1563 Mai 11. ( vor Orleans? )

Schreiben der Hauptleute Tschiri, Merz und von Heimen an Landammann und Rat zu Appenzell.

Gestreng, erenvest, from, fürsichtig, ersam und wyß, insonders günstig, gnädig herren, obren und vätter,

wyr haben ain schriben von üch enpffangen, daß letst datum den 19. tag Mertzen, ouch inhalts schribenß verstanden üwerß großen hertz­laids von weggen der abgestorbnen, welcheß nitt minder üch und unß von hertzen laid ist. Ouch demnach verstanden üwerß großen beduren als von wegen hotman Bartli Klamen selligen, gott thröst syn selb und unser allen. Ist üch als unßren gnädigen herren, obren und väter zum allerhochsten ze bedancken üwer vaterlicher thrüw und liebi, so ir zü den üwren tragend und hoffend noch fürderer thun wellind. Langtt derhalben unser gantz früntlich, underthänig, ernstlich bytt an üch, ir wellend unß semlichs in khainern argem uffnemmen; dann wir üch aigentlich die warhait ze­schriben nach gstallt der sachen. Als dann üwer und unser geliepter hotman Klam an der schlackt übell geschädigatt worden ist, hatt man in ain stadtt getragen, ge­namptt Drö 1  Nun uff etlich tag darnach ist man mitt dem leger uffbrochen, halt derhalben niemantt aigentlich mögen wißen, wohin man ziechen wolt, byß und wir sind kommen uff Boyansi 2 zü ; do hatt man erfaren, man müsi uff  Orlientz 3, ouch gantz und gar nütt gewist, dozmallen den boten hinweg zu fertigen. In dem­selbigen ist der fändrich Ransperg zu dem Klamen geryten. Do sind wyr uff­brochen und sind uff Orlianß 3 zugeruckt; in demselbigen habend unß der herr von Gwüßen 4 in bevelch geben, die fändli zu stercken und in ill die Botten hinweg zu fertigen, welches dan oni vertzug beschechen ist. Da habend wyr nütt dörffen botschaft zum Klamen schicken von wegen der schwartzen rütter; die sind uß Orliantz 3 uffbrochen, halt niemant aigentlich gewist, wohin sy gevertigatt, und ist aber der fändrich Ransperg noch nütt khomen gsin. Ist als dye ursach gsin, daß man nütt hat gwyst, wie eß um den hotman standi. Darum langtt unser früntlich pytt an üch, ir wellend semlichs bester maynung von uns uffnemmen. Demnach, günstig herren und vätter, wyßend, daß eß von den gnaden gotes woul um die üwren knecht und uns all stadt, wiewol noch etlich knecht awenig kranck sind, aber nütt zum tod, sonder wir gebends als dem starchen wyn zu. Zu dem andren, gün­stigen und gnädigen herren und väter, wye ir dan unfi geschriben haben von wegen der knechten, daß wir sy in bevelch haben, so enbütend wir üch als unsren gnä­digen herren und vätter alleß, daß wir üch unsren gnädigen herren, ouch den üwren knechten uß schuldiger pflicht liebß und dienst khönend bewyßen, wellend wir jeder zitt gantz früntlich und ongespartt erfunden werden etc. Zum andren, günstig, lieb herren, habend wir verstanden, wie daß üwer, myner herren beger sygi, daß wyr den löuffer fürderlicher schicken wellend, - daß wellend wir gern thun uff dafi fürder­lichist, so unß möglichen ist, - oder üch gschriftlich mitt andren Orten ze wißen laßen; daß wellend wir jeder zitt gern thun. Wyr vermänend, wir habend alwegen mitt andren Orten gschriben, mögend aber nütt wüßen, obi eß üch worden ist oder nütt, wiewol man zway mal uff der post der öberist gschickt hatt. Hand wir in gefragtt, obi andri Ortt ouch schriben ; do hatt er uns zu antwurt geben, er welli üch selbs uß syner kopi ayni züschriben; sunst hettend wir selbß gschriben. Und zum letsten, günstigen, lieben herren, wir achtend, ir sygend gnugsömlich bericht worden des fridenß halben, Ich weit üch die fürnemsten artickel gern zugschriben han, so habend sy mir noch nye khönen werden. Ouch demnach deß vyendß halben khönend wir üch uff dyßmallen nütt grundtlichs ain bericht geben; dann etlich reden ußgond, der Engellender sterchi sych in Ormandi 5 dan ist die red, man handli ouch i n aynem friden. Eß lytt der künig und die künigin, syn frow müter, sampt ainem großen hoffgsind zü Santt German, 4 klin myl von Paris; ouch lygend by im 19 fendli Schwitzer, welchi er gantz lieb hatt; ouch lygend 3 fendli zu  Orlientz 3, erstlich hotmann Thuginer von Solathurn und Wilhelm Prölich, des obristen selligen son, und Max Ulman von Raperschwill, und der hottman Studer lytt mitt sinem fendli zü Ambossen 6 etc. Jetz zmal nüwer zittung halben khönend wir üch nölt sonders gschriben, dann wir bytend üch, unsri gnädig herren, obren und vätter, ir weilend unß, ouch die unsren dahämen, alwegen lassen bevolhen syn, als wir zü üch, unßren herren und vätter verthruwen. Hiemytt üch als unser gethrüw herren und vätter, ouch uns alli im götlicher gnaden bevelhendi. Datto den xi. tag.

 

May im 63. jar.

Üwer willig diener alitzytt                                   Ulrich Tschiri, Hans Mertz, Jacob von Hämen.

                    Landesarchiv Appenzell B III, Nr. 69. - Original ( Papier ) mit Siegel

                        (  1 Dreux,  2 Le Mans ?, 3  Orléans,  4  Herzog von  Guise,  5 Normandie,  6 Amboise )

 

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