasus)
ist eine europäische Art der Rinder, die heute in weiten Teilen ihres einstigen
Verbreitungsgebiets ausgestorben ist. Er ist dem Amerikanischen Bison ähnlich
und mit diesem uneingeschränkt kreuzbar; die beiden werden daher manchmal als
eine Art betrachtet.
Der Wisent (Bison bonasus) aus der Sippe der
Wildrinder ist der unangefochtene Riese unter den Landsäugetieren Europas:
Grossgewachsene Bullen erreichen eine Schulterhöhe von nahezu zwei Metern und
bringen mitunter fast eine Tonne auf die Waage.
Als Lebensraum bevorzugt der Wisent urtümliche Waldlandschaften. Dort ernährt er
sich von verschiedenerlei Blättern, Trieben, Zweigen, Rinden und Flechten, die
er bei gemächlichen Streifzügen durchs Unterholz zu sich nimmt. Daneben verzehrt
er gern saftige Gräser, Kräuter und Stauden, die er auf Waldlichtungen und an
Gewässerrändern findet. Im Herbst nimmt er auch reichlich Pilze, Beeren, Eicheln
und andere Früchte zu sich.
Während des Winters bilden die Wisentkühe zusammen mit ihren abhängigen Kälbern
sowie den bereits selbständigen Jungkühen grössere Herden, und die Bullen tun
mit ihresgleichen dasselbe. Jeweils im Frühjahr spalten sich die Weibchenherden
dann in kleinere Gruppen von 8 bis 20 Tieren auf. Die «Junggesellengruppen»
ihrerseits zerfallen in Trupps von zwei bis vier Tieren und in Einzelgänger.
Alle diese «Formationen» verteilen sich ziemlich gleichmässig über den
vorhandenen Lebensraum und ziehen friedlich darin umher.
Hektisch wird das Leben der Wisente einzig während der Brunftzeit, welche in die
Monate August und September fällt. Die Männchen folgen dann den Weibchen nach
und tragen untereinander heftige Rangordnungskämpfe aus. In dieser aufregenden
Zeit lassen sie oft ihr Brüllen hören. Auch schnauben und stampfen sie
angriffslustig oder bearbeiten einen Baum mit ihren Hörnern. Neben solchen Droh-
und Imponiergesten sind erbitterte Nahkämpfe an der Tagesordnung, die unter
Umständen mit schweren Verletzungen oder gar mit dem Tod eines der Rivalen enden
können. So wird letztlich das Vorrecht zur Paarung mit den Weibchen geregelt:
Nur den kräftigsten, ranghöchsten Bullen ist es nämlich vergönnt, die brünftigen
Kühe zu begatten und so mit ihr Erbgut weiterzugeben.
Nach einer Tragzeit von knapp neun Monaten bringen die Weibchen im Mai oder
Juni, wenn das Nahrungsangebot besonders reichlich ist, ihre Jungen gewöhnlich
als Einzelkinder zur Welt. Die Kälber wiegen bei der Geburt etwa 30 Kilogramm.
Sie werden rund ein halbes Jahr lang gesäugt, doch nehmen sie schon nach drei
Wochen auch selbständig Nahrung zu sich. Die Geschlechtsreife erreichen sie zwar
schon im Alter von zwei Jahren, doch sind sie frühestens mit sechs Jahren voll
aus gewachsen. Ihre Lebensdauer beträgt wie bei den meisten Wildrindern 20 bis
25 Jahre.
Der Wisent war einst in den Wäldern Europas und des gemässigten Asiens
weitverbreitet. Mit der zunehmend dichteren Besiedlung dieser Regionen durch den
Menschen wurden seine Bestände jedoch rapid vermindert. Zum einen machte der
Mensch eifrig Jagd auf das grosse Wildrind, weil er dessen schmackhaftes Fleisch
und strapazierfähiges Leder sehr zu schätzen wusste. Zum anderen rodete er die
Wälder, um Platz für seine Kulturpflanzen und sein Vieh zu schaffen, und
zerstörte dadurch auf grossen Flächen den Wisentlebensraum.
Zu Beginn unseres Jahrhunderts gab es nur noch im Kaukasusgebirge einen
kläglichen Rest des leichter gebauten, dunkleren Bergwisents (Bison bonasus
caucasicus). Und im Urwald von Bialowieza, im Grenzgebiet zwischen Polen und
Weissrussland, führten die letzten paar hundert Vertreter des Flachlandwisents
(Bison bonasus bonasus) ein verstecktes Dasein. Die Wirren des Ersten Weltkriegs
machten dann beiden Rassen endgültig den Gar aus: 1921 wurde der letzte
Flachlandwisent, 1927 der letzte Kaukasuswisent abgeschossen. Damit schien das
Schicksal des mächtigsten
europäischen Wildtiers besiegelt zu sein.
Zum Glück befanden sich aber noch insgesamt 56 Flachlandwisente in verschiedenen
Tiergärten Europas. Mit diesen wenigen Tieren nahmen ein paar Fachleute den
nahezu hoffnungslosen Kampf um die Erhaltung der Art auf. Und tatsächlich waren
ihre planmässigen Zuchtanstrengungen - trotz anfänglicher Rückschläge - von
Erfolg gekrönt: Es konnten nicht nur mehrere blühende Wisentzuchtgruppen in
Menschenobhut gegründet werden, sondern es gelang sogar (ab 1952), im
grenzüberschreitend angelegten, 1250 Quadratkilometer grossen Nationalpark von
Bialowieza einen freilebenden Wisentbestand aufzubauen. Dort hat sich
zwischenzeitlich dank guter Betreuung eine ansehnliche Population - rund 250
Tiere auf polnischer und 200 auf weissrussischer Seite - entwickelt, und bereits
konnten weitere Herden in anderen Schutzgebieten im östlichen Europa gebildet
werden. So hat der eindrucksvolle Wisent zu guter Letzt doch überlebt.
Der Niedergang der Bisons begann erst mit der Eroberung und Besiedlung des
«Wilden Westens» durch die Weissen. 1884 waren die arglosen Grasfresser bis auf
einen kläglichen Rest von 200 Tieren ausgerottet. Dank des Einsatzes einiger
weitsichtiger Männer konnte die Art im letzten Moment noch gerettet werden.
Heute gibt es zum Beispiel im Yellowstone National Park in Wyoming und im Wood
Buffalo Park in Alberta wieder ansehnliche Herden der imposanten Tiere.
▲
Merkmale
▲
Verhalten
▲
Lebensraum und Nahrung
▲
Fortpflanzung
▲
▲
▲
▲
▲
|
Kalender |
Jan. |
Febr. |
März |
April |
Mai |
Juni |
Juli |
Aug. |
Sept. |
Okt. |
Nov. |
Dez. |
|
Brunft/Paarung |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Tragzeit |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Setzzeit |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Säugezeit |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Schonzeit |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
__________________________________________________________________________________________________________