Natürlich  hatte die ab 1514 auf dem Gebiet der Eidgenossenschaft  ablaufende Reformation  einen grossen Einfluss

im  Appenzellerland. Die Reformatoren Calvin, Zwingli in Zürich sowie Vadian ( eigentlicher Name Dr. Joachim von Watt )

in St. Gallen fanden viele Anhänger unter den freiheitsliebenden Appenzellern. Dies führte zwangsläufig zu

Spannungen zwischen den Katholiken und den Neugläubigen. Da keine einfache Lösung möglich war,

überliess es die Landsgemeinde von 1525 den Pfarreien ( den sog. Kirchhören ) durch Mehrheitsbeschluss

ihre Zugehörigkeitzu bestimmen. Die Bewohner der sechs inneren Rhoden der Kirchhöri Appenzell hielten dabei am alten

Glauben  fest. Eindeutige Verhältnisse brachten aber erst  der Entscheid durch  die  zweite Schlacht

von Kappel a.A. und  das energische Einschreiten einiger bewaffneter Bewohnern von Gonten in Appenzell.

Die äusseren Rhoden tendierten  überwiegend zur neuen Glaubenslehre. Teilweise massive Streitereien waren

danach an der Tagesordnung. Die Gegenreformation als Folge des Konzils von Trient stärkte den katholischen

Teil von Appenzell nachhaltig. Eine eher rigide Überwachung der Gläubigen setzte ein Die Regierung  wachte

über den Kirchenbesuch, kontrollierte die Besetzung von Pfarrstellen und die Festlegung von kirchlichen

Festen als öffentliche Feiertage.  In dieser  Zeit ( 1587 ) fasste der Kapuzinerorden den Beschluss sich im Kloster

zu Appenzell definitiv niederzulassen. Dies hatte eine grosse Zerwürfnis unter den alt-und neugläubigen Innerrhodnern

zur Folge. Ein eigentlicher Kampf der Katholiken gegen die protestantische Minderheit setzte ein. Einige Mitglieder

des Heim Clan's  fielen dabei durch eine besonders kirchentreue Haltung auf ( Johannes Heim ).

Ab 1588 hatte die protestantische Minderheit nur noch die Wahl sich zum Katholizismus zu bekennen oder

auszuwandern. Der grösste Teil der Protestanten wanderte aus. Zu diesem Zeitpunkt war die gesamte

Schweiz schon tief gespalten. Die katholischen Orte wollten ihre Stellung innerhalb der Eidgenossenschaft

dadurch festigen, dass sie  das katholische Appenzell  zu einem Sold- und Militärbündnis einbinden wollten

welches sie 1587 mit dem katholischen Spanien und dem Herzogtum Mailand geschlossen hatten. Die Innerrhodner

hatten bisher einen grossen Teil des Staatshaushaltes aus Bündnisgeldern , Soldzahlung bzw. Steuern davon ,

direkten Zahlungen an die Staatskasse durch Pensionen der französischen Monarchien  bestritten. Nachdem diese

zunehmend weniger wurden bzw. ausblieben , hoffte die Regierung auf spanische Soldzahlungen und Pensionen. Dies

führte zu massivem Widerstand der äusseren Rhoden. Diese standen im Kontakt zu protestantischen Orten der

Eidgenossenschaft die zum Teil wiederum auch in Frankreich  Söldner im Einsatz hatten. ( auf protestantischer Seite )

Die äusseren Rhoden waren zudem durch eine enge Verflechtung ins St. Galler Leinwandgeschäft finanziell weniger von

Soldzahlungen abhängig.

1596 hatte die Kirchhöri Appenzell im Alleingang einem Militärbündnis mit Spanien-Herzogtum Mailand zugestimmt. Dies

erzürnte die äusseren Rhoden zu Recht und sie forderten die Appenzeller auf das Bündnis zu kündigen oder  die Sache 

anlässlich einer Landsgemeinde beider Rhoden zur Sprache und Abstimmung zu bringen. Dort war für die Innerrhodner keine

Mehrheit zu erwarten weshalb die Innerrhodner Politiker mit dem Plan einer Landteilung " der besseren Einigkeit willen " 

aufwarteten. Vielerorts war es jedoch die Meinung, dass dies keine gute Idee sei. Trotzdem setzte sich auch anlässlich einer

ausserordentlichen Landsgemeinde in Hundwil die Idee der Landteilung durch. Ebenso waren die Katholiken der Kirchhöre

Appenzell für die Teilung. Viele Probleme waren damit jedoch keineswegs gelöst.

Es kam zum Einsatz von Schiedsrichtern welche von der Tagsatzung der Eidgenossenschaft  gesandt wurden. Sie legten

einen Landteilungsbrief vor  ( 8.9.1597 )welcher  die definive Trennung der beiden Rhoden einleitete. Die Landteilungsurkunde

war das Ergebnis von demokratischen Entscheidungen welche zuvor gefällt worden waren. Der Brief ist  in 4 Gruppen mit

insgesamt 17 Artikel gegliedert:

  

1. Die Landes-und Güterteilung,       

Die neuen Halbkantone setzen sich der Religionszugehörigkeit entsprechend zusammen. Die Randgebiete und religiös

gemischten Zonen erfahren eine spezielle Regelung. Jeder der beiden Stände hat ein Recht auf eine eigene Obrigkeit mit

Rat, Justiz, Stock und Galgen. Innerrhoden darf das alte Wappen, das Siegel und das Archiv von Appenzell behalten.

Beide Halbkantone haben jedoch Zugriff darauf. Gegen eine Ausgleichszahlung von 18'000 Pfund an Ausserrhoden wurde

Innerrhoden das sog. Landesgut ( Gebäude etc. ) zugeteilt.

  

2. Die neuen Halbkantone und die Eidgenossenschaft,

In der Tagsatzung der Eidgenossenschaft waren beide Stände mit eigenen Boten vertreten. Innerrhoden hatte aber den

Vorsitz. Beide Stände bildeten jedoch nur einen einzigen Ort dh. nur ein Mitglied  der Eidgenossenschaft.

 

 3. Bündnisregelungen

In zwei Artikeln wird die Bündnis- und Konfessionsproblematik behandelt. Frühere Anfeindungen und Schmähungen sollten

vergessen sein und neue unterbleiben. Der Kirchhöri Appenzell wurde freien Zugang und der Besitz der Stosskapelle

versprochen. Die  unbewilligte Anwerbung von Reisläufern ( Söldnern ) für die spanische Krone oder das Herzogtum Mailand

wurde untersagt.

  

 4. Konfessionelle Bestimmungen

Es wurde vereinbart, dass die alten Gebräuche und Rechte weiterbestehen sollen soweit sie nicht durch den Landteilungsbrief

eingeschränkt oder aufgehoben wurden. Ferner wurde festgehalten, dass sich beide Stände wieder vereinigen dürfen sofern sie

das wollen.

Dieser letzte Artikel ist hier im Originalwortlaut wiedergegeben:

" Und zum siebenzechenden und letsten ist auch abgeredet und vorbehalten: und glychwol jetzt die sönnderung und theilung

dess landts Appentzell regiments und gmeinen guts zwüschent inen angesehen und ins werckh gerichtet wirt, so sölle doch

dasselbig nit immer und eewig noch länger  wëhren und bestaan, dann so lang es inen zu beiden theilen gefellig ist, also das

sy sölliche  sönnderung und theilung über kurtz oder lange zyt wol ufheben und widerumb wie von alterhar inn gmein zesammen

staan mögen, wann sy gmeinlich fundint, das inen und gmeinem land die sönnderung nit nutzlich und fürstendig were, und sy zu

beiden theilen gmeinlich dess einen werden und sich also mit einanderen darumb verglychen möchten, alles gethrüwlich und

ungefahrlich."

eine wahrlich kluge Vereinbarung !                                            

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