Sitzplatz im Flugzeug
In der Nähe des Notausgangs sitzt man am sichersten – wenn er funktioniert. Eine englische Studie kommt zu beunruhigenden Schlüssen: Bei mehr als einem Viertel der untersuchten Flugunfälle funktionierte ein Notausstieg oder eine Notrutsche nicht.

Passagiere beginnen sich bei Zwischenfällen zu wehren
Diese Unglücksserie hat Folgen: Die Fluggäste sind so verunsichert, dass sie bei
Störungen rebellieren. So weigerten sich am 14. September 170 Passagiere auf dem
Flughafen Nürnberg, nach zwei gescheiterten Startversuchen dieselbe
Air-Berlin-Maschine noch mal zu besteigen.
Und immer mehr Fluggäste fragen sich, ob die Platzierung im Flugzeug einen
Einfluss auf die Überlebenschancen bei einem Unglück hat. Mögliche Antworten
darauf geben nun Wissenschaftler der Universität Greenwich (GB). Sie haben
untersucht, wie sich Passagiere bei Unglücksfällen verhalten und wie die
rettenden Notausgänge am schnellsten zu erreichen sind. Dazu werteten sie die
Daten von 105 Flugunfällen im angelsächsischen Raum sowie 1917
Gesprächsprotokolle mit Überlebenden aus. Die Daten stammen aus den Jahren 1977
bis 1999. Bei den in die Unfälle involvierten Flugzeugtypen handelt es sich vor
allem um Modelle von Boeing und McDonnell Douglas, die auch noch heute
verbreitet sind.
Die wichtigsten Ergebnisse der Auswertung aus Passagiersicht
Wer unmittelbar neben einem funktionierenden Notausgang sitzt, hat die höchsten
Überlebenschancen. Aber: Nicht alle Notausgänge halten, was sie versprechen. In
mehr als einem Viertel der 105 untersuchten Flugunfälle liess sich mindestens
ein Notausgang nicht öffnen, weil er verklemmt war. Oder eine der Notrutschen
funktionierte nicht korrekt – fatal bei einer Notlandung.
Wer seine Überlebenschance im Notfall etwas erhöhen will, reserviert einen Sitz, der zwei bis fünf Reihen von einem Notausgang entfernt ist. Ab der sechsten Reihe ist das Todesrisiko laut den Forschern grösser.
In Gangnähe zu sitzen erhöht die Überlebenschance nur leicht.
Ein geringes Plus an Sicherheit bringt statistisch ein Sitz vorne im Flugzeug.
Anweisungen des Kabinenpersonals oft missachtet
Die Auswertung der Gesprächsprotokolle zeigt zudem, dass viele Passagiere zuerst
Freunden oder Familienmitgliedern helfen, bevor sie das Flugzeug verlassen.
Interessant auch: Nicht alle Passagiere strebten dem nächstgelegenen Notausgang
zu. Und viele missachteten die Anweisungen der Kabinencrew. Dies selbst dort, wo
diese versucht hatten, die Fluggäste zu besser zugänglichen Türen zu dirigieren.
Pikant: Mit dem Bedürfnis der Passagiere nach grösstmöglicher Sicherheit
versuchen einzelne Fluggesellschaften bereits Geld zu machen. Bei Air Berlin
beispielsweise kostet die Reservation eines normalen Sitzes zwischen 10 und 15
Euro. Für die begehrten Sitze an den Notausgängen werden 20 bis 60 Euro
berechnet.

