Ordo Templi Orientis
O.T.O. Phenomenon Books
Ein Leben für die Rose
Arnoldo Krumm-Heller
© Peter-Robert Koenig
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Ein Leben für die Rose -
Arnoldo Krumm-HellerPeter-R. Koenig
Inhaltsangabe
I. Arnoldo Krumm-Heller
Oberst Dr. Krumm-Heller: Für Freiheit und Recht
La vie en rose
Der Rosenkreuzer aus Mexiko
Henri Birven: Aus dem Leben Aleister Crowleys
El Conquistador del Graal
II. Que las rosas florezcan
Die FRA in Brasilien
Chile
Peru
Kolumbien
Mexico
Von Kuba nach Florida
Spanien
Italien und Frankreich
Rosen in Oesterreich
Deutschland
Helvetia
Venezuela: "Golden Girls"
III. Inspiracion
Reuss' Pflichtlektuere für OTO-Mitglieder
E.C.H. Peithmann: Gnostischer Katechismus
Chevalier Le Clement de Saint-Marcq: "L'Eucharistie"
Isopathie?
J. Godwin: Magie Sexuelle
Theodor Reuss: Ritter der Rose und des Kreuzes
Theodor Reuss an Aleister Crowley
Heinrich Traenker: Der Ritter vom Rosenkreuz (18°)
Auszuege aus Traenkers Briefen an eine Ordensschwester
Heinrich Traenker: Ritual I der Agape
Reuss - Crowley - Krumm-Heller und Jesus?
Krumm-Heller: Rosa Esoterica
Krumm-Heller: Der Logos
Herbert Fritsche: Ausschnitt aus "Iatrosophia" 1937
Krumm-Heller: Die Lehren der alten Bruderschaft Rosa-Cruz
Vorwort zu: Krumm-Heller: Die Gnostische Kirche
Krumm-Heller: Logos Mantram Magia
Krumm-Heller: Die Eucharistie - Das Ritual
Vergleich mit dem Lectorium Rosicrucianum
"Female Trouble"
"(Much too much) Too hot to handle"
Krumm-Heller: Gedicht aus "Der Rosenkreuzer aus Mexiko"
Nachtrag zum "OTO-Phaenomen"
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Vorwort
Diese Studie ist der
5. Teil im OTO-Paket.[1] *
Sie rankt sich um "Das OTO-Phänomen" und findet ihre Wurzel im
dortigen Kapitel über die "Tradición Huiracocha." Die faktischen Fehler sind hier korrigiert. In
"Materialien zum OTO" ist z.B. ein Foto falsch legendiert: Auf der
Aufnahme p. 202 von Israel Rojas ist
Jorge Cruz Toquica und NICHT Gabriel
Ramírez Ciefuentes zu sehen!
Inhalt:
Der deutsche Theosoph
und Homöopath Arnold Krumm-Heller, mit
einer Theodor Reuss-Charta von 1908,
gründet 1927 die Fraternitas Rosicruciana Antiqua (FRA), die vor allem in
Lateinamerika, aber auch in Europa tätig ist. Infolge eines Treffens mit
Aleister Crowley und dessen Famulus Karl
Germer in Deutschland, weisen einige
Rituale ab 1930 thelemitischen Charakter auf, d.h. Crowleys Worthülsen. Dessen "Gesetz des Neuen
Aeons" wird in der FRA jedoch nicht so dogmatisch und nur selten
libertinistisch sperma-gnostisch
vertreten wie in anderen thelemitischen Gruppierungen. Neben der kaschierten
OTO-Loge Fraternitas Saturni ist die FRA
also eine der ersten Geheimorganisationen, die Crowleys Ideen mehr oder weniger in ihr System übernimmt,
ohne sich ihm jedoch persönlich zu unterwerfen.[2] *
Krumm-Heller, der
ausserdem eine der FRA angeschlossene Gnostisch-Katholische Kirche leitet,
erhält 1939 eine diesbezügliche französische apostolische Sukzession.
Nach dem Tod ihres
Gründers 1949 zerfällt die FRA in ein Dutzend Zweige. Neben dem AMORC und Reuben Swinburne Clymers Rosenkreuzer-Orden sind die FRA-Gruppen eine der
aktivsten Rosenkreuzergemeinschaften Lateinamerikas. Ihre historische Nähe zum
OTO, ihre ambivalente Haltung gegenüber Aleister Crowley und zum Teil gemeinsame "Gladiatoren und
Plagiatoren"[3] *
lassen die FRA Bestandteil des OTO-Phänomens werden. Die Fraternitas
Rosicruciana Antiqua ist jedoch keine verdeckte OTO-Loge, so wie es die
deutsche Fraternitas Saturni ist.[4] *
{siehe Kapitel "Too hot to handle"}
Da Krumm-Heller sich
nicht explizit über ein Gradsystem äussert, sind sich die Mitglieder darüber
uneinig und so sind vier hauptsächliche Auffassungen über das Gradsystem der
FRA aufgetaucht:
1. Die FRA bildet ein Dreieck mit OTO und Gnostisch
Katholischer Kirche (GKK). So können die ersten drei Grade freimaurerähnlich
per leicht thelemitischen Initiationsritualen (Baphomet im Mittelpunkt) erteilt werden, worauf 4
"spirituelle" Grade folgen, die mit den 3 hetero-sexualmagischen des
OTO (VIII°-IX°) abgeschlossen werden: FRA, GKK und OTO sich also zu einer Art
Körperschaft, "un cuerpo común," ergänzen.[5] *
2. Es gibt jedoch auch FRA-Zweige, die sich mit den
drei einzigen FRA-Initiationsritualen "begnügen." Der 3. Grad "significa
el puente del culto Solar de los Persas a los misterios mexicanos, Quichés,
Mayas e Incas."[6] *
3. Andere FRA-Zweige haben mit einer
freimaurerähnlichen Ordensstruktur wenig gemein und beschreiten weniger
hierarchische Initiationswege . Nach einer "Iniciación Aspirante
Rosacruz" folgt eine "Iniciación Rosacruz,"[7] *
die mit einer Menge "Mantrams y su entonación," "Disciplinas
individual," "Instrucciones especiales," "Trabajos en
grupos,"[8] *
und "Obligaciones diarias" begleitet sind. In einer dieser
FRA-Auffassung zugehörigen "Magia del Silencio" findet sich Crowleys "Liebe ist das Gesetz"[9] *
in einer freien Übersetzung (ebenso in obenerwähnter "Disciplinas
individual"), ansonsten wird Thelema stiefmütterlich in Krumm-Hellers
Schriften behandelt.
4. Die "Cursos secretos," die in allen
FRA-Zweigen gelehrt werden, entsprechen den Graden. Das wären dann fünf:
"Curso Zodiacal, Curso Rúnico, Curso de Kábala, Curso de Taumaturgia,
Curso de Magia Superior." Letzterer Kurs ist asketisch-sexualmagisch.
Allen FRA-Zweigen ist
eine Gnostisch Katholische Kirche (GKK) angeschlossen, welche jedoch nichts mit
Crowleys Eigengründung zu tun hat, die
von dessen Anhängern sonntäglich manchmal mit dem Verzehr von Sexualsekreten
gefeiert wird. Krumm-Hellers Glaubens- und Lehrrichtung lehnt solche
libertinistischen Praktiken ab - seine Gnosis bleibt asketisch. Alle in dieser
Studie vorgestellten Protagonisten sind Sexualmagier der einen oder anderen
Richtung.
In einer
thelemitischen Version des Credos einer Heiligen Messe Krumm-Hellerscher
Gattung sind FRA und GKK eins. Es gibt jedoch weitere FRA/GKK-Messen, die bar
jeglichen Thelemas sind!
Die Lehren der FRA
drehen sich im allgemeinen weniger um Sexualmagie als um Astrologie,
Meditation, Pentagramm- und Hexagramm-Rituale, arische (nicht jüdische)
Kabbala, die Runen oder Maya-Götter. Peryt Shus Ausspracheübungen und asketischer Sexualmagie
und J.B. Kernings Buchstabiermethoden
werden grosser Raum zuteil.[10] *
Frauen stehen hierarchisch niedriger als Männer (ausser in den Gruppen in
Venezuela und Spanien), weil sie keine Prostata besitzen.
Der Schwerpunkt der
Lehren kann von FRA-Gruppe zu FRA-Gruppe variieren. Wo möglich, finden sich
diesbezügliche Angaben in den entsprechenden Kapiteln.
Aufbau:
Diese Studie, die
eigentlich auch den Titel "Das FRA-Phänomen" tragen könnte,[11] *
stellt (I) zuerst die Biographie Krumm-Hellers, anschliessend (II) die Entwicklung
der FRA-Zweige der verschiedenen Länder anhand Krumm-Hellers Reisestationen[12] *
und zum Schluss (III) Textbeispiele vor, die den gnostischen Untergrund aller
vorgestellten Personen und Organisationen ins Licht rücken.[13] *
Das darin enthaltene Kapitel "Too hot to handle" entstammt teilweise
einem Vortrag des Autors an der Universität London im Frühjahr 1993. Hier wird
ein bisschen weiter ausgeholt und auf das sexualmagische System der
Fraternitas Saturni eingegangen, um die
besonderen Unterschiede aller in dieser Studie vorgestellten Gruppen deutlich
zu machen. Der ganze Teil III nimmt die Hälfte der vorliegenden Studie ein und
greift mit dem Thema "Asketische und libertinistische Gnosis" auch
auf die bisherigen Werke zum OTO-Phänomen zurück. Die in III vorgelegten
Diskussionen sind Bestandteil eines Vortrags des Autors an der Universität Rom
(Italien) im Mai 1995.[14] *
Keines der Werke des
Autors ist eine Einführungsstudie. Ergebnisse und Darstellungen anderer
Autoren sind (ausser als Hintergrundinformation) erneut unwesentlich.
Im Gegensatz zu den
bisherigen OTO-Büchern wird in der vorliegenden Studie über eine blosse
Dokumentation hinausgegangen und der besondere sexualmagische Aspekt des
ethnologischen abendländischen Untergrundes rekonstruktionsmässig diskutiert.[15] *
Um Krumm-Heller und seine Lehren zu charakterisieren, wird seine gnostische
Umgebung beschrieben. Freilich gelangt man dabei kaum auf einen festen
Kontinent, sondern bleibt allzuoft auf den Dämmerinseln der Wahrscheinlichkeit,
Möglichkeit, Vermutung.[16] *
Krumm-Heller,
Hauptperson dieser Studie und bislang unbekannter historischer Faktor, wird
entsprechend seiner gnostischen Einstellung beschrieben. Reuss und Crowley hingegen erblühen üppig als malerischer Hintergrund,
vor dem sich Krumm-Heller immer wieder mehr oder weniger deutlich abhebt.
Das Vorhaben, nicht
nur die Biographie Arnoldo Krumm-Hellers anhand der Fakten, sondern auch anhand
vorhandener Beispiele seiner weltanschaulichen Einstellung zu entwerfen, macht
diese Studie schwer lesbar. Komplexität, immer wieder auftauchende
Querverbindungen zu anderen Personen, Eindrücken und Dogmen von schon an sich
schwer durchschaubaren Geheimbünden stellen den Leser vor die Herausforderung,
das "Leben für die Rose" als eine Art Gemälde auf sich wirken zu
lassen, das sich einer kausalen Beschreibung immer wieder entziehen will. Dies
fordert den Leser zu einem meditativen Denken auf und erlaubt eher die
Vermittlung einer ungequantelten Wirklichkeit, als die aporische Fixierung auf
rein historische Daten, die den Büchern zum OTO-Phänomen bisher eigen waren.
Mit Korrekturen haben
mir Manfred Ach vom Verlag ARW und Wolfram Frietsch vom AMORC geholfen. Bei Hilfe an Übersetzungen danke ich Verena
T., Alberto P. und Michael Heislbetz. Und wie schon beim
"OTO-Phänomen" hat sich die Schriftstellerin Kristin T. Schnider
intensiv mit dem Werk auseinandergesetzt.[17] *
Aus rein optischen
Gründen wird eine konsequente Reihenfolge der Zeichen ,."* angestrebt.
I. Arnoldo Krumm-Heller
Am 15. April 1879
wird Heinrich Arnold Krumm in Salchendorf, Kreis Siegen, als jüngstes von neun
Geschwistern geboren. Ein Teil der Familie Krumm ist schon 1823 nach Mexiko
emigriert.[18] *
Sein Vater, Ferdinand Krumm, ist Obersteiger; die Mutter, Ernestine Heller,
Pfarrerstochter. Fährt der Knabe mit dem Vater in die Stollen, so nimmt er im
Gestein wohnende "Erdmännchen" wahr. Da der Vater früh stirbt, muss
Arnold sein Geld bald allein im Bergwerk verdienen. Hier unten entdeckt er
schon seine "heilenden Hände." Die in Südamerika lebenden Verwandten
veranlassen nun, dass der 15jährige Arnold, der schon Teile von Goethes
"Faust" auswendig kennt, nach Chile segeln kann,[19] *
wo er (Spanisch lernend) sich zuerst als Eisenbahnarbeiter durchschlägt und
beginnt, noch als kleiner Junge, unter Indianern als Heilkundiger tätig zu
werden.
Ein Jahr nach seiner
Ankunft in Südamerika stirbt 1895 seine in Deutschland zurückgebliebene Mutter
und es kommt zum Bruch mit seiner Familie. Nun in Chile, erhält er von León
Denis (1846-1927) H.P. Blavatzkis
"Geheimlehre."[20] *
Diese Ereignisse werfen Schatten: er beginnt, sich für Esoterik zu
interessieren und eine kleine Zeitschrift namens "El reflejo astral"
zu publizieren.
Am 7.2.1897,
18jährig, heiratet er seine erste Frau Rita Aguirre Valera.[21] *
Ein Jahr später kommt sein erstgeborener Sohn, Hiram Aguirre, (in Chile?) zur Welt. - In Mexiko studiert Arnoldo
Krumm-Heller an der dortigen militärärztlichen Akademie Medizin.
Selbstverständlich
muss man sich Mexiko anders vorstellen, als man es heute als Tourist
kennenlernt. Zu dieser Zeit ist es ein Land, das von skrupellosen Grundbesitzern
und dem Klerus beherrscht wird und das von Analphabetismus geprägt ist. Unter
der Diktatur von Porsirio Díaz seit 1876
{siehe Kapitel "Für Recht und Freiheit"} strömt zwar ausländisches
Geld ins Land, mit dem Strassen und Eisenbahnen im Norden Mexikos gebaut und
Rohstoffe abgebaut werden, ausländisches Geld finanziert auch die Suche nach
Öl, doch leidet die Bevölkerung Armut.
1897 schreibt
Krumm-Heller nach Paris an den Frauenarzt und Okkultisten Gérard Encausse/Papus, der ihn an Girgois in Buenos Aires verweist {siehe unten}.
Der rege Krumm-Heller
eröffnet zuerst in Constitución (Chile), dann in Santiago (Chile) ein
Sanatorium, schreckt als Therapeut vor nichts zurück und sucht alternative
Heilungsmethoden. So verbrennt er z.B. in Argentinien nach der Methode des
Spaniers Asuero, ohne das Verfahren auf
differenzierte Weise erlernt zu haben, den Kranken das Naseninnere mit
Glühnadeln,[22] *
verordnet pfundweise Rohrzukker bei Magengeschwüren und legt Sterbende
stundenlang unter Berieselungsbäder. Was auch immer er tut, die Kranken
umlagern und verehren ihn. Dadurch reich geworden, unternimmt Krumm-Heller
monatelange Expeditionen zum Teil zu Fuss durch Patagonien und die
unerschlossenen Dschungelgebiete Boliviens bis zum Amazonas "inmitten
des abscheulichsten Klimas und der wildesten Indianerstämme."[23] *
Seine dortigen Mumien-Funde sollen heute noch in deutschen Museen zu finden
sein.[24] *
In Mexiko besitzt er bald "ausser einem Bankkonto Ländereien,
Petroleum-Aktien, eine hypothekenfreie Mietskaserne mit 21 Wohnungen und eine
Villa in Mixcoac."[25] *
1906 erscheint Krumms
Werk "Mi Sistema."
Im Winter 1906 nimmt
Herr Krumm ('Heller' als Nachname der Mutter wird nur im Spanischen
mitverwendet) in Paris an Geruchsexperimenten, wo man Sympathie und Antipathie
von 10 Personen anhand ihrer Gerüche feststellt, unter Encausse/'Papus' teil.[26] *
Auch in den Hütten von Inka-Indianern kann Krumm schon die verschiedenen Stämme
anhand ihrer Gerüche auseinanderhalten. Aufgrund der Ausdünstung von Farbigen
schliesst Krumm auf deren rassische Minderwertigkeit.[27] *
Unter Papus lernt Krumm "die bewusste Aussendung des
Astralleibes und der höheren Vehikel." Dazu bedienen sich beide der
Silbe "OM."[28] *
In der ersten Ausgabe
von François-Charles Barlets (1838-1921)
spiritistischem Magazin "L'Étoile D'Orient - Revue de Hautes Études
Psychiques" vom 24. Januar 1908 wird die Gründung des "Centre
Esotérique Oriental de France" bekanntgegeben. Barlet ist einer der Mitbegründer der Theosophie und des
Martinismus in Frankreich und neben Papus treibende Kraft im "Ordre Kabbalistique de la
Rose + Croix." Mit Barlet wird für
Krumm-Heller eine Verbindung zur "Hermetic Brotherhood of Light"
(HBL) hergestellt, da Barlet durch
Alexander Ayton (später Golden Dawn) deren Mitglied und "europäisches
Provinzial-Oberhaupt" geworden ist und somit auch Beziehungen zu Max Théon, Peter Davidson, Thomas H. Burgoyne u.a. vermitteln kann.
Unter den "Délégués
Généraux de l'Ordre en Occident" findet sich "Dr. A. Krumm
Heller pour l'Allemagne [in] Paris," ein Charles B. Knapp für
Rio in Brasilien, ein Manuel B. Juarez für Mexiko, ein A. Vidaurre Smith für
Südamerika (Chile) u.a. Schriftliche Beiträge stammen von Dr. Albert De Sarâk, Boudh-Sadou u.a. Diese Herren werden von anderen
Okkultisten jedoch eher als Schwindler angesehen. In der Juni-Ausgabe wird
Krumms Name noch genannt, doch im Oktober dieses Jahres ist er nicht mehr
aufgeführt.
Befreundet ist der
Freimaurer "Caballero Kadoch"[29] *
(18°) Krumm-Heller in der Zwischenzeit nicht nur mit Theodor Reuss; 1908 trifft er am theosophischen Kongress in
Nürnberg auch Franz Hartmann. Dieser erklärt ihm den esoterischen Aspekt der Bibel.
Gemeinsam unternehmen sie "una experiencia con una rosa, que poniéndola
en ambiente propicio se quemaba esa flor quedando intacta la parte astral, y
hemos asistido a una sociedad secreta en que el maestro Reuss producía este fenómeno como en un especie de ritual
cada vez que principiaban las sesiones."[30] *
Dies zeigt Folgen:
33.
Gross-Orient der Freimaurer
Deus
Meumque Jus
des
Souveränen
Sanktuarium des Alten u. Primitif Ritus von Memphis
u.
Misraim in und für das Deutsche Reich.
Friede-Toleranz-Wahrheit.
An
alle erleuchteten und erhabenen Freimaurer der Welt!
Unseren
Gruss zuvor!
Hiermit wird
beurkundet, dass unser erleuchteter und erhabener Bruder ILL.'.Chevalier
etc.'.Dr. Arnoldo Krumm-Heller in Mexico, dessen Unterschrift nebenan steht,
zum General Gross-Representanten für Mexico, unseres Souveränen Sanctuarium
ernannt worden ist.
Wir befehlen allen
Prinzen, Rittern und Meistern unserer Jurisdiction, und wir bitten alle Brüder
Freimaurer der ganzen Welt ihn als unsern General Gross-Representanten
anzuerkennen, und wir versprechen allen Brüdern ausserhalb unserer
Jurisdiction, deren regelmässig beglaubtigten Patente in unsern Logen, Kapiteln
und Grossräten etc. gleichfalls anzuerkennen.
Urkundlich dessen
ist gegenwärtiges Patent ausgefertigt, unterschrieben und gesiegelt worden im
Gross-Orient und Souveränen Sanktuarium in und für das Deutsche Reich im Thale
von Berlin und London, am 15. Tage des Monats Thoth, i.e. fünfzehnten März
1908, E.V.
Theodor
Reuss, 33°.90°.96°
Souv.
General Grossmeister ad Vitam für das Deutsche Reich.
Henry
Klein, 33°.95°. General Gross
Registrar.
En vertu d'une
décision, en date du 7 avril 1908, prix par le Souverain Grand Maître pour
l'empire d'Allemagne, et qui reste entre mes mains, les pouvoirs de
l'Ill.'.Dr.'.Krumm-Heller ont été étendus au Chili, au Pérou et à la Bolivie.
Paris, 11 avril
1908
Ch.Détré, Représentante en France le Grand Maître Général de
l'Empire d'Allemagne.
Bald nach Vergabe der
Chartas an Krumm-Heller findet vom 7.-10. Juni 1908 unter Papus in Paris der "Convent maçonnique
spiritualite" statt. Als "représentant particulier" von John
Yarker tritt Charles Détré am Treffen auf, "où fut constitué par
l'Ill.'.F.'.Th. Reuss, et sous la
grande maîtrise de l'Ill.'.F.'.Papus, le Souverain Grand Conseil Général et Grand Orient
des Rites Unis pour la France."[31] *
Themen des Kongresses sind vor allem Spiritismus, Magnetismus,
"Christianisme ésoterique" und "Maçonnerie Spiritualiste."
Auszüge
aus Krumm-Hellers "Golden Book"[32] *
- Am 31. März 1897 wird Krumm-Heller Mitglied der zu
dieser Zeit hinduistisch orientierten Theosophischen Gesellschaft in Paris
unter ihrem Mitgründer H.S. Olcott (1832-1907).
- Im September 1902 gewinnt er die Ehrenmitgliedschaft
der "Initiates of Thibet" in Washington.
- An der Sitzung der "Thibet Indes
Orientales" am 24.12.1907 in Paris wird K.-Heller "Membre de 1re
classe" (Diplom ausgestellt am 21.1.1908).
- (ohne Datum) Martinist (Membre Titulaire) der Loge
"Hermanubis" (Diplom Nummer 192).
- Am 15. März 1908: MM-Charta durch Reuss und Henry Klein (siehe vorherige Seite), was mit dem X° für Mexiko
gleichbedeutend ist.
- Am 11. April 1908 werden seine Vollmachten durch
Charles Détré auf Chile, Peru und
Bolivien ausgedehnt.[33] *
Befreundet ist Krumm ebenfalls mit dem mexikanischen
Hochgradfreimaurer Don Jesus Medina.[34] *
Als Schüler des
Episcopus Vagans[35] *
B. Clément/'Clemens' (1903 von Léonce
Fabre des Essarts/'Synésius' in den USA konsekriert, auch Bischof unter
Joanny Bricaud),[36] *
der Martinisten Girgois (Buenos Aires)
und des Amerikaners Peter Davidson (HBL) errichtet er nun in Lateinamerika eine Anzahl
Tempel unter der Jurisdiktion von Papus.[37] *
Um diese Zeit nimmt Krumm-Heller mit Racotzi (so seine Schreibart), dem astralen
"unsichtbaren" Adyar-Theosophenmeister und "representante de
la fraternidad Rosacruz y gurú de muchos de los dirigentes," Kontakt
auf.[38] *
Racotzi wird von nun an Krumms
spiritueller Begleiter und Beschützer.[39] *
-+-
1910 leistet
Krumm-Heller in Mexiko einen Beitrag zur "Wissenschaftlichen Festschrift
zur Enthüllung des von Seiten Seiner Majestät Kaiser Wilhelm II. dem Mexikanischen
Volke zum Jubiläum seiner Unabhängigkeit gestifteten Humboldt=Denkmals," gedruckt auf Kosten der Deutschen
Kolonie. Diese im August 1910 publizierte Schrift im A4-Format feiert auch den
hundertsten Jahrestag der mexikanischen Unabhängigkeit. Krumm-Heller liefert
"Eine biographische Skizze" Alexander Humboldts, kompiliert aus Herm. Klencke: "A. von Humboldts Leben und Wirken" (Leipzig 1869) und Karl
Bruhn: "Wissenschaftliche Biographie ..." (Leipzig 1872).
Durch seinen Berliner
Freund aus der Neugeist-Bewegung Brandler-Pracht 1911 mit dem indischen Konzept der Tatwas bekannt
gemacht worden, schreibt Krumm "Los Tatwas y su aplicación en la vida
práctica." 1911 erscheinen die "Conferencias Esotéricas,"
"La Evolución del Planeta y de las razas humanas" und 1912: "La
Ley del Karma."
Krumm-Heller reist
Zigarren schmauchend "auf einem Salondampfer, Luxuskabine, auf einer
Reise von New-York nach Le Havre," besucht Lourdes, wird angeblich in
Rom vom Papst empfangen und gerät, zurück in Mexiko, wahrscheinlich via Freimaurerei,
in die Politik. Schon 1905 hat er nämlich den reichen und politisch engagierten
Weingutsbesitzer aus Coahuila, F.J. Madero, kennengelernt: "ein bedeutender Hermetist,
ein ausgezeichneter Orientalist, ein Eingeweihter im Exoterismus, ein
hervorragender Freimaurer," der 1910 das Buch "Die
Präsidentschaftsnachfolger von 1910" schreibt und zusammen mit dem
Bauernsohn Emiliano Zapata zur Revolution gegen den Diktator Díaz aufruft. An der Seite des Theoretikers Madero macht sich nun Krumm in der Revolution Mexikos stark.
Madero wird im November 1911 Präsident
Mexikos {siehe nächstes Kapitel} und verschafft Krumm daraufhin einen
Lehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur an der Mexikanischen Universität.
Die mexikanischen Bürgerkriege lassen nun aber Okkultismus und Geheimbünde
eine Weile in den Hintergrund treten, obwohl Krumm Anfangs immer noch, z.B. mit
Brandler-Pracht in Berlin, über die
Tatwas korrespondiert.[40] *
Oberst Dr. Krumm-Heller: Für Freiheit und Recht
Auszug
aus: "Meine Erlebnisse aus dem mexikanischen Bürgerkrieg"[41] *
Angeblich spricht
Krumm-Heller 17 Sprachen und 30 Dialekte.[42] *
Seine nicht überprüfbaren Heldentaten in den Bürgerkriegen 1912 und 1916 im
Norden Mexikos und Veracruz hält er im in grosser Eile verfassten Buch
"Kampf für Freiheit und Recht" fest, das er im Kriegsministerium
unter José Almaraz-Harris verfasst. Almaraz-Harris bewundert Krumm-Heller im
Vorwort als "edlen, überzeugten und wirklichen Revolutionär"
gegen "Despotismus" und "das Herrschen einer
privilegierten Minderheit."[43] *
Aus Platzgründen muss
auf entsprechende Geschichtsbücher hingewiesen werden. Als deutsches Beispiel:
Hans Werner Tobler: "Die mexikanische Revolution," Frankfurt am Main
1984.[44] *
In etwa geht es um die Aufstände gegen Mexikos Diktator Porsirio Díaz unter den Revolutionären Francisco J. Madero (30.10.1873-22.2.1913) und Venustiano Carranza (29.12.1859-1920). - Auslassungen in Krumms Text sind
mit [...] gekennzeichnet.
"Madero war gefangen, und ich bekam die Weisung, die letzten
Massregeln zu treffen, um seine Abreise auf einem cubanischen Kriegsschiff
vorzubereiten, und so sein Leben zu retten. - Wie schon vorher geschildert,
hatten die unmenschlichen Machthaber ihr Wort nicht gehalten und Madero meuchlings ermordet, meinen lieben guten Freund, mit
welchem ich durch eine achtjährige Freundschaft, gegründet auf unsere
gemeinschaftlichen Studien, mit dem ich brüderlich verbunden war. Ich konnte
mit der neuen Regierung nichts Gemeimsames haben, deshalb sandte ich an die
feigen Mörder telegraphisch die Verzichtleistung auf mein Lehramt an der Mexikanischen
Universität. Es wäre mir unter anderen Umständen ausserordentlich schwer
geworden, dieses mir so lieb gewordene Amt aufzugeben, las ich doch zu jener
Zeit über deutsche Sprache und Literatur, wodurch ich auch ohne Zweifel dem
Lande meiner Väter weitere Dienste hätte leisten können, indem man bei den
Hörern deutsches Gemüt, deutschen Geist und deutschen Sinn weckt. Doch angesichts
dieser himmelschreienden Tat, durch welche für den Augenblick alle Grundsätze
der Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Zivilisation ausgelöscht zu sein
schienen, war es mir unmöglich, einem noch so idealen Zwecke zu dienen, solange
ich mich dabei als Beamter jener Gewaltmenschen hätte fühlen müssen, und so
konnte ich nicht anders, als unumwunden zu erklären, dass ich unter keinen Umständen
einem Mörder und Verräter dienen würde. Nachdem ich meiner Überzeugung in
dieser Weise Ausdruck gegeben hatte, wäre es Wahnsinn gewesen, der brutalen
Macht dieser Elenden Widerstand zu leisten, und so sah ich mich zu meinem Bedauern
gezwungen, auf heimliche Weise meine Flucht aus dem Bereiche meiner Feinde ins
Werk zu setzen.
Um vor Spionen
sicher zu sein, begab ich mich zunächst nach Tampico. Sobald sich mir jedoch
Gelegenheit bot, ging ich über die heute sehr bekannten Petroleumländereien
und die Huasteca Potosina nach San Luis Potosi, um etwas später in der
Minenstadt Guanajuato ein Unterkommen zu suchen, wo ich mich gegen vorläufige
Verfolgungen gesichert glaubte.
Noch stand ich
unter dem Einfluss der Schreckenstage, unter dem Druck jener unerhörten
Ungerechtigkeit, unter der Trauer um der Verlust meines liebsten Freundes, mit
dem ich Seite an Seite durch die Revolution des Jahres 1910 gegangen war, so
dass für mich eigentlich nur ein Gedanke möglich blieb, der, all mein Fühlen
und Denken, meine ganze Energie und Existenz einzusetzen, um die reinen, edlen,
auf den vorzüglichsten humanitären Gesetzen gegründeten Theorien meines
ermordeten Freundes vor dem Untergange durch die Korruption jener
Verräterclique zu retten, sei es dadurch, dass ich mich mit der Waffe in der
Hand irgendeiner Partei anschlösse, die sich gegen die Usurpation bilden würde,
sei es, dass ich durch Wort und Schrift gegen die Mörder kämpfen würde, bis
diese die ganze zivilisierte Welt gegen sich hätten.
Kaum war ich
einige Tage in Guanajuato, als mir wie von ungefähr ein gewisser Salvador
Zubieta begegnete, den ich seit
langer Zeit kannte, hatte er mir doch so manchmal seinen Kummer mitgeteilt und
fast immer Trost und Hilfe bei mir gefunden. Dieser Mann war früher ein
einfacher Angestellter gewesen und erschien nun in der funkelnagelneuen Uniform
eines Hauptmanns der Föderalarmee, worüber ich meiner Verwunderung Ausdruck
gab, wie ein anständiger Mensch einer derartigen Gesellschaft angehören könne.
Immerhin nahm ich an, dass der arme Mensch nur aus Not unter diese Leute
gegangen sei und sah in ihm ein Werkzeug, welches mir zur Ausführung meiner
Pläne in den Weg gesandt ward. Durch meine vielfachen Unterstützungen und
durch die vorhergegangene langjährige Bekanntschaft ermutigt, getraute ich mir,
den Mann auf die Tatsache aufmerksam zu machen, dass der seit kurzer Zeit sich
im Aufstand befindliche Bürger Venustiano Carranza die Rettung des Landes wäre, dass daher jeder
anständige Bürger zu ihm übergehen sollte und dass ich von ihm, Salvador
Zubieta, Beihilfe erwarte, damit
wir für diese Revolution Elemente aller Art heranzuziehen vermöchten.
Scheinbar ging ich auf sicherem Boden, dachte ich doch niemals, dass der Mann,
den ich mehrmals vom Untergang errettet hatte, ein Heuchler sei. Zubieta ging denn auch auf alle meine Ideen ein und versprach
mir jegliche Unterstützung, ja er forderte mich geradezu auf, öffentliche
Propaganda zu machen. Er organisierte sogar eine scheinbare Verschwörung und
wusste mich von der Notwendigkeit zu überzeugen, die Einwohnerschaft der Stadt
Guanajuato durch öffentliche Vorträge für unsere Zwecke zu gewinnen. Hierfür
stünden sowohl die Kaserne, als auch das Theater zur Verfügung, so dass ich nur
zur festgesetzten Stunde meine Vorträge zu halten brauchte. Wir waren
übereingekommen, uns der Stadt Guanajuato durch einen Gewaltstreich zu bemächtigen
und nach geschehener Einnahme wollten wir die Truppen in grösster Eile dem
carranzistischen General Pansielo Natera, welcher im Norden erfolgreich operierte,
zuführen... Dieser Plan hätte, wenn von Erfolg gekrönt, der revolutionären
Sache grossen Vorschub geleistet und war somit wohl des Unternehmens wert.
So kam es, dass
ich mit Freuden zustimmte, die von mir geforderte Hilfe zu leisten, die
Truppen sowohl als die Einwohner von Guanajuato mit zündenden Worten
anzufeuern, uns beizustehen, der Sache der Gerechtigkeit und des Gemeinwohls
zum Siege zu verhelfen und nicht zu ruhen, bis die Mörder und Verräter des
Präsidenten und Freiheitsapostels Francisco J. Madero gestürzt und der wohlverdienten Strafe überliefert
sein würden. Ich wollte den Leuten den klaren Weg weisen und ihnen begreiflich
machen, dass das Gesetz der Wiedervergeltung sie unbedingt zur Verantwortung
ziehen würde, wenn sie den geforderten Beistand nicht leisteten, dass das
Elend, welches für Millionen bevorstände, nur durch einheitliches Vorgehen
verhindert werden könne, wenn sie gemeinsam mit mir die Waffen ergriffen, um
das Mörderregiment zu stürzen.
Dies war am Abend
desselben Tages, an welchem um elf Uhr nachts laut vereinbartem Zeichen der
Aufstand der Truppen beginnen sollte. Voll Freude darüber, dass die Stunde der
Wiedervereinigung für den Mord meines Freundes gekommen sei, und in gespannter
Erwartung der kommenden Dinge verliess ich das Theater, um in meiner Wohnung
noch einige letzte Vorbereitungen zu treffen, als ich plötzlich von rückwärts
ergriffen wurde. Ich sah mich um und befand mich meinem Freunde Salvador
Zubietea gegenüber, welcher mich für verhaftet erklärte und mir in höhnischer
Weise mitteilte, dass ich in eine Falle gegangen sei und die ganze angebliche
Verschwörung nur dazu gedient hätte, um mich zu überführen und dann des
Aufruhrs anzuklagen.
Auf alles, sogar
auf den Tod war ich vorbereitet, nur an einen Verrat von seiten dieses Mannes
hätte ich nie geglaubt.
Ich wurde alsbald
von mehreren Offizieren umringt, die mit schussfertiger Pistole auf mich
eindrangen und nicht einmal zu bemerken schienen, dass ich vollkommen
unbewaffnet war und nicht den leisesten Widerstand zu leisten imstande gewesen
wäre. Zunächst wurde ich nach meiner Wohnung gebracht, wo ich der Zerstörung
meines Eigentums zusehen musste. Alles, was ich hatte, wurde in Stücke
geschlagen, zerrissen, beschmutzt oder auf sonst eine Weise unbrauchbar
gemacht, wobei es unaufhörlich die unerhörtesten Schimpfwörter herabregnete.
Schliesslich beraubte man mich meiner Brieftasche, welche die Summe von 1500
Pesos enthielt. Der kommandierende Major nahm den Inhalt an sich und nachdem er
in dieselbe hineingespuckt hatte, warf er sie mir ins Gesicht.
Natürlich waren
während dieser ganzen Zeit meine Hände gefesselt, war ich doch für jene
Niederträchtigen ein Verbrecher, dessen Anschauungen hassenswert und dessen
Vergehen nur mit dem Tode bestraft werden konnten. Nun brachte man mich denn
nach derselben Kaserne, in welcher ich am vorhergehenden Tage meinen Vortrag
gehalten hatte und wo ich jetzt mit Hohngelächter von der Soldateska empfangen
wurde. Man führte mich in eins der Gelasse, welche den Opfern dieser Menschen
gewöhnlich zum Aufenthalt dienen müssen. Dort angekommen, versetzte mir der
Major noch einen Fusstritt, der mich derart an die Wand warf, dass ich mein
Gesicht blutig schlug und infolge meiner gebundenen Hände vornüber zu Boden
fiel.
Als ich nach
einiger Zeit einigermassen fähig war, wieder einen klaren Gedanken zu fassen,
begann ich, meine Lage zu überdenken und zu meiner eigenen Überraschung sah
ich mich mit einer nahezu völligen Gleichgültigkeit gegen irgendwelches mir
drohende Schicksal gewappnet. Daran mag wohl die grosse körperliche Abspannung
Schuld gewesen sein; hatte ich doch seit mehreren Nächten nicht geschlafen,
denn ich bereitete nicht nur meine so übel bezahlten Vorträge vor, sondern
redigierte gleichzeitig eine Zeitung, "El Barrotero" genannt, welche
für den Aufstand vorzubereiten und im allgemeinen die öffentliche Meinung zu
beeinflussen. Nun war es aber ganz anders gekommen; verraten, gefangen,
verhöhnt und geschlagen, sah ich mich hilflos in den Händen meiner Todfeinde,
welche -- und daran war kaum zu zweifeln -- alles daransetzen würden, mich zu
erschiessen [...]
Es war ausgemacht
worden, mich noch in derselben Nacht in jener Kaserne zu erschiessen, doch
fürchtete man, dass meine Hinrichtung in den Studenten- und Arbeitervereinigungen
zuviel Staub aufwirbeln würde. Daher zog man die Militärbehörden der
Hauptstadt telegraphisch zu Rate, ob es nicht doch besser sei, mich ausserhalb
der Stadt, z.B. auf dem Wege nach der Hauptstadt verschwinden zu lassen.
Natürlich blieb es
mir unbekannt, welche Instruktionen man gab, jedenfalls wurde ich um
Mitternacht aus jener Kammer herausgeholt und mit einer Eskorte von 35 Mann und
8 Offizieren nach der Bahn gebracht [...]
Nachdem der
Bahnhof erreicht war, nahmen die Soldaten in zwei bereitstehenden Waggons Platz,
während man mich im Regen stehen liess. Von den Fenstern der Wagen bewachte
man mich so, dass ein Fluchtversuch ausgeschlossen war. Von Zeit zu Zeit kam
dann wieder einer der Offiziere vorbei, um durch einige höhnische Zurufe meine
Situation noch peinlicher zu gestalten.
So hatte man mich
während nahezu zwei Stunden in diesem fürchterlichen Regen stehen gelassen, bis
ich endlich in den Wagen steigen musste. Wenn es nun auch sehr unangenehm
gewesen war, bis auf die Haut durchnässt, draussen zu stehen, so war es doch
nun geradezu widerlich in diese Atmosphäre zu kommen, in welcher alle
Scheusslichkeiten der Hölle sich in ein einziges Odeur zu vermischen schienen.
Rauchten doch die Soldaten fast ohne Ausnahme das berüchtigte Kraut Marihuana,
dessen Geruch und Wirkung gleich entsetzlich ist.
Kaum hatte ich
zwischen vier Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr Platz genommen, als
sich der Zug in Bewegung setzte. Wir fuhren noch den Rest der Nach durch und
kamen bei anbrechendem Morgen in die Gegend von Silao.
Es war ein
grossartiger Sonnenaufgang, durch die offenen Fenster strömte eine herrliche
Morgenluft herein und erhöhte sozusagen meine traurige Lage. Die Welt sah so
schön aus!
Plötzlich hielt
der Zug. Mein Nebenmann sagte mir leise, dass der letzte Augenblick meines
Lebens gekommen sei. Fast gleichzeitig gab der kommandierende Offizier den
Befehl zum Aussteigen.
Jeder einzelne
suchte nun diesem Befehl so schnell wie möglich nachzukommen und auch ich wurde
aus dem Zuge geführt, während sich die Soldaten zu beiden Seiten als Zuschauer
um mich gruppierten. Fünf Mann trennten sich von den andern und erhielten
Befehl, ihre Gewehre zu laden und sich zu meiner Erschiessung bereitzuhalten.
Man führte mich in den Schatten eines nahestehenden Baumes, die vorerwähnten
fünf Mann stellten sich vor mir auf und liessen mir keinen Zweifel, dass ich im
nächsten Augenblicke erschossen werden würde. -
[...] der Tod, den
ich erleiden sollte, würde der eines Blutzeugen sein, und wenn mein Blut die
mexikanische Erde tränken sollte, so würde dies, wie ich hoffen durfte, bei
diesem Volke ein lautes Echo für Freiheit und Gerechtigkeit hervorrufen.
Ich knöpfte meine
Weste auf und bot meine Brust frei dar. Mein letztes Wort sollte "Viva
Carranza!" sein, der neue Retter
Mexikos.
Während diese
Gedanken durch mein Hirn zogen, unterhielten sich die Offiziere über meine
Lage, und plötzlich wurde ich ohne jede weitere Erklärung neuerdings in den
Wagen gebracht, der die Reise in der Richtung nach der mexikanischen Hauptstadt
fortsetzte.
Nachmittags gegen
drei Uhr erreichten wir eine kleine Station, deren Namen mir entfallen ist, und
auf welcher die Soldaten Esswaren zu erhalten suchten. Zu diesem Zwecke
forderten sie einen Fremden, vermutlich einen Engländer oder Amerikaner, auf,
ihnen Essen zu verschaffen, und als der Mann sich weigerte, weil er einfach
nichts hatte, wurde er, ohne dass er sich etwas anderes hätte zuschulde kommen
lassen, kurzer Hand zum Tode verurteilt und vor meinen Augen sofort erschossen.
Die Soldaten
begnügten sich nicht damit, den Mann vollkommen unschuldig ermordet zu haben,
sondern liessen ihre Wut noch an der Leiche aus, die sie mit Füssen traten und
in gemeinster Weise beschimpften. Welch einen Eindruck dies auf mich machte,
kann ich nicht beschreiben, doch musste ich in meiner hilflosen Lage die ganze
Szene natürlich widerstandslos erleben.
Nach einiger Zeit
ging die Reise weiter und um sechs Uhr desselben Nachmittags erreichten wir
endlich die Hauptstadt Mexiko.
Sofort wurde ich
von der Wache umringt und zwischen zwei Reihen Soldaten nach der
Militärkommandantur gebracht. Nach Feststellung meiner Personalien wurde
neuerdings über mein Schicksal beraten und hierauf wurde ich nach dem Zuchthaus
in derselben Weise eskortiert, wie zuvor nach der Bahn [...]
Vor der Kaserne
stand ein reisefertiges Automobil, in welches ich einsteigen sollte und welches
alsbald in rasendem Lauf nach dem östlichen Teil der Stadt fuhr. Nun hatten
aber huertistische Autos denselben Ruf wie Charons Totenschifflein: Wer darinnen
war, kehrte nie wieder [...]
Das Ende kam
jedoch wunderbarerweise auch jetzt nicht, denn diesmal wurde ich nach dem
Militärgefängnis von Santiago Tlaltelolco gebracht. Zunächst führte man mich in
einen etwa zimmergrossen Kerker ohne Fenster und Möbel. Dieser Raum, wenn auch
sehr feucht, hatte schliesslich doch einen Bretterboden, so dass ich wenigstens
einigermassen untergebracht war. Am nächsten Morgen öffnete ein Offizier
meinen Kerker und fragte mich, ob ich etwaige Bedürfnisse hätte. Froh, nur für
einen Augenblick hinauszukommen, bejahte ich und liess mich in einen Abort
führen. O, hätte ich es doch nicht getan! Denn nun wurde ich in einen Raum gebracht,
der das Schmutzigste, Ekelhafteste war, was man sich vorstellen kann. Die
scheusslichste Jauche und Exkremente liefen und quollen aus dem Boden hervor.
Man hiess mich eintreten und schloss die Tür hinter mir ab. Derselbe Offizier,
der mich hingebracht hatte, sagte mir von draussen zurufend, dass ich nun
gleich drinnen bleiben könnte, damit man mich nicht erst wieder zurückzubringen
brauchte [...][45] *
17 Tage brachte
ich in dieser Bedürfnisanstalt, in diesem elenden Loch zu, welches einen Meter
breit und anderthalb Meter lang und ungefähr vier Meter hoch war, jedoch in der
Mitte durch ein starkes Gitter in zwei Abteilungen getrennt war, um vielleicht
einem weiteren Unglücklichen über mir Platz zu geben. Solche Kästen waren an
drei verschiedenen Plätzen vorhanden und mit mir zur gleichen Zeit von zwei
weiteren Individuen bewohnt. Einer von diesen starb an Entkräftung und infolge
der ausgestandenen Leiden, der andere wurde irrsinnig [...] Man stelle sich nur
die vollständige Dunkelheit, den fürchterlichen Geruch und die Insekten vor,
dazu Hunger und Durst, denn es war nicht einmal Wasser vorhanden. Das
Vorhandensein des zahllosen Ungeziefers zwang mich zu fortgesetztem Kratzen,
wodurch sich schliesslich Wunden bildeten [... Krumm weigert sich, einen Artikel zugunsten des Generals Huerto zu
schreiben, der ihm die Freiheit garantiert hätte, denn er] fühlte, dass ich,
als Sohn Deutscher verpflichtet sei, Charakterfestigkeit zu zeigen und den
Gegnern zu beweisen, dass ich als Anhänger der theosophischen Lehre den Tod für
nichts erachte.
Ein eigentümlicher
Zufall sollte während dieser Schreckenstage gewissermassen meine Rettung sein,
denn ohne dies wäre ich jedenfalls verhungert. Unter den Mitgefangenen befand
sich auch Tuerto Morales, der sich
rühmte, den entsetzlichsten Bahnüberfall von Ticuman angeführt zu haben. Es
wurde dort ein Personenzug von den aufständischen Zapatisten mit Dynamit in die
Luft gesprengt und eine grosse Anzahl von Menschen in Stücke gehauen, nachdem
man sie zuvor aller ihrer Habseligkeiten beraubt hatte. Die Leichen wurden dann
nach und nach von Aasgeiern und Schakalen gefressen. Solche Überfälle sind im
Süden während der mexikanischen Revolution leider öfter zu verzeichnen
gewesen, und es kam sogar vor, dass man Müttern ihre kleinen Kinder von der
Brust riss und sie in tiefe Abgründe warf, die Frauen einfach wegführte, genau
wie bei den Völkerkriegen des Altertums, um sie zur Belustigung der Soldateska
zu verwenden.
Dieser Tuerto Morales gab mir, wahrscheinlich aus Bewunderung über
meine Widerstandsfähigkeit, täglich eine Apfelsine, welche das einzige Nahrungsmittel
bildete, das ich in der ganzen Zeit erhielt. Diese Frucht warf mir der Mann
täglich von oben durch das Gitter meiner Schreckenskammer, nachdem er mir zuvor
durch Klopfen den Augenblick angezeigt hatte. Ich stand dann da mit
aufgehobenen Händen, um die Frucht aufzufangen, um zu vermeiden, dass sie in
den Schmutz fiel. [... 14 Tage nach
Krumms Gefangennahme] brachten die Zeitungen alle möglichen
Räubergeschichten über eine von mir beabsichtigte Niederbrennung der Stadt Guanajuato,
dass ich den ganzen Staat in Aufruhr gebracht, dass ich eine Summe von 150'000
Pesos für den Aufstand beigesteuert hätte [...]
Plötzlich kam
Hilfe. - Herr Eugen Motz, der in seiner Eigenschaft als chilenischer Konsul
bereits Schritte getan hatte, um meine Freilassung zu erlangen, konnte dieselbe
endlich unter der Bedingung durchsetzen, dass ich des Landes verwiesen werden
sollte. Es war der einzige Weg, mein Leben zu erhalten, und es sei an dieser
Stelle meinem Freunde, Herrn Eugen Motz, mein herzlichster Dank ausgesprochen."
-+-
Mit 45 Cents in der
Tasche erreicht Krumm via Kuba New York und schmuggelt sich als Gepäckträger an
Land. Als Gegenleistung für das Reinigen der ausgehängten Kleider in einem
jüdischen Kleidergeschäft erwirbt er einen Hut, was für die damalige Zeit
wichtig ist, um nicht als Landstreicher verhaftet zu werden. Nach
Geschirrwaschen und Gepäcktragen findet er eine Anstellung als Heilgehilfe in
einem Hospital, da seine Papiere, die ihn als Arzt ausweisen, nicht zur Hand
sind. Angewidert von den hygienischen Verhältnissen verlässt Krumm-Heller bald
das öffentliche Spital, und als er in einer Privatklinik eine erfolgreiche
Operation durchführt, kann er sich das Rückfahrtticket via Texas nach Mexiko
leisten.
Nordamerika hat in
Krumm keinen positiven Eindruck hinterlassen. Er empfindet Frauen wie Männer
zwar als z.T. "wunderschön, grösstenteils aber ungebildet und unfein
bis zur Unverfrorenheit."
Er erreicht Matamaros
(am Rio Grande im Norden Mexikos), wird von den Generalen Pablo Gonzales und
Jesus Carranza empfangen, die ihm
sogleich die Leitung des dortigen Feldspitals "El Verbo Encarnado"
und den Rang eines Majors übertragen. Krumm hat bis zu 400 Kranke zu versorgen
und die Operationen vorzunehmen. Insgesamt zählt er 3800 Operationen von
seiner Hand. Ein paar dieser Operationen werden gefilmt und in den USA als
Schulungsmaterial aufgeführt. Nichtsdestotrotz nimmt er aktiv am Kampfgeschehen
der Revolutionäre teil, was ihn bis nach Tampico im Golf von Mexiko führt. In
der Nähe von Santa Ingracia nimmt er Truppenmusterungen vor. Jeden zweiten Tag
macht sich Krumm nach Ciudad Victoria auf, um Schwerverwundete im Extrazug zu
transportieren.
Um gegen die Blattern
und die Malaria vorzugehen, lässt Krumm die umliegenden Seen erfolgreich mit
brennendem Petroleum begiessen.
An der Seite des
neuen Revolutionsführers Venustiano Carranza reitet Krumm-Heller schlussendlich 1914 siegreich in
Mexiko City ein. 35 Jahre Tyrannei unter Porfirio Díaz sind zu Ende. Doch im Land herrscht immer noch keine
Ruhe.
"Nach der
Einnahme von Tampico wurde ich vom General Gonzales zum Oberstleutnant
befördert und beim Einzug des provisorischen Präsidenten Carranza wurde diese Ernennung bestätigt, zugleich bekam ich
die Berufung zum Generaldirektor aller militärischen Unterrichtsanstalten, um
den indianischen Soldaten zur so nötigen Schulbildung zu verhelfen, Kadetten-
und Offiziersschulen einzurichten usw. Ausserdem hatte ich mich vielen
ehrenvollen Aufträgen im Dienste unserer Sache zu widmen, mit denen mich der
erste Führer Carranza für gut
fand. So lag also ein unendlich reiches Feld der Tätigkeit vor mir und mit
Begeisterung ging ich an meine neue Arbeit."[46] *
Die Hydra Mexikos,
bestehend aus Säbelwirtschaft, Aristokratie und Klerus, erhebt jedoch erneut
ihr züngelndes Schlangenhaupt. Krumm zieht wieder in den Krieg.
"Procopio I.
Elizondo
Oberst der
Cavallerie
und
Standortältester
Ich bescheinige,
dass der Oberstleutnant-Arzt Krumm-Heller, welcher heute seine neue Mission im
Auftrag der Regierung an der Grenze der Vereinigten Staaten antritt, hier
Leiter des Militärhospitals war, während der letzten Monate.
Es freut mich
bestätigen zu können, dass er wertvolle Heilmethoden im Krankenhaus einführte,
dadurch die Ausgaben verminderte und die Organisation verbessert und
vereinfacht hat.
Er zeichnete sich
durch seine Aktivität in der Bekämpfung der Blattern aus und in der Behandlung
unserer tapferen Soldaten, welche vom Schlachtfeld zurückgebracht wurden, mit
solchem Erfolg, dass während seiner Tätigkeit in mehreren Monaten keine
Todesfälle registriert wurden.
Es tut uns leid,
dass er uns verlassen muss.
Constitutionelle
Armee Matamaros, Tam. am 10. Febr. 1915
der Republik
Mexiko
Kommandantur der
Armee gez. (Unterschrift)"[47] *
Krumm erhält den
Befehl, den Sanitätspark aus der Hauptstadt zu transportieren. 5 Tage lang wird
die Truppe in Esperanza belagert. "Zunächst sandte man mich [dann]
nach Tamaulipas, wo ich wiederum das Sanitätswesen der Armee organisierte und
später wurde ich zu einer Spezialkommission gerufen, die einen Monat lang in
Veracruz verblieb [...] Um dieselbe Zeit war eine Abteilung von 8000 Mann nach
Matamoros, ganz nahe bei der amerikanischen Grenze, entsandt worden, um die Festung
wieder zu erobern. Carranza hatte mir für diesen Zweck einen als Hilfskreuzer
ausgerüsteten Handelsdampfer zur Verfügung gestellt, um die Reise zu unternehmen
und mir eine halbe Million Peseten in Papiergeld und Wechseln mitgegeben, um
dort die Soldaten auszulöhnen.
Nun kannte unser
Kapitän den Hafen von Matamaros nicht, auch war derselbe seit 25 Jahren
geschlossen worden, und so kam es, dass wir beinah bei einem Leuchtturm an der
Küste der Vereinigten Staaten aufgefahren wären. Selbstverständlich kamen
sofort die Behörden, und um unnötigen Fragen zu entgehen, sagten wir, dass
unsere Maschine versagt hätte und verlangten abgeschleppt zu werden. Den Villistas
war jedoch durch die Amerikaner meine Ankunft bekannt geworden, und nun
trachteten sie mit allen Kräften, mich in ihre Gewalt zu bekommen. Nachdem ich
unter ungeheuren Schwierigkeiten endlich gelandet, sah ich mich alsbald von
Feinden umringt. Nun galt es, schnell zu handeln. Sofort zog ich meinen
Revolver und feuerte auf die Angreifer, die sich durch meine Geistesgegenwart
einschüchtern liessen, so dass es mir gelang, meine Kleidung abzuwerfen, und
mich in den Rio Bravo zu stürzen,
der mich allein vor meinen Verfolgern retten konnte [...] Doch wer beschreibt
mein Erstaunen, als ich, sobald ich mich bei meiner Abteilung wieder einfand,
die Nachricht bekam, dass ich wegen Desertation erschossen werden sollte [...]
Fünf Minuten vor meiner Hinrichtung wurde ich gerettet. Mein Grab war schon auf
Befehl angefertigt worden."[48] *
Carranza weist Krumm-Heller einen neuen Wirkungskreis zu:
Vorträge über die Ideale und Grundsätze der mexikanischen Revolution. Wider
Willen muss Krumm in die verhassten Vereinigten Staaten,[49] *
um dort diese Vorträge zu halten. Seine Reisen decken das geographische Gebiet
bis zur Weltausstellung in San Francisco ab. Sind es zuerst nur 2000 Zuhörer,
füllen bald 20'000 Menschen die Säle, wo z.B. einen Tag zuvor noch Expräsident
Roosevelt gesprochen hat.
Zurück in Mexiko,
widmet sich Krumm erneut seinen Militärschulen und wettert gegen das angeblich
korrupte amerikanische Rote Kreuz, worauf er in der "New York Times"
heftig angegriffen wird. Nach und nach verbessern sich die Gesetze unter
Carranza zugunsten der Bevölkerung. Die
momentane Verwirklichung der revolutionären Ideen Maderos, Carranzas und seiner Freunde scheinen Mexiko von jahrhundertelangem
Leiden zu erlösen.
Krumms intimster
Freund seit ca. 1900 ist der Freimaurer und Journalist Lic. Louis Manuel Rojas. Krumm tritt die Nachfolge von Jan Sanchez Azcona als
Professor für deutsche Sprache und deutsche Literatur am Präparatorium der
Universität Mexiko an. Der Rektor der Uni, Josefos Macias, überreicht ihm das
Ehrendoktordiplom.
In Krumm regt sich
nun der Wunsch, auf alles zu verzichten, selbst auf seinen Oberstenrang, um in
Deutschland im Schützengraben "die heiligste der Pflichten zu erfüllen,
die jeder zu erfüllen hat, in dem Germanenblut wallt.[50] *" Carranza ernennt ihn zusammen
mit dem früheren Minister des Inneren Lic. Rafel Zubaran Capmann und Dr. jur.
Allmaraz zum diplomatischen Gesandten.[51] *
Bevor sich Krumm jedoch nach Deutschland aufmacht, übersetzt er Carranzas grosse Reichskanzlerrede ins Deutsche, die in
tausenden von Exemplaren in Lateinamerika ihre Leser findet. Um die Alliierten
zu täuschen, wird die Idee von Krumms Haushälterin, Krankheit vorzutäuschen, in
die Tat umgesetzt. Während also die Tageszeitungen ihr Bedauern über die
Erkrankung des Herrn Diplomaten Obersten Dr. Krumm-Heller aussprechen, sitzt
derselbe munter und vergnügt in der Eisenbahn und verlässt am 5. Mai 1915
Mexikos Hauptstadt. Um Anschuldigungen, er sei ein deutscher Agitator zu
entgehen, holt er sich in Washington eine Reiselegalisation. Wird schon anfangs
der Reise auf dem Dampfer "Oskar II" Krumms Pass von einem englischen
Beamten zerrissen, lauert nun ein englisches Kriegsschiff vor den
Orkney-Inseln, um Krumm als deutschen Spion zu verhaften. Nun geht die unfreiwillige
Weiterreise durch Schottland nach London ins Gefängnis des Scotland Yard. Als
Soldat, der in 18 Schlachten dem Feind die Brust geboten hat und zweimal zum
Tode verurteilt gewesen ist, bleibt dieses englische Gefängnis als das
entsetzlichste in Krumms Gedächtnis haften. Von nun an sieht er die Engländer
als verlogenes Volk. Da ihm nichts nachgewiesen werden kann, wird er nach New
York zurückgeschafft.
Zurück in Mexiko,
werden seine Erlebnisse in Extrablättern gedruckt und in spanischen und
amerikanischen Zeitungen besprochen. Carranza schickt ihn erneut nach Europa, über Spanien (Madrid)
nach Frankreich (Paris) in die Schweiz, wo er vorübergehend den
Spezialgesandtschaftsposten bekleidet. Endlich trifft er in Berlin ein, wo
sich zwei Worte begeistert von seinen Lippen ringen: "Viva Mexiko!"
"So glaube
ich mit Bestimmtheit die Zeit erleben zu können, wo die Länder meiner Liebe,
Deutschland und Mexiko, sich über die Ozeane die Hand reichen zu einer
handelspolitischen Einigkeit, die sie unüberwindlich machen wird... Möge mein
Traum in Erfüllung gehen!"[52] *
-+-
"Mexiko, mein
Vaterland" erscheint 1917 in Deutschland.
1918 ist Krumm-Heller
mexikanischer Legationsrat und Militärattaché in Berlin, kauft in der
schwierigen Wirtschaftslage nach dem Ersten Weltkrieg eine Druckerei in Halle
an der Saale und beginnt sofort, seine Bücher selber zu publizieren.[53] *
"El tatwámetro o
Las vibraciones del éter" erscheint, das "Tratado de Quirología
Médica," "Konzentration und Wille - Ihre Schulung auf Grundlage der
Logos=Lehre von Peryt Shu"[54] *
und "Alfredo - Deutsch=mexikanischer Roman." Krumm publiziert den
ziemlich erfolgreichen "Hertha - Deutsch=mexikanischen Roman Aus dem Leben
einer Gefallenen," "Carranzas Mexiko - Gesammelte Abhandlungen über das Land der
Azteken" und "Die deutsche Reichsverfassung und das Wahlgesetz von
1919." Alles entweder in Verlagen von Otto Thiele, Fritz Maennel oder in der "Verlagsanstalt und Buchdruckerei
Dr. A. Krumm-Heller."[55] *
Die ab 1921 erscheinende "Revista Rosa-Cruz" wird zudem von der
Blüchner-Druckerei in Berlin gedruckt.[56] *
Bei der Weimarer
Nationalversammlung 1919 vertritt Krumm-Heller Mexiko und lernt den Freimaurer
und Politiker Walter Rathenau kennen.[57] *
Diese Verquickung von Sozialismus und Geheimbündelei findet sich schon bei
Theodor Reuss.
Zurück in Mexiko,
ernennt ihn Präsident Carranza zum
Generaldirektor der dortigen Sonderschulen.[58] *
Zusammen mit Dr. Alfonso Montenegro der Escuela Médica Militar von Mexiko studiert
Krumm-Heller Plasmogenia und Quirologia.[59] *
Carranza wird 1920 ermordet: die Kriege in Mexiko haben eine
Million Todesopfer gefordert; jeden fünfzehnten Landesbewohner.
Hat sich die Lage Mexikos
seit 1929, als die Partei der Institutionalisierten Revolution das Ruder
übernahm, geändert? Die in Washington angesiedelte Gruppe "Freedom
House" kritisiert die straffe Kontrolle der mexikanischen Regierung über
politische Aktivitäten und stellt Mexiko 1993 auf den sechsten Platz in ihrer
Liste der "unfreien" Länder Lateinamerikas - nach Kuba, Haïti, Peru,
Guatemala und Nicaragua. Neben Kolumbien hat Mexiko die höchste Todesrate von
Reportern. In den Gefängnissen herrscht dieselbe "institutionalisierte"
Korruption wie eh und je. Grossgrundbesitzer lassen die Bauernführer der
Bauernaufstände ermorden, und die Festnahme von aufmüpfigen Indios schürt ein
jahrzehntealtes Klima der Unzufriedenheit, das neben sozialen, politischen und
ökonomischen Problemen immer wieder zu Rebellionen führt.[60] *
Mexikos Lage hat sich
also auch 1920 nicht geändert. Krumms politischer Traum bleibt Traum und
angesichts der Million von Todesopfern und der weiter andauernden politischen
und wirtschaftlichen Lage kann man das Land bildhaft als "gnostischen Ort
der Verwesung" beschreiben.
oOo
Nach der Ermordung
Carranzas 1920 kehrt Krumm-Heller nach
Deutschland heim und vertreibt homöopathische Produkte. Wann Krumm-Heller sich der Homöopathie zugewendet hat, ist nicht genau bestimmbar,
Mexiko als "Ort der Verwesung" miterlebt zu haben,[61] *
könnte jedoch einen Gnostiker dazu bringen, seinen schöpferischen Einsatz zum
Wohle der Mitmenschen als Arzt von der materiell ausgerichteten Allopathie
auf die geistig ausgerichtete Homöopathie zu verlagern. Das schon von Hippokrates
formulierte und im 18. Jahrhundert von Samuel Hahnemann (1755-1843)
angewandte Ähnlichkeitsgesetz der Homöopathie kommt überdies dem magischen und gnostischen
Denken näher als die Allopathie. In der Homöopathie ist die materielle Ebene gleichermassen
(un)wichtig wie im Gnostizismus. Bei beiden wird die Rückführung in einen
Ur-Zustand von Heil/Gesundheit angestrebt. Dieser findet auf der höchsten
göttlichen/geistigen Ebene statt. Heilung erfolgt bei beiden von Oben nach
Unten. Von Innen nach Aussen.
Die Homöopathie geht da über das Ähnlichkeitsgesetz hinaus, wo es
um die Hochpotenzen der Gaben geht, die keine Moleküle des Wirkstoffes mehr im
Lösungsmittel aufweisen. Das Wirkungsprinzip homöopathischer Potenzen entspricht dann dem Resonanzprinzip
postulierter energetischer Wechselwirkungen zwischen Patient und Medikament.[62] *
In seinen moralischen
"sexuellen Aufklärungsromanen" (Hertha, Alfredo)[63] *
verbreitet Krumm-Heller eine adjektivüberladene Aura aus altmodischer
männlicher Überlegenheit (die heutzutage eher auf Ablehnung stossen würde),
schwärmerischem Spiritismus und Okkultismus. Ähnlich den meisten Okkultisten,
schimpft er pauschal über die Wissenschaft und lobt emotional das Studium der
Geheimwissenschaften, was auch an eingangs erwähnte Heilpraktiken erinnert. In
seinen Gesundheitsbüchern beschreibt Krumm hingegen wieder wissenschaftliche
Methoden, deren sich die Homöopathie ja
besonders bedient.
Krumms sporadische
Abneigung gegen "Wissenschaftler" hängt wohl mit der politischen
Lage Mexikos um 1910 zusammen: "Diaz, der gefürchtete Diktator, war
aber langsam alt und unfähig geworden. In den letzten Jahren vor Ausbruch der
Revolution regierte nicht mehr er das Land, sondern eine Clique von Parasiten,
denen man hier den Namen Cientificos ('Wissenschaftler') gegeben hat. Dass
diese sonst überall in der Welt ehrenvolle Bezeichnung hier zum Stigma einer
Gruppe von Ausbeutern und Erpressern wurde, kommt daher, dass die Mehrzahl
jener Männer sich zu einer politischen Partei (Union Liberal)
zusammengeschlossen hatten, die angeblich wissenschaftliche Grundsätze in
sozialen und staatsrechtlichen Fragen befolgen wollte. Tatsächlich gehörte der
Partei neben den Finanzmännern auch eine grosse Zahl gebildeter, wenn auch
gewissenloser Elemente an, die mit hochtönenden Phrasen und
pseudowissenschaftlichen Fachausdrücken das Volk irrezuführen suchten. Dieser
Freundeskreis der Cientificos war es, der die Kandidaten für die öffentlichen
Ämter aufstellte und durchbrachte, der alle Staatsaufträge vergab,
Konzessionen erteilte, die Gesetzesmaschine beeinflusste und Richter und Beamte
gefügig machte, mit einem Wort, die Cientificos waren die unumschränkten Beherrscher
Mexikos. Selbst die privaten Betriebe waren ihnen untertan."[64] *
Von Krumms
politischen Aktivitäten zeugt seine im November 1920 erschienene "Deutsche
Reichsverfassung und das Wahlgesetz von 1919 in allgemeinverständlicher kurzer
Darstellung besonders für Schulen." Diese im Eigenverlag herausgebene
Schrift reagiert auf die "durch den Ministerial-Erlass vom 4. September
1920... sofortige Einführung der Schuljugend in die Reichsverfassung... ohne
dass ein geeignetes Buch als Unterlage zur Verfügung steht."[65] *
1920 verfasst Theodor Reuss sein
"Aufbauprogramm der Neo-Christen OTO."[66] *
Da Reuss und Krumm-Heller sich ein Jahr
später immer noch gemeinsam als Nachfolger Carl Kellners und Franz Hartmanns sehen {siehe unten}, dürfte Krumm-Heller also Reuss' Staats-Utopie nicht fremd sein.
Von nun an sind von
Krumm jedoch keine politischen Aktivitäten mehr wahrzunehmen. Dies mag einerseits
mit einer persönlichen Schicksalswende und seinen Erlebnissen in Mexiko
zusammenhängen, findet jedoch andererseit sicher seinen auch Grund darin, dass
sich Mitglieder des Roten Kreuzes apolitisch zu verhalten haben, um nicht ausgeschlossen
zu werden. Und Krumm ist nun Mitglied des Roten Kreuzes geworden, gegen das er von Mexiko aus noch den
Vorwurf der Korruption entgegengebracht hat.
La
vie en rose
Herr Krumm lernt
Rudolf Steiner kennen und fragt ihn über
die Magie der Duftstoffe aus.[67] *
Krumm sieht Steiner als Schüler von Theodor Reuss und Aleister Crowley und bezeichnet sich selber als
"Lieblingsschüler" Steiners.[68] *
{Der Gnostizismus der
Protagonisten wird in Teil III dieser Studie aufgezeigt. An dieser Stelle
empfiehlt es sich nun, nochmals die im "OTO-Phänomen" dargestellten
historischen Ereignisse um Reuss und
Crowley nachzuschlagen.}
Ende 1921 ist Crowley ausserordentlich darüber verärgert, dass ihn Reuss nicht zum X° der USA bestallt hat und wittert
"Verrat" in der Ernennung des überaus ordensaktiven Kanadiers Charles
Stansfeld Jones/'Achad' am 10. Mai 1921
zum X° durch Reuss.[69] *
Crowley hat in den letzten Jahren den OTO
eher vernachlässigt und sich vermehrt selbstverliebten magischen Experimenten
hingegeben, die er im Sinne seines AA veranstaltete.
Nachdem Crowley zwischen 1917-19 zumindest ansatzweise eigene
OTO-Rituale entworfen hat (die erst in den 1940er Jahren die bis heute gültige
Form finden),[70] *
verbietet ihm nun Reuss am 9. November
1921 von Berlin aus, den OTO weiterhin mit Thelema zu verschmelzen {siehe
Anhang}.[71] *
Reuss wirft Crowley (der in der Zwischenzeit eine Art Abtei in Sizilien
errichtet hat und einen Ziegenbock zur Kopulation mit seiner Geliebten zwingt)[72] *
ausserdem vor, noch nie Ordensbeiträge bezahlt zu haben[73] *
und mit seinen Attacken auf Reuss sich nur selber zu schaden.
Crowleys vergeblicher Machtanspruch entzweit die beiden. Zum
Konkurrenzdenken zwischen Reuss und
Crowley kommen ausserdem noch unterschiedliche
gnostische Theorien und Praktiken hinzu, die Reuss sich distanzieren lassen. Hauptsächlich sind, ausser
Crowleys Ablehnung der Freimaurerei und
des Christentums,[74] *
seine Art sich selber in den Mittelpunkt aller Rituale zu stellen, Ursachen
des Zerwürfnisses. Reuss' Absprechung
der Göttlichkeit der Frau[75] *
widerspricht zwar theoretisch Crowleys "Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern,"
trotzdem sind für dessen Frauenfeindlichkeit ja ebenso reichlich Belege vorhanden.[76] *
"Liebe ist das Gesetz, Liebe unter [der Kontrolle des] Willen[s]"
ist noch ganz nach Reuss' Geschmack, da
es um die Zeit der Jahrhundertwende eh schon in der Literatur zu finden ist
{siehe Teill III}; es ist das ihm von Augustinus/Nietsche/Rabelais her bekannte
"Tu was Du willst," das ihm in Crowleys Version wahrscheinlich zuviel Schmieröl in das
Getriebe der "Gnostischen Neo-Christen OTO" ist.[77] *
Kurz nachdem Crowley den von Reuss am 9.11.21 verfassten Befehl erhält, den OTO von
Thelema freizuhalten, profiliert sich dieser als Wadenbeisser und ruft sich
trotzig und voller Allmachtsgefühle am 27.11.21 zum OHO aus. Seinen Anhängern
bleibt nichts anderes übrig, als willfährig in seine Schalmeienklänge einzustimmen.
Somit dürfte er endgültig in Reuss' Ungnade gefallen sein: Crowleys OTO ist kein originaler OTO mehr. Reuss muss sich nach einem anderen geeigneten Nachfolger
umsehen {mehr darüber auch im "OTO-Phänomen," 35}.
"During the
last two years of his [Reuss] life he was not active in teaching the Crowley doctrines and practices and gained back of the respect
that had been accorded to him in former years in occult and fraternal
circles."[78] *
Reuss wartet nicht lange. Am 1. Dezember 1921 erscheint nun
in München die erste Nummer "Der Rosenkreuzer," in der Krumm-Heller
(Landsitz Chapultepec/Chorinchea),[79] *
Reuss (Basel), Fra. Ekkehart, Fra.
Friederich und ein Fra. Orphe sich in einem gemeinsam verfassten Artikel als
Nachfolger Carl Kellners und Franz
Hartmanns und als Rosenkreuzer
bezeichnen.[80] *
Hier taucht auch der Begriff "Antiquae Arcanae Ordinis Rosae Rubeae et
Aurorae Crucis" auf, der als AAORRAC später seine Rolle spielen wird {siehe entspr.
Kapitel}. Das Heft ist von der Krumm-Hellerschen Verlagsanstalt gedruckt und
von Reuss herausgegeben. Die vielen
Bücher des 24 Jahre jüngeren Homöopathen Krumm-Heller mit ihren sexuellen Unter- und
Obertönen dürften also nicht ohne Wirkung auf Theodor Reuss geblieben sein, der in der Zwischenzeit ja nichts mehr
von Crowley hält.
Krumm-Hellers
gnostische Auffassung äussert sich jedoch nicht libertinistisch sperma-gnostisch. Das klassische homöopathische Weltbild schliesst jegliche libertinistische
Sexualmagie aus, ist es doch (zu dieser Zeit christlich und z.T. theosophisch)
auf ein "geordnetes," moralisches Leben ausgerichtet und lehnt u.a.
Tabakkonsum, Alkohol- und Fleischgenuss ab und sieht in der Promiskuität die
Ursache resp. die Wechselwirkung mit einer der Grundkrankheiten der Menschheit[81] *
{Beispiele zur Sexualmagie in Teil III}.
Da sich auch E.C.H.
Peithmann (der den OTO zwar für wertlos
hält), E.T. Kurtzahn, H.R. Hilfiker, L. de Laban u.a. in den späteren Lebensjahren in Reuss' OTO-Logen zusammenfinden und sich diese Herren kaum
libertinistisch betätigen {siehe Teil III}, ist anzunehmen, dass Reuss nun asketische und libertinistische Sperma-Gnosis ohne Einschränkung gleichermassen akzeptieren
kann. Dies ist in dem 1914 geschriebenen Text "Parsifal und das Enthüllte
Grals=Geheimnis" noch nicht möglich gewesen.
Heinrich Tränker, der ebenfalls christlich-gnostische Erlösungslehren
in seiner rosenkreuzerisch-theosophischen "Pansophia" vertritt,
erhält von Reuss 1921 eine X°-OTO-Charta
für Deutschland; libertinistische spermagnostische Aktivitäten scheinen auch bei ihm eher
spärlich aufzutreten.[82] *
"Wo sich Tränker später
ausführlicher über den O.T.O. und Reuss auslässt, tut er das teils in einer sehr negativen
Weise, und wenn Reuss mit ihm auch
nur in Briefverkehr stand, hätte es ihm eigentlich doch nicht verborgen bleiben
können, dass Tränker auch damals
nicht gerade ein begeisterter Parteigänger war, was die Wahl von Reuss - ganz davon abgesehen, dass er sich für einen ihm
nicht persönlich bekannten Nachfolger entschied - erst recht ungereimt
macht."[83] *
Nach dem Tod von
Theodor Reuss, 1923, betrachten sich
Krumm-Heller, Heinrich Tränker (Charta
von 1921) und der selbsternannte Aleister Crowley (Charta von 1912), je als alleiniger O(uter) H(ead of
the) O(rder) und Nachfolger der gesamten Reuss'schen Ordenskompilation, so auch der Gnostisch
Katholischen Kirche, obwohl gar nicht klar wird, was unter letzterer eigentlich
gemeint ist.
Crowleys Besuch 1925 in Deutschland, der Heinrich Tränkers Pansophie entzweit (und so die Fraternitas Saturni als kaschierte OTO-Loge ihre Karriere beginnen lassen
kann), verläuft ohne Krumm-Heller.
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1927 gründet
Krumm-Heller in Mexico die Fraternitas Rosicruciana Antiqua (FRA). "Soy
el Comendador nombrado por el Gran Luminar Racotzi; soy pues, el eslabón único en la sucesión única de
Comendadores que han fungido desde hace siglos y siglos pasados y tengo el
deber moral de velar por la enseñanza Rosacruz, como lo han hecho F. Hartmann y Theodor Reuss y como lo juré ante el altar, en presencia de Papus y demás maestros."[84] *
Der Brasilianer
Marcelo Ramos Motta behauptet,
Krumm-Heller sei nur ein VIII° des OTO gewesen.[85] *
Dieser Grad ermöglicht es, eigene Orden unter der OTO-Direktion zu gründen,[86] *
und dies würde erklären, warum die FRA mit OTO und Gnostischer Kirche
"einen Körper bilden" kann. Falls man annimmt, dass Reuss Franz Hartmanns "Esoterische Rosenkreuzer" als VIII° in
sein OTO-System inkorporiert habe,[87] *
und Krumm-Heller seine FRA tatsächlich als Fortführung dieser Hartmannschen Rosenkreuzer sieht, dann wäre die FRA in der
Tat abhängig vom Reuss-OTO. Krumm-Heller
hat jedoch fast nie vom OTO gesprochen, und die meisten FRA-Mitglieder haben
sich niemals als OTO-Mitglieder gesehen.[88] *
Es ist also eher anzunehmen, dass der X° Krumm, OTO und FRA zwar verwandt,
jedoch unabhängig voneinander betrachtet hat. "No existe en el mundo,
tanto en el plano visible como invisible, una Orden superior a la Fraternidad
Rosa-Cruz."[89] *
In einem
Initiationsritual nennen sich die FRA-Mitglieder "Caballero RC," was
wiederum freimaurerisch ist.[90] *
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In Qusqo, der
Kolonialstadt auf den Mauern des Inka-Reiches in Peru, findet Krumm sein Motto 'Huiracocha' und sein Mantram INTI.[91] *
Obgleich er sich als Mexikaner fühlt und eigentlich einen entsprechenden
Begriff aus der Maya-Kultur wählen sollte, identifiziert sich Krumm mit dem
höchsten Wesen der Hochlandstämme (Quechua und Aimara) des Inkareiches.
"Uiracocha" ist der gleichzeitig
männliche und weibliche allgegenwärtige Weltenschöpfer - und darin dem mexikanischen
Quetzalcouatl verwandt. Hier spannt sich der Bogen zu Krumms Mexiko.
Quetzalcouatl, die Erlösungsgestalt (dem Heiligen Thomas ähnlich),[92] *
die alias Madero und Carranza u.a. den Weg durch die Landschaft der mexikanischen
Seele nimmt und bis heute (1995) (als staatliche Bürokratie) als jede Wahl an
sich reissende Revolutionspartei (mit dem Charisma des Erlösers versehene Präsidenten
an der Spitze), die alten Indianertraditionen weiterleben lässt. Vielleicht hat
Krumm-Heller Quetzalcouatl eine politische Rolle und sich selber als
"Huiracocha" eine okkulte
Mission zugeordnet und kennzeichnet so seine Wende vom Revolutionsteilnehmer
zum Hersteller des Gral, "el hijo del Sol... el mesias."[93] *
Mit einer bestimmten
Naturerscheinung lässt sich "Uiracocha" nicht verknüpfen.
Es sind drei
Inkamärchen überliefert, in denen Uiracocha eine Rolle spielt. In allen dreien ähnelt er dem
christlichen Jehova, einem leicht reizbaren Gott, der die Menschen nach seinem
Ebenbilde schafft, Vorschriften erlässt und, als sie nicht befolgt werden, eine
Sintflut schickt. Uiracocha soll dem
Titicacasee entstiegen sein, und die Ruinen in Tiahuanaco sind als seine
Wohnstätte errichtet.[94] *
Ähnlich wie Jesus Christus ist Uiracocha umhergezogen, um, merkwürdig gekleidet, verschiedene
Wunder zu vollbringen. Nach ein paar Prophezeiungen entschreitet er über das
Meer, ohne zu versinken (daher sein Name: Fett oder Schaum des Meeres, See der
Winde).[95] *
Historisch gesehen,
haben die Indianer in Trance des öfteren persönliche Missionen als/von
"Menschengötter/n" entgegengenommen. Das Auftauchen eines weiteren
Menschengottes (Krumm-Heller) stellt so keine Besonderheit dar, da die Märchen,
ähnlich den christlichen Propheten, vor falschen "Uiracochas" warnen.
Der Begriff
"Virococha" findet sich in einem Reuss-OTO-Ritual.[96] *
Der Rosenkreuzer aus Mexiko
Wie erklärt der "zwischen
den jahrtausendealten mexikanischen Pyramiden gross gewordene"[97] *
Krumm-Heller die Verbindung des an und für sich christlichen Rosenkreuzes mit
der alten Maya- und Inkakultur? Dazu ein theosophisch-antroposophisch
klingender Ausschnitt aus seinem 1919 in der "Krumm-Hellerschen Verlagsanstalt"
in Halle erschienenen "Okkultistischen Roman" "Der Rosenkreuzer
aus Mexiko" (Seiten 27ff.).[98] *
"Die
Reformation, welche den Schleier vom Kreuze Golgathas löste, hat ihren Ursprung
im Lande meiner Väter, in Deutschland. Die deutsche Rasse, die Religion der
alten Germanen hat den deutschen Geist zu einer gewissen Entwicklung gebracht.
Der Sonnenkultus der alten Mexikaner ist älter und in seinem exoterischen Werte
erhabener als der christliche. Ein geistiges Band verbindet beide zu einem
vollkommenen System. So wie das Leben Christi das Lebensproblem jedes Einzelnen
darstellt, müssen auch die Völker der Erde den Lebens= und Leidensgang des
Heilands, des grössten aller Eingeweihten durchleben. So wie er gelebt, gekreuzigt,
gestorben und wieder auferstanden ist, so muss auch das deutsche Volk, nachdem
es den Schmerz des Kreuzes, den Kelch des Leidens in einem grässlichen Kriege
an sich erfahren, zu neuer Blüte auferstehen, und dann werden die für Ihr
Vaterland gefallenen Krieger hier in diesem mexikanischen Weltteil wieder auferstehen
um die Grundlage zu einer neuen menschlichen Rasse zu geben. Findet man doch in
einer der mexikanischen Urkultur sehr verwandten Geistesrichtung der Ägypter
seltsame Inschriften, die von solcher Wiedergeburt besonderer Menschen in
anderen Ländern reden...
Alles, was in der
physischen Welt vor sich geht, ist nur eine Wiedergabe von Geschehnissen der
den Meisten unzugänglichen Astralwelt. Mexiko steht mit Deutschland in
Wechselwirkungen, die wir jetzt nur andeuten können, die die Zukunft aber klar
erkennen lassen wird."
Des weiteren findet
Krumm-Heller bei den Azteken die jüdische Kabbala wieder, die christliche
Dreieinigkeit, das Tarot und das Atom. "Die alten Mexikaner glaubten
wie die Kabbalisten an eine Universalsubstanz, die als Universalgeist in der
Sonne den Lebensspender, der vom Zentrum aus das ganze Weltall durchströmte,
vermittels eines Fluidums selbstbewusster Einheiten versinnbildlichen. Ganz entschieden
kannten die alten Eingeweihten der Mexikaner das Atom als eine konkrete
Offenbarung der Universalenergie, und das Weltall, den Kosmos, als eine endlose
Kette von Wechselwirkungen und Formverschiedenheiten, die nur von der Gruppierung
der Atome abhängig erscheint."
Krumm-Heller bezieht
sich oft auf den "Stein der Azteken" (siehe Umschlag), aus dem er
alles Obige herauslesen kann. Einen ähnlichen Stein beschreiben schon Kerning (J.B. Krebs) und Franz Hartmann in "Lichtstrahlen" und ziehen symbolisch den
Bogen zur Freimaurerei.[99] *
Was hat das mit dem
Rosenkreuz zu tun? Man lebt "antes de la llamada fundación de la Orden
de Cristian Rosenkreuz y sus compañeros antes de la publicación de La Fama Fraternitatis,"[100] * jeder folgt "la voz de su sangre y de su
raza." Auch hier gilt die im Rosenkreuzertum und z.T. auch in der
Homöopathie angesiedelte "Makro-Mikrokosmos-Parallele,
die Betonung der Kosmologie, die als Umwandlung des tierischen in den
göttlichen Menschen verstandene Alchimie."[101] *
Letztendlich scheint
das Rosenkreuz auch bei Krumm-Heller das zu bedeuten, was es für alle
Sexualmagier ist: "La 'Tau' rodeada del símbolo Rosa-Cruz, las siete
rosas encima de la cruz significan la unión del sujeto con el objeto, representando
también el 'Yoni-Lingam',"[102] * womit wir wieder bei Theodor Reuss wären. Krumm unterscheidet zwischen "Coitus
completus," "Coitus interruptus," Coitus reservatus" und
"Coitus sublimatus." Nur letzterer, "El Carezza," ist für
ihn der richtige Geschlechtsverkehr,[103] * was ihn von allen Crowleyanern unterscheidet.[104] * Während Reuss in "Lingam-Yoni" ausführlich den indischen
Phallus-Kult beschreibt und als OTO-Pflichtlektüre u.a. Richard Payne Knights "Discourse on the Worship of Priapus"
(1786) angibt, weist Krumm-Heller in "Iglesia Gnóstica" nur kurz auf
griechische und ägyptische Kulte hin, die "un miembro masculino en
estado de erección, al que daban el título de 'dador de la razón'"
anbeten. "La serpiente [ist] el órgano sexual."[105] *
Auftritt Baphomet
Von Martha Küntzel erhält Krumm-Heller Crowleys Adresse und schreibt ihn erstmals am 17.2.1928 von
Berlin-Heiligensee aus mit dem Briefkopf "Summum Supremum Sanctuarium
OTO, FRA, Fraternitas Hermetica Lucis, Societas Pansophia"[106] * in seinem holprigsten Englisch an: "I have
received your address by M. Küntzel and I suppose that you remember myself by Mr Reuss... I have several difficulties in writing English... I
have the intention to go into Southamerica to spred our ideaes the Spanish
speaking countries." Es folgt
eine Einladung nach Berlin, die Crowley neugierig macht. - Der Begriff "Pansophia"
weist auf eine Verbindung zu Heinrich Tränker, die nicht lange dauert, da ja Tränker bald mit dem AMORC anbändelt.[107] * Krumm-Heller unterhält ebenso Kontakt mit der von der
Pansophia abgespaltenen Fraternitas Saturni, die wie die Küntzel ebenfalls Crowley-Texte publiziert.
1929 unternimmt
Krumm-Heller eine Tournee durch Lateinamerika, wo er seinen Anhängern u.a. die
Lehren des Psychologen William Walker Atkinson empfiehlt.[108] *
In der Zwischenzeit
trifft der aus Paris ausgewiesene Aleister Crowley den rührigen Henri Birven (der durch Tränker überhaupt erst von Crowley erfahren hat) in London und versucht, durch Birven mehr über Krumm-Heller zu erfahren, um diesen in
seine Pläne (Thelema zu verbreiten) einzukalkulieren.
Da Krumm-Heller sich
anerbietet, mit Martha Küntzels Hilfe
Crowleys Ideen in den USA und den
spanisch-sprechenden Ländern zu verbreiten[109] * und Lesungen aus Crowleys "Confessions" zu halten,[110] * die zur Zeit in Henri Birvens Zeitschrift "Hain der Isis" erscheinen,
kommt es schliesslich zu einem Treffen mit dem Crowleys Reise erneut zahlenden Karl Germer[111] * und Crowley am 23.4.1930 in Henri Birvens Wohnung in Berlin-Tegel.
Karl Germer selber berichtet Crowley über Krumm-Heller: "Dear Beast, we [mit
Henri Birven] were out on Sunday with
Krumm-Heller. The more I see of him the less valuable he appears to me. He
falls on my nerves too... I have definitely decided not to go to London with
Krumm-Heller." Germer ist
unangenehm darüber berührt, dass Krumm-Heller nur in den höchsten Tönen von
Heinrich Tränker spricht, der bei Crowleys Besuch, 5 Jahre zuvor, das Buch des Gesetzes ja nicht
enthusiastisch genug aufgenommen hat.[112] * Heinrich Tränker trifft in der Zwischenzeit Spencer Lewis und versucht vergeblich, AMORC, OTO, Pansophia, Memphis-Misraïm und Gnostische
Kirche unter einen Hut zu bringen. "It may be that he [Krumm] is
good for outside organization and nothing else. I [Germer] do not think he can distinguish between hey and
straw or even between whith and chaff. He wants you to arrange a meeting with
Leadbeater who is in London
now."[113] * Germer will verhindern, dass Krumm-Heller den
Theosophen-Bischof C.W. Leadbeater (1847-1934) kennenlernt.
Schon Franz Hartmann, Mitbegründer des OTO, ist zum Schluss gekommen, dass
im OTO-Zusammenhang der Begriff "Rosenkreuz" nur allgemein benutzt
werden könne.[114] * Crowley und Germer lehnen nun die offizielle Benützung des Begriffs
"Rosenkreuz" (wie es Krumm-Heller tut) sogar vollkommen ab:
"Wahre" Rosenkreuzer hätten ihr Rosenkreuzertum gegenüber Profanen zu
verbergen, ja sogar zu verleugnen. "This is one of the original
conditions of membership," in einem Rosenkreuzerorden, wie der OTO einer sein
will.[115] *
Germer berichtet Gerald Yorke, "I saw Krumm-Heller yesterday and want to
write you at once. He gave me a copy of "Rosa Cruz,"[116] * his Spanish novel... He has no definite
English-speaking organization. However his organization comprises a fair number
of people who live in Texas,[117] * California, Arizona etc." Wenigstens durch diese, spekuliert Germer, liesse sich Thelema verbreiten.[118] * Kurz danach, am 25.6.1930, wiederum Germer an Yorke: "Krumm-Heller: I am sending him the letter
you addressed to me. He had Aleister Crowley's letter to Krumm-Heller and the rituals yesterday and
sent it [?] to him [?]
already. I do not yet have the rituals [?] but I'm anxiously writing for
them so that we can get on."
Henri Birven: Aus dem Leben Aleister Crowleys
Der neidische und
intrigante Birven erinnert sich etwas
ausführlicher an die gemeinsamen Treffen der "reifen" Herren (der
50jährige Tränker ist nach dem Scharmützel
um das OHO-Amt 5 Jahre zuvor nun nicht mehr eingeladen - ebenso fehlt der
ebenfalls in Berlin rührige 42jährige Eugen Grosche):[119] *
"So erschien
denn Crowley [55jährig] in Begleitung des Herrn Germer [45jährig]
nach meiner Erinnerung pünktlich am 23. April [1930] vormittags in
meiner Tegeler Wohnung. Ich [47jährig] hatte, dem Wunsche des Herrn
Germer willfahrend, noch vier
Herren eingeladen, drei Mitglieder und Mitarbeiter von 'Hain der Isis', sowie
den soeben von seiner Tournee aus Südamerika zurückgekehrten Krumm-Heller [51jährig]. Obwohl letzterer von A. Crowley nur den Namen kannte und, was bei einem so
unkritischen und hemmungslosen Synkretisten, der er war, mir auffiel, er
äusserte sich ziemlich skeptisch über Crowley, indem er meinte, schreiben könne man viel, auch ohne
was zu wissen; es war das offenbar seine eigene, ganz persönliche Erfahrung.
Dagegen bedauerte Prof. Dr. jur. Julius Sieber ausserordentlich, nicht kommen zu können, als er
hörte, dass Krumm-Heller von der Partie war. Dieser Violinvirtuose und
Romancier hatte sich ursprünglich auf Betreiben Krumm-Hellers an dessen
Amerika-Tournee beteiligt, bald aber, von dessen martkschreierischem Auftreten
angewidert, sich von ihm getrennt. Mir persönlich hatte Krumm-Heller, der mich
oft besucht hatte, bis anhin keinen Anlass zu nennenswerten Bedenken gegeben.
Wohl war mir über des letzteren Quacksalber-Praktiken [Homöopathie?] in Südamerika ein Bericht zugeleitet worden,
dessen Richtigkeit ich erst erkannte, als mir Krumm-Heller selbst
argentinische Zeitungen zeigte, in denen er eine bezahlte Propaganda für sich
als 'den grössten deutschen Gelehrten' gemacht hatte. Dieser 'Gelehrte' zeigte
sich leicht enttäuscht, als seine gewiss ehrliche Schmeichelei 'Ich
unterstelle mich Ihnen' mich kalt liess.
Im Gegensatz zu
seinem Begleiter, dem stets lächelnden Herrn Germer, war Crowley die ganze zeit vorwiegend düster gestimmt, doch
bewahrte er stets eine ruhige Höflichkeit. Sein Gesundheitszustand war
schlecht, was mir schon Herr Germer mitgeteilt hatte, und es störte ihn überdies, wie wir
sehen werden, die Anwesenheit der fremden Personen. Störend wirkte zunächst
auch Krumm-Heller, der auf Crowley nur ablehnend wirkte. Er war als erster bei mir
erschienen, in einem sehr guten hellen Anzug, der leider einen nicht als Orden
wirkenden grossen Fettfleck auf der Brust aufwies.[120] * Dieser Fleck irritierte den stets peinlich korrekt
gekleideten Crowley, der nur den
Fleck anstarrte, wenn Krumm-Heller ihn ansprach. Krumm-Heller suchte Crowleys Interesse zu erregen mit der Behauptung, jetzt sei
der Zeitpunkt für die Veröffentlichung der Werke Crowleys in Deutschland besonders günstig. Demgegenüber
setzte ich Crowley auseinander,
dass Deutschland sich in einer katastrophalen Wirtschaftslage befinde und die
Arbeitslosigkeit immer mehr zunehme...
Nach etwa
vierstündigem Aufenthalt fuhr Crowley im Auto des Herrn Germer nach Berlin zurück, wobei Herr Krumm-Heller, der sich
vorwiegend mit Germer unterhalten
hatte, den Wunsch äusserte, mitfahren zu dürfen. Er hatte wohl das dringende
Bedürfnis, Crowley erzählen zu
können, in wievielen Orden und Geheimgesellschaften er sei...
Aus einem
Telephongespräch des Herrn Germer mit Krumm-Heller entnahm ich, dass letzterer sich
bereits Liebkind bei Germer gemacht hatte."
[Birven lehnt ein Treffen mit Crowley und Co. in Krumm-Hellers Wohnung 4 Tage später ab. Die
Eitelkeit aller Betroffenen hat zur Folge, dass sich Crowley mit Birven überwirft und ihm einen Brief schreibt, den Birven folgendermassen wiedergibt]: "Dann versuchte
er [Crowley], zwei Fliegen mit
einer Klappe zu treffen, nämlich meine eigene hypothetische Eitelkeit zu
demütigen und der notorischen Eitelkeit des Herrn Krumm-Heller zu schmeicheln,
dessen ebenso notorische Aufschneiderei ihm nicht unwillkommen war, um ihn für
seine Zwecke einzufangen. Indem er in seinem Briefe an mich Krumm-Heller als
einen Maurer von gleichem Range als er bezeichnete, verstieg er sich zu der
Phrase, dieser habe weit mehr für die 'Sache' getan als er. Ich sei nicht
einmal ein Lehrling. Da er die 'Sache' (cause) nicht näher bezeichnete, konnte
ich mir darunter gar wohl Scharlatanerie vorstellen, in der ich allerdings
keine facultas docendi erworben hatte. Zwei Tage darauf erschien dann
Krumm-Heller bei mir, offenbar, um sich nach der Wirkung des Briefes zu
erkundigen."
[Birven und Crowley zerstreiten sich daraufhin endgültig. Birven sieht nun das "Crowleytum" allein als Methode, "etwaige
Geschäftspartner" anzulocken]: "Alle Versuche, Geldleute
anzulocken, schlugen fehl. Krumm-Heller, der seine Kasse in Amerika frisch
gefüllt hatte, hatte durch seine Schmeicheleien, die, wie wir gesehen haben,
von Crowley noch überboten worden
waren, grosse Hoffnungen geweckt. Aber Krumm-Heller war zu geschäftstüchtig, um
auch nur einen krummen Heller dem 'Grossen Werk' zu opfern. Die von Crowley in seinem Briefe an mich verzapfte Lobhudelei auf
diesen Geschäftspartner hatte nur die gewiss von Crowley nicht erwartete Wirkung gehabt, dass sich Krumm-Heller
bald darauf einen noch höheren Grad als Crowley in seinen Prospekten beilegte. Crowley war in dem sogenannten O.T.O. 96° für England, während
der Grossmeister [Reuss] als solcher 97° firmierte. Krumm-Heller sagte
mir, er sei 96° für Deutschland, aber Reuss habe ihn betrogen, er habe den Grad noch an zwei
andere Deutsche verkauft.[121] * Den Charter für Krumm-Heller habe ich nicht gesehen,[122] * wohl aber den für Tränker. Jetzt aber machte sich Krumm-Heller gleich zum
98°!"[123] *
Herbert Fritsche, der Krumm-Heller erst kurz vor dessen Tod persönlich
kennenlernt {siehe entspr. Kapitel} und dann eine Birven völlig entgegengesetzte Meinung von Krumm fasst,
fragt sich aber schon 1930 als 19jähriger, was wohl der Inhalt und Sinn des
Zusammentreffens von Krumm und Crowley gewesen sei. Er erhält die Antwort durch einen "von
Krumm-Heller selbst darüber informierten Manne...: 'Sekt und Weiber!'"[124] * Fritsche scheint es zu dieser Zeit nicht der Mühe wert, "eine
persönliche Bekanntschaft mit diesem mexikanischen Oberstabsarzt zu suchen,
der in Heiligensee bei Berlin einen als Landhaus maskierten Rosenkreuzertempel bewohnte - er, dem zuvor, als
er noch jenseits des Ozeans am Werk war, die mexikanische Regierung eine
reguläre Kirche geschenkt hatte für den gnostischen Kultus [?]."
oOo
Krumm-Heller macht
Crowley mit Leuten bekannt und beide gehen
gemeinsam ins Casino.[125] * Krumm erhält Crowleys Manuskript "Liber Aleph," das erst 1962
von M.R. Motta unter Aufsicht von Germer in Brasilien publiziert wird, und bestimmt weiht
Crowley Krumm-Heller in seine sperma-gnostische Interpretation der höchsten OTO-Geheimnisse
ein. Der 55jährige Crowley lernt hier in
Berlin die 19jährige Hanni Larissa Jaeger/'the Monster' kennen und vergisst ob diesem knackigem
Frischfleisch die ältlichen Geheimbündler.[126] *
Martha Küntzel sucht Krumm auf und berichtet ihrem geliebten Meister:
"He was very urgent for my going to see Frau Reuss with you [Crowley]. He mentioned it also to Karl [Germer] when he rung him up while I was there."[127] * Germer und
Krumm-Heller werden im September 1930 gemeinsam bei der Witwe von Reuss vorstellig, die jedoch zuviel Geld für das
Ordensmaterial verlangt. Germer rapportiert:
"Last week Krumm Heller & I called on Mrs Reuss & her sister. They remember you [Crowley] well. They live in great destitution on 100 marks
a month. All the records are still in their possession. Many people have called
asking for these, all describing themselves the only ones entitled to receive
them. Among them Tranker was the first... Something would certainly have to be
paid. K.H. thinks of 300 or 500 Marks. The question is to get the money. They
would probably prefer to turn the things over to K.H. as they know him
personally and he has a real charter."[128] *
"Hace pocos
días he tenido ocasión de ver el LIBRO DE ORO y los ARCHIVOS secretos del
S.S.S. firmado por los comendadores de hace sesenta y aun más años," und Krumm erwähnt die "legados por Franz
Hartmann."[129] * Ein Teil des Archivs geht zwischendurch an Heinrich
Tränker, landet aber letztendlich beim
Schweizer Kaufmann H.R. Hilfiker.[130] *
Um diese Zeit findet
in Dortmund ein astrologischer Kongress statt, an dem Krumm natürlich nicht
fehlen darf.
Nach diesem Treffen
mit dem selbstgekürten Templeridol (Künstlername: 'Baphomet') publiziert der deutsch-mexikanische
Schöpfergott mit dem peruanischem Inka-Namen 'Huiracocha' 1930 über OTO, AA und die Gnostisch
Katholische Kirche, dass er deren höchste Grade innehabe[131] * (3°-33°, 97°). Ob mit der Kirche auch die
Liberalkatholische Kirche Leadbeaters gemeint ist, den er 1930, zusammen mit James
Wedgwood (gegen den Willen Germers) doch trifft,[132] * ist unwahrscheinlich, da sich Krumm nun
nachdrücklich gegen Leadbeater, die TG
und deren Kirche ausdrückt.[133] *
"Dr. K.H.: Que opina Usted de la Iglesia Gnóstica
que vuelve a revivir en Alemania y que pensamos algunos adeptos llevar también
a España y América?
Obispo Leadbeater: Oh..., muy bien, no lo sabía. (Se inclinó al lado y
miró al Obispo Wedgwood y le
preguntó, sabe usted algo de esto? a lo que el otro contestó negativamente.)
Dr. K.H.: Me extendí entonces un poco y referí la obra
del Patriarca Dr. Peithmann en Alemania y la de otros Gnósticos y entonces al
final dijo (Leadbeater), que veía
con agrado el reestablecimiento de este Iglesia que posee una gran tradición y
la labor de sus sacerdotes sería benéfica."[134] *
Obwohl Krumm sein
1930 in Berlin erschienenes "Logos Mantram Magia" dem Pastor E.C.H.
Peithmann {siehe Teil III}, Crowley und sogar Tränker widmet,[135] * ist all seinen spanischsprechenden Anhängern der Name
Tränker unbekannt geblieben.[136] * - Tränker spricht von sich als "Fraternitatis Rosae Crucis
Germania" und nimmt gern "Initiationen in den hochwürdigen und
weisen Orden vom Rosencreuz, seinen Gesetzen, Riten, Lehren, Uebungen und
Erreichungen, wie sie aus Asien nach Europa durch unsern Vater C R C
verpflanzt und in Deutschland in den Grund- und Hauptstufen des R+C bisher treu
bewahrt wurden [vor]. Empfangen im SSS auf dem heiligen Berge Abiegno
R+C... mit Genehmigung 'Chacham Hakolel' O.H.O. L.S. Garuda."[137] *
Alles in allem lässt
sich bei Krumm-Heller noch weniger Thelema als bei Tränker finden. Obschon Tränker 1932 in New York City die "Societas Pansophica
Universalis" mit Zentren in Nanaimo (Kanada), in Chicago und in Oakland
gründet ("Central Seat... is once for ever Germany"),[138] * scheinen sich die Wege der beiden nicht mehr
gekreuzt zu haben. In Tränkers
langjährigem Magazin "Pansophic Intellectualizer - Guide to a Higher
Life" schreiben G.W. Surya, W.Y. Evans-Wentz, K.Ch. Krause, Ernest
Crutcher, Franz Hartmann (z.B. über den
"Order of the Golden Dawn"), Stoltzus von Stoltzenberg und natürlich
Tränker selber, der immer noch von einer
neuen rosenkreuzerisch-theosophischen Zivilisation träumt, wo jeder eins mit
Gott und dadurch der Erlösung teilhaftig wird.[139] * Dies entfernt ihn von Crowley, dessen Erlösung durch sog. Selbstvergottung
realisiert wird.
Krumm geht 1930 in
"Logos Mantram Magia" intensiv auf ähnliche Sprachübungen ein, wie
sie Rudolf Steiners Anthroposophen
praktizieren, selbst die Eurythmie wird von den FRA-Rosenkreuzern ausgeübt.[140] * Die Heindel-Rosenkreuzer,[141] * AMORC und die
Lehren der Theosophen werden jedoch als "letra muerta"
abgelehnt.[142] * In den späteren Büchern werden nun Crowley und Thelema nie mehr erwähnt. Liegt der Grund darin,
dass Crowley sich als "Das Grosse
Tier 666" der Apokalypse stilisiert? Krumm glaubt, dass sich mit dem
Mantram "666" Katastrophen heraufbeschören liessen, und distanziert
sich von den negativen Kräften des Antichrist.[143] *
Ebenfalls 1930
erscheint sein Werk "Biorritmo," in dem er nicht nur ausführlich über
die Bedeutung der "glándulas sexuales,"[144] * sondern auch über die Rhythmen (z.B. in der Form
immer wiederkehrender Zahlen) als Schlüssel des Lebens sinniert.[145] * Die thelemitisch wichtigen Zahlen 93, 156 oder 418
werden mit keinem Wort erwähnt.
1931 berichtet Krumm
über die "Plantas Sagradas." Auch im 1931 erschienenen Buch "La
Iglesia Gnostica" (eine historische Abhandlung der Gnostiker des frühen
Christentums) werden der OTO oder Aleister Crowley mit keinem Wort mehr erwähnt.
Ein weiterer Grund,
dass Krumm nicht mit dem OTO hausieren geht, hängt sicherlich mit der
zunehmend schlechten Reputation des OTO zusammen, die schon Reuss zu schaffen machte, von Crowley aber eher genüsslich genährt wird. 1932 erscheint zum
Beispiel in der Sexualwissenschaftlichen Verlagsanstalt in Berlin das Werk
"Stiefel-Mädchen" in der Reihe "Der Sadismus in
Einzeldarstellungen" von Dr. Th.v. Rheine. Hier berichtet der
Wissenschaftler über die Orgien des "angeblichen Schriftstellers
Wilhelm Quintscher," alias Dr. Mussalam, Leiter der deutschen Zweigorganisation der
"Hekate," und entdeckt "gewisse sadistische Neigungen der
Gründer." Rheine spricht dann vom OTO, dessen Erotik jedoch wohl keine
so hervorragende Rolle spiele, sondern eher Lockmittel "schmutziger
Geldgier" sei.[146] *
-+-
Da eines seiner
Kinder erkrankt, reist Krumm mit ihm nach Spanien. Hier {siehe entspr. Kapitel}
leitet Krumm-Heller eine Kinderklinik und eine pharmazeutische Fabrik,
organisiert das "Rote Kreuz,"[147] * verlässt aber das Land unter Franco und bereist Lateinamerika, Palästina, Ägypten, die
Türkei und Rhodesien.[148] * Er hält Vorträge über Malaria oder unterrichtet z.B.
in der von Dr. Ferrandiz errichteten schola popularis am neugeschaffenen
Lehrstuhl für Osmologie. Zu seinen Freunden zählen Dr. Karl Ochsen, der weltbekannte Vulkanologe und Bergingenieur, der
in Bremen lebende schweizer Ingenieur Alfred Judt (dem "Biorritmo" gewidmet ist) und der
südamerikanische Poet Amado Nervo. Der einstige Generalsekretär der
Theosophischen Gesellschaft Adyar, Univ.-Prof. Johannes Maria Verweyen, sowie Lic. Emil Bock, der Leiter der Rudolf Steinerschen Christengemeinschaft, verkehren in seinem Haus
in Berlin-Heiligensee.
Krumm ist
Repräsentant am medizinischen Kongress in Budapest, angeblich mexikanischer
Minister in der Schweiz,[149] * Redaktor des "Diario de Comercio" in Barcelona,
Präsident der "Sociedad de Plasmogenia" - seine Studie über "Die
Deutsche Verfassung" findet Eingang in deutsche Unterrichtsbücher.[150] *
"Ayudar
es una de nuestras labores, hagan el bien, que no hay nada mas satisfactorio
que eso."[151] *
Wie arbeitet er als
Arzt? "Nach dem Couéschen Vorbild liess ich während des Tages den
Patienten gewisse Sätze wiederholen und während dieser automatischen
Satzsprechung einen bestimmten Duftstoff[152] * riechen. Des nachts schliech ich mich im Hospitalsaal
an den schlafenden Patienten heran und hielt ihm ein Tuch mit demselben Parfum
unter die Nase. Er sprach, wenn er überhaupt die Gewohnheit hatte, im Schlaf zu
sprechen, alsbald dieselben Sätze, die er am Tage eingeübt bekomme hatte. Neben
dieser spassigen Tatsache war aber auch besonders erfreulich zu beobachten,
dass während des Schlafes auch der Heilungsprozess erheblich fortgeschritten
war."[153] *
"Ich empfehle
es allen Eltern, zur Lüge veranlagte Kinder damit zu bessern, indem sie ihnen
im Schlafzustande zuflüstern, die Wahrheit zu reden. Auch Bettnässen, Stottern
und andere Leiden können auf diese Art geheilt werden. Trinkern, Morphinisten
kann im Schlaf ihre Genesung suggeriert werden."[154] *
In Krumms Gnostischer
Kirche werden Rosen auf dem Altar verbrannt, deren Geruch Kranke heilen soll.[155] *
1934 erscheint in
Berlin: "Vom Weihrauch zur Osmotherapie." Übersetzungen erscheinen
davon in Spanisch, Portugiesisch und Englisch. Hier folgt er der Theosophischen
Aufteilung des Menschen in sieben Prinzipien.
-+-
Nach dem Tod des
Buchhändlers Joanny Bricaud,[156] * 1934, wird der Bankangestellte Constant Chevillon alias "Patriarch néo-gnostique Harmonius"
Erbe der Gnostisch Katholischen Kirche, resp. Église Gnostique Universelle.[157] * Durch Giraud dann am 5.1.1936 konsekriert, kommt auf
Chevillon (und somit in die Gnostisch
Katholische Kirche) endlich die begehrte Vilatte-Linie.
Reuss hat Crowley und dessen Thelema abgelehnt, was soll man also mit
Reuss' Ordenssammlung nach dessen Tod
1923 tun? Mit dieser Frage beschäftigen sich nun 1936 Chevillon und der reiche schweizer Kaufmann Rudolf Hilfiker, der höchstwahrscheinlich Reuss' Orden, zumindest aber einen Teil des Archivs,
"geerbt" hat.
Folgender
Briefwechsel liegt vor:
Hilfiker an Chevillon am 14.4.36: "Reuss a commis beaucoup d'erreurs les dernières années de
sa vie et il a fait un véritable commerce avec ses Chartes. La Charte original
de Yarker qui était en sa
possession avait été endossée en mon nom comme son successeur authorisé.[158] * A sa mort sa Veuve m'avait offert de m'envoyer cette
Charte contre paiement de la somme de Frs. 1000.- suisse, alors que j'avais
déjà payé environ Frs.s. 6000.-!! Bien entendu, j'ai refus cette offre et je
crains que la Charte ait été vendu à quelque personne indigne."[159] *
Chevillon an Hilfiker am 24.4.36: "Je possède, en effet, un
document Rosicrucien (?) publié en Amérique en 1930 sous le titre mirobolant de
"Secunda Fama" par le fameux Spencer Lewis [AMORC].[160] * Or, ce document, dans sa partie doctrinale au
moins, est originaire d'Allemagne (Lewis se l'appropria par une manoeuvre dont il est
coutumier); il est signé par un certain Nicolaus et par Fra.'.Recnartus... qui
fait suivre sa signature de 33.90.96°X° comme Reuss jadis et qui emploie le sceau du "Coll. Pansophia
Fraternit. R+C. Hermetica" lequel figure sur tous les documents signés par
Reuss."
Hilfiker an Chevillon am 13.6.36: "Quant à Lewis Spencer je puis vous dire que ce Monsieur de la Amorc en Amérique tient surtout à faire de bonnes affaires,
c'est-à-dire de chasser autant de brebis que possible dans son écurie...[161] * Après la mort de Reuss un certain Trenker joue le rôle de successeur de
l'O.H.O. C'est un finaud qui se nomme le seul successeur légitime de Reuss. Il a tâché de nouer des relations avec l'Amérique et
il fut très brutal quand on lui offrait de la résistance. Depuis deux ans je
n'ai plus rien entendu de lui... Connaissez-vous le colonel brésilien
Krummheller, qui avait aussi à faire avec cette affaire. En ce moment, il est
ici à Berlin, mais il ne s'occupe plus de la chose, parait-il... De tous ces
renseignements il résulte que l'O.T.O. est mort avec Reuss, ou même avant et je crois que ce sera une tâche noble
pour nous de purifier le rite de M et M, de bâtir un nouveau Temple des
ruines."
Chevillon an Hilfiker am 18.6.36: "L'O.T.O., en effet, doit être
plus ou moins à l'agonie en Allemagne, mais Crowley continue de s'en occuper en Angleterre sous la forme
du A.'.A.'. et des M.'.M.'.M.'... Quant a Krumm-Heller, il est à Berlin depuis
assez longtemps[162] * et il y a installé sa fraternité rosicrucienne. Il a,
parait-il, d'assez nombreux affiliés en Argentine et au Chili. En ces pays, diverses
revues publient des réclames pour des consultations gratuites sur toutes les
maladies imaginables, mais les remèdes sont vendus fort cher et doivent constituer
une source de revenu non négligeable. Il s'agit donc ici d'une méthode
différente de celle de Sp.L..., mais le résultat est identique. Les milieux sud
américains sérieux reprouvent nettement la R+C. de Krumm-Heller."
Hilfiker an Chevillon am 21.7.36: "Concernant la Charte de Reuss qui est en possession de Trenker je vous informe que
cette Charte était endossée à mon nom et une dame était chargée de me
l'apporter avec les documents de cession. Or cette Dame est morte en route et
presque en même temps Reuss a succombé... De ce que j'entends, Crawley est aussi
considéré comme magicien noir et je crois qu'il serait prudent de ne pas
entrer en relations avec lui et de considérer l'O.T.O. comme non
existant."[163] *
Chevillon konsekriert 1938 R.S. Clymer {siehe Brasilien} und 1939 Krumm-Heller. "Dr.
Krumm-Heller was Bishop of the Gnostic Church, using the English Ritual,[164] * and by the death of Peithmann was designated as the Patriarch of the Gnostic Church
for Germany-Austria."[165] *
Nach der Ermordung
Chevillons durch die Gestapo am
23.3.(?)1944 bringt M. de St. Vincent angeblich das Ordensarchiv zu Swinburne
Clymer in die USA.[166] *
-+-
Seine Buchdruckerei
in Berlin druckt weiterhin die Zeitschrift "Rosa-Cruz," die 1937
Texas als Krumms Korrespondenzadresse angibt.[167] * Dies hängt von Krumms Reisestationen ab, die im
Norden, in Texas beginnen. Ab 27. März 1937 reist er nach Yucatán, Bogotá und
Cuzco.
Zu dieser Zeit
veröffentlicht der AMORC eine "Advertencia
a los Rosacruces... Krum Heller no tiene ninguna relación con la orden
auténtica," der natürlich der AMORC sei. Krumm reagiert darauf mit dem längeren Artikel
"Pirámidos de los Rosa Cruz,"[168] * in dem er den AMORC anhand des Gradsystem "esoterisch"
auseinandernimmt und darauf hinweist, dass "el maestro Huiracocha figuro ANTES que Spencer Lewis,"
nämlich seit Paris 1908.
Den Zweiten Weltkrieg
muss er in Berlin verbringen, wo er sich bei Kriegsausbruch zufällig befindet.
Wie Peithmann schon 1929 bemerkt hat, dass "zwei grosse
Bewegungen sich absondern, aus denen sich die gnostische Kirche in der
Jetztzeit rekrutiert,"[169] * nämlich die Anhänger jeder Art von natürlichen
Heilweisen und die der okkulten modernen Weltanschauungen, so befasst sich
Krumm-Heller mit Gesundheits- und Lebensreformen.[170] * 1942 schreibt Krumm-Heller von der Fastenanstalt in
Pyrmont aus {siehe Kapitel über Herbert Fritsche} u.a. Briefe an die kalifornische 2. Agape Loge.[171] * Seine Briefe nach Bolivien[172] * unterzeichnet er mit 'Huiracocha R+C+' und siegelt mit einem Stempel
"Ecclesia Gnostica."
1946 reist er
nochmals nach Brasilien {siehe entspr. Kapitel}.
1947 publiziert
Krumm-Heller "Schamanismus."[173] * Der Unermüdliche übernimmt nun sogar noch die Leitung
des Marburger Roten Kreuzes.[174] *
El
Conquistador del Graal
Von allen bekannt
gewordenen Okkultisten ist Krumm-Heller m.E. derjenige, der die bewegtesten und
ehrgeizigsten Lebensstationen durchlaufen hat: von der Kinderarbeit in
deutschen Bergwerkstollen zum angesehenen Arzt in Lateinamerika. Während
Aleister Crowley vor allem das Geld
seines Vaters und seiner eigenen Anhänger für Bergtouren, Schnaps und Heroin
ausgibt und die letzten Jahre seines Lebens tatenlos auf Kosten seiner wenigen
Getreuen in Altersheimen verzettelt, ist Krumm-Heller doch ausserordentlich
aktiv in Politik, Medizin, Geheimwissenschaften und als Schriftsteller und
Reisender/Abenteurer rege. Sein Einfluss ist vor allem in den südamerikanischen
Ländern ungleich stärker als derjenige Crowleys in den englischsprachigen Ländern und Europa.
Crowleys grössere Bekanntheit ist allein
der inflationären Vermarktung seines Tarot-Sets und hin und wieder aufflackernden
Berichtchen in den Medien zu verdanken.
In seinem
deutschsprachig bekanntesten Werk "Osmologische Heilkunde - Die Magie der
Duftstoffe" legt Krumm sein "persönliches Glaubensbekenntnis"
ab: "Ich stamme mütterlicherseits aus einem Pfarrgeschlecht und bin
meiner christlichen Erziehung bis zum heutigen Tage treu geblieben. Der
Materialismus, der heute so viele junge Menschen zu ergreifen droht, wenn der
Zweifel aufsteigt, konnte mir darum nichts anhaben. Ich bin immer überzeugter
Animist gewesen.
In den
Naturvölkern, denen ich mich in den Studien meines Lebens hauptsächlich
zugewandt habe, ist mir keines bekannt geworden, das rein materialistisch gedacht
oder geglaubt hat. Im Gegenteil, alle sind sich im Seelenglauben, wenn auch auf
verschiedenen Stufen, einig gewesen. Auch als Arzt war ich, um einen bekannten
Begriff zu gebrauchen, Vitalist, eine Auffassung, die der Begriffsbestimmung
des Animismus auch sehr verwandt ist. Ich glaube also an die Unsterblichkeit
der Seele; ohne diesen Glauben hätte ich wohl auch schwer die Naturvölker
richtig verstehen können."[175] *
Krumm kann sich kein
Leben ohne geistige Welt mehr vorstellen, sein Gnostizismus entspringt der
Abneigung gegen die Weltmächte. "Nun taucht die Grosse Hure Babylon,
die Mutter aller Hurerei und Greuel der Erde auf, und bringt unheilbringende
Verdammnis. Sie repräsentiert den physischen Aspekt: die Politik, den eigensüchtigen
Imperialismus, den Bolschewismus, den Kommunismus, die philosophischen
Schulen; all das, bei dem wir leider Zeit verlieren - so wie wir sie bei einer
Prostituierten verlieren."[176] *
Ganz blauäugig bleibt
er nicht: "In der Gnosis lebt eine Art Faschismus auf, indem sie
behauptet, aus jedem einzelnen einen Mussolini, eine bewusste Persönlichkeit,
König oder Heiligen machen zu können."[177] *
Politisch sieht sich
Krumm-Heller eher Mexiko denn Deutschland verpflichtet: "Ich bin
Mexikaner, Bürger des Landes und habe stets meinen Standpunkt als solcher
vertreten. Als es mir einst in Guanajuoto an den Kragen ging und ich vor meiner
Hinrichtung stand, protestierte der deutsche Gesandte in der Hauptstadt und
wollte mich als Deutscher unter seinen Schutz nehmen. Doch musste er sein
Vorhaben aufgeben, da ich folgendes Telegramm wörtlich übersetzt nach Mexiko
sandte: 'Ich protestiere dankend gegen die Einmischung des deutschen Gesandten.
Ich bin Mexikaner und füge mich allen Folgen, wie jeder andere Maderist.'"[178] *
Da sich Krumm nie als
Deutscher, sondern nur als Mexikaner fühlt, publiziert er die meisten seiner
Bücher in Spanisch.[179] * In diesen klammert Krumm alles Politische aus.
Seinen Anhängern gegenüber erwähnt er zwar, dass er sich als Mexikaner fühle,
spricht und schreibt jedoch nur über das Rosenkreuzertum. Und so sehen sich die
FRA-Gruppen in den politisch gebeutelten Ländern "insofismavelmente
apolitíca."[180] *
Nach der
Jahrhundertwende erlebt die materialistisch eingestellte Schulmedizin Dank der
Entdeckung der Bakterien und der Bedeutung der Hygiene einen grossen
Aufschwung. Die Zahl der wahren, d.h. streng nach Samuel Hahnemann arbeitenden
Homöopathen ist nach einem anfänglichem
Aufschwung auf ein kleines Häufchen reduziert. Nur in zwei Ländern hat sich
die klassische Homöopathie einigermassen
erhalten: in England und Amerika.[181] * Aber gerade diese beiden Länder werden von Arnoldo
Krumm-Heller seit seinen Erlebnissen im Umfeld der mexikanischen Revolution
gemieden.
Was hat den rastlosen
Kulturpendler Krumm-Heller an den "Entwicklungsländern" so angezogen?
Die arabischen Länder mit ihrem Islam haben wohl wenig Nährboden für Krumms
christliches Rosenkreuzertum geboten. Sie inspirierten eher Crowleys aggressiveres Thelema. Mexiko ist nach der
Jahrhundertwende wie Krumm selber in einer Art Aufbruchstimmung. Ganz Lateinamerika
lehnt sich gegen die europäische und amerikanische Vormundschaft und die
politische und wirtschaftliche Unordnung auf. So taucht der reiche Krumm-Heller
zum richtigen Zeitpunkt als Schöpfergottheit mit einer neuer Medizin aus dem
Osten auf und lehrt den deutschfreundlichen "Unterdrückten" die Erlösung
durch Gnosis und Homöopathie. Man stelle
sich vor: "a German doctor who speaks Spanish, comes to America and
founds Rosicrucian Centers! in a land dominated by the fanaticism and prepotence
of the Roman Catholic Church!"[182] *
"Vielleicht
leben [sic] KRUMM-HELLER (bzw.
seine Gedanken) wieder im SÜDEN. Er flüchtete ja vor dem dunklen-grüblerischen
NORDEN, wo man(n)-mensch die Sonne selten RICHTIG sieht. Vielleicht sitzen ISIS
UND OSIRIS immer noch an den Waagen. Wobei der AMORC Kreuzweh kriegen kann... Ich weiss, Arnoldo
Krumm-HELLER lebt noch im Süden."[183] *
Geld war und ist in
Lateinamerika noch mehr wert als in Europa. Die äussere Erscheinung Krumms
(immer elegant und z.B. mit Monokel), sein moralisches Auftreten und seine
medizinischen Interessen ziehen ähnlich gelagerte Persönlichkeiten an. So
finden sich auch heute noch viele Akademiker (Ärzte, Ingenieure, Architekten)
unter den Mitgliedern der FRA - etwas, was alle OTO-Gruppen erfolglos
aspirieren. Reuss z.B. versuchte auf
Dauer vergeblich, dem OTO ein hohes Ansehen zu geben und, besonders bei
Geldleuten in Schlüsselpositionen, vertrauenswürdig zu erscheinen. So suchte er
immer nach repräsentativen Persönlichkeiten, die als jeweilige Meister vom
Stuhl amtieren sollten.[184] * Crowley setzte seine Ambitionen ähnlich hoch und versagte
dementsprechend auch. Seine OTO-Statuten enthalten Stellen wie: "Die
Mitglieder des Ordens [OTO] haben jeden ausserhalb so anzusehen, als
besässen sie [diese Höhlenbewohner] keinerlei Rechte. Freundlichkeit
sollte gezeigt werden, wie jedem anderen Tier" (Liber CI, 25.28). "Es
ist beabsichtigt, dass die weltliche Macht des Staates zum Gesetz [Thelema]
gebracht wird" (Liber CI, 27.40). Schon die VII° geben ihrem Besitz
dem Orden, den sich dann die IX° teilen. Heiratspartner sind im Orden zu
suchen, jedes Kind ist als Mitglied zu betrachten, Geschäftsverkehr nur mit
Brüdern zu pflegen, schwangere Frauen sollen in den Orden gezogen werden, alle
Dienste überhaupt in den Orden gestellt werden,[185] * Prozesse zwischen den Mitgliedern sind verboten,[186] * testamentarisch sind alle Güter dem Orden zu
vermachen und überhaupt: "Wer sich Sorgen macht, gehört nicht zu
uns" (CI, 28.53).[187] *
Die Mitgliederzahlen
der heutigen OTO-Gruppen sind beinah lächerlich klein und deren Bedeutung
unmässig überschätzt.[188] * Allein in Metzgers Gruppe sind die hohen Ansprüche an die
wirtschaftliche Situation der Mitglieder zum Teil erfüllt.
In der FRA findet
sich die Bourgeoisie, in der die Frauenfeindlichkeit traditionell fest
verankert ist. Dies trifft besonders für die mediterranen Länder zu. Während in
Europa sich diese Situation für die Frauen zumindest ansatzweise zu ändern
beginnt, gilt dies nicht für den lateinamerikanischen Nährboden, den die
Rosenkreuzer sich gewählt haben.
-+-
Dr. Dr. med. honoris
causa Arnoldo Krumm-Heller stirbt am 19. Mai 1949 um 11.30 Uhr in seinem Heim
in Marburg-Lahn (Hessen) in der Amerikanischen Zone[189] * und hinterlässt seine zweite (erst 1945 geheiratete?)
Frau Carlota aus dem Potsdamer Adel[190] * (die "treueste Gehilfin meiner
Forschungen")[191] * und die Kinder Hiram Aguirre (aus 1. Ehe, der in Concepción/Chile lebt), und von
Carlota: Guadalupe, Cuauthemoc, Sieglinde und den Volkswirtschaftler Parsival.[192] * Der von E.C.H. Peithmann gepredigten Kinderlosigkeit scheint Krumm also
überhaupt nicht gefolgt zu sein.[193] *
Krumms Tod verursacht
ein kaum zu überblickendes Durcheinander von Nachfolgern und
Nachfolgeorganisationen; sei es einmal seine FRA, dann wieder "sein"
OTO, "seine" Gnostisch-Katholische Kirche oder ein Konglomerat aus
denselben. Da Krumm-Heller nie explizit über Grade gesprochen hat, sind viele FRA-Mitglieder
unsicher, wieviele Grade die FRA aufweist, ob wie beim OTO höhere Grade rein
spiritueller Natur sind (d.h. ohne Initiationsrituale), ob sie sich als OTO
oder als Kirche sehen können, und versuchen bald, von überallher Konsekrationen
und Chartas zu erhalten.
Parsival Krumm-Heller wird als Sukzessor akzeptiert. Dieser
autorisiert u.a. das Editorial Kier in Buenos Aires, weiterhin die Bücher seines Vaters
zu publizieren {siehe Kapitel "Brasilien" und
"Argentinien"}, verändert jedoch die Kurse seines Vaters, d.h. tilgt
vor allem anti-theosophische Stellen. Dass er "los cursos sobre Runas,
Taumaturgia y... de Magia sexualis"[194] * weiterentwickelt und die Frauenfeindlichkeit in der
gnostischen Haltung nicht vertritt, stösst auf stummes, aber tiefgreifendes
Unverständnis bei den meisten FRA-Mitgliedern.
Wie sehen es die meist selbsternannten Nachfolger?
Metzger: "Um die Jahrhundertwende, also etwa in der
Zeit zwischen 1890 und 1920, war die Zeit der letzten grossen Spaltungen... der
Weltbund der Illuminaten, die FRA, der OTO und die GKK. Ersterer unter Engel
und die GKK unter Dr. Peithmann in der deutschsprachigen Welt, die zweite in
Südamerika unter Krumm-Heller, der OTO unter Reuss."
(Metzgers Oriflamme von 1964, ohne den
Beweis dieser Behauptung anzutreten). "Der Rosenkreuzer-Orden FRA wird
vom Ordo Illuminatorum gestiftet" (Oriflamme, 1970. Metzger meint wohl seinen eigenen FRA-Zweig). In Metzgers Buch "Erleuchtete?" von 1964 tauchen
Krumm-Hellers Titel "S. Rex OTO" und "'Head of Order'
(OTO)" auf.
Einen weltweiten
Führer der FRA hat es nie gegeben. Arnold Krumm-Heller hat sich selbst nur als
ihr Stifter und "Soberano Comendador para España-America-Latina, Antillas
y Filipinas" bezeichnet. Metzger nennt sich "Souveräner Grossmeister der
FRA," Parsival K.-H. "Soberano
Gran-Comendador."[195] * William Breeze/'Hymenäus Beta', der jetzige "Caliph" der
1977 neugegründeten, dritten Agape Loge lässt sich von Reuss und Metzger inspirieren und meint: ""Esoteric
Rosicrucians are the VIII° in Reuss' system, with four subdegrees (Practicus, Adeptus,
Princeps and Illuminatus)... FRA and Ecclesia Gnostica Catholica, are also
component groups of O.T.O."[196] * Ähnlich wie Reuss, Crowley, Metzger, Michael Bertiaux et alii, versucht man auch im "Caliphat,"
sich noch Memphis-Misraïm einzuverleiben - und hat immerhin Doppelmitglieder in
einem kanadischen MM-Tempel, der unter der Aeguide des französischen Grand
Orient steht.
William Heidrick/'Emt' (graue Eminenz hinter dem jeweiligen
"Caliph") versteigt sich zu der unmöglichen Behauptung, Krumm-Heller
sei der Gründer des Voodoo-OTOA (Ordo Templi Orientis Antiqua, ein OTO
franco-haïtianischer Version in einer angeblichen Sukzession von Papus, Jean-Maine, Bertiaux, Ward) gewesen.[197] * Dass die "Caliphat"-Bischöfe zudem der
Ansicht sind, es gäbe kaum 10 Gnostische Bischöfe ausserhalb des OTO (womit sie
ihre Neugründung von 1977 meinen), dürfte unzählbare Hunderte von Wandernden
Bischöfen ausserhalb des "Caliphats" mehr als wundern.[198] * Es drängt sich eh der Verdacht auf, dass sich alle
"Caliphat"-Mitglieder notorisch gegenseitig zu "Bischöfen"
weihen,[199] * was die aktuelle Zahl an Wandernden Bischöfen um
weniger als vielleicht 800 Gestrandete weltweit erhöht.[200] *
Seit der Publikation
des "OTO-Phänomens" versucht man im "Caliphat" Schritt zu
halten. Man hat neuerdings endlich etwas Reuss-Material entdeckt, das man nun tröpfchenweise unter
die Mitglieder zu bringen versucht.[201] * Der Gnostic Catholic Church Scandal ist mittlerweile
dermassen angeschwollen, dass in den neuen Statuten vom 23.4.1994/2. Juni 1994
folgende Veränderungen eingebracht sind: Die Gnostisch Katholische Kirche des
"Caliphats" nennt sich von jetzt an nur noch "Gnostische
Kirche," und Ausschluss aus dem "Orden" bedeutet von nun an auch
"Verlust der kirchlichen Zugehörigkeit," womit die gnostischen Weihen
also plötzlich an die pseudo-freimaurerischen Crowley-OTO-Initiationsrituale gebunden sind.[202] * Der Begriff "Gnostische Kirche" bezeichnet
übrigens historisch gesehen Joanny Bricauds "Église Gnostique,"[203] * was einmal mehr die Unsicherheit oder historische
Unkenntnis des "Caliphats" bestätigt.
II.
Que las rosas florezcan
Die
FRA in Brasilien
Nach der
Weltwirtschaftskrise 1929 fallen in Brasilien die Kaffeepreise (65% der Exporterlöse
sind mit Kaffee erwirtschaftet). Aufschwung von extremistischen politischen
Parteien (Kommunisten und faschistische Integralisten) und ein Militärputsch
1930 sind die Folgen.
Brasilien ist
weltweit das Land mit der grössten katholischen Glaubensgemeinschaft und somit
auch idealer Nährboden für gnostisch-christliches Gedankengut.
In Saõ Paulo
publiziert Antonio Olivio Rodriguez ab
1907 das Magazin "O Pensamento," für das in den französischen
Gnostikerheftchen geworben wird und gründet 1909 den "Circulo Esoterico da
Comunhão de Pensamentos," der 1929 beinah 50'000 Anhänger (darunter hohes
Militär, Politiker und angesehene Bürger) haben soll. Nicht erst ab 1910 (wo
auch Delegierte obigen Circulos an Papus' Kongress in Paris teilnehmen) erscheinen in Olivios Magazin Übersetzungen der "Revue de Spiritisme
Moderne" (Paris 1908), "L'Année Occultiste et Psychique" (Paris
1908), "L'Initiation" (Paris 1908), Bücher von Eliphas Lévi, Agrippa und vielen mehr.[204] * Der Name "Saint Germain" ist, auch alias Racotzi, also kein unbekannter Begriff in der brasilianischen
Esoterikerszene der 1920er Jahre.
Zwei ähnlich
abgekürzte Rosenkreuzerorganisationen blühen nun bald neben dem AMORC,[205] * der "Gnostischen Bewegung" {siehe
Kolumbien} und den Heindel-Rosenkreuzern
in Brasilien auf: Arnoldo Krumm-Hellers FRA und Reuben Swinburne Clymers FRC
(Fraternidad Rosa Cruz).
1931 publiziert Krumm
in Rio de Janeiro von der selben Adresse aus, wo noch heute der Haupttempel der
FRA und der FRA/GKK steht, das Buch "Rosa Esoterica."[206] * Hier befindet sich das "Departamento de
Publicidade Rosa Cruz." Schon nur ein Jahr nach dem Treffen mit Crowley in Deutschland ist nicht die geringste Spur von
Thelema in dem Buch zu finden.[207] * Das Vorwort stammt jedoch von einem "Dr.
Gnóstico," womit Peithmann gemeint
sein könnte. Das Werk ist eine Elegie an Rosen verschiedenster Arten und
Bedeutungen, weist auf den Montserrat in Spanien hin, wo der wahre Gral und
Heilige Kelch sei,[208] * und wehrt sich gegen Angriffe der Theosophen, die
Krumm wegen Ausübung von Sexualmagie an den Pranger stellen.[209] * Dem Leser wird empfohlen, Mozart, Haydn, Beethoven
und den okkulten Musiker Weingärtner zu hören, denn "Otimismo e
Música" seien die "Dois caminhos iniciáticos."[210] *
Am 15.4.1933 stellt
Krumm 3 Chartas und am 27.7.1934 eine weitere für Saõ Paulo aus.[211] * Auf diesen Papieren findet sich zuweilen auch ein
Tempelritter-Stempel (Ritter auf Pferd).[212] * Er nimmt Initiationen in die drei FRA-Grade vor und
zelebriert die Gnostische Messe, angeblich Peithmannschen Ursprungs. Diese Rituale enthalten geringe
thelemitische Referenzen.[213] * (Was aus diesen vier Logen in Saõ Paulo geworden ist,
bleibt unklar. Zentrum der FRA scheint immer Rio de Janeiro gewesen zu sein)
Hier hält Krumm in
Hotelhallen vor manchmal über 100 Zuhörern Vorträge, z.B. über die Maya-Kultur.
Die FRA in Rio wird
1936, bei Krumm-Hellers Besuch, von drei Leuten geleitet[214] * und Krumm sieht sich von José Cambareri de la Augusta bewirtet ("Fraternidad Blanca
Rosa-Cruz, hoy, Fraternidad Rosicruciana Antiqua").[215] * Der Exponent Manuel Joaquim Soares de Oliveira/'Thurizar' (6.10.1899-9.7.1946) wird daraufhin
Comendadore der FRA Brasiliens. Soares de Oliveira stammt aus S. Paulo/Itatinga City (Brasilien), hat
als Kind armer Eltern seine Jugend bei der Marine verbracht und bald eine
Bankkarriere begonnen.
Seit 1933 Herausgeber
des "Almanaque Astrológico" taucht nun der kolumbianische Buchhändler
J.Elias Bucheli/'Hagal' 30° (geb.
11.3.1893, auch in Chile lebend, gest. 20.11.1947) auf.[216] * Bucheli, Sohn eines kolumbianischen Politikers, ist seit 1938
"Grand Master of Chile and Deputy Grand Master of all of South America,"[217] * von Reuben Swinburne Clymers "World Circle of Arcane Orders" {siehe
Brief dieser Fraternitas Rosae Crucis am Schluss dieses Kapitels}. Zu dieser
Zeit ist H.R. Hilfiker Clymers Repräsentant in Zürich.
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Clymer (1878-1966) sieht sich in der legitimen Nachfolge von
Pascal Beverly Randolph (1825-1875), der
mit seinen sexualmagischen Techniken ja schon Carl Kellner und Theodor Reuss beeinflusst haben soll. Angeblich ist 1773 ein
Rosenkreuzerorden gegründet worden, in dem u.a. Benjamin Franklin und Abraham
Lincoln Mitglieder gewesen sind. 1856 leitet der Afroamerikaner Randolph dessen von Eliphas Lévi autorisierte Grossloge.[218] * - Clymer führt nun Randolphs Grossmeisteramt fort, womit auch dessen führende
Stellung in der "Hermetic Brotherhood of Light" gemeint ist.
Die Historie von
Clymers Rosenkreuzerorden kann hier in
dieser Studie aus Platzgründen nicht ausführlicher aufgerollt werden - allein
die FRA-bezogenen Fakten kommen zur Sprache. Clymer graduiert als Chirurg 1902 in Chicago und gründet im
selben Jahr seine Rosenkreuzerorganisation,[219] * d.h. die Fortsetzung obig beschriebener Mischung aus
Rosenkreuzern und Nachfolgern der "Hermetic Brotherhood of Light."
Clymer macht sich zum Anführer einer Anti-FUDOSI, die gegen
Harvey Spencer Lewis' FUDOSI
polemisiert,[220] * und er versucht, so viele Rosenkreuzer-Organisationen
wie möglich auf seine Seite, gegen den AMORC, zu ziehen.[221] * Clymer wird in
diesem Zusammenhang 1938 von Constant Chevillon konsekriert,[222] * Krumm-Heller erhält seine Chevillon-Konsekration ein Jahr später, 1939 (worüber jedoch
nichts näheres bekannt ist).
Obwohl sich Randolphs sexualmagische Techniken nur wenig von denjenigen
seiner Epigonen Reuss und Crowley unterscheiden {siehe Teil III},[223] * spricht sich Clymer in seinen umfangreichen Büchern vehement gegen den
OTO und vor allem gegen Crowley aus.[224] * Seine Versuche, gegen Lewis' AMORC
vorzugehen (der eine Reuss-Charta als
Legitimation vorführt), bringen in akribischer Analyse zu Tage, dass Lewis einige OTO-Materialien gefälscht hat, um dem AMORC eine "traditionelle" Grundlage zu geben.
Obwohl einige von Clymers Angriffe gegen
den OTO jeglicher faktischen Grundlage entbehren, bringt er jedoch auch
überzeugende Beispiele von AMORC-Lehrbriefen
zur Selbsteinweihung vor, die er als Fälschungen oder Plagiate aufdeckt.
Als Heinrich Tränker und Spencer Lewis gemeinsam eine Zweite Fama schreiben, kontert Clymer ebenfalls mit einer Zweiten Fama.[225] * Tränkers gescheiterter Versuch, mit dem AMORC gemeinsame Sache zu machen,[226] * dürfte Krumm-Heller gegen Tränker aufgebracht haben. AMORC-Mitglieder sollen sogar nach dem Zweiten Weltkrieg
CARE-Pakete an Tränkers Witwe geschickt
haben. Lewis hat Tränker ja auch als Nachfolger Reuss' akzpetiert.
Martin Erler, ehemals deutscher Grossmeister des AMORC, weiss, dass sowohl Clymer sowie der AMORC beide zu der Zeit mit viel Geld um Mitglieder,
Material und andere Orden geworben hätten, um quasi als konkurrierende
Dachorganisationen so vieler eigener Orden wie möglich zu wirken. Das Thema
Sexualmagie dürfte, laut Erler, zumindest
in den USA, jedoch eher in den Hintergrund gedrängt sein. Den AMORC (den er selber einmal geleitet hat) hält Erler für einen Schwindel,[227] * sucht aber dennoch immer wieder Kontakt mit ihm.[228] *
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Da von Krumm-Heller
aus Kriegsgründen keine Post mehr in Brasilien eintrifft, erreicht Bucheli, dass am 22.2.1941 die FRA-Mitglieder FRC-Mitglieder werden.[229] * Ab 1941 tauchen in Buchelis Kalender unter den ehemaligen FRA-Adressen neue Bezeichnungen
unter neuen Namen auf: "Rosicrucian Fellowship of Dr Clymer." In diesem Jahr etabliert Clymer sein südamerikanisches Hauptzentrum in Chile {siehe
Brief von Humberto Fuentes Villalobos am
Schluss dieses Kapitels}.
Und während Krumm in
Bad Pyrmont/Deutschland Gast des Gründers der Fastenklinik, Otto Buchinger, ist {siehe Kapitel über Herbert Fritsche}, werden am 21. März 1942[230] * Duval Ernâni de Paula (geb. im Juni 1907) und Manuel J. Victoriano Soares unter dem
"Ilustrísimo Caballero Rosa Cruz Iluminati" und "Delegado Gran
Maestro" der FRC, Joaquim Soares de Oliveira, die drei Delegierten (Triangulo) der FRC.[231] * Am 23. März, also zwei Tage später, konstituieren 7
Mitglieder der FRA das "Colegio Capitular Nro 7" der FRC. Bald entstehen in São Paulo, Minas und Mato Grosso
weitere "Colegios."
Krumm scheint die
Weltkriegsjahre in Deutschland ohne bedrohliche finanzielle Einbussen überlebt
zu haben. 1946 taucht er nun wieder in Brasilien auf und macht Ernâni zum Nachfolger des am 9.7.46 verstorbenen Oliveira.[232] * Im Februar 1947 besucht auch Clymer seine brasilianischen Rosenkreuzer und ernennt sie zu
seinen Repräsentanten. Ernâni kommt nun
die Idee, Krumm mit Clymer zusammenzubringen.
Ein Treffen wird für 1950 in Paris geplant - so wie Clymer hofft, Hilfiker erneut 1950 in Zürich zu treffen. Doch Krumm stirbt
1949 und hat die "Confederation Constitution" der FRC von 1939 selber nicht mehr unterzeichnen können.
Clymer schweigt über die Tatsache, dass
Krumm-Heller ein X° des OTO ist.
Die Begriffe FRA und
FRC werden von verschiedenen Gruppen
verwirrlich verwendet.[233] * Ein Unterschied ist, dass die FRC, im Gegensatz zur FRA, Crowleys Gesetz von Thelema vollständig ablehnt. Krumm
distanziert sich jedoch (wie Clymer) heftig vom AMORC,[234] * was sein Sohn Parsival weiterführt.[235] * So kommt es, dass Krumms Sohn Clymer nicht abgeneigt ist.
Krumm-Heller stirbt
am 19.5.1949. Fünf Tage später ernennt sein Sohn Parsival brieflich seines Vaters Favoriten,[236] * den in Deutschland lebenden, seit den frühen 30er
Jahren Krumm-Heller zugetanen Chemiker Albert Wolff, zum Nachfolger für Brasilien - will jedoch auch
Clymers Meinung nicht unberücksichtigt
lassen.[237] *
Der Berliner Wolff ist mit einer Carola verheiratet, hat drei Kinder und
in Heidelberg, Berlin und Strasbourg studiert. Wolff ist chirurgischer Assistent an einer Berliner Klinik,
Repräsentant einer chemisch-pharmazeutischen Firma, Mediziner, Homöopath, Psychotherapeut und Magnetiseur.[238] * Während des Zweiten Weltkrieges Gefangener der
Tschechen und Russen und besitzlos aufgrund der Bomben, die auf Deutschland
gefallen sind, reist Wolff 1950 verarmt
nach Brasilien, wo er erhofft, sein Leben und in Goía das Souveräne Sanktuarium
der FRA aufzubauen. Ihm ist jedoch das Klima Brasiliens zu heiss und er zieht
nach Juiz de Fora in das Haus, wo zur Zeit auch der spätere Protagonist Alair
Pereira {siehe "Besuch bei Ernâni"} wohnt.
Wolff findet aber Clymers Zustimmung nicht,[239] * stirbt sogar im selben Jahr und wird von Duval Ernâni de Paula/'Coaracypora' (bis 1994 FRA) ersetzt.[240] * Clymer stirbt
1966, sein Sohn Emerson M. Clymer erweist sich jedoch als unfähig, das Werk seines
Vaters weiterzuführen.[241] * Obwohl in den 1930er Jahren Doppelmitgliedschaften
in FRA und FRC gang und gäbe sind, stellt
Clymers Sohn nach dem Tod seines Vaters
solchem einen Riegel vor. Bis 1994 konkurrieren FRA und FRC in Brasilien. Dann werden beide unter die Führung
Ernânis gestellt (siehe unten).
Ernâni De Paula besitzt einen der drei Grale aus
Bergkristall, die Krumm-Heller als Symbol seiner Initiationstempel hat
herstellen lassen[242] * und auf denen in deutsch und spanisch "Dies ist
mein Blut" eingraviert ist.[243] * Ein weiteres Exemplar ist im Besitz der FRC, d.h. Clymers Nachfolger "Supreme Grand Master" Gerald
E. Poesnecker in Pennsylvania. Wo der
dritte Gral geblieben ist, bleibt ungewiss. Die beiden übriggebliebenen Grale
sind sich ähnlich, jedoch nicht identisch.[244] *
Die FRA in Brasilien
führt nicht nur eine Buchhandlung, sondern leitet ausserdem regelmässig
öffentliche Hatha Yoga-Kurse, Chorgesang und zelebriert sonntags um 9.00
morgens die Gnostische Messe. Die drei FRA-Grade treffen sich an bestimmten
Tagen im 1953 von Oliveira gekauften
Haus/Tempel, wo eine Zeitlang Ernâni gewohnt hat. 1994 befindet sich vor diesem grossen
und im Grünen gelegenen Haus in Rio de Janeiro immer noch eine Statue von
Oliveira.[245] *
1993 erscheint eine
brasilianische Auflage von Clymers "Antigua Maçonaria Mística Oriental" in
São Paulo.
1994 weist die Aula
Lucis Central in Rio 140 Mitglieder auf. Angeschlossen sind Logen mit 70, 50,
30, 40 und 30 Mitgliedern, auf ganz Brasilien verteilt.
Oscar Schlag, der
Anfang 1962 einen Monat lang in Rio de Janeiro wohnt und an einer Gnostischen
Messe Ernânis teilnimmt, erinnert sich an
die ausserordentliche Länge und Schönheit des seiner Meinung nach
unthelemitischen Rituals[246] * und dass der Tempel eingangs von zwei Sphingen
bewacht gewesen sei. Wenn man die mit Worthülsen überlastete Crowley-Messe und die wirren sogenannten Messen eines Ordo
Saturni[247] * damit vergleicht, muss man Schlag unbedingt Recht geben.[248] * Schlag beschreibt Ernâni als "klein, 1962 ca. 45jährig, Arzt einer
Praxis in Rio, der überall dabeigewesen" sei.[249] * M.R. Motta, der von Ernâni de Paula 1948 initiiert wird, erinnert sich an ein
Photo von Crowley im FRA-Tempel und dass
die Rituale Anlehnungen an Thelema aufgewiesen hätten.[250] * Motta und
Ernâni de Paula wohnen im selben Quartier
von Rio de Janeiro, wo sich auch der FRA-Tempel befindet: in Tijuca, der
Wohngegend der Mittelschicht.
Im Mittelklassehotel
Miramar an der Copacabana[251] * trifft Oscar Schlag 1962 Motta und schiesst auf dem Zuckerhut (neben dem Corcovado,
der Christusstatue, die über ganz Rio schaut, die andere grosse
Touristenattraktion) die beiden Fotos, die Motta so beunruhigt haben {siehe "OTO-Phänomen"}.
Kurz vor seinem Tode 1990 äussert Oscar Schlag vergeblich den Wunsch, noch einmal Rio de Janeiro
sehen zu können.
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Am 17. Mai 1994 hält
der Herausgeber des "OTO-Phänomens" einen Vortrag über Kellner, Reuss, Crowley und die FRA an der Universität in Recife. In den Buchhandlungen
von Manaus (am Amazonas), Salvador, Brasília und Rio de Janeiro findet sich
kein einziges Werk Krumm-Hellers. Dafür sind Papus, Blavatzky, Leadbeater, Lévi, Besant
und Dione Fortune vertreten. Ausserdem liegen Werke von Israel Regardie und Clymer in den Gestellen.
In Brasília, der 1960
via Reissbrett mitten aus dem Dschungel gestampften Stadt (und Ursache einer
galoppierenden Inflation und zerrütteter Staatsfinanzen), einer sterilen
Betonlandschaft mit der Grundstruktur eines riesigen Flugzeugs, blüht das
spirituelle Leben. Auf dem "Feira do Artesanato" verkaufen sich Freimaurer-Paraphernalien
gestickt, gehobelt oder gegossen - und für den Magie-Hausgebrauch liegt das
aus Acryl gefertige Golden Dawn-Rosenkreuz bereit, das sich übrigens auch auf
der Rückseite von Crowleys Tarotkarten
befindet und ebenfalls vom AMORC
verwendet wird.[252] * Während in Salvador die afrikanischen Kulturen omnipräsent
sind, finden sich in der Regierungsstadt Brasília Artefakte europäischer
Religiosität. Die Bewegung "Vale do Amanhecer" wartet 60 km von
Brasília entfernt mit tausenden von Anhängern auf den Weltuntergang. Und Samael
Aun Weors Gnostische Bewegung {siehe
Kolumbien} lädt zu Vorträgen über Tiefenatmung und Liebesmagie ein.
Duval Ernâni de Paula schreibt 1991 einen Brief
Brasilien
"Am 27.
Februar 1933 gründete der von Dr. Krumm gesandte G.C. Cambareri die erste FRA-Loge in São Paulo. Kurz danach, am 27.
September 1933, wurde die erste Aula Lucis Central in der damaligen Hauptstadt
Brasiliens, Rio de Janeiro, errichtet.[253] *
1936 lud Joaquim
Soares de Oliveira, der damalige Repräsentant der FRA Brasiliens,
Krumm-Heller zu einem Besuch ein.
Aus Dank
erleuchtete Huiracocha den Tempel
der Gnostischen Kirche an der Rua Desembargador Isidor in 126-Tijuca, Rio, und
machte Soares de Oliveira zum Führer der Brasilianischen FRA. Bei dieser
Gelegenheit schloss Huiracocha anlässlich einer Gnostischen Messe drei Ehen,
darunter die Heirat zwischen Frau Aida und mir selber.
Während des
Zweiten Weltkrieges erhielt Soares de Oliveira die Nachricht, Meister Huiracocha sei 1939 als Kriegsopfer umgekommen. Aus diesem Grunde
tauchte Clymers Repräsentant für
Lateinamerika, Herr Elias Bucheli/Meister Hagal, auf und schlug Soares de Oliveira vor, den brasilianischen Teil der FRC unter Clymers Leitung zu übernehmen. So übernahm unser Tempel die
neuen Rituale, ausser die der Gnostischen Messe, während Soares de Oliveira, ehemals Leiter von Krumms Sektion, nun Clymers Sektion führte.
Niemals ist
Brasiliens FRA von einem Triumvirat geleitet worden...
Nach dem Krieg
reiste Soares de Oliveira durch Südamerika und lud Bucheli ein, eine Rosenkreuzer-Zusammenkunft zu organisieren.
Auf seinem Heimweg starb er in Mendoza, Argentinien, konnte aber kurz vor
seinem Tode noch mich als Nachfolger bestimmen.
Kurz nach Ende des
Krieges kehrte Krumm zurück und übernahm wieder die Führung. 1947 bestätigte
Krumm-Heller meine Position als Leiter der brasilianischen Sektion der FRA in
der Nachfolge von Joaquim Soares de Oliveira. Ich informierte Clymer davon und errichtete den ägyptischen Tempel der FRA
wieder im selben Gebäude wie Clymers FRC.
Glücklicherweise
haben beide Leiter die Existenz und Authorität beider Zweige akzeptiert und in
perfekter Harmonie zusammengearbeitet. Erst als Clymer 1966 starb und sein Sohn Emerson veranlasste, dass die
gesamte Post nur noch bei ihm direkt abgeliefert wurde, sind die offiziellen
Beziehungen mit Clymers FRC abgebrochen worden.
Wolff und Parsival
Krumm-Heller
schrieb mir, dass er Dr. Albert Wolff zum Nachfolger wünschte, und dass das Summum Supremum
Sanktuarium nach Goiás, Zentralbrasilien, wo Wolff einiges Land besass, verlegt werden sollte. Wolff kam nach Brasilien, wo er bei uns in Rio viele
Vorlesungen gab. Kurz vor seinem Tod eröffnete er eine homöopathische Apotheke in Juiz de Fora/Minas Gerais.
Da sein Vater sehr
krank war, reiste Parsival Krumm nach Deutschland, um sich um ihn zu kümmern und
schlussendlich das Amt der Führung der FRA anzunehmen. Dr. Krumm hat niemals
einen Herbert Fritsche {siehe entspr. Kapitel} als Nachfolger erwähnt,
vielmehr sprach er immer von seinen Absichten Herrn Wolff und Parsival betreffend. Es überrascht mich sehr, zu hören, dass
Krumm-Heller Herrn Fritsche zum Nachfolger bestellt haben soll. Falls irgendein
entsprechendes Dokument existieren sollte, würde ich sehr gerne eine Kopie
davon sehen.
Kolumbien
Herr Gabriel
Ramírez Ciefuentes/Hermes aus
Kolumbien {siehe da}
korrespondierte seinerzeit mit uns und besuchte daraufhin brasilianische
FRA-Tempel, wo er zum Gnostischen Priester geweiht wurde. Man betraute ihn mit
der Leitung einer kolumbianischen Sektion unserer brasilianischen FRA, was vom
dortigen Israel Rojas anerkannt
wurde, der die ansässige originale FRA leitete.
Eines Tages jedoch
besuchte unser brasilianisches FRA-Miglied und Gnostischer Bischof José Maria
den Ramírez in Kolumbien und fand
zu unser aller Erstaunen einen selbsternannten "Supermeister" vor,
ohne Hauptquartier, ohne Tempel und ohne Raum, wo unsere Rituale hätten
zelebriert werden können. Was uns betrifft, ist Herr Ramírez immer noch ein Anfänger in unserem Orden, der
höchstens die ersten drei Grade und das Priesteramt, d.h. keine Gnostische
"Position," innehat. Leider lehnte Herr Ramírez unsere weitere Unterstützung eitel ab, was uns zwang,
am 27. Mai 1991 unsere Charta zurückzuverlangen.
Wir hörten
ausserdem, dass ein gewisser Paolo Fogagnolo in Italien[254] * sehr schnell auf Anfrage Gnostische Titel und Ämter
verteilt. Wir Brasilianer sind aber der Meinung, solche Würden können nicht
erfragt werden, denn die 'Unsichtbaren Meister' wählen ihren eigenen Zeitpunkt
und den Adepten - und nicht umgekehrt.
Marcelo
Ramos Motta
1948 wurde Motta [als
17jähriger und am Military College] in den 1° der FRA in Rio initiiert. Bald
entschied er, in Europa [auch Englisch] weiterzustudieren, so dass wir
ihn [mit einer letter of introduction] zu Parsival Krumm-Heller nach Deutschland sandten.
Motta kontaktierte in der Folge Crowleys OTO und benahm sich, zurück in Brasilien, uns
gegenüber äusserst arrogant, möchte ich mal sagen.[255] * Er wollte mich als Sektion des OTO hinstellen,
während ich dafür als Gegenleistung die von ihm ins Englische übersetzte Arbeit
der FRA dem amerikanischen OTO zur Verfügung stellen sollte. Zu dieser Zeit ass
Motta seinen Lunch in meinem Haus,
zusammen mit meiner Familie. Nachdem wir unser Tischgebet gesprochen hatten,
betete er sein eigenes.
Ich informierte
Motta jedoch dahingehend, dass ich
nicht gewillt sei, ihm fortgeschrittenes FRA-Material zu geben, da er ja erst
ein Anfänger, d.h. 1° der FRA sei. Aus diesem Grunde fühlte er sich
wahrscheinlich gegenüber seinem Meister in den US [Germer?]
zuwenig gut ausgerüstet und begann die übelsten Attacken gegen unseren Orden zu
reiten. (Im persönlichen Gespräch mit Ernâni erinnert sich dieser, dass Motta nun aus Ärger, FRA und Freimaurerei
"geschlossen" [!] habe.)
Bald nahm die
Freimaurerloge, wo Motta sich
vergeblich beworben hatte, mit uns Kontakt auf. Bezeichnenderweise war es
dieselbe FM-Loge, die Motta vorher in seinem Buch 'Calling the Children of the
Sun'[256] * zusammen mit der FRA diffamiert hatte. Ich ging nie
auf die Fragen der Freimaurer ein, da ich annahm, sie kannten den Inhalt
seines Buches.
Seitdem sind alle
Kontakte zwischen uns und Motta abgebrochen."[257] *
Motta reagiert, indem er Ernâni de Paulas FRA als Fälschung abtut.[258] * Im persönlichen Gespräch mit Ernâni {siehe nächstes Kapitel} nennt dieser Motta immer "Marcelino" und meint, die FRA habe nur
wenige schwarze Schafe hervorgebracht, aber Motta und Ramírez seien solche.
Beiliegend bei obigem
Brief findet sich Ernânis Erklärung, die
Gabriel Ramírez Ciefuentes verbietet, je
wieder die Begriffe FRA und Ecclesia Gnóstica zu gebrauchen.[259] * Folge ist, dass Ramírez am 1. Mai 1991 alle von ihm erstellten Chartas für
ungültig erklärt und auffordert, ihn um neue zu bitten. [Über Ramírez ausführlich im Kapitel zu Kolumbien]
Ein
Besuch bei Duval Ernâni de Paula
Am Samstagabend, dem
28. Mai 1994, besuche ich (P.R. König) Dottore Ernâni in seiner Privatwohnung im Stadtkreis Tijuca in Rio de
Janeiro, eingeführt von seiner in der Schweiz erzogenen Enkelin Cíntia. Ernâni, 87jährig, leidet seit 3 Monaten an einer
schmerzhaften Wirbelsäule, die ihn ans Bett fesselt, und unser Gespräch wird
von Doktor Alair Pereira de Carvalho
(einem FRA-GKK-Bischof mit persönlicher Verbindung zu den heutigen Pariser
Gnostikern und Redaktor der Ordenszeitschrift "Gnose") übersetzt.
Über dem Bett von Ernâni hängt ein
kleines Christus-Bildchen.
Das Gespräch beginnt
sofort mit der Frage, wieviel von Crowleys Thelema in der FRA und deren GKK zu finden ist. In der Tat sind ja thelemitische Referenzen sowohl
in den FRA-Initiationsritualen als auch in einer FRA/GKK-Messe zu finden. Krumm
habe aber niemals "all of Thelema" eingeführt, bedeutet man
mir. Für Ernâni und Pereira ist Thelema nicht mit Crowley gleichzusetzen, so wie dieser sich damit identifiziert
hat. Die Sexualmagier der brasilianischen FRA lehnen die Praktiken Crowleys ab, berufen sich [grinsend] auf P.B. Randolph[260] * und benutzen christliches Vokabular. Ernâni: "Thelema is the wheel of Christ in you."[261] * Obwohl in der Nachfolge Clymers, kann sich jedoch auch Ernâni der Sogwirkung Crowleys nicht ganz entziehen und publiziert hin und wieder
dessen Texte.[262] *
Gibt es
Krumm-Hellers OTO? Während der Zeit,
in der Krumm in Brasilien (Rio und São Paulo) gewesen ist und in den knapp
Hundert Briefen, die er mit den FRA/GKK-Gruppen ausgetauscht habe, sei niemals
von einem OTO die Rede gewesen. Ernâni und Pereira vermuten, dass Krumm sich, ähnlich wie Reuss und Crowley, anfänglich für den OTO als Geldbörse interessiert,
aber (nicht wie Reuss und Crowley) bald davon wieder abgelassen habe. Die FRA habe
nichts mit dem OTO und die Gnostische Messe der FRA absolut nichts mit Crowleys Gnostischer Messe und Kirche zu tun. Ernânis erste Frau, die ihm von Krumm angetraut wurde, habe
noch jahrelang nach Krumms Tod mit diesem in spiritueller Verbindung gestanden,[263] * und ebenfalls nie etwas von einem OTO gehört.[264] *
Wie hat denn
Krumm-Heller seine Verbindung zu Reuss gesehen?
Die FRA sei, laut Krumm, die Fortsetzung von Franz Hartmanns "Esoterischen Rosenkreuzern." Nach dem Tod
von Hartmann habe Reuss diese Organisation Krumm-Heller weitergegeben. E.C.H.
Peithmann, dessen Ritual Krumm übernommen
habe und das immer noch verwendet wird, sei eher eine Art mehr oder weniger
unwichtiges Mitglied des privaten Kreises um Krumm gewesen.[265] * Krumm habe allein den unsichtbaren Meister Racotzi als Autorität akzeptiert.
Hat Krumm-Heller
seine Nachfolge geregelt? Krumm habe
keinen Patriarch der GKK ernannt, sondern Robert Ambelain in Frankreich als Oberhaupt akzeptiert und als
gnostische Bibel die "Pistis Sophia" anerkannt. Von einem Herbert Fritsche habe man, ausser via Metzger, nie gehört,[266] * dafür um so mehr von Metzgers anderem Bluff: Ana Delia Gonzáles, die 1960 um Hilfe bei allen FRA-Gruppen
gebeten habe, die man ihr jedoch verwehrte, da sie eine Frau war (und ist) und
laut Krumm-Heller Frauen keine leitende Position einnehmen könnten. - Beim
Thema Frauen und Gnosis schütteln beide, Ernâni und Pereira, verärgert den Kopf und halten auch Manuel C.
Lamparters Bischofskonsekration durch
Rosa Miller {siehe Spanien} für gnostisch
verwerflich. Frau Ernâni sitzt derweilen
im Nebenraum und darf sich eine Telenovela im TV angucken.
Zum Schluss des Gesprächs bitte ich Ernâni um ein paar Anekdoten oder Erinnerungen an
Krumm-Heller.
a) Als der
ausserordentlich auf Reinlichkeit bedachte Krumm das erstemal nach Rio kommt,
werden gerade alle sanitären Anlagen der Stadt auf den neusten Stand gebracht,
was bedeutet, dass es kein Wasser zum Waschen gibt. Krumm legt sich nun mit der
Gewissheit, wenn er aufwache, das Wasser wieder da sei, ruhig ins Bett. Ein
"Gnom" weckt ihn aus dem Schlaf auf: "Das Wasser läuft
wieder!" Und tatsächlich ist die Wanne schon voll.
b) Als Krumm zum
erstemal in Rio ankommt, spricht er schon am Hafen mit einem Ehepaar, dessen
Tochter in einer Klinik für geistig Kranke sei. Zusammen mit Oliveira geht er am nächsten Tag in diese Klinik, legt die Hand
auf die Stirn der angeblich Geisteskranken und kurz danach gesundet diese
soweit, dass sie wieder zu ihren Eltern zurückkehren kann.
c) In der
brasilianischen FRA sind zur Zeit Krumms zwei Ärzte Mitglieder, die einer im
Koma liegenden Frau mit einer homöopathischen Gabe Opium helfen wollen. Krumm erkennt
jedoch auf einen Blick, dass diese Frau an Syphilis leide und kann so die
"richtige" Gabe und Kur empfehlen.
Dies führt zu einer
hitzigen Diskussion zwischen den Ärzten und Krumm, die hinter verschlossenen
Türen stattfindet. Da aber Krumm im Portugiesischen nicht so gewandt ist,
benötigt man einen Übersetzer. Als sich dieser Übersetzer nun Krumm zuwendet,
um den Disput zu übersetzen, ist Krumm verschwunden. Die Türe ist jedoch immer
noch verschlossen, der einzige Schlüssel in der Tasche der anderen Ärzte. Als
man aufschliesst, steht Krumm draussen.
d) Krumm will sich
zurück nach Deutschland einschiffen. Dies beschliesst er völlig spontan einen
Tag vor seiner gewünschten Abfahrt. Oliveira soll die Plätze reservieren. Das Reisebüro bedauert
jedoch, dass das Schiff voll ausgebucht sei. Oliveira telefoniert Krumm, dieser meint aber nur: "Bring
mich trotzdem zum Hafen, ich werde auf diesem Schiff nach Deutschland
fahren!"
Und als man
schliesslich den Kapitän fragt, wird genau ein Platz frei.
Als sich Oliveira in der Kabine von Krumm verabschiedet, legt ihm dieser
die Hand auf die Stirn und konsekriert ihn zum Bischof.
Bevor Dr. Pereira mich zum Taxi geleitet, küsst er Dr. Ernânis Hand. Es werden mir eine Menge Materialien
versprochen, die aber selbst nach "Verabreichung" eines Schecks nie
eintreffen.
Kurz
vor mir ist jemand anders bei Duval Ernâni de Paula gewesen:
Ein Brief des Chilenischen Zweiges von R.S. Clymers FRC
Rev.
Dr. Humberto Fuentes Villalobos[267] *
"Besten Dank
für Ihre Benachrichtigung über Ihren Vortrag in Brasilien. Zur gleichen Zeit
wie Ihr Brief kam ich mit meiner Frau von einer Reise aus Rio zurück, wo eine
Heilige Konklave zwischen den Häuptern der F.R.C., Aeth Priesterschaft[268] * (repräsentiert durch Doktor Poesnecker, mich selber und meine Frau) und dem Haupt der FRA in
Brasilien, Dr. Duval Ernâni de Paula, stattgefunden hat. Diese Heilige Konklave
wurde von Dr. Clymer für 1950
vorgesehen,[269] * fand aber erst vor einigen Wochen mit Dr. Clymers Nachfolger, Dr. Poesnecker, und Buchelis Nachfolger (meine Frau und mich) statt. Wir haben soeben
(als Repräsentanten der F.R.C. und der Confederation of Initiates) Dr. Duval
Ernâni de Paula als den würdigen
Brasilianischen Nachfolger der F.R.C. von Bruder Soares De Oliveira anerkannt, und die FRA wurde erneut in die
Confederation of Initiates aufgenommen, genau wie damals, als Dr. Krumm Heller
noch lebte. Demzufolge wurde Bruder Duval Ernâni de Paula während dieser Heiligen Konklave als
Grossmeister der F.R.C. für Brasilien eingesetzt.
[Zur Historie:]
Der grosse Dom der F.R.C. wurde [nach dem Tod von Soares und Bucheli - siehe unten] in die Stille berufen[270] * und allein die Grossmeister des Heiligen Kollegiums
in Santiago de Chile behielten ihre aktive Linie unter dem Deputy Grossmeister
Bruder Emilio Hockepler...
In Chile sind wir
die Bewahrer des geheimen Archivs der GROSSEN GESANDTSCHAFT der F.R.C. für
Südamerika, die früher gemäss dem Wunsch des Bruders Elias Bucheli, Oberster Deputy Grossmeister und dem Obersten Rat für
Südamerika geleitet wurde. Der Westen der F.R.C. in Südamerika muss, laut Dr.
Clymer, in Chile sein.[271] *
Das Rosenkreuz kam
via Eliphas Levi durch Dr. Pascal Beverly Randolph nach Amerika. Randolph wurde bekanntlich 1861 in Paris durch den Obersten Rat
der Drei, Sieben und Neun der F.R.C.[272] * ernannt...
In Europa (dies
wurde mir persönlich von Buchelis Witwe erzählt) traf Bruder Bucheli Papus und andere wichtige französische Okkultisten. Als er
wieder in Südamerika lebte, wurde er "von oben begleitet," während
er hier in Chile ein äusserst wichtiges rosenkreuzerisches Zentrum (F.R.C.)
einrichtete. Dank seiner französischen okkulten Verbindungen wurde er Dr. Krumm
Heller vorgestellt, der einer seiner besten Freunde wurde.
Huiracocha sah in "Südamerika einen unbearbeiteten und
jungfräulichen spirituellen Acker für Rosenkreuzer und okkulte Lehrer und eine
sehr gute Gelegenheit für Spirituelle so wie er einer war" (so Frau
Bucheli)... Sehr bald begann er
die spirituellen Geister in seinem "Anuario Astrológico Americano" um
sich zu scharen, was ihn berühmt machte, ihm Türen öffnete, während der
Kalender als Kontaktmöglichkeit von Suchenden und Brüdern diente. Krumm Heller
sah darin eine sehr gute Chance, um hier in Südamerika bekanntzuwerden, und so
fragte er Bruder Bucheli, ob er
für seine Kurse im "Anuario Astrológico" werben könne. Bruder Bucheli war zu der Zeit aktiv im Martinismus, der FRA und in
der Freimaurerei. Zeit verging und als er später Dr. Clymer kennenlernte, beschloss er, der F.R.C. sein Leben zu
verschreiben. Niemand diente der F.R.C. so wie er... Er stellte seinen besten
Freund und Comendador der FRA in Brasilien, Joaquim Soares De Oliveira, Dr. Clymer vor.[273] * Zu dieser Zeit errichtete Dr. Clymer die UNIVERSAL CONFEDERATION OF ORDERS AND SOCIETES [sic] OF INITIATES, um die wahre Tradition aufrecht
zu erhalten und auch jegliche Spur von schwarzer Magie auszumerzen.
Bruder Soares wurde nun also auch ein Mitglied der F.R.C. (unter
Bruder Buchelis Führung) und
lehrte die F.R.C. in neuen Kollegien in Brasilien. Oft wurden so FRA-Mitglieder
auch Mitglied der F.R.C., obwohl laut den Spirituellen oder Göttlichen
Gesetzen verschiedene Tempel benützt wurden. In den 1940er Jahren gab es hier
in Südamerika verschiedene Grossmeister, die vom Obersten Deputy Grossmeister
Bruder Bucheli und seinem Obersten
Geheimen Dreierrat geführt wurden; Argentinien, Paraguay, Kolumbien,
Brasilien, Panama etc. Da die Edition Kier, die das "Anuario Astrológico" publizierte,
in Buenos Aires war, zog Bruder Bucheli da hin.
Als Bruder Soares von unserem Kollegium hier in Chile aus (das er
besucht hatte) nach Brasilien zurückkehren wollte und die Anden überquerte,
starb er in Mendoza auf den Strassen der Stadt an einer Herzattacke. Dies
verursachte einen fürchterlichen Schock unter all seinen brasilianischen
Studenten und bei Bruder Bucheli, der vom Verlust seines besten Freundes, Mitarbeiters
und rechter Hand in Südamerika, sehr betroffen war... Bucheli entschloss sich, via Brasilien, wo er sich um den
Brasilianischen Rosenkreuzerorden kümmern wollte, nach Chile zurückzukehren.
Und dann erlitten wir den allergrössten Schock überhaupt: nur vier Monate nach
Soares starb Bucheli an einer Hirnblutung.[274] * Alle Rosenkreuzer Südamerikas fühlten diesen Schock.
Alle Logen, ausser in Chile, wo sich ja schon ein Grosser Westen befand, wurden
stillgelegt... In Chile erhielt nun Buchelis Nachfolger, Emilio Hockepler, seine Instruktionen direkt von Dr. Clymer von unserem Hauptquartier oder SEE in Beverly Hall
aus. Bruder Hockepler wurde von
Dr. Clymer als amtierender
Oberster Deputy Grossmeister eingesetzt, bis dass eine Heilige Konklave in
Südamerika einen neuen Obersten Rat für Lateinamerika wählen sollte. Und so
traten alle ehemals aktiven Länder in den Ruhestand, während allein zwei
Grossmeister die FRC und die Aeth
Priesterschaft weltweit leiteten: Dr. Gerald E. Poesnecker (Nachfolger von Dr. Clymers Sohn) und mir selber - bis dass vor einigen Wochen
Dr. Duval Ernâni de Paula als
Grossmeister von Brasilien und Bruder José Muñoz als Grossmeister für Panamá in der Heiligen Konklave
von Araras in Rio de Janeiro gewählt wurden. [Bruder Hockepler wählte Bruder Raul Vargas Nahuel als seinen Nachfolger und dieser wählte mich
vor 4 Jahren, um die FRC und die
Aeth Priesterschaft in Chile und Südamerika zu leiten...]
Dr. Jorge Adoum (Magus Jefa)[275] * war ein sehr wichtiger Okkultist, Magus und Autor.
Er schrieb eine Menge okkulter interessanter und einzigartiger Bücher.[276] * Er war im Libanon durch ein Kollegium von Magiern
eingeweiht worden und arbeitete mit beiden, Dr. Clymer und Huiracocha. Er war ausserdem noch ein Student der Aeth
Priesterschaft.
Es gibt eine Serie
von FRA-Unterrichtspapieren, die mir Dr. Duval Ernâni de Paula vor ein paar Wochen gab, die er [Krumm?] speziell für die FRA und für Adoums persönliche Schüler verfasst hatte. Als ich in
Brasilien war, erzählten mir FRA-Mitglieder (Soares de Oliveira [?] und
Paulo Carlo de Paula), dass sie Dr. Adoum an einem Rosenkreuzerkollegium in Santiago de Chile
getroffen haben. Sie waren von ihm dermassen beeindruckt, dass sie ihn
einluden, mit ihnen in Brasilien zu leben... Krumm Heller liess einen magischen
Ring eigens für Jorge Adoum herstellen, den er bis zu seinem Tode trug...
Zu der Zeit als
Sie uns schrieben [Juli 1992],
bestanden noch keine brüderlichen Kontakte mit Dr. Duval Ernâni de Paula, ausser einigen Briefen, die er meinem
Vorgänger, Bruder Vargas,
geschickt hatte.[277] * Wir wussten auch nicht, dass er der Nachfolger
unseres geliebten Bruders J. Soares de Oliveira ist. Ich hatte nicht einmal ein Foto von ihm. Stellen
Sie sich also vor, wie schnell alles geschah... Plötzlich schrieb uns Duval
Ernâni de Paula und bat um
Instruktionen, da ihm bewusst war, dass am Anfang dieses Jahrhunderts die
FRA-Mitglieder Doppelmitglieder der F.R.C. waren. Er wollte dasselbe. Ich
fragte Dr. Poesnecker, der
einverstanden war. Ich schlug sogar vor, dass Dr. Duval und die FRA erneut die
CONFEDERATION OF INITIATES kontaktieren sollten, so wie es Huiracocha damals getan hat.
Dr. Duval
reagierte nun erstaunt, da er nicht wusste, dass die FRA nicht länger bei der
CONFEDERATION OF INITIATES war und dass die Mitgliedschaft regelmässig erneuert
werden muss, damit sie nicht erlischt. Er schrieb Dr. Poesnecker und drückte seinen Wunsch aus, wieder ein Teil der
CONFEDERATION OF INITIATES zu werden, so wie wir es früher in enger
Bruderschaft waren. So fragte mich Dr. Poesnecker, welches denn die beste Zeit für einen Besuch sei. Er
wollte, dass ich bei ihm bin, um die Dokumente zu verifizieren etc. und wir
kamen überein, in diesem Februar zu reisen. Die Brüder gaben uns ein Haus in
Araras und dort hielten wir die Heilige Konklave im Februar. Dr. Poesnecker und ich analysierten die uns vorgelegten Dokumente sorgfältig
und alles war in Ordnung. Bevor Soares starb, fragte er Dr. Clymer um Bewilligung, Bruder Duval als Grossmeister der
F.R.C. von Brasilien einzusetzen, was damals von Dr. Clymer bewilligt wurde. Es brauchte also 50 Jahre, um ihn [Ernâni] in
diesem Amt zu bestätigen. Dieser Mann hat uns eine Geduld, Tugend und Gehorsam
gezeigt, die wir nie vergessen werden.
In Rio zeigte uns
Bruder Dr. Duval Ernâni de Paula
den Kelch, den Sie in Ihrem Brief erwähnten... {Foto im dok. Anhang}
Samael Aun Weor {siehe
Kolumbien} ist bei den seriösen Okkultisten hier in meinem Land und den
anderen Südamerikanischen Ländern gar nicht angesehen... Auch Frau Bucheli hat eine schlechte Meinung von ihm..."
Chile
Via Argentinien[278] * wird Chile, wo auch ein leiblicher Bruder und sein
erster Sohn leben, Krumm-Hellers nächstes Ziel. Er reist mit seiner Frau und
seinem vierjährigen Sohn Parsival (geb. 1925). Der hier ansässige Bucheli (ebenfalls in Brasilien tätig) initiiert in Santiago
Sergio Valdivia, der etwa 10 Anhänger um
sich scharen kann. Krumm sieht die vielen neureligiösen Gruppen und hegt keinen
"duda que un día seran también falsificados, como ya lo han sido en
Chile, donde surgen Maestros por docenas, pero estos no son más que
embaucadores con miras al bolsillo ajeno; de allí que sean que los ojos se
abran, para que no sufran los portamonederos."[279] * Krumm-Heller wird als bolschewistischer Agent
angefeindet und verlässt Chile bald Richtung Peru.
Im März 1941 besucht
Clymer Bucheli.[280] * Rosario Carey und Oscar Bravo tauschen mit dem spanischen Zweig der FRA Material
aus, das 1987 von Manuel Cabrera Lamparter veröffentlicht wird: "Las Enseñanzas de la
Antigua Fraternidad Rosa-Cruz," Málaga 1987.
Ernânis kolumbianischer Repräsentant Gabriel Ramírez Ciefuentes initiiert den Martinisten Valdivia nochmals in den 80er Jahren.[281] * Ansonsten herrscht seit dem Verschwinden Parsival Krumm-Hellers ca. 1955 nach Australien in Chile Verwirrung.
So glaubt etwa Mario Alvarez Carrasco, dass die FRA nur noch astral aktiv sei.[282] *
Anfang der 90er Jahre
befinden sich, ausser den von Humberto Fuentes Villalobos geleiteten FRC-Logen, in Chile: die FRA-Aula Lucis "Huiracocha" in Santiago, die Aula Madre "Luz Solar para
el Oriente Chileno" in Concepción, nochmals ein "Rama Chilena"
in Santiago, ausserdem eine Theosophische Loge in Santiago, eine Weor-Gruppe in Santiago, zwei Martinisten-Logen und eine
Memphis-Misraïm-Loge in Santiago. Letztere steht unter "del Sob.
Santuario de Francia. Su representante en la América del Sur: señor Otto
Resczinsky."[283] *
Massimo Introvigne listet in seinem "Il Cappello del Mago"
(Milano 1990) auf Seite 197 einen Dario Salas Sommer auf, der auch unter dem Namen John Baines
auftritt. Salas soll im Sommer 1963 in
Santiago de Chile ein "Istituto Filosofico Ermetico" gegründet haben
und Literatur im Stile Krumm-Hellers vertreiben.
Peru
Krumm-Heller wird von
10 Mitgliedern enthusiastisch empfangen, die ihm das Geld für die baldige
Weiterreise Richtung Panamá stiften.
Wie in Rio wird die
am 27.5.35 in Lima gegründete FRA-Aula "Santo Graal" 1936 von 3
Leuten geleitet, deren Exponent Juan Gonzales/'Jinasmar' aktiv unter Vater und Sohn Krumm-Heller
ist. Die andern beiden: Sigmund Sipilesko und Joaquín Duronzo.[284] *
Am 27.9.1972
übernimmt der am 25.12.1897 geborene Manuel Garay Requena die Präsidentschaft
unter der "Autorizacion" der Venezuelerin Ana Delia Gonzáles {siehe gesondertes Kapitel}, d.h. Metzgers. Die Aula Lucis "Santo Graal" befindet sich
bald in Qosqo.
Der 33° Martinist
Requena stirbt am 10.11.1986.[285] * Seine Nachfolge tritt Paul Chavez an. Der Leiter der Klasse "Ayni," Alcides
Navarro Roncagliolo (Mitglied seit 1975), publiziert die Zeitschrift
"Gnosis." Diese zählt 1991 folgende "Instituciones
Colaborantes" auf: Fraternidad Gnóstica, Ordo Templi Orientis (präsentiert
durch den unten kommentierten Rubén Pilares Villa), Asociación Fraternidad Blanca Universal,
Societas Rosicruciana Antiqua (wiederum Pilares), Gran Fraternidad Universal, Ordre Martiniste
Initiatique, Bibliotheca Philosophica Hermetica, Instituto de Estudios
Tradicionales Andinos, Asociación Ayllu Pucara, Instituto Intiq Amarunkuna.
Die Titel Krumms
werden auf Macintosh Computerdisketten angeboten und Roberto Toca möchte schnell aus Florida herbeireisen, um die
okkulten Exponenten Perus zu filmen {siehe Kapitel "Von Kuba nach
Florida"}. Im Juni 1992 findet auf dem Machu Picchu das "First
International Holistic Meeting" statt, zu dem die Führer aller möglichen
(obgenannten) Geheimorganisationen geladen werden.
Die peruanische FRA
pflegt absolut keine Verbindung mit R.S. Clymers FRC.
-+-
1977 nimmt die
peruanische (unter venezuelischer Aeguide stehende) "Aula Lucis
Krumm-Heller" Korrespondenz mit der "caliphatischen" OTO-Loge
unter McMurtry auf. Bill Heidrick, darauf bedacht, seinem soeben im April gegründeten
"Caliphat" soviel Authentizität wie möglich zuzuschieben, spricht im
Antwortschreiben dem Schweizer OTO zwar jegliche Autorität ab, ist sich aber
dennoch nicht ganz sicher, was mit Metzger anzufangen ist. "We will one day reach the
necessary size for a proper election of an O.H.O. by Xth Degree National Lodge
Heads," hofft Heidrick gegenüber
einem D.R. Vliega am 18.10.1977 (was den
späteren "Caliphat"-Statuten widersprechen wird, nach denen die IX°
den OHO wählen - dies zu Ungunsten von Motta, Metzger, Grant und
anderen möglichen Konkurrenten).
Der am 6. August 1974
in der "Aula Lucis Intic Ccoscan" in Cusco initiierte[286] * Rubén Pilares Villa/'I.H.' (geb. 1948) setzt sich nun von seiner
FRA-Loge ab und wird 1979 als Ein-Mann-Organisation[287] * zum "O.T.O. Huiracocha F.R.Americana." Als Grund gibt er Francis Kings Erkenntnis an: "My conclusion is that no
group can establish any LEGAL claim to be the O.T.O. Nevertheless, any group
which works in the genuine spirit and can make the required contacts with the
forces on higher planes that are behind the O.T.O., can regard itself as
MAGICALLY SPEAKING, a section of the genuine O.T.O."[288] * Für Pilares "toda FRA es una rama o derivación de la
O.T.O."[289] *
H.P. Smith (bekannt aus dem "OTO-Phänomen") tituliert
Pilares am 13.9.80 als "Gran
maestro de O.T.O. Sud America." Sie gibt zu, dass es keine direkte
OHO-Sukzession seit Karl Germer mehr gebe
und erinnert sich, was ihr Geliebter Gabriel Montenegro über die FRA zu berichten hatte {siehe dazu das
Kapitel Mexiko}. Dies spornt Pilares an.
Von Frau Smith über
die internationale Lage informiert, glaubt Pilares, nun freie Hand zu haben und sich ab September 1980 "O.T.O.
Sudamerica/Perú, Societas Rosicruciana Antiqua" zu nennen, was vom
"Caliphat" quittiert wird: "the work of R.S.S. [X°]
Krumm-Heller continues to bear fruit."[290] *
Pilares Villa hält seit 1977 freundschaftlichen Verkehr mit
Ernâni de Paula in Brasilien und
versucht, seine Aktivitäten sehr freimaurerisch zu gestalten. So umschifft
Pilares in seiner 16 Seiten dünnen
Broschüre "Sobre los origines de la Francmasoneria" (Trujillo 1990)
die Themen OTO, FRA und Crowley. Er
verbreitet jedoch auch 3seitige Freimaurerpamphlete auf Papier mit dem
OTO-Briefkopf und dem FRA-Stempel.[291] * Nevio Viola und Giuseppe Jerace in Italien pflegen Kontakt mit ihm.
Zur originalen
FRA-Gruppe in Peru bestehen starke Spannungen,[292] * Metzgers Anspruch habe "sólo en los papeles"
Bestand.[293] * Pilares hält Parsival Krumm-Heller für den FRA-Nachfolger und nicht Herbert
Fritsche. Dennoch sei Fritsche "sucesor del Dr. K.H. en la I.G.C."
d.i. Gnostisch Katholische Kirche. Cusco ist für Pilares das "Centro Espirital," und er legt die
Quintessenz dessen, was aus Krumms Theorie und Praxis zu ziehen sei, auf deren
Wechselwirkung mit der mittel- und südamerikanischen Kultur. Pilares lehnt den gnostischen Überbau Krumms als "Irradiación
Espirital ... ningún interés esencial" ab.[294] *
Roberto C. Toca in Florida {siehe entspr. Kapitel} korrespondiert kurz
mit Villa; Tocas Anspruch auf das OHO-Amt
Krumm-Hellerscher Prägung gibt Pilares keinen Anlass "dudar la seriedad de sus
alegaciones, me parece una persona sana."[295] * Dafür wird Samael Aun Weors Anspruch {siehe Kolumbien} um so mehr in Frage
gestellt. (Pilares' Auffassung der
historischen FRA-Tradition ist in "Materialien zum OTO," 209
dokumentiert).
Als Manuel C.
Lamparter ein paar Krumm-Heller-Schriften
publiziert, reagiert nicht nur Ana Delia Gonzáles aus Venezuela verstört, Pilares Villa publiziert ein 31seitiges "Liber Veritatis"
über Lamparter,[296] * und spricht diesem jegliche Autorisation ab, ohne
natürlich zu erwähnen, dass er selber es ist, der keinem "regulären"
FRA-Zweig mehr zugehört. Pilares wirft
Lamparter vor, nicht nur das gelobte
Schweigen über die Lehren gebrochen zu haben, sondern damit auch noch Geld zu
verdienen. {Lamparters kurze Entgegnung
im Kapitel über Spanien.} Pilares meint zu Recht,
einiges, was Lamparter publiziert habe,
sei unvollständig oder stamme gar nicht aus der Feder Krumm-Hellers. Er ist
hier von Duval Ernâni de Paula informiert.
Die anfänglich
freundschaftlichen Beziehungen zum Kolumbianer Gabriél Ramírez Ciefuentes verwandeln sich bald in strikte Ablehnung,
als letzterer 1990 plötzlich beginnt, seine Briefe als "30°/90°,
33°/95°, IX°, X°, XI°" zu unterschreiben.[297] *
Gary Allan Martin/'Kelly' (dessen Korrespondenz mit dem ältesten lebenden
Mitglied der 2. Agape Loge und Mitglied der Logenneugründung von 1977 als
"Caliphat," Phyllis Seckler, Bedeutung im "OTO-Phänomen" erlangt hat)
ist "padrino" von Pilares' 1980 geborenen Tochter Nancy Anaél Nuit.[298] * "Kelly," der sich selbst als weltweit Höchsteingeweihten
von Crowleys Argenteum Astrum und einzige
Autorität in Sachen Thelema bezeichnet, ist dafür bekannt, äusserst aggressiv
gegen alles, was sich mit Thelema auseinandersetzt (ob nun positiv oder
negativ), schriftlich vorzugehen. Pilares Villa scheint darin ein Vorbild gefunden zu haben.
Beide haben aber, bevor sie ihrer Wut über des Herausgebers Gleichgültigkeit
gegenüber Crowley Luft verschafften,[299] * ihre Unterlagen zur Verfügung gestellt.[300] * Obwohl "Kelly" ausserordentlich heftig gegen das
"Caliphat" tobt und von seinen Anhängern und sicherlich von einem
Verwandten dasselbe erwartet, unterhält Pilares mit Breeze "relaciones amistosas, ... sentimos satisfechos,"[301] * und sieht das "Caliphat" mit "Potencias
Espirituales."[302] *
-+-
In Peru lebt Daniel
Aguilar Villegas, der den in
Krumm-Hellers Büchern oft vorkommenden Begriff "YO SOY," das
gnostische "Ich Bin," mit der "I AM"-Organisation
verwechselt, die auch unter dem Begriff "Saint Germain Foundation" hie und da für einen kleinen Aufruhr
sorgt. Daniel Aguilar hat die Lektionen Krumms mitverfolgt, sogar 1954 von
Parsival Krumm-Heller die Fernkurse
direkt aus Aden (Jemen) erhalten und glaubt, dass der Graf Saint Germain, der die FRA spirituell unterstützte, nun in der
Inkarnation des Herrn Ballard, die wahre
Organisation leitet: I AM.[303] *
Guy W. Ballard ist Verfechter der Hohlwelttheorie,[304] * und in seinen Schriften taucht nicht der geringste
Hinweis auf Krumm-Heller, Rosenkreuzertum oder andere Geheimbünde auf. Die in
Illinois/USA beheimatete, äusserst professionell und kommerziell auftretende
christliche Neureligion ist im deutschsprachigen Raum vor allem durch ein
prominentes Mitglied in die Medien gelangt: Frau "Schweizer
Schokolade" Alexandra Sprüngli-Gantenbein.
Kolumbien
Krumm schifft sich "aureolado
de gloria y de grandeza" in Buenaventura ein und fährt in Begleitung
seiner begeisterten Anhänger mit der Eisenbahn der tropischen Küste entlang
nach Quindío, wo er sich an die Ukraine erinnert fühlt.[305] * Hier treffen die Rosenkreuzer auf eine Konferenz der
Theosophen, hier spricht er von der Bibel als dem Buch von Eingeweihten für
Eingeweihte.
In Bogotá gründen
Krumm und der in Fomeque geborene Israel Rojas Romero/'Raghozini' (geb. 1901, auch unter dem
Pseudonym 'Joselín' schreibend) am 27. April 1928[306] * mit sieben Mitgliedern die dortige FRA-Aula (Loge)
"Rassmussen." In dieser Gruppe auch Luis Hernández und Frau Weleda.[307] * In Kolumbien führt Rojas Freund Tobías Ferro ausserdem die Aula
"Nenqueteba."[308] *
'Huiracocha' hält im
"Teatro Municipial" Vorträge über "El Yo desde el punto de vista
del Psicoanálisis," wo er sich begeistert über Sigmund Freud und dessen
Lehren äussert; Krumm referiert über die "Quiromancia," "La
Bella Durmiente del Bosque" und über das Okkulte in Deutschen Opern,
"Lohengrin y Parcival."[309] * Hier in Bogotá wird Krumm von der Theosophischen
Gesellschaft eingeladen, einen Vortrag zu halten, wozu er zu aller Erleuchtung
das Thema "Logos" wählt.[310] *
Er demonstriert "al
mundo científico" [?!] die Wirkung von Duftstoffen. Die Ergebnisse
der Experimente gehen später in sein Buch "Osmologische Heilkunde - Die
Magie der Duftstoffe" ein.
Nun wird die Stadt
Tunjo etwas ausserhalb Bogotás besucht, wo sich die Chibcha-Zeichen, Schrift
einer vergangenen Kultur, befinden.
"En 1938, el
dirigente de la F.R.A. en Colombia[311] * publicó en su Revista unos Artículos denigrantes contra el Maestro Huiracocha, tratandolo de "Mentiroso y Envidioso,"
también le dedicó epítetos como de "Un pisador de barro, comparado - con
ese Gran Arquitecto de lo Universal" que era un Gran Charlatán e Impostor
de nombre Omar Cherenzi Ling que
se hizo pasar por el Maestro Kuthumi[312] * (K.H.); todo esto porque el Maestro Huiracocha, cuando supo que este elemto venía a visitar a los
Hnos. de Colombia, les escribió a los miembros de la F.R.A. previniendolos y
que no lo recivieran en sus Aulas. - La reacción del dirigente de la F.R.A. de
Colombia fué: Estas insultantes diatribas escritas en une Revista que se pasaba
por Rosacruz. - Estas Revistas llegaron a manos del Maestro Krumm Heller y,
como él había sido el Maestro Iniciador de éste irrespetuoso y tenía el poder
de "Desconectarlo de los planos Espírituales," así como lo había
"Conectado en la Iniciación," lo hizo de este modo y, en
consecuencia, este Hno. quedó de ahí en adelante fuera de la" FRA.[313] * Aus diesem Grunde hat Krumm nach dem Zweiten
Weltkrieg keinen Kontakt mehr mit der FRA Kolumbiens aufgenommen, jedoch keine
seiner Chartas annulliert. "A few days after his arrival at Colombia,
Cherenzi-Ling was unmasked by Mr
Rojas and took out from the
country, by Mr Rojas
himself."[314] *
Da aber Krumm-Heller
sich von Rojas beleidigt fühlt, löst er
jeden Kontakt mit ihm. Der so alleingelassene Rojas beginnt nun, die FRA-Ideen mit denjenigen anderer
Rosenkreuzergruppen zu vermischen. Allen voran führen die von Krumm selber
abgelehnten Max Heindel-Rosenkreuzer,[315] * Stanislas De Guaitas, Joséphin Péladans und Oswald Wirths
"Ordre Kabbalistique de la Rose + Croix," in dem ja auch Krumm
Mitglied gewesen ist und die Theosophische Gesellschaft.
Rojas folgt seines Meisters Spuren und bereist angeblich
Mexiko, Chile, Argentinien, Peru, Ägypten, Griechenland, Indien, Japan und
China.[316] * Aus seiner Feder fliessen Dutzende von Büchern und
während 27 Jahren eine monatliche "Revista de Ciencia Rosa-Cruz"
"Rosa-Cruz de Oro." Rojas tauft Kinder und schliesst Ehen vor angeblich bis zu
1000 Zuschauern.
Während des Zweiten
Weltkrieges hält man den "superhombre"[317] * 'Huiracocha'
für tot. In der Tat wird Krumms Bibliothek von der Gestapo konfisziert.[318] * Nach 1945 nimmt er mit Kolumbien keinen Kontakt mehr
auf.[319] * Also lässt sich Rojas 1945 in Bogotá amtlich als juristische Person No 520
eintragen[320] * und führt die kolumbianische FRA bis zu seinem Tode
am 4.6.1985.
Rojas bewundert Heindel, Blavatzky und Krumm-Heller gleichermassen als Gurus "en
los éxtasis de abstracción mística."[321] * In einer Broschüre vom 27. April 1972, anlässlich des
44. Jahrestages der "Fraternidad Rosa Cruz de Colombia," sind Franz
Hartmann, Max Heindel und Krumm-Heller als "Los tres grandes
mentores" abgebildet.
Nach dem Tode von
Rojas wählen eine Handvoll Anhänger Jorge
Urbano Cruz Toquica (33°) zum Präsidenten
{siehe anonymer Bericht anschliessend}. Diese Gruppe führt erfolgreich eine
öffentliche Bibliothek in Bogotá, wo Krumm-Hellers Photo die Gestelle ziert
{siehe dok. Anhang}. Jorge Cruz führt Rojas Magazin "Rosa-Cruz de Oro" weiter und
zweifelt die Autorität Parsivals und
infolgedessen auch die der Frau Ana Delia in Venezuela an.
Der in
Medellín/Kolumbien beheimatete Gabriél Ramírez Ciefuentes wehrt sich gegen Toquica, den er als
Dogmatiker "de segunda clase" bezeichnet.[322] *
Ramírez' Chef Dr. Duval Ernâni de Paula in Rio de Janeiro weiss, dass Toquica aus
Rojas Gruppe ausgestossen sei und dass
Toquica aus diesem Grunde auch nie das offizielle FRA-Siegel verwende.[323] * Auch der andere FRA-Vertreter in Kolumbien {den
gleich vorgestellten} Gabríel Sánchez Gaviria, der zwar das offizielle Siegel verwende, sei
nur "selected by Rojas but not elected."[324] *
-+-
Gabríel Sánchez Gaviria/'Reschai' mit seinen Leuten, die sich von
Rojas distanzieren, stellen die seit
1973 von der Venezuelerin Ana Delia Gonzáles protegierte Konkurrenz in Medellín dar.
Sánchez ist bemüht, mit allen
esoterischen Institutionen gute Beziehungen zu halten, so auch mit Pilares in Peru, obwohl man weiss, dass sich Pilares dort im Streit von seiner Mutterloge getrennt hat.
Allein Ramírez Ciefuentes gegenüber
bezieht Sánchez eine ablehnende Haltung: "he
only seeks titles and more titles."[325] *
Sánchez tauscht Chartas mit Lamparters Mitstreiter Narcis Pell Alimany/'Camael' in Spanien {siehe entspr. Kapitel} aus und
erhält per Post am 2. Februar 1986 die Bischofswürde von Jorge Rodríguez Villas
"Iglesia Ortodoxa Apostolica" in Chicago, "the silliest man
in a bishops mitra!"![326] * Jorge Rodríguez (Tau Johannes XIII) stellt seine
Kirche in den freimaurerischen Blättchen als "Gnostic Catholic
Church" vor.[327] * Sánchez, nun 'Marcos I', glaubt jetzt 18 verschiedene
gnostisch apostolische Sukzessionen auf sich gekommen, da Rodríguez ein
eifriger Sammler des Heiligen Geistes ist. {Ein paar seiner Sammlungsobjekte
finden sich hier im dokumentarischen Anhang}
Sánchez und seine Leute folgen Krumm-Hellers Lehren, beziehen
jedoch auch Rudolph Steiner, H.P. Blavatzky, Franz Hartmann, Aleister Crowley und Papus mit ein. Man interessiert sich ausserdem für Kurtzahn und Guido von List.
Der überaus aktive
Roberto C. Toca {siehe entspr. Kapitel}
stellt sich als OHO von Krumms OTO vor. Als er jedoch seine Korrespondenz
urplötzlich einstellt, bleibt er ein Rätsel.
Zu Sánchez' Bedauern will kein rechter Kontakt mit Jorge Cruz
zustandekommen. Ja man hält sogar Cruz für den Urheber manchen Streites.
Sánchez und Cruz schicken beide dem Herausgeber dieser Studie
eine Menge brauchbarer Unterlagen und Fotos.
Auszüge aus einem Brief von Gabríel Sánchez Gaviria
"Mit der
Bewilligung Theodor Reuss' [?] gründete Krumm-Heller Zentren der Fraternitas
Rosicruciana Antiqua in den verschiedenen Ländern unseres Amerika.
Darüber hinaus
etablierte er sein Summum Supremum Sanctuarium in Berlin, von wo aus er seine
Briefe an die südamerikanischen Brüder schrieb. Dr. Krumm-Heller erhielt seine
zwei vorhergehenden Initiationen 1909 in Argentinien und Chile, seine Meister
waren Dr. Girgois und Dr. Arturo
Clement (zwei Martinisten-Meister)...
Während seines
Lebens noch entwickelte die FRA starke Aktivität. Der Ausbruch des Zweiten
Weltkrieges, 1939, verursachte aber Schwierigkeiten mit der Korrespondenz, die
oft ihr Ziel nicht erreichte. Einige seiner Schüler in Südamerika bezeichneten
Krumm-Heller als Nazi. Und im Laufe des Zweiten Weltkrieges konnten sich in
Amerika und Südamerika andere Rosenkreuzerorganisationen besser behaupten. Die
Lehren des AMORC und Clymers 'Rosicrucian Fellowship' 'unterwanderten' die FRA und
durchsetzten deren Tradition...
Die Autorität von
Parsival Krumm-Heller dauerte von
1949 bis 1952 - einige Mitglieder widersetzten sich ihm.
Dr. Henry Bolt wurde 1945 von Clymer nach Brasilien gesandt, starb jedoch in Plano
Alto/Goyas im selben Jahr.
1963 trafen sich
Vertreter der Schweizer Abtei Thelema mit Ana Delia Gonzáles in Turin. Seitdem bezeichnet sich Frau Ana
Delia Gonzáles als einzige
Repräsentantin der Abtei Thelema auf unserem Kontinent. Angeblich soll Frau
Gonzáles den Befehl, die FRA wiederzubeleben, erhalten haben. Und so erwachten
einige schlafende und andere, verstreute Zentren in Süd-Amerika unter der
neuen Autorität von Frau Gonzáles wieder zum Leben. Die Zentren von Peru,
Bolivien, der Dominikanischen Republik, Venezuela und Argentinien wurden so
wieder aktiv.
Aber diese schöne
Realität dauerte nur kurze Zeit.
Mit der Hilfe von
Frau Gonzáles gründeten wir 1973 unsere FRA in Kolumbien. In dieser glücklichen
Zeit besuchten uns die Vertreter Frau Gonzáles' und wir feierten ein grosses
Treffen in Maracaibo mit anderen Vertretern der FRA aus ganz Südamerika.
Wir glaubten an
die Autorität von Frau Gonzáles und der Schweizer Abtei Thelema. Bald jedoch
wurden wir mit dem Stolz und der Arroganz von Frau Gonzáles konfrontiert,
ausserdem wurden gewisse Personen aussergewöhnlich geehrt. So trennten sich
viele FRA-Zentren von ihr.
Die FRA in
Maracaibo/Venezuela ist gescheitert. Wir berichteten der Schweizer Abtei
Thelema von unseren Problemen, haben aber nach einer kurzen Antwort auf unsere
unzähligen, sogar in deutsch geschriebenen Briefe keine Reaktion mehr erhalten.
Wir begriffen, dass allein Frau Gonzáles mit der sehr mysteriösen Abtei Thelema
verkehrt hat. So beschlossen wir, uns 1984 von ihr zu trennen und unsere eigene
FRA zu konstituieren."[328] *
Por el mejoramiento integral del hombre
Folgender undatierter
und anonym zugesandter Bericht ist soweit wie möglich von allen Betroffenen
"korrigiert" worden. Die sicher interessanten aber ehrverletzenden
Stellen sind getilgt.
"Jorge Cruz Toquica wurde am 8.4.1918 in Vianí/Bogotá als Sohn eines
Grundbesitzers geboren. Matur in Antioquia, dann Uni Medellín. Mit 25 Jahren
startete er eine Karriere als Industriemaschinist in Medellín und wurde
daselbst 1944 Mitglied der Fraternitas Rosa-Cruz Antigua durch Israel Rojas. Als Cruz 1949 nach Medellín kam, um ein Ritual im
Hause von Dr. Estrada zu zelebrieren, wurde er von Israel Rojas geweiht. Obschon das Haus damals nach alten
ägyptischen Plänen [?] zu einem
Tempel umgebaut wurde, fanden die FRA-Aufnahmerituale niemals dort statt.
Von 1945-56
leitete er die Aula Rosa-Cruz 'Lucis Pitágoras' in Medellín und setzte seine
Studien fort. Zu dieser Zeit kam eine völlig verarmte junge Frau namens Alicia
Elorza in die Aula und wurde von Cruz finanziell unterstützt.[329] * Von seinen Auftritten in der Aula kann man sagen,
dass er 'ex cáthedra' sprach. Er verwirrte, indem er Symbole neu interpretierte
und eigene 'esoterische Lehren' in die Rituale einbaute...
In Bogotá, wo Cruz
seit 1956 lebte, besuchte er weiterhin die Aula der Rosa-Cruz, bis er
Freimaurer werden wollte...[330] * Sobald Israel Rojas davon erfuhr, entlarvte er Cruz als jemanden, der sich
der Freimaurerei bedienen will, um sein Kapital zu mehren. Cruz produzierte
Autoersatzteile und unternahm Transaktionen, die ihm Millionensummen
einbrachten. Er importierte Maschinen, die er dem Staat mit Hilfe eines
Funktionärs verkaufte. Um auf die
Wahlliste der Parlamentarier gesetzt zu werden, bezahlte Cruz dem Direktorium
der Liberalen vier Milliarden [?].
Als Cruz vernahm,
was Rojas über ihn sprach, fühlte
er sich in seiner missionarischen Funktion verletzt und beschloss, dass weder
er noch seine Familie je wieder in die Aula der Rosa-Cruz zurückkehren würden,
bis Rojas tot sei. Dennoch kam er
ab und zu nach Medellín, um Vorträge vor seinen Brüdern zu halten. Bei einem
dieser Vorträge passierte ihm ein unbewusster Lapsus: voller Verachtung sprach
er davon, dass er in seinem Unternehmen[331] * den Arbeitern das Gesetz des Karmas erkläre, um sie
vor Diebstahl abzuhalten. Auf diese Weise hat er sich öffentlich als
rosenkreuzerischer Geschäftsmann entblösst. Über Maestro Rojas meinte Cruz mit abwertenden Gesten nur, dass er nicht
mehr an ihn glaube. Rojas hätte
ihm angeboten, ihn zu wahrer Initiation zu führen. Klar, dass er, Cruz, dies
nicht annehmen werde. Ausweichend gab er Angst und Unbereitschaft als Gründe
an... Cruz hat dem verstorbenen Arturo López gegenüber sehr ironisch erklärt,
er werde 'für' Maestro Rojas einstehen... Seine Stellungsnahme zu Rojas kam wie ein Blitz: 'Er ist ausser Diskussion.' [Rojas stirbt am 7. Juni 1985]
Am Tag der
Totenwache für Rojas erschien
Cruz, hielt eine Verteidigungsrede und sprach von diesem Moment an von Rojas als 'seinem Meister.' Was einen einschlagenden Effekt
auf Jeremías Martínez hatte, der
ausbrach: 'Jorge Cruz! Cruz unser Führer!' Jeremías und seine Verwandten
steckten die Anwesenden in einer emotionalen Welle an..." (übersetzt von Verena T.)
Am 7.7.85 wird Cruz
laut eigenen Angaben von 180 FRA-Mitgliedern einstimmig zu ihrem
Logenpräsidenten gewählt, da Rojas kein Testament hinterlassen hat. Sein Landsmann Gabríel
Sánchez Gaviria weiss jedoch nur von 17
Wählern.[332] * An der Seite von Jorge Cruz: seine Sekretärin Elvira
G. de Santamaría, die die Aula de Girardot repräsentiert, Lilia de Cardozo
(Delegierte von Medellín), Frau Alicia de Cruz, Víctor M. Useche, Alvaro
Martínez N. und Herr Arcadio Santamaría,
die nicht Mitglied des ursprünglichen Obersten Rates sind.
Ähnlich wie im obigen
Bericht, aber in gewählterer Sprache, drücken sich Nhora Cabrales A., Jesús Gonzáles Biassus[333] * und Jeremías Martínez R. in einem 7-seitigen Brief vom 9.7.86 an Jorge
Cruz Toquica aus. Darin wird dargelegt,
dass die Wahl von Cruz nicht FRA-Statutenkonform abgelaufen sei, da das
verwendete Wahlverfahren und Cruz' Loge, die plötzlich als "Asembla
General" auftrete, überhaupt nicht in der juristisch eingetragenen
Vereinigung verankert seien. Cruz habe also "violado el espíritu y letra" der Statuten.
Diese drei Personen
sind im Wahlprotokoll von Cruz' Wahl zum FRA-Präsident vom 7.7.85 noch als
Würdenträger aufgelistet.[334] * Frau Nhora schickt für die vorliegende Studie
verschiedene Unterlagen und teilt nun mit, dass Cruz zwischenzeitlich
ausgestossen und Jesús Gonzáles Biassus der aktuelle FRA-Präsident Kolumbiens
sei, denn schon im Juni 1984 habe Rojas von Jesús Gonzáles als "director"
gesprochen .[335] * Jesús Gonzáles publiziert am 5. April 1987 in der
Zeitschrift "El Espactor" einen öffentlichen Aufruf an alle
FRA-Mitglieder, sich von Jorge Cruz zu distanzieren. Jorge Cruz' Gruppe ist
jedoch weiterhin aktiv und amtlich eingetragen.
Jorge Cruz taucht Ende 1989 unangemeldet bei Manuel Lamparters Haus in Spanien auf, wird aber von dessen Familie
abgewiesen {siehe Kapitel Spanien}. 1991 besucht Jorge seine 15 Brüder in
Carracas/Venezuela, die nicht unter der Jurisdiktion der Frau Ana Delia in Maracaibo stehen. Jorge Cruz telefoniert 1991 auch mit Roberto C. Toca in Tampa/Florida.
Brasilien
und Kolumbien
Gabriel Ramírez Ciefuentes/'Hermes' repräsentiert vom 3.11.79 bis 1991
den kolumbianischen Zweig der FRC {siehe Chartas im Anhang}. Er hat 1986 in Rio de
Janeiro von Duval Ernâni de Paula den
III°-FRA erhalten und versucht sich nun auf allen Gebieten der Geheimbünde. So
tritt er als Repräsentant der "Brücke zur Freiheit" auf (Puente para
la libertad) und als er mitkriegt, dass FRA und OTO "irgendwie"
miteinander verbunden sein könnten, reizt ihn das, sich mit OTO-Titeln zu
schmücken. Der Spanier Manuel Cabrera Lamparter (geb. am 15.6.1942 in Sevilla, bekannt aus dem
OTOA-Reader) macht ihn am 23.10.88 zum "legítimas herederos de la
Obra" Krumm-Hellers. Ramírez korrespondiert auch anfangs 1989 ohne grossen Erfolg
mit dem amerikanischen OHO des OTOA, Courtney Willis.
In seinem ersten
Antwortbrief an den Herausgeber begehrt Ramírez nicht nur (vergeblich), sofort Mitglied des Schweizer
Sanktuariums zu werden, sondern auch zusammen mit seiner Frau Mariela Pérez
Jiménez (I°) "claro" auf Kosten des Herausgebers in die
Schweiz geflogen zu werden. Man habe schon Paolo Fogagnolo nach Mailand {siehe auch italienische Szene im
"OTO-Phänomen" und "OTOA-Reader"} telefoniert, der den
Umweg über die Schweiz vorgeschlagen habe.[336] * Immerhin sei Krumm "Consagrado Obispo por el
Maestro Reuss," und deshalb "le pido que me Consagre como
Obispo Ud."[337] * Da der Herausgeber sich nicht entsprechend rührt,
fragt Ramírez nun (vergeblich) nach
"Caliphats"-Adressen, um endlich "Bischof" zu werden.
Ramírez leidet an der unter FRA-Mitgliedern weitverbreiteten
Unsicherheit, wer die FRA denn nun weltweit führe. Die Mysterien der FRA seien
"Occidentales" und stellen die Solaren Mysterien des Logos oder des
Solaren Christos dar und könnten so nur von einem Mann repräsentiert werden.
Eine Frau könne nie die solaren Energien auf Erden vertreten. Frau Ana Delia Gonzáles in Venezuela habe absolut keine Möglichkeit,
Initiationen vorzunehmen. Arnoldo Krumm-Heller hätte NIE eine Frau als Soberano
Comendadore der FRA eingesetzt, sein Sohn Parsival also "falló."
Für Ramírez sind die ekklesiastischen Bischofs-"Weihen"
des OTO dieselben, wie die der FRA-Kirche. Am Anfang der FRA-Arbeit stehen drei
FRA-Grade, die mit freimauerähnlichen Initiationen erteilt werden, es folgen
vier spiritelle Grade: die FRA also gemäss Ramírez insgesamt sieben Grade aufweist. Diese werden mit den
OTO, den OTOA- und den Memphis-Misraïm-Graden vervollständigt. Die FRA sei also
"afiliada a la OTO."[338] *
Obwohl Ramírez in der Zwischenzeit Anstellung in einer "Empresa
de Productos Quimicos" findet, stöhnt er weiterhin über seine desolate
finanzielle und gesundheitliche Lage. Das Geld, das ihm aber regelmässig
geschickt wird, scheint vor allem in immer neues und prächtigeres Briefpapier
umgesetzt zu werden. Seine Frau Mariela träumt vom Herausgeber (d.h. sie stellt
eine "Esperiencia Espiritual" her), der, gekleidet in eine Weisse
Tunika, ein dreiteiliges Kreuz und eine Stola mit sieben Rosen trage.
Ramírez glaubt, dass alle Welt die Kolumbianer verabscheue,
vor allem sei es "die Hexe" (la bruja) Frau Delia, die "no oculta su rencor por nosotros"
(die ihren Hass uns gegenüber nicht versteckt). Er und seine Frau wittern
überall Magia Negra. Den ebenfalls in Kolumbien ansässigen Jorge Urbano Cruz Toquica hält er für einen "Usurpador"
und Führer von "Magos Negros y gentes pejudiciales." Hier
könne man nicht mehr von Krumm-Hellers FRA, sondern nur noch von der "Fraternidad
Rojista de Colombia" sprechen. Ähnlich äussert er sich über Samael Aun
Weors Gruppen. Überhaupt will Ramírez keinen Kontakt mit einer "escuelita de
homosexuales y lesbianas," denn in seiner Gruppe seien nur "hombres
y mujeres dignos y de una moral inmacilada!!"[339] * Seiner Ansicht nach ist Gabriél Sánchez Gaviria in Medellín der kolumbianische Nachfolger
Krumm-Hellers.
Anfänglich schickt
Ramírez noch Dokumente für die
vorliegende Studie, aber plötzlich kriegt es seine mit der Herstellung der
Kopien beauftragte Frau mit der Angst vor Autobomben zu tun, denn der einzige
Fotokopierkasten in Medellín befände sich am anderen Ende der Stadt, was einen
gefährlichen Weg bedeute. Ab August 1990 protzt Ramírez nun plötzlich mit einer Menge OTO- und Memphis-Misraïm-Titeln
in seiner Unterschrift und einem neuen, roten Briefkopf, den er aus den
Krumm-Heller-Chartas abkopiert hat. Jeglicher Hinweis auf seinen Meister und
Initiator Duval Ernâni de Paula ist nun
getilgt.
Viele zum Teil
voneinander isolierten FRA-Gruppen gelangen erst im Laufe der Recherchen zum
OTO-Phänomen erstmalig in gegenseitigen Kontakt. Duval Ernâni de Paula versucht nun, etwas Ordnung in das Treiben zu
bringen. Er annulliert Ramírez' Chartas
und Machenschaften am 27.9.91.[340] * Die ca. 100 Mitglieder, die Ramírez an sich gezogen hat, stellen sich somit allesamt unter
Ernânis neuen Repräsentanten Vargas.
Victor
Manuel Gomez Rodriguez
Herr Gomez (geb.
17.2.17) alias 'Samael Aun Weor' alias
'Buddha Maitreya Kalki Avatar der Neuen Ära des Aquarius'[341] * ist angeblich 1928-1930 Mitglied von Rojas FRA-Gruppe. Er wird jedoch weder initiiert noch erhält
er eine Logen-Charta.[342] *
1952 gründet 'Weor' seine "Gnostische Bewegung," die auf
FRA-Material beruhen soll. Seine Behauptung, von Krumm-Heller konsekrierter
Bischof zu sein, stösst auf grösste Ablehnung aller FRA-Gruppen.[343] * Gabríel Sánchez G. glaubt, dass 'Weor' hierfür entweder zu jung gewesen sei oder in
einem anderen Teil Lateinamerikas als Krumm gelebt habe, als dass er diesem je
hätte begegnen können.[344] * Angeblich hat 'Weor' Kontakte mit Metzgers Stellvertreterin in Venezuela, Frau Ana Delia Gonzáles, gepflegt.[345] * Es ist jedoch kaum anzunehmen, dass sich Weor Frau Delia angeschlossen hat, da ihm seine Gnosis die
Anerkennung der Frau quasi verbietet {siehe unten}.
Die Sexualmagie der
"Gnostischen Bewegung" beruht, wie bei vielen FRA-Gruppen, auf der
Ejakulationsvermeidung.[346] * Weor spricht in
über 45 Büchern von phallischen Sonnenkulten und sexuellen Mysterien und
wendet sich von den "Schrecken: Kriege, Prostitution, weltweite
Sodomie, sexuelle Entartung, Drogen, Alkohol,"[347] * "fornication, adultery, prostitution,
homosexuality, pederasty, masturbation"[348] * etc. ab.
Da in Weors Gnostischen Bewegungen Krumm-Hellers
FRA-Inititationsrituale verwendet werden,[349] * lohnt es sich, seinen weiteren Weg der Gnosis/Selbstverwirklichung
näher anzuschauen. Wie bei allen Sexualmagiern findet man Weors Tempel der Weisheit im Phallus und im Uterus. Das
(biblische) Chaos entspricht dem Sperma, alles im Universum ist sexualisiert und zieht sich
aus sexuellen Gründen an oder ab. Im Zentrum der Erde sitzt Satan, Sex an sich,
wo Shivas schwarzer Phallus in die Vagina eindringt. Erlösung und Erleuchtung
bringt allein Sexualmagie ohne Ejakulation, die Magie des Wassermannzeitalters.
In den Sexualflüssigkeiten (Sperma und Vaginalsekrete) findet sich ein sexuelles
Hydrogen, SI-12 genannt, das im astralen Körper zu Gold wird. Und die Technik?
Angelehnt an die Karezza-Methode von
Thomas Lake Harris (1823-1906), legen sich Mann und Frau Brust an Brust,
Solarplexus an Solarplexus, aneinander - äusserlich androgyn. Der Mann beginnt
die Penetration dermassen langsam, dass das Hymen unverletzt bleibt. So bleibt
die Frau jungfräulich. Jahrelange Praxis treibt nun Kundalini die Wirbelsäule
hinauf, während sich die beiden Partner gleichsam ihrer irdischen
Persönlichkeit entäussern. - Auch in Weors System ist Frauen die höchste Initiation und
Entwicklung jedoch nicht möglich. Wie im Buddhismus und bei den meisten
Gnostikern ist der Frau allein die Reinkarnation als Mann vorbehalten, um sich
weiter entwickeln zu können.[350] *
Als 'Weor', der fünfte Engel der Apokalypse, 1977 stirbt,
fällt seine Bewegung auseinander: Der mexikanische Zweig unter seiner Witwe
Arnolda Garro de Gomez (Maestra 'Litelantes') und der kolumbianische Zweig unter
Joaquím Amórtegui Balvuena (Maestro 'Rabolù'). Dass eine Frau sich zur Führerin einer
gnostischen Bewegung aufschwingt, stösst auch hier auf Irritation und erzeugt
Zerwürfnis. Der dritte Zweig nennt sich "Movimento Gnostico Cristiano
Universale" und wird von Kolumbien aus von Julio Medina Vizcaino (Maestro 'Garhga Cuichines') geleitet.
In Brasilien finden
sich Werbeplakate von Weors Gruppen, die
für Atemübungen und Vorträge über die "Magia do Amor" in den
öffentlichen Buchhandlungen und Supermärkten werben.[351] * Auf diese Weise hat ja das "Caliphat" (die
OTO-Neugründung von 1977) anfänglich Mitglieder angeworben; zusätzlich haben
die wenigen Anfangsmitglieder heimlich in den Buchhandlungen auf Zettel
gekritzelte "Caliphat"-Anlaufadressen in die okkulten Bücher
geschoben.[352] *
In der Schweiz ist
die 'Rabolù'-Richtung in Baden-Rütihof
daheim.[353] * Im Gespräch mit dem Schweizer Vertreter Thomas
Pellicioli ist am 27.10.1986 zu erfahren,
dass die meisten Mitglieder (nämlich 10'000) in Kanada seien.[354] * Leider fallen die Gruppen oft wieder auseinander, was
dann die Arbeit "alleine mit sich selber" fördere. Das gnostische
Repertoire aus "Magischen Kreisen," "Drogen,"
"Sexologie, (Unter- und Uebersexualität und normale Sexualität),"
"Luzifer, Teufel und Satan" wird um einen spezifischen Trunk
bereichert, der das Ego/Ich angreifende Larven enthalten soll.[355] * Ähnlich wie bei vielen neureligiösen Vereinigungen
wird eine historische Legende von "sieben Rassen" verbreitet.
Der mexikanische 'Litelantes'-Zweig in England (dortiger Name: Gnostic
Institute of Anthropology) behauptet sogar, "that Samael was the
Patriarch of the Gnostic Church and A.K.H. was the Archbishop and that V.M.
Samael Aun Weor has carried on the
work of A. Krumm-Heller."[356] * Weor selber
sieht seine "Supra-Sexuality" als Fortführung der Techniken von "Brown,
Dr. Krum Heller and Jung."[357] *
In Frankreich sitzt
der Litelantes-Zweig seit 1987 in Paris,
Bordeaux, Avignon, Nancy, Brest, Rouen und Lyon. 60% der Mitglieder sind Frauen
aus der Mittelschicht und jünger als 30 Jahre.[358] *
In Spanien befindet
sich das "Gnostic Christian Universal Movement."[359] * M.R. Motta meint, Oskar Schlag stecke dahinter.[360] * Haack nimmt 'Weor' ideologisch in "Europas neue Religion"
auseinander (Zürich 1991, 42). So ist die "Christliche Universelle
Gnostische Bewegung" in Deutschland als Verein eingetragen.[361] * In Italien sind alle drei Richtungen vertreten, vom
Rabolù-Zweig gibt es sogar noch eine
weitere, Milaneser Absplitterung.[362] *
Mexico
Wenig ist bekannt
geworden von der mexikanischen FRA-"Gran Logia de A.L. y A.M. Valle de
Mexico," obwohl man angesichts Krumms politischen Aktivitäten als Revolutionär
in Mexiko eigentlich das Gegenteil erwarten könnte. Ein Guillermo J. Moncada zeichnet einmal einen Artikel als "Dicípulo
R.+. México, Agosto 20 de 1930" in Krumms Rosenkreuzerzeitschrift...
Mexikos FRA soll
durch den 1907 in Zapotlán geborenen Gabriel Montenegro y Vargas/'Zöpiron'/'Theòpilos' und späteren Liebhaber der
Helen Parsons-Smith vertreten worden sein. Montenegro habe seine "höchsten Einweihungen durch
Priester der Tolteken" erhalten. "Mit 14 Jahren verliess er
seine Heimat. In San Francisco und San José besuchte er höhere Lehranstalten
und promovierte, jung an Jahren, zum Dr. der Medizin auf der 'Sierra State
University'. Los-Angeles, Fresno, Madera; Chiropraktik, Kontakte zur
Freimaurerei... Befreundet war er mit Aleister Crowley, Roy Leffingwell, Dr. Swinburne Clymer, Heinrich Tränker, Karl Germer, Arnoldo Krumm-Heller u.v.a... er lehrte Medizin an
den Freimaureruniversitäten von Mexiko und San-Franzisco und pflegte im
Ordenskreis die alten Naturheilweisen der Tolteken."[363] *
Frau H.P. Smith (siehe OTO-Phänomen, 173) erinnert sich: "Some
time after the death of my husband, Fra.'.132 [W.T. Smith, 1885-1957], I
met another Thelemic Brother, Fra.'. Theophilos... Dr. Montenegro was a prize pupil of Fra.'. Huiracocha... who had initially appointed him his heir. However,
a parting took place. Eventually Dr. Montenegro located the [2.]
Agape Lodge of the O.T.O. in Los Angeles, California. He did not join the Lodge
[? siehe unten] but did remain an important friend to all the
members..."
Montenegros Geliebte, H.P. Smith, erinnert sich weiter, dass Krumm-Heller als "Acting
Grand Master of the O.T.O. for All Latin America" und, lange vor 1947,
als "Grand Master General for the O.T.O for German Speaking
Countries" gewirkt habe.[364] * Obwohl sich Frau Smith nicht mehr daran erinnert, ist
Montenegro ca. 1948 nach langem Zögern
durch ihren Gatten Wilfred T. Smith in Crowleys OTO initiiert[365] * und dann von Jane Wolfe und Karl Germer in Ehren gehalten worden.[366] *
1966 besucht
Montenegro das anthroposophische Dornach
und Stein ("indeed a little bit of heaven"). Er hält Walter
Englert vom "abtrünnigen"
OTO/IO e.V. Frankfurt für einen "new comer in Thelema,"[367] * entdeckt aber auch "serious Thelemic errors
in [Metzgers] modus
operandi."[368] *
"Immer guter
Dinge und sublimen Humor[s], voll
philosophischen Geistes und von tiefer Frömmigkeit; so lernten wir ihn kennen;
einen der letzten würdigen Repräsentanten der thelemischen Religion," berichtet
Englert. Sein ehemaliger Freund Paul R.
Audhem: "In Stein selbst kam's zu übelsten Saufgelagen - die 'Monti'
teilweise arg befremdeten. Die wollten wohl den trunkenen Bruder aushorchen.[369] * Herr Schlag kam dann Sonntags mit etwa fünf Leuten - und lernte
ihn auch kennen (ich auch und Hemberger). Eines morgens entdeckten wir auf dem
Stubentisch 'Montis' Patente und die Passworte und - Zeichen [...][370] * Wie ich hörte, ist 'Monti' dann, ohne sich zu
verabschieden (völlig verängstigt) abgereist. Englert schrieb in unser aller (Frankfurter) Namen an ihn.
Jeder bekam ein schönes Buch mit Widmung von ihm gesandt, sowie einen lieben
Brief an alle. - Montenegro trug übrigens einen Bischofsring und behauptete, dass
er jederzeit in Rom vorgelassen würde."[371] * Montenegro besucht Oscar Schlag in Zürich, gibt sich ihm jedoch nicht als OTO-Mitglied
zu erkennen.
Als Montenegro am 14.7.69 stirbt, schreiben P.R. Audehm und W. Englert in ihrem Nachruf, dass "Monti" IX° OTO "und
Bischof der mit diesem Orden verbundenen gnostischen Kirche" gewesen
sei. Ausserdem "Oberster Souverän des OTO von Nord- und Südamerika...
33° des Supreme Council 33. F.& A.M. von Mazatlan. Crocker-Lodge Nr. 454,
Daly-City."[372] * Zu der
Oberhaupt-des-OTO-von-Nord-und-Südamerika-Ernennung durch Metzger weiss der Zeuge Audehm: "'Monti' war... so blau, dass er wahrscheinlich
überhaupt nichts begriff."[373] *
Das freimaurerische
Totenritual wird am 16. Juli um 11.00 in der Anderson's Funeral Chapel in
Daly-City von den Brüdern der Crocker-Loge Nr. 454 abgehalten.
Nach seinem Tod
hinterlässt er seine "Gemahlin Marguerita (Daly-City), seine Tochter,
Sister Marie Angelica (S.N.D.) und seine Mutter Maria Vargas (San Francisco)." - Seine letzte Ruhestätte findet Montenegro im 'Cypress Lawn Memorial Park'.[374] * 1970 distanziert sich Metzger von Walter Englert, Kenneth Grant, Grady McMurtry und "Mexiko."[375] *
Der Ursprung des
MM-Tempels, der auf Yucatán auf öffentlichen Plätzen wirbt, ist leider nicht
feststellbar gewesen.[376] * Offiziell existiert heute (1992) keine FRA-Loge mehr
in Mexiko. Mit dem Tod Krumm-Hellers verschwindet scheinbar die dortige Loge.
Ana Delia Gonzáles FRA aus Venezuela ist
nur eine kurze Zeit lang in Mexiko aktiv.
Von Kuba nach Florida
Vor seinem Tode soll
Krumm-Heller den in den deutschen Alpen kränkelnden Johannes Müller Rider/'Sâr
Thelemako' als Nachfolger bestimmt haben. (Die Unterlagen sollen sich beim Sohn
und der Tochter Juan Müllers in
Havana/Kuba befinden, die aber leider auf Briefe nicht reagieren.)[377] * R.C. Toca, Nachfolger Riders, meint sogar, Rider sei, genauso wie Krumm-Heller, von Aleister Crowley in den OTO aufgenommen worden. Angeblich ist Rider bekannt mit dem deutschen Liberalkatholiken Gustav
Ringer, stamme ursprünglich aus Prag und sei in Berlin durch den Schweden
Reinhold Palminge (Mariaviten- und
Jakobiterorden) zum Priester konsekriert worden sei.[378] *
Dergestalt magisch
ausgerüstet, kuriert 'Thelemako' 1955 seinen Krebs mit der Heilpflanze
"anamú" in Quiebra Hacha (Kuba)[379] * und errichtet dort gleich auch die FRA, GKK und den
OTO Krumm-Hellerscher Prägung, wovon er sich als 33°, 90°, 97°, X° und OHO
sieht.
1960 führt Manuel del
Pino Hernández eine Loge in Havana.[380] * 1966 nimmt Rider Roberto C. Toca (geb. 11.1.43 in Kuba) auf und macht ihn zum Bischof
der GKK und OHO des OTO Krumm-Hellerscher Tradition.[381] *
Toca verlässt nun das kommunistische Kuba, zieht für kurze
Zeit nach Spanien, lässt sich jedoch 1980 in Tampa/Florida nieder.
1985 gliedert sich
Tocas Ordenssammelsurium in "tres
aspectos: La Iglesia (cuerpo externo o exotérico), la Universidad Internacional
de Teologia y Parapsicologia (cuerpo mesotérico) y la Abadia Mistica Rosacruz
O.T.O., con sus 12 grados iniciàticos (3 previos de neofitos) y los 5
posteriores de Illuminatis."[382] * Ein Artikel in einer religiösen Tageszeitung von 1986
spricht vom 90° und 97°, ausserdem von 12 Rosenkreuzergraden, 17
Illuminatengraden, 9 Krumm-Heller- und Martinistengraden aus der 'Papus'-Tradition, die auf Toca kommen.
Zweimal wöchentlich
verbreitet Toca auf spanisch bei privaten
Fernsehanstalten (Canales 12 y 33) seine Lehren von UFOs, Crowley, Krumm-Heller, Gurdjieff und Blavatzky.
1976 ernennt ihn der "excelentísimo
monseñor Richard P. Daly" zum Bischof der "Iglesia Catolica del
Rito Antioqueno."[383] *
Jeden Sonntag um
11.30 wird eine Heilige Messe gefeiert, denstags finden Exorzismen und
parapsychologische Beratungen statt, donnerstags die Beichte und
Buss-Sakramente.
17 verschiedene
apostolische Linien kommen angeblich auf Toca, der zusammen mit seiner Frau regelmässig in
spanisch-sprechenden Zeitschriften mit Crowleys thelemitischen Kernsprüchen auftaucht.[384] * "The Most Rev. Dr. Sâr Mar Roberto C. Toca" wird
am 15.9. 1982 von Herman Adrian Spruit (geb. 1911 in Holland) konsekriert und nennt sich
seitdem "Archbishop Primate of the Catholic Church of the Antiochean
Rite."[385] * Am 16.2.86 ruft der OHO Toca "en el Nombre del Padre" und "Fraternalmente
en Thelema" öffentlich zu einer "primer conclave Hispano"
des OTO auf.[386] *
In seiner
"Conclave Universal Iniciatico (CUI)" vereinigen sich GKK, MM, FRA
und OTOA.[387] * - In allen vorliegenden Zeitungsberichten wird Toca, der mit unzähligen von Rom unabhängigen geistlichen
Würdenträgern Kontakte pflegt, sehr ernsthaft und würdevoll dargestellt.
1990 berichtet
Pilares aus Peru, dass ihn Toca womöglich besuchen werde. Da aber Toca erwartet, alles bezahlt zu kriegen, versandet dieses
Projekt.
1992 möchte Toca vergeblich Spanien und den Herausgeber des
"OTO-Phänomens" in der Schweiz besuchen.
Spanien
1933 bekommt Dionisio
Rios Ballester/'Aureolus' von Krumm-Heller eine Charta (und zugleich
den esoterischen Namen). 1939 hält sich Arnoldo in Badalona (Nähe Barcelona)
auf.[388] * Jeden Morgen, wenn er sich erhebt, "generalmente
antes de la seis de la mañana," sieht er von seinem Balkon aus die
Dorfbewohner. Anhand ihrer Hände schreibt er das "Tratado de Quirología
Médica."[389] *
Im August dieses
Jahres trifft Krumm-Heller Rios in
Valencia und beide arbeiten in einem Laboratorium an einem osmotherapeutischen
System, d.h. an der Herstellung von ätherischen Pflanzenölen.[390] * Krumm übergibt sein Ordensmaterial (Papiere,
Adressen, Dokumente) an Rios, bevor er
selber für die Dauer des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland zurückkehrt.[391] *
Krumm mag Spanien
unter Franco nicht: "In Spanien
regiert Francos Beichtvater, regieren die Jesuiten," erklärt er
Herbert Fritsche.[392] *
Nach dem Tode Wolffs 1950 in Brasilien wird in Spanien Rios Ballester persönlich von Parsival Krumm-Heller auf den Thron gestossen,[393] * da Rios aufgrund der politischen und isolierten Lage Spaniens
nicht viel daran gelegen ist, eine Führungsrolle einzunehmen. Die von Parsival Krumm-Heller ernannte Frau Ana Delia Gonzáles aus Venezuela taucht auf und verlangt
vergeblich, dass die Kurse und Papiere einem Julio Serrano in Madrid übergeben
werden sollen. Daraufhin überwirft sich Rios mit Parsival, der nun selber die Ordensunterlagen zurückverlangt.
Rios bleibt bis 1979 inaktiv und hält nur mit Chile
(Rosario Carey, der anreist und Oscar
Bravo, der Material schickt) und
Kolumbien (Israel Rojas) Kontakt. Von
einer Beziehung zwischen Metzger und Rios ist bislang nichts bekannt geworden.
Am 9.2.79 nimmt Rios mit seinem Landsmann Manuel Cabrera Lamparter Kontakt auf, der in Sevilla sogleich die Aula Lucis
Thelema erleuchtet.[394] * Zu dieser Zeit leitet Lamparter schon die Loge "Samael" von W.W. Webbs/'Damon' Q.B.L.H.[395] *
Am 24. Februar
interessiert sich Rios für Webbs Sachen und beginnt, von der FRA-Geschichte Spaniens
zu erzählen.
Am 27.2.1979 wird
Lamparter/'Sâr Bahomet Tau Priscilianus
I.'/'S.A.T.v.OZ::' Mitglied der spanischen FRA. Die Grade I° und II° sowie den
Text der gnostischen Messe erhält Lamparter am 13. März. Die beiden Rituale enthalten thelemitische
Referenzen,[396] * jedoch laut Lamparter in einer schlechten Übersetzung, und für ihn wird es zweifelhaft,
ob Krumm-Heller überhaupt Thelemit gewesen ist. Die meisten FRA-Mitglieder, die
Lamparter kennt, sind keine Thelemiten
und haben nur eine verzerrte Vorstellung von Crowley und seiner Sexualmagie. In der FRA wird ja eine
Sexualmagie ohne Ejakulation betrieben. Krumm-Heller hat ausserdem Crowleys Lieblingsbeschäftigungen "Alcohol, tabaco,
drogas" abgelehnt.[397] * Was Krumm sicher auch gestört hat, ist Crowleys Neigung, Dämonen in seine magischen Beschwörungen
einzubeziehen. Für Krumm ist sowas schwarze Magie und es gilt ja: "Debemos
combatir la magia negra."[398] *
Es erfolgt die
Bewilligung von Rios, die QBLH-Mitglieder
mit den FRA-Kursen auszustatten und neue FRA-Mitglieder zu akzeptieren. Obwohl
sich weder Parsival noch Metzger bei Rios gemeldet haben, will dieser nun die Arbeit der FRA in
Spanien wieder aufnehmen.
Am 27.3. erhält
Lamparter eine Logencharta für die Aula
Lucis Thelema in Sevilla.
Am 19. April wird
Rios via Lamparter nun Mitglied von Webbs QBLH und erhält die thelemitischen IX°- und
XI°-Lehren. Am 11. Mai werden die Mitglieder der Aula Lucis in
Tarrassa/Barcelona Mitglieder der QBLH und nennen sich Loge Keph-Ra von
Cataluña. Am 21. Mai schreibt Rios alias O.E.U. an Webb.
Am 24. Juni erkrankt
Rios, gesundet wieder, um am 21.
September erneut zu erkranken. Er stirbt am 26.6.80. Ein Schwiegersohn von
Rios verbrennt viel FRA-Material, da er
selber Anthroposoph ist. Die spanischen FRA-Logen suchen nun Anschluss an eine
OTO-Loge, um mehr thelemitische Magie zu lernen. -- Eine bislang nicht näher
aufschlüsselbare alternative Version der FRA-Historie Spaniens spricht von
Unstimmigkeiten unter Rios' Anhängern
nach dessen Tod, da Rios zwei Schüler
favorisiert habe.[399] * Einer davon ist sicherlich Lamparter, der andere könnte (der gleich erwähnte) Narcis Pell
Alimany sein.
Am 20.8. 1980 stellt
Lamparter astralen Kontakt mit Racotzi (dem Adyar-theosophischen, unsichtbaren Meister der
FRA) her, der die Verbindung mit Webbs Orden bejaht, solange bis es einen OTO-Zweig und
gnostische Bischöfe in Spanien gäbe. Von nun an sieht sich Lamparter als spanischer Leiter der FRA.
Lamparter erteilt Narcis Pell Alimany (Priester unter Rios) am 20.9.80 eine FRA-Charta. Es entsteht die Aula
Lucis Helios in Barcelona. Pell stellt daraufhin Kontakte mit den
südamerikanischen FRA-Logen her - die Adressen finden sich leicht in Buchelis Astrologischem Kalender. So schreibt er 1981 von Torelló/Cataluña
aus an Gábriel Sánchez Gaviria in
Kolumbien und zeichnet als IX°, X° OTO und 40° Ordo RosaCruz Veritas. 1982 wird
Pell Mitglied eines Orden Renovada del Temple und versucht sich als
"Sovereign Grand Worldwide Commandry for the Spanish speaking
people." Sánchez wird
"Sovereign Commander for Colombia" und zusammen mit A. Sanguino
"Primer Vigilante" der Souveränen Weltweiten Kommandatur. Als Pell
aber plötzlich auch noch Superieur Inconnu "wird," stellt er
seine Korrespondenzen selber ein. Was davon alles Selbstinszenierung aufgrund
der Konkurrenz mit Lamparter ist, bleibt
unbeantwortet.
Aufgrund von
Differenzen[400] * übernimmt Lamparter 1982 die alleinige spanische Führung von QBLH, FRA
und OTO, muss sich nun jedoch einiges FRA-Material aus Südamerika (wiederum von
Sánchez aus Kolumbien und Aristides
Sanguino aus Santa Cruz de la Sierra in Bolivien) neu beschaffen, da Pell seine
Unterlagen nicht herausgibt.
Lamparter ist ab 1.1.82 OHO des OTOA und nennt sich ausserdem
Frater Senior von Webbs Ordo Argenteum
Astrum. Von diesem Moment an steht die spanische FRA unter der Ägide des
dortigen OTOA. Lamparter meint, dass dies
nun endlich ein OTO-Zweig sei, wie ihn Racotzi gewünscht habe. Der Kontakt mit Webb schläft alsobald ein, obschon sich Lamparter immer noch als Seniorchef von dessen QBLH und AA in
Spanien sieht. Von nun an sieht sich Lamparter auch als X° von Krumms OTO.
Am 25.12.1982 wird er
durch das von Michael Bertiaux
geschickte, amerikanische gnostische Bischofsehepaar Rosa und David Miller, die eine Unmenge apostolischer Sukzessionen auf sich
vereinen, in Sevilla zum Bischof ernannt. Dies regt viele FRA-Mitglieder auf,
da ja eine Frau niemals gnostisch wirken kann {siehe entspr. Kapitel am Schluss
dieser Studie}.
1985 kontaktiert
Lamparter erneut den astralen Meister
Racotzi, der ihm nahelegt, die Aula in
Sevilla zu schliessen und das FRA-Material zu publizieren. Racotzi sagt ihm den nahen Tod von McMurtry, Motta und
Metzger voraus. Metzger selber und seine Repräsentantin in Venezuela, Frau Ana
Delia Gonzáles, haben nie auf Lamparters Briefe reagiert. "I do not think Metzger is the Head of the F.R.A."[401] *
Lamparter wird am 3.8.1986 von Roberto Toca bestätigt (diese Charta schliesst Memphis-Misraïm,
Martinismus und Illuminatismus gleich ein) und wird "Hierofante
Iniciador y Patriarca de la Iglesia Gnóstica Latina (Ecclesia Gnóstica Spiritualis)
y O.H.O. de la Serenísima Gran Logia Española de la Ordo Templi Orientis -
Tradición Maestro Huiracocha." Er
tauscht mit Ramírez Ciefuentes Papiere
aus, ohne ihn jedoch ernst zu nehmen, da dieser Thelema ablehnt.
In der Zwischenzeit
haben sich die spanischen FRA-Logen aufgelöst, da die meisten Mitglieder sich
anderen okkulten Organisationen angeschlossen haben. So wie Francis King die Crowley-OTO-Rituale und Israel Regardie die Golden Dawn-Rituale,[402] * veröffentlicht Lamparter nun 1987 mit dem Impressum "C[opyright]:
O.T.O.A." das FRA-Material, das er besitzt, da er diese Organisation
generell als überholt ansieht. Dadurch entsteht Unruhe vor allem in Peru[403] * und Venezuela. Andere FRA-Logen lassen sich aber
dadurch nicht beirren, da Lamparter erstens kaum originales Krumm-Heller-Material
publiziert habe (Duval Ernâni de Paula
aus Rio de Janeiro erkennt darin zum Teil sogar seine eigenen Schriften),[404] * und zweitens Lamparters Meinung, die FRA sei überholt, noch lange nicht
bedeute, dass sie es auch tatsächlich sei.
Lamparter verteidigt sich gegen Pilares Villas Anklageschrift "Liber Veritatis":
"Erstmal war ich nie Mitglied von Kenneth Grants OTO[405] * und er führte auch niemals einen AA-Zweig.[406] * Fraternitas Rosicruciana Antiqua muss korrekt
Spanisch mit Antigua Fraternidad Rosacruz übersetzt werden - so wie Ordo Templi
Orientis Antiqua als Antigua Orden del Templo de Oriente übersetzt wird. Herrn
Pilares Villa ist akademisches
Spanisch fremd, sein "Liber Veritatis" ist in der Sprache des
südamerikanischen Pöbels geschrieben. Ich erhielt nie Geld für meine Publikationen.
Als Ciefuentes von Kolumbien mich als erste FRA-Gruppe kontaktierte, gab ich
ihm das Copyright.[407] * Pilares Villa ist ein beschränktes Mitglied des
"Caliphats" mit einer alt-äonischen Ansicht[408] * über Okkultismus."[409] *
Ende 1989 macht sich
Jorge Cruz Toquica von Kolumbien auf und
will unangemeldet bei Lamparter in
Sevilla vorstellig werden. Er "was disturbing my sister and wife when I
was in Madrid for a medical congress. He came to Sevilla without a previous
introduction and he insisted firstly on my younger sister... and then on my
wife in order to see me. I do not understand this way of behaviour of these
Southamerican 'Initiates'."[410] *
Im inneren Zirkel um
Lamparter agieren 1990: seine Frau, Jose
Castro (Tau Felicisimus), Ramon Vazques (Tau Armenius), Pedro Perez (Tau
Aureolus)[411] * und Luis Asensio (Tau Atanasius). Sie arbeiten u.a.
nach den Ritualen, die der Yugoslave Julijan Naskov geschrieben hat (LAM Working und G.R.A.I.L.)[412] * Insgesamt arbeitet Lamparter mit 11 Bischöfen. Er hat die vorliegende Studie
grosszügig mit Informationen und Material unterstützt.
Italien und Frankreich[413] *
Italien
Am 11.5.82 hängt sich
Nevio Viola an Lamparter. Nun kommen imaginäre Illuminaten- und gnostische
Titel ins Spiel {siehe auch die Dokumente im OTOA-Reader und am Schluss des
vorliegenden Bandes}.
7.6.1982: Lamparter anerkennt Viola als I°, X°, XVI° des OTOA von Italien.[414] * In diesem Jahr knüpft Lamparter Beziehungen mit W.W. Webb, Grant und
Zivorad Mihajlovic Slavinski in
Jugoslavien.
16.8.1985: Paolo
Fogagnolo (geb. 1959) erhält von
Lamparter die Erlaubnis, OTOA-Logen zu
gründen. Fogagnolos Schwenk von der Roten
Brigade (Gruppe "Lo Muscio") zum Okkultismus ist 1981-82 im
Gefängnis während eines Hungerstreiks passiert. Um seine hohen Anwaltskosten
aufzubringen, verscheuert Fogagnolo nun Chartas und dubioses Rosenkreuzermaterial zu
immensen Kosten.[415] *
Am 21.3.88 werden
gnostische Titel von Viola an Lamparter übertragen. Undatiert geht von Viola auch ein X°-Titel [!] nach Spanien. Viola und Giuseppe Jerace korrespondieren mit Rubén Pilars Villa in Peru.
6.5.1989: der
Kolumbianer Ramírez Ciefuentes ernennt
Fogagnolo zum Repräsentanten und
Grossmeister der FRA in Italien. Zwei undatierte Schreiben von Viola machen Ramírez zum IX° und Vertreter des OTOA.
Ramírez C. macht Fogagnolo zum italienischen Patriarch der Krumm-Hellerschen
Kirche [dabei ist Ramírez Ciefuentes
höchstens Diakon].
Am 1.11.89 gründet
Lotario Roberto Negrini di Chiaravallo
(Patriarca Italico Luciferiano) seine anti-katholische "Akkademia
Pan-Sophica Alpha Draconis."[416] *
Ramírez Ciefuentes erteilt Fogagnolo die drei untersten FRA-Grade und macht ihn postalisch
zum Bischof. Fogagnolo ernennt Ramírez dafür am 21.3.90 zum 90° und 95°.
Im Frühjahr 1991
datiert Lamparter eine FRA-Charta zurück
auf den 28.6.1989 und macht Fogagnolo damit zum 33°, 90°, 96° (wobei Lamparter selber die MM-Grade 90° und 95° erst im Herbst 1991
erhält!). Fogagnolo ist überrascht, als
er mitkriegt, dass Duval Ernâni
veranlasst, alle Ramírez-Chartas zu
annullieren, da er selber schon gegen Bares weitere Chartas ausgestellt hat. Er
schreibt vergeblich nach Rio de Janeiro und schickt für die vorliegende Studie
Photokopien seiner Einweihungspapiere in die Schweiz, um den Herausgeber gnädig
und Charta-ausstellend zu stimmen. Ebenfalls vergeblich.
Der eh schon physisch
angeschlagene Viola stirbt angeblich im
April 1993. Negrini übernimmt sein Erbe,
obwohl Lamparter "never accepted
Negrini in the OTOA."[417] * Negrini
reklamiert nun folgerichtig seine Unabhängigkeit von Bertiaux.
Stand
1994 nach Massimo Introvigne
"Es gibt nur
wenig Neues vom italienischen OTO. Das Gerücht, Viola sei 1993 gestorben, ist immer noch ein Gerücht und
weder Fogagnolo noch andere
konnten es mir bestätigen. Negrini tritt immer noch in Fernsehtalkshows auf. Fogagnolo teilt seine Zeit zwischen der Politik und der
Gnostischen Kirche. Armand Toussaint [der Église
Rosicrucienne Apostolique; Sukzession Ambelain, Deschamps] starb und Kotzamanlis verwandelt nun
Toussaints Gnostische Kirche in
eine "reguläre" Kirche mit "storefront" Kirchen und
Unterstützung des World Council of Churches durch einige Protestanten (und
anti-Orthodoxe) Amerikanische Missionen. Obwohl Fogagnolo Mitglied dieser Jurisdiktion ist, bezweifle ich, dass
dieses Projekt in Italien Fuss fassen kann. Zusätzlich konnte Fogagnolo Kontakt mit der ORION-Gruppe herstellen, einer der
grössten Milaneser Gruppen und von der Presse als "Nazi-Maoisten"
beschrieben, während sie sich selbst "National-Revolutionäre"
nennen. Man bewundert Hitler und Stalin gleichermassen enthusiastisch und die
meisten Mitglieder rekrutieren sich aus der rechten Ecke (im Gegensatz zu
Fogagnolo).[418] * Fogagnolo spricht bei ORION über verschiedene Dinge, u.a. über
die Befreiungstheologie (er war in Zentralamerika diesen Sommer) und Gnostizismus."[419] *
Frankreich
Der
"Caliphats"-Logenleiter Christian Bouchet wird infolge seiner rechtsorientierten politischen
Beschäftigungen aus dem "Caliphat" verstossen. Weiterer Grund ist,
Bouchet habe Kopien der Crowley-OTO-Initiationsrituale an seine Mitglieder verteilt.
Bouchet erhält nun, wie Fogagnolo, zwei zurückdatierte Chartas von Lamparter (Krumms OTO und Webbs AA), was zu folgender Proklamation führt. Das
"Caliphat" "se trouve depuis plus de 10 ans dans les mains de
responsables successifs plus soucieux de satisfaire leur ego (et vraisamblement
aussi leur portefeuille...) que de construire un Ordre Thélèmite... La mesquinerie,
l'incohérence et l'inaction ... nous a entrainé à rompre tous nos rapports
structurels avec celui-ci. Par contre une charte vient d'être accordée à quelques
frères pour créer une Grande Loge Françaises de l'OTO dans la filiation Reuss/Krumm-Heller."
Anfang der 90er Jahre
doktoriert Bouchet als Historiker über
Aleister Crowley. Der Tenor seines Arbeit
ist offensichtlich, da er "Konig" als "sous-homme
plein de ressentiment" gegen "Notre Père Aleister Crowley" tituliert.[420] * P.R. König, als europäischer Repräsentant von Webbs AA, Bertiaux OTOA und nicht nur Lamparters FRA/OTO, annulliert daraufhin Bouchets Chartas[421] * - dies als Versuch, einmal aktiv im ethnologischen
Untergrund zu wirken, zumal Bouchet ausserdem auch noch politisch rechtsorientiert
auftritt.
Bouchets Freund Rémi Boyer versucht nun vergeblich, vom Herausgeber des
"OTO-Phänomens" FRA-Titel zu erlangen, da die Chartas des Gabriel
Ramírez aus Kolumbien seit deren
Anullierung durch Duval Ernâni de Paula
ja Nonsens geworden sind. "Je considère nécessaire le développement de
cette structure traditionnelle pour proposer aux chercheurs une alternative
aux multinationales rosicruciennes. Il me semble important que la F.R.A. soit
implantée solidement dans plusieurs pays d'Europe, beaucoup de personnes n'ont
pas d'autres possibilités que l'AMORC ou l'association rosicrucienne de Max Heindel, cette dernière étant la plus intéressante."[422] *
Jetzt möchte man mit
dem adligen Franzosen Jean-Pierre Giudicelli de Cressac Bachelerie mit einem Schreiben nach Rio an eine
FRA-Charta herankommen. Giudicelli (OTO-Phänomen, 257) tritt seit vielen Jahren
als Rosenkreuzer auf der Bühne seiner verschiedenen Schlösschen auf. Duval
Ernâni aber: "We were not
impressed!"
Rosen in Österreich
"1) Im Jahre 1937 hat mein Vater, Eduard MUNNINGER, DIE BURG KRÄ(E)MPELSTEIN von den Besitzern der Burg
Vichtenstein, im gleichen Bezirk gelegen, von den Grafen PACHTA[-Rayhofen] MIT VORKAUFSRECHT GEMIETET/GEPACHTET.
2) IM JAHRE 1938/39 GING DIESE BURG (unter Umgehung
der Vorkaufsklausel) an die neuen Besitzer des Schlosses Vichtenstein, [Dipl-Ing. Klaus] SCHULZ-WULKOW, EINE (ADELIGE?) FAMILIE, stammend aus PODELZIG/ODER
PREUSSEN, IN BESITZ UND EIGENTUM
ÜBER. MEIN VATER blieb in diesem Objekt in der Folge als Mieter/Pächter.
3) Auf Grund seiner Initiative entstand dort eine
Pension- und Künstlerherberge.
4) Ausgebaut wurde diese Burg Krämpelstein, die ja im
Jahr 1937 noch eine fast UNBEWOHNBARE RUINE war, u.a. auch mit Hilfe seines
Freundes, Dr. JOHANNES VOGT (einer der Erfinder des Tonfilms) 1938-1942
AUSGEBAUT UND BEWOHNBAR gemacht.
5) Aus dubiosen Gründen u.a. politisch verfolgt - auch
seine religionswissenschaftlichen Arbeiten und Aktivitäten spielten hier
hinein - begann Eduard Munninger 1947/48 den wirtschaftlichen Pensionsbetrieb an
diesem Ort weiterzuführen (immer nur April-Sept/Oktober -- es gab keinen
elektrischen Strom, die Winter mit Schnee gestalteten die Zufahrt widrig, wenn
nicht sogar unmöglich)... Auch ländliche Postboten kämpften sich durch
Schneewächten."[423] *
Eduard Munninger/'Medardus' schreibt am 8. Mai 1951 von seiner
Postadresse aus, der rosenkreuzerisch angeblich traditionsreichen Burg
Krämpelstein[424] * (seiner "Mater Ariopa" in Niederösterreich,
unmittelbar donauabwärts von Passau), nach Quakertown an Reuben Swinburne
Clymer: "Inzwischen [2 Jahre
nach Krumm-Hellers Tod?] ist die Verbindung mit dem erl. Bruder Hierarchen
Dr. Krumm-Heller sehr rege geworden[425] * und ich hatte das Glück das unumschränkte Vertrauen
und die Zuneigung des Hierarchen zu erhalten, so dass er mich in Österreich zu
seinem Successor bestellte. Inzwischen erfolgte der Heimgang des teuren
Bruders Krumm-Heller." Da die
Nachkriegsnot "gar gross ist," fragt er nach alten Kleidern. -
Wahrscheinlich hat Clymer nie auf
Munningers Anschlussbestrebungen
reagiert, so dass dieser sich nun dem AMORC (von Clymer und Krumm-Heller gleichermassen abgelehnt) zuwendet.[426] *
Auf Anraten Martin
Erlers (Grossmeister des damaligem AMORC von 1949-54) nimmt Munningers Ordens-Kompilation "Fraternitas Rosa Crucis
Austriae" den Begriff AAORRAC (Antiquus Arcanus Ordo Rosae Rubeae Aureae Crucis) an.[427] * Der Begriff AAORRAC taucht schon 1921 im Zusammenhang mit Krumm-Heller
und Theodor Reuss auf und wird von
Spencer Lewis als vollständiger Name des
AMORC bezeichnet: "The Rosenkreutz
Order [Pansophia] in Germany was (and is) a branch of the
A.A.O.R.R.A.C."[428] * "The only North American section of the
A'.'A'.'O'.'R'.'R'.'A'.'C'.'... is that known in the Western world as
A.'.M.'.O.'.R.'.C.'."[429] * Der Kritiker des AMORC, R.S. Clymer, der in mehreren dicken Wälzern Lewis' Behauptungen entweder als plumpe Fälschungen oder
Dichtungen enthüllt, dazu: Lewis hatte "another vision -- dreamed another
dream - and it became the Antiqua Arcanae Ordinis Rosae Rubeae et Aureae
Crucis» of France."[430] * Somit dürfte wohl Munningers AAORRAC endgültig in Clymers Missgunst geraten sein.
Martin Erler weiss überhaupt Genaueres: Munningers Orden sei eine völlige Neugründung und dem AMORC, damals unter Erler, angeschlossen gewesen. Fünf bis sechs Mitglieder[431] * hätten ihre Riten nächtlicherweise auf Waldlichtungen
nackt um Feuer abgehalten und mit der FRA hätte das gar nichts zu tun gehabt.[432] * Erler, inzwischen
in der ORA aktiv,[433] * erinnert sich bei Munningers Orden an eine "Mischung aus Chaos und
fantasievollen Ritterkostümen" und sieht Munninger selber in "menschlicher Gutmütigkeit und
esoterischer Phantasie."[434] * Munninger setzt sich zwar heftig für "den Nachweis der
historischen Succession" ein,[435] * es sind aber bislang keine entsprechenden Unterlagen
aufgetaucht. Vorzugsweise werden der "raumgebundene Name
PANSOPHIA," Franz Hartmann, Walter Heilmann, Friedrich Lienhard, Anna Sprengel, Max Heindel und Dr. Krumm-Heller unverbindlich genannt.[436] *
Ähnlich wie bei
Metzger, wo sich die Führung
verschiedener Organisationen in Personalunion vereint, führt Munninger nun in seiner Sammelgesellschaft AAORRAC mit seinen wenigen Mitgliedern den "Aeropag
Europäischer Kulturring der Ritterorden," den "Souveränen Orden der
Tempelritter von Jerusalem," den "Ordre Maçonnique Martiniste
Austria" und eine "Pansophische Weltförderation P.W.F." zusammen[437] * - resp. sieht den AAORRAC als deren Heim-und Pflegestätte mit vier Einweihungsstufen.[438] * Es ist bislang nicht bekannt geworden, dass Munninger auch tatsächlich die FRA reklamiert hätte. Die
Ordenszeitschrift nennt sich "Die Burg," in Anlehnung an die
Postadresse "Burg Krämpelstein."[439] *
Die Idee von "Pansophisch-Gnostischen
Riten" lebt nach Tränkers Tod 1956 bei Walter Studinski (ehemals Mitglied der Fraternitas Saturni, nachher langjähriger Freund Tränkers), einem Ulrich Huter (Astr. Kalender und Franz Bardon-Amulette),[440] * und nun auch bei Munninger weiter.[441] * In der Oriflamme 302 vom April 1963 tut Metzger demzufolge den AAORRAC und im gleichen Aufwisch grad auch noch das Lectorium
Rosicrucianum als "falsche Orden" ab, was aber sicherlich
auch damit zu tun hat, dass diese beiden Organisationen fleissig werben und
somit auch hohe Mitgliederzahlen aufweisen können.[442] * Ebenso werden Rundschreiben gegen Grosche, die Pansophia und auch Studinski verschickt. - Ulrich Huter publiziert mit der Hilfe von Studinski[443] * ein bisschen Tränker-Material und verkauft im März 1988 sexualmagische
Schriften des einstigen Fraternitas Saturni-Grossmeisters Guido Wolther/'Daniel',[444] * den angeblichen Altar Eugen Grosches[445] * und zeichnet seine Briefe mit dem Grossmeistersiegel
der FS. Letzteres schafft Unmut beim Wiener Zweig der FS.[446] *
-+-
"7) Eduard MUNNINGER führte seinen Gastbetrieb seit Anfang der
Fünfziger-Jahre in der "Haupt-Vor-und Nachsaison" hauptsächlich als
Ausflugslokal und Weinstube bis zum OKTOBER 1964.
8) 1961-1964 führte mein Vater einen Prozess gegen den
Axel-Springer-Verlag, gegen die BILD-Zeitung. Der Verlauf erregte damals
ziemlich viel Aufsehen. Anklagepunkte seitens meines Vaters waren
unqualifizierte, auf ziemlich unterer Stufe produzierte gegen meinen Vater in
Boulevard-Manier vorgebrachte Angriffe, wobei auch die damals bereits
bestehende (österr.) KRONENZEITUNG einen Schulterschluss mit der damals
"wichtigen" österreichischen Medienszenerie tätigte, und in der
BILD-ZEITUNG einen kongenialen Partner fand. DIE BILD-ZEITUNG WURDE IN EINEM
MONSTERPROZESS (Gesamtdauer an einem Tag: Fast 12 Stunden!) IM HERBST 1964 ZU
EINER GELDSTRAFE VERURTEILT. Der Anwalt meines Vaters legte wegen zu geringer
Höhe Berufung ein. Die Berufungsverhandlung wurde für das Frühjahr 1965
angesetzt. Meine Mutter sollte als Hauptzeugin auch noch einvernommen werden.
Dies hätte den ganzen "langwierigen Prozess" schliesslich positiv
beendet. [1964 verwendet der Hierarch
'Medardus' seinen AAORRAC als Podium, um
eine "Geistige Kultur-Union" zu gründen. Die "Ausstrahlungen
des AAORRAC... unvorstellbaren
Ausmasses"[447] * finden jedoch keine Rezipienten, das Unternehmen
scheitert und geht mit Munningers Tod unter.][448] *
9) AM 12. FEBRUAR [1965] STARB MEIN VATER JEDOCH UM 10H VORMITTAGS an einem
Herzinfarkt (64 Jahre alt)...
10) Ich studierte damals zu diesem Zeitpunkt gerade
"JUS" (Rechtswissenschaft) an der Universität Wien. Ich führte bis
1968 noch den Orden (AAORRAC) weiter... In der Folge habe ich mich - nach meiner
Ausbildung als Grundschullehrer - politisch und kulturell in unserer näheren
Region betätigt. Z.B. Gründung einer eigenen, unabhängigen Gemeindepartei in
Esternberg (UFW = Unabhängige Freie Wählergemeinschaft), mit der wir auf
Anhieb fast 8% der Wählerstimmen erhielten - weiters Gründung eines
Kulturvereins ("KUNST UND KULTUR AUF KRÄMPELSTEIN") -
1972-1981."[449] *
Neugründung
Nach Munningers Tod unternimmt Albert Babor/'Albus', die Neugründung des AAORRAC (angeblich in Verbindung mit Eduard Korbel Junior, der
einen von Metzger unabhängigen Illuminaten-Orden
in Wien führt). - Dies hat jedoch nichts mit der Burg Krämpelstein zu tun, in
die Unbekannte zwischenzeitlich mehrmals einbrechen.
1981 wird die Burg
Krämpelstein vom Innviertler "Motorradclub Kopfing," geleitet vom
Gendarmerie-Hauptmann August Weidenholzer aus Schärding und Altbischof Zauner,
gemietet. 15 Familien [?!] richten sich in der kleinen Burg gemütlich ein. Man
hält dort "Feste" und private Schiessübungen ab. Aber in der Nacht
zum 20. Oktober 1984 brennt angeblich infolge eines Baufehlers die Burg bis
fast auf die Grundmauern nieder.[450] * "Der 'TURM' der Gebäudeanlage brannte damals
VOLLSTÄNDIG AUS, Teile des Wohngebäudes - des 'Palas' - blieben erhalten. Eine
ins Leben gerufene 'Baustein-Aktion' - auch mit Hilfe des Landes OÖ. [und
des Denkmalamtes] - ermöglichte den Neuaufbau, bzw. eine
Teilrenovierung."[451] * Sie gehört immer noch dem Sohn des Fürsten von
Vichtenstein,[452] * der sie jedoch nicht bewohnt. Nach wie vor gibt es
keinen elektrischen Strom auf der Burg.
Der neue "irreguläre"
AAORRAC wird wieder aktiv.
Nach dem Tod Babors 1984 übernimmt das Mitglied der AMORC-Städtegruppe in Wien,[453] * Karl Plank/'Augustinus'[454] * die Führung dieses neuen AAORRAC. Material wird anfänglich noch von Thomas Munninger bezogen, der sich jedoch bald von Plank distanziert. Martin Erler von der ORA verweigert Plank ebenso jegliche Unterstützung.[455] * Plank kommt ins
Gerede, als er (wie von AMORC-Mitgliedern
mitgeteilt wird) sich zu sehr für die Ordenskasse interessiert. "Herr
Plank hat auch Ritualgegenstände
der Städtegruppe Wien und die Lehrbriefe des A.M.O.R.C. behalten, ohne aber
ein Recht dazu zu haben. Dieser Vorgang ist gerichtlich in Wien
dokumentiert."[456] *
Plank soll angeblich Verbindung mit Walter Englerts IO/OTO in Frankfurt haben,[457] * wird jedoch nicht von allen als Munningers Sukzessor angesehen, da Munningers Sohn, Thomas Munninger in Esternberg, den AAORRAC geerbt habe. Es ist Planks Organisation, die in verschiedenen esoterischen
Zeitschriften mit einer Wiener Adresse und einer Adresse in Klosterneuburg
(Nähe Wien)[458] * inseriert.[459] * "Der ewig junge Orden vom Rosenkreuz,"
heisst es da vielversprechend, "verbreitet Mystik und Pansophie"[460] * und unterweise "Neophyten in allen Sparten
der Esoterik," denn "Wunderdinge erzählt man sich über die
Adepten des Stammordens der Rosenkreuzer von Burg Krämpelstein."[461] *
Interessenten werden
auf Heinrich Tränkers nichtssagenden
"Mystischen Glockenschlag" (Hrsg. Walter Studinski, Verlag Ulrich Huter) und auf Rudolf Passians "Licht und Schatten" (München 1991)
verwiesen. Letzteres ist kein Wunder, ist es doch das einzige Buch, das
behauptet, der AAORRAC sei "historisch
noch am glaubwürdigsten fundiert." Passian glaubt jedoch auch, dass der Beatle Paul McCartney vom
Teufel beeinflusst sei, da dieser bei der Doktorverleihung eine scharlachrote
Robe und schwarze Handschuhe getragen habe. So trägt Passian auch munter die Fama weiter, die Originalschriften
der berühmten Anna Sprengel, die ja die
Initiantin des Golden Dawn gewesen sei, befänden sich auf der Burg und beim
AAORRAC.[462] * Der Besitzer und Bewohner der Burg weiss aber davon
nichts.[463] *
Wie bei so vielen
Neugründungen, die eine unsichere historische Tradition aufweisen, hofft der
Führer, dass das Interesse der Suchenden "nicht so sehr den äusseren
Formen, als vielmehr der inneren Arbeit gilt,"[464] * und deutet seine Loge dafür als "allumfassende
Nuit."[465] *
Ebenso wie im Hause
Metzger, im "Caliphat" und den
meisten hier genannten Geheimorganisationen hält man sich kritischen und
historischen Studien gegenüber bedeckt und verweist auf "die moralische
Verwerflichkeit" der Autoren (was vor allem aus dem Mund eines Crowleyaners sehr lustig klingt).[466] *
Mehr in Roses in Austria
Deutschland
Herbert Karl Wilhelm
Fritsche/'Basilius', geb. 14.6.1911 in
Berlin (dem ehemaligen Rixdorf, heute Neuköln; der Vater ist Büroangestellter
bei Telefunken), studiert hier zuerst Psychologie, sattelt nach dem ersten
Semester zur Biologie und Paläontologie um, dann Ausbildung in Psychotherapie
mit Lehranalyse, und promoviert über ein zoologisches Thema ("Beiträge
zur Oekologie der Land-Isopoden Gross-Berlins," d.h. Kellerasseln). Nach
seiner Promotion, magna cum laude, gibt er kurz vor seiner Habilitation
(begonnene Habilitationsschrift über die Oberaugenbrauenwülste) diesen Beruf
auf und ist in der chemisch-pharmazeutischen Industrie tätig. Er gibt die Zeitschrift
"Die Säule" heraus. Fritsche tritt der Deutschen Gesellschaft für
Wissenschaftlichen Okkultismus bei und ist deren Schriftleiter im Richard
Hummel-Verlag und Journalist für den "Berliner Lokalanzeiger." Zu
dieser Zeit wird er Lebensreformer (Vegetarier und Alkoholgegner etc.), ferner
Anthroposoph und Mitglied von deren Christengemeinschaft (Pfr. Friedrich
Rittelmeyer).[467] * Der Verleger Stomps publiziert trotz
nationalsozialistischer Anfeindungen ab 1932 sieben Werke Fritsches, einige müssen aber 1933-36 in der Tschechoslowakei
und Österreich erscheinen. Seine Gesundheit ist angeschlagen, vielleicht
plagt ihn die von ihm benannte "Okkultistenkrankheit": "Wer
sich einer esoterischen Schulung unterzieht und dabei auf Irrwege gerät,
beginnt an Spasmen des Magen-Darmkanals zu leiden."[468] * Dazu gesellen sich schwere Angstneurosen.[469] * Bis 1939 lebt Fritsche bei den Eltern. Vom Dezember 1940 bis Mitte Juni
1941 ist er als Patient und Assistent in Bad Pyrmont {siehe unten}. Am 13. Juni
1941 wird er in Schutzhaft genommen: ihm wird Schreibverbot erteilt und seine
Bücher werden vernichtet. Nach seiner Freilassung wird Fritsche wieder in Pyrmont als Protagonist der Homöopathie tätig. 1948 trennt er sich von der Fastenklinik[470] * und gibt die okkulte Zeitschrift "Merlin"
im Axel Springer-Verlag heraus. Gelegenheit auch für Friedrich Lekve, von Aleister Crowley zu schwärmen.[471] * (Bald wird Lekve Thelema mit einer Sonderform jüdischen Fundamentalismus'
verschmelzen: dem Chassidismus). Merkmal von Fritsches Zeitschrift ist, dass die Hälfte ihrer Autoren
Verstorbene sind.
Um diese Zeit fristet
Fritsche eine "Mansarden-Existenz
mit Frau und zwei (adoptierten) Töchtern am Stadtrand von Pyrmont."[472] * 1949-1960 ist er Mitarbeiter bei der Zeitschrift
"Naturheilpraxis." 1953 Geburt der Tochter Sulamith und Übersiedlung
nach Stuttgart, ab 1958 allein in München. Von 1958-1960 lehrt Fritsche Homöopathie an
der dortigen Heilpraktikerschule. Seine Bücher widmen sich den verschiedensten
Bereichen der Literatur: sieben davon Lyrik, eines Novellen, eines
Anthropologie, sechs okkult-esoterisch und vier medizinisch - sie setzen sich "sehr
schlecht ab."[473] *
-+-
Otto Buchinger (senior) (16.2.1878-16.4.1966), ehemals an der
Theosophie interessiert, Quäker (jedoch 1957 zur Römisch-Katholischen Kirche
übertretend), wie Krumm-Heller Oberstabsarzt,[474] * fasst schon 1917 den Plan eines Lebensreform-Sanatoriums,
was zuerst 1920 in kleinerem Kreise in Witzenhausen, aber 1936 dann (in der
Blüte der Hitlerzeit kommt es auch zur Anklage gegen Buchinger wegen "standeswidrigen Benehmens") in
Bad Pyrmont realisiert wird.[475] * Hier steigen ab: Zarah Leander, Grethe Weiser, Eugen
Diederichs, Hilde Körber, Felix Graf Luckner, Ludwig Erhard u.v.a.
Hier liegt man auf
duftig-frischen Strohsäcken, sitzt auf derben Holzstühlen und geht früh zu
Bett, um Franz von Assisi zu lesen. Das Heilfasten dauert zwei bis drei Wochen.
Es gibt nur Tee, Gemüse- und Obstsäfte. Ausgiebige Bewegung an der frischen
Luft, Gymnastik und Sport ergänzen die Therapie. Dazu kommen Vorträge über
gesunde Ernährung und naturgemässe Lebensweise. Nach dem Fastenbrechen wird der
Körper in fünf Tagen wieder an das Essen gewöhnt.[476] *
Otto Buchinger sen. erinnert sich an Berlin 1940: "Unser
wichtigstes Berliner Anliegen aber war, den chronisch erkrankten, durch seine
damals erschienenen Werke mir nahestehenden Dr. Herbert Fritsche aus der bombengefährdeten Grossstadt in das
verhältnismässig sichere Bad Pyrmont zu verbringen... Am 21. Dezember [1940] ging es[477] * dann im übervollen Eisenbahnzug inmitten nervöser
Menschen nach Hause... Schon die Weihnachtstage 1940 und die fein besinnlichen
Nachweihnachtstage gaben willkommenen Anlass zu teils tiefgehenden, teils amüsanten
Gesprächen mit Herbert Fritsche, dem neuen Gast, Patienten und werdenden Mitarbeiter...
Im Mai 1942 begann Herbert Fritsche bei uns seinen 'Hahnemann'[478] * niederzuschreiben...[479] * Im August kamen zwei besonders interessante Menschen
zu uns nach Bad Pyrmont: Professor Tarachand Roy, der Hindugelehrte, der uns auch einen
eindrucksvollen Vortrag hielt, sowie der mexikanische Oberst und forschende Metaphysiker
Dr. Krumm-Heller, der abenteuerlichste, rätselhafteste und schicksalsreichste
Mensch, den ich je kennenlernte. Krumm-Heller war auch Arzt."[480] * Es ist kaum anzunehmen, dass Otto Buchinger um Krumm-Hellers oder Fritsches besondere Weltanschauung gewusst hat. Der Sohn, Otto
Buchinger (junior): "Ich (geb.
März 1913) traf Krumm=Heller leider nicht, da ich kurz zuvor nach meinem Genesungsurlaub
wieder - Militärarzt! - an die nordafrikanische Kriegsfront zurückgekehrt war.
Bereits vor Beginn des Krieges bildete sich eine enge Freundschaft zwischen Dr.
phil. nat. (Zoologie) Herbert Fritsche... und meinem Vater... Da mein (gest.) Bruder in den
U.S.A. lebte u. ich im Felde stand, war Fritsche wie ein Sohn meines Vaters, Freund u. lebhaft
antinazistischer Gesprächspartner."[481] *
Tarachand Roy warnt Fritsche 1942 vor Krumm-Heller und nennt ihn einen "undurchsichtigen
Abenteurer." Es ist natürlich unumgänglich, dass Fritsche Buchingers Gast sofort kennenlernt.[482] * "Innige Güte, absolute Offenheit, strahlender
Humor umhüllten mich sofort," beschreibt Fritsche diese erste Begegnung.[483] * "Nichts von einem Abenteurer oder einer
gefährlichen Kreatur haftete ihm an... Nie habe ich einen Menschen gefunden,
der jeglichem Pharisäismus so siriusfern war wie er. Geltungsbedürfnis,
Adeptenpose in Toga-Umhüllung und irgendwelche Verdeckungs- oder
Beschönigungstechnik waren ihm ganz fremd. Einzig ein gewisser humoriger Wille
zur Selbstherabsetzung, der in vertraulichen Gesprächen die Grade eines
brüderlichen Beichtbedürfnisses sogar mir 35 Jahre Jüngerem gegenüber annehmen
konnte," stellt Fritsche fest. Es fällt jedoch auf, dass sich die beiden
Heilpraktiker nicht vor 1942 kennengelernt haben, wo doch in Deutschland
mehrere ärztliche Kongresse, zum Beispiel 1937 der 12. Internationale Homöopathische Kongress sogar in Berlin, stattgefunden haben.
Krumm-Heller scheint also eher passiv am wissenschaftlichen Geschehen
interessiert zu sein - im Gegensatz zu Fritsche, der äusserst aktiv an der Heilpraktikerszene
teilnimmt.
"Fritsche seinerseits wurde 1947 [?] in Bad Pyrmont (auf einer Parkbank) von Dr.
Arnoldo Krumm-Heller geweiht. F. verkehrte bis zu seinem frühen Tod regelmässig
in Stein (hierüber gibt es Tonaufzeichnungen)."[484] *
Fritsche selber berichtet, dass seine "Vorgesetzten"
im OTO in Stein "schwärzlich zelebrieren."[485] * "Jahrelang zog mich das Dämonische so sehr
an."[486] * Der Nachruf bei H.J. Metzger sieht 'Basilius' als "zelebrierenden
Magus."[487] * "Er gewann Zugang zum Manisola-Sakrament[488] * der Katharer, liess sich in den Ritus und Berufung
der GKK einweihen, unterwarf sich Ordens-Exercitien und pflegte Umgang mit
Priestern aus der Ostkirche und druidischer sowie hermetischer Kulte."[489] * Da sich Fritsche schon 1937 für Peryt Shus eher asketischen Mittelweg zwischen Askese und
Libertinismus ausgesprochen hat {siehe Textbeispiel in III}, dürfte ihm der
kathartische Schwenk zum Libertinismus auf Druck seines Leidensweges leicht gefallen
sein.
Ca. 1948 kommt es zum
Bruch zwischen Otto Buchinger und
Fritsche: "Fritsche geriet in eine Aleister Crowley-Loge [gemeint
ist sein damaliger Kontakt mit Friedrich Lekve - vor Metzger],[490] * Schwarze Magie betrieb er, trank Alkohol, trennte
sich von der Anthroposoph. Christengemeinschaft."[491] *
"Herbert
Fritsche war (wohl damals noch
recht jung) mit der sympathischen, sehr geordneten, etwas peniblen und geistig
- vor allem ihrem Mann gegenüber - unergiebigen Elfriede verheiratet, die sehr
geduldig-gewandt für ihn sorgte und im Büro-Bereiche ausgebildet war. Doch mag
wohl diese Ehe schliesslich für ihn unausgefüllt und unerfüllt geworden sein,
da er lebhaft sich voranentwickelte.
Etwa 1949 kam zu
uns, mit einem namhaften Filmschauspielerehepaar L., auch Frau Uschi W., Gattin
eines Unternehmers aus Hamburg. Diese Hamburger waren von dem sprühenden H.Fr.
fasziniert - und dann Uschi W. und H.Fr. voneinander. Sie wohnten einige Zeit
hier nicht in der Kuranstalt meines Vaters, sondern etwas obskur im Hotel
Hemmerich. Zu der Zeit begann er (der zu starkem Kaffee und Medikamenten von
Suchtwirkung neigte) Alkohol zu trinken, wenig später auch Fleisch zu essen. -
Seine Ehe zerbrach.
Von Fr.'s
"Das Ich und sein Du" in der "Zeit" (Hbg.) beeindruckt,
ergriff eine "Dame" aus Lübeck (geschieden, Kinder) die Initiative
und brachte Fr. dazu, sie zu heiraten. Keine gute, ja dämonifizierte Ehe!
Fritsches zogen nach Stuttgart.
An Gespräche über
Richtungen: An solche Gespräche kann ich mich nicht erinnern, zumal ich weder
damals noch heute im Zusammenhang mit Krumm-Heller und Aleister Crowley von einer spermagnostischen und libertinistischen Richtung weiss. Da
mein Vater strikt gegen solche Tendenzen überhaupt war, wird das auch der Grund
gewesen sein, solche Umstände und Richtungen nicht zu erörtern. Die
Vater-Sohn-Beziehung zwischen O.B. senior und H.Fr. zerbrach wohl auch an der
neuen Entwicklung in Fr.'s Persönlichkeit und Schicksalsgestaltung.
Als mein Vater,
75-jährig und ziemlich schwerhörig, mit meiner jüngeren Schwester und als
(Marine-)Pensionär nach Überlingen 1953 umzog, besuchte ihn H.Fr. gelegentlich.
Mit dem Auto meines Schwagers (dieser fuhr) waren sie auch in der Schweiz. Mein
Vater schilderte mir entsetzt eine Szene, wie gierig Fr. starken Alkohol (den
er sich besorgte) trank. Stets bedauerte mein Vater, bedauern wir noch heute,
den Absturz H.Fr.'s in eine Welt von Dämonen, ein geradezu genialer Mensch, von
Kräften einer unteren Welt gefangen und darin verloren... Ein genialischer
jedoch luziferischer Mensch! im Sinne der zwiespältigen Natur."[492] *
"Der 'geistige Sohn Gustav Meyrink's' hatte es sehr mit
geistlichen Getränken - und von diesen gab's ja in Stein reichlich viele. Hatte
eine böse Frau und, gleich Strindberg, giftete er - frühergreist - gegen Gott
und die Welt... F. war ja der Chef der deutschen Vegetarier - aber selbst -
haha!"[493] * Hier irrt der Zeitzeuge P.R. Audehm. Otto Buchinger jr., der zeitweise zur Spitze eines der beiden nach
1945 neu-organisierten Vegetarierbünde gehört, aber wegen deren "Politik
und Sektiererei" wieder austritt, weiss, dass Fritsche "nie" führendes Mitglied der
Vegetarier gewesen ist.[494] *
Der Kabbalah-Forscher
Gershom Scholem, der die Ideen Aleister
Crowleys als "anspruchsvollen
Schwindel" bezeichnet,[495] * empfindet Fritsches Schwärmereien für Crowley als "eher problematische, aber durchaus
originelle, stark ins Magische schlagende Werke."[496] * Der Gustav Meyrink-Biograph Frans Smit meint, dass Fritsche bedauerlichen Unsinn über seinen angeblichen Lehrer
Meyrink geschrieben habe.[497] *
Im Oktober 1957 wird
Metzger in Stuttgart von Fritsche zum "Bischof" geweiht. Zeugin ist Frau Anita
Borgert. Ist dies die
"Schicksalswende," von der Fritsche in seinem unveröffentlichten Manuskript
"Abenteurer wider Willen" spricht?
Sieben Wochen vor
seinem Tode (zum Frühlingsäquinox 1960) "übergibt" Fritsche in der Nervenklinik, wo er als Patient weilt, sein Amt
als "Patriarch" der GKK an Metzger. Hand in Hand (resp. Hand auf Schulter) überträgt
sich in diesem Fall auch scheinbar die Führerschaft der FRA. Markus Kumer, ehemaliger Vertrauter Metzgers, hat zwar schriftliche Konsekrationspapiere Fritsches für Metzger gesehen, aber keine von Krumm-Heller an Fritsche.[498] * Fritsche ist in Sachen FRA und GKK nie aktiv geworden. Metzger gibt dazu Fritsches "labil estado de salud" als Grund
an.[499] *
"Worauf es
ihm [dem Ketzer] einzig ankommt,
das ist - dasjenige mit Gott, in Gott und als Gott zu werden, was Gott noch
nicht ist oder hat. Der Ketzer wandelt in Gott."[500] * Das homöopathische Prinzip, Übles mit noch Üblerem zu vertreiben,
was dem gnostischen "Durch Finsternis zum Licht" entspricht, kann
bei Fritsche nicht Fuss fassen. Der Sinn
der magischen Dämonenwelt verbraucht sich nicht durch ihre Vielfalt, Fritsche stirbt am 20.6.1960 im Nervenkrankenhaus Haar/München
an Pneumonie - am Geburtstag Metzgers, der nun ungehindert aktiv werden kann.
Dazu weiss F.-W.
Haack (zu Metzger): "Sein Vorgänger im Kirchenamte [Fritsche] beendete sein Leben in einem bayerischen
Nervenkrankenhaus. Zur Bischofsweihe war dort vermutlich weder der Ort noch der
Anlass. Auch hat der heutige Ordensmeister [Metzger] zwar häufig von seinen Würden geschrieben und
geredet, hat auch selber Weihen vorgenommen, jedoch niemals u.W. Weihedokumente
vorgelegt."[501] *
Fritsche stirbt also "schrecklich einsam"[502] * am 20.6.1960 und wird griechisch-orthodox auf dem
Waldfriedhof München beerdigt. Obwohl Fritsche kein Mitglied dieser Kirche ist, will er so beerdigt
werden. Otto Buchinger jr.: "Ich
war zur Beerdigung da, gedrückte Atmosphäre."[503] * Damit sieht die esoterische Laufbahn des
transzendental Obdachlosen folgendermassen aus:
1929 (18jährig) selbsternannter "Schüler"
von Gustav Meyrink
1939 Anthroposoph (1. Ehe)
1947 liberal-katholisch/Theosoph (2. Ehe)
1949 (?) gnostisch-katholisch, FRA
1960 griechisch-orthodox beerdigt
Angeblich soll
Fritsche die Nachlässe der Astrologen
Fritz Quade (1884-1944), Friedrich Schwab (1878-1946), Kurt Aram (= Hanns
Fischer, 1869-1934) und Arnold Krumm-Heller besessen haben.
Ein Brief Fritsches an Gustav Meyrink befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek
München, wo ebenfalls Briefe von E.C.H. Peithmann, W. Wynn Westcott und John Yarker an Meyrink sind.[504] *
Fritsche, unschlüssig was die Anthroposophie betrifft, wird
nach seiner Loslösung im Anthroposophischen Magazin "Die
Christengemeinschaft" 1949 heftig angegriffen.[505] * Anlässlich seines Todes erscheint in "Mensch und
Schicksal" der Artikel "Die riesenhaften Flügel" von Lambert
Binder.[506] * Darin heisst es, dass Fritsche 1954 ein Testament verfasst habe. Er hinterlässt nur
eine leibliche Tochter, Sulamith-Niniane.
In den
südamerikanischen FRA-, OTO- und GKK-Gruppen ist Fritsche absolut unbekannt geblieben. Dies gilt auch für
Metzgers Auffassung der GKK: "Die
GKK zeigt das Verbindende aller Rituale... heisst katholisch... weil
allumfassend,"[507] * "ist eine Ecclesia Sancta Catholica,"[508] * und
"ist ursprünglich Minervalkirche des Ordo Illuminatorum,"[509] * denn
"die letzten Stufen [der Psychosophischen Gesellschaft]
entsprechen dem Priestertum der GKK. Es sind die Illuminati."[510] *
Metzger ist nicht der erste, der die verschiedenen Orden und
Kirchen miteinander verbunden sieht. Das ehemalige OTO-Mitglied unter Theodor
Reuss, P.Ch. Martens:[511] * "Das Motto ist: Durch's Kreuz zur Krone. Das
Symbol ist die in der Wüste aufgerichtete Schlange."[512] * Die erste Versammlung der GKK-Priester habe 1902
stattgefunden, die Hierarchie sieht folgendermassen aus: "Prüfling,
Minerval, Magus, Grossmagus, Priester, Regent (Reuss), Kustos (Engel), Aeropag."[513] *
Helvetia
Der Nachfolger von
Fritsche bezüglich FRA und Gnostisch
Katholischer Kirche, das heisst der Église Gnostique Universelle (da sich
Krumm-Heller angeblich 1939 von deren Oberhaupt Constant Chevillon hat konsekrieren lassen), ist also Hermann Joseph
Metzger.[514] *
M. Erachtens haben
weder Fritsche noch Metzger erwogen, in Sachen FRA aktiver zu werden, als Ämter zu
delegieren und Chef im Hintergrund zu spielen. Sprachschwierigkeiten und
Informationsmangel sind bestimmt mit ein Grund gewesen. Fritsche selber ist nie aktiv geworden. Metzger hat allein von Fritsches angeblicher apostolischen/gnostischen Sukzession
profitiert, um als Patriarch der Gnostisch Katholischen Kirche auftreten zu
können, die man als syrisch-malabarische Tradition ansieht. Nach Fritsches Tod
heisst es über das "Patriarchate of GKK - this dignity he [Metzger] derived from Chevillon [Chevillon -> Krumm- Heller -> Fritsche -> Metzger], murdered by the Gestapo in 1944, who was himself
the successor of Joanny Bricaud."[515] * In Metzgers Briefkopf befindet sich nun das grüne
Äquinox-Symbol, darunter: "Priorat Helvetia," daneben: "Gnostisch
Katholische Kirche," darunter: "Église Catholique Gnostique
Universelle" (ohne sich jedoch Robert Ambelain zu unterstellen).
Markus Kumer, ehemaliger Vertrauter von Metzger, weiss, dass Krumm-Heller in der Abtei Thelema, ausser
auf einem Foto (oder als Büste?), nichtexistent war. Die FRA-Rituale und die
FRA/GKK-Messe seien in Stein nicht mal schriftlich vorhanden gewesen,
geschweige denn zelebriert worden, obwohl Metzger sich als deren Oberhaupt reklamiert!
Auf meinen Schuss ins
Blaue gegenüber Frl. Äschbach, in den
Texten der Oriflamme liessen sich "rosenkreuzerische Elemente"
entdecken, reagiert sie spöttisch-erstaunt: "Ach ja?!"[516] *
Tiefergehenden und
praktischen Konsequenzen, die sich aus den annektierten Orden und Kirchen
ergeben, scheint man auszuweichen und lediglich Crowleys Gnostische Messe aufzuführen. Informationsmangel über
Krumm-Heller und Peithmann tut ein
übriges.[517] *
In H.J. Metzgers Priesterseminarien in Stein legt man besonderen
Stellenwert auf die anti-libertinistische "Pistis Sophia" (also auf Krumm-Hellers "Bibel" {siehe
Teil III}) und auf das in Nag Hammadi aufgefundene Thomas-Evangelium.[518] * Da Metzger sich auch sonst vehement von praktizierter
Sexualmagie distanziert, fragt sich, wie er das mit dem gleichzeitig annektierten
Erbe der libertinistischen Sperma-Gnostiker Reuss und Crowley vereinbart. Die Ambivalenz des barbeliotischen Systems
der "Pistis Sophia" - mal asketisch, mal libertinistisch überliefert
- erweist hier sicherlich grosse Dienste. Ebenfalls die Tatsache, dass in
Stein die "üblichen Gespräche [...] die einer durchschnittlichen
Stammtischrunde" sind.[519] * Über Reuss' Gnostizismus schweigt man in Stein, Crowleys Gnostische Messe wird, bis zu Metzgers Tod, eher aus religiösem Bedürfnis ohne
sexualmagische Interpretation zelebriert. Diskussionen werden abgewehrt, Libertinistisches
als "Missverständnis" hingestellt.[520] * Vielleicht hat sich Metzgers libertinistische Haltung allein darin geäussert, dass
er sich allen Damen in Appenzell und seiner Umgebung in Zürich eindeutig
genähert hat. Die Rolle der Frau ist jedoch zumindest intellektuell
emanzipiert,[521] * was sich auch mit Frl. Äschbach als OHO nach Metzgers Tod niederschlägt.[522] * Kabbalistisch-gnostisch sind die "Sophia"
und die Sephirot "Chochmah" einander zugeordnet, womit wir bei Frl.
Äschbachs magischem Motto gelandet wären.
Venezuela: "Golden Girls"
Metzger, verstimmt von Clymers Erfolg in Rio,[523] * versucht 1960 vergeblich alle FRA-Zweige unter seine
Jurisdiktion zu vereinen, obgleich er selber keine einzige FRA-Loge führt. In
Buchelis Astrologischem Jahrbuch (Edition
Kier in Buenos Aires) erscheint seine
Annonce, auf die als einzige die esoterisch rege Ana Delia Gonzáles López/'Yedosey' (geb. 26.7.1915 in Maracaibo)
in Venezuela reagiert.
Frau Gonzáles und
ihre AnhängerInnen berichten Regsames: 1935 tingelt sie als Sängerin von
Radiostation zu Radiostation, bis sie 1937-42 sogar einen leitenden Posten
übernimmt, 1942 wird sie Büroangestellte in einer Klinik, 1945 Bibliothekarin
beim AMORC, 1950 Lotteriangestellte und
1979 Einkaufschefin einer Bierbrauerei.
Ihre esoterische
Laufbahn ist ebenso vielfältig. In der von ihrer Anhängerin Sonia Barrios
hergestellten Biographie "Vida y Obra de Ana Delia González; Maestra Yedosey" (woraus obige Daten
stammen) (ohne Ort und Datum), enthalten die Seiten 27-129 Dokumente ihres
esoterischen Schaffens, darunter auch die Chartas von Parsival Krumm-Heller und H.J. Metzger. Um kurz zu bleiben: 1952 wird sie FRA-Chefin, 1958
Mitglied der Theosophischen Gesellschaft in Brasilien, 1963 Mitglied der
Divine Life Society, ebenso 1963 durch Metzger "Cónsul" des OTO für Südamerika und die
spanischsprechenden Länder und am 12.10.1974 ist sie mitbeteiligt an der
Gründung des Clan De Hermanos De La Raz. Es scheint, dass Frau Delia über ausreichend finanzielle Mittel verfügt, um
mehrere Europareisen in Begleitung zu unternehmen - Venezuela ist eh eines der
weitest entwickelten Länder Lateinamerikas, wo seit 1917 reichlich Erdöl in
Maracaibo (wo auch Frau Delia lebt)
gepumpt wird.
In einem Brief
beschreibt sie ihre OTO-bezogenen Lebensstationen:"My first steps in
the Path began in 1937 in the Rosacrucian Order of AMORC... the Theosophical Society in India... wrote to [Parsival Krumm-Heller] in March 1949... I was invited to
become part of the movement...[524] * In July 1952 I received with surprise a diploma from
Parsival" Krumm-Heller.
Daraufhin erleuchtet Frau Delia Gonzáles
sechs "Lucid Halls" und die "Great Hall of 'Light and
Reason'." Parsival Krumm-Heller
operiert von Marburg an der Lahn in Deutschland aus, wo er die Kurse seines
Vaters nach seinem Gusto verändert[525] * und von der Druckerei Bauer in Marburg eine
Rosenkreuzer-Zeitung drucken lässt. 1953 nimmt er hier Marcelo Ramos Motta als persönlichen Schüler auf und übergibt ihn an Karl
Germer in die USA. Germer vermutet, dass Parsival auch mit Eugen Grosche von der Fraternitas Saturni in Verbindung steht, was sich aber bislang nicht hat
dokumentieren lassen. Angesichts Grosches offener Frauenfeindlichkeit dürfte
ein längerer Kontakt zwischen den beiden kaum bestanden haben.
"In April
17th, 1952 the Frater Parsival, who was at that time Great Supreme Commendator of
the Fraternitas Rosicruciana Antiqua, authorized me to represent the Order 'in
all interests'." Frau Gonzáles
reist nach Spanien, will vom Spanier Rios nun das Material, das Krumm-Heller dort gelassen hat,
an ihren Mittelsmann Julio Serrano ausgehändigt haben.
Parsival Krumm-Heller folgt den Fusstapfen seines Vaters und
reist in den Nahen und Fernen Osten. 1954 trifft ein Brief aus Aden (Jemen) in
Bolivien ein: "la contesto de aqui de Arabia, hemos estado frente a
Mecca en union con algunos maestros Arabes, en pocos dias vuelto otra vez a la
India."[526] * Parsival zieht sich 1956 endgültig nach Australien zurück und
hüllt sich seither in Schweigen.[527] * Warum Metzger nie vom Sohn Krumm-Hellers spricht, bleibt unklar.
"In 1960 the
Frater Paragranus,[528] * recently named Visible Great Head of the O.T.O. in
Switzerland formulated an invitation where all Krumm Heller disciples were
called forth."[529] * Frau Delia besucht daraufhin zweimal die Schweiz und
"received [1963] the title of Council for Central and South
American Countries." Metzger verschickt ein entsprechendes Rundschreiben an seine
lateinamerikanischen Adressen. Im Dezember 1963 verschickt Frau Delia Aufforderungen an alle ihr bekannten FRA-Gruppen,
sich ihr zu unterstellen. "Nevertheless, my title[530] * was not well seen by the elder directors of the
Colombian, Brazilian and Mexican Halls... but the halls of Chile, Perú,
Bolivia, Guatemela, and Santo Domingo continued their membership to our
councilship..."[531] * Alle der Frau Ana Delia unterstellten FRA-Logen sind amtlich registriert.
(Ana Delia Gonzáles, Brief vom 4.3.89.
Beiliegend u.a. ihre Chartas: P.K.-Heller vom 17.4.52, P.K.-Heller vom 21.5.52
und Metzger vom 20.4.63).
Die
"Estatutos" weisen in ihren 102 Artikeln keine Hinweise auf OTO, IO
oder GKK auf,[532] * stellen jedoch die Lehren Krumm-Hellers und die FRA
in den Mittelpunkt.[533] * Die direktiven Organe umfassen: Dirección Nacional,
Gran Consejo de Hermanos Mayores y Servidores und Consejos Directivos de Aulas,
die allesamt wieder in viele Unterämter aufgeteilt sind.
"Im August [1969] ist die Abtei erfüllt von fremdartigem,
buntem Leben. 30 unserer südamerikanischen Brüder haben die weite Reise
gewagt, uns zu besuchen. Ist das ein Treiben, eine Fröhlichkeit und herzliche,
brüderliche Stimmung... Auch zwei kleine Kinder haben diese Reise mitgemacht.
Eines ist die Urenkelin der älteren Schwester, die den Orden in Südamerika für
uns vertritt und diese Reise organisierte."[534] * Paul Rüdiger Audehm erinnert sich: "Die eine war ein Mischling:
vielleicht weiss-schwarz-rot; gab den Ton an. Alle waren von der FRA. Zeigten
Photos aus ihrem Orden: mächtig viele Mitglieder, etwa so eine Hundertschaft.
Aber das will in Brasilien [sic] nicht viel heissen, wo etwa 80% der
Bevölkerung in afroamerikanischen Kulten integriert sind
(Macumba/Candomble/Umbanda/Mesabranca). Auf Englerts Briefe - nach dem Streit - gab's keine Antwort."[535] *
1952 weist die
"Aula Luz y Razón" 14 Mitglieder auf.[536] * Fau Delia wird nun ausserordentlich aktiv. 1986 z.B. können 36
Neophyten aufgenommen werden. "Sehr erfreuliche Mitteilungen liegen
uns aus den besonders aktiven Ordensprovinzen aus Südamerika vor, dass ihre,
von ihnen aufgebauten öffentlichen Schulen nicht nur anerkannt, sondern sogar
ausgezeichnet werden."[537] * 14 Logen[538] * und zwei Kinderlogen (gegründet am 11. April 1968
und am 20. Februar 1975, mit zum Beispiel Themen wie: "Jesús, El Maestro
Divino")[539] * entwickeln rege Aktivitäten.[540] * Angeschlossen sind Logen in Bolivien (hier die
einzig existierende), Kolumbien, Chile, Peru und Santo Domingo in der
Dominikanischen Republik. Der "Venerable Gran Maestro Paragranus"
(Metzger) befindet sich in der
"Abadia Thelema" in der Schweiz. - Die Aufzählung der Mitgliedernamen
und der Ordensaktivitäten nimmt mehrere über 20-seitige Magazine im A4-Format
in Anspruch. Die FRA-Rituale beinhalten: "Primer Grado,"
"Segundo Grado," "Ritual de Año Nuevo Rosa Cruz," drei
freimaurerische Rituale, die Rituale der GKK: "De Bautizo," "De
Matrimonio," "De Defunción." Einweihungsgrade gibt es: "Al
Grado de Hermano Mayor," "Al Grado de Servidor," "Al Grado
de Comendador;" und schliesslich zelebriert man noch die "Invocación
a la Luz" und das "Ritual Crístico."
Im August 1973 macht
sich Frau Maria Teresa Barrientos/'Juno' im Auftrag von Frau Delia nach Kolumbien auf, um die Gruppe des dortigen Gabriél
Sánchez G. einzuverleiben. Später schickt
sie die am 17. Juni 1975 notariell beglaubigte Fotokopie von Metzgers Charta für Frau Delia.
1975 reist Frau Delia mit zwei Begleiterinnen nach Cusco.
Gabriel Ramírez Ciefuentes besucht im August 1977 Frau Delia, die sich aber bald von ihm distanziert. Umgekehrt
kann Ramírez eine Frau in einem hohen
Amte nicht akzeptieren {siehe auch die Chartas und Briefe im dok. Anhang}.
Im Juni 1991 taucht
Frau Delia erneut für drei Tage in
Stein/Appenzell auf.[541] * Gerüchte wollen wissen, dass sie unzufrieden
abgereist ist. 1992 schickt Frau Delia wieder einen Brief an den Herausgeber dieser Studie,
nachdem sie schon vorher mit grosszügig aufbereiteten Unterlagen ihre Historie
zur Verfügung gestellt hat. Der gedruckte Absender auf dem Umschlag des Briefes zeigt die Buchstaben OTO, wobei der Stamm
des T den Körper eines Menschen mit ausgestreckten Armen bildet. Dazu:
"Instituto Psicofisiologico - Enfermedades Psicosomaticas Tratamiento del
Stress." Sie teilt mit, dass ihr die Streitereien in Kolumbien Sorgen
bereiten und dass sie allein die Copyrights des Werkes Krumm-Hellers innehabe.
Dies sei von Parsival Krumm-Hellers Sohn
bestätigt (was übrigens Duval Ernâni ja auch von seiner Gruppe in Brasilien behauptet).
-+-
In Argentinien
publiziert die Edition [Nicolás B.] Kier die spanisch verfassten Bücher Krumm-Hellers. Die
deutschsprachigen sind allesamt unbekannt geblieben. Im Vorwort zur 3. Auflage
von "La Iglesia Gnostica" wird auf die Autorisation durch Frau Delia González López, "Representante Internacional
de la FRA... y Cónsul de la OTO para la América Latina y América Central,"
hingewiesen.[542] * Der Peruaner Rubén Pilares Villa stellt jedoch in der 1980/1985-Version der
Edition Kier 27 zum Teil gravierende
Textveränderungen bezüglich der Erstausgabe von 1931 fest.[543] *
Die Historie der
argentinischen FRA hat sich den Recherchen entzogen. Gabriél Sánchez Gaviria spricht von einem Carlos V. Gonzales und
jemandem namens "Isidoro" - beide angeblich von Krumm-Heller
persönlich konsekriert.[544] *
Im Bucheli-Anuario ist Anfang der 90er nur eine eindeutige
"Fraternidad Rosacruz" in Río Negro/Argentinien aufgeführt.
Ausserdem drei AMORC-Logen, ein paar Max
Heindel-Gruppen, die Theosophie und
mehrere verschiedene Weor-Zweige.
III. Inspiración
Was
Dada ist, wissen nicht einmal die Dadaisten,
sondern
nur der Oberdada,
und
der sagt es niemandem.
Johannes
Baader
Es folgen nun
Textbeispiele, die die verschiedenen sexualmagischen/gnostischen Ausrichtungen,
hauptsächlich aber Krumm-Heller und seine Umgebung dokumentieren. Eine
analytische Diskussion der Sperma-Gnosis kann hier jedoch nicht erfolgen. Der Verzehr
von Sexualsekreten grenzt an Anthropophagie, der Einverleibung gewisser
Individuen, die furchterregende Kräfte besitzen, um diese zu neutralisieren
oder zu nutzen. Diese ethnologische Bedeutung untersucht v.a. Claude
Lévi-Strauss in "Traurige Tropen."[545] *
Bei den Gnostikern
gilt es, den Menschen aus seiner engen Verflechtung mit dem physikalischen
Universum zu lösen und dem reinen Geist wieder zu seinem göttlichen Potential
zu verhelfen.[546] * Den hier vorgestellten (Sperma-)Gnostikern ist allen eine Verneinung der Sexualität
und ihre Reduzierung auf die männliche Physis zu eigen. Der reine Orgasmus um
der Lust willen wird vermieden, sei es, dass die Ejakulation unterbleibt oder
die Willensvorstellung während des Orgasmus' von diesem abschweift und sich auf
unter Umständen äusserst weltliche Wünsche konzentriert. Mittelpunkt bleibt das
Sperma. Im enthusiastischen Hochgefühl
der genetischen und gnostischen Überlegenheit der Männlichkeit, vegetiert die
Weiblichkeit im bizarren Niemandsland von androgyner Notwendigkeit und schon
beinah verwerflicher Überflüssigkeit dahin. Der weibliche Logos bleibt stumm.
Peter Sloterdijk nennt die gnostischen Funde von Nag Hammadi noch
"Geheimpapiere des Weltgeistes."[547] * Für die Geheimbündler der Neuzeit hat sich Gnosis
m.E. jedoch als Ekstase im bürgerlichen Wohnzimmer herausgestellt. Organisierte
Form der Gnosis erzeugt keine noch so banalisierte und inszenierte Erleuchtung.
Das Primat der Seele weicht da der Geschäftstüchtigkeit, wo aus Gnosis eine
amtlich eingetragene Kirche oder ein entsprechender Verein wird. Die Revolution
der sexuellen Lust wird konservativ per Vereinsstatut reguliert.
Aufschlussreich ist
Sloterdijks Unterscheidung zwischen
libertinistischer und asketischer Gnosis: "Der amoralische Stil führt
zu einer homöopathischen Askese:
diese schwächt das Böse, indem sie es nachdenklich, gleichsam ironisch, wie ein
Pensum begeht; der Gnostiker umarmt die Sünde und durchlebt in ihr am eigenen
Leib eine kritische Verwesung, um zuletzt ausgebrannt aus der Gosse zu steigen
- die Welt ist ein pornographisches Purgatorium, aus dem makellose Pneumata
gefiltert werden. Der abstinente Stil hingegen setzt gegen die Weltkrankheit
allopathische Mittel ein; wider das Kosmos-Gift verabreicht er unmittelbare
Weltflucht als Antidosis. Ziviler Ungehorsam gegen den Unterleib, Generalstreik
gegen die astrale Fabrik, Bäder in den Tränen, Fasten des Herzens."[548] *
"Wir haben vernommen, dass es einige (Leute) auf
Erden giebt, die den männlichen Samen und das weibliche Menstrualblut nehmen
und es in ein Linsengericht thun und es essen"[549] *
Während Reuss' Gnostizismus einem eher libertinistischen
Manichäismus[550] * und den Ophiten,[551] * vermischt mit Tantrismus, zuzuordnen wäre,[552] * lehnt sich Krumm-Heller an die sog. Barbelos-Gnostiker an: in Krumms Eucharistie-Ritual identifiziert
Jesus die Barbelos als seine Mutter,[553] * und in "La Iglesia Gnóstica" erklärt
Krumm, in "nuestra Iglesia" sei die "Pistis Sophia" das "Libro Sagrado."[554] *
Pistis
Sophia
Eine erste
Drucklegung der aus dem 4. Jahrhundert stammenden koptischen Schrift
"Pistis Sophia" hat 1851 in
Berlin stattgefunden. Das Buch enthält komplizierte, langatmige Unterredungen
des auferstandenen Jesus mit seinen Jüngern und Jüngerinnen über Fall und
Erlösung der himmlischen Mutter des Lichtsamens, "Pistis Sophia," und Jesus' Offenbarungen. 1905 publiziert Carl
Schmidt die massgebendste und bis heute gültige Ausgabe der "Pistis
Sophia" (zusammen mit den aus dem
gleichen Entstehungszeitraum stammenden "Büchern des Jeû" über die
gnostische Überwelt). Höchstwahrscheinlich hat Krumm-Heller die Schmidt-Ausgabe
gekannt.[555] *
Vorbildhaft für den
Menschen werden in der "Pistis Sophia" Fall und Erlösung eines weiblichen Wesens, der
Barbelos, ausgeführt. Die Barbelos repräsentiert den weiblichen Aspekt des Vaters, eine
Art gnostische Muttergottheit, eins mit der (Tochter) Pistis Sophia und gleichzeitig zweigeschlechtlich, was ja für die meisten
Gnostiker Ausdruck der Vollkommenheit ist. Die Barbelos wird mit Maria identifiziert, mit der Gebärerin der
Wahrheit, mit der Materie. Durch ihre unkontrollierte Begierde[556] * führt sie ihren katastrophalen Fall und den Bruch des
Kosmos herbei und kann nur durch die männliche Hilfe Jesu wieder ins Pleroma[557] * zurückkehren.
Das barbeliotische
System ist jedoch nicht einheitlich. Schon die "Pistis Sophia" und die "Bücher Jeû" weisen dem
"Ort der Barbelos"[558] * eine/n unterschiedliche/n Sphäre/Archonten zu,[559] * was spitzfindigerweise mal asketisch, mal libertinistisch
ausgedeutet werden kann. Letzteres hat der Kirchenvater und Bischof von Salamis
auf Zypern, Epiphanius (gest. 403), in
seiner Schrift "Panarion haereses" getan.
Obwohl in der
"Pistis Sophia" jeglicher
explizite Libertinismus abgelehnt wird, finden sich in der Literatur Berichte
über Barbelioten, denen "obszöne Riten" vorgeworfen werden.[560] * Bei den zu den Barbelioten gezählten Phibioniten und
Stratiotikern ist der einzusammelnde göttliche Lichtsame in Sperma und Menstruationsblut innewohnend[561] * - was sicherlich bei Aleister Crowleys libertinistisch-spermagnostischem Thelema seinen magischen Niederschlag gefunden hat.[562] * Die von Krumm-Heller angenommene "Pistis Sophia" (und das "2. Buch Jeû") wendet sich jedoch
deutlich gegen solche Riten.[563] * "Solche Menschen werden... vernichtet und
aufgelöst werden," [und Jeû:] "Ihr Gott aber ist
schlecht."
Obowhl für beide "la
redención reside exclusivamente en el acto sexual,"[564] * zeigen sich hier also tiefsitzende Divergenzen
zwischen Crowleys und Krumm-Hellers
Erlösungsauffassungen, was erklärt, weshalb sich beide ignorieren, resp.
Krumm-Heller den OTO nie erwähnt.[565] * Es fragt sich jedoch, weshalb Krumm die thelemitischen
Referenzen in den FRA-Aufnahmeritualen und in der FRA-Messe nie getilgt hat. Könnte
es sein, dass Krumm-Heller demjenigen Begriff "Thelema" nicht ganz
abgeneigt ist, der in einer völlig uncrowleyischen Bedeutung in einer anderen barbeliognostischen
Schrift zusammen mit Nous und Logos als männlicher Aeon zu Jesus hinzutritt
(während die Barbelos von weiblichen
Aeonen begleitet wird)?[566] *
Krumm-Heller scheint
einer der wenigen Neo-Gnostiker zu sein, der sich hauptsächlich der
"Pistis Sophia," der Barbelos, zugetan fühlt.[567] * Seine Gnosis bleibt christlich und
"asketisch" - seine Messe enthält keine Reuss-Crowleyschen
Sperma-Passagen,[568] * keine Anrufung von Kyrios Phallos oder
mystisch-tantrische zeremonielle Abbildungen der Zeugung des Universums.[569] * Da die französischen Neo-Gnostiker, obwohl sie sich
zum frauenfeindlichen Valentinianismus bekennen,[570] * Frauen als Priesterinnen und Bischöfe weihen, kann
sich Krumm-Heller mit ihnen überhaupt nicht anfreunden. Derselbe Grund hat wohl
schon Reuss dazu bewogen, eine eigene
Gnostisch-Katholische Kirche zu führen.
"Looking
for God in exciting new ways"[571] *
1895 erscheint, in
die Geburtsjahre der (Valentinianischen) Gnostisch Katholischen Kirchen
hinein, die erste französische Übersetzung der "Pistis Sophia."[572] * Die theosophisch-spiritistisch inspirierten
Protagonisten dieser Kirchen vertreten ein sich scheinbar ständig wandelndes
gnostisches Konglomerat aller zur Verfügung stehenden Lehren, die von einem
streng hierarchischen Kirchensystem gebändigt werden.[573] * Um Ordnung und Überblick zu schaffen, verfasst
Louis-Sophrone Fugairon/Sophronius[574] * in Paris am 25.3.1899 einen 400 Seiten starken
"Catéchisme Expliqué de l'Église Gnostique."[575] * Gleich nach dem Vorwort, in einer
"Avertissement," kommt Fugairon auf die "Pistis Sophia" zu sprechen, dem komplizierten System wird
jedoch kaum soviel Platz wie Simon dem Magus oder den Valentinianern
eingeräumt, obwohl man den magischen Tafeln der beiden "Bücher des
Jeû" (die dem Text der "Pistis Sophia" angefügt sind = Codex Brucianus) bald einmal
gerne Aufmerksamkeit schenkt.[576] *
In dem von Reuss empfohlenen zweibändigen Werk "Die Gnosis"
des Eugen Heinrich Schmitt findet sich folgende Kritik an Fabre des Essarts:
"Mit
'Sophronius', aber, der als gnostischer Bischof von Béziers einen Catéchisme
expliqué de l'église gnostique (par Sophronius, évêque de Béziers, I-IV, Paris
1899) publizierte, verfiel die Lehre in eine bedenklich katholisierende
Strömung. Es wurde u.a. die Transsubstantiation des Brotes und Weines, also der
Fetischglaube des Katholizismus von 'Sophronius' übernommen und mit
merkwürdigen Figürchen in grob materieller Gestalt sanktioniert. Dass bei
solcher Stellungnahme jede Tiefe der Anschauung ausgeschlossen und das Ganze
in phantasiemässigen Bilderglauben verfiel, braucht nicht näher auseinander
gesetzt zu werden. Mit viel reinerem Geist und auch ungleich tiefer und
sachgemässer als dieser angebliche Gnostiker dringen französische Okkultisten,
wie Papus und Sedir in diesen
Gegenstand ein."[577] *
Die Barbelos bleibt in allen Schriften der französischen Gnostiker
spärlich erwähnt - trotzdem man Valentinus als Autor der "Pistis Sophia" erkannt haben will. Mit den sich nun folgenden
Katechismen[578] * ist jedoch die Grundlage für einen mal asketischen,
mal libertinistischen Neo-Gnostizismus geschaffen (dessen Ethnographie leider
den Umfang dieser Studie sprengen würde).[579] * 1906 erscheint in Belgien die libertinistisch
ausgelegte "L'Eucharistie" des Clément de Saint-Marcq, in der der Eklektiker Theodor Reuss das Geheimnis des XI° publiziert sieht:[580] * die von Jesus Christus gelehrte Vereinigung des
Menschen mit Gott durch Assimilation, d.h. Verzehr von Sperma {siehe Textbeispiel}.[581] * Konsumation des Sperma zu magischen Zwecken ist als VIII°-Lehre im OTO
verankert. Die Bedeutung des Sperma als Logos-Träger findet sich jedoch erst im IX° -
hier werden u.U. noch Vaginalsekrete dazugemischt. Erst durch Crowley wird der IX° zu einem rein magischen Grad degradiert,
in dem die Sexualsekrete zur Beschwörung von Hilfsgeistern und Dämonen auf
Talismane geschmiert werden.
Allen Sexualmagiern
(ob asketisch oder libertinistisch) ist gemeinsam, im Sperma das Zentrum menschlich-göttlichen Schicksals zu sehen.
Als Homöopath braucht Krumm-Heller nur
folgenden "magischen" Gedanken zu applizieren: In der Homöopathie ist der Kopf, das Gehirn, Zentrum und Abbild der
göttlichen Ordnung, von der/dem alles ausgeht. Bei den Sexualmagiern ist
das Sperma(tozoon) Abbild der Sonne/des
Universums. "Die Eichel des Penis entspricht natürlich der Form des
menschlichen Gehirns."[582] * Die Konsumation von Sperma ist jedoch nicht homöopathisch {siehe Diskussion im Textbeispiel zu Clément de
Saint-Marcq}.
Theodor Reuss und Aleister Crowley haben einen gut gedüngten gnostischen Nährboden
libertinistisch übernommen,[583] * obgleich beide ihre Quellen nicht so ausführlich
angeben.[584] * Es fällt sogar auf, dass Reuss die vielfältige Literatur der französischen okkulten
Gnostiker überhaupt nicht erwähnt, obschon er mindestens seit 1901 mit Papus in Verbindung steht.[585] * Ob man sich hier an die später zurückhaltend
formulierte Aussage E.C.H. Peithmanns hält, wer ein Gnostiker sei?: "Wer keine
logischen Schlüsse oder historischen Untersuchungen oder moralischen Erwägungen
aufzustellen braucht."[586] * Selbstverständlich muss den Neo-Gnostikern jede
akademische Gnosis-Publikation als Verräterschrift ein Dorn im Auge sein,
werden darin doch die sperma-gnostischen
Details aufgearbeitet, was einer Mitgliederwerbung nicht gerade zuträglich
ist. Peithmann gibt sich erhaben über den
Nebeln der akademischen Gnosis-Publikationen: "Für den Sucher kommt
keine dieser im Buchhandel erhältlichen Schriften in Frage."[587] *
Reuss' Pflichtlektüre für OTO-Mitglieder[588] *
Obwohl sonst nicht
sehr lendenlahm, gibt Reuss u.a. das in
H.P. Blavatzkys "Secret
Doctrine" empfohlene C.W. King "The Gnostics and their remains" (London 1864, 1887, Reprint San Diego 1982) als
Lesestoff an, wo Gnostizismus mit dem Hinduismus, dem Buddhismus, der Kabbala
und der Magie in Verbindung gebracht wird. King (1818-1888) ist der grösste
damalige Sammler von Gnosis-Gemmen, die heute im Metropolitan Museum of Art in
New York sind.[589] * Reuss hat das
Magie-orientierte Buch wohl nicht wegen seiner äusserst schonenden Andeutung
von Sperma-Gnosis, sondern wegen der
Behandlung der dankbaren Themen Templer, Rosenkreuzer, Freimaurer, Adam
Weishaupts Illuminaten und Baphomet (hier u.a. als Osiris oder als Barbelos) gemocht. Schon ein Jahrhundert vor Michael Bertiaux spricht hier C.W. King in seinem Werk von der "Machinery of the
Gnosis" (p. 104).
Eugen Heinrich
Schmitt, Die Gnosis, (Leipzig 1903,
zweiter Band 1907)[590] * gibt sich ähnlich gnostisch und genausowenig
akademisch. Schmitt versucht, die verschiedenen Gnostischen Systeme zu
erklären, wendet sich dabei offensichtlich an den am Okkultismus interessierten
Leser und gegen die Auslegung der Kirchenväter, die ihre Textbeispiele
verstümmelt hätten. Die "Pistis Sophia" taucht bei ihm regelmässig auf, Sperma-Gnosis jedoch überhaupt nicht.
Schmitt hat mit Jules
Doinel du Val Michel korrespondiert und befürwortet Fabre des Essarts "Einheit der Gnosis aller Schulen."
Dessen Katholizismus in der Gnostisch-Katholischen Kirche begegnet er jedoch
mit Skepsis {siehe Zitat im vorherigen Unterkapitel}.
Ähnlich wie C.W. King streift Schmitt die Freimaurerei, die Illuminaten,
Theosophie und nennt Namen wie Hugo Vollrath, Franz Hartmann, Nietzsche, Rudolf Steiner u.v.a. Der Baphomet der Templer bleibt ihm jedoch "vollkommen im
Dunklen."[591] *
Reuss' OTO verhält sich christlich-gnostisch[592] * und sogar Crowley hat 1912 christlich-gnostische Elemente verwendet[593] * und erst ab 1914 seinen eigenen OTO-Zweig mit
neu-erfundenen (sog. thelemitischen) Worthülsen aufgemöbelt.[594] * Weder das "Tu was du willst" ist von
Crowley selber, noch dessen "Liebe
ist das Gesetz." Ersteres findet sich schon bei Augustinus, Rabelais
oder Nietzsche[595] * - Letzteres in einem Brief Carl Kellners an seine heissgeliebte Ehefrau Maria Antoinette
Delorme. "Der nächste Weg zur absoluten Wahrheit ist die: 'Liebe'. Sie
ist das Gesetz aller Gesetze."[596] * Auch in Reuss' Pflichtlektüre des G. Herman (d.i. Max Ferdinand Sebaldt, alias Maximilian
Ferdinand) "Sexual-Magie. Genesis. Sexual-Mystik" (Leipzig
1899-1903) findet man den Satz "Liebe ist die Erfüllung des
Gesetzes" (p. I;14).
Hermans 5 Bände
scheinen Reuss' Hauptquelle für die
"Bausteine zum OTO-Tempel" zu sein. Mit Hinweisen auf Blavatzky, Stanislaw Przybyszewski, Schrenck-Notzing und anderen Okkultisten[597] * unternimmt Herman eine gut-informierte Tour de Force durch die
okkult-wissenschaftlichen Tätigkeiten und Publikationen bis 1900. Es finden
sich nicht nur moussierend ausführliche Beschreibungen der physischen Beschaffenheit
der Sexualorgane, sondern auch Anleitungen zu moralischen Verhaltenweisen
gegenüber der Masturbation, dem Coitus Interruptus (beides verwerflich) und
Propaganda zur "zweckmässigen Anwendung der Schöpferkraft,"
die im Dienste der "Sexual- und Rassen-Hygiene" nicht nur die "Judenplage"
streift, sondern auch Anweisungen zur Züchtung des "suprasexuellen"
"psychokratischen Edelmenschen" gibt. Dieser "Uebermensch"
findet den "Weg der Erlösung nicht in der Verachtung des
Geschlechtstriebs," sondern in der "Schönheit der sexuellen
Instinkte." "Gattendienst" wird "Gottesdienst,"
d.h. einmal mehr "der Hauptberuf des neuen Weibes: die
Mutterschaft."
Welche
"Techniken" bietet Herman an? Drohende Masturbation wendet man ab, indem man mit
einer Hand den Hinterkopf (Kleinhirn) berühre und mit der anderen die
Geschlechtsteile. "Dadurch wird ein Ausgleich der nervösen Spannung
erzielt." Der edle Übermensch, "germanisch, urwüchsig,
kernhaft," übt Karezza aus
(Herman verweist auf die christliche
Oneida-Gemeinde), falls er sein Sperma nicht zur Züchtung des "Geburtsadels"
aufspart. "Das ganze Nervensystem wird durch Zurückhalten [des
Sperma] und physiologische Aufsaugung
des Samens [ohne Ejakulation] gestärkt und gekräftigt." Dies
sind die "sexual-religiösen Pflichten" des "dritten
Geschlechts," das die erotische Liebe zu Mann und Frau gleichermassen
herrlich findet. Reine Homosexualität (ob weiblich oder männlich) führt bei Herman
zu physischen Folgen (oder hat solche als
Ursache). Der Verzehr von Sexualsekreten (Reuss' und Crowleys Lieblingsthema) findet bei ihm jedoch nur im Kapitel
"Defloration und Nekrophilie" als "eine Art polare
Fress-Manie" ohne religiöse Bedeutung statt. Satanismus wird als "eine
Erscheinung der nach neuen Nervenaufregungen lüsternen [sic]
Weltstadt-Degeneration" empfunden. So ist "vor allen Dingen
aber die Nähmaschine eine grosse Verführerin zur einsamen Wollust."
Hermans Zitat aus Pouillets "L'onanisme chez la femme" (Paris 1880)
als Reuss' OTO-Pflichtlektüre liest sich
folgendermassen (Szene: eine Fabrik für Militärbekleidung):
"Inmitten des
gleichmässigen Geräusches von ungefähr dreissig Maschinen hörte ich plötzlich
eine Maschine in viel schnellerem Tempo arbeiten. Ich wandte mich nach der
betreffenden Näherin um, einer Brünetten von 18 bis 20 Jahren. Während sie sich
automatisch mit der Arbeit, die sie eben nähte, beschäftigte, belebte sich ihr
Gesicht, ihr Mund öffnete sich leicht, die Nasenflügel bebten, und ihre Füsse
bewegten die Pedale mit beständig zunehmender Schnelligkeit. Bald darauf
bemerkte ich einen starren Blick, ihre Lider senkten sich, ihr Gesicht wurde
blass und sie warf den Kopf zurück. Hände und Füsse ruhten plötzlich und streckten
sich; ein unterdrückter Schrei, gefolgt von einem tiefen Seufzer, verlor sich
im Geräusch der Umgebung."[598] *
Soviel zum Thema
Erotik und Uniform als Bausteine des OTO-Tempels.
-+-
Falls überhaupt je
ein gnostisches Übergebäude dem OTO unter Carl Kellner und/oder Reuss Halt gegeben hat, wird mit Crowley die Religiosität endgültig durch Magie und sog.
"Selbstvergottung" verdrängt.[599] * Obwohl man in Crowleys OTO immer noch vom "Sanktuarium der
Gnosis" spricht (womit die sexualmagischen Grade gemeint sind), ist von
Gnosis nicht mehr viel vorhanden {siehe die "Emblems and Mode of Use"
im OTOA-Reader}. Die Bedeutung des Sperma als Logos findet keine Verwendung mehr bei Crowley, der es praktisch-magisch für seine
"weltlich-magischen" Interessen einsetzt. Der Gott gewordene Mensch
à la Crowley will letztendlich irdischen
Wesen durch die Kraft seiner Göttlichkeit befehligen. Bis die Gottwerdung
jedoch verwirklicht ist, möchte er sich durch rituelle Identifikation mit dem
Göttlichen stimulieren.[600] * Letzeres ist bei Reuss' OTO Mittelpunkt und Ziel des Ganzen.
Reuss' "unter Kontrolle des Willens in Gott
vollzogener Liebesakt," "eine sakramentale Handlung, eine
'mystische Hochzeit mit Gott', ein Kommunizieren, ein Sich-Vereinen mit
Gott," wird bei Crowley also zum
"selber Gott werden."[601] * Als Magier löst sich Crowley nicht im Licht auf, sondern durchlebt einen Werdeprozess
im Irdischen. Er verpasst es, sich als Gnostiker im fliessenden Licht des
Göttlichen aufzulösen.
Nach erfolgter Angabe
seiner Literaturliste hat Reuss nun
persönlich nichts mehr zu sagen. Der Lauf seiner Sexual-Reform biegt sich jetzt
von selbst in den OTO. Im Vergleich zu Reuss wirkt Crowley prüde. Seine "Geheimnisse" scheinen sich
eher zu erkälten. Sie werden dick wattiert und geschützt durch einen Wust aus
künstlerischen Posen in männlicher Stimmung, Magie auf Hinterbühnen und in
Dampfbädern, Kabbala, Yoga, Tarot und I-Ging. Im Vordergrund: Crowley selber, der jede Gelegenheit beim Schopf packt, schon
lange existierende Ideen und Organisationen als seine eigenen auszugeben. "Bruchstücke
von Informationen erweisen sich am zugkräftigsten," meint ja auch L.
Ron Hubbard zu seiner Scientology, was für jede streng hierarchisch aufgebaute
Organisation zutrifft, bei der "untere" Mitglieder meinen, sie
verstehen das Handeln der Oberen "noch" nicht, da sie
"geistig" noch nicht weit genug seien.[602] * ==> Crowleys Biographie entpuppt sich zudem als riesige
Achillesferse des OTO.
-+-
Obwohl bekannt mit
Papus und den meisten okkulten
Protagonisten seiner Zeit, leitet Arnoldo Krumm-Heller seine gnostische
Sukzession vom deutschen Landsmann Dr. phil. Ernst Christian Heinrich Peithmann/'Basilides' her, der (geb. 3.5.1868) 1894 in die USA
ausgewandert ist, sporadisch in Deutschland wirkt und erst ab 1920 länger
bleibt.[603] * Peithmanns "Schriften für Gebildete und Denkende"
stellen in der Reihe "Biographia Antiqua" (Start 1900) ab 1903 die
"Gnostischen Väter" vor. 1904 erscheint sein ellenlanges Werk
"Der Gnostische Katechismus."[604] * In
Südhemmern/Westfalen ruft Peithmann 1920 seine "Gnostische Mysterienschule"/"Altgnostische
Kirche von Eleusis" ins Leben, die jedoch nicht ausschliesslich der
"Pistis Sophia" zugetan ist,
sondern eher Peithmanns eigens erstellter
Kosmogonie folgt {siehe folgendes Textbeispiel}. "Peithmann et Reuss avaient échangé leurs systèmes. Selon Peithmann, les grades de l'O.T.O. étaient sans valeur."[605] * Dies als weitere mögliche Ursache, weshalb sich
Krumm-Heller über den OTO ausschweigt.
Ab 1927 publiziert
Peithmann in Henri Birvens "Hain der Isis," in dem ab 1930 regelmässig
gegen Crowley gewettert wird.
Rubén Pilares Villa in Peru erkennt aus seinen Unterlagen, dass
Peithmann/'Basilides' 1934 die
Sukzession K.-Heller übergeben habe.[606] * Das müsste also in Amerika geschehen sein, da
Peithmann im März 1933 (zwangsweise)
wieder in die US ausgewandert ist (gest. 4.7.43). Krumm-Heller "fue
consagrado [jedoch vor 1930][607] * Obispo de la Iglesia Gnóstica con todo el ordinal
de estilo y en un congreso que celebraron los grandes dignatarios de la Antigua
Iglesia Gnóstica en Londres, hace algunas semanas, se resolvió a levantar de su
sueño a esa Iglesia Santa. Visité al Patriarca Basilides y éste confirmó mis
poderes para crear congreacions y paroquias" in Spanien und Amerika.[608] *
Es ist anzunehmen,
dass Krumm-Heller den asketisch-gnostischen Ideen Peithmanns folgt, der den Samen (also den Logos) mithilfe eines "reinen
Geschlechtslebens ... aus der Knechtschaft" der Materie erlösen will.[609] * Die Sexualmagie der FRA basiert demnach auf der
Ejakulationsvermeidung.[610] * Peithmanns Forderung, ob all der Sexualmagie die Zeugung von
Kindern aber zu unterlassen, wird von Krumm jedoch nicht konsequent verfolgt.
Er scheint, wie Reuss, ein Gleichgewicht
von sexuellem Einsatz und Verzicht gefunden zu haben. Dies entspricht der
homoöpathischen Lehre des Masshaltens, dem Goldenen Mittelweg der alten Griechen,
zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts auf allen Ebenen menschlicher
Existenz. Aleister Crowleys
libertinistische Gnosis hingegen verlangt nach Optimum durch Maximum.[611] * Auch bei Crowley dringen Schuldgefühle und die Ablehnung des
Weltlichen durch: "Pleasure as such has never attracted me. It must be
spiced by moral satisfaction."[612] *
E.C.H. Peithmann: Gnostischer Katechismus
"Was bedeutet das pomphafte Wesen des
Weltherrschers oder Teufels?
Es ist die phantastische Schönheit und die bestechenden Reize der Natur, die
die Sinne betäuben und die Seele bezaubern und einschläfern und zur
Wiederverkörperung verlocken. Mit der illusorischen Pracht von bezaubernden
Formen, Farben, Tönen und Düften verdeckt die Natur den darunter versteckten
Moderduft und die dahinter lauernde Fäulnis und Verwesung. Dazu kommen noch die
traurigen Freuden des Körpers, die stets eine Befriedigung versprechen, aber
nie eine solche gewähren; obenan steht der Genuss in Essen und Trinken und der
fleischliche Geschlechtsverkehr mit der sinnlichen Lust. [Röm. 7;18, 8;12-13, Gal. 5;16-17, 19-20, 5;24, 2.
Petri 2;10][613] *
Wie weit führt der Abstieg in die Materie? Bis die grösste Tiefe des Chaos erreicht ist, bis
der Pilgerpfad den müden Wanderer an der äussersten Grenze wieder zur Höhe,
zurück zum Geiste, führt. (Lies: Empedocles.)
[Die gefallenen Adam und Eva werden von der Mutter
Weisheit (Pistis Sophia nach ihrem Fall?)
betreut:]
Wozu leitete sie die Weisheit noch an? Sie gab ihnen Anleitung, dass sie sich Speise
suchten, um den fleischlichen Körper zu unterhalten. Gesättigt von der
sinnlichen, fleischlichen Speise, vereinigten sie sich dann zum fleischlichen
Geschlechtsverkehr.
Welchen Einfluss hatte der fleischliche Körper auf die
Seele? Verlockt durch die
sinnlichen Freuden des Essens und Trinkens und der niedrigen geschlechtlichen
Vereinigung nach tierischer Weise, wurden die Menschen immer mehr in die Materie
verstrickt und die Seele wurde zuletzt ein völliger Sklave des Leibes, während
das innere Licht immer mehr verdunkelt und vergessen wurde. Der Körper, der
ein brauchbares und williges Werkzeug sein sollte, wurde der Tyrann des menschlichen
Geistes und seiner Seele, und so wurde aus dem seelischen Menschen der
fleischliche Mensch, wie wir ihn heute kennen. [Röm. 6;16-19, 7;23]
Worin besteht die Verwirrung in der Ernährungsweise? Während der Mensch zuerst von Früchten und Kräutern
sich ernährte, verfiel er allmählich in die unnatürliche Angewohnheit des
Genusses von toten Tieren, was seine degradierende Rückwirkung nicht verfehlte.[614] *
Wo hat sich die Entartung[615] * des Menschen ausserdem noch in eklatanter Weise geoffenbart? In seinem Geschlechtsleben. (Lies: Röm, Kapitel 1.)
Woher stammt die Hurerei und der Ehebruch? Die von dem göttlichen Geiste verlassene Weltseele rächte
sich an ihrem entlaufenen Gatten dadurch, dass sie die Babel oder Aphrodite
beauftragte, Ehebruch und Hurerei unter den Menschen zu verursachen. Denn damit
gedachte sie den in dem Menschen wohnenden göttlichen Geist zu plagen und zu
betrüben, indem derselbe eine ähnliche Angst und Sehnsucht erlitt, wie sie
selbst.
Welche Bedeutung legt die gnostische Kirche dem
Heiraten und dem geschlechtlichen Leben bei? Das fleischliche Geschlechtsleben gehört der niederen
Welt an, die im Bösen liegt. Die Ehe, die von der Kirche zu einer heiligen Handlung,
ja zu einem Sakrament nach dem Vorbilde der heidnischen Völker gemacht ist,[616] * ist eine Institution des Demiurgen und
Weltherrschers. Die gnostische Kirche weiss und lehrt, dass das Heiraten und
Kinderzeugen vom Demiurgen eingerichtet ist, und durch nichts kann der Mensch
dem Demiurgen einen schmerzlicheren Schaden zufügen, als durch ein
enthaltsames und keusches Leben,[617] * wenn man sich nämlich von dem, was der Fürst dieser
Welt angeordnet hat, fernhält."[618] *
"Die
Naassener oder Verehrer der wahren ehernen 'Schlange'... Die Naassener erhielten
ihren Namen von dem hebräischen Worte 'nachasch', Schlange, weil sie der
Schlange zu Ehren Loblieder sangen. Schlange heisst auf Griechisch 'ophis', daher
werden sie auch Ophiten genannt...
Die verborgene
Kraft des Samens. Im Evangelium nach Thomas heisst es: ]...heimnisse 'der Grossen Mutter'... sie verbieten
aufs allerstrengste jeden Geschlechtsverkehr des Mannes mit dem Weibe..."[619] *
"Der
Lichtsamen, der göttliche Geist, der Logos spermatikos, ist das Organ wahrer Erkenntnis... Bei der
Niederfahrt des Erlösers erstreckt sich die erste Erlösungstat auf die
gefallene Weisheit in der überirdischen Welt. Sein zweites oder Hauptwerk
geschieht auf Erden, wo er durch seine blosse Erscheinung, aber auch durch
seine Predigt den unbekannten ungezeugten Vater offenbart. Seinen Gläubigen
bringt er neue Kräfte, damit sie die Engel des geschlechtlich zeugenden Demiurgen
verachten und besiegen können. Die Dämonen werden aufgelöst und die Jünger mit
dem Meister vereint, durch die Hadesfahrt wird die Hölle gezähmt und gerichtet,
die Teufel werden durch seine Niedrigkeit und verachtete Gestalt getäuscht..."[620] *
Wie Reuss im OTO, vermischt Peithmann in seiner Kirche Gnosis und Hatha-Yoga: "Als
das wichtigste Moment in der Gnosis ist die Sexualmagie anzusehen. Der Gnostiker
macht kein Hehl daraus, dass in seiner Weltanschauung und bei den okkulten
Übungen alles sich um das grosse Geschlechtsgeheimnis dreht, welches der Herr
ausspricht in den Worten "Und da sind Etliche, die sich selbst
verschnitten haben um des Himmelreiches willen; wer es fassen kann, der fasse
es!" (Matth. XIX,12). Es handelt sich hier um eine geistige Verschneidung
und ein übernatürliches Messer, welches das zuwege bringt, was Dr. Steinach
und seine Nacheiferer mittels unnatürlicher Operationen vergeblich zu erreichen
sich bemühen: die Wucherung der Pubertätsdrüsen oder des Zwischenzellengewebes
anstelle und auf Kosten der Keimdrüsen. Daraus ergibt sich dann infolge der
Belebung der innersekretischen Drüsen die Verjüngung des Körpers als
sichtbarer Erfolg...[621] * Dieselbe Geschlechtskraft also, die für
gewöhnliche zur sterblichen Zeugung oder als Mittel zum wollüstigen Genuss
herhalten muss, ist einer Verklärung fähig, von der sich der
Durchschnittsmensch nichts träumen lässt, und führt zur Erlösung."[622] *
"Mann und
Weib... können sich nur gegenseitig erlösen. Einer kann die Hilfe des Partners
nicht entbehren, wenn er endgültig vom "Rad der Wiedergeburten"
erlöst werden will. Die Lehrbriefe der in Südhemmern i. Westf. bestehenden
Mysterienschule [Interessenten
werden gebeten, sich unter Beifügung von Rückporto an die "Gnostische
Mysterienschule" Südhemmern i. West. zu wenden] wie der gnostische
Atemkursus, der magische, der mystische und der esoterische Kursus erzielen
nicht wie die tibetanische Schulung irgendwelche erstaunlichen spukhaften Kunststücke,
sondern sie gehen aufs Ganze... Die sofortige Rückkehr des "verlorenen
Sohnes" zu Gott ist das Ziel der Gnostiker...[623] * Nach ihrer geheimsten, nur mündlich gegebenen
Unterweisung kommt es hauptsächlich darauf an, einen Kraftstrom nach der
Scheitelhöhe zu lenken. Durch diese Übung will man die Summe von Energien, die
sich für gewöhnlich auf tierische, namentlich auf geschlechtliche Weise
äussert, nutzbar machen... Die Erzeugung der Glut im Körper wird
"Tumo" genannt. In der Geheimlehre spielt das wirksamste Tumo auch
die Rolle des zarten Feuers, das die Zeugungsflüssigkeit erwärmt und die darin
enthaltenen Kräfte durch die feinen Nervenkanäle bis zur Scheitelhöhe
emporleitet, wodurch anstelle der Fleischeslust geistige und gedankliche
Entzückungen entstehen."[624] *
Peithmann unterscheidet oberen und unteren Christus. Ohne nun
intensiver auf den entsprechenden gnostischen Überbau einzugehen: "Ihm [einem
Kritiker] geht kein Licht auf, wenn die Gnostiker den jüdischen Messias
verleugnen, die Weltherrscher und ihre Wollust verachten, die Herrschaft der
geschlechtlichen Zeugung schmähen, die äussere Wiederkunft Christi leugnen und
die fleischlich zeugende Ehe verwerfen."[625] *
Homosexualität wird
von Peithmann jedoch als "Sünde
Sodoms... bestiale Verirrung Gomorrhas" verurteilt.[626] *
Wenn Peithmann aus der Fülle des gnostischen Primärmaterials sich
auch eine eigene Kosmogonie herstellt, so weist doch sein einfach gehaltener
Gnostischer Katechismus nicht nur formale Ähnlichkeit mit demjenigen von
Louis-Sophrone Fugairon/Sophronius auf
(bis hin zur Kapitelaufteilung und -überschrift), der nur ein halbes Jahrzehnt
vorher in Paris erschienen ist: der relativ anspruchsvolle "Catéchisme
Expliqué de L'Église Gnostique."
Inhaltlich atmen die
französischen Gnostiker einen ähnlichen Geist:
"Comment l'homme a-t-il désobéi à la loi
concernant sa reproduction?
Par des accouplements illicites, non seulement entre homme et femme, mais avec
les femelles de l'anthropoïde précurseur.
L'Église gnostique n'a-t-elle pas instituté des degrés
d'initiation qui font parcourir à ses membres les diverses étapes de la vie
religieuse? Oui, et ces degrés
sont au nombre de sept, savoir: le borborianisme, le coddianisme, le
nymphionisme, le stratiotisme, le phibionisme, le zacheïsme et le barbélitisme."[627] * (Joanny Bricaud ändert später die Namen der einzelnen Grade, die
Barbelioten werden "Diener der ehernen Schlange oder des Sterns.")
Peithmann nennt in derselben Reihenfolge dieselben "wahren
Gnostiker": die Borborianer, Koddianer, Stratiotiker, Phibioniten, Zakchäer
und Barbelioten.[628] * Er zitiert also beinah wortwörtlich Fugairon und übernimmt so das "Gradsystem" der
französischen Neo-Gnostiker. Die Quelle dieser Aufzählung ist Epiphanius, Panarion XXV 2,1-XXVI 13,7, wo die Sperma-Gnostiker vorgestellt werden. Es ist jedoch nie ganz
klar, ob Peithmann die diesen Gruppen
zugesprochenen libertinistischen Praktiken nun ablehnt oder sie doch selber
praktiziert: die Opferung des Sperma an Christus (durch Konsumation) und die Verwendung
des Menstrualbluts als Blut Christi zur "geistigen Speisung."
Hauptsache, die Kinderzeugung wird vermieden. Bei der Besprechung von Eugen
Grosches "Magische Briefe: 8. Brief.
Sexualmagie" (Wolfenbüttel 1927) beanstandet Peithmann allein, dass der libertinistische Sexualmagier
Grosche (Gründer der Fraternitas Saturni) über die "vollkommene Liebe der
Pneumatiker" (Geistesmenschen) schweige, empfiehlt das
frauenfeindliche Büchlein ansonsten dem "fortschrittlichen Leserpublikum."[629] *
Der
Korrekte Gnostizismus
Peithmann wird dem potentiellen Publikum von einem anderen
"Mitarbeiter" Reuss' empfohlen:
dem Beamten Ernst Tristan Kurtzahn.[630] * Ein Jahr nach Reuss' Tod, publiziert Kurtzahn 1924 "Die Runen," wo schon auf die
Selbstbeherrschung hinsichtlich der Zeugung hingewiesen wird. Das Weib muss
sein "Magdtum" richtig auffassen, sich dem "Dienen"
völlig hingeben, denn "Das Gefasel von der 'Gleichberechtigung' zwischen
Mann und Weib ist ekelerregend!" Kurtzahn wittert auch rassistische Urheber des Ehebruchs: "Unser
gänzlich unarisches Leben, die Verseuchung unserer Sitten, unserer Literatur,
unserer darstellenden Kunst, unseres ganzen öffentlichen Lebens durch gewisse zielbewusste
Gegner der arischen Rasse!"[631] * Es fragt sich, wie sich Reuss zu seinem Kumpanen geäussert hätte.[632] *
Ein Jahr später
schwingt Kurtzahn erneut die Feder. Im
Vorwort seines "Die Gnostiker" (wieder einmal mehr im Baumann Verlag
Bad Schmiedeberg erschienen) wird 1925 die "Pistis Sophia" eine "eigentliche" gnostische Schrift
genannt. Und wie Peithmann (auf den
Kurtzahn als Kontaktadresse hinweist) und
Krumm-Heller, betreibt Kurtzahn nun
bekennend Karezza. Im schon erwähnten
Buch zitiert der frauenfeindliche Kurtzahn eine Valerie Gyigyi als "zeitgenössische Gnostikerin"
mit einem "hohen Grad von Erkenntnis": "Die starke
Hälfte ist der Mann, der auch den Samen behielt als Gesetz, während die
schwächere Hälfte noch heute an jener Stelle blutet, wo der Lebensknoten
gesessen hat."[633] * Diese Frau Gyigyi hat schon 11 Jahre zuvor Platz in Reuss' "Parsifal und das Enthüllte
Grals-Geheimnis" gefunden, wo sich Reuss als ihr "Meister" zu erkennen gab.[634] * Das Sperma allein "ist Geistträger und als solcher nur
dem Mann eigen," fährt Kurtzahn nun weiter fort. "Der Mann behält den Samen
bei sich und benutzt ihn, den 'Sohn', den Lichtsamen, den unteren Christus [schon
bei Peithmann begegnet] als Weg zum VATER.
Für sich sowohl als für sein Weib." "... nur durch den Mann [kann]
die Frau erlöst werden und zwar durch die [rein spirituelle] Benetzung
mit dem Lichtsamen." Und wie im Kapitel über den Kolumbianer Samael
Aun Weor schon beschrieben, erklärt
Kurtzahn den Weg der Erlösung. Mann und
Frau legen sich sexuell erregt zueinander, öffnen durch Atemübungen[635] * ein neu zu schöpfendes Nervenzentrum in der Brust (also
ein Chakra) und leiten den Lichtsamen über das Kehlkopf-Chakra in die
Zirbeldrüse hinauf. Wie schon auch Reuss gelehrt hat.[636] * Bei dieser gnostische Ehe "darf es unter
keinen Umständen zu einer ejaculation seminis, vielmehr darf es nach einer
sanften immissio membri virilis in vaginam nur zu einer ruhigen Bewegung
kommen unter völliger Willenskontrolle beider Partner."[637] * [Liebe unter Willen?]
Der Rest des
pro-theosophischen Buches ist eine Beschäftigung mit Tod und Teufel,
gnostischen Textbeispielen und Offenlegung einer krassen Frauenfeindlichkeit.
In letzterem sieht sich Kurtzahn von Hans
Blüher unterstützt, dessen Werke später
sogar Oscar R. Schlag auswendig herbeten
kann.[638] * Im Werbeteil des Buches: Peithmanns Gnostischer Katechismus, Reuss/Crowleys
Gnostische Messe und Reuss'
Aufbau-Programm der gnostischen Ur-Christen OTO.
Kurtzahn; scheint in
gewissen FRA-Kreisen kein Unbekannter zu sein. Gabriél Sanchéz Gaviria aus Kolumbien hat ausdrücklich nach obigem
Buch verlangt.
Chevalier Le Clément de Saint-Marcq: "L'Eucharistie"
1906 erscheint die 38
Seiten starke Broschüre des Chevalier de Saint-Marcq, in der Reuss die allerhöchsten OTO-Geheimnisse publiziert sieht.[639] * 1914 weist Reuss in seinem "Parsifal" auf die Sünden der
sexuellen Enthaltsamkeit hin und nennt quasi als Abhilfe dabei Saint-Marcq.[640] * Dass Reuss sein Manuskript 1920 druckt und publiziert, ist ein
Hinweis darauf, dass er, trotz seiner Mitstreiter Kurtzahn, Peithmann, Krumm-Heller, etc., der libertinistischen Auslegung
von Sexualmagie immer noch zugetan ist. Die Anhänger der beiden Richtungen lehnen
sich üblicherweise gegenseitig ab.[641] *
Wer ist dieser
Saint-Marcq? 1804 glaubt der Pariser Arzt
Bernard-Raymond Fabré-Palaprat
(1773-1838) die Papiere der "originalen" Templer entdeckt zu haben
und gründet im darauffolgenden Jahr seinen Templer-Orden. Er konsekriert den
radikalen Sozialisten und ehemaligen katholischen Priester Ferdinand-François
Châtel (1795-1857) zum Bischof und
seitdem wimmelt es von Abkömmlingen dieses Ordens und seiner Kirche.[642] * Einer ist zum Beispiel der Poet Joséphin Péladan (1858-1918), der seine Orden (u.a. "Ordre de la
Rose-Croix du Temple et du Graal," der schon 1895 das OTO-Lamen trägt)[643] * mit Gérard Encausse/Papus' Orden verschmilzt. Die Sukzession von Fabré-Palaprats Orden lebt in Papus' "Independent Group of Esoteric Studies"
und in dessem Belgischen Zweig KVMRIS weiter. Und einer der
"Sekretäre" der KVMRIS ist der Chevalier de Saint-Marcq.[644] *
Da sicherlich auch
Aleister Crowley in "Magick in
Theory and Practice" (Paris 1929) in seinem Kapitel "The
Eucharist" an Saint-Marcq gedacht
hat,[645] * folgen nun ein paar (übersetzte) Textauszüge.
"Die Hostie
ist kein Abbild oder Symbol der Göttlichkeit; nach katholischer Lehre ist sie
die Göttlichkeit selbst, zugleich materiell und spirituell, stellt sie die
Person Jesus Christ dar."
Hier nun die Lehre, "die
Christus den Ohren seiner Schüler anvertraute." [Es folgt Johannes
VI,47-55, u.a.: "Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das
ewige Leben."[646] *] "Wie kann ein Mensch veranlassen, dass man
sein Fleisch isst und sein Blut trinkt, ohne sich zu zerschneiden, sich ein
Glied auszureissen, sich zu verletzen, ohne der Ganzheit seines Körpers Schaden
anzutun? Wir haben keine Wahl; wir müssen es so nehmen, wie es uns die Wissenschaft
liefert: das Sperma des Menschen
ist essbar: halb-fest, halb-flüssig, und kann so gleichzeitig gegessen und
getrunken werden; und ist so gleichzeitig Fleisch und Blut ... derselbe Akt immer wieder wiederholt, mit
denselben Worten, mit denselben Gesten, lässt in unserer Mitte, an unzähligen
verschiedenen Orten, die Gestalt des Gründers des Christentums
auferleben." Saint-Marcq führt nun Textstellen aus der Bhagavad-Gità an,
findet z.B. "VII.8. Ich bin, sagt Gott, die männliche Kraft im
Menschen" oder "IX.18. Ich bin der unsterbliche Samen" und zieht
den Bogen zu ägyptischen und griechischen Beispielen. "Es ist also
nicht völliger Aberglaube, dieser absolute Glaube an die Möglichkeit, durch
Verzehr von Sperma eine Verbindung
zwischen dem Menschen und Gott herzustellen." Selbstverständlich wird dazu kein "fleischlicher
Verkehr mit dem anderen Geschlecht" benötigt, womit wir beim XI°
wären.[647] * Dies nennt Saint-Marcq "agape, du grec agapô." Und dies
lange vor Crowley!
1910 folgt die
Fortsetzung des Chevaliers: "Les Raisons de l'Eucharistie," aus denen
aber nichts Nennenswertes herauslesbar scheint.
Interessanterweise
sieht auch der Homöopath Krumm-Heller das
Sperma als halb-flüssig/halb-fest. Dieses
astrale Liquid ist für ihn der "mediador," also "Cristo,"
woraus zu schliessen sei, dass die Kraft und Essenz des wahren Vermittlers im
Rückenmark und in den Geschlechtsteilen sitzt.[648] * Krumm-Heller strebt jedoch nach Androgynität, braucht
dazu die Frau, und lehnt Masturbation und Homosexualität ab.
"En el acto
sexual debe separarse a Dios de la bestia, al angel del macho bravío. La
voluptuosidad carnal ha sido la que más ha denigrado al hombre, y hay que tener
en cuenta que en ese momento, en un éxtasis de amor, debe confundirse con la
Fémina ... En cuanto a la Trinidad, el Padre-Dios en un extremo y la materia
en otro, no pueden ser entrelazados sino por Cristo como nexo de unión. Pero
el Cristo nada puede hacer sin el auxilio de la Serpiente, ya que la fuerza y
el poder sólo residen en ella. En sus misterios encontramos pura fisiología. El
Padre es la cabeza, el cerebro increado. En su base y en el extremo opuesto,
la material, el organismo duro concebido por la carne. En el medio, el
líquido, el semen creado por sí mismo."[649] *
Isopathie?
Auch wenn Sperma als Träger des göttlichen Logos gesehen wird, könnte
es kaum als homöopathisches Heilmittel
eingesetzt werden, da die Ähnlichkeit der homöopathischen Gabe ja auf der Ebene der ganzheitlichen
individuellen Gesamtsymptomatik und Eigenheit einer übergeordneten
Krankheit basiert.[650] * Damit Sperma pharmakologische Wirkungen als homöopathische Universalmedizin entfalten könnte, müsste es
überdies zuerst zu einem Medikament werden, das es als Substanz nicht ist. Ein
solches würde es nur, wenn man es nach der Hahnemannschen Zubereitungsart
behandelte, d.h. es aus seinem materiellen in seinen energetischen Zustand
überführte. Es aber zu potenzieren wäre unnötig, da der Logos schon immanent
ist. Da der menschliche Aspekt ausserdem nicht ausgemerzt, sondern potenziert
würde, und miasmatische/homöopathische
Prädispositionen möglicherweise nicht nur über die DNS weitergegeben werden,
sondern sich der Einfluss von Krankheiten auch während der Lebenszeit vom
Eltern-Teil via Zeugung auf die nächste Generation überträgt (z.B. Syphilis),[651] * dürfte das Sperma aus diesen Gründen als homöopathische Gabe/Universalmedizin auch nicht in
potenzierter Form in Betracht kommen. Konsequent zeigte sich diese Problematik
des "idealen Sperma" in der
HIV-infiszierten Substanz.[652] *
Die Schauung der
Homöopathie erklärt die Einbringung von
Göttlichkeit nicht. Es sind jedoch bislang keine homöopathischen Arzneimittelprüfungen mit Sperma, ob nun potenziert oder nicht, bekannt geworden, so
dass alle diesbezüglichen Fragen offen bleiben.
Eine mögliche
Verbindung von Sperma-Konsumation mit der
Heilkunst liesse sich über die Isopathie herstellen. Während die Homöopathie mit Fremdstoffen, körpereigenen Stoffen und
Krankheitsprodukten arbeitet, zieht die Isopathie körperfremde und körpereigene Substanzen, z.B. Blut
und Urin, als krankheitsauslösendes Agens (Stoff, Erreger), auch in
potenzierter Form, vor. "Isos pathos" bedeutet "gleich dem
Leiden." Hier offenbart sich die geistige Verwandtschaft der Isopathie mit Spermagnosis. Man halte sich folgendes Schema vor Augen:
Arsen bei
Arsenvergiftung
Streptokokkenpotenzen
bei Streptokokkeninfekt
Sperma bei Spermavergiftung
Logos bei
Logosvergiftung.[653] *
Dies dürfte mit der
Geschmeidigkeit gnostischen Denkens ohne weiteres praktizierbar sein, wirft
jedoch weitere Fragen auf, wie: welche Göttlichkeit oder welcher Logos auf wen
oder was vergiftend wirkt - oder ob es doch nicht einfacher wäre, sich
weiterhin altmodisch-gnostisch-tantrisch-yogisch den Logos ohne homöopathisches und/oder isopathisches Konzept zuzuführen oder
sich mit ihm zu vereinen?
Es stellt sich auch
die Frage, welchen Effekt die Praxis des "Caliphats," die Hostie in
Crowleys Gnostischer Messe (falls
bestehend aus Sperma und Menstruationsblut)
bei 160° Fahrenheit im Ofen zu erhitzen (um dem HI-Virus den Garaus zu machen),[654] * auf die Substanz in gnostischer, homöopathischer oder isopathischer Hinsicht bewirkt.
Vielleicht sollte das Amrita tatsächlich koagulieren?
Magie
Sexuelle
1994 wird in der
Person Ernâni de Paulas Krumm-Hellers FRA
in Brasilien mit Clymers FRC verschmolzen. Um die Kompatibilität der beiden Systeme
zu überprüfen, sei kurz auf P.B. Randolph eingegangen. Es ist hier jedoch nicht der Platz, um
eine Biographie Randolphs oder dessen
Lehren vorzustellen.[655] * Um die Sexualmagie der "Hermetic Brotherhood of
Light" mit derjenigen des OTO und der FRA zu vergleichen, habe ich
Joscelyn Godwin, Autorität über Randolph, um eine Hypothese gebeten. Von Randolph ist hauptsächlich sein angebliches Hauptwerk, die
"Magia Sexualis," bekannt.[656] *
"I think that
Magie Sexuelle is freely adapted from the manuscript instructions given
(or sold) by Randolph to the
members of Eulis. But since no copy of these is known, I can only compare Naglowska;'s text[657] * with (a) the teaching documents circulated by the
H.B. of L. in the 1880s and 1890s, and (b) Randolph's published works. (a) The H.B. of L. documents,
especially "The Mysteries of Eros," were largely adapted by Thomas H.
Burgoyne and Peter Davidson from Randolph. They include the basic theories of Magie Sexuelle
and the principles of Volantia, Decretism, and Posism, but they lack the
chapters on Hermetic correspondences (colors, music, substances, etc.) and the
detailed instructions on positions for intercourse. (b) A comparison of the
chapter on magic mirrors (Magie, ch. XIX) with its source in Randolph's Seership!, Part II, shows that the adaption
is extremely free. Many sections are left out, a few things added. This
could be because Randolph wrote a different version in his manuscripts from
what he printed in his books. But I don't think that is the reason, because the
style of the whole of Magia Sexualis (imagining the English behind the
French text) does not resemble Randolph's in the least. I think therefore that it is freely
adapted by Naglowska, and that
until the Eulis manuscript is discovered, we can't say what details may have
been her own. Therefore I agree with Gordon Melton that MS is not "written by Randolph," but I think it's closely based on him.
Now to the
questions concerning the FRA of Brazil, and how far their Weltanschauung fits
with Randolph.
In The Grand
Secret, or Physical Love (San Francisco: Pilkington & Randolph, 1861-62), pp.76-77 and elsewhere, Randolph recommends a form of Karezza (though without so naming it) in which the prostate
fluid is ejaculated but not the sperm. He says that the reader has to write to
him to get the practical instructions, called "The Golden Letter."
In this book (his first on sex) he violently condemns masturbation,
prostitution, and any non-loving sexual intercourse, and recommends that sex
between lovers be infrequent, reserved for special occasions when both
parties are most willing and usually open to the possibility of conception.
Randolph never reprinted The Grand Secret, probably
because he later came to believe that Karezza was wrong.[658] * In later works he calls the Oneida Community, who practices it, "masturbationists."[659] * But doubtless there were followers of his who did not
agree.
Surprisingly
enough, the FRA group could rightly be said to be followers of Randolph's earliest sexual teaching, i.e. including
Karezza. Their asceticism, vegetarianism,[660] * use of sex as a sacrament and of sperm only for
making children, closely resemble the teaching of the H.B. of L. under Davidson, who considered that he was "cleaning up"
Randolph's work. The inferiority
of woman, however, is not attributable to either Randolph or the H.B. of L., as both of these regard her in a
sense as a superior being. I think this is something the FRA deduces from Pistis
Sophia.[661] *
R.S. Clymers FRC lehnt
Karezza ab. Siehe "Clymer's reprint of Eulis (called The Immortality of Love,
Quakertown: Beverly Hall Corporation, 1978, p. 72),[662] * which shows that Clymer was very much anti-Karezza." Bei
Randolphs Textstelle (p.72), dass der
Mann "effectually control[s] the ejective action of the seminal
vessels: but he is an unwise and suicidal man who attempts a thing so unnatural
and injurious," fügt Clymer eine Fussnote ein, dass diese Methode zu Hirnschäden
und entzündeter Prostata führe und sogar schlimmer als Onanie sei. Genauso aufgeregt
äussert sich Clymer über Jean Mallingers Internationalen Sekretär an der FUDOSI, Marc Lanval, der sich für Karezza einsetzt.[663] *
Es bleibt also völlig
unbeantwortet, welchen Praktiken nun die brasilianische FRA/FRC folgt.
Paul Köthner/'Raphaël' hat schon 1908 zusammen mit dem Theosophen
Hugo Vollrath Randolphs/Burgoynes "Light of Egypt" als "Hermetische
Lehrbriefe" publiziert. (2. umgearbeitete Auflage 1924).[664] * Dies legt die Vermutung nahe, dass Krumm zumindest
diesem "Sternweistum und Alchemie" begegnet ist. - Der
deutschsprachige Leser kann sich neuerdings wieder anhand einer deutschen
Neuauflage von Pascal Beverly Randolphs angeblicher "Magia Sexualis" darüber
orientieren, was religiös verbrämte Sexualität mit dem magischen Laden von
Amuletten, dem Menstrualblut, magischen Spiegeln und der Belebung von Bildern
zu tun hat.[665] *
Krumm-Heller
und Rassismus
Randolph spricht in "Eulis" (Toledo 1896), 173, von
Rassenmischung zwischen Mensch und Tier, die Zwerge hervorbringe und
Hottentottenfrauen, sobald eine von Affen vorgenommene Vergewaltigung
stattgefunden habe. Dies erinnert an Liebenfels' Theozoologie.[666] * Es ist hier jedoch nicht der Platz, um die besonders
in magischen Traditionen lebendigen ariosophischen, rechtsextremen,
antisemitischen und rassistischen Bewegungen aufzuzeigen. Die Theosophie z.B.
ist voll davon.
"Leider"
ist von Krumm-Heller diesbezüglich wenig zu erfahren. Wohl kann er
"minderwertige Rassen" anhand ihrer Gerüche unterscheiden (wie zu Anfang
dieser Studie beschrieben worden ist), scheinbar hat er Nazi-Deutschland
relativ unbeschadet überstanden, nichtsdestotrotz ist es in Mexiko, wo er
seine Wahlheimat und Südamerika, wo er seine treuesten Anhänger gefunden hat.
Duval Ernâni de Paula hat Krumm nach 1945 wieder getroffen und von
ihm erfahren, dass dieser absichtlich rassistische Äusserungen in seinen
Büchern und Briefen untergebracht hätte, um der Gestapo zu entkommen. Trotzdem
sei sein Archiv konfisziert worden.
Über Krumm-Hellers extreme rechtsgedrehte politische Ansichten: Die Sklaven sollen dienen und Dance the Adolf Hitler
(Theodor Reuss und) Aleister Crowley: Liber Agape
Ob nun Krumm-Heller
schon 1908 von Reuss in Paris mit dessen
sexualmagischen Methoden vertraut gemacht worden ist oder erst später, die
Tatsache, dass die beiden noch 1921 gemeinsam Artikel verfassen, lässt auf
gegenseitige Anerkennung schliessen. Höchstwahrscheinlich ist folgender Text
zur Kenntnis von Krumm-Heller gelangt. 1912 lässt Theodor Reuss durch Aleister Crowley das Geheimnis des OTO niederschreiben - acht Monate,
nachdem letzterer X° für die Britischen Inseln geworden ist. Bemerkenswert
sind die christlich-gnostischen Elemente, die sicherlich auf das Konto von
Reuss gehen. In fast keinem anderen Text
hat Crowley ähnlich positiven Bezug auf
die Dreieinigkeit oder Jesus Christus genommen.[667] * Die im 30 Jahre späteren Text "Emblems and Mode
of Use" angegebenen Bibelquellen[668] * sind sicher als Seitenhieb auf das Christentum
gedacht - ansonsten sind die "Emblems and Mode of Use" lediglich
eine Kurzversion des nun vorliegenden Textes, der eine Mischung aus Gnosis,
Freimaurerei und einem tantrischen Kultdrama scheint. Einmal mehr versagen
die Waffen der Logik an der Lust am Pompösen und an den Erfolgserlebnissen der
Helden im Untergrund, wahrscheinlich gerade deshalb immer wieder Anhänger zu
finden.
Bevor Crowley 1914 weitere sexualmagische Instruktionen verfasste,
schrieb er (wahrscheinlich mit Reuss) noch 1913 die Gnostische Messe (völlig ohne christliche
Bezüge) mit[669] * und feierte Ende 1913 in Paris die homosexuellen
"Paris Working" "to reconstitute the OTO." In späteren
handschriftlichen Versionen Crowleys des "Liber Agape" fehlen diverse
christliche Referenzen. Dafür hat er dazu 1914 seinen eigenen Kommentar
"De Arte Magica" geschaffen, worin er von dem dem IX° überlegenen XI°
spricht.
1973 wird das nun
folgende "Agape vel Liber C vel Azoth" zum erstenmal in einer
gekürzten Variante von Francis King in "The Secret Rituals of the O.T.O." veröffentlicht,[670] * in der kleinere Textpassagen fehlen oder umgestellt sind.
Adolf Hemberger tut dergleichen in einem seiner über 30 Bände - er verfügt
aber über eine vollständige englische Version.[671] * Eine nochmals gekürzte und verstümmelte erstmalige
deutsche Version erscheint Anfang der 1980er Jahre in Berlin von Michael D.
Eschner (einer selbsternannten
Re-Inkarnation Crowleys) als "Die
geheimen sexualmagischen Unterweisungen des Tieres 666."[672] * Heiner Fabian/'Cornelis' übersetzt erneut, diesmal für den Ordo
Saturni, unter dem irreführenden Titel
"Magia Sexualis," in den Mitt-80er Jahren Kings Version. Beide
deutsche Übersetzer scheinen nicht zu wissen, wovon die Rede ist.
Hier erstmals
vorliegend die Übersetzung der ursprünglichen und vollständigen englischen
Originalversion aus dem Gerald Yorke Archiv mit dessen Anmerkungen (soweit leserlich).[673] * Die mutmasslichen Reuss-Passagen (alle, die kein Thelema enthalten) sind also
vermutlich Rück-Übersetzungen ins Deutsche. [nicht in der online-Version]
Theodor Reuss: Ritter der Rose und des Kreuzes
Da sich
FRA-Mitglieder auch mit dem freimaurerischen Begriff "Ritter vom Rosenkreuz"
schmücken, soll hier das bislang noch nie publizierte englische Reuss-Ritual von ca. 1920 eine mögliche Quelle dieser
Bezeichnung anbieten. Man beachte den Begriff "Viracocha," den Krumm-Heller ja als seinen esoterischen
Namen in der Version von "Huiracocha" wählte. Da Reuss Crowleys Thelema bald abgelehnt hat, sind hier, wie in den
anderen Reuss-OTO-Ritualen, keine
thelemitischen Referenzen aufzufinden. Ein leicht thelemitisches FRA-Ritual
und eine leicht thelemitische FRA/GKK-Messe sind als Faksimile in
"Materialien zum OTO" zu finden.
Knight
of the Rose and the Cross (VIII°?)[757] *
Opening
of the Lodge
When all are
seated in their proper places, the Master raps 'oo' with gavel and says to the
Light of the West: -
Master
Light of the West,
our first duty in convening this Lodge of Light is to see that the inner taper
is alright, and that no criticism, envy, malice or other shape or moral
darkness obscures its shining. You will communicate with the Inner Guard and
let him inquire if the avenues are closed, so that the pure in heart who bear
witness to the Light may enter.
Light
of the West
Inner Guard,
inquire of the Outer Guard if the avenues are closed against all wordly
influences and if we are properly guarded against them.
Inner
Guard
(Gives one knock
at the door outside of which sits the Outer Guard who answers with one knock)
Are the avenues to the Temple closed and properly guarded?
Outer
Guard
Brother Inner
Guard, the avenues are secured and are properly protected.
Inner
Guard
(Turning to the
Master) Master of the Temple, the avenues are secured and we are properly
guarded.
Master
Light of the West,
is the Light of the senses unobstructed? Are you consecrated to the Highest and
willing to proceed with the duties of your Office?
(Here all the
officers and members respond by giving the sign)
Light
of the West<
Light of the
South, is the Light of the senses unobstructed? Are you consecrated to the
Highest and willing to proceed with the duties of your office?
(Here all the
officers and members respond by giving the sign)
Light
of the West
Light of the
North, is the Light of the senses unobstructed? Are you consecrated to the
Highest and willing to proceed with the duties of your office?
(Here all the
officers and members respond by giving the sign)
Light
of the South
The Light of the
senses is unobstructed by any cloud or moral darkness and I am conscious of the
Divine presence which permeates every atom of space.
Light
of the North
We have been told
that the North is a place of darkness, but in the Lodge of Shekinah shines as
in the days of old when it rested upon the mercy-seat in the Holy of Holies
dispelling darkness from the North; for the Lord shall arise and his glory be
seen upon thee, and those who are in darkness shall see the wondrous Light and
Kings shall come to the brightness of thy rising. We now see the Light
emanating from the Shekinah.
center>Light
of the West
Master of the
Temple, the Light of the senses is unobstructed and is never darkened by the
shadow of earth. We are called to the marvelous Light of the Divine Presence
and will listen to the Beth Rol -
the voice of the Shekinah.
Master (Giving oOo)
Light
of the West, then you will see that all present are in possession of the
pass-word.
Light
of the West
Light of the
South, you will see that all are in possession of the pass-word.
Light
of the West
Light of the
North, you will see that all are in possession of the pass-word.
(The Light of the
South and the Light of the North whisper the pass-word to their assistants, who
after receiving it, collect it from the members in the Temple)
(While the
assistants are collecting the pass-word, the High-Priest goes to the Light of
the West receives the pass-word from the Light in[758] * the West and carries it to the Master, after which
he returns to his seat.)
(While this is
taking place there is music by the organist.
Music: Queen of
the Night.)
Master
Are all within the
body of this Temple consecrated to the Highest?
(All respond by
giving the sign)
(A circle is now
formed around the Altar. The Master gives a Mantram to be held, and while this
is held, there is music of a dreamy, imaginative kind.)
Master
My heart is glad,
for I have seen the glory of His Presence.
(The Circle breaks
and all return to their seats. Music continues until all are seated.)
Master
I now declare this
Temple open for Exoteric work. Let us proceed with honorable and holy intent to
the business to be transacted. No one Opening.
Order
of Business
Roll Call
Reading of Minutes
Etc.
Closing
of Temple
(To close the
Temple, all arise, form a circle about the Altar, join hands, the organist
plays the organ or piano and Master says:)
Master
You will now break
the Circle by each Brother turning to the right. Peace be with you.
Music
Initiation
Officers. Master,
High Priest, Conductor.
Lodge Room
Vestibule and Hall
of Meditation in the East. The Cross and Rose painted in the East of the Lodge
Room.
(Conductor who
sits in the East, gives one rap on the door which is answered by the Outer
Guard in the same way. He opens the door, standing in it and addresses the
candidate as follows: -
Conductor
Thou seeker of
Truth, have you seriously considered the step you are about to take in becoming
initiated into this Degree? Are you able to say on your Sacred honor that you
see this initiation without any sinister motive, selfish purpose, or ignoble
curiosity; that you are actuated alone by the desire to fit yourself for a
better man or woman, a better citizen and a better Brother? If you have any
doubt in your heart of your perfect consecration and loyalty to the Principles
of this Order, now is your opportunity to withdraw from further obligations.
We will now give ourselves to silent meditation and prayer.
(The Members
remain very quiet while the organist plays some dreamy music. After the music
has ended, Conductor produces hood-wink[759] * and says: -)
Conductor
Those who wish to
proceed will now advance in line.
(Candidate
advances. As he advances the Conductor hoodwinks him, throws around him a black
mantle, and when ready says:)
Conductor
You are now ready
to consciously take the steps which lead to the door hitherto closed to you.
Ask and it shall be given you. Seek and you shall find. Knock and it shall be
opened to you, this is applicable to the Great Door of which this is but an
emblem, and which leads into the vast and boundless realm of Truth.
(The Conductor now
gives one tap on the floor with his Staff or Sword and Master demands:-)
Master
Who seeks
entrance?
Conductor
Those who desire
to leave the fog-bound valley of the senses and ascend to the plain of
Illumination, the Light of which has appeared as a Beacon.
Master
By what means do
we know that they seek the Light?
Conductor
By their
willingness to renounce the guidance of the senses and accept the Inner Light
as their Criterion of Truth.
Master
Are they willing
to prepare the dead for burial and pass all tests to prove their sincerity?
Conductor
They have
signified their willingness to conform to all requirements.
Master
In the name of the
One Supreme Being common to all religions, even to those which include
Polytheism and the worship of Idols, the Para Brama of the Hindoos, the
Eternal Spirit of Budda, the Zerbane Akeren of the ancient Persians, the
Supreme Essence floating on the dark waters of Scandinavian Mythology, the
Belus of the Chaldeans, the Kneph of the Egyptians, the Virococha of the Mexicans,
all identical and representing the God of the Jews, Mohammedans and Christians,
I bid you enter.
(Conductor with
Candidate enters. As they do so, the Master draws down the hood-wink and with
the right hand lightly presses the lower point of the triangle to the middle
part of the Candidate's forehead, saying as he does so:)
Master
I receive you into
this Lodge of Light on the lower point of the triangle. Thus far you have done
well. You are now about to traverse the valley of the shadows of death. Be
steadfast throughout the journey before you.
(The hood-wink is
now replaced and the Conductor takes the Candidate by the right and in order to
lead him seven times around the Temple before taking him to the Hall
Meditation. While he walks around the Temple he repeats the following:)
Conductor
The Lord is my
Light and my Salvation.
Though I walk
through the valley of the shadow of death, I will fear no evil, for Thou art
with me. Thy Rod and Thy Staff, they comfort me.
(The Conductor
times himself so that there is but one repetition for each round made. There is
soft music in harmony with this.)
(When the East is
reached on the seventh round, the Conductor takes him to the Hall, where there
should be a small table whereon there is pen and red ink and slips, one of
which the candidate signs. When possible, this room is draped in black. There
is a Cross, a skull and cross-bones on the table and a coffin along-side of it.
The hood-wink is raised so he can see. But one candle is allowed on the
table.)
(Soft funeral
music while in the Hall of Meditation)
(After the card is
signed, the Conductor replaces the hood-wink and takes the Candidate before the
Master, who stands between the Cross and Rose on the Wall and the Altar.)
(The Candidate is
told to kneel before the Altar and places his hand on the Holy Bible. The
Master presses the lower point of the Triangle against the Breast of the
Candidate, and says, in a low and impressive voice:-)
Master
If you still wish
to proceed you will now take the Obligation of this Degree:
I ... in the
presence of God the Father, the great Jehova, Adoni, God of Light, Agla and
Ahih, Masters of the Hierarchic forces and in the presence of these, my
brethren, and of my living soul, promise vow and pledge, that I well never, in
any manner whatsoever, betray anything that shall take place in this Sacred Temple.
I further promise
and swear, that I will, to the best of my ability, remain faithful to this
Temple and to the Great Temple; that I shall work for the Fraternity; and that
I shall not, in any manner, do aught that might bring disgrace or disrepute to
any member hereof or to the Order generally; and that if I cannot interest and
bring members to this Order I shall not in any way whatsoever, interest them in
any other work not in harmony with this.
To this Order and
its work I shall remain faithful unto death; and should I, for any reason, be
expelled from the membership of this Temple, I shall not, in any manner
whatsoever, either by look, word, or anything written or engraved, do aught
against it. Furthermore, should I thus be expelled, or should I leave the work,
the Temple, or the Order of my own free will, I shall return all manuscripts,
books, regalia, or aught else that I may have received with my scholarship or
membership.
Should I, for any
reason bear ill-will to any member, I will not enter this or any other Temple
until such time as I may be able to free myself from such destructive passion,
knowing that should I enter the Temple, and take part in the Invocations it
might bring death to me.
All these things I
vow, promise, and swear, to hold and to keep unto death. To work harmoniously
with all Brothers; interest others who are worthy so that they will become
workers for this mighty Order.
These things I
vow, upon my heart, my Soul, and my Sacred honor, in the presence of Almighty
God, the Father of all. So help me God, and witness all Hierarchies. Amen
(Pause).
(After the
obligation, the Master places his right hand on the Candidate's head. High
Priest places his left also on his head, and then extending his right hand to
meet the Master's left they thus form a triangle in which the Brother is closed.
Both remain thus while the High Priest says:)
High
Priest
Mayst thou be
anointed with the oil of eternal joy and receive an Unction from the Holy Fire,
by which thy heart will be purified, thy mind illuminated and thy whole being
prepared for the Holy Work before thee, and the Holy Light which thou art to
radiate to the world.
(There is now
silence for a few minutes whole there is dreamy, imaginative music.)
(The Master now
asks the Candidate.)
Master
What is the wish
of thy heart?
Candidate
(Prompted by Hight
Priest:) More Light.
Master (Extending the
right hand of fellowship) Arise, Brother, I greet you as a Brother and extend
the right hand of fellowship while you are still hood-winked to indicate that
even to Brothers unenlightend defenseless the hand of brotherly love must ever
be extended.
(The Master now
removes the hood-wink, places a taper in the hand of the Brother and bids him
light it. After he has lighted it, the Master again extends his right hand and
says.)
Master
Again I give the
right hand of fellowship and welcome you into Brotherhood of Light. You are now
a Knight of the Rose and the Cross. Your pass-word is ...
Lecture
Master
I will now
interpret the significance of the different steps of the Initiation. Unbiased
by any person or persons, but through your own choice and free will, you made
application to become a Brother of Light in this Temple. In the vestibule as
you waited, you sat on the seat of decision. You were blindfolded to indicate
your groping, unenlightened state. Your right hand was placed upon the back of
your Brother, a searcher after light like yourself, as emblematical of the
brotherly help to be given in time of darkness and need, and also the strong,
brotherly support which should uphold all Brothers in the Brotherhood work. The
one knock given by the Conductor, signified the one yearning desire of your
whole soul to enter into the Holy of Holies within your own Temple where the
Altar flame of God's presence forever glows with a fadeless radiance. You were
admitted because this one pointed desire swallowed up all others and you were
willing to undertake an unknown journey, blindfolded and ignorant, were willing
to promise obedience even though you were required to work with the dead which
in reality refers to your own dead and dying self which must be prepared for
death, before the resurrection, and all this in order that you might find the
Light. You perceive the significance of the journey through the unknown vale of
darkness and how it can be accomplished, when trusting to the Lord of Salvation
and leaning upon the rod and staff of Omnipotence. Even in the midst of the
dark shadows and the grim reminders of ephemeral mortality, you still held to
your purpose and solemnly inscribed your name in blood-red ink in token of your
loyalty to your ideal and the obligations you assume toward God and the Brotherhood
which represents humanity. You were then brought to the foot of the cross still
blindfolded as indicating that, though partically ready for the light, you had
not yet received it.
The triangle is a
symbol of Deity, of which more will be revealed later. Your admission on the
point as it pressed against your forehead is a reminder that God only may open
the eye of intuition and that when you begin the search for the True Light, you
are touched with Divine Wisdom.
You were asked to
kneel in token of your willingness to be taught, and again touched the point of
the triangle as an indication that, though touching it while still on the plane
of human weakness, yet as the side of the triangle reaches towards its own
apex, or Divine Perfection, so do your aspirations and strivings after spiritual
light traces the straight, upward path, by which you rise into the apex of your
God-like nature. Your hands upon the Holy Scriptures revealed the child-like
spirit of consecration which is essential to the finding of the Light, either
within or without.
My Brother, go
thou still further on your quest.
(The Conductor now
turns the Brother towards the High Priest.)
(The High Priest,
with a slender rod in his hand, points to the Rose and the Cross and says: -)
High
Priest
Out of the mystery
of darkness cometh light. You are, therefore, dressed in black and standing on
a black background to represent that out of the black ground of your earth
nature, shall be manifest the light of the Soul, and that your earth must be
under your Soulual foot. This cross upon which you gaze, is an age symbol of
the passing from death to life, or the crucifixion of the sense man [!] upon the cross of material conditions. Back of
the flesh man is the Soul man, back of the red cross of the sensual life is the
radiant effulgence of the Soul, and man, though he appears nailed to the rod,
will be freed by the transmuting power of the gold and awaken to find, though
the human die in the process, the Divine Will live, for back of the visible,
or earthy cross, is the one invisible of living light which unites the
individual, or resurrected Soul, to the Universal Source, though individualized
according to the channel through which it passes, is yet at one with the sun
from which it comes. The cross stands now as it ever has through all the ages
of human history as a symbol of life, the life emanating from God.
The rose flushed
with the tint of awakening day is the beauteous emblem of the Aurora, dawn or
resurrection of life, and together the cross and the rose signify the dawn of
Eternal Life.
The rose is also a
symbol of discretion concerning the mystery of life which dawns slowly and
secretly upon the Consciousness and concerning which no loud or profane word
should be spoken, but rather revealed by lips consecrated to the sayings of words
of life and light which display the inner Soul beauty, as the rose silently,
sweetly and beautifully reveals the ideal of itself as it must be in the mind
of the Creator.
(The High Priest
turns to face the Master who stands back of the altar. Conductor motions the
Brother to form a circle around the Altar with the Master opposite the High
Priest.
Master
Brothers, you are
now in the first circle of Light. Your faces are turned to the eternal goal.
You are committed to the Pathway of Light, on which are many whose feet might
stumble and whose hearts might falter were not your Brotherly hands ever
extended in sympathy and strength. To the light of Love be true and the Light
of wisdom will ever illuminate your life and conduct in your family, social,
business and civil relations.
You are now a
Knight of the Rose and the Cross, Entrance Degree
Faithful unto
death, is the watchword of a true Knight.
Love God above
all, and your Brother as yourself.
Live the interior
life and prove yourselves Brothers by the outer.
Remember the word
...
Remember the sign
...
(Silence, then
soft music, then the High Priest raises her [?] hands in benediction, and repeats seven times to soft music:)
The sun shall be
no more thy light by day; neither for brightness shall the moon give light unto
thee: but the Lord shall be unto thee an everlasting Light and thy God thy
Glory.
Thy sun shall no
more go down; neither shall thy moon withdraw itself, for the Lord shall be
thine everlasting light and the days of thy mourning shall be ended. Amen.
Amen. Amen.
(Triumphant
music.)
Queen
of the Night
(Music
is to be operatic)
Queen of the
Night
Thou Goddess
Queen,
Diffusing silvery
light.
Osirian born,
And wandering
through the gloom of night.
With stars
surrounding,
paying homage to
thy beauty
Night's torch
extending,
Through the
heavens you ride:
Mother of ages,
Fruit-producing
Moon,
Whose amber orb
makes Night's reflected noon:
Creator of Love,
Beautiful Queen
of the night,
Lover of
vigilance,
the foe of
strife,
In peace
rejoicing
And a prudent
life:
Fair queen of
Night,
Beautiful and
sublime,
Who giveth to
Nature's work their destined end.
Queen of all the
stars,
All-wise Diana,
hail.
Decked with a
graceful rove and ample veil.
Come blessed
Goddess, prudent, starry, bright,
Come, moony lamp,
with chaste and splendid light,
Shine on these
sacred rites with prosprous rays,
And please accept
thy supplicants mystic praise.
Theodor Reuss an Aleister Crowley
Berlin,
9 Nov. 21
Dear Brother
Crowley,
You should never
have allowed that last letter of yours of your Australian Ego to leave the
secrecy of your bosom. Whosoever sees me and hears me speak at Public Meetings
in this country sees, hears, and realizes that I am of sound mind. And
undoubtedly more so than that person who inspired Australasian [?] to suggest that I am demented. If you had not
written and sent those two last epistles there might have been a chance of
readjusting matters provided that
1. you had
declared to your followers that the O.T.O. does not preach and propagate the
Doctrine of the A.'.A.'. which runs "Do what thou wilt shall be the whole
of the Law," and
2. that your
followers should have been clearly instructed by you that the O.T.O. is not in
any way an annex or even in any way connected with the A.'.A.'. and that the
teachings of these two independent bodies must rigorously be kept separate and
distinct. And suppose these two principle points had been settled to my
satisfaction and that I should have received from your representatives assurances
that they will teach the pure and unalloyed principles of the O.T.O. in future,
you would
3. have to
remember that you signed an understanding to pay a certain precisely
stipulated fee to me for every person or candidate which you admitted into the
O.T.O. You may perhaps remember that you as yet have never paid even a single
penny to me ever since you were admitted, although you and your representatives
in foreign countries (and I am told that you make your candidates in America
pay very high fees for entering the O.T.O.) do demand fees and cash fees for
the admission of persons to the O.T.O. However, I shall not press this point. I
have never pressed you for payments of fees, and have, as you well know, also
never received fees from you. I only mention that you did years ago sign a
paper to the effect to pay fees to me.
If the above three
points had been settled to my satisfaction a rearrangement of our badly mangled
relations might have been possible. But your brotherly suggestion that I am
demented and your other suggestion to have your nominees, so to say,
"depose" me as O.H.O. - makes all arrangements impossible.
I can only use the
words of your so-called "Viceroy" "Do what thou wilt shall be
the whole of the Law" - of course only as far as you and your followers
are concerned. I have other work to do, and any attacks you make on me will
harm you more than me. For I am standing in the middle of a Public Patriotic
Movement and the people see and hear me and are able to judge for themselves.
With all good wishes for your future welfare.
I am Yours
Theodor
Reuss
P.S. Please do not
send me registered letters! We of the O.T.O. know no "Viceroys" nor
"Roys" in the O.T.O.
-+-
Crowleys Antwort am 23.11.1921: "It is my will to be
O.H.O. and Frater Superior of the Order and avail myself of your abdiction - to
proclaim myself as such." Was immer auch Crowley mit Reuss' "abdiction" gemeint hat, eine
solche ist bislang nicht bekannt geworden. Vier Tage nach dieser provozierender
Antwort an Reuss notiert sich Crowley am 27.11.1921 in sein Tagebuch, dass er sich jetzt zum
OHO proklamiert habe. Angesichts des Ortes (einem zur magischen "Abtei
Thelema" gekürten Bauernhäuschen in der Provinz Siziliens) und den
Aktivitäten mit seiner dortigen Handvoll Anhänger, ein krasser Gegensatz zu
Reuss' freimaurerischen Ambitionen.
Selbsternennung zum OHO ist ausserdem gegen die Statuten des OTO. -
Eine Bereinigung der
Streitigkeiten zwischen Reuss und Crowley erfolgt nicht. In der Dezember-Ausgabe 1921 des
"Rosenkreuzers" machen sich die beiden in Berlin wohnenden Reuss und Krumm-Heller nun gemeinsam als Nachfolger Carl
Kellners und Franz Hartmanns publik. Crowley wird persona non grata im originalen OTO.
Obwohl diese
Tatsachen ganz klar Crowleys Anspruch auf
das OHO-Amt widerlegen und zeigen, dass Crowley mit seinen Anhängern gegen Reuss intrigiert hat, um das OHO-Amt zu annektieren, und
ganz deutlich macht, dass ein thelemitischer OTO mit Reuss' OTO nur noch den Namen gemeinsam hat, behauptet
William Breeze (der jetzige
"Caliph") zu Reuss'
distanzierendem Brief an Crowley: "Crowley's succession is a matter of historical fact."[760] * Crowley hat jedoch nur als X° über die englischsprachigen Länder
Europas amtiert. Dieses X°-Amt kann nicht von einem X° weitervererbt (sondern
nur vom OHO erteilt) werden, alle Crowley-Nachfolger handeln also erneut gegen die
OTO-Statuten. Dies gilt auch für den selbsternannten X° (von Amerika) und
"Caliph" Grady McMurtry und dessen Nachfolger, den selbsternannten
"Caliph" (nun plötzlich auch noch OHO) William Breeze. Reuss' Reaktion
auf Crowleys Begriff "Roy"
deutet an, dass er die Einführung eines "Caliphs" ebenso abgelehnt
hätte.
Die Vorstellung, dass
sich der von Kellner und Reuss konzipierte freimaurerische Retorten-Hochgrad-Orden in
ein Jahrmarktszelt verwandelt, wo ein "Caliph" und seine
"Scharlachrote Hure" Tarot-Karten legen (so wie auf der
OTO-Newsletter II,2/6, Berkeley 1978, abgebildet), entspricht ganz genau
Crowleys Milch der frommen Denkungsart.
Heinrich Tränker: Der Ritter vom Rosenkreuz (18°)
Auch Heinrich Tränker, von dem Krumm-Heller geschwärmt hat, führt die Ritter
vom Rosenkreuz in seiner Pansophie/OTO/Memphis-Misraïm/etc.-Kompilation auf. In seiner
24 Seiten langen Schrift (undatiert) "Der Ritter vom Rosenkreuz"
zitiert Tränker, ähnlich wie Theodor
Reuss in "Parsival und das Enthüllte Grals-Geheimnis," die alten
Gnostiker, ohne jedoch den Phallus-Kult auch nur anzudeuten. Tränker verstreut des öfteren anti-freimaurerische Bemerkungen
und kommt auf Seite 9 auf die Bedeutung des 18° zu sprechen {siehe Zitat
unten}. Wie meistens bleibt Tränker im Numinosen und es ist gar nicht einfach, aus den
Tausenden von Manuskriptseiten aus Tränkers Hand etwas Aussagekräftiges herauszuhören. Eventuell
wird in einem Band "Das Beste von Heinrich Tränker" versucht, der Pansophie ("Die Sexualmagie ist... ein uralter Kultus
wirklich wahrer Verehrung des höchsten PAN")[761] * eine Plattform zur Selbstdarstellung zu bieten.
Pansophie und Rosenkreuz gehen bei Tränker eine selten durchschaubare Union ein, z.B. schreibt er
am 9.6.1948: "Eins aus allem! Alles in Einem! Das ist die Summa Secreta
Sapientia der Pansophia der 'Fraternitatis Rosaea Crucis' im Summum Supremum
Sanctuarium." Er verfasst aber auch "Instruktions-Handschriften
der Fraternitatis Germanicae Rosaea Crucis." (Berlin, ohne Datum)
"Der Grad der
Rosen lehrt drei Ringe: Die Einheit, Unwandelbarkeit und Güte Gottes, die
Unsterblichkeit der Seele und die endgültige Niederlage und Vernichtung des
Bösen, des Unrechtes und der Sorge durch einen Heiland oder Messias, der noch
kommen soll, wenn er nicht schon erschienen ist. Er ersetzt die drei Pfeiler
des alten Tempels durch drei andere, die Dir schon erklärt worden sind: Glaube
(an Gott, an die Menschheit und an des Menschen Selbstheit), Hoffnung (auf den
Sieg über das Böse, auf den Fortschritt der Humanität = Menschenliebe, auf ein
Jenseits) und Liebe (Lindern der Not, Duldsamkeit gegen Irrtümer und Fehler
anderer). Treu, hoffnungsvoll, nachsichtig sein, dies sind in einem Zeitalter
der Selbstsucht, der schlechten Meinung über die menschliche Natur und des
harten und bitteren Urteils die bedeutsamsten maurerischen Tugenden..." etc. etc.
Sexualmysterien der "Pansophia"
Auszüge
aus Tränkers Briefen an eine
Ordensschwester
Obschon kein direkter
Bezug zwischen Tränker und Krumm-Heller
bekannt geworden ist und sich Krumms bevorzugte "Pistis Sophia" ausdrücklich gegen unten beschriebene Techniken
wendet, scheint es dennoch gewinnbringend, zu schauen, was hinter der Pansophia
steckt: eine Art metaphysischer Groschenroman, wo sich Pneuma und Sophia näher
kommen. - Es ist im Hinterkopf zu behalten, dass H.S. Lewis, Gründer des AMORC, ebenfalls eine Zeitlang grosse Stücke von Tränker gehalten hat ("Das OTO-Phänomen," 55),
obwohl, trotz verwandter Symbole, Sexualmagie im Lehrplan des AMORC angeblich nicht vorkommt. Lewis, mit einer Reuss-Charta von 1921, hat bestimmt auch die Sexualmagie
von Reuss gekannt und P.B. Randolph sogar für einen der "foremost men of the
Order" gehalten.[762] * Lewis hat sich
an der FUDOSI 1934 in Brüssel von Jean Mallingers Mitstreiter Marc Lanval seine Rosenkreuzerische Legitimität beglaubigen
lassen. Genau dieser Lanval ist ein Jahr
zuvor in der belgischen Zeitschrift "Lumière Liberté, Naturisme - Nudisme
- Sexologie - Action Sociale" für Karezza eingestanden.[763] * Eine Zeitlang finden sich sogar das von Crowley propagierte "Do what thou wilt ..." und das
"Love is the law, love under will" als angebliche "ancient
Rosicrucian laws" in den AMORC-Lehrbriefen des 11. Grades (Nummer 10, Seite 3). Das
OTO-Lamen ist beim AMORC seit den 50er
Jahren jedoch nicht mehr zu finden.
11.9.1926 Liebe
Schwester Jehewida!...[764] * Sie dürfen vorerst keinen Sexualverkehr in irgend
einer Weise pflegen, damit Ihre magnetische Aura kräftiger wird als bis jetzt.
Da kommt dann die Sexualpflege, das heisst die vulva, das ist Yoni, muss auf
eine ganz bestimmte Art vorbereitet werden, den Phallus, das göttliche Glied in
allen wahren alten Religionen der Welt, richtig aufzunehmen und als Hauptzweck
eine ganz bestimmte Menge des Lebensfluides auszulösen, welches Fluid eine
grosse magische Bedeutung und Anwendung findet... Daher muss sich auch Ihre ganze
Natur ändern, um viel Fluid zu erzeugen, insofern Sie alles Passive abstreifen
müssen und durchaus in Ihrem Temperamente heiss und vollblütig werden müssen,
damit genügend abgesondert und gesammelt werden kann. Denn dieses bringt den
ganzen Magnetismus in Bewegung und Bewegung ist Leben und Leben ist Liebe!
Verstehen Sie mich, Jehewida? "Liebe ist das Gesetz. Liebe unter der
Kontrolle des Willens!"[765] * Bitte denken Sie darüber nach. Bei dem Akte muss
alles Gefühl dem Willen parieren, dieser ist göttlich gerichtet, deshalb wird
der ganze Sexualakt ein heiliges göttliches Opfer, aber keine Schlechtigkeit
oder gar etwas Unmoralisches! Der Dienst des männlichen und weiblichen Gliedes
ist in allen grossen Mysterien ein heiliger Kultus gewesen, denn er war kosmisch...
Weiters erhalten Sie durch diese Sexualvereinigung eine wundersame magnetische
Kraft übertragen von mir aus, welcher der ganze Höhepunkt Ihres Lebens sein
kann... Zuletzt haben Sie oben mein Passbild... Das Bild ist magisch und bringt
Ihnen viele Freude nach dort. Legen Sie es nur eine Weile an die Stirn oder auf
die Brust... Bitte geben Sie mir ausführliche Nachrichten, ohne sich zu
schämen, was Backfischen ansteht, aber Prüderie ist... Ich rate Ihnen auch,
pflegen Sie Ihren Körper in Natürlichkeit. Entwickeln Sie daran alle echten
weiblichen Eigenschaften, wie eine straffe volle Brust, denn diese sind hochgradige
Odbehälter und werden zur Entwicklung des Brustchakras, einem okkulten Zentrum
im Körper, gebraucht... Ebenso müssen die äusseren und inneren Genitalien ganz
systematisch gepflegt werden, damit wieder eine Ausweitung derselben streng
vermieden wird...
19.10.1926 ...
Frauen, die die Elite darstellen an Eleganz, Schönheit und Liebeskenntnis,
sind an allen grösseren Orten zu finden, wo es töricht wäre, sich lange bei den
Vorreden aufzuhalten... diese fluidalen Absonderungen beim Akte sind die
wundersamsten magischen Substanzen, die in zahlreichen uralten Religionskulten
sehr heilige Dinge waren!... Die Organe und alle entsprechenden Drüsen müssen
voll angeregt werden, damit der Strom des Lebens durchbrausen kann. Eine
kabbalistische Regel sagt auch: In den Organen des Körpers, welche am
lebendigsten sind (also die 6 Organe) ist dir Gott am nächsten.... sie werden
gebraucht, um auch im Liebesleben höchste Vollendung, meisterhafte Technik und
als Resultat - bestzubereitetes Elixier zu erhalten...
8.11.1926 ... sind
ja auch die sich auslösenden Fluide beim wahren Sexualakt so hochwichtige,
edelste Lebenssäfte, die es gilt, sie dabei in möglichst grosser Menge zu
erzeugen, denn sie sind die direkten Träger des magnetischen Lebensod und
besitzen wunderbarste Strahlungen und Kräfte. Deshalb müssen beide Teile als
entgegengesetzte Pole diese richtig benützen und zu verwenden wissen, nachdem
sie durch die bekannten Manipulationen ihren aufbewahrenden Teilen ejakuliert,
das heisst entspritzt sind. Beide sollten daher zu diesen magischen Zwecken mit
kleinen Gefässen aufgefangen werden, um die richtige Benutzung zu gewährleisten...
Gib mir an, in welcher Stärke und Menge Dein kostbares Sexualfluid ausgeströmt
ist, versuche es irgendwie zu messen. (Fingerhut etc.)...
2712.1926... Wie
Du aus dem Schreiben meiner Frau ja herausgelesen hast, ist sie wie immer, wenn
ich allein reise, masslos eifersüchtig. Sie selbst ist nicht im Orden... sie
denkt nur zu zweien, d.h. sie stellt ihre ganze Lebensaufgabe auf zwei oder
vier Beine und das ist, wie alle Erfahrung ja lehrt, Unsinn... niemals kann mir
meine Frau von der grossen Liebe geben, deren ich bedarf.. Nur im befreiten
Menschen, den wir durch unsere erhabene göttliche Weltbetrachtung - Alles ist
Gott - zu einer grenzenlosen höheren Liebe bringen und bewegen, wird auch der
letzte Rest der Sexualsünde, d.h. durch den sexualen Verkehr zweier Menschen,
ein Schuldbewusstsein aller unfreien Menschen, beseitigt... Hundertmal habe ich
meiner Frau gesagt, es sei für sie und auch für mich das allerbeste, wenn wir
auseinandergingen, weil ja auch die Ehe ohne Kinder sei... herzallerliebste Jehewida,
her mit Deinem Köpflein, mit Deinem süssen Mündelein, fest drücke ich Dich an
mich, immer fester und licke [sic]
und küsse Dich, mein goldenes treuliebendes Mädelein und Schwesterlein...
Heinrich Tränker: Ritual I der Agape
Liebesmahl
einer Pansophischen Rosen-Kreuz-Loge
Nach
einer Verordnung des Collegium Pansophicum vom 21. Dezember 1930 allen Pansophischen
Logen zum Gebrauch übergeben.
Die Abhaltung des Liebesmahles erfordert:
1 goldene Schale, mit Salz gefüllt.
1 Weinglas in Kelchform.
1 Phiole mit Rotwein.
1 silber Tablett mit Brot-Scheibchen.
1 Wischtuch zum Kelch abwischen.
7 brennende Lichte, davon 4 auf die Ecken des
Meistertisches, - dazwischen die Gefässe. Zunächst dem Meister steht das Salz,
rechts das Brot, dann links das Weinglas, zuoberst die Phiole. 3 Lichte brennen
auf dem Redner-Altar. Der Bruder Redner hält sich bei den Brr.'. und Schw.'. in
der Kette mit auf.
I. OPFERUNG
Br.1.Aufseher: Den alten Ritual-Gesetzen gehorsam,
frage ich die Brüder und Schwestern des Pansophischen Lebens und unseres
Meisters Christian Rosencreutz, wer mit mir willens sei, in Ruhe, Ernst und
Frieden am Liebesmahle Anteil zu nehmen?
Ihr Schweigen und Bleiben ist die Zustimmung, das
grosse magische Liebesmahl zur Ehre des Ewigen, - gelobt sei Er - abzuhalten. -
Nehmen Sie bitte Ihre Plätze ein.
(Alles geht auf die Plätze und wartet stehend auf den
Meister vom Stuhl, der einige Minuten später erscheint und der das Salzfass
mitbringt. -)
Sobald der Meister die Tür zur Loge öffnet, spricht er
den Weihespruch der Brüder vom Rosenkreuz:
Mstr.v.St.: "Sub umbra alarum tuarum - o
Jehova"
Alle sprechen: Wir setzen alle unsere Hoffnung auf
Ihn!
Mstr.v.St.: nimmt seinen Platz ein, alle anderen
setzen sich ebenfalls und er schlägt drei und zwei Schläge, und fragt:
"Bruder 2. Aufseher! Warum sind wir hier versammelt?"
Br.2.Aufseher: "Um den Leib mit Speise und Trank
zu versehen! Um die Seele mit erbaulichem Unterricht zu ergötzen! Um im Geiste
uns alle Zeichen brüderlichster Liebe zu geben!"
Mst.v.St.: Ein Schlag. "So lasst uns denn
eintreten in den grossen Tempel der Liebe und unseren Willen tun."
Br.1.Aufseher: "So geschehe es in diesem Grade
unseres heiligen Werkes, in dem sich alle Brüder und Schwestern solange mit den
Händen halten, und die Bruderkette bilden, bis die Loge geschlossen wird und
ein strenges Stillschweigen bewahren."
Br.2.Aufseher: (Sieht nach, ob alles richtig gemacht
ist, kehrt dann zum Meister zurück und spricht:) "Alles in Ordnung und
Erwartung, ehrwürdiger Meister!"
Mstr.v.St.: Ein Schlag. "Ewige Barmherzigkeit, Du
hast kein Geschöpf geschaffen, ohne es mit Nahrung zu versehen. Gib uns heute
unser tägliches Brot, damit der Leib bei Kräften erhalten werde. Du, Ewigkeit,
segne uns dieses Brot! Wir bitten auch demütig, gib uns heute die Nahrung
unserer Seelen, welche ist Liebe, Friede und Freude ohne Unterlass.- So segne
uns dieses Salz! - Und noch mehr spende uns Deinen Segen zum pansophischen
Wachstume unseres Geistes, damit in uns erweckt werde die Kraft Deines Wortes
und Deines Geistes! - Nur Dich loben wir, nur Dir allein die Ehre, Du bist das
Ewige und allein Mächtige in uns! So segne uns diesen Wein! Amen!"
Br.1.Aufseher: "In der Nacht, da der Grossmeister
von Nazareth, Christus, um sein göttliches Recht zu beweisen, verraten, wegen
seiner Liebe zur Wahrheit verfolgt, um seiner Freiheit willen gefangen und des
geistigen Lebens wegen zum Tode verurteilt ward, -- versammelte er seine
Schüler, um dies Liebesfest zu feiern, was uns auf sehr verschiedene Arten überliefert
worden ist. - Es soll ein Zeichen sein unserer Gemeinsamkeit, einer heiligen
Vereinigung. - Untersuche daher jeder zuerst sein Herz, ob die Liebe darin
herrscht, und dann, ob er, dem Grossmeister folgend, ebenso bereit ist, sein
ganzes Leben für seine Brüder, für den Geist des reinen Menschentums,
hinzugeben. Ist das nun euer fester Wille, so haltet die Opferung zu Eurem
Gedächtnis!"
Br.2.Aufseher: "So sei auch Dank unseren
ehrwürdigen Meistern im Orden Christian Rosencreutz, welche uns diese Mysterienfeier
zum Erlebnis der Grundstufe des Magnum Opum verordnet haben, damit harmonischer
Gleichklang alle Herzen vereine, die ebenfalls denselben Weg zum heiligsten
Ordenstempel des ersten Punktes pilgern!" -
Br.1.Aufseher: "Nun bitten wir alle vereint unseren
ehrwürdigen Meister vom Stuhl um die symbolische Nahrung für Leib, Seele und
Geist und seines heiligen Amtes zu walten."
Mstr.v.St.: Ein Schlag. - "Sei es so zu Eurer
Erleuchtung! - Das ist der Wille des grossen PAN: Wir alle haben die eine
grosse Aufgabe erhalten: Alles geliebt zu haben, damit wir den ganzen Logos
für den ALL-GEIST erretten. Alles gelassen zu haben, damit wir nach nichts mehr
Verlangen und Begehren tragen. Alles durchdrungen zu haben, damit wir kein
einziges Geschöpf mehr hassen und verachten können. Und zum immerwährenden
Selbstgedenken, dass diese unsere Pflichten in uns zum tätigen Leben erwacht
sind und wir aller unserer heiligen Meister der grossen Bruderschaft gedenken
als unserer Führer und Lehrer: bringen wir Dir, Vater PAN, diese Gabe von Brot
dar, den äusseren Leib des Christos, als Logos anthropos; und diese Gabe von
Salz, den Seelenleib des Christos, als Logos pneumaticos; und diese Gabe von
Wein, das Geist-Leben des Christos, als Logos spermaticos.
Nun nehmet, esset und trinket zur Erinnerung des
Bundes unverbrüchlicher Liebe und Treue des Ewigen mit uns und allen unseren
Brüdern!"
(Nun isst er zuerst ein Stück Brot, auf welches ein
wenig Salz gestreut wird, trinkt darauf einen Schluck Wein und reicht alles dem
ersten Aufseher, der ebenso verfährt, und dieser reicht es dem zweiten Aufseher
und dieser dann alles dem nächstsitzenden Bruder oder [der] Schwester, bis alle Anwesenden durch sind;
der letzte reicht es zurück dem zweiten Aufseher, der es auf den Tisch stellt.)
Ist alles beendet, so schlägt der Mstr.v.St. einen
Schlag und spricht: "Würdiger erster und Zweiter Aufseher! Sind Sie
bereit, mir auf meine Frage zu antworten?"
Br.1.und 2.Aufseher: "Wir wünschen, richtige
Antwort zu geben!"
II. BELEHRUNG[766] *
Mstr.v.St.: Ein Schlag. "Bruder 1. und 2.
Aufseher! Versuchen Sie alle beide in belehrendem Dialog mir zu erklären:
Woraus sind eigentlich alle Dinge entstanden?" (Der Br.1.Aufseher fragt
und der Br.2.Aufseher antwortet.)
Frage: Aus was sind alle Dinge entsprungen?
Antwort: Aus dem Chaos.
Frage: Was war das Chaos?
Antw.: Es war in der All-Licht-Welt oder Pan-Augia ein
finsterer unförmlicher Klumpen, welcher aus Wasser und Feuer bestand und durch
das kabbalistische Wort Haschamajm angedeutet wird. Aus diesem Klumpen sind
durch das allmächtige Wort alle Dinge dieser Welt erschaffen worden. Diese war
die erste Materia, in welcher alle Formen und Gestalten in ihrer Kraft
erhalten und nachher durch den Willen des grossen PAN geoffenbart worden sind.
Frage: Wie ist das zugegangen?
Antw.: Der Geist des Einen, Ewigen schwebte auf dem
Wasser und hat durch seine lebendig machende Kraft das Chaos beseelt, das Licht
von der Finsternis geschieden, das Leere erfüllt, das Finstere erleuchtet, das
Vermischte von einander gesondert, das Rohe mit seiner göttlichen Wärme zeitig
gemacht, das Unfruchtbare geschwängert und das Ungeordnete in Ordnung
gebracht.
Frage: Was entstand aus der Scheidung des Chaos, der
Pan-Augia?
Antw.: Es sind sieben Hierarchien der Engel, welche in
Legionen eingeteilt werden, als die Cherubimen, Seraphimen, Thronen,
Herrschaften, Fürstentümer, Mächte und Kräfte, welche lauter reine Geister
sind, die aus Licht erschaffen und das Glück haben, die Gottheit in ihrer
Herrlichkeit zu sehen, zu leben und ihren Willen zu tun.
Frage: Was ist die pan-psychische Welt?
Antw.: Die sieben Planeten und alle Sterne des
Firmaments.
Frage: Was ist die Sonne?
Antw.: Sie ist der allerreinste und vollkommenste
Körper, welcher aus dem Lichte gezogen wurde und daher fähig ist, das
erschaffene Licht, wie es aus seinem Zentrum ausfliesst, durch seine
Vermittlung zu erhalten und es den übrigen Gestirnen und Dingen mitzuteilen.
Frage: Was ist denn der Mond?
Antw.: Der Mond ist ein Planet, welcher seinen Körper
aus dem Allerreinsten des Abgrundes erhalten hat, sein Licht von der Sonne
empfängt, dasselbe mit seiner eigenen Essenz korporisieret und es dann nach
und nach wieder den unteren Dingen mitteilt.
Frage: Woher empfangen die anderen Planeten ihr Licht?
Antw.: Die übrigen Planeten und Gestirne erhalten alle
ihr Licht von der Sonne, als dem Generalempfänger des erschaffnen Lichtes.
Dagegen werfen die anderen Gestirne von der Essenz ihrer Körper solches nach
ihrer Ordnung der Sonne beständig wieder zu, daher sie in ihrer Macht und in
ihrem Glanze erhalten wird, ihre Strahlen von sich wirft, die Luft damit
erfüllt und durch dieselbe den sublunarischen Körpern zusendet.
Frage: Was ist die pan-kosmische Welt?
Antw.: Der feste Körper, welchen der grosse PAN bei
der Scheidung des Chaos als den gröbsten Teile von dem Reinsten geschieden hat.
Frage: Ist denn dieses Weltgebäude sogleich in seine
vollkommene Fassung gesetzt worden?
Antw.: Nein! - Sondern der Ewige erschuf erstlich aus
seinem kräftigen Worte den Geist, nach der kabbalistischen Version Ruach
genannt.
Frage: Warum zuerst den Ruach?
Antw.: Weil der Geist sowohl in der Gottheit als in
den Geschöpfen das Grund-Wesen und der Urstoff aller Dinge ist.
Frage: Was ordnete Gott mit diesem Geist bei der
Grundlegung dieser Welt?
Antw.: Der Allmächtige liess diesen von sich
ausgehenden Geist den Mittelpunkt des Welt-Gebäudes suchen, sich daselbst
setzen und zusammenziehen, in welchem Mittelpunkte er noch mehrere Wesen aus
sich gebären und sodann aus dem Mittelpunkte seiner Herrschaft sich in eine
gehörige circumsphärische Weite ausdehnen könnte.
Frage: War diese Zentralzusammenziehung nötig?
Antw.: Allerdings, - denn wir sehen es ja mit Augen,
dass ohne Zusammenziehung eine Konzentration, noch jetzt keine Sache, weder
Tier noch Kraut oder Metalle werden könnten und folglich wäre auch dieses
Welt-Gebäude nicht an das Licht gekommen.
Frage: Waren denn noch andere Wesen zu diesem Welt-Gebäude
nötig?
Antw.: Ja! - Denn ein einfacher subtiler Geist hätte
die Vielheit und Mannigfaltigkeit dieses Kosmos nicht machen können, mithin
musste der allgemeine Universal-Geist durch die Zentralzusammenziehung noch
mehrere Wesen zur Mannigfaltigkeit dieser Welt machen.
Frage: Was für ein anderes Wesen machte der Geist
durch die gedachte Zusammenziehung?
Antw.: Eine zweite Art seines Wesens, welche wir Seele
nennen.
Frage: Wie wird diese Seele von den kabbalistischen
Weisen genannt?
Antw.: Nephesch, d.h. ein abgenommener Zweig, weil die
Seele als astral aus dem allgemeinen Weltgeiste genommen wurde.
Frage: Wie ging diese Abzweigung vor sich?
Antw.: In der zusammenziehenden Bewegung nahm der
Geist durch den Zusammendruck seines Wesens einen Teil seines Wesens von sich
selbst ab und zog es mithin noch etwas dichter zusammen, als sein Wesen selbst
war. Dieses vom Geiste abzweigende oder abgesonderte, emanierte Wesen bekam
folglich auch eine andere Kraft oder Bewegung.
Frage: War die Seele mit ihrer zusammenziehenden Kraft
genügend, den grossen Weltbau darzustellen?
Antw.: Nein! - Denn, obgleich die gedachte Seele ein
dichteres Wesen als der Geist an sich empfing, - so war sie doch noch gar zu
geistig, unsichtbar und einfach, mithin zur Mannigfaltigkeit dieses grossen
Weltgebäudes noch nicht zulänglich und folglich war noch ein drittes Wesen
notwendig.
Frage: Was war dieses für ein Wesen?
Antw.: Ein Leib, d.i. die Erde, als der gröbste Teil
von dem reinsten Lichte geschieden, um sich vervielfältigen zu können, wie es
die drei Reiche der Natur täglich beweisen. Die Seele ist also nur ein
verändertes Wesen des Geistes und der Leib ein verändertes und dichteres Wesen
der Seele. Daher wird immer des Leibes, also der körperlich-materiellen
Schöpfung, nur im Sinne der Nephesch gedacht.
Frage: Was war also auch auf Erden im Anfange?
Antw.: Ein Tohu-Va-Bohu, - ein Chaos, ein finsterer,
unförmlicher Klumpen.
Frage: Was hat dieses Chaos mit unserer Verbrüderung
des Kreuzes und der Rose zu tun?
Antw.: Es ist das grosse Geheimnis im Mysterium des
ersten Punktes und der Baustein, den die Bauleute entworfen haben.
Frage: Erkläre mir das deutlicher!
Antw.: Man hat mir für dieses Mal verboten, darüber
etwas weiteres auszusagen!
III: Danksagung
Mstr.v.St.: Ein Schlag. "Würdige und geliebte
Brüder und Schwestern! Wir haben nun unsern sterblichen Leib gesättigt, auch
unseren Geist mit nützlichem Ordens-Unterricht beschäftigt, was bleibt noch zu
tun übrig?"
Br.2.Aufseher: "Unserem Nächsten ein Werk der
Barmherzigkeit zu erweisen und dem ewigen Baumeister aller Welten für seine
unzähligen Wohltaten Dank abzustatten."
Mst.v.St.: "Lasst uns daher beides vollbringen!
Dank sei Dir, Vater des Lichts! Wir sind durch Deinen Segen heute gesättigt
worden nach Leib, Seele und Geist und sagen dafür allen Dank. Unser Herz soll
Dich preisen, unser Mund soll Dich loben, unsere Hände sollen Liebe und Segen
ausbreiten auf alle Deine Geschöpfe!"
Alle B.Br.: (sprechen, indem sie aufgestanden sind:)
"Lobet den Herrn, alle Völker, denn Himmel und Erde ist seiner
Herrlichkeit voll! Amen!"
Mstr.v.St.: "Geht hin in Frieden! Gesegnet sei
die neue Verbindung, die wir geknüpft haben! - Segen über alle, welche bewährt
bleiben im Kampfe mit sich selbst! - Glückseligkeit allen Wesen im All! - Jo -
PAN!"
Ich schliesse die feierliche Agape der Pansophischen
R+C Grossloge 'Zum hütenden Greif' Orient Berlin..."
Arnoldo Krumm-Heller
Dem Reinen ist alles rein
Gedenkst du noch
der stillen Dämmerstunde,
Als ich im
Frühling und beim Bowleglas
Vor einer kleinen
lieben Tafelrunde
Die ersten Seiten
dieses Buches las?
Da klang das
Urteil hart aus deinem Munde,
Denn manches
fand'st du "schamlos, frei und krass"
Und hattest für
die Ärmsten aller Armen,
Kein liebevoll
Verständnis, noch Erbarmen.
Es schreckte dich
die jammervolle Not
Der Seelen, die
im ew'gen Dunkel schreiten
Bis sie erlöst
der allbarmherz'ge Tod,
Um sie in bess're
Welten zu geleiten. -
Ich sah, dass
deiner Wangen Purpurrot
Verdammten meines
Werkes erste Seiten:
Da wollt' ich
warten, um in fern'ren Tagen
Dich wieder nach
dem Urteil zu befragen -
Und als der
Frühling ging, der Sommer kam,
Da legte ich das
Buch in deine Hände -
Ein zart
Erlebnis, das im Traum mir kam,
Ein stilles
Lebensschicksal war zu Ende -
Du last die
letzten Seiten ohne Scham
Und danktest mir
gerührt für diese Spende,
Die dich gelehrt,
dass hier auf dieser Erden
Das allerhöchste
Gut ist - Besserwerden!
So weih' ich
diese Blätter allen denen,
Die hartgedrängt
bis an des Abgrunds Rand
Sich für den
Himmel schon verloren wähnen
Und führe sie
zurück in jenes Land,
Wo einst der
Heiland reichte Magdalenen
Zum Trotz der
Pharisäer seine Hand -
Gerecht im
Richten - göttlich im Verzeih'n ...
Wer frei von
Schuld, der werf' den ersten Stein![767] *
Reuss - Crowley - Krumm-Heller und Jesus?
Toda cadena mágica
ha de formarse primero en el astral, pasando por los tres planos respectivos:
fisico, astral y espiritual. En cada uno de estos planos se necesita un
mediador, por medio de quien podemos conectarnos a los otros. Tenemos así la
Tripe cadena en el invisible como base para lo visible. Para ello hemos elegido
a tres grandes Maestros: Reuss para el plano fisico, Therion [Crowley] para el astral y Huiracocha [Krumm-Heller]
para el espiritual.
...
Jesús fue el
hombre más natural (no pervertido) que el mundo conoció, fue por eso también el
más poderoso, hermoso, sublime y excelso. El es nuestro Hermano Mayor. El nos
enseña el camino, es nuestro modelo ideal de grandeza y magnificencia, y
sólamente nosotros podremos acercarnos a EL, por un RECTO PENSAR, un RECTO
VIVIR y UN RECTO PROCEDER.[768] *
Ausschnitt aus der "Iniciación Rosacruz"
El M.'. dice:
"A.'.L.'..G.'..D.'.G.'.A.'.D.'.U.'."
y bajo los auspicios del Summum Supremum Sanctuarium de Australia[769] * y en virtud de los poderes de que se me ha investido,
procedo a tomar la promesa de silencio al Hno. ...
Este se colocará
frente al M.'., coloca su mano derecha sobre la Biblia que estará sobre la
mesa, abierta en el Evangelio de San Juan y va repitendo con el M.'. la
siguiente fórmula de juramento:
Yo ... de mi libre
y espontánea voluntad, juro prometo pro el honor y la vida, ante los MM.'. del
invisible y antes mis Hnos. presentes, consagrarme al servicio de la
Fraternidad Rosa-Cruz Antigua, dependiente del S.S.S. Juro y prometo el más
absoluto silencio sobre todas las actuaciones de esta Aula R.C., así como de
las enseñanzas, prácticos o Rituales que me sean dados como secretos de la
Orden; juro y prometo consagrarme al servicio de mis semejantes y ayudar a mis
Hnos. en todas sus necesidades.
(Aquí el M.'.
puede agregar lo que sea de necesidad).
Enseguida el M.'.
coloca la mano derecha sobre la cabeza del Postulante y le dice: Si así lo
cumples, que el Gran Guía de la Humanidad te lo premie y si no El te lo
demande.
M.'. Así sea.
Todos: Así sea.
Terminado este
acto, pasa el Postulante a firmar el formulario que ya estará preparado de
antemano.
Credo aus dem I°-FRA-Ritual und der "Misa
Gnostica"
"Yeo creo en
María, Maya, Isis o bajo el nombre que sea, en la fuerza física simbolizando en
la Naturaleza cuya concepción y alumbramiento revela la fertilidad de la
Naturaleza.
Yo creo en el
misterio de Bafometo y del Demiurgo.
Yo creo en una
Iglesia trascendida, superior, mantenida en las almas puras, en la Jerarquia
Blanca, representada por la Fraternidad Blanca, y que tiene su exponente en la
Santa Iglesia Gnóstica, dirigada por Patriarcas, Apóstolos, Obispos y
Sacerdotes.
Nuestra ley es
amor, vida, libertad y triunfo.
Nuestro lema
divisa es Telema."[770] *
Massimo Introvigne zeigt in seinem "Il ritorno dello gnosticismo,"
dass dieses Credo Ähnlichkeiten mit demjenigen Franceso Brunellis der Chiesa
Gnostica Italiana aufweist, der dem OTO nicht abgeneigt scheint.[771] *
Rosa Esoterica
Arnoldo
Krumm-Heller[772] *
Es gibt in der
Natur, im unendlichen Kosmos eine Substanz. Diese unwägbare, magische,
einzigartige Substanz ist der Logos, es ist der kosmische Christus, der alles
belebt, bewegt und mit seiner weisen Kraft durchdringt.
Es ist die Rose!
Die Alchemisten
massen der Rose als Symbol grösste Bedeutung zu. Sie fühlten, dass das
Geheimnis des Alkaloids, das die Rose birgt, drei grosse Tugenden sind, deren
Synthese das Leben verlängern kann...
Deshalb ist die
Rose das Essentielle. Sie ist das formgebende Element der Dinge. Die Menschheit
ist immer dem Kreuz gefolgt, dem materiellen Leben, ohne bei der Rose, beim
Essentiellen, zu verweilen.
Wir leben im
Zeitalter der Technik. Es genügt, auf einen Knopf zu drücken, damit das Licht
angeht. Ein Auto wartet vor der Tür unseres Hauses, und mit ihm bewältigen wir
Entfernungen... Das Kino verblüfft uns, indem es uns echte Sinneseindrücke aus
dem Leben vermittelt.
Nichts davon ist
aber essentiell für unser wahres Ich. Wenn wir dies alles betrachten, sehen
wir, dass es Vorteile für die Gesellschaft brachte. Der technische Fortschritt
befreite unendlich Viele... So scheint es nur. Wenn wir jetzt ohne die heutigen
Hilfsmittel in den Genuss all dieser Bequemlichkeiten kommen wollten, so
müssten wir für jeden von uns ca. 125 Sklaven einstellen!
Die Maschine
beherrscht alles. Deshalb betrachtet die Wissenschaft auch unseren Körper nur
wie eine Maschine, die statt Kohle Nahrung mit mehr oder weniger Kalorien und
Vitaminen braucht.
In den USA gibt es
Hotels, die täglich die Analysen ihrer Mahlzeiten bekanntgeben, damit jeder
seine Ernährung regulieren kann.
Zuerst gebrauchte
der Mensch die Kraft der Tiere, dann die Kraft aus Elementen der Natur und
schliesslich schuf er die Maschine. So sehen wir in einer modernen Fabrik, wie
in der von Ford, dass jeder der Arbeiter nicht mehr als eine einzige Bewegung,
eine einzige Tätigkeit vollbringt. So wurde er selbst zur Maschine. In diesem
Fall wird die Maschine nicht vom Menschen beherrscht. Der Mensch wurde von der
Maschine besiegt. In der Sowjetunion wurden Tempel errichtet, deren Götter
Maschinen sind...
Doch selbst im
Maschinenmenschen bleibt die Essenz erhalten. Dem Menschen, der von der
Maschine bestimmt wird, ist die göttliche Essenz, welche die Rose ist, nicht
verloren gegangen, die moderne Technik hat sie jedoch eingeschläfert. Die Rose
kann sich weder entwickeln noch aufblühen, und deshalb handeln wir wider die Natur.
Aus diesem Grund ist die Arbeit der Rosenkreuzer immer von überraschender
Aktualität.
In unserem System,
in dem alles reine Dynamik ist, gibt es ein sehr empfindliches Laboratorium,
in dem die Hormone in Form einer Rose mit sieben Blütenblättern gebildet
werden, deren Gestalt in der Zeichnung dargestellt ist.[773] * Wir erklären das Schema folgendermassen:
1 - Die Epiphyse
ist das Zentrum der Sinne.
2 - Die Hypophyse
das Nervenzentrum.
3 - die Schilddrüse
das Atmungszentrum.
4 - Die
Aussenkörper [?] das Zentrum des
Kreislaufs.
5 - Der Thymus das
Zentrum des Stoffwechsels.
6 - Die
Hilfsdrüsen das Zentrum der Motorik.
7 - Die
Sexualdrüsen das Zentrum der Reproduktion.[774] *
Die Art und Weise,
wie diese Drüsen untereinander arbeiten, ist in der Tat eigenartig.
Der Thymus
reguliert den Stoffwechsel und unterliegt der Evolution, verkleinert sich aber
trotzdem nicht. Es gibt Zeiten, in denen die Schilddrüse die Funktion des
Thymus übernimmt und eine entscheidende Rolle bei der Atmung spielt. Die
Schilddrüse schüttet immer nur sehr wenig Hormone aus. Durch das Mikroskop betrachtet
sehen wir, dass sie die gleiche aus zwei Halbmonden bestehende Form haben wie
die Hormone, die aus den Hilfsdrüsen kommen.
Die Schilddrüse
produziert flüssiges Jod, das im Zustand des Gleichgewichts in keinem anderen
Körperteil anzutreffen ist. Wenn wir also die Hormone in konzentrierter Form
untersuchen, können wir die Farben der [5?]
Tatwas bestimmen. Aus diesen zusammengefügten farbigen Tatwas erhält man -
entsprechend den Erfahrungen aus der Plasmogonie - besagte Rosen.
In Allem ist die
Rose. Sie ist das Essentielle in allen Dingen, sie ist das Wort, das von Allem,
das existiert, verkörpert wird, sie ist nicht nur in unserem Inneren, in
unserem geistigen Leben, sie ist auch in unseren physischen Funktionen
verkörpert.
Der Logos
Ausschnitt
aus: "Konzentration und Wille! - Ihre Schulung auf Grundlage der Logos=Lehre
von Peryt Shu" (Halle 1919)
Es gibt ein
winziges Zeichen in der Zeit, das wieder auflebt, der "Talisman"
einer vorgeschichtlichen Menschheitswoge... [Es] ist die "Swastika" der Inder... Im Yogagesetz der
Inder und im Armanismus der Deutschen[775] * lebt die Kenntnis des Logos fort bis auf unsere
Zeit...
Der Logos ist...
der schöpferische Wille, [der]
wieder aus der Transzendenz hervortretend die Welt der Wirklichkeit ergreift
und auf sie gestaltend einwirkt. Es gibt keine Kraft, so mächtig und
segenbringend wie den Logos für den, dem es gelang, eins zu werden mit ihm...
Wer es erreicht hat, eins zu werden mit dem Logos, der tritt über die
natürlichen Stufen des Daseins hinaus, er erlangt Kräfte, von denen die meisten
Menschen keine Vorstellung haben...
Eine Welle...
brütet über uns allen. Sie wartet, dass sie zeugend sich mit uns vereinigt. Es
ist die Kraft des Logos als höheren Willens, von dem wir sagten, dass sie
blitzhaft in das Innere fällt...
Erst allmählich
zeriss der Vorhang vor dem inneren Allerheiligsten. Die Sexual-Magie eroberte
die Gemüter und trat an die Stelle des Logos. Die hohe Kraft zog sich aus dem
Innern des Menschen zurück (Der Fall 'Abels', von dem oben gesprochen wurde,
der schon im Sündenfall wirkte, indem das Licht-Prinzip Adam erlosch). Das,
was die Bibel als Sündenfall bezeichnet, griff verheerend um sich, der Fall in
die [libertinistische?]
Sexual-Magie.[776] * Die nun anhebende Stigmatisation des Intellektes,
die zur Trennung führte von Wissenschaft und Ethos, ist eine biologische
Tatsache. Durch eine Art Kurzschluss im Gehirn teilte sich die Lebenswelle...
zwischen Gehirn (Epiphyse) und Gemüt (Thymus), sie spaltete sich auf und
zerriss den einheitlichen Faden (indisch Sutratma), durch den der Mensch mit
dem Logos verbunden ist.
Antahkarana, die
'Brücke' des Gehirns wurde zerstört, die leitende Energie zweier Nervenbündel
zerrissen. Der Funke nahm einen anderen Weg, über die Glandula pinealis [Zirbeldrüse] in die sexuellen Organe des
Okzipital-Lappens und von da durch die grossen Drüsen, Schilddrüsen, Thymus,
Milz in die Prostata (resp. das Ovarium) des Unterleibs. Damit ging der höhere
Wille zugrunde...
So wirkte der
böse, jedoch f