Geologie

Die grössten, an Radiolarite gebundenen Manganerzvorkom­men der Schweiz sind die beiden verlassenen Gruben von Falotta und Parsettens in der Nähe von Tinizong im Oberhalbstein. Die zwei Gruben liegen in verschiedenen tektonischen Schuppen der hochpennischen Platta-Decke. In den einzelnen Schuppen kann über extrusiv gebildeten Metabasiten eine pelagische Abfolge in sedimentarischer Auflagerung erkannt werden. Sie beginnt mit manganerzführenden Radiolariten, wobei das Erz als synsedimentäre, mm  bis cm  mächtige Braunit-Lagen vorkommt. Darüber leitet eine tonig-kalkige Übergangsfazies zu bankigen bis massigen Kalkmarmoren (Aptychenkalke) über.

Mehrphasige, monoaxiale Deformation hat eine lokale Anhäufung von erzführenden Radiolariten bewirkt. In Falotta ist eine lokale Abschürfung und direkt anschliessende Aufstauchung des erzführenden Radiolarits durch abgescherte Hangsedimente („Aptychenkalk“) die Ursache für die Häufung der Erze. In Parsettens dagegen wurde während der Platznahme der Decken die erzführenden Radiolarite in Verkehrtlagerung in unterostalpine Sedimente eingespiesst und aufgestaucht. Auf beiden Lagerstätten liegen die Erzkörper mehr oder weniger isoliert da. In beiden Erzkörpern führte die Neumineralisation zur Bildung von Parsettensit, Rhodonit, Sursassit und Tinzenit auf Kosten von Braunit. Abschliessende, spättektonische Kluftbildungen sind mengenmässig unbedeutend, weisen aber reichhaltige Mineralparagenesen auf.
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Geschichte

Die Ausbeutung der beiden Mangan-Gruben begann im 19. Jahrhundert, es ist aber möglich, dass die Vorkommen schon früher bekannt waren. Beim ersten Abbau wurde aus dem Manganerz Eisen gewonnen. Diese Abbauperiode war wenig ergiebig und endete 1892.

Die Versorgungsprobleme, ausgelöst durch den ersten Weltkrieg, führten dann zu einem ersten, grösseren Abbau der Manganerze in den Jahren 1916 - 1919. Aus den Sturzmassen bei der Alp digl Plaz und auf Parsettens wurden während dieser Zeit rund 2500 t Erz abgebaut.

Während des zweiten Weltkrieges verschlechterte sich die Manganversorgung der Schweiz wieder erheblich. In den Jahren 1942 - 1945 wurden auf Parsettens etwa 2500 t Manganerz gewonnen und von 1944 -1945 auf Falotta ca. 1800 t Erz abgebaut.

Die Rechte für den Abbau während des zweiten Weltkrieges auf Falotta wie auf Parsettens  lagen bei den von Roll'schen Eisenwerken in Choindez. Die Gewinnung erfolgte im Tagbau. Die Arbeiten wurden 1945 in beiden Gruben eingestellt.   home

Lage
  Die verschiedenen Abbaustellen liegen zwischen Tiefencastel und dem Julierpass in der Gemeinde Tinizong im Oberhalbstein, Kanton Graubünden.   home

 

Zur Grube Falotta

Die Grube von Falotta liegt auf 2138 m an der Südflanke des gleichnamigen Berges, etwa zwei Marschstunden über dem Dorf Rona an der Julierstrasse. Der Aufstieg zur Grube beginnt am Anfang der Ebene von Rona, hinauf zum Dorfteil Ruegna und weiter durch den Bergwald nach Alp digl Plaz. Je nach Jahreszeit begegnet man schon hier einer vielfältigen Flora.

    Fliegenpilz am Wegrand
       nach Alp digl Plaz

◄◄ Alp digl Plaz

Der Brunnen auf der Alp digl Plaz lädt zu einem kühlen Schluck ein. Bevor der Weg wieder ansteigt, kreuzen wir die Veia Surmirana, ein Wanderweg der von der Julier-Passhöhe hinunter nach Thusis führt. Wir folgen dem alten Knappenweg durch einem Buschwald. Wenn wir Glück haben, können wir Gämsen oder Murmeltieren begegnen, ganz sicher aber einer einzigartigen Alpenflora. Bald verlassen wir die Erlenstauden, wir folgen dem Bach bis zu einer flachen Stelle,  dann nach Westen, hinauf zur Grube.


Alpen-Akelei
     Die einmalige
        Aussicht auf die
        Dörfer des
        unteren Surses
 
◄◄ Blick von oben
        in die Grube
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Zu den Gruben von Parsettens

Die Gruben von Parsettens liegen im hinteren Val d'Err. Die Abzweigung ist mitten im Dorf Tinizong beim Wegweiser. Auf der Bergstrasse bis zur ersten Kurve, dann abwechselnd zwischen Pfad und Strasse hinauf zum Maiensässdorf Pensa. Von hier führt das Alpsträsschen auf der linken Talseite durch den Wald hinauf zum Eingang ins Val d'Err.

 

     Murmeltier im Val d'Err

◄◄  Blick von den Laiets beim
        Ela-Pass ins Val d'Err

Der Weg führt nun im offenen Gelände, gemächlich ansteigend, immer weiter ins Tal hinein.
In den frühen Morgenstunden ist es möglich im Val d'Err ganze Hirschrudel von hundert und mehr Tieren anzutreffen, aber auch Gämsen und Murmeltiere können bei ruhigem Verhalten beobachtet werden. Die Flora ist ähnlich reichhaltig wie auf dem Weg nach Falotta.
Weiter hinten im Tal geht rechts ein Pfad, vorbei an einem Melkplatz (betonierte Platte) zu den Gruben.
 


Schwärmer auf Alpen-Kratzdistel.

 Parsettens II liegt ca. 80 Höhenmeter über der
     Abbaustelle von Parsettens
I.
 Die Grube Parsettens liegt auf 2255 m im hinteren
     Val d'Err.

Beim Abstieg lohnt sich ein Besuch bei der Sennerin auf der Alp d'Err wo man sich bei einem kühlen Glas Milch erfrischen kann.
Wer nicht auf dem gleichen Weg absteigen möchte, geht ca. 15 Minuten hinauf zum Parsettens-Pass um von da über Demat zurück nach Pensa zu gelangen.  

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