Ordo Templi Orientis
O.T.O. Phenomenon Books
Der Kleine Theodor Reuss Reader
Edited by Peter-R. Koenig
This is the shortened online-version of a book from 1993 with the same title. The paper
version with additional picture material, ISBN 3-927890-13-8, can be
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are electronically available. Several hundreds of facsimile
pages regarding Theodor Reuss can be found in Der Grosse Theodor Reuss
Reader.
© P.-R. Koenig |  |
Der
Kleine Theodor-Reuss-Reader
Herausgegeben
von P.R. König
Dieser Kleine Theodor Reuss Reader stellt nur eine geringe Auswahl aus
den umfangreichen Schriften des OTO-Mitgründers vor.[1] * Da auf die unzähligen komplexen historischen Hintergründe aus
Platzmangel nicht eingegangen werden kann, sei unbedingt auf folgendes Werk
desselben Herausgebers hingewiesen:
P.R. König: "Das OTO-Phänomen," München 1994.
Verwendung aller Texte und/oder Übersetzung in andere Sprachen, Ton-
und/oder Datenträger bedarf der schriftlichen Einwilligung.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Grossvater der Anthroposophischen Gesellschaft
2. Jubiläumsausgabe der Oriflamme 1912
Oriflamme Juli 1914
3. Konstitutionen: 1906 und 1917
4. Veritas Mystica Maxima
5. Praktiken und Geheimnisse des OTO
6. Ich trete durch das Licht, doch wirklich bin ich nicht
Rituale des Orient Thuricensium
- I°-Ritual
- V°-Ritual
- VII°-Ritual
- X°-Schwur
7. Parsifal und das Enthüllte Grals-Geheimnis
8. Aufbauprogramm und Leitsätze der Gnostischen Neo-Christen OTO
In der online-Version entfallen die Kapitel 1, 4 und 5, da diese in "Das OTO-Phänomen" enthalten sind
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2. Jubiläums-Ausgabe der Oriflamme 1912[2] *
Theodor
Reuss
I.N.R.I. No. VII.
Berlin und London 1912 September
Amtliches Organ des
Ordens der Orientalischen Templer u. des Suveränen Sanktuarium der Alten
Freimaurer in Deutschland.
O.T.O.
--- Monita.
O Schüler!
Wer es suchet, der leide,
Wer es find', der schweige,
Wer es hat, der verberge es,
Wer es brauchet, tu' es unbekannt.
Wer ein wahrer Philosoph ist,
Der bleibe ungenannt.
Traue niemand als Gott,
Der allein hält sein Wort.
Deines Gemütes Freund erwählen sollst,
Sei mit jedermann freundlich,
Traue aber niemand.
Sei niemand geheim als Gott,
Willst du nicht betrogen sein!
Experdo crede!
Denn Treue ist von der Erde gen Himmel
Geflohen, hat alle Menschen verlassen, deren
Gemüt an der Erde klebet!
Exitus acta probat!
Charge.
To
Candidates.
To the earnest
Disciple his Teacher takes the place of Father and Mother, says the Book of
Discipline in the Schools of "Dzyân". For whereas they gave him his
body and its faculties, its life and casual form, the Teacher shows him how to
develop the inner faculties for the acquisition of the Eternal Wisdom.
To the Disciple each
Fellow-Disciple becomes a Brother and Sister, a portion of himself, for his
interests and aspirations are theirs, his welfare interwoven with theirs, his
progress helped or hindered by their intelligence and behaviour through the
intimacy brought about by their co-discipleship.
As the limbs defend
the head and heart of the body they belong to, so have the Disciple to defend
the head and the heart of the body they belong to, in this case the O.T.O. from
injury.
-A-U-M-
Unser
Orden.
Unser verstorbener
Ehren-Grossmeister Br. Dr. Franz Hartmann, 33°, 90°, 96°, IX° schrieb in der
"Oriflamme", Jahrgang II, No. 2.
"Der von den
Meistern der Weisheit ins Dasein gerufene Orden der Alten Freimaurer vom
Memphis- und Misraim-Ritus, dessen Zweige sich über die ganze Welt verbreiten,
hat nun auch in Deutschland seine Tätigkeit begonnen. Ob nun diese Tätigkeit
einen Erfolg haben wird, das wird von der Tüchtigkeit seiner Mitglieder
abhängen, und es ist kein Zweifel, dass die besten Kräfte Deutschlands dieser
Verbrüderung beitreten werden, sobald sie nur den Ursprung und den Zweck
derselben erkennen. Noch ist der Orden hier in seiner Kindheit und nicht alle,
die sich ihm angeschlossen haben, sind seiner Aufgabe gewachsen.
Erste Bedingung zur
Aufnahme ist nicht eine grosse Belesenheit, sondern ein zur Förderung des
Wohles der Menschheit geneigtes Herz, welches fähig ist, die LIEBE, das heisst,
das (zur Tat gewordene) Bewusstsein der Einheit Gottes in allen Geschöpfen zu
empfinden.
Der Orden hat
bereits Grosses geleistet, indem er eine Literatur ins Leben rief, welche den
Zweck hat, eine höhere Lebensanschauung als die bisherige materielle, zu
verbreiten.
Da der Orden als
solcher, mit Ausnahme der allgemeinen Menschenverbrüderung, keinerlei Dogma
hat, so bietet er auch seinen Feinden keinerlei Angriffspunkte dar. Alle
Angriffe werden aber den Orden nicht hindern, sicher und ruhig seinen Weg zu
gehen; das "Licht vom Osten" wird, trotz aller Nebel, siegreich
bleiben!"
Fast 10 Jahre sind
vergangen, seit jene Worte unseres verstorbenen Bruders, dem Mitbegründer
unseres Suveränen Sanktuarium in Deutschland, im Druck erschienen sind, und es
ist daher diese Jubiläums-Nummer der "Oriflamme", die unter dem
mystischen Zeichen: I.N.R.I. erscheint, der geeignetste Platz, um nachzuprüfen,
inwieweit sich die Worte unseres verstorbenen Mitbruders erfüllt haben.
Zunächst wuchs Unser
Orden durch Aufnahmen und Angliederung bestehender Organisationen, bis er die
stattliche Zahl von ungefähr 1000 Mitgliedern erreichte.[3] * Dieses numerische Wachsen ging
aber Hand in Hand mit wachsenden inneren Zänkereien und Streitigkeiten, weil
eben, wie Br. Hartmann schon 1902 geschrieben hatte, nicht alle, die sich
Unserm Orden anschlossen, dessen Aufgaben gewachsen waren. Schon 1904 kam es in
Berlin zur ersten Sezession. Im Dezember 1905 gingen die Hamburger zur
sogenannten Grossloge dortselbst über. Und 1910 traten die sogenannten
Eberhardt-Logen aus Unserem Orden wieder aus, und wurden, durch
"Neu-Aufnahme" der Mitglieder, verschiedenen, sogenannten anerkannten
deutschen Grosslogen angegliedert.
Diese Irrungen und
Wirrungen der ersten Jahre haben aber das grosse Gute gezeitigt, dass endlich
eine definitive Klärung in Unserm Orden eintrat, so dass heute Unser Orden zwar
nur mehr zirka 500 Mitglieder in Deutschland, Oestreich [sic] und der Schweiz
zählt, diese aber vom wahren Zweck Unseres Ordens durchdrungen sind, und nicht
mit einem Auge nach "Anerkannten" Logen, um Verkehr und Zulassung als
Besuchende, schielen.
Dieser Einbusse an
Zahl der Mitglieder in Deutschland steht aber als, in seiner End-Wirkung noch
gar nicht abzuschätzender, Gewinn gegenüber, Zuwachs an Einfluss des Souveränden
Sanktuarium für das deutsche Reich und des mit ihm organisch verbunden
Orientalischen Templer-Ordens in ausserdeutschen Ländern.
Im Jahre 1908
erbaten sich französische Brüder einen Freibrief von Unserem Ordensmeister,
worauf von Unserm Orden, sub datum 24. Juni 1908, der
Suprême Grand Conseil Général des Rites Unis de la
Maçonnerie Ancienne et Primitive Grand Orient pour la France et ses Dépendances
à Paris
gestiftet wurde.
Von ganz besonderer
Wichtigkeit ist jedoch die Ausdehnung des Einflusses Unseres Ordens auf die
slawischen Länder Europas.
Durch
Stiftungs-Urkunde vom 1. Juni 1912 wurde von Unserem Orden eine
National-Grossloge des Orientalischen Templer-Ordens
für die Slavischen Länder gegründet.
Und die, unter
gleichem Datum erfolgte, Gründung einer
National-Grossloge des Orientalischen Templer-Ordens
für Grossbritannien und Irland
durch Unseren Orden
entbehrt nicht eines pikanten Beigeschmackes für alle, die mit den
einschlägigen Verhältnissen vertraut sind.
Gerade diese jüngste
Gründung Unseres Ordens, und die damit verbundene Ausdehnung des Einflusses der
besonderen Ordenslehren des O.T.O. auf englisches Gebiet, lässt es angezeigt
erscheinen, auf die Entwicklung, die Unser Orden seit seinem ersten
öffentlichen Erscheinen in Deutschland gemacht hat, etwas näher hier
einzugehen.
Der geistige Vater
des neuorganisierten Orientalischen Templer-Ordens war der verstorbene
Suveräne-Ehren-General-Grossmeister in Deutschland und Grossbritannien, Br.:
Dr. Carl Kellner, 33°, 90°, 96°, X°. Auf seinen vielen und weiten Reisen in
Europa, Amerika und Klein-Asien war Br.: Kellner in Berührung gekommen mit
einer Organisation, welche den Namen führte "The Hermetic Brotherhood of
Light". Die Anregungen, die er durch seine Berührung mit dieser Organisation
empfangen hatte, verbunden mit anderen, hier nicht weiter zu detaillierenden
Umständen, gebaren in Br.: Kellner den Wunsch, eine Art "Academia
Massonica" zu gründen, welche suchenden Brüdern die Bekanntschaft mit
allen existierenden Maurer.:Graden und Systemen ermöglichen sollte. Im Jahre
1895 hatte Br.: Kellner lange Unterredungen mit Br.: Reuss in Berlin, wie diese
seine Idee verwirklicht werden könnte. Im Verlaufe der Unterhandlungen mit Br.:
Reuss liess Br.: Kellner den zuerst vorgeschlagenen Titel "Academia Massonica"
fallen und legt Gründe und Unterlagen vor für die Annahme der Bezeichnung
"Orientalische Templer". Diese Verhandlungen führten damals, 1895, zu
keinem positiven Resultate, da Br.: Reuss zu jenem Zeitpunkte noch mit dem von
ihm re-aktivierten Illuminaten-Orden beschäftitgt war, und diese Organisation,
sowie die darin neben Br.: Reuss an leitenden Stellen tätigen Personen, dem
Br.: Kellner nicht sympathisch waren.
Als dann Juni 1902
die endgiltige [sic] Trennung zwischen Br.: Reuss und seinem Schüler Leopold
E[ngel] eingetreten war, setzte sich Br.: Kellner sofort in Verbindung mit Br.:
Reuss und veranlasste die Erwerbung eines Freibriefes für Einführung des
Memphis-Misraim-Ritus der Freimaurerei in Deutschland, weil Br.: Kellner diesen
Ritus mit seinen 90 bezw. 95 Graden als den geeignetsten hielt, seine Idee
betreffs Einführung einer "Art" maurerischer Akademie zu
verwirklichen. Die rosenkreuzerischen, esoterischen Lehren der "Hermetic
Brotherhood of Light" wurden reserviert für die wenigen Eingeweihten des
Okkulten Inneren Kreises. Die Erkenntnis-Stufen dieses Inneren Kreises von
Eingeweihten liefen mit den höchsten Graden des Memphis- und Misraim-Ritus
parallel, und diese "Eingeweihten" bildeten den geheimen Stamm des
Orientalischen Templer-Ordens.
Es kann niemand ein
"Eingeweihter" des O.T.O. werden, der nicht vorher die drei
Johannis-Grade der Freimaurerei empfangen hat.
Der O.T.O. nimmt
Männer und Frauen, und erteilt beiden Geschlechtern gleichmässig die sämtlichen
Grade der Freimaurerei.
Br.: Dr. Franz
Hartmann sagt in seiner: "Ersten Instruktion" (englische Ausgabe für
Suchende), über Unseren Orden:
Let it be known that
there exists, unknown to the great crowd, a very ancient order of sages, whose
object is the amelioration and spiritual elevation of mankind, by means of
conquering error and aiding men and women in their efforts of attaining the
power of recognising the truth. This Order has existed already in the most
remote, and prehistorical times and it has manifested its activity secretly and
openly in the world under different names and in various forms; it has caused
social and political revolutions and proved to be the rock of salvation in
times of danger and misfortune. - Into this sacred Society no one can be
admitted by another, unless he has the power to enter it himself by virtue of
his own interior illumination; neither can any one after he has once entered,
be expelled, unless he should expell himself by becoming unfaithful to his
principles and forget again the truths which he has learned by his own
experience.
In regard to the
spiritual aspect of this Secret Order, one of the Brothers says:
"Our community
is the Society of Children of Light, who live in the light and have attained
immortality therein. In our school we are instructed directly by Divine Wisdom,
the Celestial Bride, whose will is free and who selects as her disciples those
who are devoted to her. The mysteries which we are taught embrace everything
than can possibly be known in regard to God, Nature and Man.
We all study only
one book, the book of nature, in which the keys to all secrets are contained,
and we follow the only possible method in studying it, that of experience. Our
place of meeting is the Temple of the Holy Spirit prevading the universe;
easily to be found by the elect, but for ever hidden from the eyes of the
vulgar.
***
As to the external
organization of that Society, it will be necessary to give a glance at its
history, which has been one and the same in all times. Whenever that spiritual
Society manifested itself on the outward plane and appeared in the world, it
consisted at its beginning of a few able and enlightened people, forming a
nucleus around which others were attracted. But invariably the more such a
Society grew in numbers, the more became attracted to its elements, such as
were not able to understand or follow its principles; people who joined it for
the purpose of gratifying their own ambition or for making the Society serve
their own ends, obtained the majority over those that were pure. Thereupon the
healthy portion of it retired from the field and continued their benevolent
work in secrecy, while the remaining portion became diseased and profanised.
For the Spirit had departed from them.[4] *
***
From the above it
will be clear that the first and most necessary requirement of the new disciple
is that he will keep silent in regard to all that concerns the Society to which
he is admitted. Not that there is anything in that Society which needs to be
afraid of being known to the virtuous and good; but it is not necessary that
things which are elevated and sacred should be exposed to the gaze of the
vulgar and be bespattered by them with mud. This would only impede the Society
in its work.
Another necessary
requirement is mutual confidence between the teacher and the disciple; because
a disciple who has no faith in his master cannot be taught or guided by him.
There may be things which will appear strange, and for which no reasons can be
given to the beginner, but when the disciple has attained a certain state of
development, all will be clear to him or her.
***
From all this it
follows as a matter of course that the next requisite is obedience. Its object
is the realization of true manhood and womanhood and the attainment of
conscious immortality in the realization of the highest state of existence and
perfection through the power of divine and unlimited love.
***
Und die Brr.: Dr.
Carl Kellner und Theodor Reuss in dem von ihnen gemeinsam gezeichneten und in
der historischen Ausgabe der "Oriflamme", A.D. 1904, veröffentlichten
Manifesto, schrieben:
Eines der
Geheimnisse, die Unser Orden in seinem höchsten Grade besitzt, besteht darin,
dass er dem gehörig vorbereiteten Bruder die praktischen Mittel liefert, den
wahren Tempel Salomos im Menschen aufzurichten, das "verlorene Wort"
wiederzufinden, das heisst, dass Unser Orden dem eingeweihten und auserwählten
Bruder die praktischen Mittel liefert, die ihn in den Stand versetzen, sich
schon in diesem irdischen Leben Beweise seiner Unsterblichkeit zu verschaffen.
Diese praktischen
Mittel sind aber keine "Geisterbeschwörungen", oder andere
"spiritistische Praktiken", sondern es sind Mittel, die sich nur mit
der inneren Stimme und mit den inneren Sinnen des Kandidaten selbst
beschäftigen, und die alle spiritistischen Praktiken direkt und strengstens ausschliessen
und verdammen.
Dieses Geheimnis ist
eines der wahren maur.: Geheimnisse und eben ausschliesslich das Geheimnis der
okkulten Hochgrade Unseres Ordens. Es ist auf Unsern Orden durch mündliche
Überlieferung von den Vätern aller wahren Freimaurerei den "weisen Männern
des Ostens" überkommen und wird auch von uns nur wieder mündlich
weitergegeben. Selbstverständlich hängt aber der Erfolg dieses praktischen
Unterichts zur Erlangung dieses Geheimnisses wiederum ausschliesslich vom
Kandidaten selber ab.
Diejenigen Brüder,
welche dieses Geheimnis nun gefunden hatten, bewahrten es als ein köstliches
selbsterrungenes Eigentum, und um von den Alltagsmenschen nicht verkannt oder
gar verspottet zu werden, verbargen sie es unter Symbolen so, wie wir das heute
noch tun.
Schliesslich dürfte
noch angezeigt sein, auch darauf hinzuweisen, was Fra.: Merlin[5] * in der "Oriflamme"
(Ausgabe 1910) sagte über das, was Unser Orden lehrt und erstrebt.
"Wir streben
nach der Erkenntnis des Schöpfers aller Welten, und nach der bewussten
Vereinigung mit ihm.
"Wir lehren,
die erste Vorbedingung auf dem Wege zur Erkenntnis des Schöpfers aller Welten
ist die wahre, wirkliche Selbsterkenntnis.
"Diese
wirkliche Selbsterkenntnis ist der Grundstein zum esoterischen Tempel in des
Menschen Brust. Ist diese Vorstufe erklommen, dann kann der Neophyt seine
Wanderschaft beginnen. Dieselbe muss unter eisernem Schweigen geschehen. Der
Weg ist dunkel, aber aus der Ferne wirft der Heilige Gral seinen blutroten,
feurigen Schein der selbstlosesten Menschenliebe auf den Weg des ernstsuchenden
Wanderers. Schwere Proben hat der Wanderer zu bestehen, aber dem wahrhaft
Standhaften winkt die Gemeinschaft der Temple-isen, der esoterischen Templer
und Rosenkreuzer, denen das "Licht vom Osten" ewig erstrahlt in
höchster Reinheit."
Fra.: Merlin bemerkt
dann hiezu: "Da dieses Ziel jedoch ein rein esoterisches ist, und zur
völligen Weltabgewandheit der Gefährten führen könnte, wenn Unser Orden nicht
den Mut hätte, die praktischen Konsequenzen aus unseren Lehren für das
Alltagsleben zu ziehen, Unser Orden aber gerade um deswillen an die
Oeffentlichkeit getreten ist, um auf das Leben der Menschen Einfluss zu nehmen,
so erstrebt unser Orden, in esoterisch-praktischer Durchführung Unserer Lehren,
zunächst dahin zu wirken, dass in Zukunft die "Mutter" als
"Hohepriesterin" in ihrer Familie verehrt werde. Jedes
"Gesegnete Weib" ist uns eine "Heilige", sagt Fra.: Merlin,
sie ist das Symbol "der Menschwerdung der göttlichen
Schöpfungskraft". Die Mutter soll als Hohepriesterin die "Hüterin des
heiligen Feuers", die "Ausspenderin des Mystischen Segens" sein!
Unser Orden hofft
dadurch im Leben unseres Volkes dahin zu wirken, dass die
"Mutterschaft" wieder das höchste Ziel des Weibes wird.
Damit dokumentiert
Unser Orden, dass er nicht nur abstrakte Ziele verfolgt, sondern es auch
versteht, praktisch da einzugreifen im Alltagsleben unseres Volkes, wo eine
Erziehung zum richtigen Verständnis und zur richtigen Auffassung der Pflichten
eines Volkes gegenüber seiner eigenen Zukunft gerade in den gegenwärtigen
Zeitläufen, dringend notwendig geworden ist.
Gerade diese
praktische Seite der Tätigkeit Unseres Ordens hat es nun zur Folge gehabt, dass
englische Brüder Freimaurer an unsern Ordensmeister herangetreten sind mit der Bitte,
eine National-Grossloge Unseres Ordens in Grossbritannien zu stiften. Denn
gerade England, mit seiner extremen "Mutterschafts-verneinenden"
Frauenbewegung (Suffragettes) hat eine Erziehung zur Mutterschaft am
dringendsten nötig. So kam es, dass wir, die wir uns im Jahre 1902 von England
einen Freibrief erkauften, um die Grade des Memphis- und Misraim-Ritus in
Deutschland bearbeiten zu können, im Jahre 1912 englischen Brüdern kostenlos
einen Freibrief gewährten, um die okkulten Grade des Orientalischen
Templer-Ordens in England einzuführen.
Wenn wir nun
zurückgreifen auf die eingangs erwähnten prophetischen Worte unseres Br.: Dr.
Franz Hartmann, so können wir A.D. 1912 mit grosser Befriedigung konstatieren,
dass sich Br.: Hartmanns Worte voll und ganz bewahrheitet haben:
Alle Angriffe haben
Unsern Orden nicht hindern können, sicher und ruhig seinen Weg zu gehen; das
"Licht vom Osten" ist, trotz aller Nebel, siegreich geblieben!
***
Zum Schluss unseres
Jubiläums-Rückblickes konstatieren wir also nochmals kurz;
Unser Orden ist kein
Freimaurer-Orden pure et simple, aber jedes Mitglied Unseres Ordens, sei
es Mann oder Frau, denn Unser Orden steht beiden Geschlechtern gleichmässig
offen, muss durch die sämtlichen Grade der Johannis-Freimaurerei, wie auch der
Hochgrad-Maurerei, hindurch gehen, ehe ein Mitglied ein Erleuchteter und
Eingeweihter Unseres Ordens werden kann.
Unser Orden besitzt
den Schlüssel, der alle maurer.: und hermetischen Geheimnisse
erschliesst, es ist die Lehre von der Sexual-Magie, und diese Lehre erklärt restlos
alle Rätsel der Natur, alle freimaurerische Symbolik, und alle
Religions-Systeme.
Möge Unser Orden
auch weiterhin siegreich bleiben wie bisher!
Der Ordensmeister
MYSTERIA
MYSTICA MAXIMA.
Am Schluss des
vorstehenden Artikels wurde erklärt, dass der Schlüssel zur Erschliessung des,
allen freimaurerischen Symbolen unterliegenden Geheimnisses, die Lehre von der
Sexual-Magie ist.
Obgleich nun diese
Lehre von der Sexual-Magie eben das Geheimnis des O.T.O. ist, und sich nicht
eignet zur Publikation in einer Druckschrift, welche weitesten Kreisen zugeht,
so hat die Ordensleitung doch beschlossen, zur Information wahrhaft Suchender,
einen ganz kleinen Zipfel des Schleiers, der unser Geheimnis bedeckt, hier in
dieser Jubiläums-Ausgabe der Oriflamme zu heben.
Wir haben es gar
nicht nötig die "Oeffentlichkeit" erst darum um Entschuldigung zu
bitten, dass wir es wagen, diese delikate Frage hier öffentlich anzuschneiden,
denn es steht doch fest, dass die Sexual-Frage die brennendste Frage unserer
Zeit geworden ist. Beweise hiefür brauchen wir auch nicht anzuführen, jede
Tageszeitung enthält solche in Hülle und Fülle.
Als Einleitung zu
unserer kleinen "Enthüllung" wollen wir aber die Worte
Przybyszewskis, eines grossen, ernsten Forschers auf diesem Gebiete, zitieren,
der sagte:
"Ebensowenig
wie ich etwas dagegen zu tun vermag, dass im ganzen Mittelalter die seelischen
Offenbarungen durchweg nur auf dem Gebiet des religiösen Lebens zu finden sind,
ebensowenig kann ich etwas an der Tatsache ändern, dass in unserer Zeit die
Seele sich nur in dem Verhältnis der Geschlechter zu einander offenbart. Man
mag dafür der Seele die Vorwürfe machen, nicht mir."
Wir sagen in unserm
Manifest, dass wir dem gehörig vorbereiteten Bruder die praktischen Mittel
liefern, sich schon in diesem irdischen Leben Beweise seiner Unsterblichkeit zu
verschaffen.
Wohlan, eines dieser
Mittel ist eine gewisse Yoga-Uebung.
Br. Dr. Kellner sagt
in seiner Schrift über Yoga: Yoga ist eine sehr alte und lange geheim
gehaltene, jedenfalls wenig bekannte Lehre, welche durch gewisse Uebungen ihren
Jünger in den Stand setzt, die Erscheinungen des künstlichen Somnambulismus
willkürlich an sich hervorzurufen.
Je nach Art der zur
Erreichung von Yoga angewandten Verfahren unterscheidet man verschiedene Arten
von Yoga, und eine wichtige Rolle spielen dabei die Nervenzentren (Nadis) und
10 verschiedene Arten von Atem (Vayus).
Die altindischen
physiologischen Bezeichnungen für die 10 Vayus sind: Prana (im Herzen), Apana
(in der Gegend des Anus), Samâna (in der Nabelgegend), Udâna (in der Kehle),
Vyâna (im ganzen Körper), Napa (im Reproduktionsorgan), Kurma (öffnet die
Augenlider), Krikara (verursacht Niesen), Devadatta (verursacht Gähnen),
Dhananjay (durchdringt den äusseren groben Körper).
Mit den an sechster
Stelle genannten Vayus Napa (im Reproduktionsorgan) beschäftigt sich nun die
Sexual-Magie.
Diese Übung wird
genannt "die Transmutation der Reproduktions-Energie".
Diese Uebung der
Transmutation der Reproduktions-Energie wird nicht gemacht zu sexuellen
Exzessen, sondern zur Stärkung der Ewigen Gotteskraft auf der irdischen Ebene,
wozu sexual starke, vollkommene Menschen, männlichen und weiblichen
Geschlechts, nötig sind.
Die
Reproduktions-Energie ist Schöpfungs-Prozess. Göttlicher Aktus!
Im
Reproduktions-Organ (männlich und weiblich) ist auf den kleinsten Raum die
grösste Vital-Kraft konzentriert.
Im Verlaufe der
ziemlich umständlichen Uebung konzentriert der Uebende seine Gedanken, dass er
die Reproduktions-Energie aus dem Organ heraufzieht zum Solar-Plexus
(Sonnengeflecht), wo er "will", dass es aufgespeichert werde zu
Transmutationszwecken. Damit wird ein genau geregeltes Atmen verbunden. Daran
schliesst sich der Aktus der Transmutation der Energie, und schliesslich tritt
die Grosse Vereinigung ein, wo der Uebende zum Seher wird - bei vollem
Bewusstsein, - und das Gesehene erlebt.
Dies ist weisse
Sexual-Magie!
Oriflamme, Amtliches Organ des Ordens der
Orientalischen Templer - O.T.O. -
Des Suveränen [sic]
Sanktuarium der alten Freimaurer vom Schottischen, Memphis- und Misraim-Ritus
für das Deutsche Reich und die deutsch-sprechenden Länder.
12.
Jahrg. Berlin und London 1914, Juli
An
die freimaurerische Presse Deutschlands!
Richtigstellung der
falschen Angaben A.P. Eberhardts in seinem Buche
Winkel-Logen
über die
Logengründungen von Theodor Reuss.
Ende Mai dieses
Jahres erschien in dem hochangesehenen freimaurerischen Verlage von Bruno
Zechel in Leipzig ein Buch, das auf dem Umschlag den Titel führt
"Winkel-Logen." Auf dem inneren Titelblatt steht aber die
ausführliche Legende
Von den Winkellogen Deutschlands -
Freimaurerlogen neueren Datums - im letzten Vierteljahrhundert. - Von A.P.
Eberhardt.
Da Paul Eberhardt,
17 Petzschauerstrasse in Leipzig, bis zum Frühjahre 1904 selbst Grossmeister
einer ganzen Anzahl von Winkellogen par excellence war, ehe er von mir
persönlich zu einem richtigen Freimaurer gemacht wurde, und nachdem er vorher,
in dem mit Freimaurerlogen gewiss gut versorgten Leipzig und Königreich Sachsen
fünf Jahre hindurch keinen Anschluss an eine "anerkannte"
Freimauererloge (mit Ausnahme der Hamburger) hatte finden können, von mir
endlich, auf seinen eigenen Antrag hin, für sich und seine Anhänger einen
richtigen freimaurerischen Freibrief zur Konstituierung seiner symbolischen
Grossloge erhielt, so hatte ich ein ganz natürliches Interesse daran, den
Inhalt dieses Eberhardtschen Buches kennen zu lernen.
Zu meinem
allergrössten Bedauern, im Hinblick auf meine Hochachtung für den Bruno Zechelschen
Verlag, muss ich aber nach Kenntnisnahme des Inhaltes des Eberhardtschen Buches
feststellen:
Wenn die Angaben des A.P. Eberhardt über
alle anderen, in seinem Buche behandelten Logengründungen ebenso falsch oder
entstellt sind, wie diejenigen es sind, die er über die von mir gegründeten
Logen und Freimaurerei-ähnlichen Organisationen macht, dann muss ernstlich
beklagt werden, dass ein so hochangesehener Verlag, wie es der Verlag von Bruno
Zechel ist, solch ein confuses und stellenweise sogar unehrliches Machwerk mit
seinem altehrwürdigen Namen deckt.
Mich geht in dem
Eberhardtschen Buche ja eigentlich bloss das an, was er über mich und meine
Logengründungen schreibt.
Aber jeder
Freimaurer, der von der Freimaurerei etwas versteht, muss es mit gewaltiger
Heiterkeit, die alten Mitglieder der Settegast-Logen aber vielleicht mit noch
mehr Bitterkeit erfüllen, zu sehen, wie A. Paul Eberhardt, der gewesene
Winkellogen-Grossmeister par excellence, die freimaurerisch historische Tat
Settegasts, des ehemaligen Grossmeisters der Grossloge "Royal York,"
die Gründung der Grossen Freimaurer-Loge von Preussen, genannt "Kaiser
Friedrich zur Bundestreue" in Berlin in eine Linie stellt mit den
Gründungen eines Hemfler, Perls, Petersen, Eberhardt usw., die doch alle keine
Freimaurer waren, als sie sich mit anderen Personen, die ebensowenig wie sie
selbst Freimaurer waren, zusammentaten, um "Freimaurerlogen" zu
gründen!
Herr A. Paul
Eberhardt hat augenscheinlich noch immer nicht begriffen, was ich ihm schon
seit dem ersten Tage unserer Begegnung mit ihm gepredigt hatte, dass ein
"Nicht-Freimaurer" nicht imstande ist, einen anderen
"Nicht-Freimaurer" zu einem "Freimaurer" zu machen.
Ein
"Nichtschuster" kann doch auch nicht einen anderen "Nicht
Schuster" zum "Schuster-Meister" schlagen.
Mit Rücksicht auf
diesen Umstand, dass A. Paul Eberhardt in seinem Buche in haarsträubender
Unkenntnis aller freimaurerischen Grundsätze die, den Berliner Grosslogen zwar
unbequem gewesene, aber vom rein freimaurerischen Standpunkte aus betrachtet,
freimaurerisch ganz gesetzmässige Settegast-Grossloge in einen Topf wirft mit
den, unter Annahme einer freimaurerischen Firma gegründeten Gebilden von
Nicht-Freimaurern, wie die "Allgemeine Bürgerloge",
"Bismarckloge" usw., und, dass er mit pontifikaler Sicherheit solch
hellen Blödsinn schreibt, wie z.B.:
"Das Buch will von den Winkellogen
Deutschlands, von den Logen, die in der gesamten Freimaurerwelt niemals
anerkannt worden sind, erzählen;"
Und an anderer
Stelle:
"Der Grosslogenbund zählt 538 Logen
mit 60 992 Mitgliedern und ist die höchste maurerische Behörde Deutschlands.
Alle anderen, nicht anerkannten Logen bezeichnet man in der Freimaurerwelt als
Winkellogen;"
Und dass er als:
"Freimaurerlogen neueren Datums"
die Logen eines
Freimaurer-Ritus aufführt, der schon seit hundert Jahren in den meisten Ländern
der Welt (nur bis 1902 nicht gerade in Deutschland) besteht, wollte ich von dem
konfusen Geschreibsel des A.P. Eberhardt zuerst gar keine Notiz nehmen.
Da aber die
"Latomia" vom 20. Juni 1914 auf Seite 207 eine lange Besprechung des
Eberhardtschen Buches bringt, in der nicht nur dieses Machwerk als: "ein
dankenswertes Unternehmen" und "als eine wünschenswerte Bereicherung
auf dem freimaurerischen Büchermarkt begrüsst wird," sondern auch noch
folgenden bedenklichen Satz enthält:
"- wahrhaft Suchende wurden geradezu
getäuscht und mussten sich bald entrüstet abwenden. Diese Irreführung des
Publikums hat den Reihen der Freimaurer grossen Schaden zugefügt, denn die
"Auch-Maurer" haben nicht selten, unter Berufung auf ihre
Mitgliedschaft zum Freimaurerbunde, ihren Mitmenschen zu imponieren gesucht
-" -
sehe ich mich
gezwungen, zu den Angaben des Eberhardtschen Buches, soweit es mich und meine
Tätigkeit als Logengründer betrifft, Stellung zu nehmen.
Und dem
Bücherschauer der "Latomia" möchte ich hier zur Kenntnis bringen,
dass, soweit vielleicht meine Person (als richtiges Mitglied des
Freimaurerbundes) in Frage kommen sollte, in dieser
"Auch-Maurer"-Anzapfung, ich niemals irgendeinen Suchenden des
Publikums irregeführt habe. - Zurückkehrend zu den mich betreffenden Angaben
Eberhardts, erkläre ich: Man braucht eigentlich ja nur die Zeitschrift die
"Oriflamme" von der ersten Nummer ihres Erscheinens im Jahre 1901 bis
zur Jubiläumsausgabe des Jahres 1912 zu lesen, oder gelesen zu haben, um sofort
zu erkennen, wie falsch A.P. Eberhardt gewisse Dinge darstellt. Da nun A. Paul
Eberhardt die "Oriflamme," wie er selbst zugibt, gelesen hat, so muss
ich leider konstatieren, dass A. Paul Eberhardt gewisse Dinge wissentlich und
anscheinend absichtlich falsch darstellt.
Die Seiten 89-101
und 106-107 des Eberhardtschen Buches handeln von mir und meinen
Logengründungen.
Ohne auf alle
nebensächlichen, rein persönlichen Anzapfungen und Seitenhiebe des Paulchen
Eberhardt einzugehen,
konstatiere ich zur
Sache:
Ich beginne Seite 89
-
Der
Illuminaten-Orden wurde von mir im Jahre 1880 (nicht 1890) in München
re-aktiviert. Leopold Engel wurde mit mir erst im Jahre 1895 bekannt und trat,
laut vorhandenem Revers, am 9. November 1896 in den Illuminaten-Orden ein.
Im Jahre 1897
gründete Engel seinen eigenen Illuminaten-Orden in Dresden, der aber 1899 mit
meinem Illumaten-Orden wieder vereinigt wurde, und erst 1902 trennte sich Engel
zum zweiten und letztenmale von mir.
Leopold Engel war
erst durch mich zum Freimaurer aufgenommen worden.
Seite 90 -
Die grosse
Freimaurerloge von Deutschland des Illuminaten-Ordens ist nicht auf Grund eines
Patentes, welches vom Prinzen von Rosenkreuz, Louis Gabriel Lebanche aus
Bazeille bei Sedan am 19. November 1786 auf Weishaupt übertragen worden sei,
gegründet worden, sondern auf Grund eines vom 1. Dimeh 1900 datierten Patentes,
das Leopold Engel und dessen Vater Carl Engel in Dresden am 6. Mai ausgestellt
haben.
Um dieser
Geschichtsfälschung definitiv den Garaus zu machen, bringe ich hier den
Wortlaut dieses Patentes, das in der Druckerei von Seydel und Co.,
Alexandrinen-Strasse, Berlin, im Jahre 1901 hergestellt worden war:
Erste
Stiftungs-Urkunde.
(Wortgetreue Kopie
des Patentes.)
Im Namen des
Geheimen Areopag des Illuminaten-Ordens.
Der Geheime Areopag
des Illuminaen-Ordens, welcher gemäss den Bestimmungen des "B.G.B.d
D.R." durch das Custosamt in Dresden rechtsgiltig [sic] vertreten wird,
hat beschlossen, ab Januar 1900 von seinem durch den Begründer des
Illuminaten-Ordens Adam Weishaupt rechtmässig erworbenen Ordensrecht Freimaurer-Logen
zu begründen, wieder Gebrauch zu machen.
Der Geheime Areopag
des Illuminaten-Ordens übergibt hiemit zu diesem Zwecke seinem
Ordens-Mitgliede, dem Bruder Theodor Reuss, z.Zt wohnhaft in Berlin, der in
einer Gerechten und Vollkommenen St.Johannisloge zum Freimaurer-Meister
aufgenommen und in einem Souveränen Kapitel zum Auserwählten St.Andreas-Ritter
erhoben worden ist, das alleinige Recht
Freimaurer-Logen
nach dem
Schottischen Ritus der Alten und Angenommenen Maurer, gemäss den Logengesetzen
des Illuminaten-Ordens zu begründen und einzuweihen. Alle auf die
Freimaurerlogen bezüglichen Ordenspapiere sind von ihm in Gemeinschaft mit dem
jeweiligen Custos des Illuminaten-Ordens in der unten beigefügten Art zu
beglaubigen.
Das Custos-Amt in
Dresden ist beauftragt, hierüber gegenwärtige Urkunde auszufertigen,
ordensgemäss zu unterzeichnen, und die die Dokumente der Freimaurerlogen zu
beglaubigenden Siegel und Unterschriften hier beizufügen.
Dresden, den 1.
Dimeh 1900.
Beglaubigung für
Freimaurerlogen:
(Siegel) (gez.)
Theodor Reuss (Grossmeister d. St.Johannis-u. St.Andreas-L.), (gez.) Leop.
Engel, (Custos) (Siegel)
(gez.) Leopold Engel
(Custos d. Illuminaten-Ordens.), (gez.) Rudolph Petzold (Stellvertretender
Custos.)
(gez.) Carl Engel
(Siegel) (Archivar u. Siegelbewahrer).
---
Die Darstellungen
des A.P. Eberhardt hinsichtlich der Vorgänge, die zur Gründung des Grossen
Freimaurerloge für Deutschland, und schliesslich zur Lossagung von Leopold
Engel führten, entsprechen auch nicht den Tatsachen.
Ebensowenig seine
Behauptung ... "Ausserhalb erhob man den Vorwurf, die Grosse
Freimaurerloge für Deutschland sei in den Illuminaten-Orden eingeschmuggelt
(Eberhardts Schreibweise) worden ..."
Der Vorgang war
folgender:
Am 12. März 1901
traten in meiner Wohnung in der Bellealliancestrasse in Berlin die Illuminaten
Theodor Reuss, Leopold Engel, August Weinholtz, Max Rahn und Siegmund Miller
zusammen, und beschlossen, die im Jahre 1890 in München gegründete
Freimaurerloge "Ludwig" wieder zu eröffnen.
Den oben Genannten
schlossen sich an die IG.-Mitglieder [!] Max Heilbronner und Georg Gierloff.
Nachstehend
veröffentliche ich hiermit den Wortlaut des Gründungs-Protokolls der Loge
"Ludwig" in Berlin:
Protokoll.
(Wahrheitsgetreue
Abschrift.)
Am zwölften März
Neunzehnhundert-eins traten in Berlin die unterzeichneten Mitglieder des Ordens
der Illuminaten zusammen, und beschlossen, die seither ruhende Loge
"Ludwig" der alten und angenommenen Freimaurer, früher im Orient
München, nunmehr im Orient Berlin, wieder zu eröffnen und die Arbeiten wieder
aufzunehmen. Es wurde beschlossen, vom Custos des Illuminaten-Ordens die
vorschriftsmässige Konstitution zu erbitten.
Die folgenden
Beamten wurden einstimmig gewählt: Zum Meister vom Stuhl wurde der Bruder
Theodor Reuss (aufgenommen am 9. November 1876 in der "Pilger-Loge"
im Orient London) gewählt. Zum ersten Aufseher und zum stellvertretenden
Meister vom Stuhl wurde Bruder August Weinholtz von der "Germania Loge No.
1" gewählt. Zum zweiten Aufseher wurde gewählt Bruder Max Rahn; zum ersten
Schaffner wurde gewählt Bruder Leopold Engel, Or. Petersburg, zum zweiten
Schaffner wurde gewählt Bruder Georg Gierloff; zum Schatzmeister und
Zeremonienmeister wurde gewählt Bruder Max Heilbronner, Or. Paris. Sämtliche
Brüder nehmen die auf sie gefallene Wahl an.
Die nächste
ritualmässige Lehrlings-Loge wird am 25. März 1901, abends 9 Uhr, im Logenlokal
Neue Wilhelmstrasse 1 abgehalten.
V.G.U.
Berlin, den 12. März
1901.
(Folgen die
eigenhändigen Unterschriften von)
Theodor Reuss. -
August Weinholtz. - Max Rahn. - Leopold Engel. - Max Heilbronner. - Georg
Gierloff. - Sigmund Miller - Kaiser Friedrich Loge
Man wird bemerken,
dass der Beschluss zur Gründung am 12. März 1901 gefasst wurde. Dass das von
Leopold und Carl Engel ausgestellte Patent jedoch vom 1. Dimeh (1. Januar) 1900
datiert wurde. Die Gründe für diese Vor-Datierung lagen bei Engel selbst.
Ich habe den Leopold
Engel nicht seiner Aemter entsetzt, das konnte ich allein gar nicht.
Nach langen,
gemeinsamen Beratungen der sämtlichen Grossbeamten der Grossen Mutterloge
"Ludwig" wurden Leopold Engel und Sigmund Miller aus der
Mitgliederliste der Grossen Mutterloge "Ludwig" wegen "eines
Aktes der Falschheit und des Treubruches" gestrichen. Diese Tatsache wurde
dem Leopold Engel in einem, von sämtlichen Grossbeamten der Grossen Mutterloge
"Ludwig" unterzeichneten Schreiben vom 8. Juli 1902 mitgeteilt.
Damit habe ich jetzt
nur die ersten 8 Worte eines Satzes auf Seite 90 in Eberhardts Buch richtig
gestellt. Der ganze Satz lautet wie folgt:
Da entsetzte Reuss seinen Freund Engel
seiner Aemter und erklärte die Grosse Freimaurerloge für Deutschland für
unabhängig; das geschah am 3. Juli 1901.
Die zweiten 9 Worte
dieses einen Satzes entsprechen auch nicht den Tatsachen.
Die "Grosse
Freimaurerloge für Deutschland" wurde am 9. Februar 1902 aufgelöst. An
ihre Stelle trat die Grosse Mutterloge "Ludwig."
Und die letzten 6
Worte entsprechen somit auch nicht den Tatsachen, denn am 3. Juli 1901 habe ich
weder Engel seiner Aemter entsetzt, noch die "Grosse Freimaurerloge für
Deutschland" für unabhängig erklärt.
So enthält fast
jeder Satz eine Unrichtigkeit.
Gleich die
nächstfolgenden 4 Zeilen sind wieder unwahr, sowohl der Tendenz nach, wie auch
den Tatsachen gemäss.
Eberhardt sagt: "Doch das Zerwürfnis
zwischen Reuss und Engel wirkte lähmend und hemmend auf die Logenmitglieder.
Darum erschien mit einem Male Reuss mit einem Patent von John Yarker in
Manchester für den Swedenborg Ritus ..."
(Das wäre nach
Eberhardts vorangegangener Darstellung nach Entlassung Engels am 3. Juli 1901
gewesen.)
Die wahre Tatsache
ist aber, dass ich im Dezember 1901 persönlich in London war, und in Folge
meiner Verhandlungen mit dem damaligen Grossbeamten der englischen
(anerkannten) Grossloge Dr. Wynn Westcott, der neben seiner Stellung als
Grossbeamter der United Grand Lodge of England auch Stellvertreter des
Grossmeisters John Yarker der "Supreme Grand Lodge of Great Britain and
Ireland des Swedenborg-Ritus der Freimaurerei" war, von Dr. Wynn
Westcott einen am 6. Februar 1902 im Namen John Yarkers ausgestellten Freibrief
für die Konstituierung eines "Provinzial-Grossloge und Tempel des
Swedenborg-Ritus der Freimaurerei" in Deutschland erhielt.
Der letzte Satz auf
Seite 90 und dessen Fortsetzung auf Seite 91 ist wiederum höchste Konfusion und
heller Blödsinn.
Das Sanktuarium und
die Grosse Loge des Swedenborg-Ritus für Grossbritanien [sic] ist nicht vom Sovereign
Sanctuary of Antient and Primitive Masonry in and for the Continent of America
durch den G.G.M. Seymour am 3. Juni 1872 gestiftet worden.
Der Swedenborg-Ritus
ist in England im Jahre 1876 auf Grund eines Warrant (Freibrief) von der Sphynx
Lodge und Temple No. 1, Maitland, Ontario (Kanada) eingeführt
worden.
Der Swedenborg-Ritus
vermittelt nicht die Kenntnis der Grade der egyptischen Maurerei.
Der 3. Absatz auf
Seite 91 gehört auf Seite 89, wo die Illuminaten Grade aufgeführt wurden.
Der 4. Absatz auf
Seite 91 enthält nun eine der kleinen Niederträchtigkeiten, die A.P. Eberhardt
so hie und da in seinem Geschreibsel mit hineinschlüpfen lässt.
Eberhardt schreibt
auf Seite 91:
Doch da der Swedenborg-Ritus, wie man in
Erfahrung gebracht hatte, (!) keine Kompetenz in Bezug auf die Johannis-Grade
besitzt ... konnten die Mitglieder auch nicht damit rechnen, jemals in
Deutschland anerkannt zu werden, deshalb forderten sie, und ganz besonders der
bekannte Okkultist und Freimaurer Dr. Kellner in Wien, von Reuss, dass er ihnen
das Patent einer anerkannten Körperschaft bringe. (!)
In No. 1, No. 2, No.
3, No. 4 der "Oriflamme" vom Jahre 1903 steht mit fetten Lettern an
der Spitze jeder Nummer, dass die Provinzial-Grossloge des Swedenborg-Ritus für
Deutschland bereit ist:
gesetzmässigen Freimaurer-Meistern die
Hochgrade des Swedenborg-Ritus zu erteilen,
nirgends ist gesagt
worden, dass die "Johannisgrade" vom Swedenborg-Ritus bearbeitet
werden.
Die Eberhardtsche
Bemerkung, dass "man in Erfahrung gebracht hatte," ist also eine
kleine Niederträchtigkeit von der Art seines Freundes Loeberich, über dessen
Bericht Eberhardt auf Seite 1 seines Buches sich beklagt:
sie (die Berichte) stammten aus den Federn
ausgeschiedener Brüder, geschrieben zu dem Zwecke, dem früheren Verbande zu
guter Letzt noch etwas anzuhängen, waren also tendenziöser Art."
Mit diesen schönen,
wahren Worten spricht Eberhardt seine eigene Verurteilung aus, im Hinblick auf
seine tendenziösen Darstellungen in seinem Winkellogen-Buche.
Und damit komme ich
nun zu einem Satze in Eberhardts Buche, in dem Eberhardt seinen ganzen
intriguantenhaften [sic] Charakter enthüllt.
Eberhardt sagt:
"Die Mitglieder forderten, und ganz besonders der bekannte Okkultist und
Freimaurer Dr. Kellner in Wien, forderte von Reuss, dass er ihnen das Patent
einer anerkannten Körperschaft bringe!"
Dr. Karl [sic]
Keller war niemals Mitglied des Swedenborg-Ritus oder überhaupt Mitglied irgend
einer der von mir in den Jahren 1900-1902 gegründeten Freimaurerlogen gewesen.
Dr. Karl Kellner war auch nicht Mitglied des von mir re-aktivierten
Illuminaten-Ordens gewesen, so lange Leopold Engel mit demselben in irgend
einer Weise verbunden gewesen war.
Dr. Kellner war also
gar nicht in der Lage, irgend etwas als Mitglied des Swedenborg-Ritus zu
fordern.
Dr. Karl Kellner,
mit dem ich allerdings schon lange vorher befreundet und verbunden war, trat im
September 1902 dem Souveränen Sanktuarium des Alten und Primitiven Ritus der
Freimaurerei bei, nachdem ich im Einverständnis mit ihm (nach Ausschluss des
Leopold Engel aus dem Kreise meiner Mitarbeiter) von John Yarker in Manchester
im August 1902 einen Charter (Freibrief) erbeten und zugesagt bekommen hatte.
Eberhardt gibt dann
auf Seite 92, 93, 94 Auszüge aus der "Oriflamme" und aus einer von
ihm selbst verfassten und im Januar 1907 in Leipzig im Druck erschienenen
Schrift, betitelt: "Von der freimaurerischen Gesetzmässigkeit der
Symbolischen Grossloge des Schottischen Ritus in Deutschland." In dieser
Schrift lieferte Eberhardt die dokumentarischen Beweise für die freimaurerische
Gesetzmässigkeit des frm.: Ritus, dem er durch mich beigetreten war.
Seit seinem
Uebertritt zu der landeseingesessenen "anerkannten" Grossloge,
erkennt er natürlich diese seine Beweise nicht mehr an.
Auf Seite 95 versucht Eberhardt mir einen
weiteren Eselstritt zu versetzen, indem er unterstellt, dass sich im Jahre
1905, nach der Stiftung des Gross-Orients in Hamburg am 27. August 1905, im
Hotel Metropol in München unter dem Deckmantel des Okkultismus recht unliebsame
Sachen zugetragen hätten, wegen der die Logen sich von mir getrennt hätten.
Diese Darstellung
entspricht wiederum nicht den Tatsachen.
Im Jahre 1905 habe
ich in München gar nicht im Hotel Metropol gewohnt. Der "Vorgang,"
auf den Eberhardt aber glaubt anspielen zu müssen, ereignete sich schon im
Jahre 1903. Und da gibt es gar nichts zu verheimlichen. Ich gab dem Br.
Dotzler, auf dessen Wunsch hin, gewisse Aufklärungen über gewisse
Yoga-Uebungen, die allen Kennern von Hatha-Yoga wohl bekannt sind. Alte Weiber
männlichen Geschlechts, die beim Frühschoppen oder Abendtrunk gerne "neue
Sachen" auf dem Gebiet der Zote sich zuflüstern, machten aus der Sache
eine "Schweinerei," und da (wie schon Basilio sagt im "Barbier
von Sevilla") derartige geflüsterte Klatschereien immer wachsen und wachsen,
je weiter sie getragen werden von Mund zu Mund, so bekam die Sache eine
künstliche Bedeutung, die sie in Wirklichkeit gar nicht besessen hatte. Man
braucht diesbezüglich ja nur den Brief des Br. Dotzler in der
"Oriflamme" vom Juli 1906 über diese Angelegenheit zu lesen.[6] *
Da dieser sogenannte
Vorgang sich aber schon 1903 zugetragen hatte, und die Trennung der hamburger
Gross-Orient Logen von mir erst im Dezember 1905 stattfand, so war der ganze
damalige Entrüstungsrummel nicht echt gewesen, sondern nur ein Vorwand, um den
Treubruch zu bemänteln. Eberhardt war von den Malcontenten damals auch
eingeweiht worden in das schauderhafte Geheimnis des Hotels Metropol. Damals
war er aber augenscheinlich noch nicht so hochgradig tugendhaft wie heute. Im
Jahre 1905 zog er noch den "Mantel des Grossmeisters" der
"Flucht" vor!
Absatz 5 auf Seite
95 sagt Eberhardt: an Uebertrittsgebühren (zu den "anerkannten"
Grosslogen) brauchten für den Bruder nur 50 Mark gezahlt werden. (!)
Ein schönes Geschäft
für die "anerkannten" Grosslogen! Da zirka 700 Mitglider nach und
nach aus meiner Jurisdiktion zu den anerkannten Grosslogen übergetreten sind,
so haben die deutschen Grosslogen 700 x 50 Mark = 35 000 Mark (immer nach
Eberhardt) durch meine sogenannte "Schweinerei" verdient!
Es ist eben alles
Geschäft heutzutage!
Seite 96 sagt
Eberhardt, dass ich ihm 1909 die "angeblichen" Machtbefugnisse, die
Hochgrade zu bearbeiten, wieder entzogen hätte, weil es mich verdrossen hätte
zu erfahren, dass er (Eberhardt) seine Logen (die Logen des Schottischen Ritus)
in den deutschen Grosslogenbund hinüberführen wolle.
Das stimmt wieder
nicht!
Ich entzog Eberhardt
die ganz realen Machtbefugnisse, weil er während 3 langer Jahre nicht einmal
den Versuch gemacht hatte, die Hochgrade zu bearbeiten. An dem Uebertritt der
Johannislogen lag mir gar nichts. Denn ich war mir vom Ur-Anfang bewusst, dass
früher oder später die Johannislogen von den "anerkannten" Grosslogen
in irgend einer Form aufgesogen würden. Diese meine Ueberzeugung hatte ich
schon 1902 dem Br. Wiebe (damals Grossmeister der Hamburger Grossloge) in
dessen Wohnung in Hamburg, anlässlich einer langen Unterredung über meine
Gründungen, ausgesprochen.
Den
"Stamm" für die Hochgrade habe ich mir trotz der gegenteiligen
Ansicht des A.P. Eberhardt, inzwischen jedoch herangezogen, und deshalb
existiert der Ritus in Deutschland auch heute noch.
Auf Seite 99 bis 101
berichtet A.P. Eberhardt über den "Orientalischen Templer-Orden"
(O.T.O.) in Deutschland.
An der Spitze seines
Artikels über diesen Orden schreibt er kurz und bündig, aber wider besseres
Wissen:
"Gegründet im Jahre 1912 von Theodor
Reuss in London."
Da Eberhardt einen
Teil seiner Angaben über den Orden der "Oriflamme" vom Jahre 1912
entnimmt, so musste er wissen, dass dieser Orden nicht erst im Jahre 1912 von
mir gegründet worden ist. Es ist ihm aber ausserdem von mir selbst ein Exemplar
der Konstitution des Ordens zugesandt worden, und aus dieser musste er ersehen,
dass die Konstitution des "neu-organisierten" Ordens der
orientalischen Templer vom Januar 1906 datiert. Endlich musste A.P. Eberhardt,
als er im Jahre 1905 als Grossmeister Paul Eberhardt an der Generalversammlung
des Suveränen [sic] Sanktuarium in der Bellealliancestrasse 74 in Berlin
teilnahm, mit eigenen Augen gesehen haben, dass schon 1905 rechts von der
Haustür des Hauses 74 Bellealliancestrasse, gegen die Strasse zu, ein grosses
Messingschild angebracht war, mit der Inschrift:
Suveränes Sanktuarium des Ordens der Orientalischen
Templer.
Ausserdem habe ich
ihm persönlich auf seine an Br. Kirmiss gerichtete Anfrage geschrieben, dass
der Orden anfangs 1914 über 2 400 Mitglieder in allen Ländern der Erde
verteilt, zählte. Ich fügte hinzu, dass wir nach den gemachten üblen
Erfahrungen, öffentlich keinerlei detaillierte Angaben mehr machen über die
Ausbreitung des Ordens. Ausgenommen sind nur die 3 alten Stämme München, Berlin
und Mannheim, weil deren Leiter eben gegen alle "Aufsaugungs-Angriffe"
gefeit sind.
Natürlich machen wir
auch kein Geheimnis aus den Zentralsitzen des Ordens in den ausserdeutschen
Ländern. Deshalb haben wir s.Zt. auch die Adressen der Zentralsitze in London,
Paris, Italien, Oesterreich usw. ohne weiteres veröffentlicht. In diesem Jahre
ist neu hinzugekommen eine National-Grossloge unseres Ordens für Süd-Afrika.
Unser Orden (O.T.O.)
ist aber gar kein Freimaurer-Orden pure et simple, das ist schon in der
"Oriflamme" von 1912 öffentlich gesagt worden. Unser Orden (O.T.O.)
will auch gar kein Freimaurer-Orden sein. Das geht ganz klar aus dem Wortlaut
der Konstitution des O.T.O. hervor. Wohl aber ist Unser Orden eine Academia
Masonica und eine Hochschule der hermetischen Wissenschaften.
Die britische
Abteilung des O.T.O. hat soeben ein Manifesto im Druck erscheinen lassen, das
Neugierigen und Suchenden weitere Aufschlüsse gibt.
An einer anderen
Stelle dieser Nummer der "Oriflamme" findet man einen Auszug aus
diesem Manifesto in deutscher Sprache.
Damit schliesse ich
meine Berichtigungen des Buches "Winkel-Logen" von A.P. Eberhardt.
Meinen Artikel kann
ich aber nicht schliessen, ohne gegen die tendenziösen Unterstellungen des A.P.
Eberhardt, denen sich der Bücherschauer der "Latomia" angeschlossen
hat, zu protestieren, dass die A.P. Eberhardt und Genossen nicht gewusst
hätten, wo die sogenannten "anerkannten" Logen zu finden waren. Dass
sie deshalb von mir irre geführt werden konnten, und dass sie sich mir nur
angeschlossen hätten, weil sie getäuscht worden wären.
Diese Unterstellungen
sind klagbare Beleidigungen.
Die nackte Wahrheit
ist: Paul Eberhardt und alle seine 1000 Logenmitglieder wussten recht wohl und
gut, wo die "anerkannten" Logen zu finden waren. Aber die
"anerkannten" Logen wollten damals den A. Paul Eberhardt und seine
Logenbrüder nicht haben, weil - wie der Bücherschauer der "Latomia"
so schön sich ausdrückt - "dadurch moralisch und geistig minderwertige
Elemente einem Bunde angehängt wurden, der seine Glieder in jeder Beziehung
einwandfrei sehen will!"
Aber als es deren
genug waren, hat dieser Bund (der deutsche Grosslogenbund) für ca. 35 000 Mark
diese moralisch und geistig minderwertigen Elemente alle ruhig
hinuntergeschluckt! - Wohl bekomms!
Theodor Reuss.
Auszug
aus dem englischen Manifesto der M.:M.:M.:
in deutscher
Uebersetzung
Manifesto der M.:M.:M.:
Die M.:M.:M.:
(Mysteria Mystica Maxima) ist der Name der Britischen Sektion des O.T.O.
Der O.T.O. ist eine
Körperschaft von Eingeweihten, in deren Händen sich die Weisheit und Erkenntnis
der folgenden Organisationen konzentrieren:
1. Die Gnostische
Katholische Kirche.
2. Der Orden der
Ritter vom Heiligen Geist.
3. Der
Illuminaten-Orden.
4. Der Tempel-Orden
(Tempelritter).
5. Der
Johanniter-Orden.
6. Der
Malteser-Orden.
7. Der Orden der
Ritter vom Heiligen Grabe.
8. Die Geheime
Kirche vom Heiligen Graal.
9. Der
Rosenkreuzer-Orden.
10. Der heilige
Orden vom Rosigen Kreuz von Heredom.
11. Der Orden vom
Heiligen Gewölbe von Enoch.
12. Der Alte und
Primitive Ritus der Maurerei (33 Grade).
13. Der Ritus von
Memphis (97 Grade).
14. Der Ritus von
Misraim (90 Grade).
15. Der Alte und
Angenommene Schottische Ritus der Maurerei (33 Grade).
16. Der
Swedenborg-Ritus der Maurerei.
17. Der
Martinisten-Orden.
18. Der Sat
Bhai-Orden.
19. Die hermetische
Brüderschaft des Lichtes.
20. Der Hermetische
Orden der goldenen Dämmerung, und mehrere andere Orden von grösserer und
kleinerer Bedeutung.
Da die
vielgestaltete Ausspendung der ursprünglichen geheimen Weisheit zur Konfusion
geführt hat, haben die Häupter dieser Orden beschlossen, sich wieder zu
vereinen und ihre Tätigkeiten zu zentralisieren, gleichwie weisses Licht,
obgleich geteilt durch das Prisma, wieder vereint werden kann.
Er vereinigt in sich
die gesamte geheime Wissenschaft aller orientalischen Orden; und seine Häupter
sind Eingeweihte des allerhöchsten Ranges und anerkannt als solche von allen,
in jedem Lande der Erde die fähig sind, darüber zu urteilen.
Es war Karl [sic]
Kellner, der die exoterische Organisation des O.T.O. wieder aufleben liess, und
die Initiative ergriff zu dem Plane, der jetzt zur glücklichen Vollendung
gebracht ist, alle okkulten Körperschaften in einem Bunde zu vereinen.
Die Buchstaben
O.T.O. bedeuten die Worte Ordo Templi Orientis (Orden des Tempels des
Orients, oder Orientalische Templer), aber selbe haben für die höchsten
Eingeweihten auch noch eine geheime Bedeutung.[7] *
Der Orden ist
international und hat bestehende Zweige in jedem zivilisierten Lande der Erde.
Die Ziele des
O.T.O.können nur von den höchsten Eingeweihten vollständig erfasst werden. Aber
es kann offen ausgesprochen werden, dass er lehrt: hermetische Wissenschaft
(oder okkulte Kenntnisse), die Reine und Heilige Magie des Lichtes, die
Geheimnisse der mystischen Vollkommenheit, alle Formen von Yoga, wie Gnana
Yoga, Raja Yoga, Bhakta Yoga, Hatha Yoga und alle anderen Zweige der Geheimen
Weisheit der Alten.
In seinem Busen
ruhen sämtliche Grossen Mysterien, und sein Gehirn hat sämtliche Probleme der
Philosophen und alle Rätsel des Lebens gelöst.
Er besitzt das
Geheimnis des Steines der Weisen, des Elixieres der Unsterblichkeit und der
Universal-Medizin.[8] *
Ausserdem besitzt er
auch ein Geheimnis, das es ermöglicht. den alten Welt-Traum eines allgemeinen
Menschen-Bruderbundes zu verwirklichen.
Es besitzt in jedem
wichtigeren Populations-Zentrum einen geheimen Ort der Abgeschiedenheit
(Collegium ad Spiritum Sanctum), wohin Mitglieder sich zurückziehen können, um
ungehindert und abgeschlossen dem Grossen Werk obliegen können.
Diese Plätze sind
geheime Festungen von Wahrheit, Licht, Kraft und Liebe, und deren Lage wird nur
nach Ablegung eines Eides der Geheimhaltung Solchen mitgeteilt, die Anspruch
auf Benützung desselben haben.
Diese Plätze sind
Tempel des wahren Gottesdienstes, von der Natur geweiht dem Zwecke, dass der
Mensch sein Bestes zum Opfer bringe.
Die oberste
Autorität des O.T.O. ist konzentriert im O.H.O. (Outer Head of the Order =
Ober-haupt des Ordens) oder Frater Superior. Der Name der Person, welche
dieses Amt bekleidet, wird nur seinen unmittelbaren Vertretern mitgeteilt.
Die Autorität des
O.H.O. wird in allen englisch-sprechenden Ländern ausgeübt von dem, mittelst
Patent bestellten und delegierten Most Holy, Most Illustrious, Most Illuminated
and Most Puissant Baphomet [Aleister Crowley], X°, Rex Summus Sanctissimus 33°,
90°, 96°, Past Grand Master of the United States of America, Grand Master of
Ireland, Jona and All the Britain (Free and Independent Great Britain and
Ireland) National-Grossmeister ad vitam der M.:M.:M.:, deren Hauptquartier sich
in 33 Avenue Studios (76 Fulham Road), Kensington, London S.W., befindet.
Der
National-Grossmeister ad vitam wird unterstützt von zwei Haupt-Beamten, den
General-Gross-Schatzmeister, V.:Ill.:Br.: Georg M. Cowie VII°, 33°, 90°, 95°,
wohnhaft 14 Glenisla Gardens, Edinburg, Schottland, und General-Gross-Sekretär
V.:H.:L.: and Ill.:Bro.: L. Bathurst,[9] * IX°, 33°, 90°, 95°, wohnhaft 33
Avenue Studios (76 Fulham Road), London S.W., England. Die übrigen Grossbeamten
aufzuführen hat keinen Zweck in diesem Manifesto.
Die gesamten
Kenntnisse der im Absatz 2 dieses Manifesto aufgeführten Organisationen ist
verteilt auf die folgenden Grade: 0° Minerval; I°M.; II°M..; III°M.:; IV°
Heiliges Gewölbe; V° Rose Croix; VI° Kadosch Templer; VII° General
Grossinspektor; VIII° Illuminat; IX° Eingeweihter des Sanktuariums der Gnosis;
X° Rex Summus Sanctissimus.
Jede freie,
volljährige Person männlichen oder weiblichen Geschlechtes, hat ein
unveräusserliches Recht auf den III°; über diesen Grad hinaus finden
Beförderungen nur auf Einladung seitens der Oberen statt.
Die bürgerlichen
Namen der weiblichen Mitglieder werden nicht bekannt gegeben.
Der O.T.O., obgleich
er eine Academia Masonica ist, ist keine freimaurerische Körperschaft,
so weit die Johannisgrade (Craft Degrees) in Betracht kommen und in dem Sinne,
wie dieser Ausdruck für gewöhnlich in England verstanden wird. Der Orden kommt
daher in keiner Weise in Konflikt mit den berechtigten Privilegien der United
Grand Lodge of England (Grossloge von England).[10] *
Das
Konstitutions-Patent, die Gerichts-Urkunde der Einverleibung und der Treuhänder
usw. und alle anderen Dokumente werden auf Verlangen jedem Mitgliede vorgelegt,
wenn es den IV° erlangt hat.
Die Rechte und
Privilegien der Mitglieder der M.:M.:M.: sind zahlreich. Die hauptsächlichsten
sind: Der ganze grosse Schatz der geheimen Kenntnisse, wie er im Sanktuarium
verwahrt und erhalten wird, wird ihnen zugänglich.
Sie nehmen Teil an
dem erhabenen und hehren Leben der Schöhheit, Harmonie und Liebe, welches im
Herzen des O.T.O. feurig lodert und das ganze Leben seiner Angehörigen erhellt
und erwärmt mit unsterblichem Feuer, je mehr sie sich der Zentral-Sonne nähern.
Sie finden gleichgesinnte Herzen und Seelen in allen Teilen der Erde.
Sie erlangen das
Recht, sich in den Geheimen Asylen des O.T.O. aufzuhalten. Je nach dem Range,
den sie im Orden einnehmen, für längere oder kürzere Zeit.
Die Kenntnis der
Zubereitung und des Gebrauchs der Universal Medizin ist zwar den Inhabern des
IX° vorbehalten, aber mit besonderer Dispensation vom National-Grossmeister
können in ausserordentlichen Fällen diese Kenntnis auch Inhabern des VII° und
VIII° zugänglich gemacht werden.
Inhaber des IX°
partizipieren am Vermögen und dem ganzen Besitzstande des Ordens.
Diesem Manifesto
sind Photographien von einem der Profess-Häuser oder Collegium vom Heiligen
Geiste des Ordens beigefügt. Auf besonderem Befehl des National-Grossmeisters
wird in diesem Falle die sonst übliche strenge Geheimhaltung durchbrochen, um
den suchenden Profanen zu zeigen, dass schon die rein materiellen Vorteile, die
der Orden seinen Mitgliedern bietet, die Gebühren rechtfertigt, die er von den
Kandidaten verlangt.
Die geistigen
Kenntnisse aber, die der Orden seinen Mitgliedern bietet, können durch
keinerlei Geld bezahlt werden, sie sind ein Geschenk Gottes!
Der O.H.O. ist nur
den Inhabern des VIII° und IX° bekannt.
Der National
Grossmeister ad vitam ist nur für diejenigen Mitglieder zugängig, welche
mindestens den VI° besitzen.
Alle Anfragen und
Mitteilungen sollten gerichtet werden an den General Gross-Sekretär, Cheques
sollten ausgestellt werden auf den Namen des General Gross-Schatzmeisters.[11] *
Veröffentlicht im
Auftrage, L. Bathurst, IX° General Gross-Sekretär.
Imprimatur Baphomet
X°
Nihil obstat O.H.O.
Ordens-Anzeigen.
Infolge Ausbruches
des Krieges zwischen England und Deutschland ist das Ordens-Hauptquartier nach
dem neutralen Lande Schweiz, und zwar nach Basel verlegt worden. Die genaue
Adresse ist den National-Grossmeistern der einzelnen Länder bekannt gegeben
worden und diese allein vermitteln den Verkehr während der Dauer des Krieges.
Der Ordensmeister
(O.H.O.) hat sich nach seiner Ankunft in Berlin sofort zur Dienstleistung beim
Roten Kreuz gemeldet,[12] * und hofft demnächst nach dem
Kriegsschauplatze abzugehen.
Der Ordenskanzler
ist zu seinem Regiment eingezogen worden und steht als Landsturm auf dem östlichen
Kriegsschauplatze.
Der General
Gross-Sekretär.
An
unsere Leser!
Durch den ganz
unerwarteten Ausbruch des Krieges zwischen Deutschland und England hat sich das
Erscheinen dieser Schrift verzögert. Die Korrekturbögen der in Deutschland
hergestellten Schrift haben England vor Ausbruch des Krieges nicht mehr
erreicht, und der Verfasser und Herausgeber hatte inzwischen, unter
Hinterlassung seines ganzen Hab' und Gutes, England fluchtartig verlassen
müssen. - Die englischen Mitglieder Unseres Ordens haben zwar getrachtet, das
Eigentum des Ordensmeisters zu beschützen, es ist ihnen aber nur teilweise
gelungen. Die englischen Behörden haben sich geradezu mit einer Art Hass auf
die Deutschen und deren Eigentum gestürzt. Seit Samstag, den 1. August wurden den
Deutschen in London keine Auslandsbriefe (also Briefe aus Deutschland) mehr
zugestellt. Selbst angesehene Deutsche, wie z.B. Herr Dr. Plehn, der
langjährige Londoner Vertreter vom Berliner Wolffschen Telegraphen-Büro, wurden
verhaftet, und viele wurden überhaupt nicht mehr in Freiheit gesetzt, sondern
wurden als Kriegsgefangene in einem Konzentrationslager für die Dauer des
Krieges interniert. Man schätzt die Zahl der von England gefangen gehaltenen
Deutschen auf über 30 000 Köpfe. Diejenigen Deutschen, denen es gelang, sich
der Verhaftung zu entziehen, waren bei ihrer Ankunft in Berlin peinlichst
überrascht, sehen zu müssen, wie zart und zuvorkommend, sozusagen übernatürlich
human, die Berliner Polizei die Engländer behandelte. Etwas "mehr
preussische Schärfe" wäre bei der Behandlung der Engländer in Berlin
entschieden am Platze gewesen, angesichts der Behandlung der Deutschen in
England!
Der Herausgeber.
3. Konstitutionen
INRI 1906
Allgemeine Satzungen des Ordens der
Orientalischen Templer
O.T.O.
1. Name und Zweck.
Unter dem Namen
Orientalische Templer Orden
O.T.O.
ist ein internationaler Verein reorganisiert
worden, welcher den Zweck verfolgt:
a. Das Studium der hermetischen Wissenschaften
anzuregen, seine eingeweihten Mitglieder in diesen Wissenschaften zu
unterrichten und die Lehren des Ordens in Wort, Schrift und Tat zu propagieren;
b. Lehranstalten zu gründen und zu verwalten, in
welchen die hermetischen Wissenschaften gelehrt werden;
c. Heimstätten zu gründen und zu verwalten, in
welchen den eingeweihten Mitgliedern Gelegenheit gegeben wird, nach den
Ordenslehren und gemäss den Hausgesetzen des Ordens (Ordensregeln) zu leben.
2. Sitz.
Der Orden ist international, mit dem
Verwaltungssitze in London. Von dort werden Zweigvereine gegründet, die von der
obersten Ordensleitung (Exekutive) abhängig bleiben.
3. Mitgliedschaft
1. Eintritt
a. Mitglied kann jede unbescholtene und
verfügungsberechtigte Person werden.
b. Der Antrag dazu muss schriftlich durch
Unterzeichnung der Satzungen geschehen.
c. Die Aufnahme erfolgt durch Beschluss der
obersten Ordensleitung (Exekutive nach Ordensbrauch).
d. Ausser einzelnen Personen können Zweigvereine
(Heimstätten, Synoden, Logen etc. genannt) dem Orden angehören.
e. Jeder Zweigverein (gleichviel unter welchem
Sondernamen derselbe gegründet ist und existiert) muss bei der
Ortspolizeibehörde angemeldet werden und kann für seine lokalen Bedürfnisse
diese Satzungen durch eigene Beschlüsse ergänzen. Derartige Lokal-Satzungen
dürfen aber in keinem Punkte weder im Worte noch im Geiste, diesen
Ordens-Satzungen zuwiderlaufen.
2. Austritt.
Die Mitgliedschaft erlischt:
a. Durch den Tod des Mitgliedes. In diesen Falle
hat der Bürge (oder Führer) des Verstorbenen die Insignien und Ordenspapiere an
sich zu nehmen und sie dem Ordensmeister unverzüglich einzuhändigen.
b. Durch freiwilligen Austritt. Aufnahme-Papiere,
Ordensinsignien und sonstige Ordensschriftstücke sind beim Austritt an den
Ordensmeister gegen Rückgabe der bei der Aufnahme eingezahlten M. 16,-, welche
als eine für die richtige Rückgabe gestellte Kaution gelten, zurückzusenden.
Zuwiderhandelnde machen sich nach den Landesgesetzen schuldig.
c. Durch Ausschluss. Ueber den Ausschluss eines
Mitgliedes entscheidet die oberste Ordensleitung (Exekutive) allein. Der
Beschluss derselben ist unanfechtbar.
d. Da nach 6 der Ordenssatzung alles von den
Mitgliedern eingezahlte Geld, oder eingebrachte Gut, als eingeworfenes Gut angesehen
wird, auf das nur der Orden als Ganzes, nicht aber ein Einzelmitglied irgend
einen Anspruch erheben kann, so verliert beim Ausscheiden der Ausscheidende
alle Rechte an den Orden und dessen Vermögen.
e. Wer ein ganzes Jahr nichts von sich hören lässt,
oder wer mit seinen Beiträgen etc. ein ganzes Jahr im Rückstande bleibt, wird
aus der Liste der Mitglieder gestrichen, und verliert damit alle seine Rechte
und Ansprüche an den Orden und dessen Vermögen.
3. Klassifikation der
Mitglieder.
Die Mitglieder werden eingeteilt:
a. Eingeweihte (aktive Mitglieder);
b. Laien (inaktive Mitglieder);
c. Prüflinge (korrespondierende Mitglieder).
Nur die aktiven Mitglieder (Eingeweihte) sind
stimmberechtigt.
4. Mitglieder-Versammlungen.
1. Vorstands-Versammlungen werden nach Bedarf von
der obersten Ordensleitung (Exekutive) einberufen.
2. Allgemeine Versammlungen der Mitglieder werden
nach Bedarf von der obersten Ordensleitung (Executive) einberufen.
Ausserdem auch auf schriftlichen Antrag von
mindestens sieben aktiven Mitgliedern.
5. Ordens-Vorstand
1. Derselbe besteht aus einem auf Lebenszeit
gewählten Ordensmeister, dem die geistige Oberleitung, und einem
Ordens-Direktorium, dem die geschäftliche Leitung des Ordens obliegt.
2. Das Ordens-Direktorium wird vom obersten
Ordensleiter, dem Ordensmeister, gewählt und eingesetzt, und besteht aus
mindestens drei aktiven Mitgliedern.
3. Nach Aussen vertritt den Orden der oberste
Ordensleiter (der Ordensmeister), allein, er ist die Exekutive des Ordens-Direktoriums.
6. Beiträge
1. Jedes Mitglied hat ein einmaliges Eintrittsgeld
und einen jährlichen Beitrag pränumerando an die Ordenskasse zu zahlen. Die
Höhe dieser Beiträge ist dem freien Ermessen des Mitgliedes anheimgestellt,
insofern selbe nicht weniger betragen wie:
M. 1.- pro Monat Beitrag für Prüflinge,
M. 2.- pro Monat Beitrag für Laien,
M. 5.- pro Monat Beitrag für Eingeweihte, und
M. 20.- als erstes Eintrittsgeld.
2. Für die bei der Aufnahme als Prüfling zu
übergebenden Ordensinsignien, und für die während der Mitgliedschaft zu
empfangenden Ordensschriften, sind bei der Aufnahme M. 16.- (20 francs) als
Kaution zu entrichten.
3. Alle von den Mitgliedern eingezahlten Beiträge
und Gelder, und sonstwie überlassenes Gut, werden als ein eingeworfenes Gut
angesehen, auf welches nur der Orden als Ganzes, oder Bedürftige nach Beschluss
der obersten Ordensleitung zum Nutzen des Ordens, Anspruch erheben können.
4. Alle Ordensinsignien und Ordensschriften
verbleiben stets Eigentum des Ordens.
5. Die Kassenverwaltung hat jedes Jahr im Januar
den aktiven Ordensmitgliedern Rechnung abzulegen.
7. Auflösung des Ordens
1. Der Orden kann sich nur auflösen, wenn eine von
der obersten Ordensleitung zu diesem Zwecke nach dem Ordenssitze einberufene
Versammlung der Mitglieder mit drei Viertel Stimmenmehrheit der aktiven
Mitglieder die Auflösung beschliesst.
2. Die Versammlung, welche die Auflösung des Ordens
beschliesst, hat auch über die Verwendung des Ordensvermögens Beschluss zu
fassen. Der Mehrheitsbeschluss von drei Viertel der Anwesenden ist gültig.
8. Aenderung der Satzungen
1. Eine Aenderung dieser Satzungen kann nur in
einer, von der obersten Ordensleitung einzuberufenden, allgemeinen Versammlung
der aktiven Mitglieder vorgenommen werden, wenn drei Viertel der aktiven
Mitglieder für die Aenderung stimmen.
2. Ein Antrag auf Aenderung der Satzungen muss, von
mindestens sieben aktiven Mitgliedern unterzeichnet, der obersten Ordensleitung
eingereicht werden.
9. Ordensregeln und
Ordenslehren
Zur Erreichung des in 1 genannten Ordenszweckes
verfügt der Orden über einen Lehrgang, welcher den Mitgliedern auf Grund von
besonderen Bestimmungen (Ordensregeln) zugänglich ist.
London, den 21. Juni 1906
Der Ordensmeister
Konstitution des O.T.O. von 1917[13] *
Alter Orden der
Orientalischen Templer
Constitution
Artikel I.
Sektion 1. Unter dem Namen und Begriff: Alter Orden der Orientalischen Templer,
ist eine Organisation, die man vorher als "Hermetic Brotherhood of
Light" kannte, neu-organisiert und neu-konstituiert worden. Diese
neu-konstituierte Vereinigung ist eine internationale Organisation und wird
hierin als O.T.O. bezeichnet.
Artikel II.
Sektion 1. Der O.T.O. erklärt die Bruderschaft Aller
Geschaffener Dinge zu einem Naturereignis.
Sektion 2. Das hauptsächliche Ziel des O.T.O. ist,
wahre Bruderschaft zu lehren, und sie zu einem lebendigen Teil im Leben der
Menschheit werden zu lassen.
Sektion 3. Zusätzlich will der O.T.O.: (a) das
Wissen der Hermetischen Wissenschaft verbreiten, und seine Mitglieder in die
Geheimen Lehren der Hermetischen Wissenschaften einweihen, wozu die Mitglieder
als Vorbereitung in die Freimaurerei eingeweiht und erhoben worden sein müssen;
(b) Schulen, Logen, etc. zu gründen, wo die Hermetische Wissenschaft gelehrt
werden kann; (c) Heimstätten, Kolonien und Niederlassungen zu gründen und zu
verwalten, wo die eingeweihten Mitglieder gemäss den O.T.O.regeln leben können.
Artikel III.
Sektion 1. Der O.T.O. ist ein Teil der grossen und
allumfassenden hermetischen Bewegung, die zu allen Zeiten aktiv gewesen ist.
Sektion 2. Alle Organisationen weltweit, die diese
Konstitution annehmen, werden dadurch ein Bestandteil des O.T.O. und erhalten
eine offizielle Bestätigung als solche. Alle solche Organisationen können auf
irgendeine Weise durch die Führung des O.T.O. besteuert werden.
Sektion 3. Das Hauptquartier des O.T.O. ist zur
Zeit in der Schweiz, kann aber überallhin verlegt werden.
Artikel IV.
Sektion 1. Alle Belange, die das Wohlergehen und
die Verwaltung des O.T.O. betreffen, liegen in der Hand eines Einzigen Höchsten
Amtes.
Sektion 2. Der Titel dieses Amtsinhabers lautet
folgendermassen: "Frater Superior und Outer Head of the Order",
hierin als "O.H.O." bezeichnet.
Sektion 3. Die Person (männlich oder weiblich), die
dieses Amt innehat, dient lebenslänglich, ausser er oder sie tritt zurück.
Sektion 4. Diese Amtsperson soll seine(n)/ihre(n)
Nachfolger/in ernennen.
Artikel V.
Sektion 1. Der Frater Superior und Outer Head of
the Order (O.H.O.) ist allein die Exekutive des Ordens O.T.O.
Sektion 2. Der Frater Superior und Outer Head of
the Order (O.H.O.) hat die alleinige Macht, alle Ämter mit Personen zu besetzen
oder sie abzusetzen.
Sektion 3. Der Frater Superior und Outer Head of
the Order (O.H.O.) hat die Macht, die O.T.O.politik zu erklären und die
Angelegenheiten des O.T.O. zu leiten und zu lenken.
Sektion 4. Der Frater Superior und Outer Head of
the Order (O.H.O.) hat die Macht alle Chartas jeglicher Art (Logen, Kapitel,
Senate, Tempel, Häuser, Schulen, etc.) zu suspendieren oder zu widerrufen und
er hat überdies die Macht, Mitglieder zu suspendieren oder zu entlassen, wann
immer er das Gefühl hat, dies im Interesse des O.T.O. tun zu müssen.
Artikel VI.
Sektion 1. Der Ordensrat (Kabinett) besteht aus
zwölf Mitgliedern, inklusive des O.H.O., der der amtsausführende Vorsitzende
des Kabinetts ist.
Sektion 2. Die Pflichten und Aufgaben des Kabinetts
sind es, die Massnahmen des O.H.O. auszuführen.
Sektion 3. Der Kabinettsvorsitzende und zwei
Mitglieder sind zusammen beschlussfähig hinsichtlich der geschäftlichen
Angelegenheiten.
Artikel VII.
Sektion 1. Unter der Oberaufsicht des O.H.O. ist
ein 3er-Exekutivkomitee (Oberster Rat) beauftragt, die Angelegenheiten des
O.T.O. zu regeln.
Sektion 2. Der Schatzmeister, der Generalsekretär
und der O.H.O. sind die amtsausführenden Mitglieder des Obersten Rates und des
Exekutivkomitees.
Sektion 3. Alle offiziellen Akte des
Exekutivkomitees (Oberster Rat) sind null und nichtig, falls sie keine
Zustimmung des O.H.O. finden.
Artikel VIII.
Sektion 1. Sollte das Amt des O.H.O. unbesetzt sein,
kann das Kabinett seine Stelle einnehmen, bis dass ein Nachfolger seinen Platz
einnimmt.
Artikel IX.
Sektion 1. Der O.H.O. ist Archivar und Bibliothekar
des O.T.O.
Sektion 2. Der O.H.O. kann handschriftlich und
gesiegelt Agentend jeglicher Art ernennen und diese mit jeglicher Macht auch
immer ausstatten.
Artikel X.
Sektion 1. Ein 3er-Finanzkomitee verwaltet die
Geldangelegenheiten und der Schatzmeister ist amtsausführender Vorsitzender.
Sektion 2. Die geschäftlichen Unternehmungen
benötigen das Einverständnis des O.H.O., ohne das sie null und nichtig sind.
Sektion 3. Von jedem Mitglied wird erwartet, dass
es seinen Möglichkeiten entsprechend, die Kasse füllt - folgende Gebühren und
Beiträge sind aber Minimum (gemäss des 1912-Manifestos der M.M.M.):
Eintrittsgebühr; 8 Guineas, 40 $ oder 200 Francs.
Subskription; (a) Probationer: 2 sh, 50 cents, oder
2½ Francs monatlich. (b) Studenten: 5 sh, 1½ $ oder 6½ Francs monatlich. (c)
Initiierte: 10 sh, 2½ $ oder 12 Francs monatlich.
Der O.H.O. kann in Ausnahmefällen diese Taxen
reduzieren.
Diplome kosten: (a) Studenten: 50 sh, 15 $ oder 65
Francs. (b) Initiierte: 5 Guineas, 30 $ oder 130 Francs.
Logenchartas für 10 und mehr Mitglieder kosten 25
Guineas, 100 $ oder 650 Francs.
Keiner dieser Beiträge in die Schatzkiste des
O.T.O. wird je wieder zurückbezahlt, welche Gründe auch immer vom Einzelnen
angeführt werden mögen.
Artikel XI.
Sektion 1. Jede männliche oder weibliche
volljährige Person, die ein Aufnahmegesuch unterzeichnet hat, muss vom O.H.O.
akzeptiert werden, bevor sie Mitglied des O.T.O. wird.
Sektion 2. Jedes Aufnahmeformular muss dem
Hauptquartier geschickt werden, ob das nun in der Schweiz oder sonstwo sei,
oder einer zuständigen lokalen Organisation.
Sektion 3. Die O.T.O.mitglieder sind
folgendermassen klassifizierbar:
(a) Probationer (angenommene Theosophen, etc.);
(b) Studenten oder Laienbrüder (maurerische
Mitglieder);
(c) Initiierte oder richtige O.T.O.mitglieder.
Sektion 4. Gesuche um Diplome und Chartas müssen
von den vorgeschriebenen Beiträgen und Taxen begleitet eingereicht werden. Alle
Diplome und Chartas müssen vom O.H.O. unterschrieben und gesiegelt werden.
Sektion 5. Drei und mehr Mitglieder können um eine
Logencharta ersuchen.
Sektion 6. Niemand kann Mitglied zweier Logen
gleichzeitig sein.
Artikel XII.
Sektion 1. Jede Loge oder Organisation hat das
Recht, ihre eigenen Angelegenheiten, Wünsche und Gesetze zu führen und zu erfüllen,
vorausgesetzt, diese widersprechen nicht dem Buchstaben oder dem Geiste
vorliegender Konstitution.
Sektion 2. Diese obengenannten Gesetze müssen vom
O.H.O. genehmigt werden, ansonsten sie null und nichtig sind.
Artikel XIII.
Sektion 1. Der O.H.O. kann an jedem Ort einen
Kongress des O.T.O. einberufen.
Sektion 2. Jede Organisation, Loge, etc. hat in
diesem Kongress EINE Stimme für die ersten drei Mitglieder und für jedes
weitere Mitglied eine zusätzliche weitere zählende Stimme.
Sektion 3. Der O.H.O. kann im Falle, dass dieser
Kongress gegen das Wohlergehen des O.T.O. gerichtet ist, diesen Kongress
jederzeit abberufen.
Artikel XIV.
Sektion 1. Die Pflicht des Kabinetts ist es,
Gesetze für den OTO und seine angeschlossenen Organisationen zu erlassen.
Sektion 2. Keines dieser Gesetze kann ohne die
Einwilligung des O.H.O. wirksam werden.
Artikel XV.
Sektion 1. Mit dem O.T.O. soll eine literarische
und maurerische Gesellschaft verbunden werden, die "Esoterische
Rosenkreuzer" heisst und die ein offizielles Organ mit der hermetischen
Ueberschrift "I.N.R.I." herausgibt.
Zur Zeit sind die "Oriflamme" und der
"Equinox" die offiziellen Publikationsorgane.
Sektion 2.Innerhalb des O.T.O. soll eine Abteilung
geschaffen werden, die sich mit den Lehren der Hermetischen Wissenschaft
beschäftigt und "Hermetic Science College" heisst.
Sektion 3. Innerhalb des O.T.O. soll eine
humanitäre Einrichtung geschaffen werden, die praktische humanitäre Arbeiten
leistet und "Homes of the O.T.O." genannt werden soll.
Artikel XVI.
Sektion 1. Vier verschiedene Siegel werden im
O.T.O. verwendet. Die symbolischen Bedeutungen werden den Mitgliedern im
Verlaufe ihrer Studien offenbar. Eines dieser Siegel ist für den offiziellen
Gebrauch; eines, nur vom O.H.O. verwendet, wird das Secret Seal [Geheime
Siegel], S.S., genannt.
Artikel XVII.
Sektion 1. Diese Konstitution kann von einer
3/4-Mehrheit des Kongresses verändert/erweitert werden, aber nur, wenn vom
O.H.O. bewilligt. Im Notfall kann der O.H.O. diese Konstitution selber
verändern/erweitern und dies ins Goldene Buch des O.T.O. eintragen.
Artikel XVIII.
Sektion 1. Eingeweihte mit einem guten
Leumundszeugnis von mindestens 10 Jahren Mitgliedschaft haben das Recht auf
6-monatige kostenlose Unterkunft in einem unserer Häuser. Bewerber werden in rotierender
Reihenfolge zugelassen. Letztliche Bewilligung liegt beim O.H.O.
Artikel XIX.
Diese Konstitution wurde erstmals beschlossen,
publiziert und veröffentlicht unter der Hand und dem Siegel des O.H.O. in
London/England am 22. Januar A.D. 1906, Anno Ordinis 788, Anno V.L.
0,000,000,000.
Diese revidierte Konstitution ist von mir
angenommen worden und nun von mir unterschrieben und gesiegelt am 2. Januar
A.D. 1917, Anno Ordinis 799, auf dem Monte Verità im Kanton Tessin/Schweiz.
Merlin, 33°, 96°, X. Frater Superior und Outer Head
of the O.T.O.
Argosinus, 33°, 95°, IX°, Quästor
Parçevale, 33°, 95°, IX°, Kanzler
Profane Adresse: Casella postale 16935, Lugano
(Suisse)
6. Ich trete durch das Licht, doch wirklich bin ich
nicht
Orient Thuricensium O.T.O.
Meister vom Stuhl: o
1.
Aufseher: o
2. A.: o
M.v.St.: Helft mir meine Schw. und Br. die
Loge zu eröffnen.- Schw. 2.A.! Welches sind die Pflichten der A. vor
Eröffnung einer Loge?
2.: Zu sehen, ob die L. gedeckt und ob kein
Unheiliger unseren Tempel entweihe.
M.v.St.: Schw. 2.A.! erfülle
Deine Pflicht.
2.A.: (geht hinaus, schliesst ab, kehrt zurück - der
2.A. gibt dem 1.A. die Berührung und das Passwort "T...n" und
dieser dem MvSt., worauf die A.A. an ihre Plätze zurückkehren.)
M.v.St.: Br. 1. A. bist Du FM.L.?
1.A.: Meine Schw. und Br.
erkennen mich dafür!
M.v.St.: Woran erkenne ich, dass Du es bist?
1.A.: An meinem Zeichen, Worten und an den Umständen meiner
Aufnahme.
M.v.St.: Gib mir das Zeichen.
1.A.: (macht das
Zeichen)
M.v.St.: Schw. 2.A.! - warum hast Du Dich der FM gewidmet?
2.A.: Weil ich in der Finsternis war und Erleuchtung verlangte.
M.v.St.: Wodurch bist Du in die L. eingeführt worden?
2.A.:
Durch drei starke Schläge.
M.v.St.: Was bedeuten solche?
2.A.:
Die Worte der hl. Schrift - bittet, so wird Euch gegeben; suchet, so
werdet Ihr finden; klopfet an, so wird Euch aufgetan!
M.v.St.:
Meine Schw. und Br.! lasst uns von diesen Vorschriften Gebrauch machen,
lasset uns rastlos arbeiten, mehr Licht zu erlangen, damit wir uns der
maurerischen Vollkommenheit immer nähern mögen. - Br. 1.A.! - Sage mir
das L.W.!
1.A.: Ich kann es nur buchstabieren. - Sage mir den
ersten Buchstaben, ich werde Dir den zweiten sagen. -
("I...n")
M.v.St.: Schw. 2.A.! - gib mir das Passierwort!
2.A.: "T...n"
M.v.St.: Br. 1.A.! Wann fangen die
FM.L. ihre Arbeit an?
1.A.: Um Mittag - s.e. M.v.St.
M.v.St.:
Schw. 2.A.! - wieviele Beamte sind in der L.?
2.A.: Drei - der
M.v.St., der 1.A. und der 2.A.! -
M.v.St.: Meine Schw. und Br. in
Ordnung als M! Br. 1.A.! wo ist der Platz des 1.A.?
1.A.: Im
Westen, denn gleich wie die Sonne im Westen untergeht, um den Tag zu
beenden, so steht auch der 1.A. im Westen, um die L. nach des M. Gebot
zu schliessen und den Arbeitern ihren Lohn zu geben.
M.v.St.: Schw.
2.A.! - wo ist der Platz des 2.A. in der L.?
2.A.: Im Süden, denn
gleich wie die Sonne im Süden steht, wenn es hoch Mittag ist, so steht
auch der 2.A. im Süden, um wie die Sonne im Meridian zu sein, die
Arbeiter zur Erholung zu rufen und dafür zu sorgen, dass sie wieder an
die Arbeit gehen.
M.v.St.: Br. 1.A.! - wo ist der Platz des
M.v.St.?
1.A.: Im Osten, denn gleich wie die Sonne im Osten
aufgeht, um den Tag zu beginnen und zu erleuchten, so steht auch der
M.v.St. im Osten, um die L. zu eröffnen und zu erleuchten und die Schw.
und Br. in der M. zu unterweisen.
M.v.St.: Da ich kraft der mir
verliehenen Vollmacht mich im Osten befinde, so eröffne ich die FM.L.
nach den alten feierlichen Gebräuchen der FM! (Vollendet das Zeichen)
oo-o
1.A.: (Vollendet das Zeichen) oo-o
2.A.: (Vollendet das
Zeichen) oo-o
M.v.St.: Meine Schw. und Br. AA. helft mir die L. zu
erleuchten ... (entzündet die Kerze) ... Weisheit leite meinen Bau!
1.A.: (entzündet die Kerze) ... Stärke führe sie aus!
2.A.:
(entzündet die Kerze) ... Schönheit ziere ihn! (besser: ... vollende
ihn!)
M.v.St.: Die L. ist eröffnet! - ein jedes sei seiner Pflicht
eingedenk und der A.B.A.W. möge unser Vorhaben segnen! - in ORDNUNG
werde unsere Arbeit begonnen, in FRIEDEN durchgeführt - und in HARMONIE
vollendet! A.B.A.W. würdige unsere Arbeiten deines Segens, verleihe uns
das nötige Licht, den Weg zur m. Vollkommenheit zu finden; verbanne
Uneinigkeit von diesem Ort und lasse Frieden und Bruderliebe herrschen!
- Wir reichen uns die Hände! Amen, so sei es! -
Alle: Amen, so sei
es! -
Alle: (rhythm. Händedruck durch die Kette) Husseh!
M.v.St.: Br. der Vorzeit - die Ihr unsere Bewegung in die
Menschheit getragen habt - die Ihr weiter sehet als wir, da Euch andere
Möglichkeiten zu Gebote stehen als uns - zur Erfüllung unserer Aufgabe
- erbitten wir Belehrung, Schutz und Hilfe! - Angeschlossen an die
lebendige Kette des Reiches - die alle Wesen verbindet - die der Uridee
der Menschheit dienen - sind wir eins mit den Kindern der Witwe und der
Gemeinschaft der Heiligen! - Wo wir irren, möge das Allsehende Auge uns
erleuchten - auf, dass die Verstrickung gelöst, das Uebel überwunden
werde - und das Reich erstehe - in überzeitlicher Herrlichkeit! - Amen,
so sei es! -
Alle: Amen, so sei! - Tibi sunt (Stirn) - Malchut - et
(Brust) - Geburah - et (lk. Schulter) - Chesed - (r. Schulter) - per
aeones + (Hände zusammen)! (Dir gehören das Reich, die Gerechtigkeit,
die Gnade in den schöpferischen Zyklen -) - Amen!
L.L.
Aufnahme, I°
Motto: "Arm und mittellos, nicht nackt und
nicht bekleidet, nicht beschuht und nicht barfuss erscheint der
Suchende an der Pforte des Tempels!"
(Der Suchende hat
sich daher auszuziehen - aller Kleider zu entledigen! - Den Schmuck, so
er welchen hat, hat er vorerst noch zu behalten. - Er bekommt ein
weisses Hemd anzuziehen - die linke Brust und der linke Arm sind
entblösst! - ebenso das lk. Knie und der rechte Fuss (als den
abgetretenen Schuh) - mit verbundenen Augen - den Strick um den Hals! -
In der linken Hand hält er einen Zirkel 45' geöffnet - die eine Spitze
aufs Herz. Während den Vorkommnissen in der Grabkammer, bezw. in der
Kammer des Schweigens legt er diesen Zirkel ab, nimmt ihn aber wieder
auf, sobald ihm die Augen verbunden werden neuerdings vor dem Eintreten
in den Tempel!) -
Erdprobe:
(So vorbereitet, wird der Neophyt in
die Kammer des Nachdenkens - die Kammer der verlorenen Schritte -
gebracht. Eine kleine Kerze wird mitgenommen, welche gerade genügend
Licht gibt - die beiden Kerzen brennen noch nicht! - An der Wand stehen
die Worte: Visita Interiora terrae rectificando invenies occultum
lapidem veram medicinam +++. - Dort macht der Neophyt sein Testament:
1. Glaubst Du an ein Göttliches? -
2. Was ist die Bestimmung des
Menschen? -
3. Was erwartest Du von uns? -
4. Was haben wir von
Dir zu erwarten? -
Z.M.: Der Z.M. bringt dem M.v.St. die
geschriebenen Antworten. Dann kehrt er zum K. zurück und fordert ihn
auf, alles Geld, alle Wert- und Metallgegenstände auszuhändigen, um sie
am Altar niederzulegen. - Um die Aufnahme wirksam zu machen, darf der
Neophyt während der Aufnahme keine irgendwie gearteten
Metallgegenstände auf sich tragen - also auch keine Schliessen und
Nadeln etc.
--- Nun geht der Z.M. zum
Neophyten:)
Z.M.: Geliebter Neophyt, gegrüsst seist Du an allen
Ecken unseres heiligen Dreiecks. Als Meister Deiner Loge grüsse ich
Dich und reiche Dir meine Hand, um Dich heute durch die verschiedenen
Stationen der Weihe zu geleiten. Ich bitte Dich um ernste
Aufmerksamkeit, um Hingebung und Vertrauen, auf dass sich Deine
Einführung in den heiligen Orden der orientalischen Templer in Frieden
und innerer Erleuchtung vollziehe. --/- - - Geh nun zu Deinem Altar
und zünde die Kerze an, die sich zu Deiner Linken befindet, wenn Du vor
dem Spiegel stehst und sprich die folgenden Worte mit leiser Stimme:
NN: Segensreiches Licht, Du Sinnbild der Erleuchtung, lasse Deine
Strahlen leuchten in der Dunkelheit und erleuchte meinen Pfad. -
Z.M.: Zünde jetzt die Kerze zu Deiner Rechten an und sprich die
folgenden Worte:
NN: Licht komme zu Licht, auf dass in den sich
kreuzenden Strahlen die starren Umrisse sowie Schatten ineinander
verschmelzen und vergehen. Ein Sinnbild des Vergehens von Leid und
Gram, ein Sinnbild der Erleuchtung. -
Z.M. Setze Dich jetzt bequem
in den Stuhl vor "DEINEM" Altar und zwar so nahe wie möglich,
damit der Schein der Kerzen Sinnbilder der Erleuchtung - Dein Antlitz
beleuchten und Du in dem Spiegel Dein Bild sehen kannst. Ich überlasse
Dich nun Dir selbst und empfehle Dich dem Schutze des A.B.A.W.! -
Erklärung (Wenn nun der Z.M. sich entfernt hat und die Türe sich
von aussen geschlossen hat, spricht der Neophyt im Flüsterton die
folgenden Worte:)
NN: Bevor ich über die Schwelle treten darf, muss
ich den Schrecknissen meines Lebens ins Auge schauen. Der Schrecken der
Schwelle lauert auf mich; ihm zu trotzen bedarf ich der Kraft des
Göttlichen in mir. - (Schau eine Minute lang in den Spiegel.)
Erklärung (Erhebe Dich jetzt und bleibe dicht vor dem Altar stehen,
Zeichne mit dem Zeigefinger Deiner rechten Hand ein Kreuz auf die
Oberfläche des Spiegels. Dies geschieht, indem Du in der Mitte des
Spiegels - etwa in Augenhöhe - mit dem Finger einen geraden Strich von
etwa zehn Zentimetern Länge hinunterziehst. Der Schweiss, der dem
Finger anhaftet, wird eine schwache Spur auf der Scheibe hinterlassen.
Dann ziehe zur Vervollständigung des Kreuzes einen Strich von links
nach rechts. - - - Tritt jetzt etwas zurück, schau auf das Kreuz, das
Du soeben gemacht hast, und sprich mit leiser Stimme folgende Worte:)
NN: Heil Dir, Du ehrwürdiges Sinnbild des Lebens, der Liebe und der
Auferstehung! Im Mittelpunkt dieses heiligen Zeichens erscheine die
Rose als das Symbol der Seele des Menschen, Du sollst hinfort mein
Zeichen sein! Heil Dir, o Rosenkreuz!
Erklärung (Bleibe stehen und
konzentriere Dich auf das fast unsichtbare Kreuz, das Du gemacht hast,
bis es Dir immer deutlicher erkennbar wird, dann verblasst, wieder
klarer hervortritt und dann wieder verblasst. Beobachte genau, was Du
dabei erlebst und siehst. Konzentriere Dich so etwa 3 Minuten und lies
erst dann weiter - - - Noch immer stehend drücke die Spitze Deines
linken Zeigefingers auf die Mitte Deiner Stirn und sprich:)
NN:
Frieden
Erklärung (Setze Dich jetzt wieder hin und lies jeweils nur
eine der folgenden Fragen im Flüstertone sprechend vor. Schau dabei
Deinem Spiegelbild ins Auge und antworte leise auf die Frage. - Die
Antwort sei entweder "Ja" oder "Nein" - Schau auf
Dein Spiegelbild, wenn immer Du antwortest!)
NN: 1. Hast Du den
Wunsch, das Mysterium Deines Daseins zu ergründen? (Antwort)
2.
Willst Du den Schrecken der Schwelle kennen lernen? (Antwort)
3.
Kennst Du Dein inneres Selbst? (Antwort)
4. Willst Du auf die
Stimme hören, die da antwortet? (Antwort)
5. Hast Du Deine innere
Stimme schon gehört? (Antwort)
6. Weisst Du, dass die Stimme Deines
Inneren zu Dir spricht, wenn Du ihr nur Gelegenheit dazu gibst?
(Antwort)
7. Weisst Du, dass Deine innere Stimme Dein Hüter und
damit der Hüter Deines Sanktums ist? (Antwort)
8. Willst Du Deiner
inneren Stimme gestatten zu Dir zu sprechen? (Antwort)
9. Weisst
Du, dass dieser heilige Hüter immer in diesem SANKTUM gegenwärtig sein
wird, um Dich zu leiten und zu beschützen? (Antwort)
Erklärung (Du hast
jetzt über die Fragen, die Du Deinem Spiegelbild gestellt und die Du Dir selbst
beantwortet hast, nachgesonnen. Du musst Dir nunmehr völlig klar darüber sein,
dass Du selbst einen Hüter für dieses geheiligte SANKTUM ernannt und Dich zu
ihm bekannt hast. Dieser Raum ist somit Deine Loge, Dein
SANKTUM, Dein Heiligtum. Du bist der Neophyt an der Schwelle der
Einweihung, und bei Dir ist der zuverlässigste Führer und Hüter, den ein Mensch
jemals haben kann: das wahre innere Selbst, das Gewissen des Menschen, das
göttliche Bewusstsein in ihm. Denke fortan stets daran, dass, - wenn immer Du
dieses SANKTUM betrittst - Dein Hüter mit Dir eintritt und Zeuge ist von allem,
was Du denkst, sagst oder tust. Er gibt acht auf Deine Gedanken, Dein Tun und
Lassen zu jeder Stunde Deines Lebens, bei jeder Versuchung, bei jedem Sieg des
Rechtes über das Unrecht, bei jedem Sieg des Richtigen über das Unrichtige! - -
- Du bist jetzt soweit vorbereitet, dass Du Dich selbst von falschen
Vorstellungen freimachen kannst, auf dass Deiner Einführung in den Orden nichts
mehr im Wege steht. Immer, wenn Dein Ordensbruder die Schwelle eines Tempels
betritt, hat er zuvor seinen Geist zu läutern und ihn von falschen
Vorstellungen zu befreien. Lies jetzt im Flüstertone jeden der folgenden sieben
Absätze langsam vor, so als ob Du zu Deinem äusseren Selbst, Deinem
Körper, sprichst. Beim Nachdenken über jeden Absatz schau Deinem Spiegelbild
ins Auge.)
N.N.:
1. Bevor ich in die geistige Gemeinschaft der Meister, Brüder und Schwestern
des Ordens eintrete, muss ich Dir, Du sterbliche Gestalt, sagen, dass Du nichts
weiter bist als die grobstoffliche Hülle, in der mein wahres ICH wohnt. (Schau
in den Spiegel)
2.
Was ich soeben in dem Spiegel gesehen habe, ist nur ein Widerschein meiner
sterblichen Hülle und ebenso unwirklich und vergänglich, wie Du es bist, Du
meine sterbliche Hülle. (Schau in den Spiegel)
3.
Du kannst mich nicht täuschen. Du bist weder Wahrheit noch Trugbild. Du bist
nichts anderes als das, was das wahre ICH aus Dir macht, und das wahre ICH will
nicht täuschen. (Schau in den Spiegel)
4.
So wie sich zwischen mir und meinem Spiegelbild das Kreuz auf der
Spiegelscheibe befindet, so befindet sich zwischen mir und der Welt das
Sinnbild ihres göttlichen Ideals. Diesem Ideal werde ich nachstreben. (Schau in
den Spiegel)
5.
Du sterbliche Hülle vermagst nur durch meine Unwissenheit meinem wahren ICH in
mir den Platz streitig machen, der ihm von Rechtes wegen gebührt. Hinfort soll
das wahre innere SELBST das äussere Selbst beherrschen. (Schau in den Spiegel)
6.
Im Grunde bin ich nur das, was meine Seele ist; die aber ist göttlich. Alles
andere ist vergänglich, wie das Bild im Spiegel. (Schau in den Spiegel)
7.
Ich befehle daher meinem äusseren Selbst sich zu bescheiden, den Schleier
abzutun und meinem wahren ICH die Möglichkeit der Entfaltung zu geben, und zwar
in diesem weihevollen Augenblick wie überhaupt, wenn immer ich es gebiete. Denn
Gott ist innen wie aussen und überall, und ich bin ein Teil von Gott, ihm
untrennbar verbunden. (Schau in den Spiegel)
Erklärung (Du hast
jetzt aufgehört zu lesen, lehne Dich jetzt bequem in Deinem Stuhl zurück, so
dass Du längere Zeit mit höchster Konzentration in den Spiegel schauen kannst.
Erhebe Dich und lösche die Kerze zu Deiner Linken aus. Stelle dann die andere
Kerze so nahe an die linke Seite des Spiegels, dass du beim Hineinsehen Dein
Gesicht und zugleich den Widerschein des Kerzenlichtes im Spiegel sehen kannst.
Setze Dich wieder hin. - - - Konzentriere Dich jetzt und schaue - bequem
sitzend - mindestens fünf volle Minuten lang in den Spiegel. Achte mit aller
Sorgfalt darauf, was mit Deinem Spiegelbild geschieht. Ehe Du anfängst Dich zu
konzentrieren, sprich die folgenden Worte leise, aber im Befehlston zu Dir
selbst:)
N.N.: Offenbare Dich
mir, o meine Seele, und zeige mir mein SELBST in den Augen der Schöpfung.
(Schaue in den Spiegel)
Erklärung
(Konzentriere Dich jetzt bis der fürchterliche Br. eintritt - - - erst dann
wenn der fürchterliche Br. eintritt, löse Dich von Deiner Konzentration und
entbiete ihm den folgenden Gruss:)
N.N.: SALUTEM
PUNKTIS TRIANGULI!
F.Br.: PAX PROFUNDA!
N.N.: (Mehr zu sich
selbst im Flüsterton, jedoch so, dass der eingetretene Br. es hören kann:)
"In der Anwesenheit des Hüters meines Sanktums verkünde ich den Brüdern
und Schwestern des Ordens, dass ich ohne Furcht um meine Seele dem Schrecken
der Schwelle entgegengetreten bin. Ich bin nunmehr ein Hüter der Schwelle. Ich
habe mich geläutert und meinem wahren ICH befohlen, die Herrschaft über meinen
sterblichen Körper und Geist anzutreten. Ich bin eins mit Dir vor dem Zeichen
des Kreuzes und in dem Sanktum meines Hüters! Heil Euch, o Brüder und
Schwestern vom Tempel. Ich bitte um noch mehr Erleuchtung und Kraft für meinen
Eintritt in das Tor zum Tempel der Unterweisung!"
F.Br.: So geschehe
es!
Erklärung (Lösche
jetzt die zweite Kerze aus und sage mit leiser Stimme:)
N.N.: In irdischer
Dunkelheit schreite ich daher, Materie in der Welt des Stoffes; aber das Licht
der Erleuchtung wohnt jetzt in mir.
Erklärung (Der F.Br.
verbindet dem Neophyten wiederum die Augen und kontrolliert, ob alles in
Ordnung sei! - und führt nun den Neophyten an die Pforten des Tempels:)
F.Br.: Ich führe
Dich nun an die Pforten des Tempels - Arm und mittellos, nicht nackt und nicht
bekleidet, nicht beschuht und nicht barfuss erscheint der Suchende an der
Pforte des Tempels! (Der F.Br. klopft an die Pforte nach dem biblischen Spruch:
suchet, so werdet Ihr finden - klopfet an, so wird Euch aufgetan - bittet, so
wird Euch gegeben! - ... Innen ...)
Br.W.: Schw. 2.A.! -
man klopft!
2.A.: S.e.M.v.St.! -
man klopfet!
M.v.St.: Schw. 2.A.!
Lasse nachsehen, wer so ungewöhnlich an die Pforten unseres Tempels klopft! -
Br.W.:
(hinaussprechend) Wer klopft so ungewöhnlich an die Pforten unseres Tempels?
Z.M.: Ein Br. mit
einer Frau von gutem Ruf! (oder: ein freier Mann von gutem Ruf!) -
Br.W.: (schliesst
ungestüm die Pforte wieder und meldet das Gehörte dem 2.A.)
2.A. (meldet
dasselbe dem s.e.M.v.St.)
M.v.St.: Wie heisst
sie? (wie heisst er?)
2.A.: Br.W. - wie
heisst sie? (er?)
Br.W.: Br.Z.M.! -
Wie heisst sie? (er)
Z.M.: ... (Name,
Geb.-Da., -Ort, Konfession)
Br.W. (schliesst und
wiederholt das Gehörte dem 2.A.)
2.A. (was dieser dem
s.e.M.v.St. zu melden hat!)
M.v.St.: Was will
sie (er?) (Br.W. wiederholt und von diesem an den Z.M. nach dem Oeffnen der
Türe gerichtet. - Dieser beantwortet die Frage an den Br.W., welcher die
Pforten jeweils brüsk wieder zu schliessen hat, die Antwort an den 2.A.
weitergibt und dieser die Antwort dem s.e.M.v.St. meldet!)
Z.M.: In den Tempel
der Wahrheit aufgenommen zu werden!
M.v.St.: Wer bürgt
für ihn? (für sie)
Z.M.: Br. N.N. (od.
Schw. N.N.)
M.v.St.: Ist sie
(oder er) bereit, sich den Prüfungen widerstandslos zu unterwerfen?
Z.M.: - Ja -!
M.v.St.: Sie (er)
trete ein! - (An der Türe stehen die beiden Schaffner oder Wächter mit gekreuzten
Schwertern. - Die Sch. und Br. stehen in Ordnung) Z.dl.o.
Z.M. (veranlasst den
K. sich zu bücken.)
1.A. (legt die
rechte Hand dem Suchenden auf die Erde): Von Erde kommst Du, zur Erde gehst Du,
- Heil der Erde! (setzt dem Suchenden das Schwert auf die Brust, mit linker
Hand!)
M.v.St.: Niemand
kann FM werden, der nicht volljährig und frei ist! - Also frage ich Sie: sind
Sie volljährig und frei?
Z.M. (beantwortet
die Frage für den K.)
M.v.St.: Und weiter
muss ich fragen: - Sind Sie bereit, sich den Prüfungen auf dem Wege der
Wahrheit zu unterwerfen? Sie haben den alten Menschen auszuziehen, alle alten
Begriffe von Gut und Böse, moralisch und unmoralisch, sittlich und unsittlich
zu prüfen und umzuwerten - und nackten Herzens auf die Wanderschaft zu gehen, um
das neue Leben zu finden. Sind Sie dazu bereit? -
Z.M. (beantwortet
die Frage für den K.)
M.v.St.: Wir sind
bereit, Ihren Wunsch zu erfüllen, wenn Sie uns jetzt beweisen, dass Sie mit
unseren Bestrebungen übereinstimmen. Im Dienste der königlichen Kunst lehnen
wir jede Unduldsamkeit und Gewalt ab und bekennen uns zu der hinter allen
Religionen stehenden EINEN WAHRHEIT, welche alle Gegensätze überbrückt und den
Weg zu den Herzen aller Menschen findet. Die Zugehörigkeit zu unserem Bund kann
Ihnen keinen materiellen Vorteil bringen, sondern eher Opfer von Ihnen
verlangen. Sollte Ihnen einer dieser Punkte nicht bekannt sein, oder sollten
Sie diese Grundsätze nicht zu den Ihren machen können, so teilen Sie uns dieses
unumwunden mit. Wir wollen ebensowenig, dass Sie enttäuscht werden, als wir
wünschen, uns in Ihnen zu enttäuschen und durch Sie enttäuscht zu werden. Wir
lassen Sie in diesem Fall ohne Groll von uns ziehen und ihr Name soll in
unserer L. nicht mehr genannt werden. Sind Sie aber gewillt, alle ihre Kräfte
in den Dienst der königlichen Kunst zu stellen, so vertrauen Sie sich den Schw.
und Br. dieses O. an, die vor Ihnen den Weg gingen. Drei Fragen lege ich Ihnen
vor, von deren Beantwortung wird Ihre endgültige Aufnahme abhängen:
1.
Sind Sie gewillt, sich gleich uns in den Dienst der Menschheitsidee zu stellen?
2.
Sind Sie bereit, die Pflichten, die sich für Sie daraus ergeben, getreulich zu
erfüllen?
3.
Sind Sie bereit, dies durch einen Eid auf das heilige Buch zu bekräftigen?
K. ... (Ja) ...
M.v.St.: Blind ist
der Mensch von der Wiege bis zum Grabe, und wie heiss seine Sehnsucht nach dem
Lichte der Wahrheit auch sein mag, ist er doch nicht imstande, es zu finden,
weder aus eigener Kraft noch mit Hilfe seiner Freunde. Wir gehören einer
Gemeinschaft an, die seit ältesten Zeiten ihr ganzes Sein diesem Lichte weihte,
und wer sich zu uns gesellt, muss auf die Wanderschaft gehen, um dieses Licht
zu suchen. Dreimal müssen Sie reisen von Morgen bis zum Abend und abermals bis
zum Abend, und damit Sie nicht straucheln werden Sie geführt werden von Schw.
und Br., die vor Ihnen diesen Weg gingen. Schw. und Br. AA geleiten Sie den
(die) Suchenden auf der Wanderung durch das Leben, während wir den A.B.A.W. um
seinen Beistand bitten. - In Ordnung meine Schw. und Br.!
Z.M. (veranlasst den
K. niederzuknien)
Alle (stehen auf und
machen das Z.)
M.v.St.: Segne
A.B.A.W. die Arbeit, die wir nach Deinem Plane beginnen und führe den (die)
Suchenden durch das Wasser der Reinigung! - Amen! so sei es. -
Alle: Amen! so sei
es. - (vollenden das Z.)
M.v.St.: Und nun
folgen Sie meinem Hammerruf zum ersten Mal! - als L.! oo-o
1.A.: Wir begeben
uns auf die erste Reise, vom Westen zum Norden, über Osten, Süden und zurück
nach dem Westen. (im Norden: taucht die rechte Hand des K. in Wasser, lässt ihn
das Kreuz schlagen: Stirn bis Nabellinie - linke bis rechte Schulter - man
führt, wenn nötig, dem K. die Hand -) (beim Tauchen spricht:)
1.A.: Heil dem
Wasser! (spricht im Osten:) Dies ist der Weg der Selbsterkenntnis
(Kettengerassel). Die Menschen glauben sich zu kennen, aber ihr Verhalten
zeigt, dass sie blind in Selbsttäuschung befangen sind. - (führt ihn weiter) -
Z.M.: Wen nur
Neugier in unseren Bund führt, der hat in unserem Bunde nichts zu suchen, denn
in unserem Bunde wird blosse Neugier nicht befriedigt. -
1.A.: S.e.M.v.St.! -
wir sind gewandert von Westen über Norden, Osten, Süden und zurück nach Westen
und haben das Licht nicht gefunden, da wir suchten.
M.v.St.: Weiter
müsst Ihr wandern (klopft) oo-o
2.A.: Wie begeben
uns auf die zweite Reise nach Süden - (im Süden Flamme: entweder Lycopodium,
Eau de Cologne, Alkohol,- man bringe die rechte Hand des K. über das Feuer und
halte diese so einen Moment fest.) - Heil dem Feuer! - (Waffengeklirr - weiter
wandern - im Südosten spricht:) Dies ist der Weg der Selbstbeherrschung. Die
Feuer der Leidenschaft lodern um Dich und drohen Dir Verderben. (Hier Ende des
Waffenlärms) Wer heil aus diesem Feuer herauskommt, der ist dem Licht nahe! -
M.v.St.: In Ordnung,
meine Schw. und Br.! - (alle stehen auf und treten ins Z.) Hilf, o Heil der
Welt, dem Suchenden die Feuerprobe zu bestehen und das Licht zu finden. - Amen!
so sei es! -
Alle: Amen! so sei
es! - (Zeichen vollenden - Waffengeklirr - sich setzen.)
2.A.: Wir wandern
weiter über Norden nach Westen.
Z.M. Wer seine
Fehler nicht bekämpfen will, der hat in unserem Bunde nichts zu suchen, denn in
unserem Bunde muss ein jeder trachten, seine Fehler zu überwinden.
2.A.: S.e.M.v.St.! -
wir sind gewandert nach Eurem Gebot und haben das Licht immer noch nicht
gefunden. -
M.v.St.: Weiter
müsst Ihr wandern! oo-o
1.A.: Wir begeben
uns auf die dritte Reise über Norden nach Osten (im Osten Luftzug mit dem
Fächer) - Heil den Lüften! Dies ist der Weg zur Wahrheit! Sei wahr gegen Dich
selbst - oh Suchender, oder Du stürzest in einen Abgrund, aus dem es kein
Entrinnen gibt! -
M.v.St.: In Ordnung,
meine Schw. und Br.! - (alle aufstehen - Z.) - Unser aller Herr und Vater hilft
der Suchenden (dem Suchenden) zur Wiedergeburt im Geiste, so dass sie (er) sich
als Baustein dem Tempel der Menschheit einfügen möge! - Amen! so sei es! -
Alle: Amen! so sei
es! (Z. vollenden - setzen).
1.A.: Wir wandern
weiter über Süden nach Westen. -
Z.M.: Wer einen
Unterschied macht zwischen Mensch und Mensch, der hat in unserem Bunde nichts
zu suchen, denn vor dem höchsten Wesen sind alle Menschen gleich. -
1.A.: S.e.M.v.St.! -
Wir haben unsere dritte Reise beendet und sind wieder im Westen angelangt. Noch
immer haben wir das Licht nicht gefunden, aber wir glauben, dass wir ihm nahe
sind.
M.v.St.: Nachdem der
Suchende die Bitternis des Lebens erfahren -
Z.M. (reicht dem K.
einen Kelch mit bitterem Trank) -
M.v.St.: und den
Kelch des Leides geleert hat, lasst ihn die vierte Wanderung antreten über den
Tapis, den Bauplan unseres Lebens und sich mit drei rechtwinkligen Schritten
dem Altare des Ostens nähern.
1. u. 2.A. (führen
den K. - der linke Fuss wird vorgestellt, der rechte wird dann im rechten
Winkel in die Höhlung des linken Fusses gestellt. Dann wird der rechte vorgestellt
und der linke in gleicher Weise nachgezogen, dann der linke vorgestezt und der
rechte gleichermassen nachgesetzt.)
M.v.St.: Sind Sie,
nachdem Sie die Proben überstanden, noch immer gewillt unserer Gemeinschaft
anzugehören? So antworten Sie mit: Ja!
K.: ...
M.v.St.: Sind Sie
bereit, vor allen Anwesenden hier am Altare des Ostens ein feierliches Gelöbnis
abzulegen, das Geheimnis des Ordens niemals zu verraten?
K.: Ich bin bereit!
-
M.v.St.: Sch. (oder
Br. Pate - Patin) führe den K. an den Altar. oo-o Meine Schw. und Br.! In
Ordnung als M.! - (Alle stehen auf - machen das Z.)
M.v.St.: Das nackte
linke Knie am Boden, die rechte Hand in der Hand des Führers ruhend auf dem
Joh.Ev. und auf dem Hl. Schwert, in dieser Stellung sprichst Du mir Satz für
Satz das folgende Gelöbnis nach: "ICH, ... gelobe und verspreche hiermit
feierlichst - vor Gott dem allmächtigen Schöpfer aller Welten - auf das hl.
Schwert - in die Hand meines Führers - die Geheimnisse des ersten m.° [Grades]
- allen profanen Persönlichkeiten gegenüber streng zu wahren. - Die Gesetze des
Ordens getreulich zu halten - und über die Umstände und Vorgänge bei meiner
Aufnahme - zu niemand ausserhalb dieses okkulten Kreises zu sprechen. - Sollte
ich - dieses mein feierliches Gelöbnis jemals brechen - so würde meine Seele
ruhelos wandern im Raum - und richtungslos sein in unermesslicher Zeit. -
Dieses gelobe ich bei den weisen Meistern im Orient - die ihr Auge richten
mögen auf meine Tat! - Amen!"
Alle: Amen!
M.v.St. (schlägt mit
dem H. auf den Z.) So nehme ich Dich auf als L. der FM.Loge VERITAS MYSTICA
MAXIMA[14] * (zweiter Schlag auf den Z.) Im
Namen des allmächtigen Schöpfers aller Welten - (dritter Schlag auf den Z.)
Kraft meines Amtes! Erhebe Dich, Schw. (Br.) Jakin!
Alle (Z. vollenden)
M.v.St.: Geliebte
Schw. und Br., lasst uns die neuaufgenommene Schw. (Br.) auf maurerische Art
begrüssen. Durch 3 x 3.
Alle (Beifall) // -
/ Husseh!
M.v.St.: Ich
begrüsse den neuen Br. (Schw.) (führt den K. nach Westen und reiht ihn in die
Kette ein, Gesicht nach Osten). -
M.v.St.: Zur Kette,
meine Schw. und Br.! - Schw. (Br.) NN, so wirst Du fortan angeredet werden -
was wirst Du in diesem Augenblick am meisten wünschen? -
K. (mit Hilfe von
Z.M.) Licht! -
M.v.St.: Helft mir,
meine Schw. und Br., dieser Schw. (Br.) m. Licht zu geben. Im Anfang schuf Gott
Himmel und Erde und die Erde war wüst und leer und die Finsternis lag über dem
Angesicht der Tiefe und der Geist Gottes schwebte über den Wassern und sprach:
Es werde Licht! - Und in Demut dieses erhabenen Augenblickes gedenkend spreche
ich: Der Schw. (dem Br.) ... werde Licht! - Schw. (Br.) Z.M.! Gib der Schw.
(dem Br.) das m. Licht!
Z.M. (nimmt die
Binde ab, während die Kette sich alsogleich wieder schliesst.) -
M.v.St.: Diese
lebende Kette verbindet Dich und uns mit dem Altar der Wahrheit! Sie setzt sich
fort in die Unendlichkeit, sie umfasst alle, die jemals an dieser Stelle
standen, mögest Du nie den Augenblicke vergessen, da Du zuerst das Licht im
Osten erblicktest - mögest Du Dich nie dieses Augenblickes als unwürdig
erweisen, mögest Du uns nie bereuen lassen, dass wir Dir die Pforten des
Tempels öffneten. (Schw.) Br. Z.M.! löse das Kabeltau! Schw. (br.) ... ist nun
durch ein stärkeres Band mit uns verbunden! (Rhythm. Händedruck d. Kette)
Alle: Husseh!
(Beifall) //-/ Husseh!
M.v.St.: Auf Eure
Plätze, meine Schw. und Br.! [Musik]
(Der neuaufgenommene
Br. oder Schw. wird nun eingekleidet und instruiert und dann an seinen Platz
geleitet - zur Feier des Tages in die nordöstliche Ecke zur Seite des M.v.St.
L.L.
Schliessung
M.v.St.: Schw. 2.A.!
- Hat noch jemand zum Besten der FM im allgemeinen oder dieser L. im Besonderen
etwas vorzubringen?
2.A.: Nach dem Gebot
des s.e.M.v.St. frage ich, hat noch jemand etwas zum Besten dieser FM im
allgemeinen oder dieser L. im Besonderen vorzubringen?
2.A.: Schw. X, Br.
Y, bittet ums Wort - - - Es meldet sich niemand mehr!
M.v.St.: Wir
schreiten zum Schluss dieser L.! - AUFGABE IST ES MIR, in Ordnung des
Mizraim-Dienstes, Euch, meine Schw. und Br., zur Aufmerksamkeit zu mahnen auf
des Hl. TAO-Zeichens Sinn. (macht mit dem Hammer das Z.) - In bedeutungsvoller
Stunde erhieltet ihr, mit der Binde vor den Augen, seinen hl. Sinn. Daraus
wisset Ihr, wie in Eures Wesen Innerstem der erhabene Gottesname tönt. Der Welt
hehre Mysterien schliesst der TAO-Ton ein. (Zeichen). Was Euch am Altare des
Ostens als Lehre geworden ist, soll Wesen werden Eures eigenen Wesens. Ans Herz
ist Euch der Weg zum Hl. TAO vom Altare des Ostens gelegt worden, schreibt Euch
ein das Wort, das zu Euch gesprochen worden ist. -
1.A.: AUFGABE IST ES
MIR, in Ordnung des Mizraim-Dienstes, Euch meine Schw. und Br. von der Arbeit
zu entlassen. Was der Arbeiter am Tempelbau der Menschheit die STÄRKE nennt,
möge inspirieren meinen Auftrag. Aus Euren Herzen soll fliessen in die Herzen
anderer Menschen, was Herzen formen kann zu Bausteinen des grossen Tempels. Aus
Euren Gedanken soll wirken, was Bindeglieder schaffen kann diesem Bau. Aus Eurem
Willen soll sich ergiessen, was Kitt sein kann für die Steine dieses Tempels.
Ans Herz ist Euch der Weg zu dieser Stärke vom Altare des Ostens gelegt worden.
Schreibt Euch ein das Wort, das zu Ehren gesprochen worden ist. -o-
2.A.: AUFGABE IST ES
MIR, in Ordnung des Mizraim-Dienstes, Euch, meine Schw. und Br., zur Arbeit zu
rufen. Was der Arbeiter am Tempelbau der Menschheit die Schönheit nennt, möge
inspirieren meinen Auftrag. Schauet in die Welt, die Eure Herzen belebt, deren
Weisheit Eure Gedanken schult, deren Sonnekräfte Euren Willen nähren. Ein
schöner Ausdruck erhabener Geisteskräfte ist alles dies. Nehmet auf in Euer
Inneres die Kraft dieser Wesen und es wird als Schönheit nach aussen wirken,
was in Euerm Inneren lebt. Ans Herz ist Euch der Weg zu dieser Schönheit vom
Altare des Ostens gelegt worden. Schreibt Euch ein das Wort, das zu Euch
gesprochen worden ist. -o-
M.v.St.: Br. 1.A.! -
Warum ist Dein Platz im Westen? -
1.A.: Gleich wie die
Sonne im Westen untergeht, um den Tag zu beenden, so steht auch der L.A. im
Westen, um nach des Meisters Gebot die L. zu schliessen, nachdem alle Schw. und
Br. ihren Lohn erhalten haben.
M.v.St.: Br. 1.A.! -
wie lange arbeiten die Lehrlinge?
1.A.: Vom Montag
Mittag bis Sonnabend Mitternacht.
M.v.St.: Schw. 2.A.!
- Was ist die Glocke?
2.A.: Voll
Mitternacht. -
M.v.St.: Br. 1.A.! -
da unsere heutige Arbeit beendet ist, gebiete ich Dir, die L. zu schliessen!
(steht auf) oo-o
1.A. (steht auf)
oo-o
2.A. (steht auf)
oo-o
M.v.St.: Meine Schw.
und Br., in Ordnung als M.! Das Licht, das unserer Arbeit geleuchtet hat, ist
Uneingeweihten verborgen, es leuchtet aber in unseren Herzen. "Lösch aus,
Du Licht - die Arbeit ist vollbracht - wer weisen Sinnes - fürchtet nicht die
Nacht - und ist ihr Dunkel noch so schwarz, so dicht - des Starken Wahlspruch
ist - durch Nacht zum Licht. - Wer Schönheit hat, ist seither selbst gewiss -
ihm leuchtet selbst die Finsternis". Helft mir, meine Schw. und Br. AA.,
die Kerzen zu löschen (löscht die Kerze der Weisheit). Der Mensch erlischt wie
die Flamme.
1.A. (löscht die
Säule der Stärke) Darum achte auf Deinen Lebensweg! -
2.A. (löscht die
Säule der Schönheit) Und halte ihn rein, wie die Flamme rein ist! -
M.v.St. (tritt herab
vom 3-stufigen Altar) Br. 1.A.! - Wie begegnen sich die FM?
1.A. (tritt herab
vom 1-stufigen Podium) Auf gleicher Ebene, - s.e.M.v.St.!
M.v.St.: Schw. 2.A.!
- wie handeln die FM?
2.A. (tritt herab
vom 2-stufigen Podium) Nach dem Senkblei (oder: nach der Richtschnur)! -
s.e.M.v.St.!
M.v.St.: Und sie
scheiden im rechten Winkel. Zur Kette, meine Schw. und Br.!
1.A.: So haben wir
uns gefunden! -
2.A.: So handeln
wir! -
M.v.St.: So scheiden
wir! -
Alle: Und so wollen
wir alle wieder zusammen kommen! -
M.v.St.: Möge der
Segen des A.B.A.W. auf uns ruhen und auf allen wahren und treuen Schw. und Br.
der ganzen Welt. Mögen wir mit ihnen in brüderlicher Liebe und maurerischen
Tugend den Tempel der Menschheit aufrichten nach dem Willen des A.B.A.W.! -
Amen! so sei es! -
Alle: Amen! so sei
es! - (Händedruck) Husseh! (Beifall) //-/ Husseh!
M.v.St.: Und dies
sei Euer Zeichen! -
Alle (Stehen in
Ordnung und machen das Z.!)
M.v.St.: So bleibt
uns nichts zu tun übrig als unsere Geräte zu verbergen mit Verschwiegenheit
(rechte Hand aufs Herz) - mit Verschwiegenheit - mit Verschwiegenheit!
Alle: Mit
Verschwiegenheit! -
M.v.St.: Die L. ist
geschlossen, die Schw. und Br. dem profanen Leben und dem Alltag gegeben.
Alle (machen das
Zeichen gegen Osten - vollenden und gehen schweigend hinaus.) -
V°:
Hohes Kapitel der Ritter vom Rose-Croix (18°)
Gr.Souv.:
Grossmächtigster Souverain vom Rose-Croix
H.G.M.:
Hocherlauchter Gross-Marschall
o: Schlag
G.S.: -o-
Hocherlauchter Gross-Marschall, entbieten Sie den Gefährten unserer
Ritterschaft zu einem feierlichen Kapitel vom Rose-Croix!
H.G.M.: Gr.Souv. die
Gefährten unserer hohen Ritterschaft sind versammelt und harren Ihres Gebotes.
G.S.: H.G.M.
versichern Sie sich, dass das Kapitel gegen alle Profane gesichert ist. -
(Geschieht)
H.G:M.: Das Kapitel
ist gesichert in Ost und West, - Nord und Süd.
G.S.: So lassen Sie
uns den mystischen Kreis schliessen. Sind alle Ritter in Ordnung? (Alle geben
das Zeichen und das Wort)
H.G.M.: Alle Ritter
sind in Ordnung, und ich bringe das grosse Passwort.
G.S.: H.G.M., was ist
die Stunde?
H.G.M.: Es ist die
neunte Stunde des Tages.
G.S.: Dann ist es um
die Zeit, da der Vorhang im Tempel zerriss, da Nacht die Erde bedeckte, da die
Säulen barsten, da der kubische Stein Blut und Wasser schwitzte und das Wort
uns verloren ging.
Consumatum est!
Trauer beherrscht
uns. Meine Gefährten, bereiten Sie sich vor, sich zu demütigen und zu
erniedrigen vor dem, der da ist, der da war und ewig sein wird.
Alle: G.S., wir sind
bereit. (Alle knien mit dem linken Knie gen Ost mit dreimaliger Vebreugung.)
G.S.: (Gebet) Ewiger
Urquell des Lichtes, der alles, was ist, ins Dasein ruft, erhält und
beherrscht, - Wahrheit ist dein unvergänglicher Glanz, und Gerechtigkeit dein
Gesetz, wodurch du dich allen vernünftigen Wesen verkündest. Lass den Glanz ausleuchten
und die Gerechtigkeit in allen unsern Handlungen und Unternehmungen herrschen,
damit wir einst vor deinem Richterstuhl als würdige Diener deiner Macht und
Herrlichkeit befunden werden! (Nimmt die Bibel, schwingt sie dreimal über Kopf
und Altar gen Ost, und spricht dann: Rex Regnantium et Dominus Dominantium!)
Alle (wiederholen
es, schlagen sich auf die Brust, verneigen sich 3 Mal zur Erde und stehen dann
auf.)
G.S.: (liest Math.
III.13-16) Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er
sich von ihm taufen liesse. Aber Johannes wehrte Jesus und sprach: "Ich
bedarf wohl, dass ich von dir getauft werde, -- und du kommst zu mir!" --
Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: "Lass es jetzt geschehen, denn so
geziemt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen!" Da gab Johannes ihm nach.
Als aber Jesus getauft war, stieg er alsbald aus dem Wasser und siehe, der
Himmel öffnete sich, und Johannes sah den Geist Gottes wie eine Taube
herabschweben und über ihn kommen. Und siehe, eine Stimme vom Himmel sprach:
"Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe". Unser
grosser Emanuel geb uns Glaube, Hoffnung und Liebe! - Amen!
Alle: Hosiannah, -
Hosiannah, - Hosiannah!
G.S.: (Macht das
Fingerzeichen) Hocherhabene Gefährten, Ritter und Brüder, mit verstärktem
Glauben, neuer Hoffnung und grösserer Liebe wollen wir unsere heutige Arbeit
beginnen, und somit erkläre ich dieses hohe Kapitel vom Rose-Croix im Namen des
Grossen Emanuel für eröffnet, Kraft meines Amtes! (Er klingelt)
Alle: knien.
G.S.: Benedictus
Dominus Deus Noster qui dedit nobis Signum! (Macht grosses Kreuz.) Nehmen Sie
Ihre Plätze ein, Hohe Ritterschaft!
---- Was ist unsere Aufgabe heute? H.G.M.?
H.G.M.: Ein würdiger
und verdienter Schottischer Obermeister und Andreas-Ritter, dessen Leben dem
Hohen Kapitel wohl bekannt ist, wünscht und bittet um den Vorzug, ein Gefährte
und Ritter vom Rose-Croix zu werden.
G.S.: Ist er gehörig
vorbereitet, diese hohe Würde zu empfangen?
H.G.M.: Ja, G.S.
G.S.: So geleite der
hochweise und auserwählte Raphael den suchenden Pilger vor den Altar.
Raphael holt den
Suchenden, er klopft 4 x 4 H.G.M. antwortet 7 Mal, darauf aussen auch 7 Mal,
und Raphael ruft: Hosiannah, Hosiannah, Hosiannah!
H.G.M. (Meldet dem
G.S.): Man klopft als Ritter vom Rose-Croix. (alles dunkel)
G.S.: Lassen Sie den
Gefährten mit dem suchenden Pilger eintreten. (Musik, Trauermarsch von
Beethoven oder Chopin)
Raphael:
Grossmächtiger Souverain, vom Hohen Kapitel Rose-Croix, hier stelle ich Ihnen
einen würdigen Andreas-Ritter vor, der das Hohe Kapitel bittet, ihm die Würde
eines Ritters vom Rose-Croix zu verleihen.
G.S.: Würdiger
Ritter, wer seid Ihr?
Candidat: Ich bin
von edler Abkunft, aus dem Stamme Juda. (...J...)
G.S.: Welches ist
Euer Heimatland?
Candidat: Babylon.
(...B...)
G.S.: Was für eine
Kunst kennt Ihr?
Candidat: Die
Maurerkunst! (...M...)
G.S. Was ist Ihr
Rang?
Candidat: Andreas
Ritter, Prinz von Jerusalem des hohen schottischen Kapitels.
G.S.: Geben Sie mir
das Zeichen! -- (Geschieht!)
G.S.: Wie alt sind
Sie als Schotte?
Candidat: 81 Jahre
und darüber!
G.S.: Würdiger
Ritter, Ihr flösst mir die vollkommenste Hochachtung ein, aber Ihr seht uns mit
Traurigkeit erfüllt, alles ist verändert, der Vorhang des Tempels ist
zerrissen, die Säulen sind geborsten und das "Wort" ist verloren. Wir
haben nur die eine Hoffnung, dass Ihr uns helft, es wiederzufinden. Wollt Ihr
uns versprechen uns zu helfen?
Candidat: Ja,
Grossmächtiger Souverain.
G.S.: So tretet
heran an den Altar, legt die rechte Hand auf das Schwert und die Rose und
sprecht mir folgendes nach: "In Gegenwart aller dieser sehr ehrwürdigen
und hocherlauchten Ritter gelobe ich als ehrlicher Mann das verlorene Wort
suchen zu helfen und das gefundene Wort samt allen sonstigen Umständen meiner
Erhebung als heiliges Geheimnis, unter Strafe der Ausstossung aus allen Logen
und Kapiteln zu bewahren. Gott helfe mir! -- (Handnahme!) Folgen Sie nunmehr
Ihrem Führer Raphael zu Ihrer ersten Reise von dreiunddreissigen, elf nach
Norden, elf nach Süden, elf nach Westen.
Raphael: führt den
Candidaten langsam durch das Zimmer zu den Säulen G.H.L. und lenkt die
Aufmerksamkeit des Candidaten auf diese Buchstaben. Der Cand. ist mit Kappe
bekleidet, die gelüftet wird, jedesmal, wenn er bei einer Säule ankommt. Dabei
ertönt leise Musik, und der G.S. liest Jesaia c,L. III.: "Fürwahr, er trug
unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen, wir aber hielten ihn für
den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre, aber er ist um
unserer Missetat willens verwundet und um unserer Sünde willen geschlagen. Die
Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind
wir geheilet!"
Raphael: Hier stelle
ich Ihnen wieder den würdigen Andreas-Ritter vor, welcher die 33 Reisen
vollendet hat, Grossmächtiger Souverän!
G.S.: Was haben Sie
gefunden, würdiger Ritter?
Raphael für Cand.:
Wir haben gesucht, haben aber nur auf den Säulen die Buchstaben G.H.L.
gefunden.
G.S.: Ich
beglückwünsche Sie zu Ihrem Erolg, denn die Buchstaben bezeichnen die drei
Tugenden, durch welche Sie das verlorene Wort wiederfinden werden. Sie reisten
auch um sieben Zirkel, von diesen 7 Zirkeln repräsentieren die ersten 6 die 6
Perioden der Weltexistenz, welche jetzt mit dem zweiten Kommen des Grossen
Emanuel schliessen wird. Denn die Zeit wird aufgehen in die Ewigkeit, welche
dargestellt ist durch den siebten Zirkel. Von den 3 Tugenden ist
"Glaube" die Substanz aller Dinge, welche wir hoffen, der Beweis
aller Dinge, welche wir nicht sehen. - "Hoffnung" ist der Anker des
Lebens. - Die "Liebe" ist die wahre Selbstverleugnung, sie ist die
Vollendung des Lebenszweckes. Der schwerste Teil der Wanderung durch das Tal
des Todes steht Ihnen noch bevor. Folgen Sie ihrem Führer.
Raphael: Ich geleite
dich durch das Tal der tiefsten Nacht, des Todes und der grössten Leiden, aber
gewappnet mit Glaube, Hoffnung und Liebe besiegen wir alle Anwandlungen der
Verzweiflung und gelangen zu den lichten Höhen, wo unser Herr und Schöpfer seit
Ewigkeiten herrscht.
---
G.S.: der würdige
Ritter ist mit mir durch das Tal des Todes gewandert. Gestärkt durch die
Tugenden G.H.L. hat er nicht gestrauchelt, sondern sein Ziel erreicht und
bittet um seinen Lohn. (tritt in das 2. Zimmer, rot mit viel Kerze) (Volle
Beleuchtung!)
G.S.: Mein würdiger
Ritter, woher kommt Ihr?
Raph.: Durch Nacht
und Grauen.
G.S.: Was was Eure
Stütze?
Raph.: Das Beispiel
unseres Herrn.
G.S.: Was suchtet
Ihr zu erlangen?
Raph.: Das verlorene
Wort.
G.S.: Da Ihr soweit
den rechten Weg betreten und gefunden habt, so seid Ihr wohl vorbereitet, die
geheimnisvolle Leiter zu besteigen, welche zum Tempel der Vollkommenheit führt.
1.
Schritt. Wie heisst die Tugend, welche von der Erde zum Himmel führt? ...G.
2.
Schritt: Welche Tugend stützt Sie in Sorge und Schande? ...H.
3.
Schritt: Welche ist die höchste menschliche Tugend? ...L.
(Die Lettern
I.N.R.I. liegen am Boden. Cand. hebt sie auf und übergibt sie später dem G.S.)
4.
Schritt: Wo kommen Sie her? -- Raph: aus Judäa, ...J.
5.
Schritt: Durch welche Stadt kamen Sie? -- Nazareth ...N.
6.
Schritt: Wer führte Sie? -- Raphael ...R.
7.
Schritt. Aus welchem Stamm sind Sie? -- Juda ...J.
Fassen Sie die die
Initialen der vier letzten Worte zusammen!
Candidat: I.N.R.I.
(Legt die Lettern auf den Altar.)
G.S.: Heil Ihnen,
würdiger Ritter, Sie haben in der Tat durch heiligen Eifer das wahre verlorene
Wort wiedergefunden. Dreimal Dank der Gnade dessen, der Ihnen und uns zu der
Gnade verhalf. Diese 4 Buchstaben bezeichnen Ihn, von dem St. Johannes sagt: Im
Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort! -- Es ist
der "Logos," und dieser wahre Schiboleth, das Passwort
"Logos" wird Sie nunmehr zum Altar führen, - treten Sie an den Altar
heran, - hören Sie: - "Ich bin das Alpha und das Omega, - ich bin der
Anfang und das Ende," sagt der Herr unser Gott! - Knien Sie nieder - Kraft
meines Amtes nehme ich Sie auf als rechtmässigen und vollkommenen Gefährten in
die Hocherlauchte Ritterschaft vom Rose Croix des Hochwürdigen Gross-Orientes
für die Schweiz. Ich bekleide Sie mit dem Zeichen dieser neuen Würde unseres
Gross-Orients. (Uebergibt Juvel und Schürze) Tragen Sie diese in allen Kapiteln
vom Rose-Croix. Sie heissen nunmehr: Erhabener Ritter vom Adler und Pelikan und
vom Rose-Croix von Heredom und führen die Bezeichnung "18. Grad".
Nunmehr werde ich
Ihnen Zeichen und Worte Ihrer neuen Würde mitteilen. Das erste Zeichen ist
gewöhnlich "das Zeichen der Anbetung und Verehrung" genannt: Erheben
Sie die Augen zum Himmel, verschlingen Sie Hände nach aussen, erheben Sie
dieselben zur Stirne und lassen Sie sie dann auf die Hüfte oder den Degen
fallen. Das zweite Zeichen: Erheben Sie die rechte Hand (gegen Himmel zeigend)
mit gekrümmten Fingern, nur den Zeigefinger ausgestreckt nach oben: es ist nur
EIN Gott. Das dritte Zeichen ist das "des guten Hirten": kreuze die
Arme unter linker Brust, lege das Ohr an den Mund des anderen, dann sage: I.N.
-- und der andere gibt zurück: R.I. Dann sage: Immanuel; der andere antwortet:
Pax vobiscum. Dabei mache das zweite Zeichen nach dem Himmel - der andere abwärts.
- Das grosse und letzte Geheimnis aller philosophischen Maurerei ist enthalten
im Schlüsselwort: I.N.R.I. Dieses nun gefundene Wort INRI hat drei Bedeutungen:
1.)
Jesus Nazarenus Rex Judäorum, J. von Nazareth, König der Juden. Das ist die
christliche Deutung.
2.)
Justitia Nune regit Imperi, Gerechtigkeit regiert das Reich. Das ist die
philosophische Deutung.
3.)
Igne natura renovatur integra - Feuer erneuert die Natur ganz. Das ist die
wahre Deutung, das Klimax aller okkulten Wissenschaft nach der Form des
"Hermes".
Beim Eintritt und
beim Verlassen der Kapitelversammlungen, und wenn die Ritter in Ordnung stehen,
machen sie das Zeichen des guten Hirten und geben das Einlasswort
"Golgatha".
Das grosse Passwort
ist "Logos".
Das heilige Wort ist
INRI.
Nehmen Sie Ihren
Platz im Westen unter den Gefährten der Hohen und Erlauchten Ritterschaft der
Rose-Croix ein! (Ansprache!)
Schluss
des Kapitels.
G.S: Hocherlauchter
Gross-Marschall, was ist die Stunde?
H.G.M.: Es ist die
Stunde, da das heilige Wort gefunden war, da der kubische Stein verwandelt war
zur mystischen Rose, da die Nacht der Selbstsucht überwunden ward durch das
neue Gebot: "Liebet einander, und liebe deinen Nächsten als dich
selbst!"
G.S.: Brüder und
Gefährten der Hohen und Erlauchten Ritterschaft vom Rose-Croix, lasst uns denn
das neue Gebot in unserem Herzen tragen, auf dass es lebendig werde in unseren
Taten zum Heile der Menschheit. Amen!
Alle: So soll es
sein! - Hosiannah, - Hosiannah, - Hosiannah!
G.S.: Pax vobiscum!
- o oo oooo! (Klingeln)
Alle: knien mit dem
linken Knie.
H.G.M.: (wiederholt)
o oo oooo!
G.S. Ich schliesse
dieses Hohe Kapitel vom Rose Croix im Namen des Grossen Emanuel!
Der Herr sei mit
Euch!
VII°
Grossrat der Mystischen Templer- Magus des Lichtes. Grals Genosse und Theoretischer
Rosenkreuzer der Brüder des Lichtes der sieben Gemeinden in Asien.
Mysterien des
Mythras [sic] Kultus.
Einrichtung
Der Osten ist
violett mit S.S. vide: Alpha Aesch Majm - Omega
Auf dem violett
behangenen Altar liegt goldener Stab, Schwert, Reichsapfel, Bibel,
Constitution. - Räuchereien. - Glocke. - Sandelholz, Myrrhe, Salz. In Mitte des
Tempels Kubischer Altar mit Feuer (grosse Spiritus lampe sic] und Rotfeuer) und
einem Deckel zum Zudecken des Feuers. Weltei auf Sockel. -[15] *
Thron auf Stufen
hinter Altar.
Stühle oval um
Feuer.
Zwei Säulen im Osten
mit N und Hod. X von Schlange umrahmt.
Tischchen mit
Kleidung des Kandidaten.
Zeit: - Nur Samstag
oder Sonntag.
Beamte: -
Weisester Vorsteher
und Oberpriester Weiss Luft (purpur)
Weiser Kanzler rot
Feuer (gelb)
Weiseste
Oberpriesterin blau Wasser (weiss)
Weiser
Novizenmeister (Einführer) grün Erde (violet [sic])
Marschall schwarz (weiss)
Kleidung der Ritter:
-
Ganze Kutten in
obigen Farben oder weisse lange Kutte mit obigen Farben-mäntel, Violeter Strick
(Lendengürtel) Violetes Band mit [Salomons Siegel] Violete Kopfbinde.
Eröffnung.
V. (betritt mit
Rittern den Tempel und rund um das Feuer sitzen die Ritter): - Ritter Marschall
sorgen Sie dafür dass unsere Arbeit nicht gestört wird.
M. (geht hinaus und
sieht nach, schliesst Tür von innen stellt sich gegenüber O. an Tür und sagt):
- Weisester Vorsteher wir sind ungestört.
V. - So helfen Sie
mir, weise BBr. des Lichtes das heilige Feuer zu entzünden. (Das Spiritusfeuer
mit Magnesium und Strontium rot wird angezündet wobei alle BBr. Hände hoch
heben und wenn es brennt beide Hände gekreuzt über Augen legen, wobei V. sagt)
Grosser Javeh O Herr unser Gott, wir danken Dir dafür, dass Du dein heiliges
Feuer in uns gelegt hast. Möge es nie in uns erlöschen. Jetzt und immerdar.
Amen!
Alle: - Amen!
(langgezogen) dabei lösen alle die Arme und Hände.
V. Was war am
Anfang?
Kanzler: - Das Wort
V. Wo war das Wort?
K. Bei Gott.
V. Und was ist das
Wort?
K. Gott der Herr
V. Was war in dem
Worte?
K. Das Leben.
V. Was ist also Gott
der Herr?
K. Der Anfang, das
Wort und das Leben.
V. Und der
Anfang, das Wort und das Leben sind was?
K. - Sind eins.
V. Wer gibt Zeugnis
von dieser Wahrheit? Weiseste Oberpriesterin? Obp. Johannes und die sieben
Gemeinden in Asien, welche sich nannten die Brüder des Lichtes.
V. Hochl. und
Weiseste Oberpriesterin so erinnern Sie unsere weisen Brüder, was der Geist der
sieben Gemeinden sprach.
Obp. Wer Ohren hat
zu hören, der höre: - Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem
anderen Tode.
V. Und was noch?
Obp. Seid unschuldig
wie die Tauben und klug wie die Schlange.
V. Und endlich
welches Gebot müssen alle weisen Brüder streng befolgen?
Obp. Höret!
Gehorchet und schweiget.
V. Amen, so sei es
immerdar. (setzen sich um das Feuer)
V. Unsere heutige
Aufgabe ist einen Ritter Kadosh in unsern Kreis einzuführen. Br. Einführer
begeben Sie sich zu dem Kandidaten und führen Sie ihn dann in vorgeschriebener
Art und Weise in den Tempel.
C. - (Verbeugt sich
mit beiden Händen über Augen an der Stirne und geht hinaus und führt ihn so in
den Tempel im W. vor Feuer) nachdem er durch Scharren Eintritt begehrte.
V. Br. Kandidat und
Ritter Kadosh! Seit undenklichen Zeiten, würdiger Br. gab es Menschen, die
verknüpft durch geheime, unauflösliche Bande sich mit vereinten Kräften
beschäftigten die geheimen Kräfte der Natur kennen zu lernen und sie zu
ergründen. Diese Gesellschaften hatten im Laufe der Zeiten die verschiedensten
Namen angenommen um den sie bedrohenden Gefahren zu entgehen. Sie hatten ihre
besondere Lehre, ihre besondere Wissenschaft und ihre Geheimnisse unter den
Hieroglyphen und Symbolen verdeckt und versteckt, die niemals ein
Uneingeweihter, ein Unheiliger, wohl aber die Eingeweihten und vertrauten
Schüler verstehen konnten. Und sie taten dies mit ernster und guter Absicht und
Vorsicht eben zu dem Zwecke selbe den Unheiligen unzugänglich also nicht gemein
zu machen. Es wäre auch gefährlich gewesen und ist es in gewissem Grade und in
gewisser Beziehung heute noch, der gemeinen Welt Wahrheiten bekannt zu machen,
die zum Heile des gemeinen Volkes selbst immer Geheimnisse bleiben müssen.
Diese Gesellschaften waren, wie ich Ihnen schon sagte unter den verschiedenen
Namen in der Oeffentlichkeit bekannt geworden und die Namen lösten sich
gegenseitig ab, die Formen unter denen diese Brüderschaften in die öffentliche
Erscheinung trat lösten sich ab, der Kern der geheimen Lehre der Brüder des
Lichtes, das aus Osten glüht, blieb jedoch stets der selbe seit den ältesten
Zeiten. Diese geheime Lehre, diese geheime Wissenschaft, diese geheime
Erkenntnis hat sich in den bewegtesten Zeiten dieser Welt als der Felsen
erwiesen und erprobt, auf dem das sturmgepeitschte Leben neuen Fuss fassen
konnte, auf dem dich die höchste geistige Erkenntnis vor der Vernichtung retten
konnte zu neuem Leben, die somit zum Mont Salvat zum Felsen des Lebens, der
Rettung wurde. Hass, Neid, Verleumdung, Irrlehre, Habsucht, Falsch Zeugnis,
Verfolgung, Obskurantismus, Intoleranz, Falscher Pietismus, Heuchlertum,
falsche bürgerliche und kirchliche Moral lauern aller Orten den Anhängern
dieser geheimen Lehre, dieser geheimen Wissenschaft dieser geheimen Erkenntnis
dieser unserer geheimen Ordenslehre den körperlichen Tod. Heute erleiden wir
nur mehr den bürgerlichen Tod. Sind Sie bereit, diese Gefahr auf sich nehmen zu
wollen und lieber diesen bürgerlichen Tod erleiden zu wollen, als die geheimen
Kenntnisse welche Ihnen in unserem Orden zugänglich gemacht werden zu verraten,
so antworten Sie mir mit Ja.
Candidat. Ja.
V. - Weiseste
Oberpriesterin und Br. Kanzler, geleiten Sie den Ritter Kadosch an den Altar,
damit er den Eid leiste.
Obp. und K. führen
mit gekreuzten Degen C. nach Osten, dort kniet C. nieder mit beiden Knien,
gekreuzten Degen auf Kopf, Hand auf Stab mit Erdkugel (M. klingelt leise)
Alle erheben sich
und Hände hoch.
V. Br. Kadosch
sprechen Sie mir folgende Worte nach: - Ich Br. NN Ritter Kadosch und Ritter
Rose X schwör bei dem unerkannten und allein giltigen [sic] Rechte der Natur
alle Geheimnisse des OTO und der hermetischen Brüder des Lichtes und alle
praktischen Lehren derselben strengstens geheim zu halten, ich schwöre allen
Pflichten der Ritter und Brüder des Lichtes durch mein ganzes Leben treu zu
bleiben. Sollte ich meinen Schwur jemals brechen, oder gegen meine Brüder
auftreten, so mögen die Vorsteher des Ordens mich als infam öffentlich
brandmarken und mich aus dem Orden ausstossen. So mögen alle Schrecken der
Finsternis sich um mich sammeln und alles Licht aus meinem Geiste aus meiner
Seele und aus meinem Leibe weichen und das Urwesen, welches ist 1,2,3 schliesse
mich ewig von seiner Gnade und All Liebe und Barmherzigkeit aus. Amen.
Alle dumpf A-m-e-n.
(lassen Hände fallen)
V. - (mit dem
Kommandostab schlägt linke Schulter)
1. - Jehova erhöre
Deinen Schwur möge selber gnädiglich annehmen und Dich stark machen ihn
treulich auszuführen.
2. - (rechte Schulter)
Jehova nehme Dich gnädiglich auf zum Ritter und Bruder des Lichtes des Ordens
OTO.
3. - (Kopfschlag)
Jehova segne Dich als neuen Bruder des Lichtes des Ordens OTO der sieben
Gemeinden und Kirchen in Asien und befreie Dich zum zweiten Tode.
Alle. - A-u-m
(Räuchern)
V. - (erhebt C und
küsst ihn siebenmal auf Mund) Ich umarme und begrüsse Dich als neuen Bruder des
Lichtes. Empfange Deine Ordenskleidung. (weisse Tunika mit violettem
Lendengürtel, violettem Band und Sechseck) Die besonderen geheimen Erkennungszeichen
der Brüder des Lichtes und des VII Grades des Systemes unseres Ordens sind
Zeichen und Worte. Das Zeichen der Frage ist: - Der Fragende legt seine rechte
Hand auf die linke Hüfte des andern. Die Antwort ist. Der andere tut das
Gleiche, dann legen beide die linke Hand flach auf Stirn über Augen und
verbeugen Kopf leicht rechts. Im Tempel in Ordnung stehen ist beide Hände
gefaltet über den Augen. Die Worte heissen: - Nezach und Hod, das wechselweise
gesprochen während man obige Berührung ausführt. Es sind die beiden Säulen auf
welchen das Weltgebäude ruht und bedeuten hier Sieg und Ruhm (positiv und
negativ) Passwort ist Komiel, es ist der Name des Engels der der hermetischen
Weisheit vorsteht. Das heilige Wort ist Schemhamphorasch. Nun lassen Sie sich
von der weisen Obp. dem K. und Marschal prüfen (geschieht)
Marschal: -
Weisester Vorsteher, der neue Bruder hat sich als Mitglied des Bundes der
hermetischen Brüder des Lichts ausgewiesen.
V. So nehme er
seinen Platz zwischen den Säulen Nezah und Hod ein.
Ansprache.
Lieber Br. des
Lichtes! in diesem Grade hören Sie auf nur Maurer zu sein. Jetzt beginnt Ihre
Laufbahn und Ihr Studium als esoterischer Rosenkreuzer. Sie sind Gralsgenosse,
Magus des Lichtes und empfangen (Mithrasdiener) die ersten Anweisungen über den
wahren Sinn der rosenkreuzerischen und mystischen Symbole und Hieroglyphen. Als
Frmr. nannte man die Lehren und Deutungen "Bausteine," die Sie mit
Ihrem Geiste behauen und bearbeiten müssen um sie zu einem Tempelbau, dem
Wahrheitstempel zusammenfügen zu können. Sie werden Ihre eigene Kraft, Kunst
und Wissenschaft anwenden müssen um die Bausteine tauglich zu machen. Sie
müssen alles aus sich selbst zustande bringen. Wir geben Ihnen nur das rohe,
unbehauene Material das den tauglichen Stein enthält. Aus den Erklärungen des
Katechismus müssen Sie alles das herausschälen was Sie bedürfen um das Material
zu einem tauglichen Stein zuzurichten. Vom Erfolg Ihrer Arbeit wird es abhängen
ob Sie später in den Grad des Ordens aufgenommen werden können, welcher die
Probe auf das Exempel macht und Ihnen die Richtigkeit Ihrer Arbeit dann
demonstrieren wird.[16] * Bleibt der Erfolg Ihrer Arbeit
versagt, so können Sie auch vom Orden die Lösung nicht verlangen.
Schluss
des Tempels.
V. Wünscht ein Br.
noch zum Besten der Bruderschaft oder des OTO vorzubringen (Rundfrage und
erledigen)
V. Da sich niemand
gemeldet hat, so schreite ich zum Schluss dieses Kapitels der Br.d.L. Hochl.
Br. Ceremonienmeister, wer ist das Ende?
C. Der Anfang.
V. Wer ist der
Anfang?
C. Gott der Herr
V. Wer ist also Gott
der Herr?
C. Der Anfang und
das Ende.
V. Und was ist der
Anfang, das Ende und Gott?
C. Eins.
V. Wer giebt [sic]
Zeugnis von dieser Wahrheit?
Weise Obp. Obp.
Johannes und die sieben Gemeinden in Asien.
V. Verkünden Sie
hochw. Br. dieses Zeugnis wörtlich unseren weisen Brüdern des Lichtes.
Obp. Ich bin das
Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende, so spricht der Herr, der da ist,
und der da war und der da sein wird. Ich bin der erste und der letzte.
V. Der Herr wird
bleiben, wir aber schliessen diese Versammlung und decken das heilige Feuer im
Weltei auf dass wir es wieder finden wenn wir dem Herrn wiederum zu dienen
zusammenkommen. Amen
Alle: Amen.
Katechismus.
Fr. - Wie viel ist
eins
A. 2 und 3 und 1
Fr. Was bedeutet das
Siegel Salomonis?
A. Neun
Fr. Warum weil es
gleich dem Siegel Jehovas [?]
Fr.[?] Welches ist
die Zahl der Fülle?
A. Vier
Fr. Warum?
A. Weil es gleich
zehn ist
Fr. Was ist die Zahl
X? Die grosse Rihezahl [?] oder die unzerstörliche Zusammenfügung.
Fr. Was bedeutet
Eins?
A. Die Lichtkraft
(Phi)
Fr. Was bedeutet 2?
A. Die Eigenschaft
solarisch, lunarisch
Fr. Was bedeutet
Drei?
A. Die Bestandteile
[alchem. Symbole] oder die Trinität.
Fr. Was bedeutet
Vier?
A. Die grossen
Scheidungen: - Oder die Quaternität [Elementsymbole]
Fr. Was bedeutet
fünf?
A. Die Lichtwesen
(Engel)
Fr. Was bedeutet
sechs?
A. Die Offenbarung
der Hauptfarben, blau grün rot violet gelb orange
Fr. Was bedeutet
sieben?
A. Die Quaternität
und Trinität (wie oben) und auch die Kreisbahnen des Lichtes der Planeten
Jupiter, Venus, Mars, Saturn, Merkur, Neptun
Fr. Was bedeutet
acht?
A. Die acht Perioden
der Schöpfungstage und deren Bedeutung für die Rassenentwicklung, i.e. Saturn
Sonne Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Vulkan ist die ganze Woche.
Fr. Was bedeutet
neun?
A. Die dreifache
Vervollkommung.
Fr. Was ist und
bedeutet zehn?
A. Die Zahl der
Vollendung.
Fr. Was bedeutet O?
A. Ende und Anfang im
Ende
Fr. Was wurde dann?
A. Licht auf das
Geheiss Elohims (I)
Fr. Und dann?
A. Abend und Morgen
oder der erste Tag.
Fr. Wann?
A. Nach Scheidung
des Lichtes von der Finsterniss [sic].
Fr. Wann entdeckt
sich die reine Jungfrau ohne Makel und wann versteckt sie sich?
A. Sie entdeckt sich
am Morgen und versteckt sich am Mittag
Fr. Und worauf ist
die ganze Welt begründet und gefasst?
A. Auf die beiden
Säulen die da sind Nezah und Hod (I-)
Fr. Was ist die
Vollkommenheit?
A. 1, 2, 3 und 4.
Fr. Wie erklären Sie
das?
A. Die Erklärung
kann sich an Hand des Wertes der Zahlen nur vermuten aber noch nicht erklären.
Fr. Was ist das
vollkommenste Feuer?
A. Das Feuer das
flammt und nicht verzehrt.
Fr. Wie erklären Sie
das?
A. Das erklärt man
nicht, das erfährt man bloss
Fr. Was muss man
nicht sagen, wenn man zu dem Stein (I) im Tempel Salomonis kommt?
A. Nicht Majim (-)
Fr. Was ist Elohim
(Herr)
A. Licht ohne Farbe
und das Licht mit Farbe.
Fr. Was giebt die
Farbe?
A. Der Wille.
Fr. Wie viel sind
sie zusammen?
A. Vollkommen eins.
Fr. Was bedeutet die
Schlange?
A. Das ewige Leben.
Fr. Wie lange war
Moses fastend um den Seha Majim?
A. 40 Tage.
Fr. Was brachte er
mit?
A. Den Extract der
Natur und das ewige Gesetz.
Fr. Kennen Sie
Christum?
A. Ja und alle
Brüder des Lichtes müssen ihn kennen.
Fr. Wer war er?
A. Das Mittel.
Fr. Was ist das
Mittel?
A. Er hat gelehrt
und allgemeiner gemacht, dass der Anfang und das Ende vollkommen Eins.
Br. Wie ward es als
er starb?
A. Finster.
Fr. Was sprach er
als er starb?
A. Es ist
vollbracht.
Fr. Woraus erkennt
man das Licht?
A. Durch die
Finsternis.
Fr. Warum pries
Daniel Jehova?
A. Er weiss was in
der Finsternis ist und mit ihm ist das Licht.
OB
96°
Ich ... schwöre und
verspreche feierlichst in der Gegenwart des Königs aller Könige, des Herrn
aller Herren, des Zeugers alles Gezeugten, dass ich als Mitglied des Souv.
Sanct. des Ordens der Orientalischen Templer strenge darüber wachen werde, dass
die Grundsätze des Ordens von mir und allen mir unterstellten Mitgliedern
strenge befolgt und bewahrt werden. Ich gelobe und verspreche, den Namen des
HERRN niemals zu missbrauchen und das Ordensgeheimnis nur in ritueller
Versammlung, in der vom Orden vorgeschriebenen Art mündlich weiterzugeben und
dies nur im Einverständnis des Souv. Sanct.
Ich schwöre und
verspreche, meinem Ordensobern getreue Folgschaft zu leisten und seine Befehle
gewissenhaft auszuführen.
Ich gelobe, keinen
Inhaber des 95 und 96 Grades des Memphis Ritus als solchen anzuerkennen,
welcher diese Grade nicht in ordnungsgemässer Weise durch den OHO des O.T.O.
erhalten hat.
Der Schöpfer alles
Geschaffenen helfe mir, diesen meinen Schwur zu halten. Amen.
Zeichen,
Passworte und Griffe für den 96° = X°
TER: The highest.
Uat: The lowest
SHA: The First.
ARK: The Last.
Sign:
Stand facing the south
with index finger of right hand point upward (The highest), then point
downwards (The lowest). Point left (the first), the right, (The last).
Grip. Palms of right
hands together, tips of first three fingers on the wrist, crossing extended
thumbs and little fingers on each side, thus forming a six pointed star.
NB. The several
divisions of the Cross with the spaces between, first with, then without a dot,
with the three letters in the double triangle form the complete Alphabet. In
reading place the key before you with the letters A B at the top, and IH at the
bottom so as to get the forms straight.
1. Ich wünsche
aufgenommen zu werden in den Erhabenen Rat der Meister des Grossen Werkes.
2. Ich bin durch die
Erde, das Wasser, die Luft und das Feuer gereinigt worden. Ich habe mich
bemüht, meinen Geist durch das göttliche Feuer der Liebe zu reinigen.
3. Ja ich schwöre
es.
ebenso 4., 5. und 6.
Frage
7. Theodor Reuss: Parsifal und das Enthüllte Grals-Geheimnis[17] *
I. Einleitung
Kampf der Geister
Obgleich schon 32 Jahre vergangen sind, seit
Richard Wagners Bühnenweihfestspiel 'Parsifal' das Licht der Rampen im Bayreuther
Festspielhause erblickte, so scheint doch jetzt erst mit dem dieses grossen Werkes die grosse Masse des deutschen Volkes anzufangen, sich für den Parsifal
überhaupt zu interessieren.
Gleichzeitig mit dem Erwachen des Interesses der
grossen Massen des deutschen Volkes für Parsifal, setzte aber auch eine Flut
von Zeitungsartikeln über Parsifal ein, von denen die meisten keine Spur von
einer Ahnung von dem tief, tief mystischen Sinne haben, der der Handlung und
der Symbolik des Festspieles zu Grunde liegt. Die grosse Masse der
Parsifal-Kommentatoren und Parsifal-Skribenten, die keine Spur von einer Ahnung
vom tief mystischen Sinne des Grals-Geheimnisses haben, sind jedoch noch gar
nicht einmal die schlimmsten Feinde Wagners und der Parsifal-Idee.
Die wirklich schlimmen, das heisst hier die
gefährlichen Feinde Wagners sind diejenigen Menschen, Artikelschreiber,
Kommentatoren, Ausleger usw., die wohl eine Ahnung von dem tiefen mystischen
Sinne der Parsifal- und Grals-Idee haben, die aber entweder diesen erkannten
Sinn leugnen, oder absichtlich den wahren und einzig wirklich tiefen Sinn der
Parsifal-Idee in ihr Gegenteil verkehren.
Die schlimmsten der letzteren Kategorie sind die
Sexual-Asketen. Denn diese verstehen den Sinn der Parsifal-Symbolik sehr wohl,
sie kehren aber die Idee Wagners in ihr direktes Gegenteil um. Sie sind es, die
auf Grund der Handlung des Festspieles 'Parsifal' und unter falscher Deutung der ihr
unterliegenden Mystik, weit und breit dem deutschen Volke die 'geschlechtliche Askese' als das im Parsifal verkünden, und wissentlich damit den Grund legen zum Untergang
des mannhaften deutschen Volkes, wenn es nicht noch rechtzeitig gelingt,
diesen falschen Propheten das Wasser abzugraben.
Gott sei es geklagt, dass heutzutage so schon die
alles verseuchende Vergnügungssucht und die allgemeine
Verantwortlichkeitsflucht der grossen Mehrheit des deutschen Volkes zur
Beschränkung der Kinder-Zeugung geführt hat, so dass unser deutsches Volk zu
wachsen aufgehört hat. Es fehlte gerade noch, dass die Geschlechts-Asketen, die
Verteidiger der Entsagung des Zeugungs-Aktes überhaupt, am Ende auch noch das
Ohr der Massen der deutschen Jugend finden, dann führt der Rückgang in der Zahl
der Geburten im deutschen Reiche mit eiserner Konsequenz zum direkten Untergange
des deutschen Volkes. (Aussterbe-Etat!)
Einer dieser gefährlichen Geschlechts-Asketen ist
augenscheinlich Herr Prof.R. Guhr, der geniale Schöpfer des grossartigen
Wagner-Denkmal-Entwurfes für Dresden, in dem er Wagner nicht als Tonkünstler,
sondern als eines neuen Christentums oder, wie Professor Guhr den
Dichter-Komponisten in einer kleinen Propagandaschrift nennt: Herold der frohen
Botschaft (Hüter des heiligen Feuers), darstellt.
Professor Guhr hat nämlich im Dezember 1913 eine
kleine Schrift privatim versendet: 'Das Gralsmysterium und der esoterische Schlüssel zum Parsifal', in der er erklärt: "Der Angelpunkt der Handlung liegt in der Wiedergewinnung des heiligen Speeres, die schon gleich
zu Beginn des Dramas als höchste Heldentat hingestellt wird. Da sie durch einen
Akt der Entsagung geschieht, so haben wir in ihr das Symbol der
geschlechtlichen Askese zu erkennen, jener grossen Passion der Gottsucher aller
Zeiten. Das Ergebnis dieser Askese erblicken wir beim Parsifal in der
Fähigkeit, durch die Berührung mit dem heiligen Speer dem Amfortas, welcher
denselben in den Armen der Kundry verlor, Heilung zu bringen".
"Die Anwendung des esoterischen Schlüssels auf
den Grundgedanken des Dramas ergibt nun folgende, das Mysterium entschleiernde,
für alle Erdgeborenen geltende Wahrheit:
"Dies und nur dies allein besagt die Gewinnung
des heiligen Speeres, hierin ist der reale Kern des Gralsmysteriums zu
erblicken, welcher zum Segen der Menschheit nun immer klarer erkannt werden
möge".
Professor Guhr ist ein Schüler der mystisch
hochbegabten Frau Valerie Gyigyi in Berlin, deren Meister wiederum Fra Merlin[18] * war. Professor Guhr zählt
daher tatsächlich zu den Wissenden und Eingeweihten.
Und gerade weil er zu den Wissenden und
Eingeweihten zählt, muss ihm und seiner Propaganda für die Geschlechts-Askese
mit den schärfsten Waffen entgegengetreten werden, um das Unheil, so viel als
es noch möglich ist, zu beschränken und zu begrenzen, das er, als Wissender
eben anstiftete, als er sein 'Wissen' in falsche Bahnen lenkte.
Als 'Eingeweihter' proklamiert sich Professor Guhr durch
Preisgabe des Schlüssels zur Geheimlehre der Sexual-Magie, den er "die für
alle Erdgeborenen geltende Wahrheit" nennt, indem er erklärt:
"Durch die geschlechtliche Enthaltsamkeit
vermag der den Trieb beherrschende Mensch die erotischen Kräfte seines Leibes
umzuwandeln in Heilskräfte, welche demjenigen, der nicht die Kraft zur Askese
besitzt, durch Uebertragung Gesundung bringen können".
Auf falsche Wege irrte Professor Guhr ab, als[19] * er die grosse
Geheim-Wahrheit, die nur für auserwählte Tempel-Priester je Geltung hatte und
in alle Zukunft nur haben kann, profaniert und versucht, selbe auf das
Verhalten der Männer und Jünglinge des Volkes im allgemeinen anzuwenden.[20] *
Hier trennen sich die Wege der Eingeweihten und
Wissenden von denen des Professors Guhr.
Nachdem Professor Guhr glaubte, das Grals-Mysterium
in einem sexual-asketischen Sinne entschleiern zu müssen, um für seine - (dem
Fortbestand des deutschen Volkes feindliche) Theorie von der Geschlechtsaskese
Propaganda zu machen, wollen wir jetzt nicht länger zögern, das wahre
Grals-Geheimnis zu enthüllen, um der mannhaften und mannbaren Entwicklung des
deutschen Volkes zu dienen.
II. Hauptstück
Die Enthüllung des Geheimnisses
Der Verfasser dieser Schrift hat in seiner Jugend
den grossen Vorzug genossen, den unsterblichen Dichter-Komponisten Richard
Wagner persönlich gekannt, bei ihm in der Villa Wahnfried des öfteren als Gast
verkehrt zu haben, und bei allen Proben und Aufführungen des
Bühnenweihfestspieles Parsifal im Juli und August 1882 in Bayreuth persönlich
zugegen gewesen zu sein.
Diese Umstände, verbunden mit dem weiteren Vorzuge,
mit Mitarbeitern Wagners lange Gespräche über Parsifal und der, demselben
unterliegenden 'mystischen Idee', geführt zu haben, gaben dem Verfasser die ersten Anhaltspunkte
zur Auffindung des Schlüssels, der ihm den inneren Schrein des Grals-Mysteriums
erschloss.
Wagner verkündet in der Tat im Parsifal - eine 'Heils-Wahrheit'
Welcher Art diese Heilswahrheit ist, wird in den
nachfolgenden Zeilen 'enthüllt' werden.
Professor Guhr sagt ganz richtig, dass Wagner in
seinen Dichtungen, ganz besonders in dem Bühnenweihfestspiel 'Parsifal' dem Problem der 'Erlösung' nachspürte und selbes dichterisch zu lösen versuchte.
Es ist jedoch ein fundamentaler und höchst
bedauerlicher Irrtum aller Sexual-Asketen, zu behaupten, dass Richard
Wagner die gesuchte 'Erlösung' in der 'Verneinung des Geschlechts-Aktes', also in der Enthaltung des Mannes vom Geschlechts-Akte mit dem Weibe, gefunden hatte, und durch seine dramatischen Dichtungen,
inbesondere eben durch das Bühnenweihspiel 'Parsifal' diese Erkenntnis und diese
Version der 'Erlösung' hätte propagieren wollen. Das gerade Gegenteil ist in Wirklichkeit
der Fall!
Wagner ist nicht nur der grösste Held, sondern auch
der grösste Bekenner und Prophet der Sexual-Religion der Zukunft, welche auf
der obligatorischen rituellen Vollziehung des Sexual-Aktes basiert.
Schon im Lohengrin begann er anzukünden, was er im
Tristan und dann ganz besonders im Ring der Nibelungen ausbaute und im Parsifal
krönte:
"Die neue Heilsbotschaft der
Sexual-Religion!"
Eine ausführliche Beweisführung ist im Rahmen
dieser kleinen Schrift, die ursprünglich ja nur eine private Antwort auf
Professor Guhrs Schrift über Wagners Parsifal war, erklärlicherweise unmöglich.
Aber hinweisen wollen wir hier noch auf die folgenden Stellen in Wagners
Dichtungen.
Im Rheingold singt Fafner: "Goldne Aepfel
wachsen in ihrem (Freias) Garten ...", und im Anschluss an diese Worte, um
darauf aufmerksam zu machen, dass, nachdem Freia von den Riesen als Pfand
weggeführt worden ist, die sämtlichen zurückbleibenden Götter "siech und
bleich ..." dahinsinken, weil sie, wie weiter von Wagner erklärend
hinzugefügt wird, die "goldenen Aepfel aus Freias Garten"[21] * entbehren müssen! Es
bedarf wirklich nicht viel Scharfsinns, nur etwas freien Mut im Gedankengang,
um an der Hand dieser zartfühlenden Andeutungen Wagners zu erraten, was
er mit den goldenen Aepfeln in Freias Garten meint.
Wir werden die Lösung andeuten bei der Erklärung
der 'Grals-Speise'. Diese 'göttliche Speise', die dann in seinen späteren Jahren unter anderer Symbolik, eben
als die Gralsspeise wiederkehrte, wünschte Wagner seinen Jüngern also schon zu
verkünden.
Und weiter: "Nothung, Nothung, neidliches
Schwert" - was ist das Schwert Nothung, das Siegfried, als des Vaters
einziges, aber unbrauchbar gewordenes Erbe im jugendlichen Feuer sich neu
schmiedet, anderes, als das Symbol des Ur-Schwertes (Ur-Phallos)! Ur-Vater
hatte dieses Ur-Schwert in den Stamm des Ur-Baumes gestossen, und derjenige,
der dieses Schwert herauszieht, gewinnt sich damit ein Weib - als Braut und
Schwester!
Da sind keine Symbole der geschlechtlichen
Enthaltung! - (Sexual-Askese!) - Nachdem wir das Obenstehende vorausgeschickt
haben, wollen wir zur Erklärung der im Parsifal verborgenen Geheimlehre
schreiten.
Parsifal, als roher, unwissender Jüngling, gelangt
in das Gralsgebiet. Dort tötet er mit seinem ^Pfeil' einen weissen Schwan, als erste
Tat. Der weisse Schwan ist (gemäss nordischer, mystischer Tradition) das Symbol
der Verzückung, des permanenten geistigen Entzücktseins, das in den Herzen und
Seelen der Gralsritter lebt und herrscht, die höchste Ekstase, in derem Bann alle
Bewohner des Gralsgebietes leben. Parsifals Tat, dass er den Schwan, der sein
"Weibchen zu suchen" ausgeflogen war, um mit ihr zu kreisen über dem
"See" (das Wasser-Symbol des weiblichen Prinzips), "den so
er herrlich weihte zum heilenden Bad" [22] * mit seinem
"Pfeil" in die schneeweisse Brust schoss, so dass das rote Blut das
weisse Gefieder des toten Schwanes färbte, ist ein symbolisches Gleichnis
dafür, dass der unwissende rohe Parsifal mit seiner widernatürlichen
(sexuellen) Tat (Pfeil) der im Gralsgebiet herrschenden 'heiligen' Ekstase eine Wunde schlug, sie verletzte.[23] *
Dieses Unrecht zu sühnen, gedenkt Gurnemanz den
Parsifal zum Gral zu geleiten. Nebenbei beeinflusst auch Gurnemanz die
Hoffnung, dass Parsifal der Tor[24] * sein möchte, der dem
leidenden Amfortas als Heilender verheissen ist. Gurnemanz ist noch nicht
absolut gewiss, dass Parsifal ein Tor und rein ist, als er den Entschluss
fasste, Parsifal nach der Gralsburg zu geleiten, denn Gurnemanz singt noch, als
sie beide schon eine ganze Weile geschritten sind: "Jetzt achte wohl, und
lass mich sehen, bist du ein Tor und bist du rein ..".! - Die Prüfung, ob
er ein "reiner" Tor ist, soll Parsifal erst im Gralstempel bestehen!
Dieser Punkt lässt sich hier nicht weiter ausarbeiten.
Wir müssen aber ganz besonders noch auf die frühere
Stelle verweisen, die für unsere Beweisführung von weitgehendster Bedeutung
ist. Gurnemanz sagt: "Nun lass mich zum frommen Mahle dich geleiten, denn
- (hier ist ein Gedankenstrich in der Dichtung), bist du rein, wird nun der
Gral dich tränken und speisen!"[25] *
Wie wir aber nun aus dem Verlauf der Handlung im
Gralstempel dann ersehen (der Gralsfeier - Eucharist)[26] * war Parsifal vom Gral
nicht gespeist und getränkt worden! Folglich war Parsifal also doch nicht rein!
Zu allem Ueberdruss sagt dann auch noch Gurnemanz am Ende der Gralsfeier zu
Parsifal: "Du bist doch eben nur ein Tor!"[27] * Also: nicht rein - sondern
nur Tor, und Gurnemanz' allerletztes Wort zu Parsifal am Schlusse des ersten
Aktes ist: "Lass du hier künftig die Schwäne in Ruhe (störe nicht wieder
die Ekstase der Bewohner des Gralsgebietes), sondern suche dir Gänser die
Gans!" - Diese viel belächelten Worte bedeuten eben: - Versuche in Zukunft
keine die Ekstase störende widernatürliche (sexuelle) Handlung mehr, sondern
suche dir ein Weibchen deiner eigenen Art und Gattung, mit ihr natürlichen
Geschlechtsverkehr zu pflegen!! - Damit bekommen die viel belächelten Worte
tiefen mystischen Sinn! Ohne unsere Deutung bleiben sie unverständlich und
sinnlos, wie z.B. die Worte Gurnemanz: dass der mit seinem Weibchen über dem
See kreisende Schwan den See zum Bade weihte!
Bevor wir zur Erklärung der verborgenen mystischen
Bedeutung des zweiten Aktes schreiten, müssen wir den weit verbreiteten Irrtum
in der Auffassung und Deutung der 'Wunde' des Amfortas richtigstellen.
Die 'Wunde0 des Amfortas soll nicht die für die (von Amfortas vollzogene) Ausübung des Geschlechtsaktes an sich (welche Ansicht
natürlich von den Sexual-Asketen ganz besonders energisch vertreten wird)
symbolisieren, sondern die 'Wunde' ist die Strafe dafür, dass Amfortas den
Geschlechtsakt "eitler Weise" - mit einem 'Freudenmädchen' - ausserhalb des "Gralsritus" - also "unheilig" vollzogen hat.[28] * Nach diesem 'Sündenfall' des Amfortas müsste und dürfte, gemäss der Auffassung der Sexual-Asketen, Amfortas
überhaupt nicht mehr würdig und fähig sein, des Amtes als Grals-König, als
"Enthüller des Grals" zu walten! Wir sehen aber im ersten Akte, dass
Amfortas trotz seiner 'Wunde' sehr wohl noch imstande war, und ist, den Gral zu
"enthüllen" und die Ritter zu tränken und zu speisen. Der Unterschied
für Amfortas in der Ausübung seines Amtes zwischen der Zeit, da er noch nicht
"gesündigt", und der Zeit nach Begehung der "Sünde", ist
nur der, dass ihm das "Amt der Enthüllung des Grals" nach seinem
Sündenfalle "grosse Schmerzen", "Qualen und Pein"
verursacht!
Der Gral wirkte also als "Speise und
Trank" trotz des Umstandes, dass der sündige, unwürdige, mit der
"Wunde behaftete" Amfortas ihn enthüllt; nur der "seines Amtes
waltende" Amfortas leidet (selbst für seine Person) unter der Ausübung
seines Amtes! Warum leidet Amfortas?!
Amfortas, nach dem "Falle," in tiefster
Reue und sich unwürdig fühlend, den "Akt" im Tempel rite zu
vollziehen, verfiel der "Selbstpeinigung" (Masturbation!), dem
widernatürlichen Surrogat aller Geschlechts-Asketen. Deshalb verursacht das Amt
dem Amfortas seelische Pein und körperlichen Schmerz. Zum vollen Verständnis
dieser tiefen, ernsten, geheimnisvollen, christlich-mystischen Wahrheit muss
man die Worte der Bibel, besonders im St. Johannes-Evangelium und an anderen
Stellen richtig zu interpretieren verstehen, man muss die Geheimlehren der Israeliten,
wie diese im Zohar erklärt sind, kennen, und man muss die Bhagavad-Gita richtig
verstanden haben. Und zur Unterstützung unserer Beweisführung muss hier
ausdrücklich konstatiert werden, dass Wagner mit dem Esoterismus der
Bhagavad-Gita schon zur Zeit seines Verkehrs mit den Wesendonks und mit
Nietzsche (1852-1857) vertraut gewesen war. - Die folgenden Stellen kommen
hierfür in Betracht:
St. Johannes-Evangelium IV,13; VI,27; VII,51-58;
VIII,38; III,14-15; VI,47-55. Genesis 2; 3; 15, 13; 16, 2; 17, 10-14; 19; 24;
28, 18-22; 30, 2-22; 31, 30-35; 35, 1-15; 38, 13-26. Paulus, Lukas, Offenbarung
Johannes usw.; Bhagavad-Gita II 17. 18; VI, 27. 28. 29; V, 5; VI, 10; VII, 8;
X, 39; VIII, 10; IX, 18; IV, 27. 31; V, 7. 10; XVIII, 63.
*
Auf die 'Heilswirkung' der des Grals werden wir später noch kurz hinweisen.
Jetzt wollen wir hier mit der Deutung des zweiten
Aktes fortfahren. Klingsor, der "Zauberer" (der "schwarze
Magier"[29] * im Gegensatz zum
Gralskönig, dem "weissen Magier")[30] * ist die erste Person, die
uns im zweiten Akte entgegentritt. Von ihm erzählt Gurnemanz im ersten Akte:
"(Klingsor) ohnmächtig in sich selbst, die Sünde zu ertöten, an sich legt
er die Frevlerhand - die nun dem Grale zugewandt - verachtungsvoll dess' Hüter
von sich stiess!"
In diesen Worten liegt Wagners schärfste und
ausgesprochenste Zurückweisung aller, je möglich gedachten Versuche der
fanatischen Geschlechts-Asketen, seinen 'Parsifal' für ihre sexual-asketischen
Sonderzwecke in Beschlag zu nehmen!
Klingsor entmannt sich selbst, um ein vollkommener
Geschlechtsasket zu werden, da nach seiner (Klingsors) - aus falscher Auslegung
des Gralsgeheimnisses fliessenden - Auffassung (und durch Darstellung der
falschen Auffassung des Klingsors will eben Wagner die falsche Auffassung aller
Geschlechtsasketen treffen und selbe ad absurdum führen) eben nur der, der den
Geschlechtsakt überhaupt nicht mehr vollzieht, oder eben nach Klingsors
falscher Auffassung, vollziehen kann - würdig, fähig und berufen sei, den Gral
zu hüten.
Wagner legt ganz besonders Gewicht darauf, diese
grundfalsche Auffassung aller Geschlechtsasketen als fundamentalen Irrtum zu
brandmarken, so dass er in seiner Parsifaldichtung die scharfen Worte
gebraucht: "Verachtungsvoll der Gral dess' Hüter von sich stiess!"
*
Nicht nur unwürdig und unfähig ist also ein
Geschlechtsasket, den "Gral" zu hüten, sondern sogar
"verachtungsvoll" weist der Gral solch einen Geschlechtsasketen
zurück! Warum? - Das kann man auch wieder nur ergründen durch Studium der oben
zitierten Stellen aus dem alten und neuen Testament (Bibel), aus der Bhagavad-Gita
und den Ausführungen des Chevalier Le Clement de Saint Marcq, in dessen Schrift
über die Natur des Eucharist,[31] * sowie in Waites Kommentar
zur Geheimlehre in Israel. Wir finden also nicht nur im neuen Testamente die
Gründe für dieses: "Warum?" - auch im alten Testamente sind selbe
überall zu finden. Eine klare Deutung der betreffenden symbolischen Stellen des
alten Testamentes findet man eben im Zohar. Endlich findet sich auch die Lösung
in der Geheimlehre der Templer und in der Geheimlehre der Gnostiker.
Professor Guhr sagt mit Recht: "Der Angelpunkt
der Handlung liegt in der Wiedergewinnung des heiligen Speers, die schon zu
Beginn des Dramas als höchste Heldentat hingestellt wird". Ganz falsch ist
aber die Folgerung, die Professor Guhr an diese Worte knüpft, wenn er sagt:
"- da sie doch durch einen Akt der Entsagung geschieht, so haben wir in
ihr das Symbol der geschlechtlichen Askese zu erkennen ..".
Gegen diese so bedauerlich falsche Auffassung
wandte sich Wagner doch schon anticipando mit den oben zitierten Worten
"verachtungsvoll der Gral dess' Hüter von sich stiess!" Wohl haben
wir in der Wiedergewinnung des Speeres einen Akt der Entsagung zu erkennen,
aber nicht ein Symbol der geschlechtlichen Askese an sich und überhaupt!
Die im zweiten Akte des Parsifal dramatisch
dargestellte symbolische "Wiedergewinnung des Speeres" ist wie folgt
zu deuten.
Der "Speer" ist, zugegebenermassen -
(auch seitens Professor Guhrs ist dies zugestanden) - das Symbol des Phallos,
und gleich wie man z.B. mittelst des Bildes (Symboles) "Amor schiesst
einen Pfeil (ebenfalls zugegebenermassen Symbol des Phallos) auf zwei Liebende
ab" - andeutet eine Aufforderung und Anregung Amors zu einer
geschlechtlichen Vereinigung der zwei Liebenden, so soll der Wurf des Speeres
auf Parsival andeuten, dass Klingsor Parsifal zwingen wollte, einen nackten
"Lustakt" zu vollziehen, der eben als "Nur-Lust-Akt" wieder
ein "Sündenfall" gewesen wäre!
In Erinnerung nun an Amfortas "Pein und
Schmerz", die sich in seiner wahnsinnigen Reue über den begangenen
"Nur-Lust-Akt" Amfortas auferlegte, wird Parsifal stark und
widersteht dem versuchten "Zwange" (Verführung durch Kundry),
ausgeführt durch den Speerwurf des Zauberers Klingsor! Parsifal erkennt aber in
eben demselben Augenblicke durch Eingebung, Erleuchtung, durch innere
Erfahrung, den "heiligen Beruf" des Speeres im Grals-Tempel, als
"Heilspender" zu dienen, und Parsifal "ergreift den Speer"
- und begibt sich "mit dem Speere in der Hand" auf den Weg zum Grale.
Jetzt erst beginnt die wahre Pilgerfahrt: Parsifal
"mit dem Speere in der Hand" -!. Hier beginnt das Symbol der
"Entsagung!"
Die "Entsagung" liegt, symbolisch
ausgedrückt, in den Worten "mit dem Speere in der Hand!" Eine
"Entsagung" ist erst dann eine "Entsagung" im wirklichen
Sinne des Wortes, wenn man etwas nicht tut, das man als wünschenswert zu tun
erkannt hat und es zu tun gewünscht hatte. Die Wanderung Parsifals mit dem
Speere in der Hand entspricht den 40 Tagen, die Christus in der Wüste verbracht
haben soll. Sie entspricht den Prüfungen und Reinigungen, die alle Kandidaten
aller alten Religionen, aller mystischen Geheimbünde usw. durchzumachen hatten,
ehe sie eingeweiht werden konnten, diese Wanderung entspricht daher auch den 40
Tagen des Fastens und Enthaltens, die noch heute die Eingeweihten einer
mystischen Vereinigung ihren Kandidaten als Prüfung auferlegen, ehe selbe zum
Studium der mystischen Geheim- und Heilslehre zugelassen werden. - Wagner
deutet die "Entsagung" (Zähmung des Triebes) dadurch an, dass er im
dritten Akte Parsifal nach Beendigung der Wanderung (Pilgerfahrt) in
"düsterer schwarzer Waffenrüstung" mit "gesenktem Speere"
im Gralsgebiet erscheinen lässt. Parsifal "entsagte" aller Lust und
allem Genusse während der "40 Tage," die die Wanderung symbolisch
darstellt. Aber auch Kundry macht die "40 Tage" durch, was im dritten
Akte dadurch angedeutet wird, dass sie fast "verhungert" im
"braunen Büssergewande" unter einem Strauch (Symbol des Lebens) an
der Grenze des Gralsgebietes aufgefunden wird.
Als Parsifal von Gurnemanz erfährt, dass er endlich
in des Grals Gebiet angekommen, "pflanzt" Parsifal "seinen
Speer" auf, legt aber den "schwarzen Schild" davor,[32] * und betet dann, seinen
Blick unverwandt in Verzückung auf die "Speerspitze" gerichtet! Ein
tiefes Symbol!
Kundrys einzige Worte (und die letzten, die sie
überhaupt im Drama zu sprechen hat) nachdem sie nach langer Leidenszeit wieder
zum Leben zurückgerufen ist, sind: "Dienen, dienen!"
In diesen Worten "dienen, dienen!" ist
Wagners (und unsere eigene) ganze Weltanschauung über die Bestimmung des Weibes
in unserem Weltsystem ausgedrückt und enthalten.
Das Weib ist "bestimmt" dem
"männlichen" Weltzweck (Erhaltung der Welt) zu "dienen,"
indem sie vom "Ur-Speer" den Samen empfängt und mittels der
"Ur-Spindel" (Uterus) den "Lebensfaden des Ur-Speeres" zu
neuen Lebenseinheiten weiterspinnt, und so das Weltgewebe erhält!
Das ist der Ur-zweck und die ewige Bestimmung des
Weibes.
Diesem Zwecke will Kundry fortan allein dienen!
Um symbolisch anzudeuten, dass Kundry dem alten
Gewerbe der "Lust-Erregung" und "Lust-Befriedigung" (dem
Missbrauch der geschlechtlichen Vereinigung) für immer erstorben ist, lässt
Wagner sie am Schlusse der Handlung vor dem Altar des Grals und zu Füssen des
Gralskönigs tot niedersinken. Das ist natürlich nur ein Symbol!
Denn in Wirklichkeit (im Sinne der Dichtung
Wagners) dient Kundry fortan dem Gralskönig in "ritueller", also
"heiliger" Vereinigung, und wird Mutter des Gralsritters - Lohengrin!
Die Geschlechtsasketen belieben mit eiserner
Konsequenz und einer Beharrlichkeit, die besser verwendet werden könnte, die
harte Tatsache zu ignorieren, dass Parsifal, der Gralskönig, einen "Sohn
zeugte" - (wir sprechen hier natürlich immer nur von Wagners Gedankengang,
der seinen Dramen "Lohengrin" und "Parsifal" unterliegt) -
und diesen Sohn konnte Parsifal doch nur durch einen "Geschlechtsakt"
mit einem "Weibe" zeugen.
Und der "Zeugungsakt" muss vor sich
gegangen sein in einer Zeit, die nach dem Schlusse des 3. Aktes des
Bühnenweihfestspieles "Parsifal" liegt.
Dieses Weib kann, im Gralsgebiete, nur ein solches
Weib gewesen sein, das "nur um zu dienen" dort weilte. Also ist die
"getaufte" Kundry, die die "40 Tage" durchgemacht hatte,
eben ganz naheliegender Weise das richtige Symbol für das "dienende
Weib," das dem Gralskönig einen Sohn gebar.
Nun bleibt nur noch übrig, anzudeuten, was
"der Zeugengüter höchster Wundergut", "das in höchsten Heiles
heisser Sucht" beim "letzten Liebesmahle im Weihgefässe[33] * fliessend" von den
Rittern ersehnt wird, was, kurz - der Gral ist![34] *
Parsifal fragt im 1. Akte aber nicht: "Was ist
der Gral?" Parsifal fragt: "Wer ist der Gral?" - Warum lässt
Wagner den Parsifal nicht fragen: Was ist der Gral? - Hier liegt ein tiefes
Geheimnis verborgen! Parsifal fragt also (mit unterliegender Absicht des
Dichters): Wer ist der Gral? - Und Gurnemanz antwortet ganz bezeichnenderweise:
"Das sagt sich nicht!"[35] *
Warum soll sich das nicht sagen lassen? Es wäre
doch ganz leicht für Gurnemanz, dem Parsifal zu sagen: "Was" - der
Gral ist! Lohengrin gibt doch auch eine Art Beschreibung vom Gral, und dazu
noch vor versammeltem Kriegsvolk des Königs Heinrich.
Wenn Wagner also nicht die Absicht gehabt hätte,
hier eine ganz besonders geheimzuhaltende, ganz tief mystische Erklärung von
der wahren Natur des Grales anzudeuten, so hätte er Gurnemanz dem Parsifal eben
auch eine ähnliche Erklärung geben lassen, wie selbe Lohengrin dem König
Heinrich gab. Aber an seinem Lebensende wollte Wagner in seiner Lieblingsschöpfung,
an deren Dichtung er schon in seinen jüngeren Jahren (1853-1857) gedacht hatte,
augenscheinlich ohne weitere weltliche Rücksichten, zur Ermutigung und zur
"Sammlung" aller "Eingeweihten", das "grosse
Feuerzeichen" aufrichten, und andeuten die wahre Natur des Gralsbegriffes.
Am deutlichsten deutet es Wagner an in den
Schlussworten des Parsifals im 3. Akte, als Parsifal "in höchster
Entzückung" auf den "emporgehaltenen" (aufgerichteten) Speer, zu
dessen "Spitze aufschauend" in Begeisterung singt:
"Oh, welchen Wunders höchstes Glück!
Die deine Wunde durfte schliessen,
Ihr sehe ich heiliges Blut entfliessen
In Sehnsucht dem verwandten Quelle,
Der dort fliesst in des Grales Welle!"
Die Deutung dieser Worte, die - "sagt
sich eben nicht!" -
Die kann nur erkannt und begriffen werden - aber -
nicht gesagt werden!
In diesen Worten liegt verborgen das höchste,
hehrste, heiligste "Symbol der Sexual-Magie"!
Hier fängt eben eine "Geheimlehre" an,
die ausschliesslich für "Eingeweihte" ist.
Es ist als Tatsache bekannt, dass Wagner die
Bhagavad-Gita und andere mystische Geheim-Lehren kannte. Wagner hatte auch wohl
in seinen letzten Lebensjahren begonnen, ein mit neuem Leben erfülltes
Christentum sich auszudenken. Dieses Christentum wäre aber ein ganz anderes
Christentum als das Christentum, an das man gemeinhin bei diesem Worte denkt,
geworden.
Warnung an Alle
Beschränkte, Kleinliche oder Boshafte, Grosse und
Kleine Geister!
Gleichwie die ganze Parsifal-Handlung des
Bühnenweihfestspieles von Richard Wagner nur ein Gleichnis, eine symbolische
Handlung ist und keine Darstellung eines realen Vorganges in der irdischen
Welt,
so ist die vorstehende Erklärung des
Grals-Geheimnisses nicht buchstäblich, persönlich, materiell, auf irdische,
grobstoffliche Vorgänge bezughabend, aufzufassen,
sondern sie ist nur ganz unpersönlich, symbolisch,
auf rein geistige Vorgänge sich beziehend, zu verstehen!
Der Verfasser.
III. Nutzanwendung
Grundriss des neuen
O.T.O.Tempels
Nachdem wir nun das Grals-Geheimnis enthüllt haben
und aus dieser Enthüllung mit zwingender Notwendigkeit sich ergibt, dass Wagner
einem mit neuem Leben erfüllten Christentum nachspürte, dass er, wie Professor
Guhr aus Wagners Heldentum und Christentum zitierte, die Erlösung in einer
physischen Regeneration, in einer Um- und Höherbildung des Individuums, zu der
die Menschheit wie zu einem künftigen Heile aufblicken werden, prophetisch
erschaute, so betrachten wir es als unsere Pflicht, auch die Nutzanwendung der
gefundenen Wahrheit oder Wahrheiten zu versuchen. Welcher Art ist die
"Erlösung," die Wagner dichterisch ersehnte?
Welcher Art das neue Christentum?
Das mit neuem Leben erfüllte neue Christentum kann
ganz unmöglich ein Christentum der allgemeinen Askese (Entsagung
des, oder Enthaltung vom Geschlechtsakte) sein; es kann nur - und muss ganz
logischerweise ein Christentum sein, das den Menschen die "Erlösung von
der Sünde" - Befreiung von der "Erbsünde" - bringen muss!
Selbst Professor Guhr sagt: So war es ihm (Wagner),
dem von keinem Dogma Beschwerten vorbehalten, die letzten Geheimnisse der
Menschheit und ihre Lösung "Die Vergottung des Triebes" -
(Geschlechtstriebes) - in seinem Schwanengesange zum weihevollen Mysterium zu
gestalten, welches, unbeirrt durch Priesterwissen oder Skepsis, die Rätsel des
Christentums in klargewordener Formel ausdrückt und so zur Grundlage der
Zukunftskirche werden wird. Der Priester dieser Kirche wird, nach dem Vorbilde
des Parsifal, den in ihm wirkenden Gottesgeist das gebändigte Dämonium als
heilende Strömung seiner Umgebung mitteilen können.
Diesen Ausführungen schliessen wir uns rückhaltlos
an. Wir beschränken ihre Giltikeit [sic] aber auf den engen Kreis der
Priester-Aerzte im neuen O.T.O.-Tempel, von denen wir später noch sprechen
werden. Sie setzen nicht nur ein neues Christentum, sondern auch eine neue
Zivilisation voraus.
Unsere gegenwärtige Zivilisation entspringt aus dem
Christentume der Kirchenväter, welche aus einer Mischung der Paulinischen
Lehren mit vorchristlichen (sogenannt heidnischen) Lehren und Grundsätzen das
heute noch herrschende Christentum schufen. Und diese Lehren dieses künstlich
zusammengebrauten Christentums gelten eben als die "Wahrheit"
oder Wahrheiten, auf die unsere Zivilisation (und Moral) aufgebaut ist.
Eine der Grundlehren, man muss sogar sagen die
Grundlehre, welche ausschlaggebend war, dem Christentume seinen heutigen
Charakter zu geben, ist die Lehre vom "Sündenfall".[36] *
Aus diesem "Sündenfall" wurde abgeleitet
die christliche Auffassung des Begriffes der "Scham".[37] *
Unter "Scham" (auch
"Schamteil") im engeren und eigentlichen Sinne, versteht die
christliche Kirche, und die auf ihren Lehren aufgebauten Staatsgesetze, die
Geschlechtsteile der Menschen.
Der christliche Mensch wird von Jugend auf gelehrt,
dieser ("Scham-") Teile sich zu "schämen!" Der naturgemässe
Gebrauch dieser Scham-Teile, ja selbst eine Beschäftigung der Gedanken eines
Menschen mit diesen seinen eigenen Scham-Teilen ist eine "Sünde",
gemäss den Grundzügen der christlichen Kirche und den Gesetzen christlicher
Staaten. Eine christliche Frau, welche ohne kirchliche oder staatliche
Konzession ihre Geschlechtsorgane naturgemäss[38] * gebraucht und gar noch
die naturgemässe Folge dieses Gebrauches in sich gezeitigt hat, wird als eine
"Gefallene" gebrandmarkt. Früher allgemeinerweise, heute in engerem
Verhältnis, aber auch noch bestimmterweise, wurde eine "Gefallene"
sogar auch noch "ausgestossen" aus der Gemeinschaft der
Rechtschaffenen, sie wurde zur "Ausgestossenen",
"Gefallenen", "Geächteten" gestempelt.
Kurz gesagt: alles Sexuelle war Sünde und Schande,
und ist es heute noch von amtswegen, im Sinne der Kirche und der Gesetze!
In der vor-christlichen Zeit war das nicht so
gewesen. Selbst die Israeliten hatten ihre "Geheim-Lehre", welche die
Geschlechtsteile als die "irdischen Symbole" der
"Gottähnlichkeit" des Menschen erkannte. Und in den Religionssystemen
des Ostens wird den Geschlechtsteilen bis auf den heutigen Tag, als Symbolen
der Gottheit, göttliche Verehrung gezollt!
Wir wollen uns mit der Kritik der falschen
Auffassung des Christentums vom Sexuellen als eines "sittlichen
Uebels" hier nicht länger aufhalten, denn unser Zweck ist nicht, zu
analysieren oder zu zerstören, sondern konstruktiv zu wirken. Die Mehrzahl der
Kritiker haben bisher nur kritisiert, das heisst die christliche Kirche
unterminiert und eingerissen, ohne aufzubauen. Wir aber wollen aufbauen, neu
bauen!
In einem besonderen Teile unserer Schrift bringen
wir eine kleine Auslese von Auszügen aus der Bibel und anderen heiligen
Schriften anderer Religions-Systeme, welche den Beweis liefern, dass alle
Religionen, die christliche Religion mit einbegriffen, eine sexuelle Basis
haben. Damit wollen wir demonstrieren, dass wir nicht eine neue Religion zu
gründen beabsichtigen, sondern dass wir den Schutt, den das Pseudo-Christentum
auf die alte Weltreligion gehäuft hat, wegräumen wollen, damit die alte wahre
Religion wieder zu ihrem Rechte kommt.
In der christlichen Religion hat sich die sexuelle
Basis bis auf den heutigen Tag versteckt, dem Laien und den niederen Klerikern
unbekannt, im Marien-Kultus erhalten. (Siehe: Lingam-Yoni oder der Marienkultus
usw. Verlag Schönheit, Berlin 1906/München 1983.)
In dieser von uns nachstehend abgedruckten Auslese
von Auszügen aus christlichen, jüdischen und indischen heiligen Schriften wird
der Beweis erbracht, dass die Zeugungs-Organe (Geschlechtsteile)[39] * der Menschen in allen
Religionen als "göttliche Attribute", als "irdische Organe der
dem Menschen innewohnenden Göttlichkeit", als "greifbare Zeugen der
unsichtbaren Gotteskraft" verehrt wurden und werden.
Den christlichen Massen unbewusst und unbekannt,
zeugt heute noch die Anlage der meisten christlichen Kathedralen und Kirchen
von der Verehrung der menschlichen Sexualorgane. Jeder Turm einer Kirche ist
ein Symbol des männlichen Organes,[40] * jedes Schiff einer Kirche
ist ein Symbol des weiblichen Organes.[41] *
Weshalb will die Kirche denn nur für alle Ewigkeit
die Fiktion aufrecht erhalten, dass sich ein Mensch seiner Geschlechtsteile
"schämen" müsse?
Das schlimmste für die christliche
Sittengesetzgebung, betreffs der Geschlechts-Sünde, ist, dass kein Mensch oder
- besser und genauer gesagt - dass die überwiegend grosse Mehrzahl der Menschen
die Sittengesetze der Kirche und des Staates betreffs des Geschlechtslebens des
Menschen in Wirklichkeit gar nicht befolgt.
Im Geheimen handelt jeder Mensch, bezüglich des
Geschlechtstriebes und des Geschlechtslebens, im direkten Gegensatz zu den
öffentlichen Vorschriften der Kirche und des Staates.
Dieser Zustand der Massen-Heuchelei muss zu einer
furchtbaren Sitten-Katastrophe führen.
Man wirft uns nun entgegen: "Was wollt ihr
denn für eine Moral einführen?"
Wir wollen das, was heute als unsittlich, sündig
gebrandmarkt wird, in seiner ursprünglichen Reinheit und Sittlichkeit wieder
herstellen, wir wollen es zu etwas "Heiligem" wieder erheben. Auf
dieser wiederhergestellten alten Auffassung, dass die Sexual-Organe etwas
"Heiliges", "Verehrungswertes" sind, wollen wir das Neue
aufbauen, eingedenk des Ausspruches Manus:
"Nur der, welcher die hehre Lehre von der
Heiligkeit der Gottes-Organe verstanden hat, ist wahrhaft frei und von allen
Sünden erlöst!"[42] *
Die Freiheit von der "Erbsünde", das ist
die wahre "Freiheit"!
Eine Gemeinschaft von (geschlechtlich) freien Menschen,
die ohne (Sexual)Sünde sind, wünschen wir zu konstituieren.[43] * Wir wünschen Menschen zu
schaffen, die sich ihrer Geschlechtsreife nicht zu schämen haben!
Innerhalb der heute noch herrschenden, christlichen
Zivilisation wird dieser Versuch auf grosse Schwierigkeiten stossen,[44] * aber der Anfang ist schon
gemacht und im Kleinen gelungen. Im Grossen kann der Versuch erst endgiltig
[sic] siegreich sein, wenn der Nachwuchs schon von allerfrühester Jugend an in
den Grundsätzen der neuen Sittlichkeit auferzogen sein wird.
Die Jugend muss von Geburt an in den
Geschlechtsorganen etwas Heiliges erblicken. Die Funktion der Geschlechtsorgane
müssen den Knaben und Mädchen als "heilige Handlungen" erklärt
werden, sobald die Mutter bemerkt, dass sich Regungen der Geschlechtskräfte zu
zeigen beginnen. Diese Lehren müssen von frühester Jugend an von den Eltern
zwanglos gegeben werden, und in den Schulen von den Aerzten und Aerztinnen, die
an Stelle der jetzigen Religionslehrer priesterliches Lehramt in allen Schulen
ausüben, der heranreifenden Jugend wissenschaftlich begründet und vertieft
werden als "Diesseits-Lehre".
Auf dem von den Leiber-Aerzten (priesterliche Mediziner)
gelegten festen Grunde wird dann erst von den Seelen-Aerzten (geistlichen
Priestern) die "Jenseits-Lehre" aufgebaut.
Gegenwärtig ist es gerade umgekehrt.
*
Man paukt in die Kinder von frühester Jugend eine
Jenseits-Lehre, vermittelst Religions-Märchen, die dann, wenn die Kinder zu
Erwachsenen herangereift sind, vollständig zusammenbricht, indem die
Erwachsenen erkennen, dass die Lehren den harten Tatsachen nicht entsprechen.
Aus dieser Erkenntnis entspringt dann bei den geistig Regen ein Kampf, der
unendlich viel Unglück und Unheil im Dasein solcher Menschen verursacht. Bei
den minder Regen führt es zu einem Leben der Lüge und Heuchelei.
Wenn nun der Art-Priester und unter seiner Aufsicht
die Eltern, den Kindern von frühester Jugend an die Vorstellung beibringen,
dass die Geschlechtsorgane etwas "Heiliges" sind, dass diese Organe
besonders behütet und gehütet werden müssen, weil in der Handlung, die
späterhin mit den Organen vorgenommen werden soll - und muss, der unsichtbare
Gott sich den Menschen offenbart, indem dieser Akt eine irdische Wiederholung
des göttlichen Ur-Schöpfungsaktes ist, in dem sich der Gott in uns offenbart,
und durch dessen Ausübung wir uns mit Gott immer wieder von Neuem vereinen, und
seinem Willen und Befehle gemäss neue Geschöpfe "ihm zum Ebenbilde"
fortfahrend schaffen und zeugen, - so wird die, in solchen Grundzügen erzogene
Jugend nicht nur gefeit und gestählt gegen allen Missbrauch der
Geschlechts-Organe, sondern sie beginnt in frühester Jugend anzufangen, auch den
"Gott" zu begreifen, und an diesen Gott zu glauben, weil sie in dem
Zeugungsakte eben ein Band erkennt, das den Menschen mit Gott, der Gottheit,
fühlbar verbindet.
-+-
Ist der Jüngling dann reif, dann wird er im Tempel,
unter Leitung und Weisung der "Matrona" (Ober-Priesterin) in
ritueller Weise und in der Form einer "sakramentalen Handlung" den
ersten Coitus vollziehen.
Ebenso wird die Jungfrau im Tempel von der Matrona
in die Mysterien des Geschlechtsakts eingeführt. Solange Jungfrau und Jüngling
ausserhalb des gesetzlich vorgeschriebenen Ehestandes leben, sind sie gebunden,
alle Befriedigung des Triebes im Tempel zu suchen.
Die Vollziehung einer Ehe ist eine sakramentale
Handlung. Die Ehegatten sind aber nicht auf Lebenszeit gebunden. Die Gatten
können vom Bunde zurücktreten, ohne dass selbe Einbusse erleiden an ihrem
gesellschaftlichen Status. Die Kinder werden in einem solchen Falle von
Staatswegen erzogen. Die Kosten der Erziehung werden gedeckt, teils dadurch,
dass die Eltern solcher Kinder aus getrennten Ehen gewisse Beiträge zu zahlen
haben, teils durch eine allgemeine Kindersteuer, die z.B. gleich den
Schulbeiträgen von der Gesamtheit der Staatsangehörigen erhoben wird, teils
durch besondere Stiftungen; teils durch eine Steuer, welche von allen Personen
erhoben wird, die aus irgend einem Grunde keine Ehe eingehen können.
Junge Männer und Frauen, welche aus irgend einem
Grunde sich nicht zur Fortpflanzung der Rasse eignen, dürfen von Staatswegen
keine Ehe eingehen.
Der Staat Wiskonsin in Amerika hat im Jahre 1914
ein Gesetz erlassen, welches diesen gleichen Grundsatz bereits zum Staatsgesetz
erhöht hat. Wir können uns nicht als unbedingte Anhänger der einzelnen
Bestimmungen dieses Wiskonsinschen Staatsgesetzes bekennen. Aber die
fundamentalen Grundsätze, welche zum Erlasse dieses Gesetzes Veranlassung
gegeben haben, entsprechen vollständig unseren eigenen Ansichten. Gemäss der
neuen Gesetze des Staates Wiskonsin müssen alle jungen Männer und Frauen, die
eine Ehe einzugehen beabsichtigen, vorher von den zuständigen Staats-Aerzten
auf ihre Gesundheit und Tauglichkeit zur Fortpflanzung der Rasse, untersucht
werden. Das ist auch unser Grundsatz.
Vor ungefähr 20 Jahren stellt der Arzt
Urban-Grulich folgendes Programm für die Bildung einer Gemeinschaft von
"sündenlosen" Christen auf. Es lautete:
(1) Wer von dem Vorhandensein einer Seele in uns
überzeugt ist, die uns befähigt, Gott ähnlich zu werden;
(2) Wer von der Erkenntnis durchdrungen ist, dass
die selbst-süchtige Liebe die Ursache aller unserer Leiden, dagegen die
gegen-seitige, uneigennützige, sich für andere aufopfernde Liebe die Ursache
der wahren inneren Glückseligkeit ist;
(3) Der wahre Himmel resp. innere glückliche
Seelenzustand, nur in einer Gesellschaft vollkommener, von Selbst-Sucht freier,
die wahre Liebe gegen einander übender Wesen zu finden ist; auch diese Erde zu
einem solchen Himmel umgeschaffen werden kann und soll, wie wir ja bitten:
"Dein Reich komme zu uns, und dein Wille geschehe auf Erden, wie er im
Himmel geschieht;"
(4) Wer erkennt, dass nach dem Körpertode die Seele
nach dem "Gesetze der Sympathie" in eine Gesellschaft aufgenommen
wird, welcher sie im Denken und Handeln ähnlich ist, wodurch sie schon ihren Lohn
und ihre Strafe in sich trägt; - wer also zu gegenseitig sich liebenden,
uneigennützigen, selbst-losen Wesen sich gesellen will, ebenso sein, also schon
hier auf Erden sich in dieser Art herangebildet haben muss;
(5) Wer erkennt, dass die Seele nach Ablegung des
Körpers dieselben Gesinnungen in den geistigen Zustand mit hinübernimmt, welche
sie hier auf Erden hatte, und uns nichts unverdient in den Schoss fällt,
sondern wir uns alles verdienen und erwerben müssen;
(6) Wer die Erkenntnis besitzt, dass das Leben auf
Erden eine Prüfungszeit, Schulungszeit, Durchgangsstadium ist, in der wir
hauptsächlich die schlimmen Folgen der selbst-süchtigen Liebe an unzähligen
Beispielen kennen zu lernen die Gelegenheit bekommen, und daher, wenn wir
offenen Auges und Herzens wandeln, direkt zur gegen-seitigen, uneigennützigen,
wahren Liebe hingedrängt werden, die der Weg zu Gott ist;
(7) Wer erkennt, dass wir Menschen der verlorene
Sohn sind, der aus dem Vaterhause der wahren Liebe freiwillig in die Welt der
Selbst-Sucht gegangen, dort seinen göttlichen Adel verloren und nun im tiefsten
Elend der Selbst-Sucht schmachtet, und nur Eins ihn retten kann, Rückkher zur
göttlichen Ordnung der gegen-seitigen, wahren Liebe;
(8) Wer überzeugt ist, dass ein Einzelner sich
keinen Himmel bauen kann, denn Einigkeit macht stark und geteilte Freude ist
doppelte Freude, geteiltes Leid daher aber auch nur halbes Leid ist;
(9) Wer erkennt, dass wir vor Gott alle gleich
sind, jeder Mensch den Gottesgeist in sich trägt, jeder Mensch also, wenn auch
meistens nur sich unbewusst, den eigenen Gott in sich selbst trägt, und wir
alle nur ein Ziel haben, diesen Gott in uns zu erwecken und durch Anwendung und
Ausbildung diese in uns schlummernde Gotteskraft in Ausübung der
gegen-seitigen, wahren Liebe mit Gott, dem Herrn, dem Vater Eins zu werden
schon hier auf Erden;
(10) Wer davon überzeugt ist, dass für sich allein
verwendeter Reichtum den Menschen nicht dauernd und für alle Ewigkeit wirkend
beglücken könne, weil er meist selbst-süchtige Zwecke nur anregt, und deshalb
Jesus schon sagte; dass es schwerer sei für einen Reichen ins Himmelreich zu
gelangen als ein Schiffstau durch ein Nadelöhr zu bringen;[45] *
Der trete unserem Geschwisterbunde bei, suche in
seinem Orte einen Kreis Gleichgesinnter zu bilden, und wenn die einzelnen
Mitglieder dann herangereift sind, gründe man auf dem Grundsatz der
gegen-seitigen, uneigennützigen, selbstlosen, freien und wahren Liebe, freie,
christliche Gemeinden, die sich in guten und bösen Tagen gegen-seitig lieben
und unterstützen, und versuchen das Reich Gottes auf Erden aufzurichten.
[Lesley (Leslie) Fry, Autorin des Artikels
"Les Missionaires du Gnosticisme" aus "Révue Internationale des
Sociétés Secrètes," übertragen und zitiert eingangs dieses Reuss-Readers,
ist im Besitze des handschriftlichen Originalmanuskriptes Reuss' und meint,
dass die Punkte 11 bis 17 verlorengegangen sind. Bei Frau Fry fehlt Punkt 5.]
[18.] Wir eignen uns diesen Aufruf restlos
an und machen ihn zum Grundstein der neuen Gemeinschaft regenerierter Christen.
Die Grundsätze dieses Aufrufes ziehen die
Konsequenz aus dem enthüllten Grals-Geheimnis.
Wir haben denselben nichts hinzuzufügen.
Derjenige, der "mehr" wissen und lernen
will, mag sich an Sor Vannah, 54, Shaftesbury Avenue in London, W, wenden unter
Beifügung eines adressierten und frankierten Kuverts für die Rückantwort.
IV. Eideshelfer und Kronzeugen[46] *
Bausteine zum O.T.O.=Tempel
Manu sagt: "Der Herr" ist das Geheimnis
und der Schlüssel zugleich. Derjenige, welcher den Schlüssel kennt und ihn
anzuwenden versteht, ist aller Sünden ledig. Der Herr" wird ihm zum
"Erlöser" aus aller Knechtschaft (der Sünde).
Denn das grosse Geheimnis des Maha-Deva (Herr Gott,
Schöpfer alles Geschaffenen) ist nicht für die Masse bestimmt. Man darf nicht
antworten oder erklären einer Person, die eitel fragt. Der weise Mann soll,
obgleich er eine Antwort zu geben weiss, sich lieber den Anschein geben, als ob
er ein Dummkopf wäre.
Waddell schreibt in seinem Buche über Tantra:
Tantra (Sexual-Religion) ist aufgebaut auf dem aktiven Zeugungsprinzip, wie es
sich in der weiblichen Energie (Sakti) und der urmännlichen Kraft (Siva) manifestiert.
Der Linga (Phallos) ist die heiligste Form, in der und durch welche der grosse
Herr-Gott (Maha-Deva) verehrt werden muss.
St. Augustin sagte, was man jetzt (A.D. 340) die
christliche Religion nennt, existierte schon lange vor dem Erscheinen Christi
bei den alten Völkern.
Clifford Howard sagt in seinem Essay: "Die
Basis aller Religionen": Der bewegende und belebende Impuls alles
organischen Lebens ist der Geschlechts-Instinkt. Einzig dieser Instinkt
(verbunden mit dem Gefühle des Hungers) ist die Quelle aller menschlichen
Anstrengungen und ernstlichen Regsamkeit, welche dem menschlichen (und
tierischen) Kampf ums Dasein unterliegt. In unseren Tagen, wo es schon für
unsittlich gilt, vom Vorhandensein der Geschlechtsorgane überhaupt zu reden,
oder zu schreiben, geschweige vom geschlechtlichen Appetit und dem
geschlechtlichen Verhältnis der Menschen untereinander, kann es den
beobachtenden Forscher nicht wundern, dass die Mehrzahl der Menschen es
entweder überhaupt nie gewusst oder wieder vergessen hat, oder die Tatsache
absichtlich ignoriert, dass das geschlechtliche Verhältnis des Mannes zum Weibe
der Grundstein unserer weltlichen Ordnung und die Welt an sich ist, und aus
diesem Verhältnis nicht nur das menschliche Leben überhaupt, sondern auch alles
menschliche Glück entspringt. Wenn jemals die "Theorie der Entsagung"
in der Welt den absoluten Sieg erränge, so wäre damit dem Fortbestand der Welt
das Todesurteil gesprochen.
Schon die Bibel sagt: "Omnia vincit amor"
und die "Liebe," die "Manifestation des
Geschlechts-Instinktes," ist der wahre Erhalter der Welt. - Gott ist die
Liebe! -
Das bedeutet: Gott ist die ewig zeugende
Schöpfungskraft, die allen Wesen von Uranfang innewohnte und noch innewohnt.
Die "Liebe" ist das "Heilige Feuer," das nie erlöschen
darf, bei Gefahr der Vernichtung der ganzen Schöpfung![47] * Die erhabenste Definition
der Idee, die dem Begriffe "Liebe" unterliegt, findet ihren Ausdruck
und Kulminationspunkt im Dogma von der unbefleckten Empfängnis des Heilandes
der Christen, Jesus Christus. Es ist nicht unsere Absicht, ein theologisches
Buch zu schreiben, noch eine physiologische Abhandlung. Wir wollen blos [sic]
aus einer Unsumme von dokumentarischen Beweisen einige als Bausteine aussuchen,
welche zum Aufbau eines "Tempels der Religion der Liebe"[48] * dienlich erscheinen. Aus
den Zitaten aus den verschiedensten Quellen wird der erdrückende Beweis
erbracht, dass nicht nur die sogenannten heidnischen Religionen des Altertums,
sondern auch neben den indischen und asiatischen Völker-Religionen, die mehrere
Hunderte von Millionen von Anhängern heute noch zählen, auch die christliche
Kirche ihren versteckten Phallizismus nicht verleugnen kann. Von allen
Phänomenen der Natur ist keines, das so stark die Verwunderung, das Staunen und
die Verehrung der Menschheit erregte, wie das Wunder der Fortpflanzung des
Lebens von einem Individuum auf das andere, von einer Generation auf die andere
- das Wunder der Zeugung.
Dieses Wunder besteht, seit es eine Welt - seit es
Menschen gibt, und trotz der Tausende und Abertausende von Jahren, da dieses
Wunder angestaunt wird, ist bis auf den heutigen Tag noch keine Lösung des
Rätsels der Zeugung gefunden worden!
Dieses Wunder, dieses Rätsel ist gleich
geheimnisvoll, ob es sich um die Fortpflanzung eines Samenkorns handelt, das in
die Erde gelegt wird und zur goldenen Aehre heranreift, die tausendfältig neue
Samenkörner trägt - oder ob es sich um den menschlichen Samen handelt, der im
weiblichen Ei zum neuen Menschen reift, ebenfalls ausgestattet wieder mit
Millionen von neuen Samenkörnern und Eikörpern, die wiederum dem Zeuger
wesensgleich neue Wesen zeugen können. -
Longinus sagte: Die griechischen Instruktoren
lehrten, dass die Ekstase von den Anhängern der Eleusinischen Mysterien gesucht
wurde als ein Zustand, in dem die göttliche unmittelbare Einströmung empfangen
werden konnte. Denn in diesem Zustande der Ekstase dringt die menschliche Seele
hindurch und über die Hindernisse des Körpers hinaus und tritt in direkte
Verbindung und Vereinigung mit Gott. Einige der griechischen Weisen teilen uns
mit, was sie in diesem Zustande der Verzückung, der Ekstase gelernt haben,
z.B.: Ich sah, dass "Liebe" war die erste Schöpfung der Götter, und
dass aus diesem göttlichen Einfluss und Impuls alles, was geschaffen ist,
geflossen ist.
Proclus sagt: Die Eleunisischen Mysterien waren reiner
Phallos-Kultus. Deren Zeremonien waren die der Tantriks.[49] * Die Anhänger dieser
Mysterien gerieten in solche Ekstase, dass ihnen die sinnliche Befriedigung als
ganz nebensächliches Beiprodukt erschien, und gewiss nicht als Zweck und Ziel
an sich!
Prof. M.J. Matter (Paris) sagt: Es war vermittelst
des Weibes, dass die zur Ekstase führende göttliche sexuale Erregung erzeugt
wurde. Besonders wurde die Ekstase durch den Einfluss von Jungfrauen erzeugt.
Die Priester des Orphischen Kultus in Thrazien verwendeten ausschliesslich
geweihte Jungfrauen für die heiligsten ihrer Riten und Zeremonien.
Die gnostische Geheimlehre (Primitive Christen) ist
identisch mit dem Vamachari-Ritus des Tantriks. (Histoire Critique de
Gnosticisme, Paris 1828.)
Prof. Matter sagt in "Foreign Quartal
Review": Phallizismus ist die Basis aller Theologie und unterliegt der Mythologie
aller Völker. Er ist die Form des Kultus, die allen Menschen gemeinsam war.
Eine Gottesanbetung, allgemein erzeugt durch die Manifestation der Natur in
ihren grossen Mysterien "Leben" und "Zeugung".
Der Phallos (in Hindu: Lingam) als göttliches Symbol
geniesst seit Tausenden von Jahren göttliche Verehrung in Indien. Die göttliche
Verehrung des Phallos (Lingam) datiert zurück bis in das unbekannte graue
Altertum, und Tausende von Jahren vor der christlichen Aera, wurde auf diesen
Kultus ein genau ausgearbeitetes theologisches System aufgebaut.
Der Phallos-Kultus in Indien ist eine hoch
feierliche religiöse Handlung, und, dem bestehenden Ritus gemäss ausgeführt,
eine sehr umständliche Zeremonie.
Dr.med. Alexander Wilder sagt: die Spanier fanden,
als sie Amerika entdeckten, dass dort der Phallos-Kult herrschte. Die
Aehnlichkeit der Zeremonien und der Riten, die dort geherrscht haben bei der
Entdeckung durch die Spanier, mit den Zeremonien und Riten im alten Egypten,
wurden später auch als ein Beweis angenommen für die Annahme, dass Egypten
(Afrika) und Amerika ehemals ein zusammenhängender Kontinent gewesen waren.
Hargrave Jennings in seinem ausführlichen und
berühmten Werke "Himmlischer und Irdischer - Heidnischer und Christlicher
Phallizismus, seine Verbindung mit den Rosenkreuzern und Gnostikern" -
liefert den unumstösslichen Beweis, dass die Basis aller Religionen die
phallische Idee ist.
Phallizismus sagt Jennings, ist verborgen enthalten
in allen Insignien der christlichen Kirche. Indem wir hierfür die
unwiderlegbaren dokumentarischen Beweise erbringen, verwahren wir uns jedoch
energisch dagegen, dass man uns destruktive Tendenzen gegen die christliche
Kirche zu unterschieben versuche; im Gegenteil, unsere Darlegungen sollen ein
Baustein sein zu einem christlichen Glauben; unser Zweck ist, konstruktiv zu
wirken!
Görres sagt in seiner "Christlichen
Mystik," 3. Band: Das äussere theoretische Wissen ist nicht zu verachten;
es ist ein Hilfsmittel für den Sucher nach wahrer Erkenntnis, aber die eigentliche
Theosophie und Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis besteht nicht darin, dass
man gelehrt über Evolutionstheorien und Systeme, über die Zustände der Bewohner
der Mittelregion oder des Himmels und andere derlei Dinge reden kann, sondern
dass man selbst zur eigenen innerlichen Wahrnehmung und Selbsterkenntnis der
Geheimnisse Gottes in die Natur, im Weltall gelangt. Dränge von oben nach unten
in den Mittelpunkt des Körpers, dort wirst du einen Keim finden, der durch das
Licht zum Wachstum kommt!
Prof. Hermann sagt, Band 3 von "Genesis,"[50] * S.98: Die Manichäer
konnten nie von der Kirche gänzlich ausgerottet werden. Ein Beweis dafür sind
die Adamiten, eine Abart der Manichäer, die noch Mitte des 19. Jahrhunderts
(1850-1860) in Oesterreich existierten und sogar Gleichberechtigung mit der
römisch-katholischen Kirche verlangten. Die Adamiten hatten ihren Namen daher,
weil sie ihre kirchlichen Zeremonien und Feste vollständig kleiderlos feierten.
Ihre Zeremonien und Lehren entsprachen in modernisierter Form und Sprache denen
der Manichäer. Ihre "Marienfeste," besonders die Marienfeste während
des Monats Mai (Maiandachten), entsprachen den Bacchanalien bei den Festen des
Ceres Libera, den Eleusinischen Orgien. Die Adamiten waren Anhänger und
Bekenner des uralten Zeugungs-Mysteriums. Dieser Zeugungs-Kultus war der
unerschöpfliche Quell der Lebensfreude und der Begeisterung. Hoch und niedrig
ergab sich der durch diesen Kultus erzeugten religiösen Ekstase, bis die
heilige Maria die Herzen und Sinne umfing und der heilige Phallos mit seinem
Ueberfluss den fruchtbaren Schoss besamte. Bei diesen Zeremonien und Festen der
Adamiten herrschte Kommunismus der Frauen für die Männer und Jünglinge. Dieser
Kommunismus dehnte sich aber nicht auf das Alltags-Leben aus. Nur während der
Zeremonien an und in den geheiligten Orten (Tempeln und Hainen) hatten die
Männer und Jünglinge das Recht (und die Pflicht) mit irgend einer der im Tempel
oder Hain anwesenden Frau den Geschlechtsakt zu vollziehen. Im Alltagsleben war
die Frau an ihren "Herrn und Meister" gebunden. Jeder Mann hatte aber
das Recht, mehrere Frauen sich zu halten, wenn seine Mittel es erlaubten. Die
Kinder der verschiedenen Frauen waren alle gleichberechtigt (innerhalb der
Gemeinschaft der Anhänger dieses Kultus) und der Vater war für deren Unterhalt
usw. verantwortlich.
Obgleich es nun der Kirche nicht gelungen ist,
diese Nachkommen der alten Manichäer auszurotten, so gelang es doch den
staatlichen Gewalten, durch strafrechtliche Verfolgung der Anhänger des Kultus,
diese Sekte aus der Oeffentlichkeit des bürgerlichen Lebens zu vertreiben. Die
dem Strafrecht entgangenen Anhänger flüchteten sich in das schützende Dunkel
geheimer Zusammenkünfte und bildeten Geheimbünde nach berühmten alten Mustern.
Auf diese Art haben sich diese Nachkommen der alten Manichäer und Anhänger des
alten klassischen Phallos-Kultus bis auf den heutigen Tag erhalten. In den
letzten 10 Jahren haben sie es sogar gewagt, wieder hier und da an die
Oeffentlichkeit zu kommen, wenn auch unter neuem Namen und in neuem Gewande.
Sogar eine Literatur haben sie geschaffen und gewinnen allenthalben neue
Anhänger.
Schlusswort
Lerne vom Baume der Erkenntnis essen, und vom Baume
des Lebens geniesse die Frucht. Suche beide in dir selbst, und so du sie
erkennst, und ihren Platz weisst, bist du angekommen auf der obersten Stufe der
zwölfstufigen Leiter.
Dadurch wird die "Gottes"-Liebe erweckt,
die nicht in den Hirngespinsten der Menschen ihre Wohnung hat, sondern in
seinem "Herzen" wohnt, aus dem die erlösende Kraft geboren wird, die
uns das Schauen des Ewigen Lichtes ermöglicht und alle Irrtümer vernichtet.
"Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan?!"
V. Verzeichnis der Fundstätten der
Bausteine zum O.T.O.-Tempel[51] *
zusammengestellt von Ur-Vannah
Bibel:
a) Altes Testament: I. Buch Moses - 2; 3; 15: 13;
16: 2; 17: 10-14; 19; 24; 28: 18-22; 30: 2-22; 31: 30-35; 35: 1-15; 38: 13-26.
II. Buch Moses - 33: 9, 10.
III. Buch Moses - 21: 20.
IV. Buch Moses - 25: 1; 23: 28.
V. Buch Moses - 23: 1; 25; 32: 18.
Jeremiah - 2: 34, 35; 11: 13; 7: 17-31; 19: 4; 44:
8; 15-23.
Hesekiel - 1, 8: 14; 10; 16, 23; 31: 3-18.
Hohelied Salomonis.
1. Samuel - 1: 2; 2; 21; 5; 6; 31: 9, 10.
2. Samuel - 23: 3.
I. Buch der Könige - 1: 2; 3; 3: 4; 15: 14; 22: 43;
46; 14: 22.
II. Buch der Könige - 12: 2; 14: 4; 15; 16: 3; 21:
6; 16; 24: 4; 33: 7.
I. Chronik - 10: 9, 10.
II. Chronik - 3: 1.
Jesaiah - 19: 19; 26: 4; 30: 29; 44: 8; 57: 5.
Habakuk - 1: 2.
Psalmen - 18: 2; 31; 28: 1; 106: 34-39; 95: 7.
Josuah - 24: 2, 27.
Buch der Richter - 11: 30, 31, 34-40; 11: 5; 18:
18-31; 21; 19, 23.
b) Neues Testament: Lukas - 1: 37.
Johannes - 3: 14, 15; 4: 13; 10: 16.
Apostelgeschichte - 19: 24, 25.
Apokalypse - 2: 11; 17; 26; 28; 3: 12; 21: 7.
I. Korinther - 1: 27-28; 19; 12: 23.
Hebräer - 9: 11-13; 28: 12, 13, 16; 23-29.
*
Bhagavad Gita.
Attara Gita.
Patanjali's Hatha Pradipika.
Goerres: Christliche Mystik.
Professor Hermann: Sexual-Magie. Genesis.
Sexual-Mystik.
Theodor Reuss: Lingam-Yoni, Okkultismus.
Valery Gyigyi: Luzifer des Christentums. Das
enthüllte Mysterium.
Goethe: Faust I. und II. Teil.
Hargrave Jennings: Phallizismus. Die Rosenkreuzer.
A.E. Waite: Die Geheimlehre der Israeliten. Die
geheime Bedeutung der Symbole der Freimaurer.
Saint Edward Crowley: Das Schiff. Der
Sapphir-Stern. Energized Enthusiasm. Fragmente eines Rituals.
Chevalier Le Clement de Saint-Marcq: Eucharist.
C.W. King: Die Gnostiker.
Moor's: Hindu Pantheon.
Forlong: Rivers of Life.
Inman: Moderne christliche Symbolik.
J.A. Dulaure: Histoire des différentes Cultes.
Dr. Eugen Schmitt: Die Gnosis.
Wilson: Vishnu Purana.
Blavatsky: Geheimlehre. Entschleierte Isis.
Oakley-Cooper: Die Legende vom Gral.
Herodot: Histor. I 105; 199; 131; II. 64; usw.
Franz Hartmann: Schwarze und weisse Magie.
Lotus-blüten.
Karl Kellner: Yoga.
Jean de Pavly: Le Zohar.
Abbé de Bion: Le Monde de l'Eucharistie.
Emil Bournouf: La Bhagavad Gitâ.
Canonicus Crampon: Die Offenbarung Johannes.
Professor Goguel: Die Herkunft des heiligen
Abendmahles.
Osterwald: Die heilige Schrift.
Dr. Fischer: Paganismus und die Offenbarung.
Payne Knight: The Worship of Priapus.
Robert Campbell: Phallic Worship.
Clifford Howard: Geschlechts-Kultus.
Oberst Famin: Geheimes Museum von Neapel.
Hammer: Templer-Geheimlehre.
E.B. A Dying Race.
Rudolf Eucken: Seine Philosophie.
S.U. Zanne: Kosmosophie.
Oriflamme-Berlin.
Mysteria-Paris
The Equinox-London.
Dr. Michael de Molinos: Der geistliche Führer.
Pastor Dr. phil. Peithmann: Die christliche
Geheimlehre.
Jakob Böhmes Werke.
[Zusatz im Manuskript]
Die M.:M.:M.: (Mysteria Mystica Maxima) ist ein
Begleitname des O.T.O. (Ordo Templi Orientis).[52] * Sie ist eine Körperschaft
von Eingeweihten, in deren Händen sich die Weisheit und Erkenntnis der
folgenden Organisationen konzentrieren:[53] *
1. Die gnostische Katholische Kirche.
2. Der Orden der Ritter vom Heiligen Geist.
3. Der Illuminaten-Orden.
4. Der Tempel-Orden (Tempelritter).
5. Der Johanniter-Orden.
6. Der Malteser-Ritter-Orden.
7. Der Orden der Ritter vom heiligen Grabe.
8. Die geheime Kirche vom heiligen Gral.
9. Der Rosenkreuz-Orden.
10. Der heilige Orden vom rosigen Kreuz von Heredom
(Rose Croix).
11. Der Orden vom heiligen Gewölbe von Enoch.
12. Der Alte und Primitive Ritus der Maurerei.
13. Der Ritus von Memphis 97°.
14. Der Ritus von Misraim, 90°.
15. Der Alte und Angenommene Schottische Ritus,
33°.
16. Der Swedenborg-Ritus der Maurerei
17. Der Martinisten-Orden.
18. Der Sat-Bhai-Orden.
19. Die Hermetische Brüderschaft des Lichtes.
20. Der Hermetische Orden der goldenen Dämmerung.
Er besitzt in jedem wichtigen Populations-Centrum
einen geheimen Ort der Abgeschiedenheit (Collegium ad Spiritum Sanctum) wohin
die Mitglieder sich zurückziehen können, um ungehindert und abgeschlossen dem
grossen Werk obliegen zu können. Diese Plätze sind geheime Festungen von
Wahrheit, Licht, Kraft und Liebe, und deren Lage wird nur nach Ablegung des
Eides der Geheimhaltung solchen mitgeteilt, die Anspruch auf Benützung
desselben haben.
Diese Plätze sind Tempel des wahren Gottesdienstes,
von der Natur geweiht dem Zwecke, dass der Mensch sein Bestes zum Opfer bringe.
Jede freie volljährige Person männlichen oder
weiblichen Geschlechtes hat ein unveräusserliches Recht bis zum III°. Ueber
diesen Grad hinaus finden Beförderungen nur auf Einladung seitens der Oberen
statt. Die bürgerlichen Namen der weiblichen Mitglieder werden nicht bekannt
gegeben.
Die Brüder und Schwestern nehmen Teil an dem
Erhabenen und hehren Leben der Schönheit, - Harmonie und Liebe, - welches im
Herzen des O.T.O. feurig lodert und das ganze Leben seiner Angehörigen erhält
und erwärmt mit unsterblichem Feuer, je mehr sie sich der Zentral-Sonne nähern.
Sie finden gleichgesinnte Herzen und Seelen in allen Teilen der Erde.
Deutsches Original: Parsifal und das Enthüllte Grals-Geheimnis
English translation: Parsifal and the Secret of the Graal Unveiled
Version française: Parsifal et le Secret Dévoilé du Gral
To the handwritten sample of 1914
To the cover of 1920
8. Das Aufbauprogramm und die Leitsätze der Gnostischen Neo-Christen
O.T.O.
Theodor Reuss, 1920
Achtung: Vorstehendes Aufbau-Programm
kann nur auf dem Wege der friedlichen, sozialen Entwicklung verwirklicht werden
und niemals durch eine gewaltsame Revolution. - Die Leitung der
O.T.O.-Gemeinschaft.
Leitsätze einer neuen Zivilisation und Religion.
Die vom Weltkrieg gegeisselte Menschheit bedarf
eines neuen Glaubens, eines neuen Christentums und einer darauf aufgebauten
neuen Zivilisation.
Dass die vielgepriesene europäische Zivilisation
und die christliche Kirche nicht im Stande waren, die Grausamkeiten dieses
Weltkrieges, noch die Raubsucht und den Hass des diesen Weltkrieg beenden
sollenden Friedens zu verhindern, das allein ist Beweis genug dafür, dass das
herrschende Christentum und die aus ihr hervorgegangene moderne Zivilisation
nicht mehr lebensfähig sind und durch ein neues Christentum und eine neue
Zivilisation ersetzt werden müssen.
Die Menschheit verlangt aber auch einen neuen
Glauben. Denn der alte Gottesglaube, der aus den von den Kirchenvätern
zusammengebrauten christlichen Lehren floss, ist für die überwiegende Mehrheit
der Mitglieder der christlichen Kirche längst ein Märchen geworden, weil er der
ätzenden Kritik der modernen Wissenschaft nicht Stand halten konnte. Und den
Glauben an die Menschheit (Brüderlichkeits-Glaube) den hat besonders der Versailler
Frieden gründlich zerstört, und zwar in viel grösserem Masse, als die
Kriegsereignisse selbst. Denn die Macher des Versailler Friedens hatten die
Völker Amerikas und Europas mit der Devise: Für Freiheit und Menschlichkeit,
für Recht und Gerechtigkeit zu einem Kreuzzug gegen den Imperialismus der
deutschen Barbaren ins Feld gelockt. Und am Ende benützten die Herren
Clemenceau und Lloyd George die Leichtgläubigkeit des deutschen Michels, der,
vertrauend auf die gleissnerischen und verräterischen Verheissungen der
Ententeführer, dass nicht das deutsche Volk, sondern nur der kaiserliche
Imperialismus der Hohenzollern vernichtet werden sollte, im Widerstand und
Kampf schliesslich nachgab, um auf dem betrogenen versklavten deutschen Volke
den anglo-französischen Welt-Imperialismus aufzurichten.
Zu ihrem eigenen Unheil vernichteten die Clemenceau
und Lloyd George aber auch bei ihren Verbündeten den Glauben an Menschlichkeit
und Brüderlichkeit durch ihr Versailler Machwerk, so dass Millionen von
Menschen, bei Siegern und Besiegten gleichmässig, den Glauben an Gott und
Menschen verloren haben.
Die Gemeinschaft der Gnostischen Templer oder
Neo-Christen, abgekürzt O.T.O. genannt, welche schon vor dem Kriege in Amerika,
Holland, Böhmen, Frankreich, Russland, Italien usw. zahlreiche Anhänger besass,
tritt nun aus ihrer bisherigen Zurückhaltung hervor, um den gepeinigten
Menschen die neue Heilsbotschaft der Gnostischen Christen zu verkünden, und der
aus derselben entspringenden neuen Zivilisation.
Die Botschaft des O.T.O. lautet:
Freiheit, Gerechtigkeit, Liebe.
Die Freiheit des O.T.O. ist die Freiheit von der
Erbsünde und die Freiheit, den Willen der Gottheit auszuführen. Im Liber
Legis steht zwar: Tue, was du willst! Aber es heisst auch: Doch bedenke,
dass du für alle deine Taten zur Rechenschaft gezogen wirst! Das ist das Gesetz
vom Karma.
Also nicht Willkür, Zügellosigkeit, sondern
strengste Bindung ist die "wahre Freiheit".
Höchste eigene Selbstzucht, eiserne Selbstdisziplin
ist O.T.O.-Freiheit.
Jede Freiheit, die nicht von strengster
Selbst-Zucht regiert wird, ist Zügellosigkeit, Willkür, Gesetzlosigkeit, die
zum Chaos führt.
"Tue, was du willst, ist also absolut nicht
identisch mit: "Tue, was dir einfällt", sondern: "Tue, was dein
Wille ist, aber prüfe, ob das, was du willst, auch Gottes Wille ist". Erst
dann, wenn dein Wille in Uebereinstimmung ist mit "Gottes Willen,"
kannst du ihn zur Tat werden lassen. Dann aber mit intensiver Konzentration.
Gerechtigkeit ist der zweite Leitsatz und bezieht
sich auf den Zweck des menschlichen Erdenlebens und die Bestimmung des
Erdenmenschen. Der Zweck des menschlichen Erdendaseins ist: Treueste
Pflichterfüllung! Jeder Mensch muss, gleichgültig ob er hochgeboren oder
niedrig, hochgelehrt oder ohne Bildung; ob Tagelöhner, Bauer, Handwerker,
Professor, Richter, Kaufmann, Künstler oder König usw. - einfach jeder
Mensch hat dort, wo ihn das Schicksal hingestellt, seine äusserste Pflicht zu
tun. Das ist Zweck, das ist die Erfüllung des göttlichen Gesetzes, der
Gerechtigkeit. Alles im Universum ist Gesetz. Auch das Erdenleben ist ihm
unterworfen. Wer diesen Gedanken bis zu seinen äussersten Möglichkeiten in sich
ausreifen lässt, wird die Lösung vieler ihn bedrängender Fragen finden. Der
Satz ist allerdings hart, aber die Wahrheit ist eben immer hart und umschliesst
die Arbeitspflicht jedes Menschen.
Schön, von enthusiastischer Schönheit ist nur
die Liebe, und "Liebe ist das höchste Gesetz, Liebe unter Kontrolle des
Willens!" - Liebe ist der Lohn der Selbstüberwindung, die Grundlage aller
Brüderlichkeit, die Kraftquelle der Pflichterfüllung; sie versöhnt uns mit der
harten Wahrheit, führt uns zur bewussten Vereinigung mit Gott, ermöglicht es
uns, Gott schon in diesem Erdenleben zu nahen und unser "Eins-sein mit
Gott" wirklich zu erleben.
Meister Therion [Crowley] sagt: der, in
enthusiastischer Liebe, mit überschäumender Energie, unter Kontrolle des
Willens vollzogene Liebesakt ist "Gottesakt," ist
eine"sakramentale Handlung," ist "In-Gott,
Mit-Gott-Einsein". - Ein Mensch, dem es vergönnt ward, sich in dem, unter
Zügelung des Willens, durchgeführten göttlichen, sakramentalen Liebes-Akt mit
Gott zu vereinen, ist ein "Gotteswirker". Dennoch sagt Liber Legis:
"Obgleich im Gesetz von der höchsten Liebe viel von enthusiastischer,
hingebender, selbstloser, flammender, feuriger, ja überschäumender Liebe die
Rede ist, so steht doch kein Wort von sentimentaler Liebe darin. Auch
dies muss man völlig in seinem Innern ausreissen lassen. Denn die Folgerungen
beruhen in tausend Kanälen des irdischen, täglichen Lebens; sie führen zu
dessen Verschönerung, sie schlagen die Brücke zur "Kunst". Die Liebe
allein macht das sonst harte, kalte, ja in manchen Aspekten grausame Leben ertragbar".
Diese oben angeführten Grundsätze und die zu
ziehenden Folgerungen sind vom O.T.O. zu nachstehendem Fundamental-Glaubenssatz
zusammengezogen worden:
"Gott und die Welt (die sichtbare wie die
unsichtbare) sind ein all-umfassendes, unermessliches Reich, das Universum,
bestehend: aus der bewussten Ur-Energie (oder Zeugungs-Kraft), der positiven
Kraft und der unbewussten Ur-Substanz (Weltei oder Matrix) der negativen
Kraft, welche durch Vereinigung (Ur-zeugung) neue Welten mit ihnen, im
Prinzip wesensgleiche Geschöpfe anziehen, oder schaffend ins Dasein rufen.- Die
Gottähnlichkeit der gezeugten Geschöpfe offenbart sich darin, dass die
Ur-Schöpfungs-Kraft auch ihnen innewohnt. Diese Fähigkeit ist der den
Geschöpfen innewohnende Beweis ihrer Abstammung vom göttlichen Ur-Schöpfer.
In diesem Sinne sind die Worte der Bibel zu
verstehen: Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er
ihn.
Um die wirklich religiöse Lösung des Welträtsels zu
finden, muss man die grundfalsche aber übliche Gegenüberstellung von Geist,
Seele und Materie ausser Acht lassen. Man beachte nur die "Seele" als
ein "geistig" Ding (spirituelles Agens) das existiert von Ur-Beginn
als Ur-Gefühl im Ur-zeugungsakt. Dieses Ur-gefühl äussert sich im Menschen als
Sehnsucht des abgespaltenen Teils, sich mit dem Mutter-Prinzip wieder zu
verbinden (daher religere und Religion). Denn der Mensch kann Gott mit dem
Verstande nicht begreifen, sondern nur mit der Seele fühlen ("im
Herzen" sagt man, obgleich der Träger des Gefühls der Nervus Sympathicus
ist), welche nach dem leiblichen Tode wieder zu Gott zurückkehrt. Ohne
Ur-gefühl gäbe es keine Schöpfung und keine Geschöpfe.
In praktischer Durchführung seiner oben
festgelegten Prinzipien sucht der Orden auf cooperativer Basis aufgebaute
Gemeinden sündloser (von der christlich-kirchlichen Erbsünde befreiter)
Menschen zu gründen. Zur Bildung solcher Gemeinden eignen sich nur Menschen,
die überzeugt sind von dem Vorhandensein einer Seele, die uns befähigt, Gott
ähnlich zu werden; die durchdrungen sind von der Erkenntnis, dass selbstsüchtiges
Handeln die Quelle aller menschlichen Leiden ist, und dass wir unser Los nach
dem Tode schon während unseres Lebens auf Erden, nach dem Gesetz von Karma,
vorbereiten; die durchdrungen sind von der Wahrheit des Ausspruches Manus:
"Nur der, welcher die hehre Lehre von der
Heiligkeit der Gottes-Organe verstanden hat, ist wahrhaft frei und von allen
Sünden erlöst!"
Die Erlösung und die Befreiung von der
"Erbsünde," das ist die "wahre Freiheit!"
Eine Gemeinschaft von (geschlechtlich) freien
Menschen, die ohne (Sexual-) Sünde sind, wünschen wir zu konstituieren.
Wir wünschen Menschen zu schaffen, die sich ihrer
Zeugungs-Organe nicht zu schämen haben.
Innerhalb der heute noch herrschenden christlichen
Zivilisation wird dieser Versuch auf grosse Schwierigkeiten stossen müssen,
aber der Anfang ist schon gemacht und im engeren Kreise gelungen. Im grossen
und allgemeinen kann der Versuch erst endgültig sein, wenn der Nachwuchs schon
von allerfrühester Jugend an in den Grundsätzen der neuen Sittlichkeit
auferzogen sein wird.
Die Jugend muss von Kindheit an in den
Geschlechtsorganen etwas Heiliges erblicken. Die Funktionen der
Geschlechtsorgane müssen den Knaben und Mädchen als "Heilige
Handlungen" erklärt werden, sobald die Mutter bemerkt, dass sich Regungen
der Geschlechtskräfte zu zeigen beginnen. Diese Lehren müssen von frühester
Jugend an von den Eltern ganz zwanglos gegeben werden. Und in den Schulen von
den Ärzten und Ärztinnen, die an Stelle der jetzigen Religionslehrer priesterliches
Lehramt in allen Schulen ausüben, und die von denselben der heranreifenden
Jugend wissenschaftlich begründet und als "Diesseits-Lehre" vertieft
werden.
Auf dem von den Leiber-Ärzten (priesterliche
Mediziner) gelegten Grunde wird dann erst von den Seelen-Ärzten (geistlichen
Priestern) die "Jenseits-Lehre" aufgebaut.
Gegenwärtig ist es gerade umgekehrt. Man paukt in
die Kinder von frühester Jugend eine Jenseitslehre vermittelst
Religions-Märchen, die dann, wenn die Kinder zu Erwachsenen herangereift sind,
vollständig zusammenbricht, indem die Erwachsenen erkennen, dass die Lehren den
harten Tatsachen nicht entsprechen. Aus dieser verspäteten Erkenntnis
entspringt dann bei den geistig Regen ein Kampf, der unendlich viel Unglück und
Unheil im Dasein solcher irregeführten Menschen verursacht. Bei den minder
Regen führt es zu einem Leben der Lüge und der Heuchelei, welches solche
sittlichen Katastrophen begünstigt und zur Folge hat, wie wir sie jetzt am
Kriegsende miterleben müssen.
Deshalb ist eine neue Moral notwendig geworden.
Wenn nun in Zukunft der Arzt-Priester, und unter
seiner Aufsicht auch die Eltern, den Kindern von frühester Jugend an die
Vorstellung beibringen, dass die Geschlechtsorgane etwas "Heiliges"
sind, dass diese Organe besonders behütet und gehütet werden
müssen, weil in den Handlungen, die späterhin mit den Organen vorgenommen
werden sollen und müssen, der unsichtbare Gott sich den Menschen offenbart,
indem dieser Akt, der mit den Organen vollzogen wird, eine irdische
Wiederholung des göttlichen Ur-Schöpfungsaktes ist, in dem sich Gott in uns
offenbart, durch uns wirkt, und durch dessen Ausübung wir uns mit Gott immer
wieder von neuem vereinen und seinem Willen und Befehl gemäss neue Geschöpfe
"Ihm zum Ebenbilde" fortfahrend schaffen und zeugen - so wird die in
solchen Grundsätzen erzogene Jugend nicht nur gefeit und gestählt gegen allen
Missbrauch der Geschlechtsorgane, sondern sie beginnt in frühester Jugend
anzufangen, auch den "Gott" zu begreifen und an diesen Gott zu
glauben, weil sie in dem Zeugungsakt eben ein Band erkennt, das den Menschen
mit Gott, mit der Gottheit fühlbar verbindet.
Der Glaube, der auf dieser Basis aufgebaut
erwächst, wird so fest, so stark sein, um Berge zu versetzen!
Grundriss einer
Volksgemeinschaft von Neo-Christen.
Die grundlegenden Leitsätze des Aufbauprogrammes
der Gnostischen Templer und Neo-Christen (O.T.O.) sind in nachfolgendem
Grundriss einer Volksgemeinschaft zu einem praktischen politischen Programm
zusammengefasst worden.
Personen gleicher Sprache und gleicher Abstammung
bilden eine geschlossene Volksgemeinschaft (den Staat).
Aller Grund und Boden, alle Produktionsmittel, alle
Bodenschätze (wie Kohle, Eisen usw.), alle Bodenerzeugnisse im Grossbetrieb
(wie z.B. der Gross-Getreidebau, Gross-Weinbau usw.), alle öffentlichen
Transportmittel (wie z.B. Eisenbahnen, Schiffahrt usw.), alle öffentlichen
Einrichtungen der Wohlfahrt, des Handels, des Verkehrs (wie z.B. Post,
Telegraph, Krankenhäuser, Waisenhäuser, Lehranstalten, Museen, Kunstanstalten
usw.), alles vorhandene Kapital in Wertpapieren oder in barem Gelde, das einen
realisierbaren Wert von z.B. 10'000 Mark überschreitet, sind gemeinsames
Eigentum der Volksgenossen. Man nannte es in England "Nationalisierung des
Eigentums".
Privateigentum ist im Prinzip abgeschafft.
Jedes einzelne mündige Mitglied der
Volksgemeinschaft kann aber als sein unantastbares Privateigentum beanspruchen
alles das, was er (oder sie) zu seinem persönlichen Gebrauch durch seine Arbeit
sich erworben hat (gemeint sind Kleider, Bücher, Hausgeräte, aber keine
Luxusgegenstände, Goldsachen, Juwelen usw.), sowie das ihm oder ihr für die
Dauer seiner oder ihres natürlichen Lebens zur selbsttätigen Bebauung und
Bearbeitung zugeteilten Stückchen Pflanz- oder Acker-Land.
Innerhalb der Volksgemeinschaft ist Bargeld
ausgeschlossen.
An barem Gelde oder Geldwert darstellenden
Zahlungsmitteln, wie Wertpapieren und ähnlichem darf kein Volksgenosse mehr als
10'000 Mark in seinem Besitz haben. Und auch diese fallen bei seinem Tode an
die Volksgemeinschaft zurück. - Verzinsliche Wertpapiere oder Zahlungsmittel
darf überhaupt kein Volksgenosse besitzen. Diese sind, soweit selbe im Bereich
der Volksgemeinschaft vorhanden sind, gemeinsames Eigentum der Volksgenossen
für Zwecke der Volksgemeinschaft (des Staates), wie z.B. des Handels mit
anderen (fremden) Volksgemeinschaften.
Jeder Volksgenosse (männlich oder weiblich) über 18
Jahre ist verpflichtet, zum Besten der Gemeinschaft der Volksgenossen eine
seinen Fähigkeiten entsprechende und angemessene Arbeit täglich zu leisten.
Darüber, was in jedem einzelnen Falle "entsprechende und angemessene"
Arbeit ist, entscheidet im Zweifelsfalle oder wenn der oder die zur Arbeit
Verpflichtete gegen die zugewiesene Arbeit protestiert, ein fünf-gliedriges
Schiedsgericht von Arbeitsgenossen, zu dem der Protestierende zwei Mitglieder
selbst ernennen soll und darf.
Arbeitsverweigerer werden mit langer, öffentlicher
Zwangsarbeit bestraft.
Die der Volksgemeinschaft zu leistende Arbeitszeit
darf 36 Stunden per Woche nicht überschreiten. Der dafür fällige Arbeitslohn
wird von der Exekutive der Gemeinschaft jedem Einzelnen auf die allgemeine
Volksgemeinschaftskasse verrechnet.
Als Gegenleistung für die Arbeitspflicht garantiert
die Volksgemeinschaft jedem einzelnen Volksgenossen vollständig freien,
kostenlosen, geregelten (rationierten) Lebensunterhalt, inklusive freier
Wohnung, Heizung, Licht, rationierter Kleidung, Unterricht, Krankenpflege,
Kindererziehung, Unterhaltung, wie Theater, Musik, Kunst usw. und freie
Beerdigung.
Alle Personen über 60 Jahre, so wie alle Kranken
oder dauernd Invaliden sind von jeder Arbeitspflicht befreit, erhalten aber die
gleichen freien Bezüge wie die Gesunden, beziehungsweise wie sie vorher
erhalten hatten.
Das Erbrecht ist im Prinzip abgeschafft. Nur
bewegliche Gegenstände des persönlichen Gebrauches, die keinen höheren Wert als
X Mark haben, können von Eltern in direkter Linie auf Kinder vererbt werden.
Aller Gross-Handel, insbesondere der Handel mit dem
Auslande, alle Industrie (Klein-Handwerk ausgenommen) geht für Rechnung der
Volksgemeinschaft.
Alle Kunsterzeugnisse sind Eigentum der
Volksgemeinschaft.
Um den Eifer des einzelnen Volksgenossen zur
Leistung von Höchstleistungen anzuspornen, sei es auf dem Gebiete des Gewerbes,
des Handels, der Industrie, der Kunst, des Landbaus, der Viehzucht, des
Haushaltes usw., oder eben jeder anderen Art von Arbeitsleistung werden
jährlich Volks-Preis-Feste veranstaltet, bei denen diejenigen Personen, welche
Höchst- und Best-Leistungen im Laufe des Jahres geleistet haben, öffentlich
belobt, Lorbeer gekrönt und belohnt werden.
Der Preis-Lohn besteht in realen und idealen
Werten. Alle diejenigen, welche erste Preise errungen haben, werden ihrerseits
für das nächste Jahr zu Preisrichtern ernannt. Ausserdem werden ihnen
Bevorzugungen zugesprochen, wie Vergnügungsreisen (die ausserhalb des Landes
allen anderen Volksgenossen verboten sind, um Bodenständigkeit zu erzeugen).
Forschungsreisen werden so wie so für Rechnung der Gemeinsamkeit stets gemacht,
aber auch nur Preisgekrönte dafür ausgesucht.
Das Volk (jeder Mann und jede Frau von 20 Jahren)
wählen jährlich einen Vollzugs-Ausschuss, der die Geschäfte der Gemeinschaft zu
führen hat. Dieser Vollzugsausschuss wird unterstützt von ihnen untergeordneten
Fachleuten jeder Sparte von Arbeit, die alle sieben Jahre vom Volke direkt
gewählt werden. Wiederwahl ist zulässig.
Die Ordnung im Innern wird durch eine von den
Gemeinden gewählte Ordnungs-Mannschaft (Stadtwache, Gemeindewache, Feldwache)
ausgeübt.
Zum Schutze gegen aussen hat jeder Volksgenosse und
jede Genossin seine Person der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen, und muss
zu diesem Zwecke vom 17. Jahre an jährlich eine Schulung, beziehungsweise
Repetierkurs durchmachen. Im 17. Jahre dauert die Schulung 6 Monate, im 18.
Jahre 2 Monate und dann in jedem Jahre 14 Tage Repetier-Kurs.
Das Gerichtsverfahren ist kostenlos.
Personen, welche als Querulanten das Gericht
belästigen oder falsche Anschuldigungen erheben oder falsche Eide schwören,
töten, stehlen usw. werden mit öffentlicher entehrender Zwangsarbeit bestraft.
Das öffentliche Recht wird von vom Volke erwählten
Richtern souverän gehandhabt und gesprochen.
Jede Verbindung zwischen Mann und Frau wird als
eine EHE angesehen.
Die Kinder führen den Namen der Mutter. Jedes Kind
wird von der Volksgemeinschaft erzogen. Auf Antrag können Kinder bis zum 6.
Jahre von der Mutter zu Hause erzogen werden.
Jeder Mann, jede Frau, jeder Knabe, jedes Mädchen
vom 14. Jahre an, werden von den ärztlichen Delegierten des Obersten
Volks-Gesundheitsrates regelmässig ärztlich untersucht auf ihren
Gesundheitszustand.
Personen (männlich oder weiblich), welche vom
Ärztlichen Obersten Gesundheitsrat als zur Erzeugung von gesunden Kindern für NICHT befähigt befunden werden, dürfen keine ehen eingehen.
Personen, welche trotz dieses Verbotes Kinder
zeugen, werden mit öffentlicher Zwangsarbeit bestraft.
Religion ist Privatsache.
Da aber die auf den Lehren der Kirchenväter
aufgebaute herrschende christliche Kirche den reinen Lehren des Ur-Christentums
untreu geworden ist und sich als vollständig unfähig erwiesen hat, auch nur im
geringsten Masse die niedrigsten tierischen Grausamkeiten bei seinen eigenen
eifrigsten (äusserlichen) Bekennern und Anhängern zu mildern, so wird von
Staats-wegen die Ausübung des Kultus des wiederhergestellten Ur-Christentums
(Gemeinschaft der Gnostischen Neo-Christen) unterstützt und gefördert.
ENDNOTEN
[1]* Bei Interesse wird der Grossteil
der noch vorliegenden Reuss-Materialien ebenfalls publiziert
[2]* Um die amtlichen
Ordensmitteilungen und die Fotos von Klein, Lauer, Kirmiss und Ullmer gekürzt
[3]* Die Mitgliederzahl aller weltweit
verstreuten und konkurrierenden OTO-Zweige dürfte 1993 kaum 1000 betragen
[4]* Was vor allem für die
amerikanische Neu-Gründung des OTO von 1977 gilt ("Caliphat"), wo
sogar T-Shirts und Basketballmützen mit den ehemals geheimen OTO-Insignien
verkauft werden
[6]* Abgedruckt in: AHA 6/92, 8
[7]* Die Buchstaben OTO auf den Kopf
gestellt ergeben die ythyphallische Bedeutung von Schaft und Hoden. Dies gilt
ebenso für das griechische T in allen sexualmagischen Organisationen
[8]* Sperma und Vaginalsekrete
[9]* Crowleys Geliebte Leila Waddell
[10]* Es folgt eine verschlüsselte
Auflistung der Eintritts- und Initiationsgebühren
[11]* Der sich dann auch mit der
Ordenskasse auf und davon machte
[12]* Die mögliche Verbindung zum
Geheimdienst und die faschistischen Umtriebe Crowleys beschreibt Wilfried
Kugel: "Der Unverantwortliche," Düsseldorf 1992, 225
[14]* Bei Metzgers OTO ist dieser
Ausdruck ersetzt durch "Loge Thelema"
[15]* Abbildung in: AHA 3/91, 8
[16]* d.i. die sexualmagischen Grade
VIII°, IX° und evtl. XI°
[17]* Die handschriftlichen
Anmerkungen zum 1920 dann publizierten Text erscheinen als Fussnote. Im Titel
des Manuskripts:
"Geheim-Instruktionen
für die Eingeweihten des Ordo Templi Orientis. 1914"
[18]*
Br.: Th. R.[euss]
33°, 90°, 97°, X°,
Oberhaupt des O.T.O.
[20]*
Es ist der wahre Schlüssel;
- nur hätte er nicht veröffentlicht werden sollen!!
[21]*
als Gralsspeise = Gralstrieb
[22]*
die heilende Auslösung im "Bad
der Yoni".
[23]*
infolge Auslösung der
"Verzückung" durch Onanie.
[25]*
d.h. die wahre Liebe zu Maria
geben.
[26]*
Lingam + Yoni als Symbol
ausgedrückt durch Wein + Brot im Abendmahl.
[27]*
der die richtige Anwendung seiner
Gefühle nicht kennt
[28]*
nur die Maria-Verbindung ist
"rituell im Sinne des Grals".
[29]*
der den Grals-Trieb unterdrückt
[30]*
der demselben dient
[32]*
als Schutz vor Onanie oder Hingabe
an einen "Nur-Lust-Akt"
[34]*
Der seelische Trieb zur Verbindung
Lingam-Yoni, Erektion + Koitus im reinen, heiligen Sinne mit Maria, also mit
keinem anderen Weib und keinem anderen Mann.
[35]*
symbolisch ausgedrückt durch die
Grals-Darstellung! ein Stein in einem Gefäss.
[36]*
Erbsünde. "Sündenfall"
ist der Koitus, wenn die Hingabe an Trieb, oder "Müssen," nicht aus
wünschender Liebe = heiliger Geist geschieht!
[37]*
"Scham" war von keiner
Grals-Liebe beseelt, sondern wurde durch E[unleserlich]
u.
diese ihrerseits wieder durch die "Schlange" (Phallos) dazu
verleitet. Darum "Sündenfall"! und das nachherige Gefühl der
"Scham".
[38]*
d.h. in wahrer Liebe
[41]*
Yoni. ("Heiligtum")
Eingang durch das "Schiff" ins Allerheiligste des Tempels:
Vagina-Uterus.
[42]*
Yoni = Rosen-Kultus!
[43]*
durch d. Marienkultus ohne
Rücksicht auf "offic". Ehe.
[44]*
infolge d. kirchl. Dogmas der
Eheschliessung
[45]* [Dieser und die Abschnitte bis
zum IV. Kapitel fehlen im Manuskript]
[46]* Titel im Manuskript:
IV. Aussprüche als Bausteine zu
unserm Tempel.
[47]*
Deshalb das "Ewige Licht"
i.d. kathl. Kirche.
[48]*
"Fidus Tempel der Erde"!
[49]*
ob "Tantris" hiemit
zusammenhängt?
[50]*
Xenologie des Seaming
[51]* Die Literaturangabe besteht im
Manuskript nur aus: King, Schmitt, Hammer, Reuss, Waite, Crowley, Blavatsky,
Cooper und Howard.
[52]* Man beachte den Unterschied zu
Crowley Manifesto der Oriflamme 1914 in diesem Reader
[53]* Aber nicht die Organisationen
selbst, wie oft von OTO-Mitgliedern missverstanden wird
© P.R. König 1993
English
Introduction to the O.T.O. History [updated September 1999]
versione italiana: Breve Storia dell'Ordo Templi Orientis
Tradução Portuguesa: Introdução à Ordo Templi Orientis
tradduciõn castellano: Introducción a la Ordo Templi Orientis
ceská verze: Fenomén O.T.O.
Russian version
Dutch version: Ordo Templi Orientis
chinese translation: "Intro to the O.T.O."
Traduse in romana:
Introducere in Ordo Templi Orientis
Details about
Carl Kellner: Never a member of any O.T.O.
Josef Dvorak: Carl Kellner [collected gossips and speculations about Kellner's life, Franz Hartmann, Hatha Yoga and Baphomet]
Short biography on
Franz Hartmann
Joanny Bricaud:
Notes
Historique sur le Rite Ancien et Primitiv de Memphis-Misraim
Theodor Reuss, a sort of biography [updated]
Short
Biography of Aleister Crowley
Consider the O.T.O. non existent
Rudolf Steiner:
Not a member of the O.T.O.
A.M.O.R.C.:
H. Spencer Lewis and Theodor Reuss
Of Booksellers And Other Grand Masters of the
O.T.O.: Detailed biographies on
Heinrich Tränker, Karl Germer, Henri Birven, Spencer Lewis, C.H.
Petersen, Eduard Munninger -- and their relation with the O.T.O. under
Reuss, Crowley and Metzger -- containing Henri Birven's "Obituary on
Karl Germer" with interesting details about Crowley in Berlin in 1930
A.M.O.R.C., Martin Erler, ORA, Heinrich Traenker, Pansophie, H.J. Metzger, Schweizer O.T.O., Schikowski – H.D. H:
Mein Besuch bei Heinrich Traenker
English translation: My visit to Heinrich Traenker
In Nomine Demiurgi Nosferati
Felix Lazerus Pinkus
--
Hermann J. Metzger's
spiritual father and Grandmaster of the O.T.O. in Switzerland ?
Thelema in
Appenzell ? (containing an interview with Hansruedi Giger)
The Psychosophical Publishing Company: Metzger's
publishing firm and connection to Franz Bardon, Lanz Liebenfels, the Ordo
Militiae Crucis Templi, Memphis Misraim, the Argenteum Astrum, and his
thoughts on Thelema
H.J. Metzger's
Manifesto 1963 -- With biographical notes on Karl Germer
Karl Germer:
Never the OHO of Crowley's O.T.O.
Illuminati and Templars -- Also about Walter
Englert, a 18th of the
Fraternitas Saturni
Baphomet and Rosycross
Eduard Munninger:
Roses in Austria
Carl William Hansen -- Denmark
Heinrich Traenker -- Bookseller in Germany. With links to texts.
Henry Birven --
addicted to Crowley?
Friedrich Lekve -- Dreamland Thelem Chassidim -- Martha Kuentzel. With links to texts.
C.H. Petersen
-- Abramelin in the Abbey of Thelema
Gnosis on Stage:
Friedrich Mellinger. With H.J. Metzger's Manifesto of 1963
Kenneth Grant and the
Plan 93 From Outer Space
Charles Manson and the
Solar Lodge of the O.T.O.
-- Reports by witnesses and the FBI
History of the 'Caliphate':
Mysteria Mystica Maxima. A Song of the Whitewash
News about the
"New Caliphate", a new firm
or club from 1985 and its version of the instrument of
"apostolic
succession" (with a
MP3
tape)
All we want
is a 'Caliph': Minutes of the Special Ninth Degree Caliphate Election
Held September 20/21, 1985
One O.T.O. in Brazil
Marcelo A.C. Santos:
A Verdadeira História do "Califado" no Brasil
Some
Spicy Smacks in Russia
Per Aftera Ad Astra Anal Intercourse and the O.T.O.
-- the XIth degree: Choronzon Club, Ordo Templi Orientis Antiqua,
Ordo Argenteum Astrum, QBL Alchemist Church, Rite of Mitylene
Russian translation
"Ljuben je zakon" or "ljubav pod voljom"? -- The O.T.O. in
ex-'Yugoslavia'. An example of member activities
Moosebump: the 'Caliphate' in Canada
Stranded Bishops Gnostic Churches in the
kitchen.
History of the O.T.O.A.:
Inflation of Gnosis
How William Breeze lost an Apostolic Succession
My Own O.T.O.A.
Selling out O.T.O. groups in Italy
Stephan Hoeller:
Position Paper Concerning the Thelemite or Crowleyan Gnostic Churches. About the importance of magical
succession without schisms; about valid and proper intention of
consecrations, and that one Mass no Church doth make
National Grandmasters and OHOs of the O.T.O.
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