Familien Schmid und Moor
Unser Problem bei alten Urkunden ist, dass wir die
Schrift nicht lesen können. Die altdeutsche Schrift unterscheidet
sich doch ganz erheblich von unserer gewohnten lateinischen Schrift und birgt
bei einigen Buchstaben wirklich fiese Fallen, in die selbst Experten beim
schnellen Lesen alter Schriften immer wieder tappen. Hier ist übrigens bewusst
von altdeutsch die Rede, denn die immer wieder gerne dafür verwendete
Bezeichnung „Sütterlinschrift“ gilt nur für Urkunden, die zwischen etwa 1920 und
1941 verfasst wurden. Die von Ludwig Sütterlin 1911 entwickelten Zeichen
stellten eine Vereinfachung der bis dahin üblichen Kurrentschrift dar,
waren ihr zwar ähnlich, unterschieden sich aber in Winkel, Ober- und Unterlängen
der einzelnen Buchstaben, damit sie für Schulkinder leichter zu erlernen waren.
Allerdings: Wer die Sütterlinschrift lesen kann, kommt auch mit der deutschen
Kurrentschrift ganz gut klar. Deshalb hier für alle Anfänger eine kleine Vorlage
zum „Abgucken“:

Wenn wir genau hinsehen oder gar nachzählen, werden wir unschwer entdecken, dass
es bei den kleinen Buchstaben einen mehr gibt als bei den großen. Der Grund
macht die Sache etwas komplizierter und ist natürlich auch eine weitere
Fehlerquelle beim Lesen: Sowohl in der Kurrentschrift als auch im Sütterlin gibt
es zwei verschiedene kleine "s". Das in der unteren Reihe des Musters an fünfter
Stelle stehende Zeichen ist ein "s" mitten im Wort, während das sechste Zeichen
ein sogenanntes Schluss-"s" ist. Dieses steht nur am Ende eines Wortes oder
Wortteils.
Folgendes Beispiel soll Ihnen den Unterschied verdeutlichen:
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Lassen wir uns beim Lesen also niemals vom ersten Eindruck hinreißen. Zum
Beispiel das große "B", sieht es nicht aus wie ein "L"? So wird ganz schnell aus
dem Namen Borck ein Lorck, die doch nun wirklich nicht verwandt sein können,
oder?


