25 Höhepunkte VS Dufourspitze 4633,9 m
Tourenbericht: Hochtouren Dufourspitze 1. - 6.08.2008

Tourenbericht Naturfreunde Rüti-Tann-Bubikon

25 HP VS Hochtouren Dufourspitze 4633.9 m

Freitag, 1. – Mittwoch, 6. August 2008

Abwechslungsreiche Tourentage von Alagna bis Blatten

Programm
Freitag, 1. August
Fahrt mit ÖV: Rapperswil – Zürich – Brig – Arona – Romagna Sesia – Varallo Sesia – Alagna
Es wird eine eher lange Fahrt in eine uns allen unbekannte Region. In Brig erwartet uns der Bergführer Benny Jossen vom Alpin Center Belalp.
In Arona steigen wir in eine kleine dieselgetriebene Lokalbahn um, in Romagna Sesia in einen grossen Bus und von Varallo Sesia bringt uns ein Kleinbus in das südlich des Monte Rosa gelegene Bergdorf Alagna, ursprünglich eine Walsersiedlung. Nach zehn Stunden Reisezeit empfängt uns hier ein heftiges Gewitter, das uns veranlasst, gleich hier in Alagna auf 1150 m zu übernachten.

Samstag, 2. August
Seilbahnen Alagna bis Passo Salati 2900 m. Die obere Sektion ist als Typ Funifor gebaut, die grosse Kabine ist an zwei Tragseilen aufgehängt und wird von zwei Zugseilen gezogen. Diese Bauart soll sehr windstabil sein.
Vom Passo Salati steigen wir über Punta Indren 3260 m zum Rifugio Città di Mantova 3470 m hinauf
[600 Hm; 3 Std.].
Am Nachmittag üben wir die Spaltenrettungstechnik – es ist sehr sehr lange her, seit wir letztmals einen Flaschenzug gebaut haben! Auch die Knotentechnik repetieren wir: Führer-, Achter-, Prusikknoten, Mastwurf, Halbmastwurf und Spierenstich sind eigentlich allen bekannt, aber die Vorgehensweise mit der „Basis“ ist ungewohnt für uns.
Und noch etwas: Benny entleert seinen kleinen Rucksack und demonstriert uns, wie leicht eine vollständige Bergausrüstung sein kann. Erst einmal alles Überflüssige zu Hause lassen, dann möglichst leichte Ausrüstungsgegenstände wählen. Kleidung im Schichtenprinzip: Ein kurz- und ein langärmliges Funktionsshirt, eine leichte Windstopperjacke mit Kapuze, eine einlagige Goretex-light-Jacke, eine dünne Daunenjacke. Stirnband, Handschuhe dünn und dick, Sonnenbrille und Apotheke, Funkgerät, Handy mit integriertem GPS. Auch das technische Material aus möglichst leichtem Material. Ein Teleskopstock genügt. Zwischenverpflegung optimieren etc.
Stolz präsentiert er uns seine Toilettensachen: Ein Waschlappen in Beutelform, darin ein Miniset Zahnbürste und Zahnpasta und ein paar Feuchttüchlein. Norbert möchte darauf am liebsten alles Überflüssige aus seinem Rucksack wegwerfen. Mal sehen, wie er auf der nächsten Tour daher kommt!

Sonntag, 3. August
Aufstieg zum Grenzgipfel Balmenhorn 4252 m und Abstieg über den Grenzgletscher zur Monte Rosa Hütte 2795 m. Die Route führt durch eine fantastische Gletscherwelt mit Blick auf so berühmte Viertausender wie Mont Blanc, Weisshorn, Matterhorn, Breithorn, Castor, Pollux, Lyskamm, Dufourspitze und viele mehr.
Auf etwa 3300 m verletzt sich Ruth mit den Steigeisen eine Wade. Wir entscheiden uns, die Wunden in Zermatt nähen zu lassen und Benny funkt gleich der Air Zermatt. Eine Viertelstunde später steigt Ruth in den Helikopter.
Wir steigen weiter ab, vorbei an der Baustelle für die neue Monte Rosa Hütte zur gut 100 Hm tiefer gelegenen Monte Rosa Hütte, wo wir unseren Durst löschen und eine feine Käseschnitte zum Zvieri nehmen. Werni und Godi verzichten auf die morgige Besteigung der Dufourspitze.

Montag, 4. August
01:45 Uhr Tagwache, 02:30 Aufbruch Richtung Dufourspitze, ich kehre nach einer halben Stunde wegen Atemnot und Übelkeit um. Benny erreicht mit Beatrice und Norbert um 10 Uhr den Vorgipfel. Sie müssen hier umkehren, weil der exponierte Übergang zum nur einen Steinwurf entfernten Hauptgipfel 4634 m bei den herrschenden Sturmböen zu gefährlich ist.
Godi, Werni und ich nehmen um 7 Uhr Frühstück und inspizieren nachher die Baustelle für die neue Monte Rosa Hütte – noch werden erst die Fundamentverankerungen betoniert.
Immer wieder beobachten wir mit dem Feldstecher die Seilschaften an der Dufourspitze, die Distanz ist aber zu gross, wir können nicht erkennen, welche Seilschaft die „unsere“ ist. Um 10 Uhr gönnen wir uns einen kühlen Fendant auf der Hüttenterrasse, geniessen eine ordentliche Walliserplatte und empfangen überraschend schon um 12:30 Uhr die zurückkehrende Gipfelseilschaft.
Ruths Wunden sind gestern genäht worden, sie macht heute bereits einen Ausflug auf den Gornergrat.

Dienstag, 5. August
06:45 Tagwache, 08:00 Abstieg über die Moräne auf den Grenzgletscher, auf dem der Weg mit Fähnchen markiert ist. Wir queren noch kurz den Gornergletscher und steigen dann auf gutem Weg Richtung Rotenboden hinauf. Ruth kommt uns hier entgegen.
Fahrt mit der Gornergratbahn hinunter nach Zermatt und mit der Matterhorn Gotthard Bahn nach Brig. Leider muss uns Godi in Visp verlassen, da er wegen seinen Knieschmerzen bereits heute nach Hause fährt. Das Postauto bringt uns von Brig nach Blatten, wo wir im Hotel Massa absteigen und gleich als erstes eine ordentliche Dusche geniessen.
Um 17:30 Uhr führt uns Benny zu seiner Baustelle (ein alter Hausteil, den er umbaut), erklärt uns sein Projekt, serviert einen Apéro und unterhält uns einmal mehr mit Episoden aus seinem unkonventionellen Leben.

Mittwoch, 6. August
Um 9 Uhr fahren wir mit Benny zum Gibidumstausee. Wir geniessen den abwechslungsreichen Klettersteig um den Stausee. Er führt oft entlang senkrechter Felswände direkt über dem Wasser, dann wieder über leichte Wanderwege durch vielfältige Vegetation (mit reifen Walderdbeeren), immer mit guter Aussicht über den See. Höhepunkte sind die 80 m lange und 40 m hohe Hängebrücke, eine 8 m lange Drahtseilbrücke und eine 25 m lange Tyrolienne. Um 13:30 erreichen wir das Ende des Klettersteiges bei der Staumauer.
Benny fährt mit uns noch nach Egga hinauf, wo er seinen Hausanteil zu einem Restaurant auszubauen gedenkt. Wir erfahren von ihm nochmals viel Wissenswertes über die Walliser Erbgesetze und über Bennys Ideenreichtum und Zukunftsträume.
Beim Durstlöschen in Blatten danken wir Benny herzlich für seine kompetente Führung und verabschieden uns von ihm. Um 15:48 stempeln wir unsere Multitageskarte ab und fahren mit dem ÖV nach Hause.

Kosten                  Total ca. Fr. 1500.-

Witterung             Am ersten Tag Gewitter, dann 2 Tage Sonne, am Dufour böige Winde, dann 2 Tage schön mit leichter Bewölkung.

Besonderes          Heli-Einsatz wegen Wadenverletzung durch Steigeisen

Statistik                Aufstiege: 3350 Hm; ca. 12 Std.
Abstiege: 3600 Hm; ca. 9 Std.
Klettersteig Aletsch: 3.5 Std.

TeilnehmerInnen 7
Béatrice Jacob
Benny
Jossen            Bergführer
Godi
Hauser
Hansruedi
Keller        Organisation
Norbert
Eisenring
Ruth
Fink-Theiler
Werner
Wolfensberger

Tourenbericht:  Hansruedi Keller