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100 Stunden für ein Schwein
Jäger stellen Managementempfehlungen des Bundes infrage
Revierübergreifende Bewegungsjagden sind untauglich, um
Wildschweinschäden einzudämmen. Das zumindest sagen Exponenten von 13
zwischen Bözberg und Wasserfluh ansässigen Jagdgesellschaften.
Die schlauen Wildschweine machen es den Jägern nicht leicht. Auch nicht
im Schenkenbergertal, welches das Kerngebiet der Reviere von 13
Jagdgesellschaften bildet, die seit 2003 gemeinsam erprobt haben, ob die
revierübergreifende Bewegungsjagd im Winter den Jagderfolg beim
Schwarzwild verbessert. Das Fazit aus dem in Eigeninitiative gestarteten
Versuch ist ernüchternd: Bei den 5 jeweils im Januar organisierten so
genannten Drückjagden wurden im Durchschnitt gegen 100 Mannstunden
eingesetzt, um ein Schwein zu erlegen. Um 6 bis 14 Tiere zu schiessen,
standen zwischen 180 und 325 Jäger und Treiber im Einsatz. Ein enormer
Aufwand, der in keinem Verhältnis zum erzielten Nutzen für die
Bekämpfung der Wildschweinschäden im Landwirtschaftsland stehe. Das sagt
Rainer Klöti, Obmann der Jagdgesellschaften Veltheim, Schinznach und
Oberflachs, der in der vergangenen Woche einen Bericht über diese
Jagderfahrungen an Aargauer Medien und die kantonale Jagdverwaltung
geschickt hat.
«Aufwand nicht zumutbar»
Die revierübergreifende Bewegungsjagd wird nämlich in der 2004 von einer
Arbeitsgruppe des Bundesamts für Umwelt (Bafu) erarbeiteten Praxishilfe
Wildschweinmanagement zur Förderung empfohlen. Dies basierend auf
Erfahrungen aus Frankreich und Deutschland. «In unserem kleinräumigen
Kulturland funktioniert das aber nicht», hält Klöti fest.
Der festgestellte Aufwand liege deutlich über dem der Einzel-Ansitzjagd,
bei der etwa 50 bis 70 Mannstunden für das Erlegen eines Schweins
benötigt würden. Zudem sei der Jägerschaft auch der enorme
Organisationsaufwand nicht zumutbar. Dass die Praxishilfe tatsächlich
sinnvolle Empfehlungen und Massnahmen anbiete, müsse deshalb, zumindest
was die Jagdmethoden betreffe, in Zweifel gezogen werden. Hingegen
ermöglichten eine angepasste Ansitzjagd und die gelegentliche Pirsch
genügend Abschüsse für eine wirksame Verhütung der Wildschweinschäden,
halten die Jäger im allerdings auch nicht zu den am stärksten
betroffenen Gebieten zählenden Schenkenbergertal fest.

Gesamtstrategie wird gesucht
Bei der kantonalen Jagdverwaltung hat man den Bericht mit Interesse zur
Kenntnis genommen. Für Jagdverwalter René Urs Altermatt werden dadurch
aber keine Elemente der laufenden kantonalen Bemühungen um eine
Eindämmung der Wildschweinschäden grundlegend infrage gestellt. Diese
basieren grundsätzlich auf dem Konzept von 2004, das laut Altermatt den
damaligen Wissensstand wiedergab. Bei der Entwicklung einer
gesamtkantonale Strategie zur Eindämmung der Wildschweinschäden im
Aargau berücksichtige man indes natürlich die laufend gemachten – von
Region zu Region aber durchaus unterschiedlichen – Erfahrungen der
Jäger.
«Bewegungsjagd bleibt wichtig»
In einem Pilotprojekt wird ab diesem Sommer in drei Gebieten mit
besonders vielen Wildschweinschäden im unteren Fricktal, um Laufenburg
und im Studenland ein im April vorgestellter Massnahmenplan umgesetzt.
Darin bleibe die revierübergreifende Bewegungsjagd jedoch ein wichtiges
Element, betont Altermatt. Zwar zeigten auch andere Erfahrungen
mittlerweile, dass derart gross angelegte Aktionen wie jene im
Schenkenbergertal tatsächlich zu wenig Erfolg bringen. Hingegen erziele
man diesen mit kleinräumigeren Bewegungsjagden durchaus.
Zentraler als die einzelne Jagdmethode sei indes für den Gesamterfolg
sowieso, dass variantenreich gejagt werde, erklärt der Aargauer
Jagdverwalter Altermatt. Denn das hochintelligente Tier gewöhne sich an
die Jagdmethoden. Mit der traditionellen Ansitzjagd allein könne man die
Bestände jedenfalls nicht reduzieren.
ALOIS FELBER / AZ, Fr, 8. Juni 2007
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