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Jägersprache
Ableuchten – so nennt es der Jäger,
wenn er oder sein Hund fachmännisch umherschauen, ob irgendwo
irgendwas zu sehen ist. Äser – der Teil des Wildes, mit dem es äst,
also frisst.
Anschuss – die Stelle, an der das Wild stand, als es die Kugel
empfing. Es ist wichtig, bei flüchtigem Wild zuerst diese Stelle zu
finden, und dann aus den Spuren, den sogenannten Schusszeichen
(Haar, Blut, Knochensplitter, ausgerissene Rasenstücke usw.) genau
zu ermitteln, wo der Schuss sitzen kann und wohin das Wild
geflüchtet ist.
Ansprechen -. man quatscht das Wild zwar nicht an, damit es nicht
wegläuft, aber der Ausdruck bedeutet in der Jägersprache genau durch
Hinsehen ermittelt, um was für ein Stück es sich handelt, jung, alt,
trächtig, usw.
Aufbrechen – wie der Name schon sagt: das Öffnen des Körpers des
erlegten Wildes. Ausweiden – das Herausnehmen von allerlei Innereien
aus dem erlegten Wild.
Bache – das weibliche Wildschwein, beim Hausschwein Sau geheißen
(geht alles ganz schön durcheinander, was?).
Bergstutzen – eine zweiläufige Büchse mit einem Lauf für ein großes
und einem für ein kleines Kaliber.
Blattschuss – der Schuss auf das Schulterblatt oder direkt daneben.
Brennecke – Munitionshersteller, erster Fabrikant des berühmten und
nach dieser Firma genannten Flintenlaufgeschosses.
Brüche – zur Verständigung benutzen Jäger abgebrochene Zweige, die
deshalb Bruch bzw. Brüche heißen. So zeigt der Wartebruch dem später
eintreffenden Jäger an, dass er auf den ersten warten soll. Der
Warnbruch zeigt, dass hier in der Nähe Vorsicht geboten ist.
Vielleicht eine Fährte, die man nicht zertrampeln soll. Der
Fährtenbruch zeigt, ob männliches oder weibliches Wild geflüchtet
ist, und wohin. Der Leistenbruch... quatsch, gehört hier nicht her.
Brunft – die Zeit, in der das Wild plötzlich mächtig Lust kriegt,
mal mit dem anderen Geschlecht ein bisschen für Nachkommenschaft zu
sorgen. Beim Reh heißt diese Zeit Blattzeit, beim Wildschwein heißt
sie Rauschzeit oder Rausche, beim Fuchs und Marder zum Beispiel
Ranzzeit. Im Gegensatz zum Menschen sind diese Zeiten jahreszeitlich
begrenzt, woher der alte Jägerspruch stammt (der auch noch in der
Zeitangabe falsch ist): „Der Iltis
ranzt im Februar, der Waidmann ranzt das ganze Jahr!“
Büchse – Gewehr für den Kugelschuss.
Drosselschnitt – ein Schnitt entlang der Kehle, damit man die
Drossel, d.h. die Luftröhre abschneiden kann, denn sie verdickt sich
zum Kehlkopf, der schwer von innen aus dem Brustkorb durch das Wild
zu ziehen ist beim Aufbrechen, wenn er nicht vorher nach dem
Drosselschnitt rausgeschnitten wird.
Federn – so nennt der Jäger beim Wildschwein die langen
Rückenborsten, die dieses insbesondere beim Angriff aufstellt.
Flinte – Gewehr, aus dem nur Schrot oder allenfalls
Flintenlaufgeschosse verfeuert werden. Zwei Läufe nebeneinander
heißen Doppelflinte, zwei Läufe übereinander heißen, weil sie
aufgebockt sind, Bockdoppelflinte. Wird ein Schrotlauf mit einem
Kugellauf kombiniert heißt das ganze Bockbüchsflinte.
Flintenlaufgeschoss – aus Flinten verschießt man gemeinhin
Schrotpatronen, mit kleinen Bleikugeln gefüllte Patronen, aus denen
nach dem Abfeuern die kleinen Bleikugeln in einer mehr oder minder
weit streuenden Garbe herausfliegen, während man aus Büchsen mit
Büchsenpatronen Kugeln verschießt; die sind auch keine Kugeln,
sondern intelligent geformte und in vielen Formen und
Zusammensetzungen auftretende Einzelgeschosse. Anstelle von Schrot
kann man aus Flinten aber auch eine Art Kugel, einen dicken
zylindrischen Bleibatzen, verschießen. Auf kurze Entfernung hat er
eine gewaltige Wirkung. Das ist dann ein Flintenlaufgeschoss, nach
den ersten Herstellern auch Brennecke genannt.
Frischling – so nennt der Jäger die Ferkel der Wildschweine bis zum
31.3. des auf die Geburt folgenden Jahres.
Gebräch – das Maus des Wildschweins, mit dem es den Boden umbricht,
um nach Würmern oder Mäusen zu suchen; dann steht es im Gebräch.
Gelege – die Eier des Federwildes, also von Fasan, Rebhuhn, usw.,
nämlich das, was die Henne sich so ins Nest legt. Genossen machen –
man gibt seinem Hund nach getaner Arbeit etwas Wild zum
Draufrumkauen ab – Der Ausdruck ist nicht auf den Eintritt in die
SPD, die SED oder die PDS anzuwenden, es wird hier rein jagdlich
gebraucht. Geräusch – diejenigen Innereien des Wildes, die
regelmäßig ein Geräusch verursachen, also Lunge, Herz usw.
Gescheide – diejenigen Teile des Wildes, die dem
Ausscheidungsprozess dienen, also Darm und so.
Hochsitz – Oberbegriff für alle Sitze, auf die man raufklettern
muss. Jährling – einjähriger Rehbock.
Kahlwild – weibliches Rotwild, das so heißt, weil es im Gegensatz
zum Hirsch auf dem Kopf kahl ist, klar, nicht?
Kammer – der Brustkorb des Wildes.
Kanzel – ein mehr oder minder geschlossenes Stübchen, zudem man
vermittels einer Leiter gelangt; da sitzt man dann vergleichsweise
trocken und warm. Es gibt Jäger, die haben da mehr Komfort als
zuhause.
Keiler – heißt der Eber beim Wildschwein; je nach Alter nennt man
den Keiler bis zum ersten April des auf die Geburt folgenden Jahres
Frischlingskeiler, danach ein Jahr lang Überläufer, danach
zweijähriger, dreijähriger usw. Keiler; je nach Entwicklung spricht
der Jäger auch von dann von einem groben Schwein, einem hauenden
Schwein, einem Hauptschwein und schließlich von einem kapitalen
Bassen.
Kreisen – wenn Neuschnee gefallen ist, folgt man der Fährte der
Wildschweine, bis die in einer Dickung oder einem Wald verschwindet.
Da latscht man dann dumm rum, um zu sehen, ob die Fährten wieder
hinaus führen. Das nennt man Kreisen, von Umkreisen. Wenn die Sauen
drin stecken , dann hat man sie eingekreist, ruft die Kuppel, und
versucht sie rauszutreiben und dabei welche zu treffen. Manchmal
gelingt das auch.
Kujel – liebevoller Ausdruck für Wildschwein, wahrscheinlich aus dem
Ostpreußischen.
Leiter – ein offener Sitz am Ende einer Leiter
Locheisen – siehe Wumme oder Meuchelpuffer.
Meuchelpuffe – siehe Wumme
Muffelfleck – der schwarze Fleck, den der Reckbock gewöhnlich um die
Nase herum hat. Er soll angeblich was über das Alter aussagen, tut
das aber fast nie.
Neue – Jägersprache für Neuschnee, in dem sich besonders gut
Fährten, also die Fußspuren des Wildes, feststellen lassen.
Pirschen – das angehen oder besser anschleichen des Wildes; beim
pirschen steht man mehr, als man geht, lauscht, sieht umher, und
macht die nächsten Schritte nur, wenn man sicher ist, damit kein
Wild zu vergrämen. Kaum tut man das, springt meist Wild ab, das man
doch nicht gesehen hat.
Pirschbezirk – ein Stück Revier, das ein Jäger zugewiesen erhält, um
dort auf Wild zu pirschen, das heißt Wild an zu schleichen.
Ricke – die Frau vom Rehbock, also das weibliche Reh; wenn sie erst
ein Jahr alt ist und heiratsfähig, dann heißt sie Schmalreh. Nicht
zu verwechseln mit dem Schmaltier, das das gleiche beim Rotwild ist.
Viele Mitmenschen behaupten das Reh sei die Frau von Hirsch. Unsinn.
Der Hirsch, auch Rothirsch genannt, paart sich mit dem Tier, auch
Rottier und, wenn älter als ein Jahr und deshalb nicht mehr
Schmaltier, Alttier genannt. Die Kinder heißen Kalb, und zwar
Hirschkalb oder Tierkalb. Das Reh ist ein völlig anderes Tier, zwar
auch ein Cervide, aber ein Trughirsch. Der Mann
heißt Bock oder Rehbock, das Weib erst Schmalreh und nach einem Jahr
Ricke, die Kinder heißen Kitze, Bockkitz oder Rickenkitz. Und um mit
noch einer Legende aufzuräumen: Bambi war kein Reh, wie immer
behauptet
wird, sonder nein amerikanischer Weißwedelhirsch!
Sau – Wildschwein, beim Bauern allerdings die Frau vom Eber – geht
ganz schön durcheinander, wie schon gesagt.
Saufeder – ein kurzer Spieß mit einem breiten lanzettförmigen oder
blattförmigen Ende, mit dem die Sau, die von den Hunden, den
Saupackern, beschäftigt und festgehalten wurde, mit einem Stoß
zwischen Blatt und Rippen, in die Kammer oder ins Herz erlegt wurde.
Besonders kräftige Kerle konnten das auch mit einem großen Dolch,
dem Waidblatt, machen. Heute
kann das nicht nur keiner mehr, sondern es ist auch Tierquälerei.
Schalenwild – alles Wild, das anstatt auf Ballen, leisen Sohlen oder
Hufen auf Schalen, läuft – das Rotwild, Rehwild, Dammwild, Sikawild,
Gamswild, Muffelwild, Steinwild und Schwarzwild.
Schloss – die Stelle, an der die Beckenknochen zusammengewachsen
sind; beim Aufbrechen muss das Schloss auseinandergeschnitten, meist
gesägt oder gebrochen werden (daher aufbrechen), um den Darm ganz zu
entfernen.
Schwarzwild – Jägersprache für Wildschweine allgemein.
Schweiß – So nennt der Jäger das Blut des Wildes. Sein eigenes Blut
nennt er dagegen Blut, und seinen Schweiß Schweiß. Na ja.
Stich – Ende des Brustbeines.
Suhle – ein möglichst modriger Tümpel, in dem sich Hirsch und Sau
gerne wälzen. Das kühlt und gibt eine schöne Dreckschicht. Gegen
Mücken, Zecken und Fliegen. Und den Waidmann freut es immer ganz
besonders, wenn er eine Sau erlegt, die gerade aus der Suhle kommt –
meist spritzt ihn dann beim nach Hause kommen die liebende Gattin
vor dem Haus erst mal mit dem Gartenschlauch ab, bevor er das Haus
vorsichtig in Unterhosen betreten darf.
Teller – die Ohren des Wildschweins.
Träger - der Teil vom Reh und Rotwild, der Haupt trägt, also der
Hals.
Trophäe – der Teil vom erlegten Tier, der sich bei den Jagdgenossen
rumzeigen oder sogar an die Wand nageln lässt oder aus den man
Manschettenknöpfe oder Krawattennadeln machen kann. Beim Hirsch ist
das das Geweih (für die Wand nicht die Krawatte!), Bei Rehbock das
Gehörn, bei Elch und Dammhirsch die Schaufeln, beim Keiler die
sogenannten Keilerwaffen, also die großen Zähne, die dem alten
Keiler rechts und links aus dem Maul ragen.
Überläufer – einjähriger Schwein. Tiere haben nach unserm Jagdrecht
am ersten April Geburtstag, egal wann sie wirklich geboren wurden.
Das ist wie bei dem Großvater meiner Frau, der Faulheit alle meine
Hausmädchen Elfriede nannte, egal wie sie hießen. Eigentlich eine
Unverschämtheit, aber praktisch.
Versorgen – Aufbrechen und Ausweiden ein sehr fürsorglicher
Ausdruck, stimmt`s?
Wechsel – ein Pfad, auf dem das Wild von einem Ort zum andern
latscht.
Windfang – der Teil des wildes, mit dem es den Wind einfängt, um ihn
zu prüfen, ob es darin nach Mensch, aber vielleicht auch nach einem
brunftigen Weib richt, auf gut deutsch die Nase des Wildes.
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Lexikon der Weidmannsprache
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